{"id":3689,"date":"2009-01-07T16:33:33","date_gmt":"2009-01-07T15:33:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3689"},"modified":"2014-01-23T09:55:17","modified_gmt":"2014-01-23T08:55:17","slug":"den-kapitalmarkt-effizienter-organisieren-konversion-ist-angesagt-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3689","title":{"rendered":"Den Kapitalmarkt effizienter organisieren &#8211; Konversion ist angesagt (Teil I)"},"content":{"rendered":"<p>Am 25. November konnten Sie in den NachDenkSeiten lesen: &bdquo;<a href=\"?p=3615\">Ist die Geldschwemme Ursache der Finanzmarktkrise? Ein Ansto&szlig; zu ein paar Zweifeln an einer g&auml;ngig werdenden These<\/a>.&ldquo; Dieser Beitrag f&uuml;hrte zu einer teilweise heftigen Diskussion. Insbesondere meine Zweifel an der h&auml;ufig wiederholten Annahme, die ungerechte Einkommensverteilung habe eine Geldschwemme verursacht, die wiederum verantwortlich sei f&uuml;r die Aufbl&auml;hung der Finanzm&auml;rkte und die jetzige Krise, stie&szlig;en auf Widerstand und Kritik. &ndash; Meine Zweifel sind nicht beseitigt. Die so oft wiederholte Vorstellung, die miserable Einkommensverteilung habe zu einer Art Geldschwemme und damit zur Finanzkrise gef&uuml;hrt, lenkt eher von der Diagnose der wichtigeren Ursachen und damit von der richtigen Therapie ab. &ndash; Es ist jetzt notwendig, den Kapitalmarkt auf notwendige Funktionen zu beschr&auml;nken und ihn von dem Element der Spekulation, den daf&uuml;r forcierten Verm&ouml;genstransaktionen und &uuml;berh&ouml;hten Renditevorstellungen zu befreien. Diese Beschr&auml;nkung auf die notwendigen Aufgaben stellt die Volkswirtschaften vor ein &auml;hnliches Problem wie bei der R&uuml;stungskonversion. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Vorbemerkung:<\/strong><br>\nUrspr&uuml;nglich sollte hier ein umfassender und kompakter Bericht &uuml;ber Beobachtungen  zur gegenw&auml;rtigen Diskussion um die Finanzkrise folgen. Aber das wird so viel Text, dass eine Aufsplittung sinnvoll erscheint und &uuml;brigens auch lesefreundlicher ist. <\/p><p>Dieser Teil I enth&auml;lt nach einer Replik auf die im November begonnene Debatte um die &bdquo;Geldschwemme&ldquo; schwerpunktm&auml;&szlig;ig Ausf&uuml;hrungen zu folgenden Themen: <\/p><ul>\n<li>Die weit gehend aus dem Blick geratene spekulative Entwicklung der Aktienb&ouml;rsen<\/li>\n<li>Die gigantischen Schneeballsysteme<\/li>\n<li>Kriminelle Energie ist gro&szlig; im Spiel<\/li>\n<li>Unglaubliche Dimensionen der Spekulation &ndash; und schon jetzt unglaubliche Dimension der Rettungsschirme<\/li>\n<li>Das schlimme Ende kommt wahrscheinlich noch, die wirklichen Risiken werden uns vermutlich nicht genannt. Aber die Zumutungen zeichnen sich ab.<\/li>\n<\/ul><p>Texte zu weiteren Themen folgen sp&auml;ter.<\/p><ol>\n<li><strong>Replik zur Rolle der Einkommensumverteilung zu Gunsten der oberen Einkommen und zur &bdquo;Geldschwemme&ldquo;<\/strong>\n<p>Vor die Klammer gezogen noch einmal die Feststellung: Die Einkommensverteilung und Verm&ouml;gensverteilung hat sich in den letzten 25-30 Jahren fast stetig miserabel entwickelt. Dar&uuml;ber gibt es keinen Streit. Auch dar&uuml;ber nicht, dass diese ungerechte Verteilung schlimme Folgen f&uuml;r unsere Volkswirtschaft (Stagnation der Masseneinkommen und mangelhafte Binnennachfrage z.B.) und f&uuml;r unsere Gesellschaft hat. Sie ist tiefer gespalten denn je. Von &bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo; kann man auch nicht ann&auml;hernd sprechen, von Chancengleichheit sowieso nicht. Die Bessergestellten und die Kinder der Bessergestellten haben dank Verm&ouml;gen, guten Einkommen und daraus abgeleiteten Beziehungen um vieles h&ouml;here Chancen als die anderen. Auch das ist ein fundamentaler Angriff auf die Lebensf&auml;higkeit von Demokratie. <\/p>\n<p>Fazit: Die eingetretene Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung ist skandal&ouml;s. Um dies festzustellen und dagegen anzugehen bedarf es nicht der erg&auml;nzenden Behauptung, diese Einkommensverteilung sei die Hauptursache der Finanzkrise.<\/p>\n<p>Und noch eine Feststellung vorweg, die zur Differenziertheit und Entsch&auml;rfung der Debatte beitragen soll: Selbstverst&auml;ndlich haben auch nach meiner Einsch&auml;tzung die hohen Zuw&auml;chse des Einkommens und Verm&ouml;gens bei den Besser- und Spitzenverdienern die zum spekulativen Einsatz verf&uuml;gbaren Mittel vermehrt  und damit auch ihren Teil zur Finanzkrise beigetragen. Dass aber die Vermehrung, also die <strong>Ver&auml;nderung<\/strong> verf&uuml;gbarer Geldverm&ouml;gen die Hauptursache der Finanzkrise gewesen sei, ist damit nicht gesagt.<\/p>\n<p>Zum Spekulieren und zur Perversion des Kapitalmarktes in ein Spielkasino bedarf es der Zuw&auml;chse nicht. Dazu reichten und reichen die hohen Best&auml;nde an Geldverm&ouml;gen. Diese Best&auml;nde waren in der fraglichen Zeit immer um vieles h&ouml;her als die Zuw&auml;chse.<\/p>\n<p><em>(An dieser Stelle unterbreche ich den Disput um diese Frage und verschiebe den gesamten Text der &bdquo;Replik zur Rolle der Einkommensumverteilung zu Gunsten der oberen Einkommen und zur &bdquo;Geldschwemme&ldquo; in den Anhang A, d. Verf.)<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Wir haben die Finanzkrise vor allem einer Verselbstst&auml;ndigung und Ausweitung des Kapitalmarkts jenseits seiner genuinen Aufgaben zu verdanken.<\/strong>\n<p>Anders als es bei manchen gesch&auml;tzten Autoren &uuml;blich ist, teile ich die pauschale Unterscheidung zwischen Realwirtschaft einerseits und Finanzwirtschaft andererseits nicht. Ein Teil der Finanzwirtschaft ist legitimer Teil der Realwirtschaft. Es ist die reale Aufgabe der Banken, der Versicherungen und der Finanzdienstleister, daf&uuml;r zu sorgen,<\/p>\n<ul>\n<li>dass Wirtschaftssubjekte, die sparen, und solche, die investieren wollen, zusammenkommen. Die Banken betreiben die daf&uuml;r notwendige Kredit- und Fristentransformation. Sie leisten dabei einen Beitrag, sie sch&ouml;pfen Werte, wie auch das Transportgewerbe, der Einzelhandel, die Gastronomie, die Justiz oder die Schulen Werte schaffen.<\/li>\n<li>Die Banken betreiben den Zahlungsverkehr und sind damit Teil der Wertsch&ouml;pfungskette.<\/li>\n<li>Die Finanzwirtschaft, insbesondere die Versicherungen, helfen uns, Risiken zu vermindern und abzubauen. Wir zahlen daf&uuml;r Pr&auml;mien. Auch das ist ein Ma&szlig; f&uuml;r Wertsch&ouml;pfung.<\/li>\n<li>Vor allem im internationalen Wirtschaftsverkehr fallen W&auml;hrungs- und andere Risiken an, die das produzierende Gewerbe und der damit verbundene Handel zum Beispiel gerne mindert und daf&uuml;r eine Pr&auml;mie zahlt. Sie ist Spiegelbild der dort get&auml;tigten Wertsch&ouml;pfung.\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies sind typisch realwirtschaftliche Vorg&auml;nge. Deshalb macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, pauschal zwischen Realwirtschaft einerseits und Finanzwirtschaft andererseits zu unterscheiden. <\/p>\n<p><strong>Die Finanzwirtschaft hat aber inzwischen T&auml;tigkeiten entwickelt, die mit den realen Bed&uuml;rfnissen einer Volkswirtschaft nichts mehr gemein haben. <\/strong><\/p>\n<p>Das zur Absicherung von Risiken ansatzweise vorhandene Element der Spekulation beherrscht die Szene und hat sich verselbstst&auml;ndigt. Auf den Finanzm&auml;rkten finden Verm&ouml;genstransfers und Transaktionen statt, die mit dem Service der Finanzwirtschaft f&uuml;r Industrie, Gewerbe und Handel nichts mehr zu tun haben.<br>\nUnd es werden Renditen verlangt, vorgegeben und von den Anlegern erwartet, die auf dem normalen Weg der Wertsch&ouml;pfung (durch Kredittransformation zum Beispiel) nicht erzielt werden k&ouml;nnen und zu immer riskanteren Gesch&auml;ften zwingen und gef&uuml;hrt haben.<\/p>\n<p>Im folgenden werden einige praktische F&auml;lle geschildert, die diese Verselbst&auml;ndigung zeigen:<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Aktienmarkt. &ndash; Mit Kapitalbeschaffung hat der Verlauf der B&ouml;rse am allerwenigsten zu tun.<\/strong>\n<p>Der Blick auf die Entwicklung des so genannten Dax-30, also der Zusammenfassung der Kursentwicklung der 30 gro&szlig;en, im DAX aufgenommenen Unternehmen zwischen 1959 und heute ist sehr aufschlussreich. Siehe dazu Abbildung 1:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20090107_abbildung1.jpg\" alt=\"Abbildung 1\"><\/p>\n<p class=\"reference\">(Als zusammengefasste Ma&szlig;zahl der Aktienkursentwicklung gibt es den DAX erst seit 1. Juli 1988: f&uuml;r die Zeit davor ist er r&uuml;ckberechnet worden.)\n<\/p>\n<p>Zwischen 1959 und dem Jahr 1983 blieb die Kursentwicklung einigerma&szlig;en stabil. 1960 &uuml;berschritt der Dax zum ersten Mal die Marke von 500 Punkten. Die gesamten sechziger und siebziger Jahre schwankte der Wert um eine Linie zwischen 500 und 600 Punkten. Es gab keine gr&ouml;&szlig;eren Ausschl&auml;ge. <\/p>\n<p>Ab 1983 &auml;nderte sich das markant. Im Jahr 1994 &uuml;berschritt der DAX die Schwelle von 2000 Punkten und dann im M&auml;rz 2000 die Marke von 8064. Das ist in sechs Jahren eine Vervierfachung der Kurswerte der DAX Unternehmen.<\/p>\n<p>Danach sackte der DAX bis zum M&auml;rz 2003 auf 2202 Punkte ab, also fast auf ein Viertel; dann ging es wieder hoch; gut vier Jahre sp&auml;ter, im Juli 2007 &uuml;berstieg der DAX wieder die Marke von 8100 Punkten und fiel dann auf 4127 im November 2008 und schwankt heute (= Anfang des Jahres 2009) zwischen 4600 und 5000 Punkten.<\/p>\n<p><strong>Die markante DAX-Entwicklung in Kurzfassung:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Gut 20 Jahre lang bis 1983: DAX unter 1000, keine gro&szlig;en Ausschl&auml;ge<\/li>\n<li>Dann von 1995 mit 2000 Punkten ein Sprung auf &uuml;ber 8000 im Jahr 2000<\/li>\n<li>Sprunghafter Abstieg bis ca. 2200 Punkte im Jahre 2003<\/li>\n<li>Neuer Aufstieg auf &uuml;ber 8000 im Jahr 2007<\/li>\n<li>Neuer massiver Abstieg auf knapp &uuml;ber 4000 im November 2008<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ein eigenartiger Zufall: mit der politischen und ideologischen Wende von 1982 werden auch die Aktienkurse &bdquo;befreit&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p>Mit der &ouml;konomischen Entwicklung haben diese sprunghaften und enorm gro&szlig;en Ver&auml;nderungen wenig zu tun. Die &ouml;konomische Entwicklung war zum Beispiel in den 23 Jahren zwischen 1959 und 1982 um vieles besser als in der Periode der Explosion der Aktienkurse: niedrige Arbeitslosigkeit, hohe Wachstumsraten, zumindest &uuml;ber l&auml;ngere Zeitr&auml;ume auch eine fairere Einkommensverteilung, h&ouml;here Zufriedenheit mit den wirtschaftlichen und sozialen Verh&auml;ltnissen.<\/p>\n<p>Die Aktienkursbewegungen zwischen 1983 und heute sind offensichtlich im Wesentlichen gepr&auml;gt von Spekulationen. Sie werden und wurden in dieser Zeit immer wieder unterf&uuml;ttert von Meinungsmache und Propaganda &ndash; und offensichtlich in diesem Kontext auch von einer Ideologie, die uns mit der Wende des September 1982, dem Wechsel von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl, nahe gebracht worden ist. Wenn man sarkastisch diagnostizieren wollte: der eigenartige DAX-Verlauf mit seiner Waagrechten bis einschlie&szlig;lich 1982 und den Spr&uuml;ngen nach oben, nach unten und nach oben ab 1983 ist auch ein Spiegelbild und ein Symptom der ideologischen Macht&uuml;bernahme durch neoliberale Kr&auml;fte in der Bundesrepublik. Leistung muss sich wieder lohnen, jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied, freie Fahrt f&uuml;r freie B&uuml;rger, Deregulierung, Privatisierung, unregulierte Spekulation f&uuml;r alle, die das wollen und k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Mit Kohl und Graf Lambsdorff haben sich 1982 auch die vorher schon r&uuml;hrigen Vertreter der neoliberalen Ideologie durchgesetzt, namentlich Hans Tietmeyer (CDU), dem wir im Oktober 2000 bei der Gr&uuml;ndung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und neuerdings als Aufsichtsratsmitglied der in N&ouml;te geratenen HypoRealEstate (HRE) begegneten. Tietmeyer war der Mann, der 1996, rechtzeitig zu Beginn des Booms der Aktienm&auml;rkte den in Davos versammelten Politikern erkl&auml;rte, sie st&uuml;nden jetzt unter Aufsicht der Finanzm&auml;rkte.<\/p>\n<p><strong>Werte werden damit nicht geschaffen, auch nicht Verm&ouml;gen. Verm&ouml;gen werden umverteilt. Wie im normalen Casino auch.<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich viele Menschen glauben, wenn die Aktienkurse steigen, dann w&uuml;rden auch Werte geschaffen. Das ist eine T&auml;uschung. Wenn der Kurswert eines Unternehmens sich verdoppelt oder sich gar vervierfacht, dann &auml;ndert sich damit weder an der Produktivit&auml;t noch am Umsatz oder am Gewinn dieses Unternehmens etwas. Und wenn sich im Prozess einer solchen Kurssteigerung Aktion&auml;re von ihren Aktien trennen und gemessen am Einkaufskurs Gewinne machen (oder gro&szlig;e Verluste), dann ist das volkswirtschaftlich betrachtet kein Gewinn (und auch kein Verlust). Der Verk&auml;ufer muss auch zwingend immer einen K&auml;ufer als Partner haben, also jemand, der andere Verm&ouml;gens-Positionen aufl&ouml;st und daf&uuml;r die Aktien kauft.<\/p>\n<p>Es gibt bei diesem Spiel im Casino Gewinner und Verlierer. Es gibt solche, die niedrig einsteigen und bei steigenden Kursen rechtzeitig wieder aussteigen und so weiter. Und es gibt solche, die bei steigenden oder schon hohen Kursen einsteigen und dann beim Kursverfall den Verfall ihres Verm&ouml;gens wahrnehmen. Es gibt sogar solche, die ihre Aktien durch Schuldenaufnahme finanziert haben und im zuvor geschilderten Fall, also bei Kursverlusten auch noch auf ihren Schulden sitzen bleiben.<\/p>\n<p>Und es gibt solche, die beim Casinobetrieb immer gewinnen: die Casinobetreiber selbst, also die B&ouml;rsen, und die Croupiers und sonstigen vielen Mitwirkenden, also die Makler, die Analysten, die R&auml;tin Agenturen, die Broker, die Investmentbanken, die Banken, und auch ihre Angestellten, die durch hohe Provisionen motiviert werden, engagiert mitzumachen, auch wenn sie nur das kleinste Zahnrad im Getriebe sind, usw.<\/p>\n<p><strong>Wer dieses Eigenleben der Kapitalmarktakteure und Casinobetreiber nicht erkennt und nicht einbezieht in die Ursachenforschung, wird die Hintergr&uuml;nde der Finanzkrise nur unzureichend erfassen und wird auch nicht verstehen, warum der Casinobetrieb weitergeht. <\/strong><\/p>\n<p>Im konkreten Fall der beiden Aktienbooms in Deutschland zwischen 1995 und heute hatten die Aktien-Kurssteigerungen noch besondere Aktivit&auml;ten ausgel&ouml;st: in Deutschland &ndash; wie in anderen L&auml;ndern auch &ndash; ermunterte der Aktienboom dazu, dass bisher nicht an B&ouml;rsen notierte Unternehmen den B&ouml;rsengang &bdquo;wagten&ldquo;, wie es hie&szlig;. Viele neue Unternehmen oder neu am Kapitalmarkt auftretende Unternehmen haben in dieser Zeit Millionen und Milliarden eingesammelt. Einige haben damit vern&uuml;nftig investiert und florieren. Die Mehrheit hat das Geld eingesackt oder gleich verschwendet. Einzelne Personen und Gruppen sind dabei sehr reich geworden. Andere, die Anleger, wurden um Teile ihres angesparten Verm&ouml;gens gebracht. <\/p>\n<p><strong>Der Interessenhintergrund der Werbung f&uuml;r das Engagement in Aktien und f&uuml;r (spekulative) Bewegungen an den B&ouml;rsen.<\/strong><\/p>\n<p>Die B&ouml;rsen selbst, die dort t&auml;tigen Broker und die Analysten, die Banker und die Banken, die B&ouml;rsenbeobachter und nahezu alle Medien und die PR-Agenturen haben ein gro&szlig;es Interesse an der Bewegung. Sie leben von den Transaktionen. Banken und B&ouml;rsen und alles, was dazu geh&ouml;rt, verdienen am Kauf und am Verkauf. Sie erheben Provisionen und andere Geb&uuml;hren. Sie verdienen, wenn die Kurse steigen und wenn die Kurse fallen, wenn gekauft wird und wenn verkauft wird. <\/p>\n<p>B&ouml;rseng&auml;nge sind besonders lukrativ. Da gibt es viel zu tun &ndash; f&uuml;r Gutachter, f&uuml;r Analysten, f&uuml;r B&ouml;rsenspezialisten und Anw&auml;lte, f&uuml;r Steuerfachleute und f&uuml;r Werbeagenturen. F&uuml;r sie alle war zum Beispiel der B&ouml;rsengang der Deutschen Telekom und der Deutschen Post und vieler privater Unternehmen ein Zuckerschlecken. F&uuml;r sie ist der Verlauf einer DAX-Kurve wie zwischen 1959 und 1983 ein Horror. F&uuml;r sie ist die zweimalige Explosion und der darauf folgende Absturz der Aktienkurse wie zwischen 1995 und 2008 eine wunderbare Angelegenheit. Nat&uuml;rlich h&auml;tten sie es lieber, es ginge immer aufw&auml;rts und immer mehr Leute w&uuml;rden sich auf die B&ouml;rsen st&uuml;rzen. Aber dies ist unrealistisch und so leben sie zur Not ganz gut sowohl von den Aufw&auml;rts- als auch von den Abw&auml;rtsbewegungen.<\/p>\n<p>Gro&szlig;es Interesse an solchen Bewegungen haben auch die Kenner unter den Anlegern und Spekulanten, also solche Personen, die relativ gut den notwendigen Sachverstand organisieren k&ouml;nnen und auf die allgemeine Propaganda nicht herein fallen. Man h&ouml;rt jetzt, dass gerade viele besser verdienenden und reiche Personen rechtzeitig vor dem Einbruch, der nach der Spitze vom Juli 2007 eintrat, ausgestiegen sind. In der Summe wird es wohl so sein, dass die vielen kleinen Anleger, die h&auml;ufig zugleich die weniger gut beratenen Personen sind, eher zu den Verlierern geh&ouml;ren.<\/p>\n<p>Die Kursbewegungen der vergangenen 20 Jahre w&auml;ren ohne massive Propaganda f&uuml;r B&ouml;rsen und Aktien und f&uuml;r alles, was damit zusammenh&auml;ngt, nicht denkbar. Sie haben davon profitiert, dass unsere Gesellschaften unter Anleitung unseres F&uuml;hrungspersonals von der &ouml;ffentlichen &Auml;chtung der Spekulation zu einer &ouml;ffentlichen Bewunderung der Spekulation und ihrer Ergebnisse geschritten sind.<\/p>\n<p>Die Spekulation hatte auch in Deutschland einmal einen anderen Beigeschmack als heute. Wir haben in den NachDenkSeiten schon einmal darauf hingewiesen, mit welcher Entschiedenheit Politiker, die als Oberb&uuml;rgermeister f&uuml;r die Geschicke gro&szlig;er St&auml;dte verantwortlich waren, bis in die Siebzigerjahre gegen Bodenspekulation mobil machten (Siehe <a href=\"?p=3485\">&ldquo;Wie sich &auml;ltere Herren in eine abgesprochene Meinungsmache einf&uuml;gen &ndash; konkret bei Maischberger&rdquo;<\/a> Ziffer 4). <\/p>\n<p>Es gab massive Bodenspekulation. Aber die Spekulanten waren nicht hoff&auml;hig und man hat versucht, dagegen im Interesse einer vern&uuml;nftigen St&auml;dtebauplanung anzugehen. Dieses Blatt hat sich v&ouml;llig gewendet. Von den politisch Verantwortlichen gab es nach 1983 und insbesondere in der Phase der gro&szlig;en Spr&uuml;nge der Aktienkurse keinerlei Kritik an diesen Bewegungen, stattdessen eine offene oder klammheimliche Freude &uuml;ber diese Entwicklung. Massive Aktienkurssteigerungen werden laienhaft oder bewusst als Wertsteigerungen betrachtet und gewertet. Und Kursverluste werden als Vernichtung von Werten betrachtet.<\/p>\n<p>Es ist auch von der Politik und von den Interessenten sowieso auf vielf&auml;ltige Weise f&uuml;r Engagements in Aktien und &auml;hnlichen Produkten geworben worden:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Finanzlobby gr&uuml;ndete das so genannte Deutsche Aktieninstitut e.V., eine Einrichtung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die &bdquo;Aktienkultur&ldquo; zu verbreiten, wie es hie&szlig;. Siehe dazu z.B. <a href=\"http:\/\/www.dai.de\/internet\/dai\/dai-2-0.nsf\/0\/41256A99002BDD55C12569AF004B7ABA?OpenDocument\">&ldquo;Mehr Aktienkultur hei&szlig;t weniger Arbeitslose&rdquo;<\/a> Kleinanleger wurden mit ihren Ersparnissen auf diesen Kapitalmarkt gelockt mit der Verhei&szlig;ung, dort sei eine Art &bdquo;Kultur&ldquo;anzutreffen. Man kann sich den Begriff &bdquo;Kultur&ldquo; auf der Zunge zergehen lassen.\n<\/li>\n<li>Bei jedem B&ouml;rsengang wurde eine Propagandaflut inszeniert. Beispielhaft sei an den B&ouml;rsengang der Telekom erinnert, die mit Manfred Krug 100-Tausende von Anlegern verf&uuml;hrte. &Auml;hnlich ging es mit anderen Fernseh-Gr&ouml;&szlig;en beim B&ouml;rsengang der Post z.B..\n<\/li>\n<li>Die Werbung f&uuml;r den Einstieg in Aktien wurde geschickt kombiniert mit der Propaganda f&uuml;r die so genannte New Economy. Man erz&auml;hlte uns Ende des letzten Jahrhunderts und vor dem endg&uuml;ltigen Bruch des Booms im Jahre 2000, dass eine v&ouml;llig neue produktive Bewegung durch die IT-Industrie in Gang gesetzt worden sei. Reihenweise wurden so genannte Start Ups an die B&ouml;rse geschickt. Reihenweise wurde das Geld treuherziger Anleger vernichtet. Zwei besonders aparte Engagements in dieser Sache nenne ich:\n<p>Hans Tietmeyer pr&auml;sentierte als neuer Kuratoriumsvorsitzender  der INSM bei der Vorstellung dieser Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am 12. Oktober 2000 eine Brosch&uuml;re mit dem Start up-Unternehmer R&ouml;ver aus Stuttgart im Streitgespr&auml;ch mit dem heutigen IGMetall-Vorsitzenden Huber. R&ouml;vers hochgelobte Brokat AG gibt es schon nicht mehr. Sie musste ungef&auml;hr zeitgleich mit Tietmeyers Vorstellung der INSM f&uuml;r ca. 140 Millionen DM von Siemens vorerst gerettet werden. (Was war eigentlich das Motiv von Siemens f&uuml;r diese Rettung? 140 Millionen f&uuml;r 3 % eines niedergehenden Kleinunternehmens? Der heutige Siemens-Chef k&ouml;nnte sich freundlicherweise um diese seltsame Geldverschwendung k&uuml;mmern. Vermutlich ein Fall von polit-ideologischer Korruption)<\/p>\n<p>Das andere Beispiel f&uuml;r eine uns&auml;gliche Propaganda mit der New Economy lieferte der Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Diese herrlichen &bdquo;Experten&ldquo; schrieben im Jahresgutachten vom November 2000 ein eigenes Kapitel zum Thema &bdquo;Hoffnungstr&auml;ger Neue &Ouml;konomie?&ldquo; Dessen Halbwertszeit betrug gerade mal drei Monate. <\/p><\/li>\n<li>Von diesen Einzelheiten abgesehen ist unsere Welt voll von interessengeleiteter Propaganda f&uuml;r die B&ouml;rsen und Aktien. Ist es selbstverst&auml;ndlich, dass wir jeden Abend zur besten Sendezeit mit B&ouml;rsennachrichten bel&auml;stigt werden? Das d&uuml;rfte es nicht sein. Ist es selbstverst&auml;ndlich, dass wir in Berichten &uuml;ber die Finanzkrise unentwegt mit B&ouml;rsenberichten und Statements der Berichterstatter von den B&ouml;rsen besch&auml;ftigt werden? Es m&uuml;sste uns doch nahezu gleichg&uuml;ltig sein, wie sich die Kurse bewegen. Mit der Sicherheit der Arbeitspl&auml;tze und den Sorgen vieler kleiner Unternehmen um ihre Ums&auml;tze und Gewinn- und Verlustrechnung und ihre Kreditversorgung haben die Aktienkursbewegungen nahezu nichts zu tun.\n<p>Lt. Meldung des Aktieninstituts (Die Welt vom 30.7.2008) waren im Juli 2008 nur noch 5,4 % der Gesamtbev&ouml;lkerung Aktion&auml;re; zu Zeiten des Aktienbooms 2000 waren es auch nur gut 10%. Die anderen 90 %, heute fast 95%, m&uuml;ssen sich also jeden Abend und auch im Anschluss an die Tagesnachrichten in der Regel anh&ouml;ren und ansehen, was an den B&ouml;rsen los ist. Wie kommen wir zu solch abenteuerlichen Gewohnheiten? Es ist h&ouml;chste Zeit, dass die H&ouml;rfunk- und Fernsehsender auf diese einseitige Propaganda verzichten.<\/p><\/li>\n<li>Ein wichtiges Element der Propaganda ist die schon erw&auml;hnte Unterstellung, steigende Aktienkurse seien gut. Wieso eigentlich? Wieso kommen die B&ouml;rsenberichterstatter zu der Einsch&auml;tzung, wenn die Kurse ansteigen, sei es angezeigt, von der Mattscheibe zu l&auml;cheln und sich sichtlich zu freuen, und wenn die Kurse sinken, dann sei es angezeigt, Trauer zu tragen. Dieses von unseren Fernsehsendern gepflegte Gehabe ist schon deshalb sachlich nicht berechtigt und geradezu komisch, weil es au&szlig;er jenen Aktienbesitzern, die von Kursgewinnen profitieren, zumindest 90 % andere Deutsche gibt, die dieses Spiel allenfalls gleichg&uuml;ltig lassen muss, und weil es weitere Mitspieler gibt, die gerade Interesse an sinkenden Kursen haben m&uuml;ssen, weil sie beabsichtigen, neu oder wieder einzusteigen.\n<p>Mit der Masche, Aktienkurssteigerungen &ouml;ffentlich euphorisch zu begr&uuml;&szlig;en, wird bei uns von Kind auf einge&uuml;bt, dass spekulative Bewegungen etwas Gutes seien. Unsere Jugend wird an Schulen schon einge&uuml;bt in B&ouml;rsenspiele &ndash; ohne jeglichen Anflug von Zweifeln zum Sinn dieser Grundkurse zur Ein&uuml;bung der Spekulationsmentalit&auml;t. &bdquo;B&ouml;rsenspiele in der Schule. &ndash; Arbeitgeberverb&auml;nde fordern eigenst&auml;ndiges Schulfach Wirtschaft&ldquo;, lautete der Titel einer Sendung des Deutschlandfunks am 12.7.2008. Symptomatisch.<\/p>\n<p>Es ist anzuraten, diese scheinbare Kleinigkeit nicht f&uuml;r unbedeutend zu halten. Aus solchen Kleinigkeiten setzt sich die Zustimmung zum Casinobetrieb zusammen. Solche Kleinigkeiten sind die Basis f&uuml;r die immer noch unreflektierte Fortsetzung und Genehmigung der Fortsetzung der spekulativen T&auml;tigkeit unserer Finanzwirtschaft. Es ist bemerkenswert &ndash; und darauf wird zur&uuml;ckzukommen sein -, dass die ungeheuerlichen Erscheinungen und Folgen der erlebten Finanzkrise bisher offensichtlich die Verantwortlichen nicht veranlasst haben, den Casinobetrieb einzustellen. Im Gegenteil: die Rettungsschirme dienen offensichtlich auch der Fortsetzung der Spekulationsgesch&auml;fte. Im kleinen zeigt sich das bei der Anlageberatung der deutschen Banken nach Eintritt der Finanzkrise. Die ZDF Sendung &bdquo;wiso&ldquo; berichtete am 5. Januar 2009 von einem mit versteckter Kamera aufgenommenen Test. Der Tester von &bdquo;wiso&ldquo; hatte bei mehreren deutsche Banken in Braunschweig 50.000 &euro; anzulegen versucht. Trotz der klaren Absichtserkl&auml;rung f&uuml;r eine sichere Anlage, wurden im sehr riskante Papiere empfohlen.<br>\nAuch die Spekulationseuphorie bei den Medien scheint ungebrochen. Als zum Beispiel am 5. Januar der DAX vor&uuml;bergehend die 5000-Punkte- Grenze &uuml;berschritt jubelten die B&ouml;rsenberichterstatter des ZDF. Und nicht nur die. Schon zuvor am 2. Januar feierte beispielsweise SpiegelOnline den Trend nach oben. Die Einseitigkeit der Propaganda und die Einseitigkeit der Sprache ist ungebrochen. Wenn die Kurse steigen, ist es gut. Wenn sie sinken, ist es schlecht. Die Finanzkrise hat keine Spuren in den K&ouml;pfen der handelnden Personen auf den Kapitalm&auml;rkten Deutschlands und bei den B&ouml;rsenbeobachtern aus den Medien hinterlassen. Die Spekulationsmentalit&auml;t bl&uuml;ht weiter. Niemand kommt auf die Idee danach zu fragen, ob es gesellschaftlich und ethisch vertretbar ist, der eine Spekulationsentwicklung wie die auf den Aktienm&auml;rkten mithilfe &ouml;ffentlicher Gelder wieder anzuheizen. Niemand kommt auf die nahe liegende Idee, dass es eigentlich nicht sonderlich schlimm gewesen w&auml;re, wenn der DAX nicht nur vor&uuml;bergehend auf 4000 sondern zum Beispiel auf die 2000 gesunken w&auml;re, bei denen er zu Beginn der Hauptrallye im Jahr 1995 stand. <\/p>\n<p>Vermutlich ist auch keine der anderen Gewohnheiten und Vorlieben wirklich infrage gestellt: Vermutlich nicht der Drang auf Privatisierung und B&ouml;rseng&auml;nge, vermutlich nicht die Bewunderung f&uuml;r die Investmentbanker, vermutlich nicht die Vorstellung, wer auf den Kapitalm&auml;rkten Millionen und sogar Hunderte von Millionen einnimmt, verdiene dieses Geld auch; vermutlich hat sich auch noch nicht herum gesprochen, dass der Finanzsektor weit &uuml;berdimensioniert ist und wie ein Blutegel an den Kr&auml;ften unserer Volkswirtschaft saugt.\n<\/p><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Volkswirtschaftlich betrachtet ist der reale B&ouml;rsenbetrieb der letzten 25 Jahre eine gro&szlig;e Vergeudung von Ressourcen.<\/strong><\/p>\n<p>Die in der Abbildung 1 wiedergegebenen gro&szlig;en Bewegungen der Aktienkurse wurden von vielen Menschen bei Banken und B&ouml;rsen, Kanzleien und Beratern, Medien und PublicRelations-Agenturen gemanagt und begleitet. So weit dies dem spekulativen Betrieb dient, ist das volkswirtschaftlich betrachtet eine Verschleuderung von Ressourcen. Die Spekulation an den B&ouml;rsen dient sichtbar nicht der optimalen Allokation des zur Verf&uuml;gung gestellten Kapitals. Die Kursbewegungen sind h&auml;ufig keine Abbildung der Qualit&auml;t und Qualit&auml;tsver&auml;nderung der Unternehmen. Sie sind vielmehr das Ergebnis von Propaganda und von &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und auch von falschen Ger&uuml;chten und dann h&auml;ufig das Ergebnis gleichgeschalteten Gruppenverhaltens. Wie wenig das in der heutigen Zeit mit der Leistung der Unternehmen zu tun hat, wird an den aktuellen Kursbewegungen sichtbar: die Kurse steigen in den letzten Wochen, weil der Staat Rettungsschirme aufgespannt hat, weil wir als Steuerzahler Geld geben. Hat das etwas mit der Leistung der Unternehmen zu tun oder gar der Banken zu tun, deren Kurse zwischenzeitlich auch einmal gestiegen sind?<\/p>\n<p>An vielen Beispielen wird sichtbar, dass die Aktienbewegungen sogar Anreize zu Fehlinvestitionen bieten. Die besten Beispiele daf&uuml;r sind die markanten B&ouml;rseng&auml;nge zu Zeiten der New Economy im Vorfeld des Jahres 2000. Milliarden sind in die Kassen von neuen Unternehmen geflossen, weil es modisch war, in der New Economy zu investieren. Jene haben am meisten Geld sammeln k&ouml;nnen, die die beste &Ouml;ffentlichkeitsarbeit gemacht haben, und nicht jene, die die besten Ideen hatten.<\/p>\n<p>Die enormen Kursgewinne und die hektischen Bewegungen an den B&ouml;rsen hatten auch direkte Auswirkungen auf unternehmerische Entscheidungen. Das Management gro&szlig;er Unternehmen war gezwungen, wichtige Entscheidungen &uuml;ber Personal und Investitionen an der Bewegung der Aktienkurse zu orientieren. Da diese Bewegung in beachtlichem Ma&szlig;e von den Voten von Analysten, von Fondsverwaltern und auf den Aktienm&auml;rkten t&auml;tigen Bankern beeinflusst wurde und wird, waren und sind wichtige unternehmerische Entscheidungen von diesen Voten abh&auml;ngig. Die Zukunft von Unternehmen und der dort t&auml;tigen Menschen waren und sind so von kurzfristigen Bewegungen des shareholder value und nicht von Erw&auml;gungen zur langfristigen Entwicklung des Unternehmens und seines Personals bestimmt. Hinter vorgehaltener Hand beklagten manche Unternehmenschefs in jener Zeit, dass sie ihre Pl&auml;ne immer weniger an langfristigen Erw&auml;gungen orientieren k&ouml;nnten, sondern immer mehr an den Zufallsvoten flotter Analysten orientieren m&uuml;ssten.<\/p>\n<p>Die Kursbewegungen der letzten 25 Jahre waren h&auml;ufig nicht ein Abbild des Geschehens in den Unternehmen. Sie hatten ihre eigene Dynamik, die &uuml;ber weite Strecken von ganz anderen Kr&auml;ften gesteuert wurde als von der Produktivit&auml;t und der Zukunftschance der betreffenden Betriebe.<\/p>\n<p><strong>Das Geschehen auf den Aktienm&auml;rkten in Deutschland ist so ausf&uuml;hrlich behandelt worden, <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>weil am B&ouml;rsengeschehen der letzten 25 Jahre wichtige Ursachen und Nebenwirkungen der Finanzkrise beobachtet und beschrieben werden k&ouml;nnen,<\/li>\n<li>weil &uuml;ber dieses Geschehen in Deutschland im Zusammenhang mit der Finanzkrise kaum gesprochen wird; <\/li>\n<li>weil man hierzulande so tut, als seien die Absonderlichkeiten auf den Finanzm&auml;rkten und damit die Ursache der Krisen nur ein amerikanisches Problem, von dort und von dort allein sei die Krise gekommen.\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Widerspruch dazu sehe ich in Aktienkurssteigerungen von 2000 auf 8000, also in einer Vervierfachung in nur f&uuml;nf Jahren, wie auch im folgenden Absturz in nur drei Jahren und so fort, deutliche Zeichen einer Krise des Kapitalmarktes &ndash; auch in Deutschland.\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Gigantische Kettenbrief- und Schneeballsysteme und ihre ehrenwerten Betreiber und Nutznie&szlig;er<\/strong>\n<p>In den USA flog Ende letzten Jahres auf, dass ein wohlangesehener Verwalter vieler Gelder, der ehemalige Nasdaq Chef Madoff, einen Schaden von rund 50 Mrd. US-Dollar angerichtet hat. Er hat schlicht ein milliardenschweres Schneeballsystem betrieben. Er hat die hohen Renditen, die er seinen Anlegern bezahlte, und die hohen eigenen Gewinne und die Provisionen f&uuml;r seine Mittelsm&auml;nner immerfort mit neuen eingeworbenen Geldern bezahlt, die ihm wegen des Versprechens der hohen Renditen anvertraut worden sind. Die Finanzmarktaufsicht hat in diesem Fall wie so oft nichts gemerkt oder nichts merken wollen. Zu Schaden gekommen sind auch ber&uuml;hmte und betuchte Leute, Universit&auml;ten, Stiftungen und Pensionsfonds.<\/p>\n<p>Was Madoff veranstaltet hat, ist uns keineswegs fremd und d&uuml;rfte auch den Verantwortlichen bei der Bankenaufsicht und der Politik nicht fremd gewesen sein. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder &auml;hnliche F&auml;lle. Dazu geh&ouml;rt in Ans&auml;tzen schon Bernie Cornfields und seiner IOS erfolgreiche Einsammlung von Anlagegeldern f&uuml;r seine verschiedenen Fonds. Es ging in den 60gerJahren des letzten Jahrhunderts so lange gut, wie neue Anleger gefunden wurden, um immer wieder die gemachten Versprechungen einzul&ouml;sen. In diesem Fall taucht auch schon die heute g&auml;ngige Erscheinung auf: der Betreiber des Casinos lebte in Saus und Braus und z&ouml;gerte nicht, seine exorbitanten Gewinne demonstrativ vorzuzeigen. Sein Demonstrationsmittel: franz&ouml;sische Schl&ouml;sser. <\/p>\n<p>Ein weiteres Schneeballsystem von kleinerer Dimension, aber immerhin f&uuml;r viele Menschen auch ein Desaster, lief um die Jahrhundertwende in Rheinland-Pfalz und im Saarland ab. &bdquo;Das Angebot klang verlockend. Renditen bis zu 50 Prozent versprach die CTS Commodity Trading Service GmbH aus Saarlouis Investoren, die bereit waren, dem Unternehmen f&uuml;r hoch riskante Warentermingesch&auml;fte in den USA Kapital zu &uuml;berweisen.&ldquo;, berichtete die Welt am 13. November 2001. Der Schaden soll sich auf 300-400 Millionen Mark belaufen haben. Das System gr&uuml;ndete auf dem cleveren Schachzug der Organisatoren, Polizisten und andere Beamte als fr&uuml;he Gewinner satter Ertr&auml;ge und dann als Multiplikatoren einzusetzen. (Auch Madoff hat mit solchen Mittelsm&auml;nnern gearbeitet) Diese beruflich als seri&ouml;s ausgewiesenen Multiplikatoren hatten bei diesem System sozusagen zus&auml;tzlich die Rolle der Ratingagenturen &uuml;bernommen. Sie waren zugleich Zeugen des Erfolgs, sie fuhren neue gro&szlig;e Autos und bauten H&auml;user. <\/p>\n<p>Unter den Anlegern waren solche, die viel Geld hatten, es waren aber viele darunter, die nicht &uuml;ber viel Einkommen und Verm&ouml;gen verf&uuml;gten und auch nicht zu den Bevorzugten der ungerechter gewordenen Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung geh&ouml;rten. Manche von ihnen haben sogar Kredite aufgenommen, um im System mitzuspielen. Alle hatten wohl vergessen, dass der Grundsatz, dass aus Nix Nix kommt, immer noch gilt. Auch sie pflegten den Irrglauben unserer B&ouml;rsenberichterstatter, steigende Buchwerte seien echte Werte.\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Zwischenbemerkung: Kriminelle Energie ist gro&szlig; im Spiel<\/strong>\n<p>Die &ouml;ffentliche Meinungsbildung zum Thema Finanzkrise wird immer noch wesentlich bestimmt von den Spielern selbst. Deshalb wird die Frage, inwieweit krimineller Energie im Spiel war und im Spiel ist kaum gestellt. Diese Frage muss man aber stellen. Und man sollte nicht z&ouml;gern, kriminell zu nennen, was kriminell ist. Dazu ein paar Stichworte: <\/p>\n<ul>\n<li>die gigantischen Kettenbrief- bzw. Schneeballsysteme,<\/li>\n<li>die Verbriefung fauler Forderungen in Wertpapieren,<\/li>\n<li>die Auslagerung riskanter Kredite in Zweckgesellschaften,<\/li>\n<li>der Verkauf von Zertifikaten, von denen die Verk&auml;ufer wussten oder zumindest ahnten, dass sie nicht wert waren, was behauptet wurde, deren Verkauf aber f&uuml;r die Verk&auml;ufer lukrativ war wegen der hohen Provisionen,\n<\/li>\n<li>die &Uuml;bernahme fauler Kredite durch den Staat,\n<\/li>\n<li>die Auszahlung von Boni, Verg&uuml;tungen und Dividenden von Seiten derjenigen Finanzinstitute, die sich selbst schon massiv in der Krise befinden und sogar den Rettungsschirm des Staates in Anspruch nehmen,\n<\/li>\n<li>die massive Verk&uuml;ndung unrealistischer Renditevorstellungen durch Bankchefs und damit die Erh&ouml;hung des Drucks auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu hoch-riskantem Anlageverhalten und den entsprechenden Empfehlungen f&uuml;r ihre Kunden,\n<\/li>\n<li>die Fortsetzung des Spiels und die Deckung der Fortsetzung durch die politisch Verantwortlichen, usw.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Unglaubliche Dimensionen der Spekulation &ndash; und schon jetzt unglaubliche Dimensionen der Rettungsschirme<\/strong>\n<p>Was sich auf den deutschen Aktienm&auml;rkten abgespielt hat, ist bemerkenswert und au&szlig;ergew&ouml;hnlich. Die Vervierfachung der Aktienkurse innerhalb von vier Jahren ist alarmierend. Aber die Dimension der dortigen Spekulation wird &uuml;bertroffen von dem, was sich auf anderen Kapitalm&auml;rkten abspielte. Die Explosion der Hypothekenkredite in den USA, die Explosion vieler Grundst&uuml;cksm&auml;rkte, die Erfindung neuer Finanzprodukte, der Handel mit Derivaten in Billionen, die Verbriefungen von faulen Krediten, die Wetten auf sinkende und steigende Preise von G&uuml;tern, W&auml;hrungen und Finanzprodukten  &ndash; dies alles &uuml;bersteigt die alarmierenden Bewegungen auf den Aktienm&auml;rkten um einige Dimensionen.<\/p>\n<p>Wir k&ouml;nnen diese andere Dimension der Spekulation heute an den Risiken, an den Verlusten und an der Inanspruchnahme von &bdquo;Rettungsschirmen&ldquo; ablesen. Zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Die private Industriekreditbank (IKB) aus D&uuml;sseldorf ist unter ma&szlig;geblicher Beteiligung der Bundesregierung mit ungef&auml;hr 10 Milliarden &euro; gerettet worden und dann f&uuml;r sage und schreibe 150 Millionen an den US-amerikanischen Hedgefonds Lonestar verkauft worden. Es ist nicht zu begreifen: wir haben vermutlich mit fast 10 Milliarden f&uuml;r die Spekulationsgesch&auml;fte eines Unternehmens bezahlt, das uns &uuml;ber die Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau nur zu einem guten Drittel &ndash; und auch nur seit wenigen Jahren &ndash; geh&ouml;rte. Und dann wurde dieses Unternehmen f&uuml;r einen Appel und ein Ei verkauft. Und jetzt steht dieses v&ouml;llig private Unternehmen wieder auf der Matte und verlangt Hilfe vom Staat, weil offenbar die Risiken untersch&auml;tzt oder verschleiert worden sind. Neue 5 Milliarden sind im Gespr&auml;ch.<\/li>\n<li>Die private Bank Hypo Real Estate in M&uuml;nchen, die auch in Steueroasen beheimateten Finanzgruppen geh&ouml;rt, beziehungsweise ihre Tochter Depfa hat sich in Irland mit Zinswetten so hoch dimensioniert ver-spekuliert, dass die HRE beim Staat zun&auml;chst um eine Hilfe von 35 Milliarden, dann von 50 Milliarden &euro; und vermutlich weiteren 50 Milliarden also insgesamt 100 Milliarden nachsuchen musste. Am Ende werden damit vielleicht 800 Arbeitspl&auml;tze gerettet. &ndash; Zum Vergleich: Die Gesamtausgaben des Bundes sind f&uuml;r das Jahr 2009 auf rund 290 Milliarden angesetzt. 290 Milliarden f&uuml;r alles, was der Bund tut. Ein gutes Drittel dieser Summe wird nun zur Rettung einer einzigen Bank bereitgestellt. Oder ein anderer Vergleich: bei der Er&ouml;rterung und Planung der Konjunkturprogramme feilschte der Bundesfinanzminister um jede Milliarde. Wenn jetzt insgesamt 30, 40 oder auch 50 Milliarden &uuml;ber zwei Jahre f&uuml;r Besch&auml;ftigungsprogramme und Steuersenkungen ausgegeben w&uuml;rden, dann liegt dieses alle Besch&auml;ftigung suchenden und besch&auml;ftigten Menschen betreffende Paket noch immer unterhalb der H&auml;lfte dessen, was man zur Rettung einer Bank ausgibt, die im wesentlichen ausl&auml;ndischen Steuervermeidern geh&ouml;rt. &ndash; Man muss sich dieses Verh&auml;ltnis klarmachen, um zu begreifen, in welchen Dimensionen in den vergangenen 10 Jahren spekuliert worden ist. (Siehe dazu auch zwei aktuelle Artikel  <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/finanzen\/629\/452334\/text\/print.html\">in der S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=1649196&amp;em_loc=31\">in der Frankfurter Rundschau<\/a> )\n<p>Fu&szlig;note: Hier ist schon darauf hinzuweisen, dass es zwischen der HRE und den herrschenden konservativen Kreisen eine enge Verflechtung gibt &ndash; wie schon erw&auml;hnt, sitzt der Kuratoriumsvorsitzende der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft im Aufsichtsrat der HRE. Und zus&auml;tzlich hatte offenbar die Deutsche Bank ein eindeutiges Interesse am Gewinn von Einfluss auf die HRE, was er bei Gelegenheit der Rettung dieser Bank gew&auml;hrt worden ist.<\/p><\/li>\n<li>\nDie Commerzbank hat bereits staatliche Garantien von 15 Milliarden &euro; und eine Kapitalspritze (!) von 8,2 Milliarden &euro; erhalten, berichtet Financial Times Deutschland am 7.1.2009. Und &uuml;ber neue weitere Hilfen verhandelt der Chef der Commerzbank Blessing. Einfach so. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Das waren nur drei Beispiele. Die hohen Risiken bei der Mehrheit der Landesbanken und die gew&auml;hrten Hilfen sind bekannt.<\/p>\n<p>Die Selbstverst&auml;ndlichkeit, mit der die Politik die Spekulationsfolgen auf sich beziehungsweise unsere Schultern l&auml;dt, ist jedenfalls bemerkenswert. Dahinter steckt die Sorge, der Bankrott einer solchen Bank habe un&uuml;bersehbare Folgen, er k&ouml;nne insbesondere zu einer Panikreaktion der Sparer und der Einleger auch bei anderen Banken und dann zum Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems f&uuml;hren. F&uuml;r dieses Argument spricht einiges aber nicht alles. Im konkreten Fall der beiden genannten Institute war das Risiko so eindeutig nicht. Man hat den Eindruck, die Politik hat gerne und zu gro&szlig;z&uuml;gig geholfen. Nach meinem Eindruck ist die Finanzindustrie mit der Politik eng und auf &uuml;ble Weise verflochten. Davon sp&auml;ter mehr.<\/p>\n<p>Die Rettungsschirme haben die Spekulation, auch die unglaublich hoch dimensionierte Spekulation zu einer vergleichsweise risikolosen Aktivit&auml;t f&uuml;r die Manager werden lassen. Sie haben ihre Boni und Verg&uuml;tungen f&uuml;r die scheinbare Rentabilit&auml;t der Spekulation in den vergangenen Jahren schon erhalten; ihnen kann es finanziell ziemlich gleichg&uuml;ltig sein, wenn sie jetzt vor die T&uuml;r gesetzt werden. Die Ernte ist eingesammelt. Niemand verlangt bisher, dass die Ernte requiriert wird, obwohl dies eigentlich selbstverst&auml;ndlich sein m&uuml;sste. Denn die Damen und Herren haben letztendlich den Unternehmen keinen Gewinn gebracht. Andernfalls st&uuml;nden sie ja nicht vor der Insolvenz oder dem Bankrott.<\/p><\/li>\n<li><strong>Das schlimme Ende kommt wahrscheinlich noch, die wirklichen Risiken werden uns vermutlich nicht genannt. Aber die Zumutungen zeichnen sich ab.<\/strong>\n<p>Schon am 24. Februar des Jahres 2003 meldete das Handelsblatt, dass sich damals die Spitzen der deutschen Finanzindustrie mit den Spitzen der Regierung Schr&ouml;der, also mit Bundeskanzler Schr&ouml;der, Finanzminister Eichel und Wirtschaftsminister Clement getroffen h&auml;tten, um &uuml;ber die Risiken zu sprechen, die in den B&uuml;chern der Banken liegen. (Die NachDenkSeiten haben im November letzten Jahres davon berichtet: <a href=\"?p=3599\">&bdquo;Die Verflechtung der Politik mit dem Casino-Betrieb der Finanzwirtschaft ist enger und &auml;lter als wir denken &ndash; wir zahlen schon seit 2000 f&uuml;r die Wettschulden&ldquo;<\/a> ) Schon damals &ndash; zu Anfang des Jahres 2003 (!) &ndash; wurde der Vorschlag gemacht, die faulen Kredite in eine so genannte &bdquo;Bad Bank&ldquo; zu verlagern, deren Risiken dann der Staat, also wir Steuerzahler tragen sollen.<\/p>\n<p>Dieses Ansinnen ist eine ungeheure Zumutung &ndash; nicht nur gegen&uuml;ber dem Staat und seinen B&uuml;rgern, auch gegen&uuml;ber anderen Unternehmen. Es gibt n&auml;mlich viele Unternehmen in Deutschland, die sofort saniert w&auml;ren und florieren w&uuml;rden, wenn sie ihre Schulden beim Staat abladen k&ouml;nnten. Oder wenn sie eine Kapitalspritze &uuml;ber einige Milliarden erhielten, in deren Genuss wie berichtet die Commerzbank mit 8,2 Milliarden gekommen ist.<\/p>\n<p>Damals, zu Anfang des Jahres 2003, wurde der Vorschlag offiziell nicht weiter verfolgt, wahrscheinlich inoffiziell durch Ablagerung von Risiken bei der Industriekreditbank, deren Verluste 2008 wesentlich vom Bund &uuml;bernommen wurden. Aber heute kommt der gleiche Vorschlag wieder auf den Tisch. Ackermann brachte ihn wieder ein. SpiegelOnline meldete am 16. Dezember 2008:<\/p>\n<blockquote><p>FAULE WERTPAPIERE<br>\nAckermann fordert Bad Bank f&uuml;r Deutschland<br>\nDie Bilanzen deutscher Geldh&auml;user werden offenbar weiterhin durch wertlose Wertpapiere belastet. Um eine Abschreibungswelle zu vermeiden, fordert Deutsche-Bank-Chef Ackermann jetzt laut Presseberichten ein staatliches Institut, das die Giftanlagen &uuml;bernehmen soll.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vermutlich ist die Deutsche Bank wie auch andere Institute mit hohen Betr&auml;gen in hochriskanten Wett- und Spekulationsgesch&auml;ften engagiert. Bevor die Bank darunter leidet, dass diese unseri&ouml;sen Gesch&auml;fte durch neue Bewertung der Ergebnisse in der Bilanz auftauchen m&uuml;ssen und damit publik werden, m&ouml;chte Ackermann sie auf den Staat abladen. Er hat dabei den R&uuml;ckhalt vermutlich aller Kreditinstitute, weil sich nahezu alle verzockt haben. Wir m&uuml;ssen davon ausgehen, dass auch diese Absicht von den Berliner Stellen wohlwollend begleitet wird.<\/p>\n<p>Wie manch anderer Volkswirt auch habe ich mich bisher dem Argument gebeugt, ein Zusammenbruch von Banken w&uuml;rde die gro&szlig;e Krise ausl&ouml;sen und m&uuml;sse deshalb auch mit Zugest&auml;ndnissen wie Rettungsschirmen, genauer: Milliarden Zahlungen und B&uuml;rgschaften an private Institute, verhindert werden. Ich hatte allerdings, wie oben schon formuliert, Zweifel, ob unser Finanzsystem zusammengebrochen w&auml;re, wenn wir zum Beispiel die IKB h&auml;tten in den Konkurs gehen lassen. Auch bei der HRE habe ich Zweifel, ob es verantwortungsvoll war, &ouml;ffentliches Geld in dieses private Institut zu stecken. Aber ich gestehe, dass die Abw&auml;gung nicht leicht ist.<\/p>\n<p>Wenn allerdings auf uns Risiken in Gr&ouml;&szlig;enordnungen zu kommen, die die schon bereitgestellten 500 Milliarden &euro; &uuml;berschreiten, dann werden die Zweifel gr&ouml;&szlig;er. Denn eine solch hohe Belastung k&auml;me nicht nur einer Finanzkrise sondern einer Totalkrise der noch vorhandenen Rest-Demokratie gleich. Wenn n&auml;mlich, was die Folge w&auml;re, mit Steuern und h&ouml;heren Abgaben und niedrigeren Sozialleistungen die Spielschulden der Banken und Versicherungen in einer H&ouml;he bezahlt werden m&uuml;ssen, die den j&auml;hrlichen Bundeshaushalt (fast 300 Milliarden) zweimal oder gar dreimal oder viermal &uuml;berschreiten, dann bricht diese Quantit&auml;t eine neue Qualit&auml;t. Wenn eine so hohe Belastung zu erwarten ist, dann muss das Prinzip der Rettungsschirme grundlegend &uuml;berdacht werden und ein anderer Weg gesucht werden.<br>\nDann w&auml;re zu &uuml;berlegen,<\/p>\n<ul>\n<li>mit einem Teil des Geldes ein staatlich gef&ouml;rdertes und der &Ouml;ffentlichkeit verpflichtetes Bankensystem aufzubauen. Die Basis k&ouml;nnten die <\/li>\n<li>Banken, die sich wenig verspekuliert haben, k&ouml;nnten aufgefangen werden.<\/li>\n<li>Private Banken, die sich massiv vertan haben, zu retten, macht keinen Sinn, weil es zu teuer wird und die falschen Anreize davon ausgehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wegen der engen Verflechtung der Finanzindustrie mit der Politik und mit den Medien ist jede Korrektur des bisherigen Weges schwierig. Es ist aber g&auml;nzlich aussichtslos, diese Korrektur zu erreichen, wenn man nicht jetzt mit der Debatte beginnt. Die &ouml;ffentliche Basis, die Stimmung f&uuml;r eine &Auml;nderung der Linie ist da. Die Menschen sind mehrheitlich der Zumutungen &uuml;berdr&uuml;ssig. Es kommt jetzt darauf an, diese Zumutungen und die notwendigen L&ouml;sungen zu formulieren und zu artikulieren. Wir m&uuml;ssen aufh&ouml;ren, die Ungeheuerlichkeiten hinzunehmen, die man uns bisher zumutet. Ich will auf ein paar wenige Beispiele hinweisen:<\/p>\n<p>Eine erste Zumutung: Der gleiche Josef Ackermann, der Anfang des Jahres 2003 mit der Regierungsspitze dar&uuml;ber beraten hat, wie man die faulen Kredite der deutschen Banken in eine Bad Bank ausgliedern k&ouml;nnte, f&uuml;r die der Staat gerade steht, verk&uuml;ndete in etwa zur gleichen Zeit, 25 % Kapitalrenditen w&auml;ren angesagt. Er hat uns damit an der Nase herum gef&uuml;hrt, sein eigenes Institut erreichte bei richtiger Bewertung der faulen Kredite offensichtlich diese Rendite nicht. &ndash; Und obwohl es damals um einige Banken offensichtlich schon schlecht stand, wurden munter Milliarden an Boni und Verg&uuml;tungen ausgezahlt.<\/p>\n<p>Eine zweite Zumutung, diesmal international: zur gleichen Zeit, als die amerikanischen Investmentbanken den Rettungsschirm der amerikanischen Regierung in Anspruch nahmen und &uuml;brigens &uuml;ber die Insolvenz von Lehman Brothers auch die Verm&ouml;gen deutscher Anleger entwertet wurden, haben die amerikanischen Investmentbanken einschlie&szlig;lich Lehman Brothers 70 Milliarden Dollar an Boni und anderen Verg&uuml;tungen an ihre Investmentbanker bezahlt, allein die heute insolventen Lehman Brothers 6,12 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>Eine dritte Zumutung, diesmal von der Finanzindustrie im Verein mit der Politik: Zum Vorsitzenden der so genannten Expertengruppe, die die deutschen Vorschl&auml;ge f&uuml;r den Finanzgipfel ausarbeiten soll, wurde der Berater der gr&ouml;&szlig;ten Investmentbank Goldman Sachs, Issing, ernannt. Daraus kann kein Vorschlag werden, der den Interessen des Volkes entspricht.<\/p>\n<p>Wenn wir so weitermachen wie bisher, n&auml;mlich gro&szlig;z&uuml;gig Rettungsschirme ausspannen, ohne Gegenleistungen zu verlangen, dann werden &ndash; in der Sprache der Betriebswirte &ndash; v&ouml;llig falsche Anreize ausgesandt. Denn die Botschaft lautet: es gibt keine Sanktionen, wer sich vertut, wird vom Staat aufgefangen, ihr k&ouml;nnt munter weitermachen wie bisher.\n<\/p><\/li>\n<p><strong>In weiteren Beitr&auml;gen (Teil II ff) sollen, so weit es geht, u.a. die folgenden Themen abgehandelt werden:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Casino-Betrieb geht weiter, die Pl&uuml;nderung geht weiter.<\/li>\n<li>Der Aufbau des Casinobetriebs, seine St&uuml;tzen und sein Treibstoff: Das Anheizen von hohen Renditeerwartungen und Hauptsache Bewegung. Wir verdienen an der Transaktion<\/li>\n<li>Das Futter der Investmentbanker: Zusammenschl&uuml;sse und Unternehmensk&auml;ufe &ndash; Mergers &amp; Acquisitions (M&amp;A) als Selbstzweck<\/li>\n<li>Neues Futter oder die Funktion der Privatisierung<\/li>\n<li>Exkurs: Investmentbanken sind &uuml;berfl&uuml;ssig<\/li>\n<li>Exkurs: Woher kommen die hohen Boni und Verg&uuml;tungen? <\/li>\n<li>Die Absicherung des Casinobetriebs: Die Zusammenarbeit von Madison Avenue und Wallstreet, von Finanzwirtschaft und Medien\/PR<\/li>\n<li>Die Absicherung des Betriebs durch Vernetzung von Finanzindustrie und Politik ( <a href=\"?p=2394\">6. Juni 2007 Deutsche Spitzenpolitiker und -Manager schon einige Zeit in Diensten der internationalen Finanzwirtschaft<\/a>)<\/li>\n<li>Das Ergebnis: Der &uuml;berdimensionierte Wirtschaftszweig Finanzindustrie, Ein Kapitalmarkt mit einem Anteil von 10 % am Bruttoinlandsprodukt wie in Gro&szlig;britannien &ndash; das kann eigentlich nicht sein, jedenfalls nicht mit rechten Dingen zugehen.<\/li>\n<li>Die Konversion der Finanzindustrie.<\/li>\n<\/ul>\n<\/ol><p><strong>Anhang A<\/strong><\/p><ol>\n<strong>Replik zur Rolle der Einkommensumverteilung zu Gunsten der oberen Einkommen und zur &bdquo;Geldschwemme&ldquo;<\/strong>\n<p>Vor die Klammer gezogen noch einmal die Feststellung: Die Einkommensverteilung und Verm&ouml;gensverteilung hat sich in den letzten 25-30 Jahren fast stetig miserabel entwickelt. Dar&uuml;ber gibt es keinen Streit. Auch dar&uuml;ber nicht, dass diese ungerechte Verteilung schlimme Folgen f&uuml;r unsere Volkswirtschaft (Stagnation der Masseneinkommen und mangelhafte Binnennachfrage z.B.) und f&uuml;r unsere Gesellschaft hat. Sie ist tiefer gespalten denn je. Von &bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo; kann man auch nicht ann&auml;hernd sprechen, von Chancengleichheit sowieso nicht. Die Bessergestellten und die Kinder der Bessergestellten haben dank Verm&ouml;gen, guten Einkommen und daraus abgeleiteten Beziehungen um vieles h&ouml;here Chancen als die anderen. Auch das ist ein fundamentaler Angriff auf die Lebensf&auml;higkeit von Demokratie. <\/p>\n<p>Fazit: Die eingetretene Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung ist skandal&ouml;s. Um dies festzustellen und dagegen anzugehen bedarf es nicht der erg&auml;nzenden Behauptung, diese Einkommensverteilung sei die Hauptursache der Finanzkrise.<\/p>\n<p>Und noch eine Feststellung vorweg, die zur Differenziertheit und Entsch&auml;rfung der Debatte beitragen soll: Selbstverst&auml;ndlich haben auch nach meiner Einsch&auml;tzung die hohen Zuw&auml;chse des Einkommens und Verm&ouml;gens bei den Besser- und Spitzenverdienern die zum spekulativen Einsatz verf&uuml;gbaren Mittel vermehrt  und damit auch ihren Teil zur Finanzkrise beigetragen. Dass aber die Vermehrung, also die Ver&auml;nderung verf&uuml;gbarer Geldverm&ouml;gen die Hauptursache der Finanzkrise gewesen sei, ist damit nicht gesagt.<\/p>\n<p>Zum Spekulieren und zur Perversion des Kapitalmarktes in ein Spielkasino bedarf es der Zuw&auml;chse nicht. Dazu reichten und reichen die hohen Best&auml;nde an Geldverm&ouml;gen. Diese Best&auml;nde waren in der fraglichen Zeit immer um vieles h&ouml;her als die Zuw&auml;chse.<\/p>\n<p>Eigentlich halte ich es f&uuml;r unergiebig, den Disput &uuml;ber die Frage fortzuf&uuml;hren, &bdquo;ob die Umverteilung von unten nach oben&ldquo; und damit der Zufluss von Finanzmitteln .. &bdquo;eine entscheidende Ursache f&uuml;r die Aufbl&auml;hung der Finanzm&auml;rkte&ldquo; ist. Ich muss mich wohl dennoch dieser Frage nach den Ursachen der Finanzkrise noch einmal kurz zuwenden, weil sich die Therapie selbstverst&auml;ndlich an den Ursachen orientieren muss. Wenn die Finanzkrise eine Folge der schlechten Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung ist, dann m&uuml;ssen wir die Einkommensverteilung &auml;ndern. Das w&auml;re nicht nur ein moralisches Anliegen, sondern auch &ouml;konomisch sinnvoll. Aber: Schaffen wir das? Und vor allem: Schaffen wir das so schnell, wie es n&ouml;tig w&auml;re, um die n&auml;chste Finanzkrise zu verhindern? Wir m&uuml;ssten die eingetretene Verm&ouml;gensverteilung gravierend ver&auml;ndern, weil nach der zitierten Ursachenforschung die Finanzmittel doch schon zugeflossen sind? Schaffen wir das? Ich f&auml;nde eine fairere Verteilung der zuflie&szlig;enden Einkommen und der Verm&ouml;gensbest&auml;nde in jeder Hinsicht gut f&uuml;r unsere Gesellschaft. Aber: Haben wir eine realistische Chance, die Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung in absehbarer Zeit nachhaltig zu korrigieren? <\/p>\n<p>Und noch etwas: Selbst wenn es uns gel&auml;nge, die Anteile der L&ouml;hne am Volkseinkommen von heute 62,3 % wieder auf &uuml;ber 70 % (der Wert von 1980) anzuheben, dann g&auml;be es ja immer noch 30 % Gewinn- und Verm&ouml;genseinkommen. L&auml;uft die Konjunktur &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitabschnitt gut, dann bringt der 30%-Anteil am Volkseinkommen am Ende mehr an Finanzmittelzuwachs als die 36 % von einem insgesamt stagnierenden Volkseinkommen.<\/p>\n<p>Konkret im Blick zur&uuml;ck: Wenn die Konjunktur im Jahr 1992 nicht abgebrochen worden w&auml;re, dann w&auml;ren auch ohne Verschlechterung der Lohnquote die den Gewinn- und Verm&ouml;genseinkommensbeziehern zuflie&szlig;enden zus&auml;tzlichen Einkommen zwischen 1993 und heute h&ouml;her gewesen als in der herrschenden Situation mit Stagnation und schlechter Einkommensverteilung, sichtbar am Absturz der Lohnquote von 68 % im Jahre 1992 auf 62,3 % im Jahr 2007. &ndash; Zum besseren Verst&auml;ndnis noch einmal ausf&uuml;hrlicher: Nehmen wir einmal an, der Einheitsboom sei 1992 bei uns nicht abgebrochen worden und wir h&auml;tten statt der bescheidenen durchschnittlichen ca. 1,5 % Wachstum p.a. real ein durchschnittliches Wachstum von 2,5 % p.a. gehabt. Unterstellen wir weiter, in diesem Zeitraum bis heute sei wegen der h&ouml;heren Nachfrage nach Arbeitskr&auml;ften der Arbeitsmarkt um vieles ausgeglichener gewesen, die L&ouml;hne h&auml;tten sich nicht so dr&uuml;cken lassen und die Lohnquote sei etwa auf dem Niveau von 1992 geblieben, also auf 68 % statt der heutigen 62,3 %. Durch den gr&ouml;&szlig;eren Zuwachs der Realeinkommen h&auml;tten sowohl die Arbeitnehmer als auch die Rentner und Arbeitslosen ein beachtlich h&ouml;heres Realeinkommen als heute, einmal wegen der Stabilit&auml;t der Einkommensverteilung (sichtbar in der Lohnquote), zum andern aber vor allem wegen der Vergr&ouml;&szlig;erung des Kuchens. <\/p>\n<p>Obwohl die Einkommen aus Gewinnen und Verm&ouml;gen ihren Anteil in der Zeit von 1993 bis heute nicht h&auml;tten erh&ouml;hen k&ouml;nnen, h&auml;tten sie vermutlich durch das Anwachsen des gesamten BIP mindestens so hohe Zufl&uuml;sse an Einkommen gehabt als unter den Bedingungen, wie sie eingetreten sind mit  quasi stagnierendem Wachstum, aber einem gr&ouml;&szlig;eren Anteil vom Kuchen. <\/p>\n<p>Wenn meine Annahme stimmt, dann h&auml;tten die gut Verdienenden in diesen 15 Jahren einen Zuwachs an Finanzverm&ouml;gen gehabt, der ihnen die Spekulation mindestens so sehr m&ouml;glich macht wie unter den heutigen Bedingungen. Die sogenannte &bdquo;Geldschwemme&ldquo; w&auml;re nicht geringer.<\/p>\n<p>Die Debatte um die Ursache &bdquo;Einkommensverteilung&ldquo; und den darauf bauenden Zuwachs an Finanzverm&ouml;gen (Geldschwemme) f&uuml;r die Finanzkrise ist m.E. zwar vergleichsweise unbedeutend.  Aber viele Autoren und Beobachter und darunter auch solche, die mir als &Ouml;konom nahe stehen, heben auf diese Ursache ab. Das legt die Kommentierung nahe.<br>\nIch verweise auf den Beitrag vom 25. November und erg&auml;nze die wichtigsten Zweifel:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Um zum Beispiel das Casino in Gang zu setzen, um Spekulationen auf den Aktienm&auml;rkten oder den Hypothekenm&auml;rkten zu speisen, bedurfte <\/li>\n<li><strong>Die in verschiedenen Diskussionsbeitr&auml;gen genannten Zahlenver&auml;nderungen sind nicht so hoch, wie vermittelt wird.<\/strong> Ein Anstieg der Finanzverm&ouml;gen von 93 Billionen im Jahr 2000 auf gesch&auml;tzte 214 Billionen im Jahr 2010  (siehe Graphik im von mir besprochenen Beitrag von Michael Schlecht) ist kein so gravierender Sprung, dass man dar&uuml;ber derart ins Gr&uuml;beln geraten muss.  Ein &Ouml;konom und Leser der NDS hat nachgerechnet und schreibt dazu: &bdquo;Der Anstieg des Finanzverm&ouml;gens im Vergleich zum Welt-BIP war nicht so gravierend, wie es auf den ersten Blick aussieht (10,3% p.a. im Vergleich zu 5,8% p.a.), zumal ein st&auml;rkerer Anstieg der Verm&ouml;gen bzw. Ersparnisse bei insgesamt weltweit steigendem Reichtum erwartet werden kann. Auch wenn die Wachstumsgewinne gleichm&auml;&szlig;iger verteilt worden w&auml;ren, h&auml;tte man mit einem st&auml;rkeren Anstieg der Verm&ouml;gen im Vergleich zum BIP rechnen m&uuml;ssen. <\/li>\n<li>Wenn man dann noch bedenkt, <strong>welche Strukturver&auml;nderungen in dieser Zeit stattgefunden haben<\/strong> &ndash; Umschichtung von Personengesellschaften in Kapitalgesellschaften, die Aufl&ouml;sung der Deutschland AG, die Zunahme des Kapitalstocks in den entwickelten L&auml;ndern und in den Schwellenl&auml;ndern Der Zuwachs k&ouml;nnte alleine durch die Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse Chinas zustande gekommen sein. Dadurch sind schlie&szlig;lich Forderungen, also Geldverm&ouml;gen Chinas gegen&uuml;ber Kreditnehmern in den USA und anderen Teilen der Welt entstanden.\n<\/li>\n<li>&Auml;hnliches gilt f&uuml;r uns. Der Chef&ouml;konom des DGB Dierk Hirschel hat in einem <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/1643848_Finanzmaerkte-brauchen-gesellschaftliche-Kontrolle.html\">Beitrag f&uuml;r die Frankfurter Rundschau<\/a> vorgerechnet, dass das heimische Geldverm&ouml;gen Deutschlands von 2 Billionen &euro; im Jahre 2000 bis zum Jahr 2007 um eine weitere Billion angestiegen sei. Das erscheint beeindruckend. Hier w&auml;re aber zun&auml;chst einmal zu notieren, dass der Geldverm&ouml;gens<strong>bestand<\/strong> auch nach Meinung Dierk Hirschels schon 2000 doppelt so hoch wie der dann folgende Zuwachs war. <strong>Hinzu kommt, dass der Zuwachs des Finanzverm&ouml;gens unserer Volkswirtschaft zu fast zwei Dritteln eine Folge der seit dem Jahr 2001 erzielten Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse sein k&ouml;nnte.<\/strong> Sie summieren sich zwischen 2001 und 2007 auf 635 Milliarden &euro; und sind nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Forderungen an Ausl&auml;nder, also Geldverm&ouml;gen. Diese Vermutung h&auml;lt auch der DGB-Chef&ouml;konom f&uuml;r schl&uuml;ssig.<br>\n(Quelle: Telefongespr&auml;ch). \n<p>Wenn das so ist, dann kann man sich mit Recht dar&uuml;ber aufregen, dass ein solches Leistungsbilanzungleichgewicht hingenommen und sogar gepflegt wird, obwohl es auf Dauer nicht gut ist und au&szlig;erdem f&uuml;r unser Land die Gefahr in sich birgt, dass wir unsere mit Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen aufgebauten Forderungen an das Ausland nur noch abgewertet einl&ouml;sen k&ouml;nnen, wenn zum Beispiel der Dollar weiter an Wert sinkt. Aber man kann wohl schwerlich behaupten, dass diese Geldverm&ouml;gen per se Zeichen einer Geldschwemme sind, die aus der miserablen Einkommensverteilung hierzulande folge.\n<\/p><\/li>\n<li>Die Dimensionen, die insbesondere beim Derivatehandel eine Rolle spielen, sind um mehrere Potenzen h&ouml;her als die der schlechten Einkommensverteilung zugeschriebenen Finanzstr&ouml;me. Bei den Derivaten geht es um Hunderte von Billionen, die sich jetzt auch in der &uuml;berraschend gro&szlig;en Dimension der sogenannten Rettungsschirme widerspiegeln.\n<\/li>\n<li>Wenn es &uuml;berhaupt eine  Geldschwemme gab und gibt, dann m&uuml;ssten die Kosten f&uuml;r das Leihen von Geld eigentlich sinken, so jedenfalls die Marktphilosophie: viel Geldangebot, sinkende Zinsen. Dass im Finanzsektor unter diesen Marktbedingungen dann besonders viel verdient wird und traumhafte Renditen erzielt wurden, erschlie&szlig;t sich jedenfalls aus dem Ph&auml;nomen Geldschwemme nicht.\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Aus alldem folgt: Die Verschiebung der Einkommensverteilung hat die Mittel zur Spekulation erh&ouml;ht, irgendeine angeblich daraus folgende Geldschwemme ist nicht die Hauptursache der Finanzkrise. <\/p><\/ol><p><strong>Hinweis:<\/strong> Lesen dazu auch den zweiten Teil <a href=\"?p=3698\">&ldquo;Die herrschende Politik und die Finanzwirtschaft stecken unter einer Decke &ndash; auch deshalb zahlen wir als Steuerzahler f&uuml;r die Zocker. (Teil II)&rdquo;<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 25. November konnten Sie in den NachDenkSeiten lesen: &bdquo;<a href=\"?p=3615\">Ist die Geldschwemme Ursache der Finanzmarktkrise? Ein Ansto&szlig; zu ein paar Zweifeln an einer g&auml;ngig werdenden These<\/a>.&ldquo; Dieser Beitrag f&uuml;hrte zu einer teilweise heftigen Diskussion. Insbesondere meine Zweifel an der h&auml;ufig wiederholten Annahme, die ungerechte Einkommensverteilung habe eine Geldschwemme verursacht, die wiederum verantwortlich sei f&uuml;r<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3689\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,132],"tags":[294,292,293,295,296,297,291],"class_list":["post-3689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-aktienkurse","tag-finanzkasino","tag-finanzwirtschaft","tag-kohl-helmut","tag-lambsdorff-otto-graf","tag-tietmeyer-hans","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3689"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20044,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3689\/revisions\/20044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}