{"id":3703,"date":"2009-01-14T17:14:06","date_gmt":"2009-01-14T16:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3703"},"modified":"2014-01-23T09:46:20","modified_gmt":"2014-01-23T08:46:20","slug":"wie-phoenix-aus-der-asche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3703","title":{"rendered":"Wie Ph\u00f6nix aus der Asche"},"content":{"rendered":"<p>10 Milliarden f&uuml;r die IKB, 50 Milliarden f&uuml;r die HRE, die Milliarden f&uuml;r die Landesbanken nicht zu vergessen, 18 Milliarden f&uuml;r die Commerzbank, einen rund 500 Milliarden umfassenden Banken-Rettungsschirm, 100 Milliarden B&uuml;rgschaften f&uuml;r den &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;, angeblich 30 Milliarden f&uuml;r das schon vergessene Konjunkturpaket I und 50 Milliarden f&uuml;r ein Konjunkturpaket II. Letzteres ein Sammelsurium aus (f&uuml;r den Einzelnen minimalen) Steuer- und Abgabenentlastungen, Zusch&uuml;ssen f&uuml;r den Kauf selbst von neuen Spritfressern, einmalige Zusch&uuml;sse f&uuml;r Familien mit Kindern und ein viel zu kleines Investitionsprogramm.<br>\nEine Regierung, die bis vor kurzem Haushaltskonsolidierung und einen ausgeglichenen Haushalt wie eine Heiligenstatue vor sich hertrug, l&auml;dt dem Haushalt innerhalb weniger Wochen mehr Schulden und B&uuml;rgschafts- und Kreditrisiken auf als &uuml;ber die 18 Jahre einer falschen Finanzierung der Einheit &ndash; und daf&uuml;r wurde immerhin noch der Solidarit&auml;tszuschlag abverlangt. Jetzt werden die Einkommenssteuern auch noch f&uuml;r die, die es nicht n&ouml;tig haben, gesenkt, also Steuersenkungen f&uuml;r alle auf Pump. Wozu das alles? Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Um der weltweiten Krise entgegenzuwirken&ldquo;, sagte die Kanzlerin in der ZDF-Sendung &bdquo;Was nun?&ldquo;. &bdquo;Arbeit f&uuml;r die Menschen ist das, was uns leitet&ldquo; tremoliert Angela Merkel &ndash; wie bei nahezu jeder Entscheidung der Regierung. Urpl&ouml;tzlich h&auml;tten wir eine &bdquo;v&ouml;llig ge&auml;nderte Ausgangslage&ldquo;, die weder &bdquo;Deutschland oder Europa hervorgerufen&ldquo; h&auml;tten. Wir h&auml;tten &bdquo;Exzesse der Marktwirtschaft&ldquo; erlebt, die mit unserer sozialen Marktwirtschaft nichts, aber rein gar nichts zu tun h&auml;tten.<\/p><p>Dieses Abwiegeln ist nichts anderes als der alte billige Trick von Taschendieben, n&auml;mlich der Ruf &bdquo;Haltet den Dieb!&ldquo; Und die Meute rennt tats&auml;chlich hinterher. Wir sind unschuldig, die anderen sind schuld, so wird mit dem Zeigefinger auf die anderen gezeigt, und verleugnet dabei, dass drei Finger auf die Mitverantwortlichen zeigen. Schuld seien diejenigen, die die Grunds&auml;tze der &bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo; zuvor nicht eingehalten h&auml;tten, sagt Merkel, und erkl&auml;rt das &bdquo;Anschreiben lassen&ldquo; pl&ouml;tzlich zur schw&auml;bischen Hausfrauentugend.<\/p><p>Die deutschen Banken sind an der Finanzkrise nicht mitschuldig, die Wirtschafts-&bdquo;Experten&ldquo; nicht, die Medien nicht und die deutsche Politik schon gar nicht. Angela Merkel spielt die &bdquo;Jeanne d`Arc&ldquo; gegen den von drau&szlig;en eingedrungenen b&ouml;sen Feind. Die Bundesregierung stellt sich in die Pose der Retterin in der Not, die schon immer alles richtig gemacht hat. <\/p><p>Doch diese Pose ist bestenfalls eine Posse. Diese wird der Bev&ouml;lkerung derzeit vorgespielt und es hat den Anschein, dass eine Mehrheit der Menschen darauf hereinf&auml;llt. Schon bei der Hessen-Wahl werden wir das erleben.<\/p><p>Roland Koch wird nach aller Voraussicht wiedergew&auml;hlt werden und gar noch mit den radikalsten Deregulierern, der FDP, munter weiterregieren und weitermachen wie bisher. Koch gibt im Wahlkampf den Helden f&uuml;r &bdquo;wirtschaftliche Stabilit&auml;t&ldquo; ab. Kaum jemand erinnert ihn noch daran, dass er sich bis vor wenigen Monaten noch als der wirtschaftspolitische Hardliner sogar innerhalb der Union in Szene setzte. Ihm konnte gar nicht genug dereguliert, privatisiert oder entstaatlicht werden konnte. Er spielte den obersten politischen Lobbyisten f&uuml;r seinen Frankfurter Bankenplatz und f&uuml;r die &bdquo;Entfesselung&ldquo; der Finanzm&auml;rkte. Er h&auml;tte noch vor ganz kurzer Zeit noch jeden als verkappten SED-Funktion&auml;r beschimpft, der &uuml;ber die Verstaatlichung der Commerzbank auch nur nachgedacht h&auml;tte.<\/p><p>Alles was war, ist nicht mehr wahr. Wie Ph&ouml;nix aus der Asche steigt der neue Koch als Sonnengott empor. <\/p><p>Man k&ouml;nnte meinen, die Hessen, ja unsere gesamte Bev&ouml;lkerung litte unter einem kollektiven Ged&auml;chtnisverlust. Kaum einer erinnert sich an die fr&uuml;heren Parolen und vor allem an die Taten zur Liberalisierung des Finanzmarktes. Kaum jemand denkt noch daran, wie l&auml;cherlich die Sparpolitik der Agenda 2010 oder der Hartz-Reformen gegen&uuml;ber den Finanzlasten zur angeblichen Verhinderung eines Banken-Crashs wirken m&uuml;ssen.<\/p><p>Ist die Aufkl&auml;rung, ist der Appell an die Vernunft und an den Verstand der Menschen ein gescheiterter Menschheitstraum? Funktioniert Demokratie, die doch auf die M&ouml;glichkeit der Abwahl von versagenden Regierungen setzt, nicht mehr?<\/p><p>Wenn man erleben muss, wie die Bundesregierung oder wie Roland Koch und viele andere Wendeh&auml;lse, die die gegenw&auml;rtige Krise mit herbeigef&uuml;hrt oder wenigstens zugelassen, in jedem Falle aber mit zu verantworten haben, sich jetzt aus dieser Verantwortung heraus stehlen und sich sogar noch als Retter in der Not darstellen k&ouml;nnen, dann k&ouml;nnte man in der Tat an Vernunft und Demokratie zweifeln.<\/p><p>Doch was bleibt den Menschen, wenn sie nicht verzweifeln wollen, anderes als Gef&uuml;hle der Ohnmacht, der Unsicherheit, der Resignation und bei manchen noch Wut. In Hessen werden am Sonntag noch weniger Wahlberechtigte zur Wahl gehen als zuvor. Das wird allerdings Roland Koch nicht hindern, sich am Wahlabend als den gro&szlig;en Sieger feiern zu lassen.<\/p><p>Was bleibt den W&auml;hlern, die noch zur Wahlurne gehen &uuml;brig, als sich auf die zu verlassen, die das Sagen haben, zumal in fast jeder Nachricht und in fast jedem Kommentar der Medien gesagt wird, dass das, was sie sagen, richtig ist. Was bleibt ihnen, wo es kaum noch eine Opposition gibt und vor allem, wo jede Alternative oder jeder Hinweis auf das vorausgegangene Versagen geradezu verteufelt wird. <\/p><p>Wir haben auf die Funktions- und Wirkweisen der Meinungsbeeinflussung auf den NachDenkSeiten oft genug hingewiesen. Das Denken der Menschen wird eben von gesellschaftlichen Strukturen gepr&auml;gt (Bourdieu) und die Netzwerke m&auml;chtiger Interessen sind m&auml;chtiger als der Verstand und die Erfahrung vieler Einzelnen. Man muss schon froh sein, wenn die an den Rand Gedr&auml;ngten nicht den braunen Rattenf&auml;ngern nachlaufen, die die Aggression und den Hass auf ihre Misere auf Minderheiten lenken.<\/p><p>Die Zahl der K&ouml;pfe ist leider zu rar, die Gegen&ouml;ffentlichkeit nicht h&ouml;rbar genug und diejenigen politischen Kr&auml;fte sind (noch) zu schwach, die mehr Menschen aus ihrer Ohnmacht befreien, die ihnen den Missbrauch ihres Vertrauens vor Augen f&uuml;hren k&ouml;nnten, die sie wenigstens wieder daran zweifeln lassen w&uuml;rden, was ihnen t&auml;glich sprichw&ouml;rtlich vorgegaukelt wird. <\/p><p>Es bleibt eigentlich nur der Appell an unsere Leserinnen und Leser, sich weiter ihres Ged&auml;chtnisses und ihres kritischen Verstandes zu bedienen und sich nicht auch noch auszuklinken oder in Resignation zu verfallen.<\/p><p>Sie, liebe Leserinnen und Leser k&ouml;nnen sich jedenfalls zugute halten, dass Sie richtig lagen, als Sie den neoliberalen Versprechungen keinen Glauben schenkten. Sie k&ouml;nnen sich darin best&auml;tigt f&uuml;hlen, dass Markt ohne Regeln, in die Katastrophe f&uuml;hrt, weil der Markt allein wertblind ist und unregulierter Wettbewerb nur von den St&auml;rksten und Skrupellosesten missbraucht wird.<\/p><p>Gerade weil Sie sich durch die derzeitige Krise in Ihrer Kritik best&auml;tigt f&uuml;hlen k&ouml;nnen, weil Sie die bisherigen Rezepte nicht f&uuml;r wirksam hielten, sollten Sie sich auch k&uuml;nftig Ihres eigenen Verstandes bedienen. Und wenn Sie in Hessen leben, sollten Sie nicht die sprichw&ouml;rtlichen &bdquo;blinden&ldquo; Hessen abgeben, sondern w&auml;hlen gehen und Ihre Stimme so abgeben, damit wir nicht am Wahlabend einen strahlenden Roland Koch erleben m&uuml;ssen, der durch eine geringe Wahlbeteiligung als der gro&szlig;e Gewinner einer &bdquo;Mehrheit&ldquo; vor den Kameras posieren kann.<\/p><p>Das ist das Wenige, was Sie am Wahltag tun k&ouml;nnen. Aber es w&auml;re immerhin etwas.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10 Milliarden f&uuml;r die IKB, 50 Milliarden f&uuml;r die HRE, die Milliarden f&uuml;r die Landesbanken nicht zu vergessen, 18 Milliarden f&uuml;r die Commerzbank, einen rund 500 Milliarden umfassenden Banken-Rettungsschirm, 100 Milliarden B&uuml;rgschaften f&uuml;r den &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;, angeblich 30 Milliarden f&uuml;r das schon vergessene Konjunkturpaket I und 50 Milliarden f&uuml;r ein Konjunkturpaket II. 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