{"id":3725,"date":"2009-01-26T08:52:23","date_gmt":"2009-01-26T07:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3725"},"modified":"2014-01-23T09:33:26","modified_gmt":"2014-01-23T08:33:26","slug":"heiner-geissler-rattenfaenger-fuer-die-cdu-im-linken-und-oekologischen-spektrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3725","title":{"rendered":"Heiner Gei\u00dfler: Rattenf\u00e4nger f\u00fcr die CDU im linken und \u00f6kologischen Spektrum"},"content":{"rendered":"<p>Der langj&auml;hrige Generalsekret&auml;r der CDU und in dieser Zeit einer der demagogischsten Aufwiegler gegen die Gr&uuml;nen und die Sozialdemokraten, gibt sich heute als das &bdquo;linke Gewissen der CDU&ldquo;. Dieses Image hat er mit seinem spektakul&auml;ren Beitritt zu Attac kurz vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm ausgebaut. Alle, die meinen, hier w&auml;re ein Saulus zum Paulus geworden, sollten sein Interview im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/Finanzkrise;art271,2714507\">Tagesspiegel<\/a> lesen. Dort lobt er Kanzlerin Merkel in h&ouml;chsten T&ouml;nen und versteigt sich sogar zu der Behauptung, der entt&auml;uschende knappe Wahlsieg der Union bei den letzten Bundestagswahlen sei ein &bdquo;Votum gegen die neoliberalen Reformen&ldquo; gewesen. Gei&szlig;ler war schon immer  einer der geschicktesten Strategen, wenn es darum ging, mit Geschichtsklitterungen Wasser auf die M&uuml;hlen der CDU zu lenken. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMit seiner verbalen Kritik am &bdquo;heutigen Kapitalismus&ldquo; macht er das, was er schon immer am besten konnte, n&auml;mlich W&auml;hler f&uuml;r die Union anzulocken, indem er den Eindruck vermittelt, dass die CDU in so vielf&auml;ltiges politisches Spektrum abdecke, dass dort etwa auch die Positionen von Globalisierungskritikern und &ouml;kologisch Engagierten abgedeckt w&uuml;rden. Mit der realen Politik der Kanzlerin oder der Union hat diese irref&uuml;hrende Vorspiegelung einer derartigen politischen Bandbreite nichts, aber auch gar nichts zu tun. <\/p><p>Angela Merkel <em>&bdquo;macht gute Arbeit. Ich habe mich fr&uuml;h um sie gek&uuml;mmert, schon als ich CDU- Generalsekret&auml;r war. Sie hat einen kapitalen Fehler korrigiert, indem sie das neoliberale Programm des Leipziger Parteitags wieder umgesto&szlig;en hat. Merkel hat, weil sie Naturwissenschaftlerin ist, einen Riesenvorteil: Sie reagiert richtig auf physikalische Fakten. Die letzten Bundestagswahlen waren ein Votum gegen die neoliberalen Reformen, und Merkel zog daraus messerscharf Konsequenzen. Im Gegensatz zur SPD, die weiter an der Agenda 2010 festhielt und festh&auml;lt&ldquo;<\/em>, sagt Gei&szlig;ler dem Tagesspiegel.<\/p><p>Es geh&ouml;rt zu den simpelsten rhetorischen Kunstgriffen von Wahlstrategen, aus einer halben Wahrheit eine glatte L&uuml;ge zu verbreiten. Es ist zwar wahr, dass die SPD &bdquo;weiter an der Agenda 2010 festhielt und festh&auml;lt&ldquo;, zur ganzen Wahrheit geh&ouml;rt jedoch auch, dass die CDU mit ihrer konkreten Politik den Kurs der Schr&ouml;der-Agenda nur versch&auml;rft hat und wie etwa der gelb-schwarze Bundespr&auml;sident K&ouml;hler mit seiner Agenda 2020 weiter versch&auml;rfen will.<\/p><p>Gei&szlig;ler suggeriert, als st&uuml;nde Merkel gegen die &bdquo;neoliberalen Reformen&ldquo;. Der f&uuml;r die CDU entt&auml;uschende Wahlausgang bei der letzten Bundestagswahl, hat jedoch bei Merkel bestenfalls zur Einsicht gef&uuml;hrt, dass &bdquo;das neoliberale Programm des Leipziger Parteitags&ldquo; beim W&auml;hler keine Mehrheit findet. Merkel hat aber dieses Programm nicht etwa &bdquo;korrigiert&ldquo;, sie hat nur die Tonart und ihre Strategie ge&auml;ndert. Sie hat sich zum Beispiel vor dem schmelzenden Polareis ablichten lassen und damit das Bild der &bdquo;Klimakanzlerin&ldquo; in die Welt gesetzt, aber gleichzeitig fungiert sie in Br&uuml;ssel bei der Einf&uuml;hrung CO-2-Grenzwerten als knallharte Automobillobyistin. Merkel wirft sich in die Pose der Vork&auml;mpferin f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze und weitet mit ihrer tats&auml;chlichen Politik den Niedriglohnsektor und prek&auml;re Besch&auml;ftigung aus und sie k&auml;mpft mit allen Mitteln gegen einen allgemeinen Mindestlohn.<br>\nWie weit bei ihr das Gesagte und das Gemeinte auseinander gehen, haben wir auf den NachDenkSeiten zuletzt am Beispiel der <a href=\"?p=3678\">Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin belegt<\/a>.<\/p><p>Bei dieser &bdquo;atemberaubenden Flucht aus der Wahrheit&ldquo; mischt Gei&szlig;ler kr&auml;ftig mit. Er hat sich dabei in seiner politischen Karriere immer als besonders durchtriebener &bdquo;Fluchthelfer&ldquo; gezeigt; besonders wenn er damit dem politischen Gegner schaden konnte.<\/p><p>Diese Methodik, die Wahrheit zu verkehren und damit den politischen Gegner zu bek&auml;mpfen, hat Gei&szlig;ler schon immer eingesetzt. Man erinnere sich an seinen (gegen die damals noch pazifistischeren Gr&uuml;nen gerichteten) uns&auml;glichen Vergleich in der Bundestagsdebatte zum Nato-Doppelbeschluss, wonach der &bdquo;Pazifismus der 30er Jahre&hellip;Auschwitz erst m&ouml;glich gemacht&ldquo; habe. Oder man denke etwa daran, dass er Verfechter des Rechtsstaats beim Umgang mit den RAF-M&ouml;rdern, wie etwa Helmut Gollwitzer, G&uuml;nter Wallraff oder den damaligen liberalen Bundesinnenminister Werner Maihofer als &bdquo;Sympathisanten des Terrors&ldquo; beschuldigte. <\/p><p>Gei&szlig;ler hat es immer verstanden, Worte und Begriffe aus dem linksliberalen und alternativen politischen Spektrum f&uuml;r die Konservativen zu &bdquo;besetzen&ldquo;, er ist geradezu der Erfinder des neoliberalen &bdquo;Neusprechs&ldquo;. Er hat es als einer der ersten aus der CDU begriffen, dass man dem Gegner die Sprache rauben muss und sie mit konservativen Inhalten belegen muss. <\/p><p>Das Interview im Tagesspiegel belegt einmal mehr, dass Gei&szlig;lers kapitalismuskritische Attit&uuml;de, kein anderes Ziel hat, als Menschen, f&uuml;r die die Finanz- und Wirtschaftskrise ein besonders schlimmes Beispiel f&uuml;r das Versagen der neoliberalen Ideologie und Ansto&szlig; f&uuml;r eine politische Wende ist, &uuml;ber die eigentlichen Verursacher und Versager zu t&auml;uschen. Ja noch mehr, Gei&szlig;ler spricht diese Politiker von ihrer Verantwortung frei und lobt Angela Merkel, dass sie &bdquo;gute Arbeit&ldquo; mache.<\/p><p>Hinter der Rhetorik von Gei&szlig;ler steckt stets die Strategie der Vereinnahmung von Kritikern und Gegnern als Stimmvieh f&uuml;r die CDU. Im Zweifel gilt f&uuml;r ihn: &bdquo;Die Partei hat immer recht&ldquo;. <\/p><p>Erg&auml;nzung AM: Die Mainstream-Medien haben diese Funktion Heiner Gei&szlig;lers erkannt und laden ihn schon deshalb als angeblichen Kritiker des Kapitalismus und der Gier der Oberen besonders gerne ein. Sie wissen, dass sich diese radikale Kritik im Fernsehen gut anh&ouml;rt und zugleich Merkel und der Union nicht weh tut, sondern ihr W&auml;hlerspektrum erweitert.<\/p><p>Erstaunlich ist, dass so viele Zeitgenossinnen\/en auch im fortschrittlichen und linksliberalen Spektrum dieses Rollenspiel nicht durchschauen. Sie blenden vermutlich eine Antwort wie die letzte in dem zitierten Interview im Tagesspiegel einfach aus. Oder sie glauben ernsthaft, dass Angela Merkel mit der neoliberalen Linie gebrochen hat.<br>\nEs trifft sich gut, dass im gleichen Tagesspiegel auch ein Beitrag von Harald Schumann &bdquo;Angriff auf die Staatskasse&ldquo; erschienen ist. In den Hinweisen vom 26.1. ist auf ihn verlinkt und <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/kommentare\/;art141,2714599\">zur Sicherheit hier noch einmal<\/a>. Da wird Merkels Rolle in der Finanzkrise und beim unkontrollierten Verschleudern unseres Geldes sichtbar. <\/p><p>Wir haben in den NachDenkSeiten &uuml;brigens schon im Mai und Juni 2007 auf Gei&szlig;lers Rollenspiel aufmerksam gemacht. Hier die notwendigen Links:<\/p><ul>\n<li><a href=\"?p=2389\">Merkels clevere Kommunikationsstrategien zur Imageerweiterung<\/a><\/li>\n<li>&bdquo;Merkel ist mutig&ldquo;<br>\nHeiner Gei&szlig;ler, Ex-Generalsekret&auml;r der CDU, &uuml;ber sein Engagement f&uuml;r Attac und den G-8-Gipfel.<br>\nQuelle: <a href=\"?p=2349\">Tagesspiegel und der Hinweis darauf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der langj&auml;hrige Generalsekret&auml;r der CDU und in dieser Zeit einer der demagogischsten Aufwiegler gegen die Gr&uuml;nen und die Sozialdemokraten, gibt sich heute als das &bdquo;linke Gewissen der CDU&ldquo;. Dieses Image hat er mit seinem spektakul&auml;ren Beitritt zu Attac kurz vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm ausgebaut. 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