{"id":36564,"date":"2017-01-10T18:46:09","date_gmt":"2017-01-10T17:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36564"},"modified":"2017-01-12T08:13:15","modified_gmt":"2017-01-12T07:13:15","slug":"vom-pflasterstrand-links-unten-ueber-das-aussenministerium-nach-rechts-oben-bis-zum-ruestungslobbyisten-joschka-fischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36564","title":{"rendered":"Vom Pflasterstrand links unten \u00fcber das Au\u00dfenministerium nach rechts oben bis zum R\u00fcstungslobbyisten: Joschka Fischer"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Bundesau&szlig;enminister Fischer hat f&uuml;r die S&uuml;ddeutsche Zeitung einen h&ouml;chst ungeduldigen Artikel geschrieben. Er fordert mit Berufung auf Trumps kommende Pr&auml;sidentschaft die Aufr&uuml;stung Europas &ndash; ohne abzuwarten, bis der neue Pr&auml;sident im Amt ist und dann nach einiger Zeit genauer erkennbar sein wird, wohin die Reise geht. Fischer meint, die EU m&uuml;sse jetzt handeln und k&ouml;nne nicht l&auml;nger eine reine &bdquo;Soft Power&ldquo; sein. Wir sind zwar Schlimmes gew&ouml;hnt, aber einen solchen nackten Lobbyismus dann doch nicht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_86\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36564-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36564-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170111_Vom_Pflasterstrand_links_unten_zum_Ruestungslobbyisten_Joschka_Fischer_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wir geben den Text Fischers aus der S&uuml;ddeutschen Zeitung vollst&auml;ndig wieder und kommentieren absatzweise &ndash; einger&uuml;ckt und am Anfang mit den Initialen A.M. versehen<\/p><p><strong>9. Januar 2017<\/strong><\/p><p><strong>Au&szlig;enansicht<\/strong> <\/p><p><strong>Europa braucht eine eigene Verteidigungsstrategie<\/strong><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Eigentlich brauchen wir sehr viel dringlicher eine neue Entspannungsstrategie, eine Strategie zum Abbau der unsinniger Weise aufgebauten neuen Konfrontation in Europa.<\/em><\/p><p>Europa ist eingeklemmt zwischen dem k&uuml;nftigen US-Pr&auml;sidenten Trump und Russlands Staatschef Putin. Jetzt muss die EU handeln und kann nicht l&auml;nger eine reine &ldquo;Soft Power&rdquo; bleiben. <\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Noch bevor der neue US-Pr&auml;sident installiert ist, wei&szlig; Fischer schon, dass &bdquo;Europa eingeklemmt&ldquo; sei zwischen dem k&uuml;nftigen US-Pr&auml;sidenten Trump und Putin. Fischer nimmt als bare M&uuml;nze, was uns propagandistisch von jenen Kreisen vermittelt wird, die in den USA verloren haben und zu denen Joschka Fischer geh&ouml;rt.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Dann die alberne Formel &bdquo;Soft Power&ldquo;. Europa hat unter der Federf&uuml;hrung von Gro&szlig;britannien und Frankreich den Krieg in Libyen gef&uuml;hrt. Einige Staaten Europas geh&ouml;ren zusammen mit Deutschland zu den sogenannten &bdquo;Freunden Syriens&ldquo;. Das klingt zivil, ist aber eine milit&auml;rische Vereinigung zur Intervention in Syrien. Europa hat in Afghanistan milit&auml;risch interveniert &ndash; ohne Erfolg und immer weiter und immer weiter. Europa hat sich den USA als Basis f&uuml;r deren milit&auml;rische Interventionen im Irak zur Verf&uuml;gung gestellt, Gro&szlig;britannien war direkt beteiligt.<\/em><\/p><p><em>Gastbeitrag von Joschka Fischer<\/em><\/p><p>Dieses Jahr wird f&uuml;r Europa wohl ein entscheidendes Jahr werden: Nach dem Schock des Brexit und der Wahl von <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Donald_Trump\">Donald Trump<\/a> zum US-Pr&auml;sidenten werden Neuwahlen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und vielleicht auch in Italien unter anderem dar&uuml;ber entscheiden, ob die EU zusammenhalten oder ob die neonationalistische Welle in nahezu allen Mitgliedstaaten zum Zerfall der EU f&uuml;hren&nbsp;wird.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Die nationalistische Welle ist in der Tat eine kritische Herausforderung f&uuml;r Europa. Aber Joschka Fischer verschweigt, was die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik den anderen V&ouml;lkern Europas zugemutet hat. Er selbst war als Vizekanzler an der Durchsetzung der Agenda 2010 beteiligt. Diese sogenannte Reformpolitik hat unabgesprochen mit anderen V&ouml;lkern Europas den Druck auf diese L&auml;nder erh&ouml;ht und konkret zum Abbau von Arbeitspl&auml;tzen und Sozialleistungen gef&uuml;hrt. An Frankreich kann man sehr sch&ouml;n studieren, wie diese deutsche Politik die dortige nationalistische Welle befeuert hat. Auch Deutschlands damit verbundener Exportweltmeister-Ehrgeiz war die Ursache f&uuml;r die Schwierigkeiten anderer V&ouml;lker. Wir haben Arbeitslosigkeit in andere L&auml;nder &bdquo;exportiert&ldquo;. Da Joschka Fischer offenbar von &ouml;konomischen Zusammenh&auml;ngen wenig Ahnung hat, sind ihm diese Fakten fremd. Das erleichtert das Schwadronieren &uuml;ber neonationalistische Wellen und ihre Ursachen.<\/em><\/p><p>In diesem Jahr wird es ernst werden mit der praktischen Ausgestaltung des Brexit und damit der Beantwortung der Frage, wie sich das zuk&uuml;nftige Verh&auml;ltnis zwischen der EU und Gro&szlig;britannien gestalten wird. Und noch im Januar wird Donald Trump das Amt als 45. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten von Amerika antreten. F&uuml;r Europa kann dieses Datum eine dramatische Z&auml;sur bedeuten. Wenn man die bisherigen &Auml;u&szlig;erungen des gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Trump zu Europa zur Grundlage f&uuml;r seine zuk&uuml;nftige Politik heranzieht, dann darf sich die EU auf tief gehende Ersch&uuml;tterungen einstellen. Trump h&auml;lt nichts von der europ&auml;ischen Integration, daf&uuml;r aber umso mehr von dem in nahezu allen Mitgliedstaaten grassierenden neuen Nationalismus. Diese Haltung teilt er ganz offensichtlich mit seinem russischen&nbsp;Gegen&uuml;ber.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Auch hier wei&szlig; Joschka Fischer wieder ganz genau, was der k&uuml;nftige US-Pr&auml;sident in der Sache machen wird. Er halte nichts von der europ&auml;ischen Integration, daf&uuml;r aber umso mehr vom Nationalismus, der in den Mitgliedstaaten grassiere. &ndash; Noch einmal: dieser Nationalismus grassierte lange bevor Trump am Himmel Amerikas &uuml;berhaupt aufgetaucht ist. Das muss dann doch etwas mit der hiesigen Politik zu tun haben, auch mit einer Politik, die Joschka Fischer als Au&szlig;enminister mit angelegt hat.<\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wladimir_Putin\">Wladimir Putin<\/a> versucht schon seit L&auml;ngerem, die EU durch die F&ouml;rderung nationalistischer Kr&auml;fte und Bewegungen in deren Mitgliedstaaten zu destabilisieren, und wenn dieser Trend in Zukunft auch von Washington unterst&uuml;tzt wird, dann darf sich die EU &ndash; eingeklemmt zwischen russischen Trollen und Breitbart News &ndash; auf einiges gefasst&nbsp;machen.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Auch bei Joschka Fischer die Behauptung, Putin versuche schon seit l&auml;ngerem, durch die F&ouml;rderung nationalistischer Bewegungen in deren Mitgliedstaaten die EU zu destabilisieren. Wo sind die Belege, wo sind die Beweise f&uuml;r diese abenteuerliche Theorie? Wenn die russischen Trolle so wirksam sind, dann h&auml;tten wir das doch irgendwie merken m&uuml;ssen. Ist Ihnen irgendwo ein russischer Troll begegnet, der bei Ihnen Nationalismus zu sch&uuml;ren versucht hat?<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Wir h&auml;tten es in Frankreich merken m&uuml;ssen. Zum Beleg f&uuml;r dortige Aktivit&auml;ten verweist man gelegentlich auf den Kredit, den eine Bank in Moskau den franz&ouml;sischen Nationalisten gegeben habe. Aber: wie sollte man mit einem solchen Kredit, selbst wenn er von einem Putin-nahen Banker gegeben worden w&auml;re, die Meinung der Franzosen nachhaltig beeinflussen? Wie soll das konkret gehen? Ich lebe hier in der N&auml;he des Elsass und kenne mich dort ein bisschen aus. In den konservativ gepr&auml;gten els&auml;ssischen D&ouml;rfern hat der FN bei den letzten Regionalwahlen oft fast 50 % der Stimmen bekommen. Die Leute benutzen aber weniger Internet als sonst wo und begegnen dort russischen Trollen sowieso nicht. Die St&auml;rke des FN hat mit Putin weniger zu tun als das Schwarze unter dem Fingernagel. Und dennoch verbreitet die S&uuml;ddeutsche Zeitung mithilfe von Joschka Fischer diesen Unsinn.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Die Behauptung Fischers ist interessant, weil sie offenbar Teil von Parolen ist, die in den Kreisen des westlichen Establishment ausgegeben werden. Vor kurzem war der franz&ouml;sische Politologe Alfred Grosser hier in Bad Bergzabern zu einer Diskussion mit Sch&uuml;lern des Gymnasiums, das seinen Namen tr&auml;gt. Er verbreitete dort genau die gleiche Behauptung wie Joschka Fischer in der S&uuml;ddeutschen Zeitung: Putin finanziere die Nationalisten Europas. Wie Fischer hatte auch er keinen Beleg. Offensichtlich handelt es sich um abgesprochene Propaganda.<\/em><\/p><p>Noch sehr viele weiterreichende Konsequenzen f&uuml;r Europa und damit auch die EU wird allerdings die Ank&uuml;ndigung des neuen amerikanischen Pr&auml;sidenten haben, die amerikanische Sicherheitsgarantie f&uuml;r Europa &uuml;berpr&uuml;fen und das Verh&auml;ltnis der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\">USA<\/a> zu Russland auf eine neue Grundlage zu stellen. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/us-armee-verlegt-streitkraefte-nach-osteuropa-1.3323343\">Geht diese zulasten der Nato w&uuml;rde dies die Sicherheitslage f&uuml;r Europa radikal ver&auml;ndern<\/a>. Die Europ&auml;er w&auml;ren pl&ouml;tzlich sehr allein und das in einer Zeit, in der Russland unter Einsatz milit&auml;rischer Mittel die Grenzen seines westlichen Nachbarn Ukraine infrage stellt und damit wieder die Hegemonie zumindest in Osteuropa&nbsp;anstrebt.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Der kalte Krieger Joschka Fischer kann sich offenbar nicht vorstellen, was noch 1990 die gemeinsame Idee und Verabredung von West und Ost war: dass wir unsere Sicherheit auf Gemeinsamer Sicherheit aufbauen und nicht auf der Fortf&uuml;hrung und weiteren Aufr&uuml;stung der Milit&auml;rb&uuml;ndnisse. Wenn man Trump in unserem Sinne freundlich verstehen wollte, dann k&ouml;nnte man das, was er neue Grundlage nennt, wie Fischer es zitiert, als Verst&auml;ndigung zwischen den USA (und dem Westen) und Russland interpretieren. Warum dann die Aufregung?<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Wenn wir den Frieden in Europa auf Dauer erhalten wollen, dann m&uuml;ssen wir die Sicherheit auf festen Verabredungen und auf Vertrauen aufbauen und nicht auf milit&auml;rischer Aufr&uuml;stung.<\/em> <\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Fischer war ein Profiteur der Entspannungspolitik. Er konnte als deutscher Au&szlig;enminister auch deshalb gut agieren, weil seine politischen Vorv&auml;ter &ndash; Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel, Egon Bahr und Willy Brandt  &ndash; die Grundlagen der Verst&auml;ndigung gelegt haben. Jetzt denkt und redet er wie ein auf Russenhass getrimmter Vertreter der Jungen Union in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren. In wessen Auftrag redet und schreibt er so? Hier bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joschka_Fischer\">Joschka Fischer Wikipedia<\/a> sind vielleicht Anhaltspunkte zu finden. Im Abschnitt &bdquo;Nach der politischen Karriere&ldquo; kann man auch von der Zusammenarbeit mit Soros und der ehemaligen US-Au&szlig;enministerin Albright lesen.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Dazu passt: Erwartungsgem&auml;&szlig; verbreitet Joschka Fischer zum Ukraine-Konflikt die Version, die man sich im State Department der USA zurechtlegt, einschlie&szlig;lich der Behauptung, das habe etwas mit dem Streben nach Hegemonie Russlands zu tun. Im Weltbild des Joschka Fischer darf die imperiale Strategie der USA einschlie&szlig;lich der Ausdehnung der NATO bis an die russische Grenze und des Regime Change in der Ukraine mithilfe von 5 Milliarden USDollar nicht vorkommen.<\/em><\/p><p>Wir werden die Antwort auf diese Frage bald wissen, aber ein gro&szlig;er Schaden ist bereits heute eingetreten, denn Sicherheitsgarantien sind eine komplizierte Sache. Sie bestehen zu gro&szlig;en Teilen aus milit&auml;rischer Hardware, aber sie leben auch ganz wesentlich von Psychologie &ndash; von ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit gegen&uuml;ber Freund und Feind. Leidet diese, so kann es zu falschen Reaktionen bis hin zu Krisen, ja bewaffneten Konflikten kommen. Genau hier ist aber ein Schaden bereits eingetreten, denn die &Auml;u&szlig;erungen des Kandidaten Trump haben die Glaubw&uuml;rdigkeitsfrage der amerikanischen Sicherheitsgarantie&nbsp;aufgeworfen.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Hier unterstellt Joschka Fischer, der neu gew&auml;hlte US-Pr&auml;sident Trump habe mit seinen &Auml;u&szlig;erungen die Glaubw&uuml;rdigkeit der Sicherheitsgarantie in Europa zum Wanken gebracht. Diese Sorge muss man nur dann haben, wenn man Sicherheit vor allem auf Milit&auml;r aufbaut. Die osteurop&auml;ischen Staaten, an die Fischer wohl denkt, k&ouml;nnten, wenn sie gut beraten sind, die von Trump verbreitete Absicht der Verst&auml;ndigung aufgreifen.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Dort wird allerdings die Einsicht in die Chance, die eigene Sicherheit auf Verst&auml;ndigung aufzubauen, nicht wachsen, wenn Politiker wie Joschka Fischer unwidersprochen ihre T&ouml;ne und ihre neue Version von Abschreckung und dadurch zu erreichender Sicherheit verbreiten. Dann wird in der Tat dort der Glaube verst&auml;rkt, dass Sicherheit im Baltikum oder in Polen oder in Rum&auml;nien nur m&ouml;glich sei, wenn wir weiter aufr&uuml;sten, wenn die NATO bis an die Z&auml;hne bewaffnet ist, und sie dessen sicher sein k&ouml;nnen, dass im Ernstfall jedes kleine Scharm&uuml;tzel den B&uuml;ndnisfall ausl&ouml;st.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Mit Strategen wie Fischer laufen wir ein hohes Risiko. Ihr Motiv ist letztendlich nicht Sicherheit sondern offensichtlich Interessenvertretung.<\/em><\/p><p>Europa wird angesichts dieser Lage gut beraten sein, das Erreichte an gemeinsamer Sicherheit in der Nato und an institutioneller, wirtschaftlicher und Rechtsintegration in der EU so weit wie m&ouml;glich zu bewahren. Zugleich sollte sich die EU aber eine zweite Sicherheitsoption auf der Grundlage der Nationalstaaten er&ouml;ffnen. Denn dies wird nach Lage der Dinge die auf Soft Power gegr&uuml;ndete EU nicht k&ouml;nnen, da sie f&uuml;r eine solche machtpolitische Herausforderung weder vorbereitet noch konstruiert wurde. Sie ist dabei auf die beiden gr&ouml;&szlig;ten, wirtschaftlich st&auml;rksten Mitgliedstaaten angewiesen &ndash; auf Frankreich und Deutschland. Andere L&auml;nder, wie etwa Italien, Benelux, Spanien oder Polen sollten dabei nicht ausgeschlossen werden, aber Frankreich und Deutschland sind&nbsp;unverzichtbar.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Was soll das Gerede von der &bdquo;zweiten Sicherheitsoption&ldquo;? Wie soll man zu Vertr&auml;gen &uuml;ber Gemeinsame Sicherheit kommen, wenn man mit dem S&auml;bel rasselt &ndash; wie es jetzt wieder mit der Verlegung von Panzereinheiten an die russische Grenze geschieht? Die von Fischer geforderte Aufr&uuml;stung zu einer europ&auml;ischen Hard Power verbaut den Weg zu einer nachhaltigen Verst&auml;ndigung. Denn diese Aufr&uuml;stung bleibt nicht ohne Gegenreaktion und sie st&auml;rkt Kr&auml;fte in Russland, die von Entspannung und gemeinsamer Sicherheit nichts halten.<\/em><\/p><p><strong>Moskau sieht Au&szlig;enpolitik als Nullsummenspiel: ich gewinne, du verlierst<\/strong><\/p><p>Auf dem europ&auml;ischen Kontinent zu leben, hei&szlig;t mit Russland als Nachbarn zu leben, und Nachbarschaft muss generell auf Frieden, Kooperation und gegenseitigem Respekt gr&uuml;nden. Zumal wenn es sich um die Nachbarschaft mit einer Atommacht handelt. Und die Europ&auml;er werden sich in Zukunft weniger denn je Illusionen erlauben k&ouml;nnen. In Moskau wird <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Au%C3%9Fenpolitik\">Au&szlig;enpolitik<\/a> nicht als Win-Win-Spiel betrachtet (beide gewinnen), sondern als Null-Summen-Spiel (ich gewinne, du verlierst). Deshalb geht auch f&uuml;r ein solches Denken nationale milit&auml;rische St&auml;rke und Einflusszone immer vor kooperativer&nbsp;Sicherheit.<\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">A.M.: Die Behauptung, Moskaus Au&szlig;enpolitik werde als Null-Summen-Spiel angelegt, also Russland gewinne und die anderen verlieren, muss auf russischer Seite als unversch&auml;mt betrachtet werden. Russland hat in all den Jahren seit 1990 immer wieder versucht, mit Europa und mit den USA im Sinne einer gemeinsamen Sicherheit ins Gespr&auml;ch zu kommen. Besonders sichtbar war dies bei der Rede Putins im Deutschen Bundestag 2001 und dann auf mehreren Sicherheitskonferenzen in M&uuml;nchen.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Die Rede im Deutschen Bundestag lag drei Jahre nach der Entscheidung der Regierung Schr&ouml;der\/Fischer, sich am  Jugoslawienkrieg mit Bomben zu beteiligen. Dieser &bdquo;Liebesdienst&ldquo; gegen&uuml;ber den USA und der NATO wurde von Seiten Russlands als Affront betrachtet. Und dennoch war das Russland des Pr&auml;sidenten Putin weiterhin bereit, sich mit dem Westen zu verst&auml;ndigen. Sie haben dann ihre Politik ver&auml;ndert. Das ist richtig. Aber verantwortlich daf&uuml;r war der Westen, der die ausgestreckte Hand zur&uuml;ckgewiesen hatte. Auch Joschka Fischer.<\/em><\/p><p><em style=\"display: inline-block; margin: 0 0 0 30px\">Und was er dann noch von sich gibt, zeigt eigentlich nur, dass diese Generation von Politikern nicht einmal begriffen hat, welches Gl&uuml;ck uns die Friedenspolitik der Generation davor gebracht hat. Fischer tut im weiteren Verlauf seines Textes so, als g&auml;be es den milit&auml;risch starken Osten und den milit&auml;risch  schwachen Westen. Solche Zumutungen kann man den Lesern der S&uuml;ddeutschen Zeitung bieten.<\/em><\/p><p>Die Schw&auml;che des Nachbarn wird nicht als Grundlage f&uuml;r eine stabile Friedensarchitektur gesehen, sondern vielmehr als Einladung zum Ausdehnen der eigenen Einflusszone. Wenn Europa daher auf dem europ&auml;ischen Kontinent eine dauerhafte Friedensordnung will, dann wird es vor allem ernst genommen werden m&uuml;ssen. Das ist gegenw&auml;rtig eindeutig nicht der Fall. Dazu wird es aber, in der &Auml;ra Trump, jenseits der amerikanischen Sicherheitsgarantie, seine eigenen F&auml;higkeiten wesentlich st&auml;rken m&uuml;ssen. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kampf-gegen-terror-tuerkei-und-irak-verstaerken-angriffe-auf-terrormiliz-is-1.3316537\">Dies werden Frankreich und Deutschland nur gemeinsam leisten k&ouml;nnen<\/a>. Der Zeitpunkt daf&uuml;r d&uuml;rfte nach der Amtseinf&uuml;hrung Donald Trumps und nach den Wahlen im vor uns liegenden Jahr in beiden L&auml;ndern gekommen&nbsp;sein.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/nato-allianz-der-irritierten-1.3310668\">Ohne ein ernst zunehmendes Minimum an machtpolitischer Symmetrie l&auml;sst sich eine stabile Friedensordnung kaum vorstellen<\/a>. Asymmetrie wird vielmehr zu Instabilit&auml;t beitragen und eben nicht zum Frieden. Wenn eine solche zweite europ&auml;ische Sicherheitsoption zu einer Fortdauer der amerikanischen Sicherheitsgarantie f&uuml;hrt, umso besser. Und auch mit Gro&szlig;britannien k&ouml;nnte sich dadurch eine Zusammenarbeit jenseits des Brexit auftun, denn die Sicherheitsinteressen des Landes werden sich dadurch nicht&nbsp;&auml;ndern.<\/p><p>Hinter vorgehaltener Hand pflegten bisweilen EU-Diplomaten zu raunen, Deutschland und Frankreich w&uuml;rden sich in zwei Fragen niemals einigen, n&auml;mlich in Finanz- und Milit&auml;rfragen. Dazu w&auml;ren die historischen und kulturellen Differenzen einfach zu gro&szlig;. Wladimir Putin und Donald Trump werden, wenn es schlecht kommt, auch diesen Teil der Realit&auml;t f&uuml;r Europa neu definieren. Betrachtet man daher die Fakten, sollte ein Kompromiss auf beiden Seiten des Rheins nicht allzu schwerfallen: Verk&uuml;rzt gesagt verf&uuml;gt Frankreich in strategischen und Sicherheitsfragen eindeutig &uuml;ber die gr&ouml;&szlig;ere Erfahrung, in Finanzfragen empfiehlt sich die Orientierung am deutschen&nbsp;Modell.<\/p><p>Die alte EU konnte sich im Schutz der amerikanischen Sicherheitsgarantie als Wirtschaftsmacht entwickeln. F&auml;llt diese aber weg, so wird der EU nichts anderes &uuml;brig bleiben, als selbst eine ernsthafte machtpolitische Dimension zu entwickeln. Frankreich und Deutschland sind jetzt ein weiteres Mal, sechzig Jahre nach den r&ouml;mischen Vertr&auml;gen, durch die Geschichte und ihren Verlauf gefragt, Europa zu&nbsp;gestalten.<\/p><p>URL: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/aussenansicht-europas-agenda-1.3324128\">Au&szlig;enansicht &ndash; Europa braucht eine eigene Verteidigungsstrategie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Bundesau&szlig;enminister Fischer hat f&uuml;r die S&uuml;ddeutsche Zeitung einen h&ouml;chst ungeduldigen Artikel geschrieben. Er fordert mit Berufung auf Trumps kommende Pr&auml;sidentschaft die Aufr&uuml;stung Europas &ndash; ohne abzuwarten, bis der neue Pr&auml;sident im Amt ist und dann nach einiger Zeit genauer erkennbar sein wird, wohin die Reise geht. Fischer meint, die EU m&uuml;sse jetzt handeln<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36564\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,11],"tags":[2035,1457,1843,714,1043,1268,835,915,312,259,1419,1800,260,1556],"class_list":["post-36564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-strategien-der-meinungsmache","tag-abschreckungsstrategie","tag-albright-madeleine","tag-brexit","tag-fischer-joschka","tag-frankreich","tag-kalter-krieg","tag-nationalismus","tag-putin-wladimir","tag-reformpolitik","tag-russland","tag-soros-george","tag-trump-donald","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36564"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36584,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36564\/revisions\/36584"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}