{"id":36769,"date":"2017-01-26T13:43:35","date_gmt":"2017-01-26T12:43:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36769"},"modified":"2017-03-23T12:07:28","modified_gmt":"2017-03-23T11:07:28","slug":"vorwahlen-der-franzoesischen-sozialisten-bonjour-tristesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36769","title":{"rendered":"Vorwahlen der franz\u00f6sischen Sozialisten \u2013 Bonjour Tristesse"},"content":{"rendered":"<p>Das &bdquo;linke Lager&ldquo; Frankreichs ist nach der katastrophalen Pr&auml;sidentschaft Fran&ccedil;ois Hollandes zersplittert wie noch nie. Egal wie die offenen Vorwahlen der Sozialisten ausgehen: Am Ende werden wohl drei Kandidaten des &bdquo;linken Lagers&ldquo; bei der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen antreten. Die Chancen auf das Erreichen der zweiten Runde sind eher bescheiden und so &bdquo;links&ldquo; ist das &bdquo;linke Lager&ldquo; auch nicht mehr. Da ist es f&uuml;r die Medien schon eine Sensation, dass ein Kandidat des linken PS-Fl&uuml;gels die erste Runde der Vorwahlen der PS gewonnen hat. Das &auml;ndert jedoch nichts an der Gemengelage. Sofern kein Wunder geschieht, stehen Frankreich triste Zeiten bevor. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9110\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36769-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36769-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170126_Vorwahlen_der_franzoesischen_Sozialisten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>W&auml;hrend bei der SPD einige wenige einflussreiche Parteifunktion&auml;re nach wie vor hinter verschlossenen T&uuml;ren ihren Kanzlerkandidaten auskungeln, l&auml;sst die franz&ouml;sische Schwesterpartei PS ihren Pr&auml;sidentschaftskandidaten in offenen Vorwahlen ganz nach dem Vorbild der USA vom W&auml;hler k&uuml;ren. Die Wahl ist dabei offen f&uuml;r freie Kandidaten und Kandidaten anderer Parteien. W&auml;hlen d&uuml;rfen freilich auch Sympathisanten des &bdquo;linken Lagers&ldquo;, die keine Parteimitglieder sind. Die USA lassen gr&uuml;&szlig;en. Anders als in Deutschland gibt es bei unseren Nachbarn &uuml;brigens auch einen echten Wettbewerb um dieses Amt. Mit Beno&icirc;t Hamon, Vincent Peillon und Arnaud Montebourg warfen drei ehemalige Minister und mit Manuel Valls sogar ein ehemaliger Regierungschef ihre H&uuml;te in den Ring. eim Volk stie&szlig; diese, im besten Sinne, offene Vorwahl jedoch eher auf Desinteresse. Insgesamt nutzten lediglich 1,6 Millionen Mitglieder und Sympathisanten des &bdquo;linken Lagers&ldquo; die M&ouml;glichkeit. 2011 waren es noch rund 2,7 Millionen. Den ersten Wahlgang konnte &uuml;berraschend Beno&icirc;t Hamon mit 36% der Stimmen vor Manuel Valls mit 31,5% der Stimmen f&uuml;r sich entscheiden. Die beiden Kandidaten m&uuml;ssen nun am kommenden Sonntag in die zweite Wahlrunde, die Stichwahl. Dann entscheidet es sich, wer als Kandidat der PS bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen am 23. April und am 7. Mai teilenehmen wird.<\/p><p><strong>Montebourg &ndash; der gescheiterte Wirtschaftsexperte<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170126_f1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>F&uuml;r das mangelnde Interesse gibt es zwei Erkl&auml;rungen. Zum einen hat die PS in den f&uuml;nf Jahren Hollande nicht nur das Land, sondern vor allem auch sich selbst kr&auml;ftig abgewirtschaftet. Startete Hollande noch mit einer gem&auml;&szlig;igt linken Programmatik und dem Vorhaben, der neoliberalen Austerit&auml;tspolitik Deutschlands Einhalt zu gebieten, landete er schon schnell als Bettvorleger Angela Merkels, der eifrig die &bdquo;Anregungen&ldquo; aus Berlin und Br&uuml;ssel umsetzte. Wegen dieser Wende kam es innerhalb der PS zu R&uuml;cktritten und Personalwechseln. Im Sommer 2014 trat Wirtschaftsminister Montebourg zur&uuml;ck, der zum linken Parteifl&uuml;gel z&auml;hlt. Albrecht M&uuml;ller <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23051\">kommentierte<\/a> den R&uuml;cktritt damals mit den Worten, Montebourg sei offenbar &bdquo;einer der letzten Sozialdemokraten&ldquo;. Da Montebourg in der erste Runde der Vorwahlen mit 17,5% nur Dritter wurde, ist er aus dem Rennen. Seinen W&auml;hlern und Unterst&uuml;tzern gab er bereits die Empfehlung, nun einem weiteren ehemaligen Minister vom linken Parteifl&uuml;gel ihre Stimme zu geben: Beno&icirc;t Hamon.<\/p><p><strong>Hamon &ndash; der &Uuml;berraschungssieger des ersten Wahlgangs<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170126_f2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Rein rechnerisch kann sich Hamon daher bereits zur&uuml;cklehnen. Er selbst erzielte 36% im ersten Wahlgang und zusammen mit den Montebourg-Stimmen sollte er den zweiten Wahlgang locker gewinnen k&ouml;nnen. Das ist eine faustdicke &Uuml;berraschung, lag Hamon in den Umfragen doch bis vor wenigen Tagen noch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/French_Socialist_Party_presidential_primary,_2017\">weit, weit abgeschlagen<\/a> hinter seinen Konkurrenten. Erst die drei TV-Debatten konnten ihn auch in den Umfragen nach vorne bringen. <\/p><p>Wer ist dieser Beno&icirc;t Hamon? So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Hamon ist ein Wanderer zwischen den linken Welten, der auch gut im &bdquo;Kipping-Fl&uuml;gel&ldquo; der deutschen Linkspartei unterkommen w&uuml;rde. Er kritisiert die wirtschaftsliberale Politik von Hollande scharf und tritt daf&uuml;r ein, die Austerit&auml;tspolitik zu beenden, expansiv zu investieren und die neoliberalen Reformen der letzten Jahre r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. Ansonsten teilt er auch andere klassisch linke Positionen, wie die Forderung nach einer Legalisierung des Cannabis-Konsums, eine relativ offene Fl&uuml;chtlingspolitik und einen liberalen Umgang mit dem Islam. Er ist jedoch auch ein Anh&auml;nger des bedingungslosen Grundeinkommens und spricht immer wieder vom Ende der Wachstums- und Industriegesellschaft. Nun ja.<\/p><p>All diese Punkte w&uuml;rden es verdienen, sich differenziert mit Hamon auseinanderzusetzen. Vor allem die deutschen Medien sehen das nat&uuml;rlich wieder einmal ganz anders. Seine Forderungen sind f&uuml;r die FAZ &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/frankreich-schwerer-daempfer-fuer-valls-in-vorwahl-14728410.html\">radikal<\/a>&ldquo;, f&uuml;r die WELT ist er ein &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article161289391\/Wie-Frankreichs-Sozialisten-ihre-Partei-beerdigen.html\">Utopist<\/a>&ldquo; und f&uuml;r die NZZ ist Harmon schlicht ein &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/benoit-hamon-ein-linker-reaktionaer-ld.141302\">linker Reaktion&auml;r<\/a>&ldquo;. Fest steht: In der ewigen Schlacht zwischen dem Guten und dem B&ouml;sen ist Hamon zumindest f&uuml;r unsere Edelfedern ein Schurke; ein Schurke jedoch, der den strahlenden wei&szlig;en Ritter in den Vorwahlen auf Platz zwei verdr&auml;ngt hat.<\/p><p><strong>Manuel Valls &ndash; der Posterboy der &bdquo;Reformer&ldquo;<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170126_f4.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nach dem R&uuml;ckzug von Fran&ccedil;ois Hollande war f&uuml;r die allermeisten Beobachter eigentlich klar, dass niemand anderes als Manuel Valls als Spitzenkandidat der PS ins Rennen geht. Als Hollande im Fr&uuml;hjahr 2014 seine &bdquo;Wende&ldquo; vollzog und die Minister des linken Parteifl&uuml;gels die Regierung verlie&szlig;en, war es der damalige Innenminister Manuel Valls, den Hollande zum neuen Regierungschef ernannte. Der Mann der sich selbst als &bdquo;Blairist&ldquo; bezeichnet, ist ein aalglatter Vertreter dessen, was euphemistisch als &bdquo;Reformer&ldquo; bezeichnet wird &ndash; ein neoliberaler &Uuml;berzeugungst&auml;ter, der ganz in der Tradition von Blair und Schr&ouml;der die klassische Sozialdemokratie zu Grabe tragen und den Sozialstaat durch neoliberale &bdquo;Reformen&ldquo; schw&auml;chen will.<\/p><p>Valls will den Begriff &bdquo;Sozialismus&ldquo; aus dem Parteiprogramm streichen &ndash; wir reden hier wohlgemerkt von der PS, also der Parti socialiste, der &bdquo;Sozialistischen Partei&ldquo;. Er ist gegen jegliche Umverteilung von oben nach unten, gegen &bdquo;zu hohe&ldquo; Transferleistungen f&uuml;r die Armen der Gesellschaft und sozialstaatliche Hindernisse f&uuml;r den freien Wettbewerb. Als Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg Sch&auml;uble und das &bdquo;deutsche Modell&ldquo; scharf kritisierte, fiel ihm Valls in aller &Ouml;ffentlichkeit in den R&uuml;cken und entschuldigte sich bei Sch&auml;uble f&uuml;r &bdquo;seinen&ldquo; Wirtschaftsminister, der sich &bdquo;im Ton vergriffen&ldquo; habe. Valls reichte den R&uuml;cktritt seiner Regierung ein, um von Hollande mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt zu werden &ndash; diesmal ohne linke St&ouml;renfriede.<\/p><p>W&auml;hrend seiner gesamten Amtszeit erwies sich Valls als zuverl&auml;ssiger Exekutor der Austerit&auml;tspolitik aus Berlin und Br&uuml;ssel. Das kommt nat&uuml;rlich auch bei den deutschen Massenmedien hervorragend an. Quer durch die Bank wird er von WELT, FAZ und Co. als &bdquo;reformorientierter&ldquo; &bdquo;Pragmatiker&ldquo; und &bdquo;Realist&ldquo; gelobt. Valls soll also &bdquo;unser Mann in Paris&ldquo; werden? Dies ist jedoch kaum mehr als ein frommer Wunsch. Bei den aktuellen Umfragen zur ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen liegt er komplett abgeschlagen im einstelligen Prozentbereich und hat damit keine Chancen, die zweite Runde zu erreichen. Valls&acute; Problem ist, dass es in &bdquo;der Mitte&ldquo; zu eng ist und der Posterboy der &bdquo;Reformer&ldquo; von einem neoliberalen Shooting-Star &uuml;berfl&uuml;gelt wird.<\/p><p><strong>Emmanuel Macron &ndash; der franz&ouml;sische Guttenberg<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170126_f3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Emmanuel Macron ist der Liebling der franz&ouml;sischen Klatschpresse. Der Sohn aus besserem Hause, der die Eliteschulen und Eliteuniversit&auml;ten des Landes durchlaufen hat, fing seine Karriere als Investmentbanker an und wurde bereits in jungen Jahren zum Partner bei der ber&uuml;hmten Bank Rothschild &amp; Cie. Nach Hollandes Wahlsieg verlie&szlig; er das Bankhaus, um als &bdquo;Chefberater&ldquo; in Hollandes Stab in den &Eacute;lys&eacute;e-Palast zu ziehen. Als Valls die &bdquo;linken St&ouml;renfriede&ldquo; aus der Regierung warf, stand Macron bereits Gewehr bei Fu&szlig; und l&ouml;ste Arnaud Montebourg als Wirtschaftsminister ab. Und nun startete der neoliberale Shooting-Star, den Montebourg einmal nur halb im Scherz den &bdquo;stets frisch gek&auml;mmten Labrador Hollandes, der hinter den Gardinen des &Eacute;lys&eacute;e-Palasts sitzt&ldquo; nannte, so richtig durch.<\/p><p>Kurz nach seiner Amtseinf&uuml;hrung &uuml;bergab er ein von ihm entworfenes Gesetzespaket (&bdquo;Loi Macron&ldquo;) an die Nationalversammlung &ndash; der Vergleich mit den Hartz-Gesetzen liegt auf der Hand. Doch das Parlament nahm das Loi Macron nicht einfach an, sondern brachte rund 3.000 &Auml;nderungsantr&auml;ge ein. Was am Ende dabei herauskam, war zwar f&uuml;r die politische und gesellschaftliche Linke und die Gewerkschaften eine Kampfansage, aber f&uuml;r den neoliberalen Dandy Macron viel zu wenig. <\/p><p>Nach diesem Misserfolg zeigte sich Macron mehr und mehr d&uuml;nnh&auml;utig. Im Mai 2016 kam es dann im Umfeld der Demonstrationen des franz&ouml;sischen Gewerkschaftsbundes CGT zu einem Eklat, als der wie stets im teuren Ma&szlig;anzug flanierende Macron einem mit einem T-Shirt gekleideten Gewerkschafter riet, doch lieber zu arbeiten anstatt zu demonstrieren, sonst k&ouml;nne er sich nie so einen schicken Anzug wie er selbst leisten. Nun platzte auch Hollande der Kragen und sogar die &Ouml;ffentlichkeit sah den 39j&auml;hrigen Hoffnungstr&auml;ger auf einmal etwas skeptischer. <\/p><p>Macron w&auml;re jedoch nicht Macron, wenn er sich so einfach von einer Partei kritisieren lassen w&uuml;rde. Also gr&uuml;ndete Macron mit &bdquo;En marche!&ldquo; seine eigene Ein-Personen-Partei und k&uuml;ndigte kurze Zeit sp&auml;ter an, bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen zu kandidieren. Diese Kandidatur ist vor allem f&uuml;r Manuel Valls und damit das Parteiestablishment der PS der gr&ouml;&szlig;te anzunehmende Unfall, da Macron und Valls sich nicht so gro&szlig;artig unterscheiden und beide die gleiche Klientel ansprechen. Valls hat die PS im R&uuml;cken, Macron konnte binnen k&uuml;rzester Zeit mehrere Millionen Euro Spenden sammeln, deren Herkunft er verschweigt. Der T-Shirt-Eklat ist auch schon wieder vergessen. Macron ist (nicht nur) in der Klatschpresse omnipr&auml;sent. <\/p><p><strong>Aber ist das das &bdquo;linke Lager&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Wir haben also den &bdquo;offiziellen&ldquo; PS-Kandidaten Harmon oder Valls und den als unabh&auml;ngigen Kandidaten antretenden Emmanuel Macron. Harmon kommt in <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Liste_de_sondages_sur_l%27%C3%A9lection_pr%C3%A9sidentielle_fran%C3%A7aise_de_2017\">aktuellen Umfragen<\/a> zum ersten Wahlgang auf 8%, Valls auf 9%. Sollte sich kein Wunder ereignen, wird der PS-Kandidat also nicht die geringste Chance haben, in den zweiten Wahlgang zu kommen. Macron steht besser da. Er kommt in den Umfragen auf rund 20% und liegt damit nur knapp hinter dem konservativen Fran&ccedil;ois Fillon (26%) und der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen (27%). Auff&auml;llig ist jedoch vor allem eins: Macron und Valls z&auml;hlen nur wegen der klassischen Einordnung &uuml;berhaupt zum &bdquo;linken Lager&ldquo;; weil sie Politiker der ehemals sozialdemokratischen PS sind bzw. waren. Nat&uuml;rlich ist an ihren Positionen so ziemlich nichts &bdquo;links&ldquo;. Das sieht bei Beno&icirc;t Hamon freilich ein wenig anders aus, aber da Hamon ziemlich chancenlos bei der Pr&auml;sidentschaftswahl ist, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den umfragest&auml;rksten Kandidaten der politischen Linken.<\/p><p><strong>Jean-Luc M&eacute;lenchon &ndash; der franz&ouml;sische Oskar Lafontaine<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170126_f5.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wenn deutsche Medien &uuml;ber die franz&ouml;sische &bdquo;Linke&ldquo; schreiben, dann ist damit eigentlich immer die PS gemeint. Das ist freilich absurd, da es in Frankreich sehr wohl eine Linkspartei gibt, die in den Umfragen sogar noch vor der PS steht. Die Parti de Gauche, also &bdquo;Linkspartei&ldquo;, wurde 2009 von entt&auml;uschten ehemaligen Mitgliedern der PS und der Gr&uuml;nen unter F&uuml;hrung von Jean-Luc M&eacute;lenchon gegr&uuml;ndet, einem Senator, der im Jahr zuvor aus Protest aus der PS ausgetreten ist und seitdem als Europaabgeordneter und begnadeter Redner die Frontfigur der Linkspartei ist. M&eacute;lenchon vertritt als einziger der Kandidaten echte linke Positionen und w&auml;re inhaltlich ohne Vorbehalt ein w&uuml;nschenswerter Pr&auml;sident. Doch auch in Frankreich leiden die Linken darunter, dass ihre Themen in der &ouml;ffentlichen Debatte kaum stattfinden und die &Ouml;ffentlichkeit sich nur noch um Fl&uuml;chtlinge, Terroristen und den Islam interessiert. <\/p><p>2012 holte M&eacute;lenchon in der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen mit 11% den vierten Platz. Die Umfragen sehen ihn in diesem Jahr bei 14 bis 15% und damit vor den beiden m&ouml;glichen PS-Kandidaten. Das ist vor allem dann &auml;rgerlich, wenn Hamon die Kandidatur erringen sollte. Denn dann teilen sich zwei Kandidaten der politischen Linken rund 25% der Stimmen &ndash; ein Ergebnis, das je nach dem Abschneiden der andern Kandidaten vielleicht sogar reichen k&ouml;nnte, um in die zweite Runde zu kommen.<\/p><p><strong>Fillon, Valls oder doch Le Pen? Sie haben die Wahl zwischen Pest, Cholera und Typhus<\/strong><\/p><p>So hat auch M&eacute;lenchon nur schlechte Karten, die erste Runde zu &uuml;berstehen. Das &bdquo;linke Lager&ldquo; ist im eigentlichen Sinne zerfasert und die Franzosen werden in der entscheidenden zweiten Runde wohl nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben. Als gesetzt darf Marine Le Pen gelten, die in den Umfragen leicht vorne liegt und ziemlich sicher zumindest als Zweitplatzierte den ersten Wahlgang &uuml;berstehen wird. Ob der in gesellschaftspolitischen Fragen erzkonservative und in Wirtschaftsfragen neoliberale Fran&ccedil;ois Fillon oder der der in gesellschaftspolitischen Fragen liberale und Wirtschaftsfragen ultra-neoliberale Emmanuel Macron als zweiter Kandidat in die zweite Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen geht, ist die gro&szlig;e und entscheidende Frage. Denn gegen beide Kandidaten h&auml;tte Marine Le Pen den Umfragen zufolge nicht den Hauch einer Chance. Gegen Fillon w&uuml;rde sie demnach mit 35% zu 62% und gegen Macron mit 36% zu 64% verlieren. Fillon, Valls oder doch Le Pen? Die Tristesse der Franzosen wird sich nicht so schnell legen.<\/p><p><em>Bildnachweis: Wikicommons (CC BY-SA 2.0)<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/b499584d83d741c4ab6711dc613567e4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &bdquo;linke Lager&ldquo; Frankreichs ist nach der katastrophalen Pr&auml;sidentschaft Fran&ccedil;ois Hollandes zersplittert wie noch nie. Egal wie die offenen Vorwahlen der Sozialisten ausgehen: Am Ende werden wohl drei Kandidaten des &bdquo;linken Lagers&ldquo; bei der ersten Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen antreten. Die Chancen auf das Erreichen der zweiten Runde sind eher bescheiden und so &bdquo;links&ldquo; ist das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36769\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,190],"tags":[423,1043,1094,1994,2066,2040,359,2041,312,1931,291,2042],"class_list":["post-36769","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-wahlen","tag-austeritaetspolitik","tag-frankreich","tag-hollande-francois","tag-le-pen-marine","tag-macron-emmanuel","tag-melenchon-jean-luc","tag-parteistroemungen","tag-parti-socialiste","tag-reformpolitik","tag-valls-manuel","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-vorwahlen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36769"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36777,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36769\/revisions\/36777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}