{"id":37133,"date":"2017-02-23T08:57:05","date_gmt":"2017-02-23T07:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37133"},"modified":"2018-12-27T11:26:37","modified_gmt":"2018-12-27T10:26:37","slug":"1984-plus-33-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37133","title":{"rendered":"1984 \u2013 plus 33. Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Der Multimilliard&auml;r Trump wurde in den USA zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt, der sich als Anti-Establishment pr&auml;sentiert und dem Volk die Macht zur&uuml;ckgeben will. Er zeigt Terminator-Qualit&auml;ten und l&auml;sst das Volk wissen, dass er auf der Stra&szlig;e auch jemanden erschie&szlig;en k&ouml;nne, ohne eine Stimme zu verlieren. Er hat anscheinend eine treue Anh&auml;ngerschaft, die auch ihren eigenen Tod in Kauf nimmt. Ein anderer Teil der amerikanischen Gesellschaft geht auf die Stra&szlig;e. Und der &uuml;berzeugte Vietnam-Veteran und Bef&uuml;rworter des Irakkrieges 2003, John McCain, verteidigt die von Trump als &bdquo;Fake-News-Medien&ldquo; bezeichnete Presse als einen Bestandteil der Demokratie: &bdquo;Ihre Einschr&auml;nkung sei &sbquo;<em>wie Diktaturen anfangen<\/em>&rsquo;, so McCain. Der politische und gesellschaftliche Kompass scheint wirr auszuschlagen, das Bed&uuml;rfnis ist entsprechend gro&szlig;, den Trumpismus einzuordnen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum George Orwells &sbquo;1984&rsquo; in den USA neue Verkaufsrekorde verzeichnet. Eine Horrorvision von einer allseits &uuml;berwachten und von Angst erfassten Gesellschaft. Im Sommer soll &sbquo;1984&rsquo; als Musical auf die B&uuml;hne des New Yorker Broadways kommen. Eine gute und notwendige Form, sich mit diktatorischen Systemen auseinanderzusetzen? Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6160\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37133-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37133-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170223_1984_plus_33_Teil_1_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der erste Teil dieses Beitrages besch&auml;ftigt sich mit dem Buch, das Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts geschrieben wurde. Welche Realit&auml;ten nimmt der Roman auf? Was ist sein fiktionaler Anteil? Wie funktioniert diese Diktatur, welche Merkmale zeichnet sie aus? Und kann man mit dieser Matrix das einordnen, was sich in den letzten 60 Jahren ver&auml;ndert hat?<\/p><p>Der zweite Teil greift einen wesentlichen Bestandteil der Dystopie auf: <em>die Gedankenpolizei<\/em>.<br>\nHat sich diese bewahrheitet und wenn ja, in welcher Gestalt tritt sie uns entgegen?<\/p><p>Das Ende dieses Beitrags kommt auf die anfangs gestellten Fragen zur&uuml;ck. K&ouml;nnen wir jenseits der t&auml;glichen, neuen (Fake-)News und fliegenden Wechsel jetzt besser beantworten, was Trump bzw. der Trumpismus (nicht) ist?<\/p><p><strong>Teil I<\/strong><\/p><p>Der Multimilliard&auml;r Trump wurde in den USA zum 45. Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Seine Ank&uuml;ndigung, dass er auf der Stra&szlig;e auch jemanden erschie&szlig;en k&ouml;nne, ohne eine Stimme zu verlieren, ist keine Fake News. Auch seine nationales und internationales Recht brechende Ank&uuml;ndigung, Folter in Form des &sbquo;Waterboardings&rsquo; wieder zu erlauben, hat ihm nicht geschadet.<\/p><p><strong>2+2=5<\/strong><\/p><p>&bdquo;Als (Trumps Beraterin, d.V.) Conway die offensichtlich falsche Aussage von Trumps Pressesprecher Sean Spicer, niemals h&auml;tten mehr Menschen einer Amtseinf&uuml;hrung beigewohnt als bei der des 45. Pr&auml;sidenten, als &ldquo;alternative Fakten&rdquo; bezeichnete, <a href=\"http:\/\/money.cnn.com\/2017\/01\/22\/media\/alternative-facts-donald-trump\/\">f&uuml;hlten sich denn auch viele Kommentatoren an Orwells &ldquo;doublethink&rdquo; erinnert<\/a>. Beim &ldquo;Zwiedenken&rdquo; beziehungsweise (je nach &Uuml;bersetzung) &ldquo;Doppeldenk&rdquo; handelt es sich um einen zentralen Mechanismus der Unterdr&uuml;ckung durch die totalit&auml;re Regierung: Wenn die Partei sagt, 2+2=5, dann ist das die Wahrheit. Ein Fakt, der vor allem dadurch wahr wird, dass man ihn eben nicht nur sagen, sondern auch unbedingt glauben muss. Da es, etwa f&uuml;r wissenschaftliche Zwecke, manchmal aber n&ouml;tig sei, zu wissen, dass 2+2 tats&auml;chlich 4 ergibt, m&uuml;sse ein linientreuer Parteianh&auml;nger in der Lage sein, zwischen &ldquo;zwei Wahrheiten hin- und herzuschalten&rdquo;. Das Bild d&uuml;rfte selbsterkl&auml;rend sein.&ldquo; (sueddeutsche.de vom 25.1.2017)<\/p><p>George Orwell hat diese Dystopie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angefangen zu schreiben, mit den Tr&uuml;mmern vor Augen und dem Brandgeruch in der Nase. Ganz offensichtlich traute er diesem Frieden nicht, auch nicht den &rsaquo;Siegerm&auml;chten&lsaquo;.<\/p><p>Eine d&uuml;stere Vorahnung oder lag so etwas in der Luft?<\/p><p>Die Kapitulation des faschistischen Deutschlands war kaum unterschrieben, die radioaktive Strahlung nach Abwurf der Atombomben auf Japan noch in der Luft, da machten sich die Westalliierten bereits daran, dem Frieden keine Chance zu geben.<\/p><p>Bereits kurz nach Kriegsende geh&ouml;rte der Antikommunismus wieder zur Grundausrichtung allen Handelns.<\/p><p>&ldquo;<em>Wir haben das falsche Schwein geschlachtet<\/em>&ldquo;, geh&ouml;rt zu den bekanntesten Ausspr&uuml;chen des britischen Premierministers Churchill. Mit dem &bdquo;falschen Schwein&ldquo; war Adolf Hitler gemeint, das &bdquo;richtige&ldquo; war in seinen Augen Stalin.<\/p><p>In Griechenland wurde ab 1948 mit Hilfe britischer Soldaten und massiver finanzieller und milit&auml;rischer Unterst&uuml;tzung durch die US-Regierung der Versuch der &bdquo;Volksfront&ldquo; niedergeschlagen, sich nicht nur von der deutschen Besatzung und faschistischer Kollaboration zu befreien, sondern auch vom Kapitalismus. <\/p><p>Nicht viel sp&auml;ter, ab 1954, begann die franz&ouml;sische Regierung, den algerischen Befreiungskampf der FLN mit allen, also auch terroristischen Mitteln zu bek&auml;mpfen. Dieser Kolonialkrieg lie&szlig; auch in Frankreich selbst eine Blutspur zur&uuml;ck. Am 17. Oktober 1961 kam es zu einem Protestmarsch von rund 30.000 Algeriern in Paris. &bdquo;Die Reaktion des franz&ouml;sischen Staates wurde als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_Paris\">Massaker von Paris<\/a> bekannt. Die Polizei t&ouml;tete bis zu 200 Demonstranten und deportierte rund 11.000 au&szlig;er Landes.&ldquo; (Wikipedia)<\/p><p>Es lag also in der Luft, dass kein Frieden naht, sondern die n&auml;chsten Kriege. Denn mit der Kapitulation Deutschlands und Japans sollte nur der Faschismus besiegt werden. Auf keinen Fall der Kapitalismus oder der daraus hervorgegangene Kolonialismus.<\/p><p><strong>Wann hat &rsaquo;1984&lsaquo; angefangen? &ndash; &Uuml;ber Horrorvision und Realit&auml;t<\/strong><\/p><p>In Orwells Roman &rsaquo;1984&lsaquo; hat der Krieg nicht aufgeh&ouml;rt. Die Welt ist in drei Machtbl&ouml;cke aufgeteilt und was sich in einem dieser Machtbl&ouml;cke, in <em>Ozeanien<\/em>, abspielt, ist Gegenstand seines Romans. Im Gegensatz zum allgegenw&auml;rtigen, omnipr&auml;senten Faschismus ist die politische Klasse in Ozeanien kaum sichtbar. Man erahnt sie, in Gestalt des &rsaquo;Gro&szlig;en Bruders&lsaquo; (Big Brother). &Auml;hnlich diffus ist die Zustimmung zu dieser Herrschaftsordnung. Eindeutig und allgegenw&auml;rtig ist nur die Angst. Eine gut begr&uuml;ndete Angst, denn es gibt eine &rsaquo;Gedankenpolizei&lsaquo;, die alles zu &uuml;berwachen versucht, selbst die Mitglieder der &rsaquo;Partei&lsaquo;. Dabei wird diese nicht nur aktiv, wenn sich jemand mit Handlungen strafbar macht. In Ozeanien sind auch Gedanken strafbar, die sich in dem Wunsch ausdr&uuml;cken, gegen das Regime zu opponieren. Dazu geh&ouml;rt auch die als Straftat verfolgte Absicht, sich der allgegenw&auml;rtigen &Uuml;berwachung entziehen zu wollen.<\/p><p>Das Regime bedient sich modernster Technik. &Uuml;berall, im &ouml;ffentlichen Raum, in jeder Wohnung befinden sich Teleschirme, offene und verdeckte &Uuml;berwachungskameras, die jedes noch so intime Ereignis festhalten und auswerten. Der Schutz der Privatsph&auml;re ist vollkommen aufgehoben, das Leben in Ozeanien hat sich in ein l&uuml;ckenloses Panoptikum verwandelt. Daraus machen die Herrschenden auch keinen Hehl: &Uuml;berall prangern gro&szlig;e Plakate, die alle wissen lassen: &rsaquo;<em>Big Brother is watching you<\/em>&lsaquo;. W&auml;hrend im Inneren die Angst regiert, wird au&szlig;erhalb Ozeaniens unentwegt Krieg gef&uuml;hrt. Ein Krieg jedoch, der nicht mehr als Krieg propagiert wird, sondern als enduring Friedensmission: &rsaquo;<em>Krieg ist Frieden<\/em>&lsaquo;. Dabei bleibt offen, ob die Kriege auf eine reale Bedrohung antworten oder vor allem dem inneren Zusammenhalt der Ordnung dienen, einen permanenten Ausnahmezustand generieren und rechtfertigen sollen.<\/p><p>In &rsaquo;1984&lsaquo; kommen auch Menschen vor, die sich gegen dieses diktatorische Regime auflehnen. Es sind nicht viele und die meisten m&uuml;ssen im Untergrund leben. Doch dieser Widerstand ist erfolglos. Am Beispiel der Hauptfigur Winston Smith wird das Scheitern in all seinen Etappen beschrieben: Er ist Mitglied der &rsaquo;Partei&lsaquo; und bekommt im Laufe dieser Kollaboration immer mehr Zweifel an seinem Tun. Er nimmt Kontakt zum Untergrund auf, ger&auml;t dabei an einen Spitzel des Systems und wird wenig sp&auml;ter festgenommen und gefoltert. Am Ende zahlreicher Torturen gibt er noch das Letzte preis, woran er sich klammerte, seine Liebe zu einer Frau namens Julia. &rsaquo;Brainwashed&lsaquo;, &rsaquo;geheilt&lsaquo; und entlassen trifft er zuf&auml;llig Julia in einem Caf&eacute;. Selbst k&ouml;rperlich und seelisch gebrochen offenbart sie ihm, dass auch sie ein Glied in der Kette des Verrats und des sich-selbst-verratens ist. Seine Verhaftung erfolgte aufgrund ihrer Denunziation.<\/p><p>Viel d&uuml;sterer und aussichtsloser kann man sich die Parole dieses Regimes &rsaquo;<em>Widerstand ist zwecklos<\/em>&lsaquo; nicht ausmalen.<\/p><p>Ein ganz wenig Trost spendete Orwell seinen LeserInnen dennoch:<\/p><blockquote><p>\n<em>&raquo;Wenn du f&uuml;hlst, dass es sich lohnt, Mensch zu bleiben, auch wenn damit absolut nichts zu erreichen ist, dann hast du sie besiegt.&laquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&rsaquo;<em>1984<\/em>&lsaquo; wurde mit dem Wissen der 40er Jahre geschrieben. Auch wenn George Orwell damit die totalit&auml;re Version eines Sozialismus beschreiben wollte, wurde sein Alptraum vom &sbquo;Big Brother&rsquo; vor allem als eine Kritik gegen den wachsenden Ausbau eines &Uuml;berwachungsstaates gelesen, der die Abschaffung von Schutzrechten gegen&uuml;ber dem Staat mit ihrer Verteidigung begr&uuml;ndet. F&uuml;r viele, die die &sbquo;bleierne Zeit&rsquo; der 70er Jahre in Deutschland erlebt haben, die &sbquo;Diktatur des Krisenstabes&rsquo; gegen die RAF und alle, die man als (geistige) Sympathisanten verfolgte, war &sbquo;1984&rsquo; genau die richtige Chiffre. So titelte das Magazin &bdquo;Der Spiegel&ldquo; Anfang der 80er Jahre seine Titelstory mit der &Uuml;berschrift: <em>&bdquo;Auf dem Weg zum &Uuml;berwachungsstaat&ldquo;<\/em> (2\/1983): <em>Die Gefahren des &sbquo;gro&szlig;en Bruders&rsquo; sind nicht mehr blo&szlig; Literatur. Sie sind nach dem heutigen Stand der Technik real.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Liegt diese Horrorvision daneben? Kann sie helfen, das einzuordnen, was wir in den letzten zehn Jahren in einem Stakkato erleben, dass wir M&uuml;he haben, nur das Wichtigste zu benennen:<\/p><p>Der permanente Kriegszustand seit <em>9\/11<\/em> des Jahres 2001, das unentwegt herausgebr&uuml;llte &bdquo;Krieg ist Frieden&ldquo;. Die v&ouml;llige Zerst&ouml;rung von Staaten und Lebensbedingungen (Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Libanon), um sie zu &bdquo;befreien&ldquo;. Das Mittelmeer als offener Friedhof f&uuml;r Fl&uuml;chtende und Diktatoren als Festungsmauergehilfen &bdquo;Europas&ldquo;.<\/p><p>Die wachsende Kriegsrhetorik, die als Feindbild zwischen Islamismus und Putin hin und her flutet. &bdquo;Geheime Gef&auml;ngnisse&ldquo; unter US-F&uuml;hrung, Drohnen als unbemannte Killerkommandos. Die Orgien an &sbquo;Sicherheits&rsquo;gesetzen, die von Strafversch&auml;rfungen, &uuml;ber den Ausbau von &Uuml;berwachungstechniken, bis hin zum Einsatz von elektronischen Fu&szlig;fesseln f&uuml;r &bdquo;Gef&auml;hrder&ldquo; reicht &ndash; ein v&ouml;llig rechtsfreier Begriff, der &sbquo;1984&rsquo; alle Ehre macht.<\/p><p>Der &sbquo;NSA-Skandal&rsquo;, der nichts anderes als ein totales &Uuml;berwachungssystem offenbart. Der europaweite Vormarsch reaktion&auml;rer und nationalistischer Parteien und &bdquo;Bewegungen&ldquo;, der mit dem Trumpismus einen vorl&auml;ufigen H&ouml;hepunkt erreicht hat.<\/p><p><strong>Die Herrschaft der Unw&auml;hlbaren<\/strong><\/p><p>Orwells Dystopie beschr&auml;nkt sich ausschlie&szlig;lich auf die Beschreibung der Herrschaftsform, die einer Diktatur gleicht. Was man dort nicht erf&auml;hrt, ist die Antwort auf die Frage: F&uuml;r wen arbeitet &bdquo;die Partei&ldquo;? Welche &ouml;konomischen Interessen vertritt sie? Im besten Fall kann man davon ausgehen, dass Orwell diese schlicht als gegeben voraussetzte.<\/p><p>Nicht viel sp&auml;ter sollte ein Mann darauf eine Antwort geben, der diesbez&uuml;glich genug Erfahrungen gesammelt hatte, auch hinter der politischen Kulisse. Bei seinem Abschied 1961 lie&szlig; er folgende Warnung zur&uuml;ck:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In den Gremien der Regierung m&uuml;ssen wir der Ausweitung, ob aktiv oder passiv, des unbefugten Einflusses des milit&auml;risch-industriellen Komplexes vorbeugen. Das Potential f&uuml;r einen verheerenden Anstieg der Macht an falschen Stellen besteht und wird bestehen bleiben. Wir d&uuml;rfen niemals zulassen, dass diese einflussreiche Allianz unsere Freiheiten und demokratischen Prozesse gef&auml;hrden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser Mann war kein Kommunist und auch kein Russe, sondern der US-Pr&auml;sident Dwight D. Eisenhower.<\/p><p>Nun wissen wir, dass in den zur&uuml;ckliegenden 50 Jahren genau das, was der scheidende US-Pr&auml;sident angemahnt hatte, nicht unternommen wurde. Im Gegenteil: Die Macht des milit&auml;risch-industriellen Komplexes ist ungehemmt angewachsen. Was man seit 20 Jahren als &bdquo;Deregulierung&ldquo; feiert, ist nichts anderes als die fortschreitende Selbstentmachtung des Politischen. Also auch in dieser Hinsicht liegt die politische Macht des &bdquo;Wei&szlig;en Hauses&ldquo; weit unterhalb der Trumpschen Inszenierung.<\/p><p>Auch wenn diese unsichtbare &ouml;konomische Macht bei Orwell nicht vorkommt, kreuzen sich dennoch die Wege seiner Dystopie und die aktuellen Ereignisse auf bizarre Weise. In <em>1984<\/em> werden alle &uuml;berwacht &ndash; auch die Mitglieder &bdquo;Der Partei&ldquo;.<\/p><p>Genau dies bekam nun auch das <em>Wei&szlig;e Haus<\/em> zu sp&uuml;ren. Trump hatte im Wahlkampf ganz offensichtlich f&uuml;r Verwirrung beim milit&auml;risch-industriellen Komplex gesorgt, als er ein &bdquo;normales&ldquo; Verh&auml;ltnis zu Russland ank&uuml;ndigte. Als die Geheimdienste als Antwort auf Trumps Sieg Meldungen lancierten, wonach Trumps Sieg auch auf Manipulationen durch Russland basiere, zeigte sich Trump schlagfertig.<\/p><p>Er bezweifelte den Wahrheitsgehalt dieser geheimdienstlichen &bdquo;Erkenntnisse&ldquo; und verwies s&uuml;ffisant auf die gezielten Falschmeldungen, die den Irak-Krieg 2003 legitimieren sollten. Dass man eine Regierung auch ohne russische Hilfe &bdquo;zurechtschie&szlig;en&ldquo; kann, bewiesen die &bdquo;Sicherheitsorgane&ldquo; dieser Tage. Ein erwartbarer Konter.<\/p><p>Trump hatte Michael Flynn, pensionierter Drei-Sterne-General, zu seinem Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Was ihn verd&auml;chtig machte, waren nicht seine Kriegserfahrungen.<\/p><p>So wissen die Medien unisono zu berichten: &bdquo;Seit geraumer Zeit schon steht er im Verdacht, zu enge Kontakte nach Moskau zu pflegen. Er trat unter anderem als bezahlter Experte im staatsnahen russischen Fernsehsender Russia Today auf und sa&szlig; w&auml;hrend eines Galadinners neben Pr&auml;sident Wladimir Putin. <em>Wiederholt trat Flynn daf&uuml;r ein, die Beziehungen mit Russland zu verbessern &hellip;<\/em>&ldquo; (SZ vom 14.2.2017)<\/p><p>Die ersten Verd&auml;chtigungen haben Zickenformat, der letzte &bdquo;Vorwurf&ldquo; daf&uuml;r Orwell-Qualit&auml;t.<\/p><p>Seitdem Flynn Teil des Wahlkampfteams von Trump wurde, wurde er &uuml;berwacht und abgeh&ouml;rt. Nicht vom russischen oder nordkoreanischen Geheimdienst, sondern von den eigenen Sicherheitsbeh&ouml;rden. Dazu geh&ouml;rten auch mehrere Telefongespr&auml;che mit dem russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak um den 29.12.2016 herum. Diese Informationen lie&szlig; man der <em>Washington Post<\/em> zukommen, die ihren Part hervorragend spielte. Sie fragte nach, ob in den Gespr&auml;chen die Sanktionen gegen Russland eine Rolle gespielt haben, was dementiert wurde. Die Falle schnappte zu und der letzte Akt begann: Man drohte die Telefonprotokolle zu verschriftlichen, die wohl das Gegenteil bewiesen h&auml;tten. Man war am Ziel angekommen: Michael Flynn musste von seinem Amt zur&uuml;cktreten.<\/p><p>Wie in <em>1984<\/em> stellt niemand in den Medien die Frage: Wie kann es sein, dass Gespr&auml;che mit dem russischen Botschafter in den USA abgeh&ouml;rt werden? Warum werden Erkenntnisse der Sicherheitsbeh&ouml;rden an embedded Zeitungen weitergegeben? Wer entscheidet, wo und wann man &bdquo;undicht&ldquo; ist?<\/p><p>Trump ist mit Sicherheit ein Arschloch, aber nicht dumm:<\/p><p>&bdquo;<em>Die eigentliche Frage ist, wieso es so viele illegale undichte Stellen in Washington gibt<\/em>&ldquo;, schrieb Trump am 14. Februar 2017 im Onlinedienst Twitter.<\/p><p>Das allgegenw&auml;rtige Sichtbare und das kaum fassbare Unsichtbare<\/p><p>In George Orwells <em>1984<\/em> werden die Mittel zur Total&uuml;bererfassung vom Staat installiert und betrieben. &Uuml;berall sind Monitore und &Uuml;berwachungskameras, auf den Stra&szlig;en, in den Wohnungen, in den Schlafzimmern. Das System dringt also von au&szlig;en in das Privatleben ein, verwandelt jeden Ort in ein Panoptikum. Es ist pr&auml;sent, &uuml;berall sichtbar, mit Plakaten, mit Parolen: &bdquo;<em>Big Brother is watching you<\/em>&ldquo;.<\/p><p>Auch wenn es diesen &ouml;ffentlichen Anteil der &Uuml;berwachung immer noch gibt und dieser best&auml;ndig ausgebaut wird, so ist doch eine neue Qualit&auml;t hinzugekommen, die au&szlig;en und innen, &ouml;ffentlich und privat verschwimmen l&auml;sst.<\/p><p>Grundlage &uuml;berlegener Herrschaftssysteme ist es, nicht gegen den Willen, sondern mit den Bed&uuml;rfnissen und W&uuml;nschen ihrer Mitb&uuml;rgerInnen zu arbeiten. Das hei&szlig;t eben auch, in jede Herrschaftstechnologie auch einen Anteil an privater Nutzung zu implementieren.<\/p><p>Mit der Kommerzialisierung und Vermassung elektronischer Systeme (Computer, Handys, Laptops, Smartphones, Navigationssysteme) hat man sich auf eigene Kosten Erleichterungen und neue Kommunikationsm&ouml;glichkeiten erkauft. Man hat &ndash; ohne jemals gefragt worden zu sein &ndash; zugleich die &Uuml;berwachung personalisiert und privatisiert.<\/p><p>Wir bezahlen und unterhalten unsere Erfassung (also &Uuml;berwachung) selbst. Ob als Handy, I-Phone (mit GPS-Funktion), Tablet oder Computer, ob in Form von WhatsApp, SMS, elektronischem Terminkalender oder elektronischem Telefonbuch. All diese Ger&auml;te bezahlen wir &ndash; aber sie geh&ouml;ren nicht uns. Sie erlauben Zugriff und Verkn&uuml;pfung deines Standorts, deiner Freunde, deiner Absichten, deiner pers&ouml;nlichen, wirtschaftlichen und politischen Probleme. Nicht einmal das Abschalten dieser Ger&auml;te liegt in unserer Hand, in unserem Ermessen. Du kommunizierst nicht &ndash; du wirst kommuniziert.<\/p><p>Der in Echtzeit m&ouml;gliche Zugriff auf diese &bdquo;Verkehrsdaten&ldquo; kommt einer dauerhaften Hausdurchsuchung gleich, ohne dass eine Wohnungst&uuml;r eingetreten wird, ohne einen (richterlichen) Hausdurchsuchungsbeschluss.<\/p><p>Nun wissen wir sp&auml;testens seit 2013, mit den Ver&ouml;ffentlichungen von geheimen Unterlagen des NSA (US-amerikanischer Geheimdienst) durch Edward Snowden, dass diese Erleichterungen nicht nur gegen uns genutzt werden k&ouml;nnen, sondern dass dies auch genau so passiert. Dabei kommt es &uuml;berhaupt nicht darauf an, ob die Person in Verdacht einer (schweren) Straftat steht.<\/p><p>Das Prinzip des Absch&ouml;pfens aller Kommunikationsdaten geht vom Gegenteil aus: <em>&bdquo;Man muss in den Besitz des Heuhaufens gelangen, um die Nadel im Heuhaufen zu finden.&ldquo;<\/em> Das bedeutet nichts anderes als die v&ouml;llige Aufk&uuml;ndigung des Rechtsstaatsprinzips, das Eingriffe in die Schutzrechte der B&uuml;rgerInnen nur mit einem &uuml;berpr&uuml;fbaren Verdacht erlaubt.<\/p><p>Heute ist das Gegenteil der Fall: Alle elektronischen Verkehrs- und Kommunikationsdaten werden erfasst. Wenn &bdquo;du&ldquo; nicht auff&auml;llig wirst, wenn du nicht eine Gefahr (also Gef&auml;hrderIn) bist, dann passiert dir nichts. Wenn &bdquo;du&ldquo; jedoch in diese Zone ger&auml;tst, dann Gnade dir &bdquo;Gott&ldquo;.<\/p><p>Es entsteht ein inneres Leitsystem, das ganz einfach zu bedienen ist: Du kommunizierst auf-Teufel-komm-raus, l&auml;sst dir den Spa&szlig; nicht nehmen, weil du genauso lebst, belanglos.<\/p><p>Du wirst weder bei &sbquo;rot&rsquo; noch bei &sbquo;orange&rsquo; &uuml;ber die Stra&szlig;e gehen, sondern nur bei &sbquo;gr&uuml;n&rsquo;. Das Ganze machst du souver&auml;n, cool und selbstbestimmt.<\/p><p>Ob genau diese Internalisierung Max Horkheimer vorausgesehen hat, wei&szlig; man nicht. Bereits 1968 hat er konstatiert, dass die im Staat von <em>1984<\/em> angewandten Praktiken der &Uuml;berwachung und Kontrolle &uuml;berholt seien: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das wird in absehbarer Zukunft alles nicht mehr notwendig sein. Denn die Einzelnen werden von fr&uuml;hester Jugend an so erzogen, dass sie sich automatisch, ohne Zwang, ohne irgendwelche Bed&uuml;rfnisse zum Aufruhr oder gar zum Nachdenken, in die Gesellschaft des Ameisenhaufens einpassen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Hier geht es zum <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37218\">zweite Teil<\/a> von Wolf Wetzels Artikel 1984 &ndash; plus 33.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Multimilliard&auml;r Trump wurde in den USA zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt, der sich als Anti-Establishment pr&auml;sentiert und dem Volk die Macht zur&uuml;ckgeben will. Er zeigt Terminator-Qualit&auml;ten und l&auml;sst das Volk wissen, dass er auf der Stra&szlig;e auch jemanden erschie&szlig;en k&ouml;nne, ohne eine Stimme zu verlieren. Er hat anscheinend eine treue Anh&auml;ngerschaft, die auch ihren eigenen Tod<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37133\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,184,126,123],"tags":[850,901,1564,2058,1679,1554,259,1111,922,1800],"class_list":["post-37133","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-ueberwachung","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-datenschutz","tag-geheimdienste","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-militaerisch-industrieller-komplex","tag-onlinedurchsuchung","tag-orwell-2-0","tag-russland","tag-snowden-edward","tag-totalitarismus","tag-trump-donald"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37133"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37133\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48019,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37133\/revisions\/48019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}