{"id":3678,"date":"2009-01-02T09:52:16","date_gmt":"2009-01-02T08:52:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3678"},"modified":"2014-01-23T10:05:19","modified_gmt":"2014-01-23T09:05:19","slug":"neujahrsansprache-der-bundeskanzlerin-eine-atemberaubende-flucht-aus-der-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3678","title":{"rendered":"Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin \u2013 Eine atemberaubende Flucht aus der Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Festtagsansprachen von Politikern sollen den Gemeinsinn ansprechen und bei den Menschen Zuversicht schaffen. Das ist ein legitimes Anliegen. Aber die Neujahrsansprache der Kanzlerin strotzte nur so von Selbstlob und von neoliberalem &bdquo;Neusprech&ldquo;. Das Gesagte und das Gemeinte, die Ansprache und die Wirklichkeit k&ouml;nnten nicht weiter auseinander liegen. Man muss nur einmal Satz f&uuml;r Satz hinterfragen, was sich hinter dem Gesprochenen verbirgt und welche T&auml;uschungsversuche hinter den Worten stecken. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nGehen wir einfach einmal die wichtigsten S&auml;tze durch.<\/p><p><em>&bdquo;Deshalb steht f&uuml;r mich auch im kommenden Jahr an erster Stelle, Arbeitspl&auml;tze zu erhalten und zu schaffen. Gerade hier ist Deutschland in den vergangenen drei Jahren gut vorangekommen. Es gibt heute mehr Erwerbst&auml;tige als je zuvor.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Kanzlerin will uns wieder einmal einreden, dass die Zunahme der Zahl der Erwerbst&auml;tigen ihr politischer Erfolg sei. Sie verdr&auml;ngt bis heute, dass die (leichte) Belebung auf dem Arbeitsmarkt vor allem auf den von der Weltwirtschaft getragenen Konjunkturaufschwung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren war.  Sie fragt dar&uuml;ber hinaus nicht, welche Art der Erwerbst&auml;tigkeit zugenommen hat. Sie folgt der inhumanen Parole von der Arbeit zu jedem Preis und zu allen Bedingungen. Kein Wort zum Mindestlohn, kein Wort zu gleichem Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit. &bdquo;Vorangekommen&ldquo; ist vor allem die Leiharbeit und die prek&auml;re Besch&auml;ftigung und die Zahl der &bdquo;Aufstocker&ldquo;, die so wenig verdienen, dass sie auf staatliche Zusch&uuml;sse angewiesen sind. <\/p><p><em>&bdquo;Auch die Sozialversicherungen sind stabiler geworden und die Staatsfinanzen solider.&ldquo;<\/em><\/p><p>Auf wessen Kosten die Sozialversicherungen &bdquo;stabiler&ldquo; geworden sind, bleibt genauso unerw&auml;hnt, wie die Ruinierung der gesetzlichen Rente und die Tatsache, dass die Arbeitslosen-&bdquo;Versicherung&ldquo; kaum noch ihren Namen verdient und Millionen mit dem Arbeitslosengeld II an die Grenze des Existenzminimums gef&uuml;hrt hat.<br>\nVerschwiegen wird auch, dass die Staatsfinanzen vor allem deswegen solider geworden sind, weil durch den leichten Konjunkturanstieg die Steuern st&auml;rker gesprudelt sind.<\/p><p><em>&bdquo;Die Familien wurden gest&auml;rkt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Frage ist nur, welche Familien wurden gest&auml;rkt. Das Elterngeld hat besser verdienende Familien gest&auml;rkt und arme geschw&auml;cht. Ca. 155 000 Familien werden durch die Neuregelung schlechter gestellt und das ganz bewusst. Diese Gruppe hat n&auml;mlich bei einer Geburt seit dem 1. Januar 2007 volle 3.600 Euro weniger im Geldbeutel. Betroffen davon sind alle Arbeitslosengeld II &ndash; (bzw. Sozialhilfe- und Grundsicherungs-) bezieher\/innen: Sie bekamen vorher &uuml;ber zwei Jahre hinweg 7.200 Euro und erhalten jetzt wahlweise &uuml;ber ein oder zwei Jahre hinweg nur noch 3.600 Euro.<br>\nDie Kindergelderh&ouml;hung von 10 bzw. 16 Euro erreicht die Hartz-IV-Empf&auml;nger nicht.<\/p><p>War die Streichung der Eigenheimzulage, die K&uuml;rzung der Pendlerpauschale, die Beschr&auml;nkung des Kindergelds nur bis zum 25. Lebensjahr und die Mehrwertsteuererh&ouml;hung eine St&auml;rkung der Familien? Unterm Strich l&ouml;sten diese Reformen kinderbedingte Mehrkosten von weit &uuml;ber zehn Milliarden Euro aus. Rechnet man noch die Streichung der Familienzulagen im &ouml;ffentlichen Dienst dazu, sind es weitere vier Milliarden Euro Minus. Dem stehen die verbesserte steuerliche Anerkennung von Kinderbetreuungskosten und das Elterngeld mit Mehrkosten von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro gegen&uuml;ber. Also ein sattes Minus f&uuml;r alle Familien.<\/p><p><em>&bdquo;Unsere Unternehmen sind wettbewerbsf&auml;higer und unsere Schulen und Universit&auml;ten erfolgreicher.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wettbewerbsf&auml;higer sind unsere Unternehmen vor allem deshalb geworden, weil die L&ouml;hne und Kosten gesenkt und dabei Hunderttausende entlassen wurden, weil die Gewerkschaften systematisch geschw&auml;cht und prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse geschaffen wurden. Damit konnten wir vor allem unsere europ&auml;ischen Nachbarn niederkonkurrieren.<\/p><p>Wo sind unsere Schulen erfolgreicher geworden?<br>\nWas hilft der Aufstieg um einige Rangpl&auml;tze bei Pisa, wenn gleichzeitig immer mehr Sch&uuml;ler allenfalls noch Grundschulniveau erreichen? War die Einf&uuml;hrung von G 8 erfolgreich?<br>\nWo liegt der Erfolg unserer Universit&auml;ten, wenn durch die Studiengeb&uuml;hren Tausende vom Studium abgehalten werden. Ist es ein Erfolg, dass seit der Einf&uuml;hrung der Bachelor-Studieng&auml;nge die Quote der Studienabbrecher steigt?<\/p><p><em>&bdquo;Deutschland ist Integrationsland und wird f&uuml;r immer mehr Migrantinnen und Migranten Heimat.&ldquo;<\/em><\/p><p>Mit dem neuen Begriff &bdquo;Integrationsland&ldquo; wird besch&ouml;nigend umschrieben, dass die Einwanderung (auch mit Hilfe der EU) gestoppt wurde und die Einwanderungsquote in Deutschland weit hinter der anderer Industriel&auml;nder liegt.<br>\n&bdquo;Integrationsland&ldquo;, das hei&szlig;t Einb&uuml;rgerungstests und Anpassung an eine vorgebliche deutsche Leitkultur. Die Heimat von immer mehr Migrantenkindern bedeutet Schulabbruch, keine Berufsausbildung und damit der sichere Weg in die Arbeitslosigkeit.<\/p><p><em>&bdquo;Das alles sind gute Gr&uuml;nde f&uuml;r Zuversicht.&ldquo;<\/em><\/p><p>Zuversicht f&uuml;r wen?<\/p><p><em>&bdquo;Das alles sind Gr&uuml;nde, auf Deutschlands Kraft und St&auml;rken zu vertrauen. Vertrauen auf das, was wir k&ouml;nnen, ist gerade jetzt wichtig.&ldquo;<\/em><\/p><p>Was sind &bdquo;Deutschlands&ldquo; Kraft und St&auml;rken. Etwa die zunehmende Spaltung in Arm und Reich? Dass jedes f&uuml;nfte Kind in Armut lebt? Dass weniger Chancengerechtigkeit besteht als je zuvor?<br>\nIst es das, &bdquo;was wir k&ouml;nnen&ldquo;?<\/p><p><em>&bdquo;Denn die weltweite Krise ber&uuml;hrt auch Deutschland.&ldquo; <\/em><\/p><p>Eine wundersch&ouml;ne Formulierung: Die Krise &bdquo;ber&uuml;hrt&ldquo; auch Deutschland. Noch immer tut die Kanzlerin so, als sei die Krise wie ein &bdquo;Spring-ins-Feld-Teufel&ldquo; von au&szlig;en &uuml;ber uns gekommen. Wir haben auf den NachDenkSeiten nur allzu oft beschrieben, mit welchen Ma&szlig;nahmen die deutsche Politik den Spekulanten und &bdquo;Heuschrecken&ldquo; T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet hat oder wie der angeblichen Effizienz der Finanzm&auml;rkte, der Deregulierung und der Finanzmarkt-F&ouml;rderungspolitik h&ouml;chste Priorit&auml;t einger&auml;umt wurde.<\/p><p><em>&bdquo;Finanzielle Exzesse ohne soziales Verantwortungsbewusstsein, das Verlieren von Ma&szlig; und Mitte mancher Banker und Manager &ndash; wahrlich nicht aller, aber mancher &ndash; das hat die Welt in diese Krise gef&uuml;hrt.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;Ma&szlig; und Mitte&ldquo; als moralisches Problem, die Finanzkrise als Gier &bdquo;mancher&ldquo; Banker und nicht als strukturimmanentes Prinzip der Marktwirtschaft, dabei baut doch Marktwirtschaft in einer gewissen Weise auf einer solchen Moral oder A-Moral auf. Ist das Verhalten unseres Spitzenpersonals nicht eine Begleiterscheinung der herrschenden Ideologie. Entwickelten wir uns in den letzten Jahren mehr und mehr in Richtung einer (neo-)feudalen Gesellschaft, in der sich die Oberen bedienen und ihre Netze so stricken, dass sie sogar von der Rechtsprechung nicht mehr ernsthaft bedroht werden k&ouml;nnen. <\/p><p><em>&bdquo;Die Welt hat &uuml;ber ihre Verh&auml;ltnisse gelebt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ein unglaublicher Satz. Da Verhungern weltweit tausende von Menschen und selbst in den Industriel&auml;ndern werden immer mehr Menschen ausgegrenzt und in schlimme Armut gest&uuml;rzt. Gleichzeitig ergaunern Investment-Banker Milliarden, gleichzeitig wird f&uuml;r die Banken um ein Vielfaches mehr Geld bereitgestellt, als f&uuml;r die Entwicklungshilfe oder die Welthungerhilfe.<br>\nVor allem wir in Deutschland haben &bdquo;unter&ldquo; unseren Verh&auml;ltnissen gelebt, die Masseneinkommen, die L&ouml;hne, sind zu gering gestiegen. Unsere Volkswirtschaft hat damit unseren Partnervolkswirtschaften Probleme bereitet. Sie konnten mit der Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Volkswirtschaft nicht mithalten.<\/p><p><em>&bdquo;Nur wenn wir diese Ursachen benennen, k&ouml;nnen wir die Welt aus dieser Krise f&uuml;hren.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wer &bdquo;diese Ursachen&ldquo; der Krise im Verlust &bdquo;von Ma&szlig; und Mitte mancher Banker und Manager&ldquo; sieht, wird die Welt wohl kaum aus der Krise f&uuml;hren k&ouml;nnen. Es ist der hilflose Appell an die individuelle Moral und ein billiges Ablenken davon, welchen Anteil an Schuld die Politik selbst hat, dass solche &bdquo;finanziellen Exzesse&ldquo; m&ouml;glich wurden und warum ihnen nicht fr&uuml;her Einhalt geboten wurde. Hinter dem Verweis auf ein paar schwarze Schafe steckt die Verweigerung, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und die vielen Gesetze, die die Krise gef&ouml;rdert haben, wieder zur&uuml;ckzunehmen. <\/p><p><em>&bdquo;Der Staat ist der H&uuml;ter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung. Der Wettbewerb braucht Augenma&szlig; und soziale Verantwortung. Das sind die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Sie gelten bei uns, aber das reicht nicht.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wo und vor allem wie hat unter der Gro&szlig;en Koalition der Staat die wirtschaftliche Ordnung geh&uuml;tet? Solche S&auml;tze kann man nur sagen, wenn man die Tatsache negiert, dass der Staat beim Entstehen der Krise v&ouml;llig versagt hat. Wo hat er f&uuml;r Augenma&szlig; und soziale Verantwortung im Wettbewerb gesorgt? Hat die Politik nicht umgekehrt sogar aktiv betrieben, dass Augenma&szlig; und soziale Verantwortung verloren gegangen sind? Sind nicht seit Jahren, die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft durch den Abbau des Sozialstaats systematisch untergraben worden?<\/p><p><em>&bdquo;Diese Prinzipien m&uuml;ssen weltweit beachtet werden. Erst das wird die Welt aus dieser Krise f&uuml;hren. Die Welt ist dabei, diese Lektion zu lernen.<br>\nUnd das ist die Chance, die in dieser Krise steckt, die Chance f&uuml;r internationale Regeln, die sich an den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft orientieren. Ich werde nicht locker lassen, bis wir solche Regeln erreicht haben.&ldquo;<\/em><\/p><p>Es ist doch geradezu grotesk, dass die Kanzlerin die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft nun &bdquo;weltweit&ldquo; einf&uuml;hren will. Wurden nicht bis vor kurzem mit dem Hinweis auf die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit die Prinzipien des wirtschaftsliberalen angels&auml;chsischen Modells als Vorbild dargestellt und die Entstaatlichung, die Privatisierung, die Deregulierung, der Abbau von Sozial- und Arbeitsstandards propagiert und durchgesetzt. Was soll die Welt, was sollen unsere Nachbarn in Frankreich, in Italien oder in den Niederlanden von Deutschland lernen, au&szlig;er Steuersenkungen, Senkungen der Abgaben, der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; und der L&ouml;hne, die Privatisierung von Leistungen der Daseinsvorsorge und der sozialen Sicherungssysteme.<br>\nDass Merkel nicht locker lassen will, diese &bdquo;Regeln&ldquo; durchzusetzen, muss eher als Drohung und Bedrohung f&uuml;r unsere Nachbarn verstanden werden denn als Vermeidungsstrategie gegen zuk&uuml;nftige Krisen.<\/p><p><em>&bdquo;Die Bundesregierung handelt umfassend und entschlossen. Aber ich entscheide nicht danach, wer gerade am lautesten ruft.&ldquo;<\/em><\/p><p>Dieses Selbstlob eines &bdquo;umfassenden und entschlossenen&ldquo; Handelns ist nur noch l&auml;cherlich. Musste sich nicht die Bundesregierung gerade in den letzten Monaten, geradezu von Woche zu Woche korrigieren? Mussten der Kreditrahmen und die staatlichen Rettungsmittel f&uuml;r die IKB und die Hypo Real Estate (HRE) nicht immer wieder um Milliarden erh&ouml;ht werden? Die Halbwertzeitungen der Rettungsversuche wurden immer k&uuml;rzer. War die Bundesregierung nicht der Meinung, die Krise sei eine amerikanische, die Deutschland allenfalls &bdquo;ber&uuml;hrt&ldquo;? Musste nicht geradezu &uuml;ber Nacht (vor &Ouml;ffnung der Tokioter B&ouml;rse) der Rettungsschirm f&uuml;r die Banken aufgeklappt werden? Hat die Rettung der Banken die versprochene Wirkung gehabt? Warum begeben sich die Banken so z&ouml;gerlich unter diesen Schirm und warum ist der Kreditverkehr zwischen den Banken nicht in Gang gekommen?<br>\nHat die Bundesregierung sich nicht endlos lange geweigert ein Konjunkturprogramm gegen die Rezession aufzulegen? Kaum war ein Progr&auml;mmchen mit H&auml;ngen und W&uuml;rgen verabschiedet, steht nun Anfang des Jahres schon das n&auml;chste an und man muss kein Prophet sein, dass es wieder viel zu schmal angelegt ist, um die Wirtschaft tats&auml;chlich wieder anzukurbeln. War die Bundesregierung auf europ&auml;ischer Eben nicht nur der Bremser f&uuml;r ein koordiniertes Vorgehen?<br>\nHat die Bundesregierung nicht vor allem der am &bdquo;lautesten rufenden&ldquo; Automobilindustrie unter die Arme gegriffen &ndash; wenn auch mit unzul&auml;nglichen Mitteln?<\/p><p><em>&bdquo;Denn es ist Ihr Geld, liebe Mitb&uuml;rgerinnen und Mitb&uuml;rger, das Geld der Steuerzahler, f&uuml;r das wir in der Politik Verantwortung tragen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wo war die Verantwortung der Politik f&uuml;r das &bdquo;Geld der Steuerzahler&ldquo; bei den Rettungsaktionen f&uuml;r die Landesbanken oder bei der Verschleuderung der IKB f&uuml;r 150 Millionen &euro; an die Private Equity Gruppe Lonestar, nachdem der Steuerzahler vorher fast 10 Milliarden bereitstellen musste.  Nicht einmal das Parlament hat ein Mitsprache- oder auch nur ein Kontrollrecht, bei der Vergabe der Kredite oder der Kapitalspritzen aus dem Banken-Rettungsschirm. <\/p><p><em>&bdquo;Deshalb ist unser Ma&szlig;stab f&uuml;r alle weiteren Entscheidungen so einfach wie eindeutig: Wir machen das, was Arbeits&shy;pl&auml;tze sichert und schafft, egal ob in kleinen oder in mittleren oder in gro&szlig;en Unternehmen. Arbeit f&uuml;r die Menschen &ndash; das ist der Ma&szlig;stab unseres Handelns.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wie locker wurde mit dem &bdquo;Geld der Steuerzahler&ldquo; umgegangen, als es um die Rettung der Banken ging, und wie wenig Geld ist f&uuml;r einen &bdquo;Schutzschirm f&uuml;r Arbeit&ldquo;, f&uuml;r Bildung, f&uuml;r Arme und Hartz-IV-Empf&auml;nger vorhanden? W&auml;re wirklich &bdquo;Arbeit f&uuml;r die Menschen&ldquo; der Ma&szlig;stab des Handelns der Bundesregierung, dann h&auml;tte sie schon l&auml;ngst etwas gegen die Rezession tun m&uuml;ssen und nicht erst warten d&uuml;rfen bis in diesem Jahr wieder Hunderttausende ihren Arbeitsplatz verlieren werden.<\/p><p><em>&bdquo;Und wir werden bei allem, was wir tun, nicht alte Fehler wiederholen und Wirtschaft und Umwelt gegeneinander ausspielen. Wirtschaft und Klimaschutz, Klimaschutz und Wirtschaft &ndash; das geht zusammen, wenn man es nur will. Und wir wollen es.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wo war der Klimaschutz bei der befristeten KfZ-Steuerbefreiung f&uuml;r Neuwagen, egal ob es sich um Spritfresser oder schadstoffarme Autos handelte.<br>\nBeim Kernst&uuml;ck der europ&auml;ischen Klimapolitik &ndash; dem Handel mit Verschmutzungsrechten &ndash; hat sich die Bundesregierung von Anfang an daf&uuml;r ausgesprochen, dass die Stromkonzerne und m&ouml;glichst viele Industriezweige auch in Zukunft alle Berechtigungsscheine zum Aussto&szlig; klimasch&auml;dlicher Treibhausgase kostenlos erhalten.<br>\nDas Energie- und Klimapaket der Bundesregierung wurde so verw&auml;ssert, dass sich damit die notwendige Reduzierung der Treibhausgase in Deutschland um 40 Prozent bis 2020 gegen&uuml;ber dem Basisjahr 1990 nie erreichen l&auml;sst.<br>\nAuch beim EU-Abkommen zur schrittweisen Reduzierung der CO2-Emissionen von Autos hat sich die Bundesregierung vor den Karren der Autolobby spannen lassen. <\/p><p><em>&bdquo;Und wo immer es im Blick auf die n&auml;chste Generation verantwortbar ist, werden wir alle, die Steuern und Abgaben zahlen, entlasten.&ldquo;<\/em><\/p><p>Nun ist die Kanzlerin auch noch vor der CSU und der FDP eingeknickt. Warum sollen eigentlich &bdquo;alle&ldquo; von Steuern entlastet werden, auch diejenigen, die sich durch die Umverteilungspolitik oder durch Finanzspekulationen riesige Verm&ouml;gen angeeignet haben? Warum soll nicht gerade das untere Einkommensdrittel entlastet werden, das doch so wenig hat, dass es gar keine oder nur wenig Steuern bezahlt?<br>\nAuf der einen Seite wird ein aktiver Staat gefordert, auf der anderen Seite wird das weitere Aushungern des Staates fortgesetzt.<\/p><p><em>&bdquo;Wir investieren noch mehr in Schulen, Hochschulen und Universit&auml;ten. Das ist Politik f&uuml;r die n&auml;chste Generation.&ldquo;<\/em><\/p><p>Laut dem &bdquo;Bildungsbericht 2008&ldquo; vom Mai dieses Jahres ging der Anteil der Bildungsausgaben am BIP von 6,9% im Jahr 1995 auf 6,3% im Jahr 2005 und auf 6,2% im Jahr 2006 zur&uuml;ck. W&auml;ren auch im Jahr 2005 wie 1995 6,9% des BIP f&uuml;r Bildung aufgewendet worden, h&auml;tten dem Bildungsbereich rund 13 Milliarden Euro mehr zur Verf&uuml;gung gestanden.<\/p><p><em>&bdquo;Meine Devise ist: Wir wollen die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise nicht einfach &uuml;berstehen. Wir wollen st&auml;rker aus ihr herausgehen, als wir hineingekommen sind. Das geht, das k&ouml;nnen wir gemeinsam schaffen!&ldquo;<\/em><\/p><p>Das k&ouml;nnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Hartz-IV- und Sozialhilfeempf&auml;nger nur als Drohung verstehen. Denn St&auml;rkung der Wirtschaft oder der Wettbewerbsf&auml;higkeit, das hei&szlig;t weiter so wie bisher: Niedrige L&ouml;hne, Senkung der Sozialabgaben, Ausweitung des Niedriglohnsektors, steuerliche und weitere Abgaben- Entlastung der Unternehmen, Verlagerung der Sozialkosten auf Private.<\/p><p>Lesen Sie jetzt die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin einfach nochmals durch und Sie werden besser verstehen, was mit dem Gesagten tats&auml;chlich gemeint ist oder was durch das Gesprochene vertuscht wird. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/nn_1498\/Content\/DE\/Rede\/2008\/12\/2008-12-31-merkel-neujahrsansprache.html\">Regierung Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festtagsansprachen von Politikern sollen den Gemeinsinn ansprechen und bei den Menschen Zuversicht schaffen. Das ist ein legitimes Anliegen. Aber die Neujahrsansprache der Kanzlerin strotzte nur so von Selbstlob und von neoliberalem &bdquo;Neusprech&ldquo;. Das Gesagte und das Gemeinte, die Ansprache und die Wirklichkeit k&ouml;nnten nicht weiter auseinander liegen. Man muss nur einmal Satz f&uuml;r Satz hinterfragen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3678\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,188,1,123,157],"tags":[318,319,315,317,316,288,234],"class_list":["post-3678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-bundesregierung","category-das-kritische-tagebuch","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-elterngeld","tag-lohnentwicklung","tag-merkel-angela","tag-mindestlohn","tag-neujahrsansprache","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3678"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3678\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20051,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3678\/revisions\/20051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}