{"id":3670,"date":"2008-12-17T17:10:18","date_gmt":"2008-12-17T16:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3670"},"modified":"2015-10-28T11:46:16","modified_gmt":"2015-10-28T10:46:16","slug":"ueber-die-verschiedenen-varianten-antidemokratischer-machteroberung-bzw-machterhaltung-thailand-modell-fuer-andere-gelegenheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3670","title":{"rendered":"\u00dcber die verschiedenen Varianten antidemokratischer Machteroberung bzw. Machterhaltung. Thailand &#8211; Modell f\u00fcr andere Gelegenheiten?"},"content":{"rendered":"<p>Die herrschenden Kreise &ndash; in Variationen: die Oberschicht, das gro&szlig;e Geld, die Wirtschaft, feudale Gruppen &ndash; haben verschiedene Methoden entwickelt, wie sie sich die Macht auch in demokratisch verfassten Gesellschaften erhalten beziehungsweise zur&uuml;ck erobern k&ouml;nnen, auch gegen eine vorl&auml;ufige Mehrheit der Wahlstimmen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nBei uns geht das &uuml;ber Meinungsmache und &ndash; wie man im Falle Hessens sieht &ndash; auch mithilfe der Beeinflussung gegnerischer Parteien beziehungsweise einzelner Personen in gegnerischen Parteien. Auch in Italien und anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern haben jene die Macht erobert, die die publizistische und finanzielle Macht besitzen. Damit verschaffen sie sich die Mehrheit unter jenen, die sich noch am politischen Geschehen durch Abgabe der Wahlstimme beteiligen. Berlusconi hat gezeigt, wie man das macht.<\/p><p>In Thailand kam es jetzt zu einer besonderen Variante. Die R&uuml;ckeroberung der Macht durch die Etablierten wurde von massiven Demonstrationen eines Teils der Ober- und Mittelschicht vorbereitet und dann durch &Uuml;berl&auml;ufer gesichert. Dieser Vorgang wurde in der &bdquo;Rheinpfalz&ldquo; gerade gut beschrieben. Ausz&uuml;ge siehe unten.<\/p><p>Man muss damit rechnen, dass alle diese Varianten k&uuml;nftig mehr und mehr ins Spiel kommen. Auch in anderen L&auml;ndern, zum Beispiel in Lateinamerika, werden die Oberschichten sorgf&auml;ltig beobachten, wie in Thailand die Herrschaft der Oberschicht gegen mehrheitlich anders lautende Wahlentscheidungen zur&uuml;ck erobert worden ist. In Venezuela gab es schon mehrmals &auml;hnliche Versuche.<\/p><p>Es empfiehlt sich, solche Vorg&auml;nge zu beobachten und einzuordnen.<\/p><p><strong>Auszug: &bdquo;Die Rheinpfalz&ldquo; vom 16.12.2008, Seite 2<\/strong><\/p><p><strong>Bezahlter Aufstieg<br>\nHintergrund: &Uuml;berl&auml;ufer der bisherigen Regierung sichern Thailands neuem Premier die Macht<\/strong><br>\n<em>Von Moritz Kleine-Brockhoff<\/em><\/p><p>Thailands Premier Abhisit Vejjajiva ist ein smarter, f&auml;higer Mann. Nur war sein Weg an die Spitze alles andere als elegant.<\/p><p>Abhisit sprach kurz und sagte nichts: &bdquo;Ich danke Ihnen, den Abgeordneten, die f&uuml;r mich gestimmt haben. Ich danke f&uuml;r geschenktes Vertrauen.&rdquo; Kein Wort von Thailands n&auml;chstem Premier zur Spaltung des Landes. Doch die Zur&uuml;ckhaltung hat einen Grund: Abhisit wird erst offiziell Regierungschef, wenn Thailands K&ouml;nig Bhumibol zugestimmt hat.<\/p><p>Die Zustimmung des Monarchen gilt als Formalie, der K&ouml;nig d&uuml;rfte zufrieden sein. Es kommt das politische Lager an die Macht, das sich die Achse Monarchie-Milit&auml;r und die von ihr geduldeten Flughafenblockierer w&uuml;nschten. Und mit Abhisit wird ein Mann an der Regierungsspitze stehen, den die Elite sch&auml;tzt.<\/p><p>Schlie&szlig;lich geh&ouml;rt Abhisit dazu. Er wurde in England geboren. Seine Eltern stammen aus reichen Familien. Der Vater war Vizegesundheitsminister. Er schickte seinen Sohn nach England auf die renommierte Eton-Schule. &bdquo;Ich erlebte den Optimismus der demokratischen Revolution im Fernsehen&rdquo;, sagt Abhisit und meint die Studenten, die 1973 in Thailand Demokratie forderten. Interessierte sich der designierte Premier schon als Neunj&auml;hriger f&uuml;r Politik? Nach Eton besuchte Abhisit die Universit&auml;t Oxford.<\/p><p>Ende der 80er Jahre kehrte er als selbstbewusster Gentleman zur&uuml;ck nach Thailand, kurze Zeit sp&auml;ter gelang ihm der Einzug ins Parlament. Gerade mal 27 Jahre jung war Abhisit da. Bildung, gutes Aussehen, Eloquenz, Kompetenz, Ehrgeiz &ndash; ihm wurde eine steile Karriere vorausgesagt. Und so kam es auch. Parteisprecher, Regierungssprecher, Minister, Parteichef &ndash; es schien nur eine Frage der Zeit, bis Abhisit das h&ouml;chste politische Amt &uuml;bernehmen sollte. Nur fehlte eine Kleinigkeit: die Mehrheit der W&auml;hlerstimmen. Das Volk mochte den populistischen Milliard&auml;r Thaksin Shinawatra lieber als den sachlichen Abhisit. &bdquo;Ich bin bereit, Premier zu werden&rdquo;, sagte er 2006, obwohl er laut Umfragen hoffnungslos zur&uuml;cklag. Abhisit kann nicht begeistern. Schlie&szlig;lich boykottierten er und seine Partei die freie Wahl. Dass er nun, mit 44, doch Premier wird, hat er nicht W&auml;hlerstimmen zu verdanken, sondern Flughafenblockaden, Parteienaufl&ouml;sungen, Berufsverboten seiner politischen Gegner und &Uuml;berl&auml;ufern aus Thaksins Lager. Diese m&uuml;ssen belohnt werden, mit Geld oder mit Posten. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/digipaper.rheinpfalz.de\/digiPaper\/servlet\/articlepageservlet?page=2065536&amp;text=9942033&amp;mode=snapArticle\">rheinpfalz.de<\/a> (Nur mit Login)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die herrschenden Kreise &ndash; in Variationen: die Oberschicht, das gro&szlig;e Geld, die Wirtschaft, feudale Gruppen &ndash; haben verschiedene Methoden entwickelt, wie sie sich die Macht auch in demokratisch verfassten Gesellschaften erhalten beziehungsweise zur&uuml;ck erobern k&ouml;nnen, auch gegen eine vorl&auml;ufige Mehrheit der Wahlstimmen. 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