{"id":36559,"date":"2017-01-10T12:12:31","date_gmt":"2017-01-10T11:12:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36559"},"modified":"2017-01-12T08:12:31","modified_gmt":"2017-01-12T07:12:31","slug":"immer-mehr-deutsche-sind-dafuer-sich-aussenpolitisch-einzumischen-wirkt-die-kampagne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36559","title":{"rendered":"Immer mehr Deutsche sind daf\u00fcr sich au\u00dfenpolitisch \u201eeinzumischen\u201c &#8230; wirkt die Kampagne?"},"content":{"rendered":"<p>Fast drei Jahre ist es nun her, als Bundespr&auml;sident Gauck, Au&szlig;enminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen im Umfeld der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz 2014 im Gleichklang <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36360\">forderten<\/a>, Deutschland solle &bdquo;mehr Verantwortung &uuml;bernehmen&ldquo;. Ein von langer Hand von transatlantischen Think Tanks orchestriertes Man&ouml;ver, wie einer der Beteiligten, der ZEIT-Journalist und Think-Tank-Stratege Jochen Bittner es wenige Tage sp&auml;ter stolz und freim&uuml;tig <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/07\/deutsche-aussenpolitik-sicherheitskonferenz\">einger&auml;umt hat<\/a>. Deutschland solle seine &bdquo;milit&auml;rpolitische Zur&uuml;ckhaltung&ldquo; aufgeben. Seit Beginn dieser Kampagne f&uuml;r mehr milit&auml;rische Eins&auml;tze Deutschlands, &uuml;berpr&uuml;ft die eng mit der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz <a href=\"https:\/\/www.securityconference.de\/en\/activities\/munich-young-leaders\/\">zusammenarbeitende<\/a> K&ouml;rber Stiftung die &ouml;ffentliche Meinung in dieser Frage. Die Zustimmung f&uuml;r eine interventionistische Au&szlig;enpolitik wuchs demnach vor allem im letzten Jahr, wie unl&auml;ngst auch die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/internationale-beziehungen-zustimmung-der-deutschen-zu-internationalem-engagement-waechst-1.3270072\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> vermeldete. Dies ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Doch hinter der Studie stehen auch Fragezeichen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6883\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36559-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36559-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170111_Immer_mehr_Deutsche_wollen_sich_aussenpolitisch_einzumischen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im April 2014, kurz nach den &bdquo;Hauruck-Reden&ldquo; unseres milit&auml;rpolitischen Dreigestirns waren der K&ouml;rber-Studie zufolge immerhin 37% aller Befragten f&uuml;r ein &bdquo;st&auml;rkeres au&szlig;enpolitisches Engagement&ldquo; Deutschlands. Bis zum Januar 2015 sank die Zahl auf 34%, um bis zum Oktober 2015 wieder auf 40% und bis zum Oktober 2016 auf 41% zu steigen. Spiegelbildlich nahm die Zahl derer, die sagen, &bdquo;Deutschland solle sich weiterhin eher zur&uuml;ckhalten&ldquo; von 62% &uuml;ber 60% (Januar 2015), 62% (Oktober 2015) auf aktuell 53% ab. Die Zahlen k&ouml;nnen kritische Beobachter der Medienlandschaft nat&uuml;rlich nicht wirklich &uuml;berraschen. Schon seit vielen Jahren versuchen die mehrheitlich transatlantisch orientierten Eliten aus Politik und Medien die Erfolge der Entspannungspolitik <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33892\">zu torpedieren<\/a> und aus Deutschland ein &bdquo;ganz normales Land&ldquo; zu machen, das &bdquo;seiner Verantwortung gerecht wird&ldquo; und sich &bdquo;international engagiert&ldquo;.<\/p><p>Mehr &bdquo;Verantwortung&ldquo; &uuml;bernehmen? Das klingt doch gut. Oder? Nicht unbedingt. Denn wenn von einer Au&szlig;enpolitik die Rede ist, die mehr &bdquo;Verantwortung&ldquo; &uuml;bernehmen soll, geht es freilich nicht darum, dass beispielsweise die deutsche Entwicklungshilfepolitik die Verantwortung f&uuml;r die verheerende Freihandelspolitik der EU &uuml;bernehmen soll. Wenn im au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Kontext von &bdquo;Verantwortung&ldquo; die Rede ist, geht es in der Regel vielmehr darum, politische und vor allem wirtschaftliche Ziele durch Gewalt oder die Androhung von Gewalt durchzusetzen; eine sehr seltsame Verdrehung dessen, was der Begriff &bdquo;Verantwortung&ldquo; im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet. Aber das passt ja durchaus in die Zeit. Wir f&uuml;hren ja auch keine Kriege mehr, sondern besetzen fremde L&auml;nder im Rahmen von &bdquo;Stabilisierungseins&auml;tzen&ldquo; oder &bdquo;Befriedungsmissionen&ldquo;. <\/p><p><strong>Diese sprachlichen Unsch&auml;rfen sind es auch, die zumindest Fragen nach der Validit&auml;t der Zahlen der K&ouml;rber Stiftung aufwerfen.<\/strong> In der betreffenden Frage hei&szlig;t es w&ouml;rtlich &hellip;<\/p><blockquote><p>\nEs wird derzeit viel daru&#776;ber diskutiert, ob Deutschland in Zukunft international mehr Verantwortung u&#776;bernehmen soll. Was denken Sie: Sollte sich Deutschland ku&#776;nftig bei internationalen Krisen sta&#776;rker engagieren oder sollte sich Deutschland weiterhin eher zuru&#776;ckhalten?<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.koerber-stiftung.de\/fileadmin\/user_upload\/koerber-stiftung\/redaktion\/handlungsfeld_internationale-verstaendigung\/sonderthemen\/umfrage_aussenpolitik\/2015\/Koerber-Stiftung_Umfrage-Aussenpolitik-2015_Tabellen.pdf\">K&ouml;rber Stiftung<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Was hei&szlig;t &bdquo;st&auml;rker&ldquo; engagieren und warum spricht man von &bdquo;weiterhin&ldquo; zur&uuml;ckhalten? Die Frage klingt gerade so, als sei sie aus den 1980ern, als die Bundesrepublik Deutschland in der Tat au&szlig;en- und sicherheitspolitisch zur&uuml;ckhaltend war. Doch dies waren andere Zeiten, auch f&uuml;r die Bundeswehr. Aus der Verteidigungsarmee, die zumindest offiziell das K&auml;mpfen erlernte, um nicht k&auml;mpfen zu m&uuml;ssen, wurde eine schlagkr&auml;ftige Einsatzarmee, die auf Kriegseins&auml;tze getrimmt wurde. Deutschland f&uuml;hrte einen Angriffskrieg im Kosovo und ist ma&szlig;geblich am Krieg in Afghanistan beteiligt. 2.915 Bundeswehrsoldaten sind aktuell in Auslandseins&auml;tzen im Einsatz &ndash; vom Mali, &uuml;ber S&uuml;dsudan, Somalia, das Horn von Afrika, Syrien bis zum Irak. Aus dem Staatsb&uuml;rger in Uniform wurde der Rambo in Flecktarn, aus der Verteidigungsarmee eine internationale Interventionsarmee. Wenn die K&ouml;rber Stiftung also fragt, ob Deutschland sich &bdquo;weiterhin eher zur&uuml;ckhalten&ldquo; soll, so ist bereits die Frage manipulativ und die Antworten sind mannigfaltig zu deuten.<\/p><p><strong>Dies erkennt man auch an den Studienergebnissen, sobald die Fragen mal etwas konkreter werden.<\/strong> Die K&ouml;rber Stiftung fragte zum einen, ob man eine &bdquo;Beteiligung Deutschlands an einer milit&auml;rischen Intervention in Syrien&ldquo; und eine &bdquo;Beteiligung Deutschlands an direkten Verhandlungen mit Syriens Pr&auml;sident Assad&ldquo; jeweils voll und ganz oder eher bef&uuml;rwortet oder eher bzw. strikt ablehnt. <strong>Und siehe da &ndash; der Interventionismus der Deutschen kommt offenbar eher diplomatisch denn milit&auml;risch daher. W&auml;hrend nur 15% einen milit&auml;rischen Einsatz bef&uuml;rworten, sind es 66%, die w&uuml;nschen, dass die Bundesregierung mit Assad verhandelt. 82% der Befragten lehnen einen Milit&auml;reinsatz ab, nur 34% lehnen es hingegen ab, sich aktiv an direkten Verhandlungen zu beteiligen.<\/strong><\/p><p>Interessant ist hier &uuml;brigens die demoskopische Zuordnung &ndash; sowohl bei der Ablehnung eines Milit&auml;reinsatzes als auch bei der Zustimmung zu diplomatischen Initiativen sind Anh&auml;nger der Linkspartei die Avantgarde, w&auml;hrend bei der generell formulierten Frage, ob Deutschland &bdquo;sich st&auml;rker engagieren&ldquo; solle, die Interventionisten nur bei den Anh&auml;ngern der SPD, der Gr&uuml;nen und der FDP die Mehrheit stellen, w&auml;hrend Anh&auml;nger der CDU\/CSU, der Linkspartei und der AfD sich mehrheitlich w&uuml;nschen, Deutschland solle sich au&szlig;enpolitisch &bdquo;eher zur&uuml;ckhalten&ldquo;. Wenig &uuml;berraschend ist wohl, dass die Interventionsfreude mit zunehmendem Alter stark nachl&auml;sst. Umgekehrt verh&auml;lt es sich bei Einkommen und formaler Bildung. Je h&ouml;her der Schulabschluss und je h&ouml;her das Haushaltseinkommen, desto gr&ouml;&szlig;er die Zustimmung zu einer interventionistischen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Hier haben ZEIT, S&uuml;ddeutsche, FAZ und Co. sicher Spuren hinterlassen. <\/p><p>Sorgenfalten d&uuml;rften den Transatlantikern jedoch vor allem zwei Teilfragen der K&ouml;rber-Studie machen. Zum einen sehen die Befragten in den &bdquo;Beziehungen zu den USA\/Trump&ldquo; aktuell hinter der Fl&uuml;chtlingsthematik die zweitwichtigste au&szlig;enpolitische Herausforderung f&uuml;r Deutschland, zum anderen wird Frankreich erstmalig von den meisten Befragten als &bdquo;wichtigster Partner&ldquo; der deutschen Au&szlig;enpolitik gesehen. Den Transatlantikern geht die Arbeit also so schnell nicht aus. Wir von den NachDenkSeiten werden freilich ebenfalls auch weiterhin am Ball bleiben und unsere Leser auch k&uuml;nftig auf die Kampagnen und Umtriebe der Transatlantiker aufmerksam machen. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170110_oettinger.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170110_oettinger-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast drei Jahre ist es nun her, als Bundespr&auml;sident Gauck, Au&szlig;enminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen im Umfeld der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz 2014 im Gleichklang <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36360\">forderten<\/a>, Deutschland solle &bdquo;mehr Verantwortung &uuml;bernehmen&ldquo;. 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