{"id":37062,"date":"2017-02-17T09:39:00","date_gmt":"2017-02-17T08:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37062"},"modified":"2019-01-04T12:20:55","modified_gmt":"2019-01-04T11:20:55","slug":"europa-nach-25-jahren-maastricht-gemeinsam-einsam-und-gespalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37062","title":{"rendered":"Europa \u2013 nach 25 Jahren Maastricht \u201egemeinsam einsam\u201c und gespalten"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Ohne einen massiven Kurswechsel droht Europa auseinanderzubrechen.&ldquo; &bdquo;Der komplette S&uuml;den ist mittlerweile sozi&ouml;konomisch vom europ&auml;ischen Traum abgeh&auml;ngt und die &ouml;stlichen Mitgliedsl&auml;nder verlieren immer mehr den Anschluss.&ldquo; Dies schrieb in der vergangenen Woche Jens Berger in seinem Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36966\">Europa &ndash; gemeinsam einsam<\/a>&ldquo;. Zugleich war in der vergangenen Woche auch der 25. Jahrestag der Unterzeichnung der Maastricht-Vertr&auml;ge. Beide Ereignisse h&auml;ngen zusammen. Denn der Euro hat Europa nicht den erhofften Wohlstand gebracht, sondern die Spaltung auf dem Kontinent vertieft. Die L&auml;nder S&uuml;deuropas verharren in einer &ouml;konomischen Dauerkrise, der gr&ouml;&szlig;te Profiteur dieser Entwicklung ist Deutschland. Grund genug, um noch einmal auf 25 Jahre Maastricht-Vertrag zur&uuml;ckzublicken. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37062#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2519\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37062-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37062-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170217_Europa_nach_25_Jahren_Maastricht_gespalten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Erstmals formuliert wurde die Idee einer gemeinsamen europ&auml;ischen W&auml;hrung im Delors-Bericht, den die damalige EG-Kommission im Fr&uuml;hjahr 1989 ver&ouml;ffentlichte. Darin war von einer Fixierung der Wechselkurse und der Einrichtung einer unabh&auml;ngigen Zentralbank die Rede. Im Dezember 1991 trafen sich dann in Maastricht zw&ouml;lf europ&auml;ische Regierungschefs, um den Einstieg in die Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion zu verhandeln. Zugleich wurde die Europ&auml;ische Gemeinschaft (EG) in Europ&auml;ische Union (EU) umfirmiert. Am 7. Februar 1992, also vor genau 25 Jahren, fand dann in Maastricht die Unterzeichnung der Vertr&auml;ge statt.<\/p><p>Ein weiterer Meilenstein hin zum Euro war der &bdquo;Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt&ldquo; aus dem Jahr 1997. Dieser hatte zum Ziel, die in Maastricht ausgehandelten Konvergenzkriterien abzusichern und durchzusetzen. Demnach durften sich bei den Beitrittskandidaten die Inflationsraten, Wechselkurse sowie die langfristigen Zinsen nur innerhalb gewisser Bandbreiten bewegen. Hinzu kamen die Haushaltskriterien, wonach das Defizit nicht &uuml;ber drei Prozent und die Staatsverschuldung nicht &uuml;ber 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen sollte. 1999 wurde dann in elf Staaten der Euro eingef&uuml;hrt, 2002 das Euro-Bargeld.<\/p><p><strong>Das Dilemma nimmt seinen Lauf<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle beginnt bereits das Dilemma. Das ganze Gebilde war eine rein monetaristische Konstruktion. Die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) sollte nach dem Vorbild der Bundesbank unabh&auml;ngig und ausschlie&szlig;lich dem Ziel der Preisniveaustabilit&auml;t verpflichtet sein. Die Architekten der W&auml;hrungsunion glaubten, dass sich die M&auml;rkte von selbst stabilisieren. Den Staat hielt man dagegen f&uuml;r das st&ouml;rende Element, in einer &uuml;berm&auml;&szlig;igen Staatsverschuldung sah man die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r die Preisniveaustabilit&auml;t. Deswegen hatte man die Haushaltskriterien als Dauerkriterium formuliert.<\/p><p>Doch es kam anders. Gegen die Haushaltskriterien wurde nahezu von Anfang an versto&szlig;en, kaum ein Mitgliedsland h&auml;lt sie heute noch ein, doch eine &uuml;berschie&szlig;ende Inflation ist weit und breit nicht in Sicht. Die durchschnittliche Inflationsrate des Euro liegt mit 1,7 Prozent sogar noch deutlich niedriger als zu Zeiten der Bundesbank. Damals waren es durchschnittlich 2,7 Prozent.<\/p><p><strong>Systemstabilit&auml;t wird zum Problem<\/strong><\/p><p>Anders als die Monetaristen dachten, sollte nicht die Inflation, sondern die Systemstabilit&auml;t zum Problem des Euro werden. 2008 brach die Finanzkrise aus, die Regierungen in Europa mussten die Banken retten und die Konjunktur st&uuml;tzen, die Staatsschulden schnellten dadurch in die H&ouml;he. 2010 kam dann heraus, dass Griechenland die Haushaltszahlen gesch&ouml;nt hatte und die tats&auml;chliche Verschuldung des Landes deutlich h&ouml;her lag.<\/p><p>Nachdem dann auch noch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2010 zusammen mit dem damaligen franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Nicolas Sarkozy am Strand von Deauville andeutete, dass im Falle der griechischen Schulden auch private Gl&auml;ubiger zur Kasse gebeten werden k&ouml;nnten, nahm die Euro-Krise ihren Lauf. &bdquo;Die M&auml;rkte&ldquo; begannen gegen einzelnen L&auml;nder zu spekulieren. Die anschlie&szlig;end von Br&uuml;ssel und Berlin verordnete Medizin hatte eine verheerende Wirkung. Die Austerit&auml;tsprogramme, mit denen man &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; milde stimmen wollte, st&uuml;rzten die europ&auml;ische Peripherie erneut in die Rezession. Im Sommer 2012 stand die W&auml;hrungsunion kurz vor dem Zusammenbruch. Erst EZB-Pr&auml;sident Mario Draghi beendete den Spuk, indem er die ber&uuml;hmten drei Worte &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tB2CM2ngpQg\">Whatever it takes<\/a>&ldquo; aussprach. <\/p><p><strong>Krise schwelt weiter<\/strong><\/p><p>Die Krise ist heute allerdings nicht ausgestanden, sondern nur von Rettungsschirmen, Rettungspaketen sowie der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB zugekleistert. Die wahren Ursachen, sprich die unterschiedliche St&auml;rke der einzelnen Volkswirtschaften und die damit verbundenen Handelsungleichgewichte sind nicht beseitigt. Im Gegenteil: Gerade erst hat Deutschland wieder einen neuen Rekordexport&uuml;berschuss f&uuml;r 2016 gemeldet.<\/p><p>Die hohen &Uuml;bersch&uuml;sse wiederum haben eine wesentliche Ursache in der deutschen Lohn- und Sozialpolitik der nuller Jahre. Nahezu zeitgleich mit dem Euro wurde hierzulande n&auml;mlich die Agenda 2010 eingef&uuml;hrt und damit Druck auf die L&ouml;hne ausge&uuml;bt. Im Laufe der Zeit hat man sich so einen Kostenvorteil von etwa 15 bis 25 Prozent gegen&uuml;ber anderen Euro-L&auml;ndern verschafft. Untern dem Strich hat Deutschland so die anderen Euro-L&auml;nder niederkonkurriert und seine Arbeitslosigkeit exportiert.<\/p><p><strong>Euroraum gespalten<\/strong><\/p><p>Und so bietet sich heute dem Betrachter das Bild eines gespaltenen Euroraums. In Deutschland hat sich die Wirtschaft nach dem Einbruch von 2009 recht schnell wieder erholt, die Arbeitslosenquote betr&auml;gt nur noch etwas mehr als sechs Prozent. In Griechenland hingegen ist die Wirtschaftsleistung seit 2009 um rund ein Viertel eingebrochen, in Italien liegt sie rund acht Prozent unter dem Vorkrisenniveau, w&auml;hrend in Spanien die Arbeitslosigkeit nach wie vor fast 20 Prozent betr&auml;gt. Auch Portugal ist alles andere als &uuml;ber den Berg. All diese L&auml;nder haben den Nachteil einer gemeinsamen W&auml;hrung voll zu sp&uuml;ren bekommen, n&auml;mlich den Verlust der geld- und w&auml;hrungspolitischen Autonomie. Das hei&szlig;t eine Drachme, eine Lira oder eine Pesete, mit der man abwerten k&ouml;nnte, um wieder wettbewerbsf&auml;hig zu werden, existiert heute nicht mehr. Der Euro ist f&uuml;r diese L&auml;nder zu stark, f&uuml;r Deutschland dagegen ist er zu schwach.<\/p><p>Hierzulande wird diese Problematik jedoch kaum wahrgenommen. Stattdessen echauffiert man sich lieber &uuml;ber das Nicht-Einhalten der Haushaltskriterien, die Enteignung des Sparers oder aber man w&auml;hnt sich gar als der &bdquo;Zahlmeister Europas&ldquo;. Die Problematik der Ungleichgewichte verstehen die meisten nicht oder man will es nicht verstehen. Die Folgen sind fatal: Die Euro-Krise wird so nie gel&ouml;st und Merkel kann weiter ungest&ouml;rt und auf Kosten Dritter ihre &bdquo;Deutschland-geht-es-gut&ldquo;-Litanei singen und Finanzminister Wolfgang Sch&auml;uble die &bdquo;schwarze Null&ldquo; als Monstranz vor sich hertragen &ndash; denn mit den krisenbedingt niedrigen Zinsen l&auml;sst sich ja auch noch vortrefflich der Staatshaushalt sanieren.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Thomas Trares<\/strong> ist Diplom-Volkswirt. Studiert hat er an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz. Danach war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur vwd. Seit &uuml;ber zehn Jahren arbeitet er als freier Wirtschaftsjournalist in Berlin.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/41674c407df6432dbf7e816791bdf367\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Ohne einen massiven Kurswechsel droht Europa auseinanderzubrechen.&ldquo; &bdquo;Der komplette S&uuml;den ist mittlerweile sozi&ouml;konomisch vom europ&auml;ischen Traum abgeh&auml;ngt und die &ouml;stlichen Mitgliedsl&auml;nder verlieren immer mehr den Anschluss.&ldquo; Dies schrieb in der vergangenen Woche Jens Berger in seinem Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36966\">Europa &ndash; gemeinsam einsam<\/a>&ldquo;. Zugleich war in der vergangenen Woche auch der 25. 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