{"id":3722,"date":"2009-01-23T16:18:39","date_gmt":"2009-01-23T15:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3722"},"modified":"2014-01-23T09:34:39","modified_gmt":"2014-01-23T08:34:39","slug":"hunderte-von-milliarden-fuer-die-spielschulden-der-banken-eigentlich-muesste-es-einen-aufschrei-geben-warum-geschieht-das-nicht-eine-hypothese-finanzkrise-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3722","title":{"rendered":"Hunderte von Milliarden f\u00fcr die Spielschulden der Banken &#8211; eigentlich m\u00fcsste es einen Aufschrei geben. Warum geschieht das nicht? Eine Hypothese. (Finanzkrise Teil III)"},"content":{"rendered":"<p>T&auml;glich erreichen uns neue Nachrichten &uuml;ber neuen Bedarf zur Rettung der Banken. Und immer wahrscheinlicher wird es, dass den Banken durch Ausgliederung ihrer faulen Kredite in eine Bad Bank, f&uuml;r die wir Steuerzahler gerade stehen m&uuml;ssen, die Last ihrer riskanten Gesch&auml;fte abgenommen wird. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>W&auml;hrend aber unser F&uuml;hrungspersonal in den Medien und in der Politik, bei den Verb&auml;nden und bei den Banken beim Konjunkturpaket f&uuml;r Investitionen herumgeizte und nicht einmal die 20 Milliarden Grenze &uuml;berschreiten wollte, werden locker zwischen 50 und 100 Milliarden f&uuml;r eine einzige private Bank, die HRE, bereitgestellt; f&uuml;r die Commerzbank gab es 18,2 Milliarden, die WestLB will 100 Milliarden auslagern, die Deutsche Bank will sich clever auf dem Weg der &Uuml;bernahme der Postbank mitfinanzieren lassen und so weiter. <\/p><p>Das geht alles ziemlich still und leise vonstatten. Guido Westerwelle, der Spitzenvertreter der neuen b&uuml;rgerlichen Koalition, erhebt seine mahnende Stimme gegen die Absicherung riskanter Spekulationsgesch&auml;fte durch die Steuerzahler nicht. Nur wenige Medien kritisieren und unsere politischen Eliten werden das alles mitmachen, auch wenn sie sich jetzt teilweise noch zieren. Die CDU ziert sich nicht einmal. Steinbr&uuml;ck tuts, aber ihm sind seine Bedenken nicht zu glauben. <\/p><p>Meine Hypothese: In unseren F&uuml;hrungszirkeln und in unseren Talkshows gibt es keinen Aufschrei, weil sehr viele von ihnen auch pers&ouml;nlich mit hohen Betr&auml;gen in diesem Spiel stecken. Sie haben Teile ihres in spekulativen Gesch&auml;ften angelegten Verm&ouml;gens schon verloren; den Rest m&ouml;chten sie mithilfe von uns Steuerzahlern retten lassen. Unter diesen Umst&auml;nden muss man es sich nat&uuml;rlich untersagen, die Politiker zu heftig zu kritisieren, die einem dabei helfen sollen und wollen.<\/p><p>Bevor ich diese Hypothese formulierte, habe ich mich umgeh&ouml;rt, bei Journalisten, bei Politikern, bei Unternehmern und Gewerkschaftern, bei verm&ouml;genden Personen insgesamt.<br>\nViele von ihnen haben ihr Geld den Banken auch f&uuml;r riskante Anlagen anvertraut. Andere sind bei Aktienfonds oder einfach an den Aktienb&ouml;rsen eingestiegen. Sie haben die st&uuml;rmische Entwicklung, die Vervierfachung der Aktienkurse zwischen 1995 und dem Jahr 2000 und dann nach einem zwischenzeitlichen Absturz noch einmal zwischen 2003 und 2007 f&uuml;r eine normale Entwicklung gehalten, jedenfalls f&uuml;r eine Gelegenheit, auf schnelle Weise und ohne Arbeit reich oder noch reicher zu werden. (Siehe dazu den <a href=\"?p=3689\">Teil I. zur Finanzkrise<\/a>) Sie haben inzwischen einen Teil ihrer Gewinne verloren oder sie haben sogar Substanz verloren, weil sie bei hohen Kursen eingestiegen sind. Der totale Absturz ist ihnen bisher auch dadurch erspart geblieben, dass wir Steuerzahler einen Schirm zur Rettung der Banken aufgespannt haben. Der DAX zum Beispiel liegt mit &uuml;ber 4000 Punkten immer noch &uuml;ber dem doppelten des Wertes von 2003 und 1995 &ndash; damals ungef&auml;hr 2000. Jetzt m&ouml;chten diese Anleger aus unserer politischen, medialen und &ouml;konomischen F&uuml;hrungsschicht, was pers&ouml;nlich verst&auml;ndlich ist, verhindern, dass sich ihre Buchwerte noch einmal halbieren. &Auml;hnlich ist ihre Erwartung bei noch riskanteren Anlagen ihres Geldes &uuml;ber die deutschen Banken.<br>\nDas Sein bestimmt das Bewusstsein. Diese banale Erkl&auml;rung erkl&auml;rt leider auch die Abwesenheit eines laut vernehmlichen Aufschreis und der entsprechenden Konsequenzen. Eigentlich m&uuml;ssten die Ackermanns und ihre Freunde in der Politik aus ihren &Auml;mtern entfernt werden. Und die publizistischen Akteure gleich mit, weil sie ihrer demokratischen Kontrollfunktion nicht gerecht werden.<\/p><p>Anlagen:<br>\n<strong>Einige Artikel mit Informationen zu weiteren Risiken bei den Banken und dem Versuch, auf eine Bad Bank auszulagern:<\/strong><\/p><p><strong>Pl&auml;ne f&uuml;r Abwicklungsgesellschaft<\/strong><br>\nDie WestLB will Verm&ouml;genswerte in einem weitaus gr&ouml;&szlig;eren Umfang auslagern als bislang bekannt. Jetzt ist von bis zu 100 Mrd. Euro die Rede. &Uuml;ber eine neu zu gr&uuml;ndende Abwicklungsgesellschaft wird derzeit beraten. <\/p><p>F&uuml;r den Steuerzahler macht es kaum einen Unterschied, ob die Landesbanken ihre Risiken inner- oder au&szlig;erhalb der Bilanz f&uuml;hren: Am Ende haften sie ohnehin f&uuml;r die Probleme der staatlichen Institute.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/unternehmen\/finanzdienstleister\/:Pl%E4ne-f%FCr-Abwicklungsgesellschaft-WestLB-will-bis-zu-100-Mrd-Euro-auslagern\/464610.html%20\">FTD<\/a><\/p><p><strong>LANDESBANKEN<\/strong><br>\n<strong>BayernLB erwartet noch h&ouml;heren Verlust<\/strong><br>\nDie Lage bei der BayernLB wird immer dramatischer: Vor kurzem rechnete die Landesbank f&uuml;r das Jahr 2008 noch mit einem Verlust von drei Milliarden Euro &ndash; jetzt meldet sie ein Minus von f&uuml;nf Milliarden Euro.<\/p><p>M&uuml;nchen &ndash; Die von der Finanzkrise gebeutelte BayernLB hat im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von etwa f&uuml;nf Milliarden Euro verkraften m&uuml;ssen. Das sagte BayernLB-Chef Michael Kemmer der &ldquo;B&ouml;rsen-Zeitung&rdquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-603141,00.html\">Spiegel Online<\/a><\/p><p><strong>Vodoo ist keine L&ouml;sung \/ Leitartikel von Anna Sleegers<\/strong><br>\nDie Kreditwirtschaft verlangt eine M&uuml;lldeponie f&uuml;r toxische Wertpapiere. Wenn die Banken tats&auml;chlich nur so &uuml;berleben k&ouml;nnen, so geh&ouml;ren sie verstaatlicht.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare\/1663948_Voodoo-ist-keine-Loesung.html\">FR<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung VB:<\/strong> Mit Vodoo f&uuml;r diese L&ouml;sung der faulgewordenen Wertpapiere bei den Banken lehnt sich Anna Sleegers an ein ber&uuml;hmtes Vorbild f&uuml;r die Einsch&auml;tzung an: Paul Krugman hatte vor einigen Tagen in der NYT  diese L&ouml;sung als Vodoo- L&ouml;sung &ndash; einfach afrikanischen Zauber &ndash; abgetan<\/em><\/p><p><strong>Billion f&uuml;r Zocker<\/strong><\/p><p><strong>Bad Bank wird kommen<\/strong><br>\n<em>Rainer Balcerowiak<\/em><\/p><p>Je lauter und h&auml;ufiger &ouml;ffentlich kolportierte Vorhaben dementiert werden, umso sicherer ist ihre bevorstehende Realisierung. Diese Regel wird sich auch bei der Gr&uuml;ndung einer sogenannten Bad Bank best&auml;tigen. Nat&uuml;rlich ist der Bundesregierung klar, da&szlig; die komplette &Uuml;bernahme aller Risiken der privaten Finanzwirtschaft durch die &ouml;ffentlichen Haushalte das Fa&szlig; bei vielen W&auml;hlern wom&ouml;glich zum &Uuml;berlaufen br&auml;chte. Doch es gibt gen&uuml;gend Tricks und Nebelkerzen, um diese historisch einmalige gigantische Umverteilung zugunsten der Banken ein wenig zu verschleiern. Laut dem in solchen Angelegenheiten gew&ouml;hnlich gut informierten Handelsblatt (Donnerstagausgabe) wurden im Lenkungsausschu&szlig; des staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) bereits die Weichen gestellt, um den Banken die Zockerpapiere zum &ndash; v&ouml;llig unrealistischen &ndash; Bilanzwert abzunehmen und f&uuml;r Verluste bei F&auml;lligwerdung geradezustehen. Als Gegenwert w&uuml;rde der Staat nicht etwa Anteile an den Banken erhalten, sondern lediglich eine Vereinbarung &uuml;ber eine &raquo;Ausgleichsforderung&laquo;. Dahinter verbirgt sich die vage Hoffnung, da&szlig; die aus der Abschreibungsfalle befreiten Geldinstitute irgendwann wieder saftige Gewinne einfahren und binnen 40 bis 50 Jahren ihre Schulden abstottern. <\/p><p>Die Risiken f&uuml;r den Bund sind kaum kalkulierbar, liegen aber mindestens in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung um 300 Milliarden Euro. Es k&ouml;nnte allerdings auch das Dreifache sein. Nicht vergessen sollte man dabei den ersten &raquo;Rettungsschirm&laquo;, der sich trotz seiner Ausstattung mit 500 Milliarden Euro bislang als weitgehend wirkungslos erwiesen hat, sowie diverse bereits ausgereichte Milliardenhilfen f&uuml;r die Landesbanken und die mittlerweile quasi verschenkte Mittelstandsbank IKB. Die magische Grenze von einer Billion Euro in Form von Direkthilfen, Beteiligungen und B&uuml;rgschaften w&auml;re somit weit &uuml;berschritten. Selbst wenn nur ein Bruchteil dieser Summe real f&auml;llig w&uuml;rde, entst&uuml;nde im Bundeshaushalt auf unabsehbare Zeit ein Loch von unvorstellbaren Ausma&szlig;en &ndash; mit entsprechenden Folgen f&uuml;r die Infrastruktur und die Sozialsysteme. Und das alles nur, um der ordnungspolitischen Maxime der staatlichen Enthaltsamkeit im Wirtschaftsgeschehen Gen&uuml;ge zu tun und dem Finanzkapital den R&uuml;cken f&uuml;r die Wiederer&ouml;ffnung des Kasinos mit leicht ge&auml;nderten Spielregeln freizuhalten. <\/p><p>Nat&uuml;rlich wird jetzt versucht werden, die Gr&uuml;ndung einer Bad Bank als alternativlos darzustellen, da andernfalls der f&uuml;r das das gesamte Wirtschaftsgeschehen lebenswichtige Kreditmarkt weiterhin in Agonie verharren oder gar vollst&auml;ndig zusammenbrechen w&uuml;rde. Letzteres mu&szlig; tats&auml;chlich verhindert werden. Aber nichts spricht dagegen, da&szlig; der Geldkreislauf k&uuml;nftig in staatlicher Regie organisiert wird. Die Privatbanken haben die Weltwirtschaft in eine der schwersten Krisen der Moderne gef&uuml;hrt und dabei eine Spur der &ouml;konomischen Verw&uuml;stung gezogen. Sie haben keine Existenzberechtigung mehr.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/01-23\/036.php\">junge Welt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T&auml;glich erreichen uns neue Nachrichten &uuml;ber neuen Bedarf zur Rettung der Banken. Und immer wahrscheinlicher wird es, dass den Banken durch Ausgliederung ihrer faulen Kredite in eine Bad Bank, f&uuml;r die wir Steuerzahler gerade stehen m&uuml;ssen, die Last ihrer riskanten Gesch&auml;fte abgenommen wird. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. 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