{"id":36739,"date":"2017-01-24T09:21:59","date_gmt":"2017-01-24T08:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36739"},"modified":"2017-01-24T13:29:41","modified_gmt":"2017-01-24T12:29:41","slug":"der-erste-gewinner-des-regierungswechsel-in-den-usa-israels-rechtsaussen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36739","title":{"rendered":"Der erste \u201eGewinner\u201c des Regierungswechsels in den USA: Israels Rechtsau\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Israel, bleib stark. Der 20. Januar r&uuml;ckt immer n&auml;her&ldquo; &hellip; diese Durchhalteparole setzte niemand anderes als Donald Trump h&ouml;chstpers&ouml;nlich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDonaldTrump\/status\/814114980983427073\">am 28. Dezember ab<\/a>. F&uuml;nf Tage zuvor hatten die USA zum <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-1.761049\">ersten Mal<\/a> seit 1980 v&ouml;llig &uuml;berraschend im UN-Sicherheitsrat kein Veto zu einer <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_Nations_Security_Council_Resolution_2334\">Resolution<\/a> eingelegt, die Israels Siedlungspolitik kritisiert und f&uuml;r illegal erkl&auml;rt. Nun droht die 180&deg;-Wende. Eine von Trumps ersten Personalentscheidungen &uuml;berhaupt war es, den als zionistischen Hardliner bekannten Anwalt <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_M._Friedman\">David M. Friedman<\/a> als neuen US-Botschafter f&uuml;r Israel zu bestimmen. Und Friedman ist nicht nur ein Unterst&uuml;tzer des Siedlungsbaus, sondern kann sich sogar eine Annexion des gesamten Westjordanlandes durch Israel vorstellen. So verwundert es kaum, dass Jerusalems Beh&ouml;rden den Regierungswechsel in Washington erst einmal mit der Genehmigung von Bauantr&auml;gen f&uuml;r 566 neue Siedlerwohnungen im annektierten Ost-Jerusalem <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/israel-siedlungsbau-105.html\">feierten<\/a>. Und dies ist nur der Anfang. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9065\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36739-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36739-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170124_Gewinner_des_USA_Regierungswechsels_Israels_Rechtsaussen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170124_s1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Das Verh&auml;ltnis zwischen Israels politischer Rechten und der Regierung Obama war nie sonderlich gut. Die USA mussten resigniert einsehen, dass die israelisch-pal&auml;stinensischen Friedensgespr&auml;che auch unter der Vermittlung von John Kerry kein Jota weiter kamen. Grund daf&uuml;r war, dass sich die israelische Seite &ndash; einem internen Memo der US-Delegation <a href=\"http:\/\/www.ynetnews.com\/articles\/0,7340,L-4516768,00.html\">zufolge<\/a> &ndash;  nicht einen Zoll weit bewegt hat. Auf der anderen Seite grenzte es f&uuml;r die israelische Rechts-Rechtsau&szlig;en-Regierung an einen Hochverrat, dass die USA sich als Teil eines internationalen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Joint_Comprehensive_Plan_of_Action\">Aktionsplans<\/a> auf eine diplomatische L&ouml;sung des &bdquo;Atomstreits&ldquo; mit Iran verst&auml;ndigt haben. F&uuml;r Israels Premier Netanjahu stellt dieses Abkommen eine Bedrohung der Existenz Israels dar, da es laut Netanjahu den Weg Irans zur Bombe ebnen wird. Trump hat &uuml;brigens bereits im Wahlkampf klar gesagt, dass er das Abkommen <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/articles\/iran\/2017-01-23\/trumps-iran-deal-options\">revidieren wird<\/a>; sehr zur Freude der rechten Knesset-Parteien.<\/p><p>Neben den stockenden Friedensverhandlungen und der Iran-Frage steht vor allem die Siedlungspolitik zwischen den USA und Israel. Bezeichnete George W. Bush die Siedlungspolitik noch lapidar als &bdquo;nicht hilfreich f&uuml;r den Friedensprozess&ldquo;, ignorierte das Thema aber sonst geflissentlich und gab Israel im UN-Sicherheitsrat stets R&uuml;ckendeckung, wurde Barack Obama <a href=\"https:\/\/en.wikisource.org\/wiki\/A_New_Beginning\">schon konkreter<\/a>, bezeichnete die Siedlungen als nicht legitim und forderte Israel auf, die Besiedlung zu stoppen. Freilich belie&szlig; es auch Obama im Gro&szlig;en und Ganzen bei folgenlosen Drohungen. Sanktionen gegen Israel waren beispielsweise in Washington nie ein Thema.<\/p><p>Auch wenn Israel den Siedlungsbau nie aufgegeben hat, so zog man beim Ausbau der Siedlungen auf Order aus Washington jedoch deutlich die Handbremse. Momentan warten Antr&auml;ge f&uuml;r <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000051302632\/Israel-genehmigt-Bau-hunderter-Siedlerwohnungen-in-Ost-Jerusalem\">rund 11.000 Siedlerwohnungen<\/a> auf die Genehmigung durch die Beh&ouml;rden und der Regierungswechsel in Washington k&ouml;nnte auch hier alle Schleusen &ouml;ffnen. Am Tag der Amts&uuml;bergabe an Donald Trump verk&uuml;ndete Jerusalems Vizeb&uuml;rgermeister Meir Turjeman stolz, dass man die Antr&auml;ge f&uuml;r 566 neue Siedlerwohnungen im von Israel annektierten Jerusalemer Ostteil genehmigt habe. Durch Trumps Amtsantritt h&auml;tten sich &bdquo;die Spielregeln ge&auml;ndert&ldquo;.  &bdquo;Uns sind die H&auml;nde nicht mehr gebunden [&hellip;] jetzt k&ouml;nnen wir endlich bauen&ldquo;, so Turjeman. Die aktuelle Genehmigungswelle sei demnach nur der Anfang. Was nun folgt, d&uuml;rfte die politische Lage in Israel und den Pal&auml;stinensergebieten aufs Neue anheizen. <\/p><p>Sind die Hoffnungen der israelischen Rechten begr&uuml;ndet oder vielleicht verfr&uuml;ht, schlie&szlig;lich ist Trump doch noch gar nicht richtig im Amt? Nun, in keinem anderen au&szlig;enpolitischen Themenfeld hat sich Trump w&auml;hrend des gesamten Wahlkampfes derart klar positioniert wie zum Thema Israel. Dabei lie&szlig; er nie einen Zweifel daran, dass er die rechte israelische Regierung Netanjahu (&bdquo;ein toller Kerl&ldquo; &ndash; O-Ton Trump) in ziemlich allen Fragen unterst&uuml;tzt und auch beim Thema Siedlungsbau bezog er immer wieder <a href=\"http:\/\/www.ynetnews.com\/articles\/0,7340,L-4799194,00.html\">klar Position<\/a> f&uuml;r die religi&ouml;sen Ultras, die die Siedlungspolitik vorantreiben.<\/p><p>Donald Trump selbst und vor allem sein j&uuml;discher Schwiegersohn Jared Kushner z&auml;hlen zu den finanziellen Unterst&uuml;tzern dieser Ultras. Die Familie Kushners, der von Trump gro&szlig;spurig als kommender Architekt eines israelisch-pal&auml;stinensischen Friedensabkommens  bezeichnet wird, unterst&uuml;tzt zahlreiche, zum Teil auch <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-1.757068\">als gewaltt&auml;tig geltende<\/a>, ultraorthodoxe Einrichtungen im Westjordanland und eine Lobbyorganisation namens &bdquo;American Friends of Beit El Yeshiva&ldquo;, die politische Sch&uuml;tzenhilfe f&uuml;r die Siedlungspolitik in den USA und Israel organisiert. Pr&auml;sident dieser Organisation ist niemand anderes als David M. Friedman, Trumps neuer US-Botschafter in Israel.<\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170124_s2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Genau diesem David Friedman kommt in Trumps Israel-Strategie auch eine Schl&uuml;sselrolle zu. Friedman ist ein echter Hardliner. Obama wurde von Friedman bereits als &bdquo;unverhohlener Antisemit&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.jta.org\/2016\/12\/16\/news-opinion\/united-states\/trumps-pick-for-israel-envoy-elates-hawks-worries-doves\">bezeichnet<\/a>. Und &uuml;berhaupt &ndash; das US-Au&szlig;enministerium <a href=\"http:\/\/www.economist.com\/news\/middle-east-and-africa\/21712098-death-knell-or-defibrillator-peace-process-moving-us-embassy\">sei<\/a> ohnehin in den letzten 70 Jahren ein anti-israelischer Hort des Antisemitismus und linksliberale Israelis, die aktiv f&uuml;r eine Zweistaaten-L&ouml;sung eintreten, seien &bdquo;schlimmer als die Kapos&ldquo; &ndash; also schlimmer als die j&uuml;dische Hilfspolizei, die die Nazis in den Ghettos und KZs eingesetzt haben. Das ist wirklich starker Tobak, der Friedman ganz sicher nicht f&uuml;r ein hohes Amt im diplomatischen Dienst qualifiziert. Donald Trump ist da offensichtlich anderer Meinung. <\/p><p>Wenn es nach Friedman geht, werden die n&auml;chsten Jahre im Nahen Osten ohnehin alles andere als langweilig. Neben der aktiven Unterst&uuml;tzung der Siedlungspolitik und der Annullierung des Iran-Abkommens schwebt Friedman und Trump auch eine Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem vor. Dies w&auml;re ein hochsymbolischer Akt, da Jerusalem von der arabischen Welt als geteilte Stadt gesehen wird und auch Pal&auml;stina Anspr&uuml;che auf Ostjerusalem als Hauptstadt eines kommenden pal&auml;stinensischen Staates legt. Die Pl&auml;ne von Friedman und Trump klingen gerade so, als wolle man die arabische Welt auf Teufel komm raus provozieren. Auch wenn Trump immer wieder von einem zu verhandelnden Friedensabkommen spricht, so sieht seine Vorstellung eines Friedens in Nahost doch ein wenig sehr einseitig aus. Nach den Vorstellungen Friedmans und der israelischen Rechten sollen die Siedlungen im Westjordanland vielmehr St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck von Israel <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-1.757177\">annektiert werden<\/a> &hellip; so lange, bis es im Grunde nichts mehr zu verhandeln gibt. Von einer &bdquo;Zwei-Staaten-L&ouml;sung&ldquo; halten Trump und vor allem Friedman ohnehin nicht viel und wenn durch Annexionen und die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem erst einmal Fakten geschaffen wurden, wird ein Zur&uuml;ck an den Verhandlungstisch ohnehin nur schwer zu erreichen sein. Bereits in wenigen Tagen will Trump sich mit Netanjahu treffen und wahrscheinlich werden dann schon schematische Grundrisse der neuen amerikanischen Nahost-Politik zu erkennen sein. Es steht zu bef&uuml;rchten, dass uns diese Grundrisse &uuml;berhaupt nicht gefallen werden.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/d996cd6d55c3409c91991b191ed62fb0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Israel, bleib stark. Der 20. Januar r&uuml;ckt immer n&auml;her&ldquo; &hellip; diese Durchhalteparole setzte niemand anderes als Donald Trump h&ouml;chstpers&ouml;nlich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDonaldTrump\/status\/814114980983427073\">am 28. Dezember ab<\/a>. F&uuml;nf Tage zuvor hatten die USA zum <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-1.761049\">ersten Mal<\/a> seit 1980 v&ouml;llig &uuml;berraschend im UN-Sicherheitsrat kein Veto zu einer <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_Nations_Security_Council_Resolution_2334\">Resolution<\/a> eingelegt, die Israels Siedlungspolitik kritisiert und f&uuml;r illegal erkl&auml;rt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36739\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,190],"tags":[368,951,1557,1926,366,303,2039,1800,639,1281],"class_list":["post-36739","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-wahlen","tag-bush-george-w","tag-iran","tag-israel","tag-netanjahu-benjamin","tag-obama-barack","tag-palaestina","tag-siedlungspolitik","tag-trump-donald","tag-uno","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36739"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36744,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36739\/revisions\/36744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}