{"id":3661,"date":"2008-12-12T09:53:01","date_gmt":"2008-12-12T08:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3661"},"modified":"2019-07-25T18:14:12","modified_gmt":"2019-07-25T16:14:12","slug":"staerkung-von-binnenmarkt-und-sozialstaat-noetig-sechs-suendenfaelle-der-reformpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3661","title":{"rendered":"St\u00e4rkung von Binnenmarkt und Sozialstaat n\u00f6tig \u2013 sechs S\u00fcndenf\u00e4lle der \u201eReformpolitik\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seit Beginn der Politik des Sozialabbaus in der Bundesrepublik Anfang der 1980er Jahre nimmt die Spaltung der Gesellschaft zu. &Ouml;ffentliche Sparpolitik zu Lasten der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen und der Rentner wurde zum Credo der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierungen. Das Ergebnis ist f&uuml;r eine immer gr&ouml;&szlig;ere Zahl der Menschen verheerend: Zunehmende Armut und ein im europ&auml;ischen Vergleich aufgelaufenes riesiges Defizit bei der &ouml;ffentlichen Infrastruktur und bei wichtigen Zukunftsinvestitionen, die Zunahme der Massenarbeitslosigkeit bis 2005; die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit auf im europ&auml;ischen Vergleich &uuml;berdurchschnittlich hohem Niveau bis heute, die explosionsartige Ausweitung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung. Die Mitte unserer Gesellschaft schrumpft &ndash; aber nicht durch Aufstieg, sondern durch Abstieg. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Angst vor der Zukunft haben und ihr Vertrauen in die Politiker und deren Politik in Besorgnis erregender Weise abnimmt. Gerade angesichts der Finanzkrise und der wirtschaftlichen Rezession sind nicht nur Milliarden-Rettungsschirme f&uuml;r die Banken und f&uuml;r notleidende Branchen n&ouml;tig sondern ein stabiler Schutzschirm f&uuml;r ausk&ouml;mmliche Arbeit, f&uuml;r soziale Sicherheit und f&uuml;r Zukunftsperspektiven ist dringlicher denn je. Von Ursula Engelen-Kefer<br>\n<!--more--><\/p><p><em>Von Ursula Engelen-Kefer <\/em><br>\n(Mitglied im Parteivorstand der SPD)<\/p><p>Was die Gewerkschaften und Globalisierungskritiker wie Attac mit unz&auml;hligen Protestaktionen nicht geschafft haben, das erledigt jetzt die internationale Finanzbranche eigenh&auml;ndig. Die Zerst&ouml;rungskraft des nationalen wie globalen Marktradikalismus und die existenzielle Bedeutung einer sozialen Gestaltung der Globalisierung wird mit aller Dramatik vor Augen gef&uuml;hrt.<\/p><p>Kaum jemals zuvor haben wir so nahe am weltweiten Zusammenbruch eines immer enger vernetzten Finanzsystems gestanden; eines Weltfinanzsystems, das durch radikale, politisch gef&ouml;rderte Deregulierung f&uuml;r die enthemmte, ja sogar betr&uuml;gerische Profitmaximierung an der New Yorker Wall Street wie der Londoner City ge&ouml;ffnet wurde. Denn dort wurden die Milliarden-Gewinne in der toxischen Verbriefung und im au&szlig;erb&ouml;rslichen Handel mit Kreditderivaten gemacht. Und von dort aus wurde &ndash; mit bisher unvorstellbarer Zerst&ouml;rung von Verm&ouml;gen in vielen L&auml;ndern &ndash; ein immer st&auml;rker integriertes Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps gef&uuml;hrt. <\/p><p>Kaum jemals zuvor haben Profiteure aus Gier und Verantwortungslosigkeit die Finanzm&auml;rkte und die angesammelten Verm&ouml;gen in solchem Umfang mit vergifteten Produkten kontaminiert. Noch nie mussten Staaten in der Rolle des Retters in der Not so bisher unvorstellbar hohe Kreditgarantien &uuml;bernehmen und Kapitalhilfen leisten. Und noch nie ist die Notwendigkeit einer wirksamen Re-Regulierung der nicht mehr funktionierenden nationalen wie internationalen Finanzm&auml;rkte und Finanzsysteme so deutlich zu Tage getreten. Hunderte von Millionen Menschen in allen Teilen der Welt m&uuml;ssen &uuml;ber Jahre hinaus am eigenen Leibe erfahren was es hei&szlig;t: Privatisierung von exorbitanten Gewinnen und Sozialisierung von Verlusten in unvorstellbaren Dimensionen.<\/p><p>Politiker und Regierungen auf nationaler, europ&auml;ischer wie internationaler Ebene sind mehr als je zuvor gefordert, eine weltweite gef&auml;hrliche Wirtschaftskrise und einen R&uuml;ckfall in Protektionismus und Nationalismus zu verhindern. Dazu m&uuml;ssen sie nicht nur Rettungsschirme f&uuml;r die Banken bereitstellen sondern auch den Schutzschirm auch f&uuml;r ausk&ouml;mmliche Arbeit, f&uuml;r soziale Sicherheit und f&uuml;r Zukunftsperspektiven ausreichend weit spannen. In atemberaubendem Tempo hat die von den gro&szlig;en Parteien getragene Bundesregierung einen 500 Milliarden Euro teuren Schutzschirm f&uuml;r die Not leidende Finanzbranche aufgespannt. Die Menschen im Lande, die daf&uuml;r mit ihren Steuergeldern gerade stehen m&uuml;ssen, haben ein Recht darauf, dass die Regierenden nun mit gleicher Schnelligkeit und Entschlossenheit zur Sicherung von Arbeitspl&auml;tzen und f&uuml;r den Erhalt ihres Lebensstandards handeln. <\/p><p><strong>H&ouml;here Arbeitslosigkeit und Einkommensunterschiede<\/strong><\/p><p>Denn wieder sind es die unteren bis mittleren sozialen Schichten, die in der auch in Deutschland begonnenen Wirtschafts-Rezession mit einem weiteren Absinken ihres Lebensstandards die Zeche zahlen m&uuml;ssen. Dabei waren es gerade die Arbeitnehmer und die Rentner, die in den zur&uuml;ckliegenden Jahren des Wirtschafts- und Finanzaufschwungs am wenigsten profitieren konnten. <\/p><p>Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise sagt die Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis 2010 in Deutschland einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 700 000 Menschen voraus. &bdquo;Hart getroffen&ldquo; werde die deutsche Volkswirtschaft von einbrechenden Exporten, was im Jahr 2009 entscheidend zu einer Schrumpfung der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 0,9 Prozent beitragen werde. Die aktuelle Ifo-Prognose geht sogar von einem R&uuml;ckgang von 2,2 Prozent und einem Anstieg der Arbeitslosen um 540.000 aus. <\/p><p>Gleichzeitig wirft die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem Bericht &uuml;ber die internationale Lohnentwicklung ein alarmierendes Schlaglicht auf die Gef&auml;hrdung der Arbeitnehmer gerade auch auf Deutschland: Unter den Industriel&auml;ndern z&auml;hlen die Bundesrepublik , Polen und die USA zu jenen Staaten, in denen der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen am h&ouml;chsten ist und sich die Kluft am raschesten vertieft habe. Nach dem ILO-Bericht sind die Reall&ouml;hne in Deutschland zwischen 2001 und 2007 j&auml;hrlich nur um durchschnittlich lediglich 0,51 Prozent gestiegen, der geringe Anstieg ist nicht zuletzt auch auf die besonders starke Ausweitung der Niedriglohnsektoren zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. <\/p><p><strong>Politikwechsel: Binnennachfrage st&auml;rken<\/strong><\/p><p>Einmal mehr zeigt sich aktuell die Kehrseite einer zu stark auf den Export und zu wenig auf die St&auml;rkung der Binnennachfrage ausgerichteten deutschen Wirtschaftspolitik. Wenn nicht angesichts der heutigen Krise, wann denn sonst muss in Deutschland die Frage nach der Neu-Positionierung seiner Volkswirtschaft in Europa wie global und im Weltfinanzsystem ernsthaft diskutiert werden? Muss die politische Klasse in einem Land, das sich seit Jahren mit dem zweifelhaften Titel des &bdquo;Exportweltmeisters&ldquo; schm&uuml;ckte, nicht aus der gr&ouml;&szlig;ten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Generationen endlich ihre Lehren ziehen? <\/p><p>Die Arbeitnehmer in Deutschland sowie unsere Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt st&uuml;nden heute erheblich besser da, w&auml;re &uuml;ber die letzten Jahrzehnte im Inland investiert und nicht ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil der Ersparnisse und der &Uuml;bersch&uuml;sse auf den internationalen Finanzm&auml;rkten verzockt worden. Die Politik h&auml;tte besser daran getan, statt bei Arbeitnehmern, Arbeitslosen, Rentnern und Kranken drastisch zu sparen, mehr in die Zukunftsf&auml;higkeit der sozialen Sicherungssysteme, in die Bildung und die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren, statt durch &bdquo;Strukturreformen&ldquo; die Schere zwischen arm und reich immer mehr zu &ouml;ffnen. W&auml;ren nicht im letzten Jahrzehnt die L&ouml;hne breiter Schichten von Arbeitnehmern immer weiter nach unten gedr&uuml;ckt und den Rentnern das Geld aus der Tasche gezogen worden, br&auml;uchte sich Deutschland um seine Binnennachfrage nicht so gro&szlig;e Sorgen machen. <\/p><p>Die politisch Verantwortlichen aller L&auml;nder mit hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen m&uuml;ssen genauso wie die Staaten mit chronischen Defiziten die zuk&uuml;nftige Ausrichtung ihrer Wirtschaftsstrukturen &uuml;berdenken. Gro&szlig;e Defizitl&auml;nder wie die USA sto&szlig;en nach den gigantischen Rettungsoperationen f&uuml;r den kollabierenden Finanzsektor noch bedrohlicher an ihre finanziellen Grenzen. Umgekehrt flie&szlig;en in der chinesischen Volkswirtschaft, in der 800 Millionen Menschen &ndash; davon hunderte Millionen entrechtete Wanderarbeiter &ndash; in Armut leben, nicht einmal die H&auml;lfte der gesamtwirtschaftlichen Leistung (BIP) in den Konsum und die soziale Sicherung. Stattdessen lenken Pekings kommunistisch-kapitalistische Machthaber einen erheblichen Teil der Export- und Devisen&uuml;bersch&uuml;sse in die Finanzierung der US-amerikanischen-Leistungsbilanzdefizite. Das Volumen der von China gehaltenen US-Schatzpapiere d&uuml;rfte in diesem Jahr die 500 Milliarden Dollar &uuml;bersteigen. <\/p><p>Damit praktizieren die Chinesen im Zuge der Globalisierung ein exportorientiertes Entwicklungs- und Wachstumsmodell, das seit den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch andere f&uuml;hrende Industriel&auml;nder verfolgten: Japan als inzwischen zweitgr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft und &ndash; mit besonderer Ausrichtung auf den europ&auml;ischen Binnenmarkt &ndash; der &bdquo;Exportweltmeister&ldquo; Deutschland. W&auml;hrend in den asiatischen &Uuml;berschussl&auml;ndern Devisenmarktinterventionen eine W&auml;hrungsaufwertung zum Abbau des Au&szlig;enhandels&uuml;berschusses verhindern, besorgen dies im Fall des &Uuml;berschusslandes Deutschland die Mitgliedsl&auml;nder in Euroland. Hohe Au&szlig;enhandelsdefiziten solcher Eurol&auml;nder wie Italien, Spanien oder Griechenland, nicht zuletzt verursacht durch hohe Lohnsteigerungen und eine hohe Binnennachfrage, f&uuml;hrten f&uuml;r den Euroraum (EU 27) inzwischen gegen&uuml;ber dem Rest der Welt zu einer insgesamt negativen Leistungsbilanz. <\/p><p>Mit einer im Vergleich zu anderen Industriel&auml;ndern sehr hohen Sparrate von &uuml;ber elf Prozent und seinen besonders hohen &Uuml;bersch&uuml;ssen gegen&uuml;ber seinen Nachbarl&auml;ndern im EU-Binnenmarkt k&ouml;nnen deutsche Banken international ein gro&szlig;es Rad drehen.<\/p><p>Die Deutsche Bundesbank und der Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) weisen darauf hin, dass sich die deutsche Ersparnis in den f&uuml;nf Jahren seit 2003 auf 897 Mrd. Euro angeh&auml;uft hat. Dieser Ersparnis standen f&uuml;r den gleichen Zeitraum Nettoinvestitionen (Bruttoanlageninvestitionen minus Abschreibung) von nur 352 Mrd. Euro gegen&uuml;ber. Daraus ergibt sich ein &Uuml;berhang zu der in Investitionen umgesetzten Ersparnis von 545 Mrd. Euro. &Auml;hnlich lauten die Daten des IWF, der darauf hinweist, dass seit der Jahrtausendwende die Differenz zwischen Ersparnis und Investitionen als Anteil an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung von &ndash; 1,7 Prozent auf 7,6 Prozent gesprungen sei. Auch nach den Zahlen des IWF ergibt sich seit 2003 kumuliert eine &auml;hnliche Gr&ouml;&szlig;enordnung der Unterinvestition in Deutschland von 589 Mrd. Euro. Diese Entwicklung ging mit einer immer gr&ouml;&szlig;eren Diskrepanz zwischen Unternehmens-und Verm&ouml;genseinkommen einerseits und Arbeitnehmerentgelts andererseits einher. Deshalb m&uuml;ssten sich die Verantwortlichen die Frage stellen, wie viel von den fast 600 Mrd. Euro des deutschen Sparaufkommen der letzten Jahre letztlich auf den internationalen Finanzm&auml;rkten angelegt und wie hoch die Wertverluste durch die Finanzkrise sind.<\/p><p>Nach den Zahlen der Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wurden deutsche Banken zur Jahresmitte 2008 mit 4, 6 Billionen Dollar (3,7 Billionen Euro) mit als die gr&ouml;&szlig;ten Finanziers der Welt gef&uuml;hrt.<\/p><p>Diese globale Positionierung Deutschlands geht auf eine Wirtschafts- und Finanzpolitik zur&uuml;ck, die &ndash; weitgehend unabh&auml;ngig von der politischen Farbenlehre &ndash; den Glaubenssatz postulierte: Erh&ouml;hung der Produktivit&auml;t durch Rationalisierung sowie Senkung der Arbeitskosten und Abbau der Sozial- und Arbeitsstandards, so dass die Unternehmen auf dem europ&auml;ischen Binnenmarkt wie auf dem Weltmarkt ihre internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit ausbauen k&ouml;nnen. Damit sollte &ndash; so die Erwartung &ndash; die Bereitschaft zu privaten Investitionen verbessert und letztlich Besch&auml;ftigung und Wohlstand gesichert werden. <\/p><p>Diesem Credo huldigten &uuml;ber Jahrzehnte der &bdquo;Mainstream&ldquo; der Experten und alle Regierungsparteien in wechselnden Regierungskoalitionen, aber auch einflussreiche gesellschaftliche Gruppen, einschlie&szlig;lich der Tarifparteien, mit der sprichw&ouml;rtlichen deutschen Gr&uuml;ndlichkeit. Eine Zeit lang hatte diese Exportstrategie auch f&uuml;r gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung einen im internationalen Vergleich achtbaren Wohlstand gebracht. Doch im zur&uuml;ckliegenden Jahrzehnt &ndash; und besonders augenf&auml;llig in dem nun durch die Finanzkrise j&auml;h abgebremsten Wirtschaftsaufschwung &ndash; tritt die Kehrseite einer jahrzehntelangen Vernachl&auml;ssigung der Binnenwirtschaft, der Infrastruktur und wesentlicher Dienstleistungen f&uuml;r unsere gesellschaftlichen Entwicklung in aller Dramatik zu Tage: gro&szlig;e Defizite in Bildung, Forschung, Wissenschaft sowie sonstigen Dienstleistungen f&uuml;r die allgemeine Wohlfahrt. Diese Fehlentwicklungen werden jetzt in Anbetracht der abst&uuml;rzenden Weltkonjunktur durch die Finanz- und Wirtschaftskrise zusehends sichtbar. Dabei stehen wir erst am Anfang des weltweiten Wachstumseinbruchs und damit des deutschen Exports als bisherige Wachstumslokomotive. <\/p><p><strong>Schutzschirm f&uuml;r Arbeitnehmer weiter spannen<\/strong><\/p><p>In dieser bedrohlichen Situation ist es sich im Schutzinteresse gro&szlig;er Schichten der Bev&ouml;lkerung geradezu fahrl&auml;ssig, wenn die Bundesregierung sich nach wochenlangem Gezerre zu einem Konjunkturprogramm in H&ouml;he von &ndash; optimistisch gerechnet &ndash; 10 Mrd. Euro f&uuml;r zwei Jahre durchringt. Es steht in den Sternen, ob die Ank&uuml;ndigung, dass damit Investitionen von 50 Mrd. Euro angesto&szlig;en werden k&ouml;nnten, jemals eintritt. Als &bdquo;trotzig&ldquo; muss man die Feststellung der Kanzlerin bezeichnen, dass mit der Entscheidung der EU &uuml;ber ein Konjunkturprogramm &ndash; das ein Gesamtvolumen von 200 Mrd. Euro mobilisieren soll &ndash; keine weiteren Ma&szlig;nahmen f&uuml;r die Bundesrepublik erforderlich seien. Offenbar erwartet die Bundesregierung, dass die europ&auml;ischen Nachbarl&auml;nder, den deutschen Karren durch ihre Nachfrage nach deutschen Waren aus dem Dreck ziehen sollen.<\/p><p>Selbst der &bdquo;Sachverst&auml;ndigenrat f&uuml;r die gesamtwirtschaftliche Entwicklung&ldquo; (SVR), der in der Vergangenheit &uuml;berwiegend Vorschl&auml;ge zur Verbesserung der &bdquo;internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; vorgelegt hat und alles dran setzte, normale Lohnzuw&auml;chse zu verhindern, hat nun endlich eingesehen, dass der Konsum seine &bdquo;erhoffte Rolle als Wachstumstreiber nicht erf&uuml;llen kann&ldquo; und fordert (viel zu sp&auml;t) staatliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung als Konjunkturprogramm. Nat&uuml;rlich darf das Geld nicht mit der Gie&szlig;kanne ausgesch&uuml;ttet werden. Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen &ouml;kologische und soziale Ziele mit derartigen &ouml;ffentlichen Ausgabenprogrammen verbunden sein. Dazu gibt es gen&uuml;gend praktikable Vorschl&auml;ge in den Schubladen von Bund, L&auml;ndern und Kommunen. Der &ouml;ffentliche Schlagabtausch &uuml;ber die Kfz-Steuer sowie die Begrenzung des CO2 Aussto&szlig;es l&auml;sst allerdings nichts &bdquo;Gutes&ldquo; erwarten. Nur noch Kopfsch&uuml;tteln wird bei vielen Menschen der Polit-Streit &uuml;ber eine m&ouml;gliche Senkung der Mehrwertsteuer hervorrufen. Wie viele kleine Betriebe und Selbst&auml;ndige m&uuml;ssen denn erst zur Aufgabe ihrer Besch&auml;ftigung und Existenz gezwungen sein, bevor die Politik in ihrem Elfenbeinturm endlich begreift: Die Bundesrepublik ist nur von einem schlimmeren Abgleiten in die Rezession zu bewahren, wenn die Binnenwirtschaft wirksam und schnell gef&ouml;rdert wird. <\/p><p>Selbst das neoliberale Musterland Gro&szlig;britannien hat sich bereits f&uuml;r eine Senkung der Mehrwertsteuer entschieden. Und das Schwellenland China hat sich gerade zu einem hoch dimensionierten Konjunkturprogramm von beinahe 500 Mrd. Dollar durchgerungen. In Deutschland wurde zwar ein 500 Mrd. Euro &ndash;Mega-Schutzschirm f&uuml;r die Finanzbranche in wenigen Wochen &uuml;ber die politische B&uuml;hne gebracht wurde, doch f&uuml;r die Arbeitnehmer, ihre Arbeitspl&auml;tze, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen wird nur ein Mini- Scherchen aufgespannt, und dies nur nach langem politischen Gezerre. Die schnelle Rettungsaktion f&uuml;r den Finanzsektor und &ndash; im Kontrast dazu &ndash; die z&ouml;gerliche Behandlung der anstehenden Herausforderungen am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen, laufen auf eine traurige Demonstration der derzeitigen Machtverh&auml;ltnisse in Deutschland hinaus. <\/p><p>Soll die Spirale nach unten aufgehalten werden, wird dies nicht ohne eine von den gesellschaftlichen Gruppen breit getragene &bdquo;Renaissance des Sozialstaates&ldquo; m&ouml;glich sein.<\/p><p><strong>Renaissance des Sozialstaates<\/strong><\/p><p>Seit Beginn der Politik des Sozialabbaus in der Bundesrepublik Anfang der 1980er Jahre nimmt die Spaltung der Gesellschaft zu. Verst&auml;rkt wurde dies durch die falsche Finanzierung der Deutschen Einheit &uuml;ber die sozialen Sicherungssysteme sowie die auf Intervention der Bundesregierung betriebene Versch&auml;rfung des Europ&auml;ischen Stabilit&auml;tspaktes als Begleitung der Einf&uuml;hrung des Euro und nicht zuletzt durch Hartz IV und wesentliche Teile der Agenda 2010. Seither ist die &ouml;ffentliche Sparpolitik zu Lasten der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen und der Rentner zum Credo der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung erkl&auml;rt worden. Das Ergebnis f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen ist verheerend: ein im Zeitablauf und europ&auml;ischen Vergleich riesiges Defizit bei der &ouml;ffentlichen Infrastruktur einschlie&szlig;lich wesentlicher Zukunftsinvestitionen; die Zunahme der Massenarbeitslosigkeit bis 2005; die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit auf im europ&auml;ischen Vergleich &uuml;berdurchschnittlichem Niveau bis heute; die explosionsartige Ausweitung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung. Die Mitte unserer Gesellschaft schrumpft &ndash; aber nicht durch Aufstieg, sondern durch Abstieg. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Angst vor der Zukunft haben und ihr Vertrauen in die Politiker und deren Politik in Besorgnis erregender Weise abnimmt.<\/p><p><strong>S&uuml;ndenfall 1: Armut im Alter<\/strong><\/p><p>Inzwischen schlagen auch die amtlichen Rentenberichte der Deutschen Rentenversicherung Bund und auch der Bundesregierung selbst Alarm. In den n&auml;chsten Jahrzehnten droht Altersarmut f&uuml;r Millionen Rentner, wenn nichts geschieht. Hierbei besteht ein enger Zusammenhang zwischen den &bdquo;Reformen&ldquo; der Alterssicherung und auf dem Arbeitsmarkt, die sich in ihren negativen Wirkungen f&uuml;r die betroffenen Menschen gegenseitig verst&auml;rken. An erster Stelle zu nennen ist der S&uuml;ndenfall der Aush&ouml;hlung der gesetzlichen Alterssicherung mit der Riesterreform von 2001 verbunden mit einer erheblichen Absenkung des Rentenniveaus. Die massive &ouml;ffentliche F&ouml;rderung der Einf&uuml;hrung einer privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge ging zu Lasten der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Riesterreform bewirkte ausschlie&szlig;lich eine Entlastung der Arbeitgeber von ihren Beitr&auml;gen f&uuml;r die umlagebasierte parit&auml;tisch finanzierte gesetzliche Rentenversicherung und eine zus&auml;tzliche Belastung der Arbeitnehmerhaushalte. Die Finanzkrise zeigt nur zu deutlich, dass die kapitalgedeckte Zusatzversorgung keinesfalls ein Ersatz f&uuml;r die gesetzliche Altersrente bleiben kann und darf &ndash; sondern allenfalls eine Erg&auml;nzung bleiben muss. Der 2008 ausgesetzte Riesterfaktor, der das Rentenniveau massiv nach unten gebracht hat, muss abgeschafft werden. Ansonsten werden die Rentner auf Jahre keine Rentenerh&ouml;hung mehr haben. Ihre Kaufkraft wird sich massiv verringern infolge der steigenden Kosten und Beitr&auml;ge f&uuml;r die Gesundheitsversorgung, die Pflege und aufgrund der Inflation. Da der Anteil der Rentner in Deutschland etwa ein Drittel der Bev&ouml;lkerung ausmachen wird, bedeutet dies gleichzeitig eine erhebliche Schw&auml;chung der Binnenkonjunktur.<\/p><p>Genauso wichtig sind die Verbesserung des Zugangs und eine Erh&ouml;hung des Niveaus der Erwerbsminderungsrenten. Vor allem sind die 2001 eingef&uuml;hrten Abschl&auml;ge bei vorzeitiger Inanspruchnahme wieder abzuschaffen. Der Eintritt in die Erwerbsminderungsrente beruht schlie&szlig;lich nicht auf freiwilligen Entscheidungen der Betroffenen.<\/p><p>Besonders eng ist der Zusammenhang zwischen Arbeit und Rente bei der beschlossenen Heraufsetzung des Eintrittsalters in die gesetzliche Altersrente von 65 auf 67 Jahre zwischen 2012 und 2029. Wichtig ist die vom Gesetzgeber verlangte &Uuml;berpr&uuml;fung 2010, ob die Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre aus Sicht des Arbeitsmarktes und der gesundheitlichen Situation der &auml;lteren Arbeitnehmer &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist. Dies ist ein gesetzlicher Auftrag. Nach allen bisher bekannten Entwicklungen und Untersuchungen sind die Voraussetzungen keinesfalls gegeben. Seit 2005 ist es zwar, die Erwerbsbeteiligung der &auml;lteren Arbeitnehmer in Deutschland zu wieder etwas angestiegen. Auch die Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit unter den &Auml;lteren ist zur&uuml;ckgegangen &ndash; vor allem f&uuml;r die J&uuml;ngeren unter den &Auml;lteren. Nach wie vor ist die Erwerbst&auml;tigkeit der &uuml;ber 60-j&auml;hrigen mit durchschnittlich einem Drittel unterdurchschnittlich niedrig. Auch der Anstieg des Renteneintrittsalters auf etwa im Schnitt 63 Jahre bedeutet keinesfalls, dass die &uuml;ber 60-J&auml;hrigen l&auml;nger im Erwerbsleben verbleiben. Vielmehr wird infolge der Reduzierung der gesetzlichen M&ouml;glichkeiten zum vorzeitigen Eintritt in die Altersrente sowie der hohen Rentenabschl&auml;ge der Anteil der &Auml;lteren, die vom ALGII in die Armutsrente gehen m&uuml;ssen, in den n&auml;chsten Jahren erheblich ansteigen. In den Betrieben werden die &uuml;ber 50-J&auml;hrigen bei Einstellungen nach wie vor diskriminiert. Betriebliche Ma&szlig;nahmen der beruflichen Entwicklung und Qualifizierung &auml;lterer und &auml;lter werdender Belegschaften sowie ein ausreichendes Arbeitsschutz- und Gesundheitssicherungsmanagement sind mit Ausnahme weniger Leuchtt&uuml;rme vor allem in kleineren Betrieben v&ouml;llig unzureichend und haben sich in den letzten Jahren auch nicht verbessert. <\/p><p>Dementsprechend w&uuml;rde die pauschale Heraufsetzung der gesetzlichen Altersgrenze nur zu einer weiteren Minderung des Rentenniveaus f&uuml;hren und die Gefahr der Altersarmut weiter erh&ouml;hen. Es ist daher dringend erforderlich, die Solidarit&auml;tsbasis der gesetzlichen Rentenversicherung durch die Einf&uuml;hrung der Erwerbst&auml;tigenversicherung und damit die Einbeziehung zun&auml;chst von Selbst&auml;ndigen und Politikern zu verbreitern. Dann ist auch die Verbesserung der gesetzlichen Alterssicherung ohne bzw. ohne unzumutbare Anhebung der Beitr&auml;ge zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Statt weiter Werbung f&uuml;r die Riesterrente zu betreiben, w&auml;re es auch angesichts des inzwischen um sich greifenden Vertrauensverlustes von h&ouml;chster Priorit&auml;t, dass die Bundesregierung die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Wertbestand der kapitalgedeckten Alterssicherung ermitteln lie&szlig;e. Ein Blick &uuml;ber die Grenzen zeigt n&auml;mlich, dass in L&auml;ndern mit Kapitaldeckung durch den massiven Verfall der Verm&ouml;genswerte an den Weltpapierm&auml;rkten Hunderttausende, wenn nicht Millionen ihre Alterssicherung verloren haben. Experten der OECD haben f&uuml;r die zur&uuml;ckliegenden 12 Monate Marktverluste bei Pensionsfonds und Alterssicherungspl&auml;nen von &uuml;ber 5 Billionen Dollar gesch&auml;tzt. (Siehe dazu den heutigen Eintrag) <\/p><p>Nach einer anderen Sch&auml;tzung des &bdquo;Center for Retirement Research des Boston College&ldquo; vom November 2008 muss davon ausgegangen werden, dass die durch Anlagen an den Finanzm&auml;rkten dotierten Alterssicherungspl&auml;ne im Zeitraum vom Oktober 2007 (bei einem damaligen gesch&auml;tzten Verm&ouml;genswert der Alterssicherungssysteme von 15,3 Billionen Dollar) bis Oktober 2008 alleine in den USA eine Wertminderung von fast 4 Billionen Dollar (4000 Mrd. Dollar) hinnehmen mussten. <\/p><p>Nach Einsch&auml;tzung der OECD sind gerade jene L&auml;nder von den Wertverlusten durch die Finanzkrise am meisten betroffen, in denen ein gro&szlig;er Teil der Alterseinkommen heutiger Arbeitnehmer von privaten Rentenpl&auml;nen abh&auml;ngt, also etwa die USA, Chile, D&auml;nemark, Island, Mexiko, den Niederlanden, der Slowakei oder Gro&szlig;britannien.<\/p><p>Die OECD geht davon aus, dass sich der politische Druck verst&auml;rkten d&uuml;rfte, &auml;lteren Arbeitnehmern, die aufgrund der Finanzkrise wesentlich niedrigere Alterseinkommen zu erwarten haben, auf befristeter Basis durch zus&auml;tzliche staatliche Leistungen unter die Arme zu greifen.<\/p><p>Doch in Deutschland wird weiter so getan, als ginge die Finanzkrise die kapitalgedeckten Alterssicherungssysteme nichts an.<\/p><p><strong>S&uuml;ndenfall 2: Niedrig- und Armutsl&ouml;hne<\/strong><\/p><p>&Uuml;berf&auml;llig ist weiterhin die Durchsetzung ausreichender Mindestl&ouml;hne. Dies w&auml;re in der Bundesrepublik im Rahmen des Arbeitnehmerentsendegesetzes sowie des aktualisierten Gesetzes &uuml;ber Mindestarbeitsbedingungen m&ouml;glich. Nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz soll &uuml;ber Mindestl&ouml;hne in bundesweit wirksamen Tarifbereichen f&uuml;r in- und ausl&auml;ndische Arbeitnehmer Lohndumping verhindert werden. Derartige Mindestl&ouml;hne gelten bereits f&uuml;r die Baubranche und das Reinigungsgewerbe. Bei der Bundesregierung liegen seit M&auml;rz dieses Jahres weitere Antr&auml;ge f&uuml;r ausgehandelte tarifliche Mindestl&ouml;hne in 8 zus&auml;tzlichen Branchen vor. Damit k&ouml;nnten insgesamt &uuml;ber 3 Millionen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik unter dem Schutzschild allgemeinverbindlicher tariflicher Mindestl&ouml;hne vor Lohndumping bewahrt werden. Die Bundesregierung ist dringend gefordert, die bereits vorliegenden Antr&auml;ge tariflicher Mindestl&ouml;hne nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz zu genehmigen und diese Mindestl&ouml;hne f&uuml;r allgemeinverbindlich zu erkl&auml;ren. Die CDU\/CSU muss endlich ihre Blockade aufgeben, die seit &uuml;ber zwei Jahren vorliegenden gesetzlichen Mindestl&ouml;hne f&uuml;r die Leiharbeitnehmer, die von den DGB Gewerkschaften f&uuml;r etwa zwei Drittel der betroffenen Arbeitnehmer ausgehandelt wurden, in die Allgemeinverbindlichkeit aufzunehmen. Etwa 8 Prozent der Leiharbeitnehmer m&uuml;ssen zus&auml;tzlich Hartz IV beantragen, da sie von ihrem Leiharbeiterlohn ihre Lebensexistenz nicht sichern k&ouml;nnen. <\/p><p>Sowohl das Arbeitnehmerentsendegesetz wie auch das Gesetz &uuml;ber Mindestarbeitsbedingungen mit den vereinbarten Verfahren zur Allgemeinverbindlichkeit der von den Tarifparteien ausgehandelten Mindestl&ouml;hne reicht bei weitem nicht aus, die Arbeitnehmer in den sich ausbreitenden Niedriglohnsektoren ausreichend zu sch&uuml;tzen. In verschiedenen Branchen gibt es keine tariff&auml;higen Arbeitgeberverb&auml;nde, so dass die Gewerkschaften &uuml;berhaupt keine Mindestl&ouml;hne aushandeln k&ouml;nnen. Teilweise haben die Gewerkschaften auch nicht die Tarifmacht, um die Verhandlungen von Mindestl&ouml;hnen zu durchzusetzen. Zudem gibt es Branchen mit sehr niedrigen Tarifverg&uuml;tungen zwischen 7.05 Euro f&uuml;r die Systemgastronomie im Westen und 2.75 Euro f&uuml;r das Friseurhandwerk im Osten. Daher ist die Einf&uuml;hrung eines einheitlichen gesetzlichen Mindestlohnes unerl&auml;sslich.<\/p><p> Damit k&ouml;nnte auch der S&uuml;ndenfall der Zumutbarkeitsregelung in Hartz IV korrigiert werden. Dabei wurde die Bindung der von Arbeitslosen anzunehmenden T&auml;tigkeiten an Tarifl&ouml;hne und orts&uuml;bliche L&ouml;hne vollst&auml;ndig aufgegeben. Danach kann ein Langzeitarbeitsloser zur Aufnahme jeglicher T&auml;tigkeit zu jedem Preis gezwungen werden. Die einzige Untergrenze ist die &bdquo;Unsittlichkeit&ldquo; der Entlohnung. Nach der Rechtsprechung bedeutet dies eine untere &bdquo;Schmerzgrenze&ldquo; von bis zu 30 Prozent unter Tarif oder orts&uuml;blicher Entlohnung. In der Realit&auml;t sind dies vielfach un- oder angelernte T&auml;tigkeiten als 400- oder 1- Eurojobs bzw. &uuml;ber Leiharbeitsagenturen f&uuml;r wenige Monate, mit Hungerl&ouml;hnen und schlechten Arbeitsbedingungen &ndash; oft mit wechselnden Einsatzorten und weiten Anfahrtswegen. Arbeit f&uuml;r jeden Preis ist mit daf&uuml;r verantwortlich, dass in Deutschland der Niedriglohnsektor in den vergangenen Jahren st&auml;rker zugenommen hat, als in allen anderen westeurop&auml;ischen Nachbarl&auml;ndern. <\/p><p>Das von den Gegnern gesetzlicher Mindestl&ouml;hne immer wieder vorgebrachte Argument, damit w&uuml;rden Arbeitspl&auml;tzen verloren gehen, ist empirisch widerlegt. In 25 der 27 Mitgliedsl&auml;nder der EU gibt es gesetzliche Mindestl&ouml;hne. Bei unseren Nachbarn &ndash; Gro&szlig;britannien, Frankreich, Irland, Luxemburg und den Niederlanden &ndash; sind diese sogar h&ouml;her als die bisher in der Bundesrepublik von den Gewerkschaften genannten Stundenl&ouml;hne von 7.50 Euro. Bei einer Orientierung gesetzlicher Mindestl&ouml;hne an Hartz IV (Regelsatz plus Kosten der Unterkunft und Freibetr&auml;ge) m&uuml;sste der Brutto-Mindestlohn pro Stunde f&uuml;r einen Alleinstehenden 8.14 Euro betragen; bei Orientierung an der Pf&auml;ndungsfreigrenze 8.19 Euro; bei Orientierung an der Armutsschwelle von 50 Prozent des Durchschnittsstundenlohnes 10,00 Euro und nach der Europ&auml;ischen Sozialcharta (Recht auf gerechtes Arbeitsentgelt) sogar 12.01 Euro.<\/p><p>Das vom Sachverst&auml;ndigenrat in seinem j&uuml;ngsten Gutachten vorgeschlagene Kombilohnmodell ist keine Alternative zum Mindestlohn. Der Kombilohn w&uuml;rde f&uuml;r die Arbeitgeber geradezu einen Anreiz liefern, die L&ouml;hne unterhalb des Existenzminimums zu halten, das &Uuml;berleben m&uuml;sste dann aus &ouml;ffentlichen Mitteln gesichert werden. Damit w&uuml;rde ein Fass ohne Boden aufgemacht. Immer mehr Arbeitnehmer w&uuml;rden in dauerhafte Abh&auml;ngigkeit von &ouml;ffentlichen Subventionen geraten. <\/p><p>Ein ausreichender gesetzlicher Mindestlohn ist auch eine wesentliche Voraussetzung f&uuml;r existenzsichernde Altersrenten und f&uuml;r die Stabilisierung der Nachfrage.<\/p><p><strong>S&uuml;ndenfall 3: Prek&auml;re Besch&auml;ftigung<\/strong><\/p><p>Die Arbeitsmarktprobleme haben sich auch dadurch versch&auml;rft, dass die Spaltung auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft seit Jahren gef&auml;hrlich zunimmt. Etwa die H&auml;lfte des Zugangs zu einer Besch&auml;ftigung und des R&uuml;ckgangs der Arbeitslosigkeit in den vergangenen beiden Jahren geht auf das Konto sog. prek&auml;rer Arbeit mit niedrigen L&ouml;hnen, schlechten Arbeitsbedingungen und geringer sozialer Sicherheit.<\/p><p>Eines der gravierendsten Probleme ist die explosionsartige Ausweitung der geringf&uuml;gigen Besch&auml;ftigung in den letzten Jahren. Inzwischen gibt es etwa 6,7 Millionen solcher Mini-Arbeitsverh&auml;ltnisse. Der Anteil der Frauen betr&auml;gt mit 64 Prozent praktisch zwei Drittel. Den 6,7 Millionen Mini-Jobs neu entstandenen stehen nur 4,8 Millionen regul&auml;re Teilzeitarbeitsverh&auml;ltnisse gegen&uuml;ber.<\/p><p>Besorgniserregend ist auch der hohe Anteil der Besch&auml;ftigung Langzeitarbeitsloser in Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentsch&auml;digung (1 Euro-Jobs). Diese stellen nach wie vor den bei weitem h&ouml;chsten Anteil aller arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II &ndash; mit &uuml;ber 300 000 F&auml;llen im Jahresdurchschnitt und mit Neueintritten von 683 000 im Jahr 2007. Dass &bdquo;Arbeitsgelegenheiten&ldquo; keine L&ouml;sung darstellen, zeigt sich darin, dass die Langzeitarbeitslosen in einer &bdquo;ALG II-Falle&ldquo; bleiben. Dar&uuml;ber hinaus hat der Bundesrechnungshof schon in mehreren Gutachten einen erheblichen Missbrauch dieser &bdquo;Ma&szlig;nahmen&ldquo; festgestellt. Etwa die H&auml;lfte der Teilnehmer an solchen Ma&szlig;nahmen wird f&uuml;r T&auml;tigkeiten eingesetzt, die eigentlich von den Tr&auml;gern selbst regul&auml;r finanziert werden m&uuml;ssten. Dies gilt sogar f&uuml;r &ouml;ffentliche Arbeitgeber, vor allem f&uuml;r Kommunen, die so ihre Budgets auf Kosten von 1-Euro-Jobbern und der Steuerzahler entlasten.<\/p><p>Ein weiterer Skandal ist, dass in Deutschland 1,3 Millionen Menschen trotz einer regul&auml;ren Besch&auml;ftigung ALG-II-Leistungen beziehen m&uuml;ssen, um ihre Existenz zu sichern. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der &bdquo;Aufstocker&ldquo; von 880.000 auf 1,3 Millionen erh&ouml;ht. Ein gro&szlig;er Teil der Betroffenen ist geringf&uuml;gig besch&auml;ftigt. Dies f&uuml;hrt zu einer Abw&auml;rtsspirale prek&auml;rer Besch&auml;ftigung.<\/p><p>Eine weitere besonders negative Entwicklung ist die explosionsartige Ausbreitung der Leiharbeit. Es gibt inzwischen bundesweit &uuml;ber 730.000 Leiharbeitnehmer. Leiharbeit findet sich konzentriert in einzelnen Berufsbereichen. <\/p><p>Gesetzliche Initiativen zur Re-Regulierung dieser im Zuge der Hartzgesetze &bdquo;deregulierten&ldquo; Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse sind dringend erforderlich:<\/p><ol>\n<li>Die geringf&uuml;gige Besch&auml;ftigung muss erheblich zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden. Alle gesetzlichen Anreize zur Umwandlung von Normalarbeitsverh&auml;ltnissen und regul&auml;rer Teilzeit in geringf&uuml;gige Besch&auml;ftigung sind aufzuheben.\n<p>Insbesondere ist wieder die Addition von Stammarbeit und geringf&uuml;giger Besch&auml;ftigung bei der Berechnung der Sozialversicherungsbeitr&auml;ge einzuf&uuml;hren. Zudem w&auml;re es wirtschaftlich und sozial erheblich sinnvoller, Freibetr&auml;ge auch bei den Sozialversicherungsbeitr&auml;gen einzuf&uuml;hren. Dies ist die bei weitem bessere Alternative gegen&uuml;ber geringf&uuml;gigen Arbeitsverh&auml;ltnissen. <\/p><\/li>\n<li>Bei der Leiharbeit muss in jedem Fall wieder das Synchronisationsverbot (Verbot der Befristung des Arbeitsverh&auml;ltnisses f&uuml;r die Dauer des Einsatzes beim Entleiher) gelten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Leiharbeitsagenturen vom Entleihbetrieb oft erheblich mehr kassieren, als der Leiharbeitnehmer f&uuml;r seine Arbeitsleistung erh&auml;lt. Diese &bdquo;Geb&uuml;hren&ldquo; f&uuml;r die Leiharbeitsagenturen sollten gerade dazu dienen, dass sie das Risiko der Besch&auml;ftigung der Leiharbeitnehmer tragen, auch wenn keine &Uuml;berlassung m&ouml;glich ist. Der Gesetzgeber hat diese Verpflichtung 2003 aufgehoben. Damit wurde der Arbeitskr&auml;fteverleih zu einem &auml;u&szlig;erst lukrativen Gesch&auml;ft und seitdem schie&szlig;en Leiharbeitsagenturen wie Pilze aus dem Boden. Dies muss beendet werden. Notwendig ist dar&uuml;ber hinaus eine klare gesetzliche L&ouml;sung zur Umsetzung des Prinzips &bdquo;Gleicher Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit&ldquo; &ndash; ohne die heutige M&ouml;glichkeit der Unterwanderung durch unanst&auml;ndig niedrige Tarifvertr&auml;ge, wie sie z.B. von den christlichen Gewerkschaften f&uuml;r die Leiharbeit ausgehandelt wurden.\n<p>Dar&uuml;ber hinaus ist durch zeitliche Begrenzung der Verleihdauer sicherzustellen, dass &uuml;ber Leiharbeit nicht auf Dauer regul&auml;re Besch&auml;ftigung ersetzt und ein st&auml;ndiger Druck auf die L&ouml;hne und Arbeitsbedingungen ausge&uuml;bt wird.<\/p><\/li>\n<li>Dringend erforderlich ist die Abschaffung der Ein-Euro-Jobs f&uuml;r Langzeitarbeitslose. Die Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften sowie Optionskommunen haben erheblich bessere Instrumente, etwa durch\n<ul>\n<li>Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, <\/li>\n<li>dem Programm &bdquo;JobPerspektive&ldquo; ( einem Besch&auml;ftigungszuschuss f&uuml;r langzeitarbeitslose erwerbsf&auml;hige Hilfebed&uuml;rftige &uuml;ber 18 Jahren mit besonderen Vermittlungshemmnissen, dabei k&ouml;nnen Lohnkostenzusch&uuml;sse bis zu 75 Prozent der Lohnkosten im &ouml;ffentlichen und privaten Bereich f&uuml;r schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose erstattet werden), <\/li>\n<li>dem Bundesprogramm &bdquo;Kommunalkombi&ldquo; f&uuml;r Regionen mit einer Arbeitslosenquote von &uuml;ber 15 Prozent.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese und weitere Ma&szlig;nahmen sind bei weitem bessere Alternativen zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser als die Ein-Euro-Jobs, zumal da sie tarifliche oder orts&uuml;bliche Entlohnung und soziale Sicherung vorsehen. <\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>S&uuml;ndenfall 4:Umgang mit &auml;lteren Arbeitnehmern<\/strong><\/p><p>Der Umgang mit &auml;lteren Arbeitnehmern ist in Deutschland alles andere als befriedigend &ndash; dies gilt auch f&uuml;r die Arbeitsmarktpolitik: Die moderate Verl&auml;ngerung der Anspruchsdauer beim Arbeitslosengeld I f&uuml;r die &uuml;ber 50-J&auml;hrigen gibt &auml;lteren Arbeitnehmer wieder etwas mehr Schutz vor dem Abfall in Hartz IV, aber das Problem bleibt, dass die &uuml;ber 63-j&auml;hrigen Langzeitarbeitslosen weiterhin in die Zwangsrente geschickt werden k&ouml;nnen, und zwar mit betr&auml;chtlichen Rentenabschl&auml;gen. Heute m&uuml;ssen die &Auml;lteren Abschl&auml;ge von 3,6 Prozent bis zum Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinnehmen, ab 2012 werden die Abschl&auml;ge dann bis zu vier Jahresraten ausmachen &ndash; d.h. 4 x 3, 6 Prozent, also Abschl&auml;ge von 15,4 Prozent bis zum Ende des Rentenbezugs. <\/p><p>Ebenfalls nicht nachzuvollziehen ist, dass alle &uuml;ber 58-J&auml;hrigen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit aus der Statistik gestrichen werden. Das ist keine Hilfe sondern allenfalls statistische Sch&ouml;nf&auml;rberei. <\/p><p>Gerade vor dem Hintergrund der beabsichtigten Heraufsetzung der Altersgrenze ist eine Nachfolgeregelung f&uuml;r die auslaufende Altersteilzeit zwingend. Dabei sollte nicht nur auf das &bdquo;Blockmodell&ldquo; gesetzt werden, wobei die Arbeitszeit w&auml;hrend der Altersteilzeit nur noch 50% (Blockmodell: 1. Phase 100%, 2. Phase 0%) betr&auml;gt. Hilfreicher w&auml;re eine st&auml;rkere Ausrichtung der finanziellen F&ouml;rderung durch Steuererleichterung sowie Zusch&uuml;sse der BA auf Modelle eines gleitenden Ausscheides der &Auml;lteren aus dem Erwerbsleben sowie einer erleichterten M&ouml;glichkeit der Verkn&uuml;pfung von Altersteilzeit und Teilrente.<\/p><p>Seit einigen Wochen liegt ein Gesetzentwurf zur Neuordnung arbeitsmarktpolitischer Dienstleistungen vor. Dabei geht es auch darum die un&uuml;bersehbare Vielzahl arbeitsmarktpolitischer Ma&szlig;nahmen und Leistungen zusammenzufassen und einen effizienteren Einsatz zu erm&ouml;glichen. <\/p><p>Neben vielen anderen Kritikpunkten ist besonders problematisch, dass die Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen (ABM), die schon jetzt nur noch f&uuml;r den Osten gelten, ganz aus dem Gesetz gestrichen werden. Gerade f&uuml;r &auml;ltere Arbeitnehmer sind ABM oft eine unersetzliche Hilfe bei der beruflichen Eingliederung. Die neu geschaffenen Instrumente zur Eingliederung schwer vermittelbarer Langzeitarbeitsloser (&bdquo;Job Perspektive&ldquo; und &bdquo;Kommunal-Kombi&ldquo;) haben gegen&uuml;ber den ABM den Nachteil erheblicher Eigenleistungen der Tr&auml;ger. Gerade in Kommunen mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit, die im Regelfall auch noch besonders knapp bei Kasse sind, k&ouml;nnen diese Zusatzleistungen oft nicht erbracht werden. Dies ist einer der wesentlichen Gr&uuml;nde f&uuml;r die bislang &auml;u&szlig;erst z&ouml;gerlich praktische Anwendung der neuen Eingliederungsma&szlig;nahmen. Wie die positiven Ergebnisse der Pilotprojekte der BA zur &bdquo;B&uuml;rgerarbeit&ldquo; &ndash; meistens in Kommunen mit &uuml;berdurchschnittlich hoher Langzeitarbeitslosigkeit im Osten &ndash; zeigen, sind ABM in solchen F&auml;llen nach wie vor ein unverzichtbares Instrument. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Wirtschaftsrezession. Bei einem erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit werden gerade Langzeitarbeitslose noch schlechtere Chancen der Eingliederung in den Ersten Arbeitsmarkt haben. <\/p><p><strong>S&uuml;ndenfall 5: Neuordnung der Argen<\/strong><\/p><p>Besonders problematisch ist die erneute H&auml;ngepartie bei der gesetzlichen Neuregelung bei den Zust&auml;ndigkeiten zwischen den Arbeitsagenturen und den Kommunen im Rahmen von Hartz IV. Das Bundesverfassungsgericht hat Ende Dezember 2007 entschieden, dass die derzeitige Konstruktion der ARGEN nicht verfassungsgem&auml;&szlig; ist. Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz hatte sich im Juli 2008 auf eine &Auml;nderung der Verfassung verst&auml;ndigt. Allerdings scheinen bis heute h&ouml;chst unterschiedliche Vorstellungen in Bund und L&auml;ndern &uuml;ber die praktische Ausf&uuml;hrung vorzuliegen. So gibt es nach wie vor keinen praktikablen Kompromiss &uuml;ber die Zusammenarbeit von Arbeitsagenturen und Kommunen bei der Betreuung und Eingliederung Langzeitarbeitsloser. Diese mangelnde Kl&auml;rung hat bisher schon dazu gef&uuml;hrt, dass die berufliche Eingliederung bei weitem zu kurz gekommen ist. Wenn nicht schnell eine L&ouml;sung gefunden wird, erh&ouml;ht sich die Gefahr, dass die qualifizierten Mitarbeiter den Jobcentern den R&uuml;cken kehren und nach einer anderen T&auml;tigkeit suchen. Dies w&auml;re ein weiterer gef&auml;hrlicher Aderlass f&uuml;r das &bdquo;F&ouml;rdern&ldquo; im SGBII, weil nur erfahrene und qualifizierte Mitarbeiter diese schwierige Aufgabe erfolgreich bew&auml;ltigen k&ouml;nnen. Wie die erheblichen Schwierigkeiten mit der nachhaltigen Eingliederung Langzeitarbeitsloser zeigen, ist eine klare Abgrenzung der jeweiligen Verantwortlichkeiten von Arbeitsagenturen und Kommunen dringend erforderlich. Ohne eine solche gesetzliche Klarstellung wird es keinem der beiden Tr&auml;ger m&ouml;glich sein, ihre Verantwortung &uuml;bernehmen zu k&ouml;nnen. Die Leidtragenden sind die arbeitslosen Menschen, die aus der Abh&auml;ngigkeit von Hartz IV nicht herauskommen und die Steuerzahler, die immer h&ouml;here Ausgaben tragen m&uuml;ssen. <\/p><p><strong>S&uuml;ndenfall 6: Beitr&auml;ge zur Bundesagentur f&uuml;r Arbeit<\/strong><\/p><p>Vor dem Hintergrund der Wirtschaftsrezession und dem zu erwartenden Anstieg der Arbeitslosigkeit ist die weitere Absenkung der Beitr&auml;ge zur BA h&ouml;chst problematisch. Der Beitragssatz ist bereits in verschiedenen Stufen von 6,5 auf 3,3 Prozent seit 2008 abgesenkt worden. Nach dem Beschluss der Bundesregierung soll er ab 1.1.2009 bis Mitte 2010 weiter auf 2,8 Prozent verringert werden und danach 3 Prozent betragen. Die BA hat zwar aus den beiden vergangenen Jahren aufgrund der konjunkturellen Belebung auf dem Arbeitsmarkt erhebliche Finanzreserven zur&uuml;ckstellen k&ouml;nnen. Sollten Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr st&auml;rker steigen als es die offiziellen Prognosen der Bundesregierung bisher vorsehen &ndash; und alles deutet darauf hin -, w&auml;ren diese Reserven schnell aufgezehrt. Sowohl konjunktur- wie sozialpolitisch w&auml;re es verheerend, wenn dann einmal mehr die Leistungen der Arbeitslosenversicherung und die Ma&szlig;nahmen der Arbeitsmarktpolitik eingeschr&auml;nkt w&uuml;rden. Die Regierungskoalition muss ihren Beschluss der Absenkung unter die derzeit geltenden 3,3 Prozent angesichts des zu bef&uuml;rchteten Anstiegs der Arbeitslosigkeit so rasch wie m&ouml;glich revidieren. Gerade in einer Rezession ist es erforderlich, die finanziellen Spielr&auml;ume der BA zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit, Qualifizierung und Eingliederung der benachteiligten Personengruppen &ndash; einschlie&szlig;lich der &auml;lteren, Behinderten und Schwerbehinderten &ndash; auszuweiten.<\/p><p>Dr. Ursula Engelen-Kefer ist<\/p><ul>\n<li>Mitglied im Parteivorstand der SPD<\/li>\n<li>ehem. Stellvertretende Vorsitzende des DGB<\/li>\n<li>Mitglied in der Arbeitsgruppe Sozialpolitik des Sozialverbandes<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Beginn der Politik des Sozialabbaus in der Bundesrepublik Anfang der 1980er Jahre nimmt die Spaltung der Gesellschaft zu. &Ouml;ffentliche Sparpolitik zu Lasten der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen und der Rentner wurde zum Credo der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierungen. 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