{"id":3698,"date":"2009-01-12T12:19:13","date_gmt":"2009-01-12T11:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3698"},"modified":"2014-01-23T09:49:16","modified_gmt":"2014-01-23T08:49:16","slug":"die-herrschende-politik-und-die-finanzwirtschaft-stecken-unter-einer-decke-auch-deshalb-zahlen-wir-als-steuerzahler-fuer-die-zocker-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3698","title":{"rendered":"Die herrschende Politik und die Finanzwirtschaft stecken unter einer Decke &#8211; auch deshalb zahlen wir als Steuerzahler f\u00fcr die Zocker. (Teil II)"},"content":{"rendered":"<p>Die Medien helfen meist mit, den Skandal unter der Decke zu halten. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen. Eine aktuelle Ausnahme: Selbst der Vorstandsvorsitzende der Springer AG, Mathias D&ouml;pfner, wundert sich und kritisiert, dass wir Steuerzahler mit den Milliarden f&uuml;r die Commerzbank-Rettung die <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article3004599\/So-werden-mit-Steuergeld-Arbeitsplaetze-vernichtet.html\">&bdquo;Zockerschulden der Bank begleichen&ldquo;<\/a>. Die Linkspartei prangere diese Enteignung der B&uuml;rger zu Recht an. Es ist eben leider nur die Linkspartei. Die anderen spielen das Spiel mit. Die Politik ist gerade auch jetzt in der Finanzkrise ma&szlig;geblich von den Interessen der Finanzwirtschaft bestimmt. Die Medien decken dies, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht auf. Das wird zum Problem, weil unter diesen Umst&auml;nden die Sanktionen gegen die herrschende Politik auch bei den kommenden wichtigen Wahlen unterbleiben k&ouml;nnten. Die Umfragen, nach denen eine Mehrheit der Bundesb&uuml;rger die &bdquo;Leistung&ldquo; von Merkel, Steinbr&uuml;ck etc. w&uuml;rdigt, zeigen dies. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nIm folgenden werde ich nacheinander stichwortartig auf neuere (und zur&uuml;ckliegende) Beispiele des Zusammenspiels von Politik, Medien und Finanzwirtschaft zu Gunsten der Finanzwirtschaft aufmerksam machen. In den NachDenkSeiten wie auch im Kritischen Jahrbuch 2008\/2009 haben wir schon h&auml;ufig darauf hingewiesen. Im Zusammenhang mit dem Zusammenspiel ergeben sich auch eine Reihe von Fragen zu seltsamen Vorg&auml;ngen:<\/p><p><strong>&Uuml;ber das Zusammenspiel und die Verfilzung von Politik, Finanzwirtschaft und Medien &ndash; Bemerkenswertes und Erstaunliches<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Gl&auml;nzende Kinderaugen beim Blick auf den &bdquo;Finanzplatz&ldquo; London und die entsprechenden Entscheidungen zu Gunsten der Finanzindustrie<\/strong>\n<p>Die Verantwortlichen in der jetzigen Bundesregierung wie auch in der fr&uuml;heren sind offensichtlich tief beeindruckt von den Milliarden-Bez&uuml;gen und Renditen, die zum Beispiel die auf dem Finanzpl&auml;tzen London und New York t&auml;tigen Investmentbanker, Investmentbanken, Hedgefonds und andere Finanzdienstleister beziehen beziehungsweise bezogen haben. Es spricht vieles daf&uuml;r, dass unser jetziger Bundesfinanzminister Steinbr&uuml;ck wie auch der vorige, Hans Eichel, und eine Reihe ihrer ma&szlig;geblichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese extrem hohen Bez&uuml;ge und Renditen als eine echte Wertsch&ouml;pfung betrachten. In den NachDenkSeiten konnten Sie am 9.1.2009 eine <a href=\"?p=3692\">Zusammenstellung des Bundesfinanzministers<\/a> aufrufen, die die Gesetze und Verordnungen auflistet, die von unseren verantwortlichen Politikern zur Deregulierung und F&ouml;rderung des Finanzmarktes in den letzten Jahren verabschiedet wurden. Im Begleittext &ndash; wie auch in anderen Einlassungen des Bundesfinanzministers &ndash; kommt die Bewunderung f&uuml;r das zum Ausdruck, was man einen erfolgreichen &bdquo;Finanzplatz&ldquo; nennt. Die Bundesregierung habe &bdquo;in den vergangenen Jahren wichtige Stufen erklommen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Finanzplatz Deutschland in Europa und der Welt. Entschlossene Reformen und Ver&auml;nderungen waren notwendig &hellip;&ldquo; hei&szlig;t es in dem am 9. Januar zitierten Dokument. &Auml;hnlich lautende Dokumente gibt es von dem beim Finanzminister zust&auml;ndigen Staatssekret&auml;r und fr&uuml;heren Abteilungsleiter J&ouml;rg Asmussen. Darauf wurde in den NachDenkSeiten schon mehrmals hingewiesen, <a href=\"?p=3121\">zum Beispiel hier<\/a>.<br>\nDie Verantwortlichen haben offenbar nicht gesehen, dass die hohen Bez&uuml;ge und Renditen vor allem Entgelte f&uuml;r den Betrieb eines hoch spekulativen Casinos sind. Vermutlich sind sie auch heute noch der Meinung, dass dort die entsprechenden Werte geschaffen wurden und werden, die im Falle Gro&szlig;britanniens ca. 10 % und im Falle der USA 8 % des Bruttoinlandproduktes des ganzen Landes ausgemacht haben sollen.<br>\nWie auch immer: die Bundesregierung hat systematisch auf diese Art von Kapitalmarkt hingearbeitet. Und sie wurde dabei von einem gro&szlig;en Teil der Medien, von einer breiten Lobby und einem Kreis von ehemaligen Managern sowie ehemaligen und aktiven Politikern unterst&uuml;tzt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Hinter den Finanzspritzen f&uuml;r die Commerzbank steckt einiges, das man uns nicht offen sagt<\/strong>\n<p><strong>Warum nur 25 % des Kapitals der Commerzbank?<\/strong><br>\nDer Bund hat insgesamt bisher schon 18,2 Milliarden &euro; f&uuml;r die Rettung der Commerzbank ausgegeben. Er hat zugleich 25 % plus eine Aktie an dieser Bank erworben. 25 % ist gemessen an dem geflossenen Geld ausgesprochen wenig. Der Betrag von 18,2 Milliarden betr&auml;gt alleine schon das Vierfache des aktuellen Marktwertes der gesamten Commerzbank, worauf der Chef von Springer, Mathias D&ouml;pfner mit Berufung auf den Fraktionsgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Linkspartei im Deutschen Bundestag, Ulrich Maurer, hinweist. 1,8 Milliarden &euro; haben gereicht, um die 25 % zu kaufen. Der Bund hat das Zehnfache bezahlt und belohnt damit die bisherigen Aktion&auml;re und den Vorstand der Commerzbank.<br>\nWarum tut er das? Warum hat die Bundesregierung nicht darauf gepocht, &uuml;ber 50 % oder sogar 75 % der Anteile zu &uuml;bernehmen? Warum dieses Geschenk an die Zocker? &ndash; Man kann es eigentlich nur damit erkl&auml;ren, dass die Politik mit den Interessen der Finanzinstitute eng verbunden ist und dass sie au&szlig;erdem offensichtlich die Aktion&auml;re schonen und st&uuml;tzen will.<\/p>\n<p>Im gleichen Zusammenhang wird von Sprechern und Vertretern der Bundesregierung immer wieder betont, die Bundesregierung wolle keinen Einfluss auf die Gesch&auml;ftspolitik der Commerzbank aus&uuml;ben. Wieso das eigentlich nicht? Die bisherige Leistungsbilanz des Vorstandes um Herrn Blessing ist doch alles andere als gut. Die Gesch&auml;ftspolitik dieses Vorstands ist alles andere als nicht korrekturbed&uuml;rftig. <\/p>\n<p><strong>Dass es um die Dresdner Bank schlecht steht, dass sie hoch riskante Papiere im Gep&auml;ck hat, mussten die Vorst&auml;nde der Allianz AG, der Dresdner Bank und der Commerzbank wissen. Und die verantwortlichen Politiker auch.<\/strong><br>\nCommerzbank Chef Blessing hat die &Uuml;bernahme der Dresdner Bank betrieben, obwohl ihm wie auch dem bisherigen Eigent&uuml;mer und Verk&auml;ufer, der Allianz AG, und vermutlich auch der Bundesregierung klar sein musste, welche riskanten Papiere bei der Dresdner Bank lagern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Allianz AG nicht wusste, welche Risiken bei ihrer Tochter, der Dresdner Bank, lagern. Sp&auml;testens seit Sommer 2007, als die Risiken bei der Industriekreditbank (IKB) in D&uuml;sseldorf sichtbar wurden, musste man das wissen. Jeder verantwortliche Bankvorstand musste angesichts der damaligen Nachrichten seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort und intensiv pr&uuml;fen lassen, was in den eigenen Reihen lagert. &ndash; Es ist aber noch viel schlimmer: wir wissen seit einiger Zeit, dass schon zu Jahresanfang 2003 zwischen der Bundesregierung und den Spitzen der Finanzwirtschaft, also den Banken und Versicherungen, Gespr&auml;che &uuml;ber die Gr&uuml;ndung einer der Bad Bank und damit &uuml;ber die Auslagerung von faulen Krediten auf eine solche Bank gef&uuml;hrt wurden. <a href=\"?p=3599\">Dazu N&auml;heres hier.<\/a><br>\nMan kann deshalb davon ausgehen, dass der Vorstand der Allianz AG um die Risiken der Dresdner Bank wusste, als er sie zum Verkauf an die Commerzbank anbot. Man kann sogar davon ausgehen, dass der Vorstand der Commerzbank darum wusste. Andernfalls h&auml;tte er seine Vorstandspflicht eindeutig verletzt.<\/p>\n<p><strong>Dresdner Bank und in der Folge die Commerzbank spielen offenbar die Rolle einer Bad Bank &ndash; auch zu Gunsten der Allianz AG und der Privatvorsorge<\/strong><br>\nVermutlich stecken hinter dem Deal des Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank und hinter der schnellen freundschaftlichen Hilfe f&uuml;r die Commerzbank noch ganz andere Absichten. Vermutlich wird nicht offengelegt, was Sache ist. Im Grunde ist der Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank gleichbedeutend mit der Auslagerung von Risiken in eine Bad Bank. Die Allianz AG will die Risiken der Dresdner Bank loswerden. Die Commerzbank hilft dabei, vielleicht aus Gr&ouml;&szlig;enwahn, vielleicht in Abrede mit der Bundesregierung. Die Bundesregierung hat vermutlich alle Gr&uuml;nde, die Augen dabei zuzudr&uuml;cken. Sie will offensichtlich die Allianz AG schonen. W&uuml;rden n&auml;mlich die Risiken, die bei der Dresdner Bank lagern, an der Allianz AG h&auml;ngen bleiben, dann w&uuml;rde nebenbei noch sichtbar, mit welchen Risiken die private Altersvorsorge verbunden ist. Die Unterst&uuml;tzung der Bundesregierung und damit von uns Steuerzahlern f&uuml;r die Commerzbank ist also zugleich eine deutliche Unterst&uuml;tzung der Allianz AG und eine nochmalige Subventionierung der Privatvorsorge.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Bund zahlt Geld und will das Sagen nicht haben &ndash; eine verkehrte Welt!<\/strong><br>\n&bdquo;Staat zahlt, bestimmt aber nicht&ldquo;, so &uuml;berschrieb die Frankfurter Rundschau treffend einen Leitartikel am 10.\/11. Januar 2009. Das bezog sich auf die Zahlungen an die Commerzbank und die sehr begrenzte Einflussnahme. Es ist in Deutschland Usus geworden, dass der &ouml;ffentliche Einfluss bei Unternehmen im Staatseigentum freiwillig an private Personen und Gruppen abgetreten wird. Daf&uuml;r gibt es vielf&auml;ltige und sonderbarer Beispiele. \n<ul>\n<li>Im Falle der Commerzbank, darauf wurde schon hingewiesen, w&uuml;rde es ausgesprochen wichtig sein, dem Vorstand auf die Finger zu schauen. Darauf wird verzichtet, obwohl der Bund der eigentliche Finanzier der Commerzbank ist und der Vorstand sich mit der &Uuml;bernahme der Dresdner Bank v&ouml;llig vertan hat.<\/li>\n<li>Im Falle der Deutschen Bahn AG hat der Bund dem Vorstandsvorsitzenden eines anderen Unternehmens, Werner M&uuml;ller, den Vorsitz des Aufsichtsrates und einer Reihe von Vertretern der Wirtschaft die Mehrheit der Sitze &uuml;berlassen. Die Bundesregierung l&auml;sst den Vorstandsvorsitzenden Mehdorn weit &uuml;ber das Ma&szlig; hinaus gew&auml;hren, das bei hundertprozentigen Eigent&uuml;mern &uuml;blich ist: Mehdorn kauft weltweit andere Unternehmen ein, Mehdorn, also der Vorstand eines Unternehmens im &ouml;ffentlichen Besitz, macht Propaganda und Lobbyarbeit f&uuml;r den Verkauf des Unternehmens an Private. Und man l&auml;sst ihn gew&auml;hren.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung hat bei der Deutschen Post AG, bei der Postbank AG und bei der Deutschen Telekom AG ihrer Verantwortung als Mehrheitsgesellschafter beziehungsweise Hauptaktion&auml;r nicht entsprochen. 4,5 % der deutschen Telekom hat sie an eine US-amerikanische Heuschrecke verkauft, an Blackstone, und diesem Finanzunternehmen auch noch die Bestimmung des neuen Vorstandsvorsitzenden Obermann &uuml;berlassen.<\/li>\n<li>Die vor kurzem erlassenen Bestimmungen (Soffin-Gesetz) &uuml;ber die Hilfe f&uuml;r die Banken insgesamt sind nach dem gleichen Muster gestrickt: es gibt &ouml;ffentliches Geld, die Steuerzahler werden mit Milliarden belastet, und dennoch wird die Entscheidungsgewalt auf eine ausgelagerte Einrichtung, den Finanzmarkt-Stabilisierung-Fonds (Soffin) verlagert, dessen Personal keinem Parlament Rechenschaft schuldet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es liegt also auf der Linie bisheriger Vorg&auml;nge, dass die Bundesregierung den &ouml;ffentlichen Einfluss bei Unternehmen im Staatseigentum freiwillig abtritt und auch bei massiver staatlicher Hilfe auf Einfluss verzichtet und diesen Verzicht auch noch als eine Tugend heraus streicht. Sie wird &uuml;brigens daf&uuml;r von einigen Medien und unter anderem auch vom F&uuml;hrer einer Oppositionspartei, von Parteichef Guido Westerwelle, ausdr&uuml;cklich gepriesen. Er lobt das Verfahren zur Rettung der Commerzbank als &bdquo;rein marktwirtschaftlich&ldquo;. An solchen absurden Einlassungen wird &uuml;brigens besonders sichtbar, dass es bei diesen Vorg&auml;ngen und bei der Enthaltung des Staates auf Einflussnahme nicht mit rechten Dingen zugeht.<br>\nF&uuml;r die Enthaltung auf Einflussnahme gibt es keine sachlichen Gr&uuml;nde. Dass es dennoch so geschieht, kann die folgenden Hintergr&uuml;nde haben: Die Bundesregierung und ihre Vertreter glauben wirklich, es w&auml;re das Beste, man w&uuml;rde es auch bei solchen Rettungsaktionen den Gestrandeten alleine &uuml;berlassen, sich zurechtzufinden. Oder: die handelnden Personen der Politik und bei der Finanzindustrie sind schon so verflochten, dass sie ihre Interessen nicht mehr auseinanderhalten k&ouml;nnen, die Politik jedenfalls der Finanzwirtschaft gef&auml;llig zu Diensten ist.<\/p>\n<p>Eines wird dabei auch klar: es ist bei den zurzeit geltenden politischen Konstellationen nahezu gleichg&uuml;ltig, ob ein Unternehmen in privater oder in &ouml;ffentlicher Regie betrieben wird. Auch wenn die zurzeit politisch verantwortlichen Personen den Einfluss des &ouml;ffentlichen Eigent&uuml;mers auf Unternehmen aus&uuml;ben w&uuml;rden, k&auml;me auch nichts anderes heraus. Die Vertreter des &ouml;ffentlichen Eigent&uuml;mers denken offensichtlich nicht in anderen Kategorien. Zumindest gilt das f&uuml;r die heute Gew&auml;hlten. Das kann sich &auml;ndern.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die gro&szlig;z&uuml;gige &Uuml;bernahme von Lasten der Finanzindustrie auf die Allgemeinheit beziehungsweise die &Uuml;berlassung besonderer Vorteile ist nichts neues.<\/strong><br>\nIn den NachDenkSeiten konnten Sie schon vieles dazu lesen. Deshalb sind Wiederholungen nicht vermeidbar: die &Uuml;berlassung der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken f&uuml;r einen Appel und ein Ei, die &Uuml;bernahme des Anteils der Allianz AG und der M&uuml;nchner R&uuml;ck an der privaten Industriekreditbank (IKB), um deren Schw&auml;chen man offenbar ahnte, durch die &ouml;ffentliche Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau, die Rettung der IKB mit 10 Milliarden, die Rettung der HRE mit zun&auml;chst 50 Milliarden und vermutlich bis 100 Milliarden, &uuml;berhaupt der gro&szlig;z&uuml;gige Rettungsschirm von bis 500 Milliarden, w&auml;hrend man um jede Milliarde zur Verbesserung &ouml;ffentlicher Leistungen und zur Rettung von Arbeitspl&auml;tzen in anderen Bereichen unserer Volkswirtschaft streiten muss. Besonders sichtbar wird das an der Person des heutigen Bundesfinanzministers Steinbr&uuml;ck. Er hat die Gesetze zu Gunsten der Finanzindustrie ver&auml;ndert und ohne Zucken die Milliarden bereitgestellt, aber er ist bis heute nicht bereit, offensiv f&uuml;r konjunkturpolitische und besch&auml;ftigungspolitische Aktionen der Bundesregierung einzutreten. Sein Herz schl&auml;gt offenbar f&uuml;r die Finanzindustrie. Sachlich ist das nicht gerechtfertigt.<\/li>\n<li><strong>Rollentausch zwischen Finanzwirtschaft und Politik. Und die Medien spielen mit.<\/strong><br>\nSteinbr&uuml;ck ist auch der Spieler in einem besonderen Spiel, dem Spiel zur verf&auml;lschten &ouml;ffentlichen Wahrnehmung der Verantwortung f&uuml;r die Finanzkrise. Die Fakten sind klar: die Banken haben sich verspekuliert, sie haben bei der Jagd nach hohen Renditen nicht mehr auf die Risiken geschaut und sitzen deshalb auf faulen Krediten. \n<p>Sie geh&ouml;ren eigentlich auf die Anklagebank, ihre Vertreter geh&ouml;ren eigentlich vor den Staatsanwalt und auf jeden Fall vor die T&uuml;r gesetzt. Aber das Spiel l&auml;uft ganz anders: die Josef Ackermanns von der Deutschen Bank, die Dieckmanns von der Allianz oder die Klaus-Peter M&uuml;llers und Webers vom Bankenverband und wie sie alle hei&szlig;en in der Bank- und Versicherungswirtschaft treten auf wie die Kings. Sie erscheinen nicht als Bittsteller, obwohl sie schon reihenweise Milliarden kassiert haben und weitere kassieren wollen. Merkel und Steinbr&uuml;ck aber haben sich in die Rolle der Bittsteller begeben. Sie haben die Banken angefleht, doch endlich die Milliarden der Steuerzahler entgegenzunehmen und sich unter den Schirm des &ouml;ffentlichen Schutzes zu begeben.<\/p>\n<p>Das war ein Meisterst&uuml;ck an Stimmungsmache. Es hat voll funktioniert. Die Banken und Versicherungen kamen runter von der Anklagebank und schl&uuml;pften in die Rolle von G&ouml;nnern. <\/p>\n<p>Ohne die Unterst&uuml;tzung der Politik und der Medien w&auml;re es in dieser Weise nicht gelungen. Bei den Medien w&auml;chst zwar jetzt angesichts der Ungereimtheiten im Falle der &Uuml;bernahme der Dresdner durch die Commerzbank und angesichts des mageren 25 % Anteils des Bundes an der Commerzbank der kritische Unterton. Aber die Mehrheit der Medien hatte und hat die Dominanz und die Arroganz der Finanzindustrie bewundert und gef&ouml;rdert. Bis in diese Tage.<\/p>\n<p>Am 8. Januar 2009 erschien bei Spiegel Online ein Artikel, der so beginnt:<\/p>\n<blockquote><p><strong>KREDITKRISE<br>\nFinanzbranche fordert rettende &ldquo;Bad Bank&rdquo;<\/strong><br>\nDie deutsche Finanzwirtschaft fordert Anpassungen beim Rettungsfonds f&uuml;r die Branche. Dringend n&ouml;tig sei eine sogenannte Bad Bank, die faule Wertpapiere aus den Bankbilanzen &uuml;bernehmen und bis zur F&auml;lligkeit halten k&ouml;nnte, sagte der Vize-Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Bundesverbands deutscher Banken, Hans-Joachim Massenberg.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-600122,00.html\">SPIEGEL<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Beitrag kommt siebenmal das Wort &bdquo;fordern&ldquo; vor. Die Finanzindustrie <strong>bittet<\/strong> uns nicht, eine so genannte Bad Bank zu gr&uuml;nden, bei der die Banken und Versicherungen ihre faulen Forderungen abladen k&ouml;nnen und die wir als Steuerzahler absichern m&uuml;ssen, sie schl&auml;gt uns dies nicht vor, sie fordert.<br>\nSie m&ouml;gen das f&uuml;r harmlos halten, ich halte diesen Sprachgebrauch f&uuml;r typisch und f&uuml;r ein tolles St&uuml;ck. Denn der Sprachgebrauch ist nicht harmlos, er hat Wirkung.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Politik besorgt neues Futter f&uuml;r die Finanzwirtschaft<\/strong><br>\nDie hohen Renditen der Finanzindustrie und dort vor allem im Investmentbanking sind bisher auch dadurch m&ouml;glich geworden, dass immer neues Material f&uuml;r lukrative Transaktionen bereit gestellt worden ist. Eine hervorragende Quelle ist die Privatisierung. Jeder B&ouml;rsengang, jede Privatisierung eines &ouml;ffentlichen Unternehmen auf Bundes, auf Landes und auf kommunaler Ebene macht einen Rattenschwanz von Unternehmen und Personen zu Profiteuren. Die Banken, die die Unternehmen zur B&ouml;rse bringen sind die Hauptprofiteure. Sie haben breite Unterst&uuml;tzung bei den B&ouml;rsen, bei den Brokern, bei den Analysten, bei den Anw&auml;lten und bei den Medien. Alle profitieren und deshalb dr&auml;ngen alle auf immer neue Privatisierungen. Bei dem geplanten B&ouml;rsengang der Deutschen Bahn konnte man den Wahnsinn mit am besten studieren. Es gab n&auml;mlich sachlich keine Gr&uuml;nde daf&uuml;r. Siehe unter anderem die <a href=\"?p=2686\">Einlassungen des CDU Abgeordneten K&ouml;nigshofen<\/a>. Aber die Politik machte dennoch weiter bis zum Ausbruch der Finanzkrise.<\/li>\n<li><strong>Die Steuervermeidung &uuml;ber Steueroasen hat der Finanzminister wissend geduldet<\/strong><br>\nReihum haben deutsche Banken und auch &ouml;ffentliche Banken wie die Landesbanken Filialen in Steueroasen und anderen Regionen und St&auml;dten gehabt, die der Steuervermeidung in Deutschland dienen. In Irland, in der Schweiz, in Liechtenstein, in Luxemburg, auf den Kanalinseln usw.<br>\nWas haben unsere Finanzminister unternommen, um diesem Treiben ein Ende zu setzen?<\/li>\n<\/ol><p><strong>Politik und Finanzindustrie stecken unter einer Decke. Das ist eine ernste Situation. Machen wir die Verfilzung endlich zu einem gro&szlig;en Thema. Nur dann haben wir &uuml;berhaupt eine Chance zu verhindern, dass einfach so weitergemacht wird wie bisher. Bisher ist es n&auml;mlich so. Die Banken verkaufen weiter riskante Papiere; wir Steuerzahler zahlen und gewinnen keine Mitsprache. Bisher funktioniert das System demokratischer Sanktionen gegen die Verantwortlichen auch nicht andeutungsweise. Die Beeinflussung durch Medien, durch die Lobby der Finanzindustrie und die Politik selbst ist offensichtlich so massiv und so wirksam, dass die Mehrheit des Volkes die Brandstifter f&uuml;r Feuerwehrleute h&auml;lt.<\/strong><\/p><p><strong>Hinweis:<\/strong> Lesen Sie dazu auch den ersten Teil <a href=\"?p=3689\">&ldquo;Den Kapitalmarkt effizienter organisieren &ndash; Konversion ist angesagt (Teil I)&rdquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medien helfen meist mit, den Skandal unter der Decke zu halten. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen. Eine aktuelle Ausnahme: Selbst der Vorstandsvorsitzende der Springer AG, Mathias D&ouml;pfner, wundert sich und kritisiert, dass wir Steuerzahler mit den Milliarden f&uuml;r die Commerzbank-Rettung die <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article3004599\/So-werden-mit-Steuergeld-Arbeitsplaetze-vernichtet.html\">&bdquo;Zockerschulden der Bank begleichen&ldquo;<\/a>. Die Linkspartei prangere diese Enteignung der B&uuml;rger zu Recht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3698\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,41],"tags":[223,241,263,272,273,271,253],"class_list":["post-3698","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-medienanalyse","tag-bad-bank","tag-bankenrettung","tag-commerzbank","tag-eichel-hans","tag-privatvorsorge","tag-springer","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3698","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3698"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3698\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20038,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3698\/revisions\/20038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}