{"id":3697,"date":"2009-01-12T10:00:25","date_gmt":"2009-01-12T09:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3697"},"modified":"2014-01-23T09:50:29","modified_gmt":"2014-01-23T08:50:29","slug":"mckinsey-macht-die-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3697","title":{"rendered":"McKinsey macht die Politik"},"content":{"rendered":"<p>J&uuml;rgen R&uuml;ttgers ist in seiner politischen Karriere daf&uuml;r ber&uuml;chtigt, dass er knallharte konservative Politik betreibt und sich durch populistische Vorst&ouml;&szlig;e ein dynamisches, meist noch soziales Image gibt.<br>\nVor einer Woche machte er mal wieder mit der tollen Idee eines &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;, einem100-Milliarden-Euro-Schutzschirm f&uuml;r krisengesch&uuml;ttelte Unternehmen einen publizistischen Vorsto&szlig;. Wer nun denkt, R&uuml;ttgers h&auml;tte einen so riesig dimensionierten Fonds intensiv mit Fachleuten diskutiert oder Gutachten eingeholt, um ein durchdachtes wirtschaftspolitisches Konzept vorzulegen, der irrt gewaltig. Nichts dergleichen ist geschehen.<br>\nJetzt erfahren wir, dass ihm die Unternehmensberatungsfirma McKinsey in Person von J&uuml;rgen Kluge diesen Floh ins Ohr gesetzt hat. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Ich bin ein &uuml;berzeugter Marktwirtschaftler, ich sehe aber auch durch meine Klientengespr&auml;che, in welcher Gr&ouml;&szlig;enordnung eine Pleitewelle auf uns zukommt. <strong>Deshalb habe ich Anfang Dezember bei NRW-Ministerpr&auml;sident J&uuml;rgen R&uuml;ttgers den Deutschlandfonds angeregt<\/strong>&rdquo;, sagte J&uuml;rgen Kluge, Chef des Sparte &bdquo;&Ouml;ffentlicher Sektor&rdquo; der internationalen Unternehmensberatung McKinsey, <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/waz\/2009\/1\/9\/news-103843465\/detail.html\">auf Anfrage der WAZ<\/a>. <\/p><p>&bdquo;<strong>F&uuml;r das alles ben&ouml;tigt man professionelle Entscheidungsprozesse.<\/strong> Der Staat kann nicht mit der Gie&szlig;kanne durchs Land laufen und normale Marktprozesse behindern. Deshalb brauchen wir eine Treuhand II, mit einem Vorstand, einem Aufsichtsrat und einer Charta&rdquo;, so der fr&uuml;here Deutschland-Chef von McKinsey<\/p><p>Kluge hat sich damit wohl verplappert, verr&auml;t er damit n&auml;mlich nicht nur wer der Urheber dieser Idee war, sondern auch noch worum es McKinsey mit seiner &bdquo;Anregung&ldquo; eines &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; nach der Art einer &bdquo;Treuhand II&ldquo; in Wirklichkeit geht, n&auml;mlich vor allem um das eigene Gesch&auml;ft.<\/p><p>Zur Erinnerung:<br>\nDie &bdquo;Treuhand I&ldquo;, an der sich der McKinsey-Vorschlag anlehnt,  ist nach der Wiedervereinigung gegr&uuml;ndet worden, um die <a href=\"upload\/pdf\/081002_Hinweis_1.pdf\">angeblich maroden [PDF &ndash; 100 KB]<\/a> Betriebe der DDR zu privatisieren. <\/p><p>Das Ergebnis kennen wir. Das Verm&ouml;gen der DDR wurde verschleudert. Der Staat durfte die Schulden der Treuhand in H&ouml;he von &uuml;ber <a href=\"?p=96\">170 Milliarden &uuml;bernehmen<\/a>. Die meisten Betriebe wurden &bdquo;abgewickelt&ldquo;. Der industrielle Niedergang Ostdeutschlands wurde willentlich oder aus Dummheit versch&auml;rft. Fast alles wurde platt gemacht und musste mit hunderten von Milliarden Steuergeldern m&uuml;hselig wieder aufgebaut und neu angesiedelt werden. Gewonnen haben nur die Plattmacher. Vor allem die <a href=\"?p=620\">westdeutschen Banken<\/a> und die Wirtschaftsberater haben sich eine goldene Nase verdient. <\/p><p>Mit der Treuhand I gelang Anfang der 90er Jahre den Wirtschaftsberatern der Einstieg in das &ouml;ffentliche Beratungsgesch&auml;ft. &ldquo;Die Bundesregierung unter Helmut Kohl berief &ndash; nach R&uuml;cksprache mit Roland Berger &ndash; je einen Vertreter von McKinsey, von KPMG und von Treuarbeit, einer deutschen Wirtschaftspr&uuml;fungsgesellschaft, in den vierk&ouml;pfigen Leitungsausschuss der Treuhandanstalt&hellip;Der Aufwand war gewaltig: Allein im Jahr 1992 kassierten die Beratungsfirmen zusammen 450 Millionen Mark f&uuml;r die Beratung der Treuhandanstalt. (Thomas Leif, beraten &amp; verkauft, S. 29)<\/p><p>Die damalige Treuhand, das war ein tolles Gesch&auml;ft f&uuml;r die Berater, wie McKinsey und Co. Sie konnten Millionen absahnen, angefangen von der Entwicklung von Konzepten f&uuml;r den <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=RklZv9bfW1EC&amp;pg=PA141&amp;lpg=PA141&amp;dq=Treuhand+McKinsey&amp;source=web&amp;ots=zuTzDApz3t&amp;sig=ABjGNjPqrV257_XrCrZzVzt6LNQ&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=1&amp;ct=result#PPA140,M1\">Aufbau einer solchen Anstalt<\/a>. Danach konnte man endlos Wirtschaftspr&uuml;fungsauftr&auml;ge zur Bewertung von Firmen kassieren, Abwicklungs- oder Verkaufsgutachten machen usw. usf..<\/p><p>Was liegt f&uuml;r diese so genannten &bdquo;Wirtschaftsberater&ldquo; also n&auml;her, diese Idee noch einmal aufzugreifen, um damit endlich wieder eine Goldader anzuzapfen.<br>\nAlso bietet der Chef der McKinsey-Sparte &bdquo;&Ouml;ffentlicher Sektor&ldquo; (also ein Lobbyist) einem Politiker von dem bekannt ist, dass er eine gute PR macht, diesen Plan an. Und wie mit einem pawlowschen Reflex sprang R&uuml;ttgers spontan darauf an und der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,599249,00.html\">Spiegel bot ihm am 3. Januar<\/a> gleich die geeignete publizistische Plattform. Und Seehofer sprang gleich mit: <a href=\"http:\/\/www.google.com\/hostednews\/afp\/article\/ALeqM5jTTYxXeqJ_Ez-rvHoqTFM5sc5ITA\">&ldquo;Wir unterst&uuml;tzen die Idee des Deutschlandfonds mit 100 Milliarden.&rdquo;<\/a><br>\nAuch die Kanzlerin wollte nicht gleich ablehnen. Und nun finden wir eine Woche sp&auml;ter den &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; in einer &bdquo;Erfurter Erkl&auml;rung&ldquo; des CDU-Vorstandes, einem &bdquo;Zehn-Punkte-Programm&ldquo; gegen die Wirtschaftskrise. (Nebenbei: Mit &bdquo;Erfurter Erkl&auml;rung&ldquo; wird sicher nicht ungewollt auch der Titel eines Aufrufs von Gewerkschaftern, Linken, K&uuml;nstlern und Wissenschaftlern aus dem Jahre 1998 gegen die Kohl-Regierung &bdquo;Bis hier und nicht weiter&ldquo; besetzt.)<\/p><p>&bdquo;R&uuml;ttgers bem&uuml;hte sich in Erfurt mit zahlreichen Interviews seinen Erfolg darzustellen&ldquo; und startete eine &bdquo;Medienoffensive&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:Klausur-in-Erfurt-CDU-h%E4lt-T%FCr-f%FCr-Staatsbeteiligungen-offen\/459124.html\">schreibt die FTD<\/a>. &bdquo;Punktsieg f&uuml;r J&uuml;rgen R&uuml;ttgers: Der NRW-Regierungschef hat sich in der CDU mit seinem Vorschlag f&uuml;r staatliche Hilfen f&uuml;r angeschlagene Unternehmen durchgesetzt &ndash; auch Kanzlerin Merkel h&auml;lt sich damit im Kampf gegen die Wirtschaftskrise alle Optionen offen&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-600570,00.html\">schreibt der Spiegel<\/a>.<\/p><p>Der &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; ist also kein durchdachtes &ouml;konomisches oder wirtschaftspolitisches Konzept, sondern von einem auftragshungrigen Unternehmensberater initiiert, um Auftr&auml;ge und Beratungshonorare zu kassieren.<\/p><p>So wird in Deutschland Politik gemacht: Die Politiker als Hampelm&auml;nner von geld- und auftragsgierigen Beratern!<\/p><p>p.s.:<br>\nApropos &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;: Noch nicht einmal beim Namen hat man sich um Originalit&auml;t bem&uuml;ht. Einen &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; hatte schon Steinmeier f&uuml;r das Koalitionsgespr&auml;ch am vorigen Montag als Herzst&uuml;ck ihres <a href=\"http:\/\/www.meinespd.net\/media\/downloads\/090105_Steinmeier-Plan.pdf\">&bdquo;Wachstums- und Stabilit&auml;tspaktes f&uuml;r Deutschland&ldquo; [PDF &ndash; 115 KB]<\/a> vorgeschlagen, allerdings sollten daraus kommunale Infrastrukturprojekte finanziert, aber nicht mit Staatskrediten Unternehmen abgesichert oder gar &uuml;bernommen werden.<br>\nDie Namensgleichheit ist sicherlich kein Zufall, sondern damit soll eher zur Verwirrung der &Ouml;ffentlichkeit beigetragen werden und der SPD, die den Vorschlag der Union <a href=\"http:\/\/www.google.com\/hostednews\/afp\/article\/ALeqM5jTTYxXeqJ_Ez-rvHoqTFM5sc5ITA\">bisher abgelehnt hat<\/a>, das Umfallen erleichtert werden.<br>\nDass es bei dieser Begriffsbildung eher um Propaganda, als um sachlich-fachlich abgesicherte Konzepte geht, l&auml;sst sich auch daraus schlie&szlig;en, dass offenbar weder SPD noch CDU bemerkt haben, dass der Begriff &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; schon im Sommer 2007 von Kurt Beck f&uuml;r sein Modell einer <a href=\"upload\/pdf\/Hinw12_20070628.pdf\">Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen [PDF &ndash; 405 KB]<\/a> belegt war.<br>\nAber dieser &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; ist ohnehin schon l&auml;ngst wieder vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J&uuml;rgen R&uuml;ttgers ist in seiner politischen Karriere daf&uuml;r ber&uuml;chtigt, dass er knallharte konservative Politik betreibt und sich durch populistische Vorst&ouml;&szlig;e ein dynamisches, meist noch soziales Image gibt.<br \/> Vor einer Woche machte er mal wieder mit der tollen Idee eines &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;, einem100-Milliarden-Euro-Schutzschirm f&uuml;r krisengesch&uuml;ttelte Unternehmen einen publizistischen Vorsto&szlig;. Wer nun denkt, R&uuml;ttgers h&auml;tte einen so riesig<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3697\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,1,129,30],"tags":[277,275,274,276],"class_list":["post-3697","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-das-kritische-tagebuch","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-ddr","tag-mckinsey","tag-ruettgers-juergen","tag-treuhand"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3697","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3697"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3697\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20039,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3697\/revisions\/20039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}