{"id":37052,"date":"2017-02-16T13:53:42","date_gmt":"2017-02-16T12:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37052"},"modified":"2017-02-20T09:36:40","modified_gmt":"2017-02-20T08:36:40","slug":"muenchen-unterwirft-sich-microsoft-laptop-und-lederhose-passen-doch-nicht-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37052","title":{"rendered":"M\u00fcnchen unterwirft sich Microsoft \u2013 Laptop und Lederhose passen doch nicht zusammen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170216_limux.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>2003 entschied sich die Stadt M&uuml;nchen, der Software des Monopolisten Microsoft &bdquo;Servus&ldquo; zu sagen und in Eigenregie eine &ndash; zumindest in diesem Ma&szlig;stab &ndash; noch nie dagewesene Alternative zu entwickeln. Zehn Jahre sp&auml;ter war die Umstellung auf LiMux, ein eigens auf die M&uuml;nchner Bed&uuml;rfnisse umgesetztes Linux-System, abgeschlossen. Dann kam es zu einem Wechsel im Rathaus. Christian Ude ging und der &bdquo;Microsoft-Freund&ldquo; Dieter Reiter &uuml;bernahm. Kaum war Reiter im Amt, schossen er und sein Koalitionspartner von der CSU substanzlos, aber scharf gegen LiMux. Was folgte, war ein abgekartetes Spiel: Ein Microsoft nahestehendes Beratungsunternehmen lieferte die Vorlage und SPD und CSU versetzten dem Pinguin den Todessto&szlig;. Gestern <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Aus-fuer-LiMux-Muenchner-Stadtrat-sagt-zum-Pinguin-leise-Servus-3626623.html\">beschloss der Stadtrat<\/a> das endg&uuml;ltige Aus f&uuml;r die freie Software im kommunalen Einsatz. Dieser Entscheid hat jedoch ein Gschm&auml;ckle. Erst vor kurzem er&ouml;ffnete der M&uuml;nchner OB Reiter die neue Europazentrale von Microsoft im M&uuml;nchner Stadtteil Schwabing. Welche Verg&uuml;nstigungen die M&uuml;nchner Polit-Schickeria sonst noch bekommen hat, ist (noch) unbekannt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7701\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37052-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37052-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170216_Muenchen_unterwirft_sich_Microsoft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Drei wichtige Gr&uuml;nde f&uuml;r Linux<\/strong><\/p><p>Der Einsatz propriet&auml;rer, also geschlossener und unfreier Software im &ouml;ffentlichen Sektor ist schon seit langem ein wichtiges Thema, dem in der &ouml;ffentlichen Debatte kaum Bedeutung zugemessen wird. Und dabei geht es nicht &bdquo;nur&ldquo; um das viele Steuergeld, das Jahr f&uuml;r Jahr &uuml;ber die Lizenz- und Nutzungsgeb&uuml;hren an Unternehmen wie Microsoft flie&szlig;t. Sp&auml;testens seit Edward Snowden ist auch bekannt, dass die US-Dienste wie selbstverst&auml;ndlich Zugang zu IT-Systemen haben, auf denen die Software von Microsoft l&auml;uft. Da k&ouml;nnen wir unsere Steuererkl&auml;rung auch gleich nach Fort Meade schicken. Dabei gibt es sehr wohl ausgereifte Alternativen zu Microsoft, die nicht nur im Sinne des Datenschutzes vorzuziehen sind. <\/p><p>Eines der Hauptprobleme der Microsoft-Software ist es n&auml;mlich, dass sie vergleichsweise hardwarehungrig ist. So verlangt das 2009 erschienene und im Unternehmenseinsatz am weitesten verbreitete Betriebssystem Microsoft Windows 7 in der 64bit-Version mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und einen Prozessor mit mehr als einem Gigahertz Taktfrequenz. Wor&uuml;ber heute wohl jeder Heimanwender lachen w&uuml;rde, war in M&uuml;nchen damals ein echtes Problem. Seinerzeit hatten mehr als die H&auml;lfte aller M&uuml;nchner IT-Arbeitspl&auml;tze weniger als 500 MHz Rechenpower und nur wenige Rechner mehr als 256 MB Arbeitsspeicher. Der gro&szlig;e Vorteil an Linux ist, dass es auf diesen eigentlich schon lange abgeschriebenen Maschinen in der Regel fl&uuml;ssig l&auml;uft und damit teure Re-Investitionen vermeidet, die ja nach den &bdquo;Innovationszyklen&ldquo; von Microsoft und Intel alle zwei bis drei Jahre erneuert werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Ein dritter entscheidender Grund ist die technologische Entwicklung des Standortes Deutschland. Microsoft, Apple, Intel, Google, Facebook, Amazon &hellip; man k&ouml;nnte diese Liste m&uuml;helos verl&auml;ngern; all diese Unternehmen sind US-Unternehmen. Deutschland und sogar die EU haben bei den Informationstechnologien zumindest im gro&szlig;en Ma&szlig;stab den Anschluss verloren. Es ist daher alleine schon im Sinne einer strategischen Wirtschaftspolitik zwingend n&ouml;tig, nationale bzw. europ&auml;ische Alternativen zu den US-Produkten zu entwickeln und sich aus der vorhandenen Abh&auml;ngigkeit zu befreien. W&uuml;rde ein Drittstaat das uneingeschr&auml;nkte Monopol auf andere strategische G&uuml;ter, wie z.B. Erd&ouml;l oder seltene Erden, haben, h&auml;tten wir schon l&auml;ngst einen langfristigen Ma&szlig;nahmenplan, wie man sich aus der Abh&auml;ngigkeit befreien k&ouml;nnte. Bei der IT-Technologie, die zweifelsohne die entscheidende Zukunftstechnologie ist, sieht dies jedoch anders aus. Und dabei zeigt gerade das Beispiel Linux, wie es anderes gehen kann.<\/p><p>Linux ist nicht nur als Software, sondern auch als Idee, eine sinnvolle Alternative zu Microsoft und Co. Linux ist quelloffen, jedermann kann sich die Codezeilen selbst anschauen, am Code mitarbeiten und auch m&ouml;gliche Sicherheitslecks erkennen. Es gibt keine Patente, keine Zwangsabgaben oder Lizenzgeb&uuml;hren. Niemand kann gegen den Willen der Nutzer einfach mal den Support beenden und die Kunden dadurch zwingen, sich neue Software und meist auch neue Hardware sowie externe Hilfe bei der Migration kaufen zu m&uuml;ssen. Und last but not least ist Linux weit mehr als &bdquo;nur&ldquo; ein Betriebssystem f&uuml;r Arbeitsplatzrechner. Linux werkelt unter der Haube von Autos, Unterhaltungselektronik und Kommunikationselektronik. Auf den allermeisten Smartphones l&auml;uft beispielsweise Android, ein von Google umgeschriebenes Betriebssystem auf Linux-Basis. Und bei den Rechnern, die das R&uuml;ckgrat des Internets bilden, hat Linux einen Marktanteil von mehr als zwei Dritteln. F&uuml;r den IT-Standort Deutschland w&auml;re es also durchaus sinnvoll, sich nicht von Microsoft und Co. abh&auml;ngig zu machen, sondern auf Linux zu setzen und sowohl in der Ausbildung als auch in der Forschung und Entwicklung auf diesem Feld neue Wege zu beschreiten.<\/p><p><strong>M&uuml;nchen als Vorreiter<\/strong><\/p><p>Vor nunmehr 14 Jahren war die Stadt M&uuml;nchen ein Vorreiter, auf den man stolz sein konnte. Als erste europ&auml;ische Gro&szlig;stadt widerstand die bayerische Landeshauptstadt dem massiven Lobbydruck von Microsoft und entschied sich 2003, einen Gro&szlig;teil der st&auml;dtischen IT-Arbeitspl&auml;tze auf das Linux-Betriebssystem und freie B&uuml;rosoftware aus dem Open-Office-Paket umzustellen. Die Migration von Windows auf Linux erwies sich &ndash; Fachkreisen zufolge &ndash; als voller Erfolg. Fast genau 10 Jahre nach Projektbeginn <a href=\"http:\/\/www.linux-magazin.de\/NEWS\/Auf-den-Punkt-10-Jahre-Limux-ist-fertig\">meldete die Beh&ouml;rde Vollzug<\/a>. Neben 14.000 umgestellten Arbeitspl&auml;tzen wurden unter anderem 10.000 Vorlagen erstellt und 130 Makros f&uuml;r den t&auml;glichen Einsatz programmiert.<\/p><p>Der Teufel steckte jedoch auch in M&uuml;nchen wie so oft im Detail. In einer Welt, in der die meisten Heimanwender Microsofts Excel als Datenbankanwendung &bdquo;nutzen&ldquo;, mit Word Tabellen und mit Powerpoint Zeichnungen &bdquo;erstellen&ldquo;, ist der Austausch von Daten mit der Au&szlig;enwelt nat&uuml;rlich ein echtes Problem, das jedoch weit &uuml;ber die &bdquo;Systemfrage&ldquo; hinausgeht. Da kann es dann nat&uuml;rlich sein, dass ein Finanzbeamter aus M&uuml;nchen Probleme hat, auf die &bdquo;Excel-Tapete&ldquo; seines Kollegen aus Ingolstadt zuzugreifen. Diese Probleme hat er jedoch unabh&auml;ngig davon, ob er nun LiMux oder Windows 7 verwendet. <\/p><p>Das eigentliche Problem steckt tiefer und liegt in der Verantwortung von Microsoft. Die Software von Microsoft ist zwar theoretisch in der Lage, auch auf Basis von offenen Dateiformaten zu arbeiten. Das geht in der Praxis aber nur dann, wenn die Mitarbeiter genau darauf geschult werden und auch mit offenen Formaten arbeiten. Dies geschieht jedoch so gut wie nie und Microsoft tut sein &uuml;briges, um die Nutzer dazu zu verleiten, Dokumente zu erstellen, die nicht offen und mit anderer Software voll kompatibel sind. Aber auch hier gilt: Das Problem liegt nicht bei LiMux, sondern bei Microsoft. Ich kann als B&uuml;rger nicht davon ausgehen, dass &bdquo;mein&ldquo; Bauamt &uuml;ber die teure Software verf&uuml;gt, das neueste Adobe-Photoshop-Format mit all seinen Features zu bearbeiten, also schicke ich Skizzen zu einem Bauantrag im PDF-Format. Andere Formate w&uuml;rde das Bauamt sicher auch ablehnen. Warum m&uuml;ssen andere &Auml;mter dann aber Word-Dateien austauschen, die mit XML, VBA-Makros, eingebetteten Grafiken und Tabellen vollgestopft sind, deren Layout sofort &bdquo;zerschossen&ldquo; ist, wenn man nicht die gleiche exotische Schriftart besitzt, mit der das Dokument erstellt wurde? Es ist an der Zeit, hier abzur&uuml;sten und einen offenen Standard zu definieren. Hier w&auml;re es dann sinnvoll, ein quelloffenes Linux-Dateiformat als Standard zu nehmen. Und wenn Microsoft seinen Kunden ein solches Format nicht anbieten kann oder nicht anbieten will, dann ist dies kein Problem der Beh&ouml;rden, sondern ein Problem von Microsoft. In M&uuml;nchen wird dies jedoch vollkommen anders gesehen, wobei die &bdquo;Argumente&ldquo; wirklich l&auml;cherlich wirken.<\/p><p><strong>Der &bdquo;Microsoft-Fan&ldquo; wird B&uuml;rgermeister und alles &auml;ndert sich<\/strong><\/p><p>Der Umstieg von Microsoft auf LiMux war eines der Projekte des ehemaligen M&uuml;nchner Oberb&uuml;rgermeisters Christian Ude (SPD), der seinerzeit sogar dem Druck des Microsoft-Chefs Steve Ballmer widerstehen konnte, der wegen der M&uuml;nchner Wechselpl&auml;ne sogar eigens seinen Skiurlaub in der Schweiz <a href=\"http:\/\/usatoday30.usatoday.com\/money\/industries\/technology\/2003-07-13-microsoft-linux-munich_x.htm\">unterbrach<\/a>, um sich mit Ude zu treffen. Auf Ude folgte 2014 jedoch sein Parteifreund Dieter Reiter, der als bekennender &bdquo;<a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000003144506\/Bin-Microsoft-Fan-Muenchner-Buergermeister-kritisiert-Linux-in-Stadtverwaltung\">Microsoft-Fan<\/a>&ldquo; ganz eigene Vorstellungen hatte.<\/p><p>Es dauerte dann auch nicht lange, bis Reiter, der nach eigenen Worten von der Linux-Entscheidung seines Amtsvorg&auml;ngers &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.linux-magazin.de\/NEWS\/Microsoft-Fan-Muenchens-neuer-OB-Reiter-will-in-Sachen-Limux-neue-Loesung-finden\">&uuml;berrascht<\/a>&ldquo; war, anfing, gegen die freie Software zu wettern. Er selbst k&ouml;nne &bdquo;ein Lied davon singen&ldquo;, das &bdquo;Open-Source-Software gelegentlich den Microsoft-Anwendungen hinterher hinke&ldquo;. Nachdem die Umstellung von Reiters Mail-Account offenbar l&auml;nger gedauert hat, als er es sich w&uuml;nschte und dann auch noch der Mail-Server wegen eines Bugs am Wochenende ausfiel, ging Reiter in die Offensive. &bdquo;Es [k&ouml;nne] nicht sein, dass der Mailserver der Stadt M&uuml;nchen tagelang nicht erreichbar ist&ldquo;, so Reiter damals gegen&uuml;ber der AZ. Er k&ouml;nne &bdquo;mit der zweitbesten L&ouml;sung nicht zufrieden&ldquo; sein. Da stellt sich freilich die Frage, was ein Ausfall des Mailservers mit dem Desktop-Betriebssystem der Beh&ouml;rdenmitarbeiter zu tun hat? Die Antwort ist: Nichts. <\/p><p>Reiters &Auml;u&szlig;erungen zeigen vielmehr, dass er offenbar ziemlich inkompetent auf diesem Gebiet ist. Richtig ist, dass Microsoft fr&uuml;her einmal mit seinem &bdquo;Exchange Server&ldquo; einen Marktanteil von rund 80% hatte. Heutzutage liegt der Marktanteil von Microsoft bei den Mailservern <a href=\"http:\/\/www.securityspace.com\/s_survey\/data\/man.201701\/mxsurvey.html\">laut Marktforschungsanalysen<\/a> bei unter zwei Prozent. Es gibt kaum Server, die nicht auf Linux oder einem anderen Unix-Derivat laufen. Das gilt &uuml;brigens auch und vor allem f&uuml;r cloudbasierte L&ouml;sungen, die auf Gro&szlig;rechnern (Mainframes) laufen. Was Reiter meint, ist vielmehr der Teil der Software, den er pers&ouml;nlich zu Gesicht bekommt, der aber relativ unabh&auml;ngig von der Systemarchitektur im Hintergrund ist. Und dass man auf Linux selbstverst&auml;ndlich nutzerfreundliche Mail-Clients einbinden kann, versteht sich von selbst. Aber da der &bdquo;Microsoft-Fan&ldquo; Reiter sich offenbar nie mit anderen Systemen besch&auml;ftigt hat, kann er dies auch nicht wissen.<\/p><p>Als er den ersten Gegenwind bekam und die IT-Verantwortlichen der Stadt sich ihrerseits &uuml;ber ihren &bdquo;Chef&ldquo; wunderten, ruderte dieser zur&uuml;ck und ging erst einmal in Deckung. Daf&uuml;r lies er seinen Vize Josef Schmid (CSU) von der Leine, der dann ebenfalls kompetenzfreien &bdquo;Stuss&ldquo; zum Besten gab. &bdquo;Es [spr&auml;che] schlie&szlig;lich auch B&auml;nde, wenn f&uuml;r den OB und ihn erst ein externer Mailserver eingerichtet werden m&uuml;sse&ldquo;, damit der E-Mail-Verkehr auf den Smartphones der beiden Spitzenleute der Stadt &uuml;berhaupt funktioniert. &bdquo;Das [sei] nicht mehr zeitgem&auml;&szlig;&rdquo;. Freilich hat auch diese nichts, aber auch &uuml;berhaupt nichts, mit LiMux zu tun, sondern betrifft die Serverarchitektur hinter den Kulissen. Und auch hier funktioniert in M&uuml;nchen offenbar auch bei den Smartphones alles hervorragend. Der Mailserver (Linux) kommuniziert mit den Clients (Android, basierend auf Linux, und iOS, basierend auf Darwin, das wie Linux zur Unix-Familie geh&ouml;rt) problemlos. Dass die Einrichtung der B&uuml;rgermeister-Smartphones etwas l&auml;nger gedauert hat, lag laut der IT-Abteilung im M&uuml;nchner Rathaus vor allem an den Sicherheitsvorkehrungen. <\/p><p><strong>Die eigentlichen Probleme liegen ganz woanders<\/strong><\/p><p>IT-Systeme, die eierlegende Wollmilchs&auml;ue sind, gibt es nicht. Kein System ist abh&ouml;rsicher, 100% zuverl&auml;ssig, offen aufgesetzt, kostenlos und kinderleicht zu bedienen. Linux-Systeme bringen oft das Problem mit sich, dass die Nutzer &bdquo;von zu Hause&ldquo; ihr Windows kennen und verzweifeln, wenn sie diese oder jene Funktion nicht genau an dem Ort wiederfinden, an dem sie &bdquo;schon immer war&ldquo;. Die Probleme im IT-Bereich der M&uuml;nchner waren aber ganz anderer Art: Zum Einen nutzte die Stadt M&uuml;nchen LiMux auch daf&uuml;r, n&ouml;tige Investitionen in die Hardware aufzuschieben. Auch wenn LiMux auch auf Uraltrechnern l&auml;uft, gibt es nat&uuml;rlich andere Probleme, die mit alter Hardware zu tun haben. Man sollte hier jedoch auch nicht vergessen, dass es hier um Arbeitsplatz-Rechner geht; dass man mit alten &bdquo;Arbeitspferden&ldquo; vielleicht nicht immer die neuesten YouTube-Videos ruckelfrei in HD anschauen und die 4K-Urlaubsvideos vom iPhone &uuml;ber einen blitzschnellen Thunderbolt-Anschluss &uuml;bertragen kann, sollte daher auch verschmerzbar sein.<\/p><p>Neben den Klagen &uuml;ber die zu alte Hardware standen jedoch vor allem Klagen &uuml;ber die chaotischen Organisationsstrukturen ganz oben auf der Liste. Jedes Referat ist in M&uuml;nchen selbst f&uuml;r die IT-Organisation verantwortlich. Eine &uuml;bergeordnete Kompetenzstelle gibt es nicht. Stattdessen betreuen gleich drei Unternehmen die Stadt in IT-Fragen; nat&uuml;rlich auch ohne klare Trennung der Kompetenzen. Auch diese Probleme haben jedoch nicht mit der LiMux-Entscheidung zu tun und sind im besten Sinne hausgemacht.<\/p><p><strong>Eine Auftragsstudie und eine neue Microsoft-Zentrale<\/strong><\/p><p>Zu diesem Ergebnis kommt &uuml;berraschenderweise eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture, die OB Reiter in Auftrag gegeben hat. Alleine die Auftragsvergabe zeigt bereits, dass Reiter die &bdquo;Systemfrage&ldquo; nicht ergebnisoffen sieht. Accenture ist n&auml;mlich ein alter und guter Verb&uuml;ndeter von Microsoft. Zusammen betreibt man den IT-Dienstleister Avanade, der sich auf Gro&szlig;kunden spezialisiert hat und unter anderem die Stadt Frankfurt und das Land Rheinland-Pfalz mit Microsoft-Produkten und &ndash;Dienstleistungen betreut. Oder um es anders zu sagen: Accenture verdient mit Microsoft-Produkten sehr gutes Geld und ist ein guter Gesch&auml;ftspartner des Software-Giganten. Da w&auml;re es schon seltsam, wenn man der Stadt M&uuml;nchen raten w&uuml;rde, beim gef&auml;hrlichsten Konkurrenten zu bleiben. Die Vorw&uuml;rfe gegen LiMux sind jedoch so haneb&uuml;chen, dass selbst Accenture sich nicht durchringen konnte, einen direkten Wechsel zu Microsoft-Produkten zu empfehlen.<\/p><p>Dies alles st&ouml;rte den &bdquo;Microsoft-Fan&ldquo; Reiter jedoch nicht. Er setzte sich dennoch f&uuml;r einen Wechsel zu Microsoft ein. Ob dies vielleicht etwas damit zu tun hat, dass Microsoft erst vor wenigen Wochen mitten in Schwabing <a href=\"http:\/\/www.muenchen.de\/aktuell\/2016-10\/microsoft-zentrale-wird-eroeffnet.html\">seine neue Deutschland-Zentrale er&ouml;ffnet hat<\/a>? 1.900 Microsoft-Mitarbeiter sind schlie&szlig;lich f&uuml;r die Stadt M&uuml;nchen keine Kleinigkeit. Reiter kommentierte die Er&ouml;ffnung mit den Worten: &bdquo;M&uuml;nchen ist eine der f&uuml;hrenden IT-Metropolen Europas. Ein Ort, an dem Trends entstehen und gesellschaftliche Entwicklungen fr&uuml;hzeitig sichtbar werden.&ldquo; Und auch in diesem Punkt liegt er meilenweit daneben. Die Trends entstehen heute nicht in administrativen Zentralen der IT-Giganten, denen es vor allem um die Versilberung ihrer Lizenzen und die Verteidigung ihrer Monopole geht. Ein solcher Ort h&auml;tte M&uuml;nchen werden k&ouml;nnen, wenn die Stadtf&uuml;hrung nur die Gr&ouml;&szlig;e besessen h&auml;tte, den Verlockungen des Giganten zu widerstehen und auf echte Alternativen zu setzen.<\/p><p>Diese Alternativen werden entwickelt und es werden Kompetenz-Cluster in Europa entstehen. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Turin-steigt-von-Windows-XP-auf-Linux-um-2391613.html\">Zum Beispiel in Turin<\/a>, wo man 2014 auf Linux umgestiegen ist. Oder in Valenica und Toulouse, wo man ebenfalls mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Valencia-und-Toulouse-sparen-Millionen-mit-Open-Source-2269501.html\">auf Open Source umsteigt<\/a>. In Deutschland gehen die Uhren halt etwas langsamer. Laptop und Lederhose? Ein sch&ouml;nes Bild, das leider nicht der Realit&auml;t entspricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170216_limux.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>2003 entschied sich die Stadt M&uuml;nchen, der Software des Monopolisten Microsoft &bdquo;Servus&ldquo; zu sagen und in Eigenregie eine &ndash; zumindest in diesem Ma&szlig;stab &ndash; noch nie dagewesene Alternative zu entwickeln. Zehn Jahre sp&auml;ter war die Umstellung auf LiMux, ein eigens auf die M&uuml;nchner Bed&uuml;rfnisse<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37052\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,127,185],"tags":[2030],"class_list":["post-37052","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-staatsorgane","tag-microsoft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37052"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37052\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37089,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37052\/revisions\/37089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}