{"id":37277,"date":"2017-03-06T09:11:06","date_gmt":"2017-03-06T08:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37277"},"modified":"2018-12-30T18:47:16","modified_gmt":"2018-12-30T17:47:16","slug":"der-nobel-preistraeger-als-neoliberaler-propagandist-der-fall-vargas-llosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37277","title":{"rendered":"Der Nobel-Preistr\u00e4ger als neoliberaler Propagandist &#8211; Der Fall Vargas Llosa"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170406_Vargas_Llosa_leyendo_PAIS.jpg\" alt=\"Der Nobel-Preistr&auml;ger als neoliberaler Propagandist - Der Fall Vargas Llosa\" title=\"Der Nobel-Preistr&auml;ger als neoliberaler Propagandist - Der Fall Vargas Llosa\"><\/div><p>Warum f&uuml;hrt ein preisgekr&ouml;nter, weltrenommierter Romanautor ein stundenlanges Fernsehinterview in Spanien und duzt sich mit einem korrupten Unternehmer, der als gew&auml;hlter Pr&auml;sident seit eineinhalb Jahren Argentinien in Grund und Boden wirtschaftet? Wieso l&auml;sst sich ein gebildeter Autor zu dummen Parolen hinrei&szlig;en wie &ldquo;alle linken Regierungen Lateinamerikas sind populistische Gauner&rdquo;? Wie kommt ein Nobelpreistr&auml;ger der Literatur dazu, ein kontinentales Treffen &ldquo;im Namen der Freiheit&rdquo; mit den finstersten Figuren der lateinamerikanischen Politik und Medienlandschaft einzuberufen, wie den ehemaligen, rechtsextremistischen Henker Kolumbiens, Alvaro Uribe, den mexikanischen Rechtsau&szlig;en Felipe Calder&oacute;n und den exilkubanischen Extremisten und Castro-Hasser, Carlos Alberto Montaner? Fragen an Mario Vargas Llosa. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Nobelpreistr&auml;ger als Asteroid<\/strong><\/p><p>Der preisgekr&ouml;nte Peruaner ist unbestrittenerma&szlig;en seit mehr als vierzig Jahren einer der hervorragendsten, jedoch auch der politisch umstrittenste Schriftsteller Lateinamerikas. <\/p><p>Als Autor eines Mammutwerkes, mit mindestens 23 Romanen und doppelt so vielen Essayb&auml;nden, gelangen ihm Meisterwerke mit h&auml;ufig autobiographischem Charakter &uuml;ber die Kultur, die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse und historische Figuren, nicht nur seines Heimatlandes Peru, sondern des lateinamerikanischen Kontinents. <\/p><p>Mit zwei in Brasilien und im Grenzland zu Kolumbien angesiedelten Romanen &ndash; &ldquo;Der Krieg am Ende der Welt&rdquo; (1982) und &ldquo;Der Traum des Kelten&rdquo; (2011) &ndash; widmete sich V. Llosa zwei tragischen Figuren der realen Geschichte. Einerseits dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts gescheiterten nordostbrasilianischen Volksaufstand von Canudos des messianischen F&uuml;hrers Antonio Conselheiro, andererseits den Aufkl&auml;rungsmissionen des britischen Konsuls, Menschenrechtlers und irischen Nationalisten, Sir Roger Casement, der Massenmorde im ehemals belgischen Kongo und sp&auml;ter am Oberen Amazonas aufsp&uuml;rte.<\/p><p>Der t&uuml;chtige &ndash; manche seiner Kritiker sagen auch, streberhafte und ruhms&uuml;chtige &ndash; Peruaner versuchte sich in nahezu allen literarischen Genres als Autor von Kriminalromanen, Kom&ouml;dien, literaturwissenschaftlichen und &ndash; allerdings empfehlenswerten &ndash; kulturkritischen Abhandlungen wie &ldquo;La civilizaci&oacute;n del espect&aacute;culo&rdquo;, das 2013 in Deutsch unter dem Titel &ldquo;Alles Boulevard: Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst&rdquo; erschien und als Generalabrechnung mit der &ldquo;Herrschaft der Rampens&auml;ue&rdquo; (FAZ, 24.05.2012) beziehungsweise mit dem Am&uuml;sierbetrieb in der Kultur zu verstehen ist.<\/p><p>Die nicht seltenen Verrisse seiner Publikationen wurden jedoch von den Leitmedien gr&ouml;&szlig;tenteils ignoriert und mit einer Flut von Ehrungen und Auszeichnungen kompensiert, unter anderem 2008 mit dem &bdquo;Freiheitspreis&ldquo; der Friedrich-Naumann-Stiftung, 2011 mit dem Orden vom Aztekischen Adler, 2011 mit der Nominierung zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und 2012 mit dem Carlos-Fuentes-Preis.<\/p><p>Im Jahr 2010 kam der Nobelpreis f&uuml;r Literatur dazu. Seitdem ist V. Llosa medial kaum zu &uuml;berbieten, u.a. als Kolumnist der in gesamt Lateinamerika abgedruckten oder zitierten spanischen Tageszeitung &ldquo;El Pa&iacute;s&rdquo;.<\/p><p>Seine Erhebung in den spanischen Adelsstand, vier Jahre sp&auml;ter, muss als Kr&ouml;nung seiner geduldeten oder gar provozierten institutionellen Vereinnahmung durch Medien, Kapital und Staat gedeutet werden. <\/p><p>Wor&uuml;ber der mediale Hof um V. Llosa und der Peruaner allerdings selbst nicht gern reden, ist der eigentliche Grund seiner endg&uuml;ltigen &Uuml;bersiedlung nach Spanien. <\/p><p>Die schrittweise Hispanisierung des Literaten begann 1990, nach seiner blamablen Niederlage als angeblich favorisierter Pr&auml;sidentschaftskandidat gegen Alberto Fujimori, der ihn in der Stichwahl mit 62,4 Prozent gegen 37,4 Prozent besiegte. Besch&auml;mt &uuml;ber das Fiasko, packte V. Llosa  seine Koffer und emigrierte wenig sp&auml;ter nach Spanien, wo ihm zum Trost die spanische Staatsb&uuml;rgerschaft und die Mitgliedschaft in der K&ouml;niglich-Spanischen Akademie verliehen wurde. <\/p><p>Der Nobelpreistr&auml;ger erreichte jedoch das, was Johannes Keppler, Galileo Galilei oder Isaac Newton sich nur posthum h&auml;tten ertr&auml;umen k&ouml;nnen: seine Verewigung am Weltenhimmel mit der Taufe des als &ldquo;1990 VL4&rdquo; kaum bekannten Asteroiden in &ldquo;<em>(17466) Vargasllosa<\/em>&rdquo;. Die Internationale Astronomische Union begr&uuml;ndete die Widmung mit &bdquo;seiner Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage&ldquo;. <\/p><p><strong>In welchem Augenblick haben die guten Geister Mario Vargas Llosa verlassen?<\/strong><\/p><p>Mit dem R&uuml;cken zum Eingang der Tageszeitung <em>La Cr&oacute;nica<\/em> schaut Santiago Zavala mit lieblosem Blick auf die Tacna-Allee in Lima. Er sieht die ewig vorbeirauschenden Autos, die Betonw&uuml;ste asymmetrischer und farbloser Hochh&auml;user und das Gerippe der Leuchtreklamen-Schilder, die im Nebel des grauen Mittags schweben. Und er fragt sich wortw&ouml;rtlich, &ldquo;In welchem Augenblick hat Peru es <em>verschissen<\/em>?&rdquo;.<\/p><p>Mit dieser emblematischen Szene beginnt V. Llosas vielgefeierter und -&uuml;bersetzter Roman &ldquo;Gespr&auml;ch in der Kathedrale&rdquo; aus dem Jahr 1969. Nach einer Liste der spanischen Tageszeitung &ldquo;El Mundo&rdquo; geh&ouml;rt er zu den 100 hervorragendsten spanischsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts.<\/p><p>Zavala f&uuml;hlte sich wie ein St&uuml;ck Peru und zur Beantwortung seiner tiefsinnigen Frage schlendert er gesenkten Hauptes und mit den H&auml;nden in den Hosentaschen durch die hastige Menschenmenge, an den krakeelenden Zeitungsverk&auml;ufern vorbei, in Richtung einer verkommenen Kneipe mit dem frommen Namen &ldquo;Catedral&rdquo;.<\/p><p>Dort trifft der aus der oberen Mittelschicht stammende, drei&szlig;igj&auml;hrige Journalist auf den alten Ambrosio, einen ehemaligen Fahrer seines Vaters, nach dessen Familiennamen der Leser vergeblich suchen wird. Vielleicht deshalb, weil er arm und ein von Indianern und Afrikanern abstammender Mischling ist.<\/p><p>Das Gespr&auml;ch findet am Biertisch statt, dauert etwa vier Stunden lang und die von Zavala und Ambrosio wechselseitig erz&auml;hlten Geschichten f&uuml;hren den Leser in die Zeit der Diktatur General Manuel Odr&iacute;as zur&uuml;ck, der von 1948 bis 1956 mit brutaler Gewalt und Korruption acht Jahre lang &uuml;ber das Andenland herrschte. Jedoch mit einer interessanten Pointe, f&uuml;r die sich Zavala zu Tode sch&auml;mt: sein Vater, <em>don<\/em> Ferm&iacute;n, war n&auml;mlich hochgestellter Beamter in jener Diktatur. <\/p><p>In diesen vier Stunden gelingt den beiden Gespr&auml;chspartnern mit der Beschreibung einer Vielzahl von Einzelschicksalen eine Art Gruppenbild der peruanischen Gesellschaft, in der eine korrupte und unf&auml;hige einheimische Bourgeoisie die Hauptrolle spielt.<\/p><p>Es ist aber auch ein autobiografisch nuancierter Portr&auml;tversuch &uuml;ber den Spross ebendieser herrschenden Klasse, den seine sozialen Wurzeln und die damit verbundene politische und moralische Unsittlichkeit anwidern, der jedoch, ideologisch hin- und hergerissen, nicht so genau wei&szlig;, wo er hingeh&ouml;rt.<\/p><p>Fast f&uuml;nfzig Jahre danach &ndash; in denen &uuml;ber Jahrzehnte hinweg herrschende Milit&auml;rdiktaturen von neoliberalen Ausverkaufs-Regierungen, diese wiederum von demokratischen Regierungen mit sozialer Umverteilungspolitik und Letztere von neuerlichen, sp&auml;tliberalen, rabiaten Umsturz-Regimen abgel&ouml;st wurden &ndash; stellt sich allerdings die etwas vornehmer formulierte Frage, &ldquo;in welchem Augenblick haben die guten Geister Mario Vargas Llosa verlassen?&rdquo;.<\/p><p><strong>&ldquo;Ideologische R&uuml;ckbildung&rdquo;<\/strong><\/p><p>Als ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei Perus trat der Schriftsteller mit zorniger Gesellschaftskritik in den Kreis jener lateinamerikanischen Schriftsteller, die seit Anfang der 1960er Jahre mehrheitlich mit der kubanischen Revolution und ihrem F&uuml;hrer, Fidel Castro, sympathisierten. <\/p><p>Jedoch nach wiederholten Aufenthalten in Kuba &ndash; wo er angeblich mit Regimegegnern gef&uuml;llte &ldquo;Konzentrationslager&rdquo; gesehen haben wollte &ndash; und seiner Entr&uuml;stung &uuml;ber den sowjetischen Eingriff gegen den sog. Prager Fr&uuml;hling im Jahr 1968 wendete sich V. Llosa  mit gro&szlig;en Schritten vom Lager fortschrittlicher Werte ab. Seine Mutationen vom Sartre-Anh&auml;nger mit linkem Anstrich zum Erzkonservativen lassen sich u.a. in seinen zwischen 1962 und 1982 geschriebenen Aufs&auml;tzen nachlesen, die im Band &ldquo;Gegen Wind und Wetter&rdquo; (Suhrkamp, 1988) zusammengefasst sind. <\/p><p>Zun&auml;chst mit politischen Essays und Vortr&auml;gen, schlie&szlig;lich mit der von ihm vor Jahren gegr&uuml;ndeten &ldquo;Internationalen Stiftung f&uuml;r die Freiheit&rdquo; (Fundaci&oacute;n Internacional para la Libertad &ndash; FIL), entpuppte sich V. Llosa als zunehmend radikalisierter, neoliberaler Gelegenheits-Ideologe.<\/p><p>Im Get&uuml;mmel seiner politischen Dreckschleuder liest man markige S&auml;tze wie:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Sozialismus, der Nationalsozialismus und der Faschismus sind kollektivistische Ph&auml;nomene der Vergangenheit. Heute dr&uuml;cken sie sich aber im Nationalismus und in den religi&ouml;sen Fundamentalismen aus. Auf gewundene Art sprie&szlig;t das Ph&auml;nomen in ganz Lateinamerika in Kleidern, die nicht beleidigend, sondern ehrenhaft erscheinen&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn wir eine h&ouml;here Entwicklung erreichen, die Zivilisation und die Rechtschaffenheit w&auml;hlen wollen, m&uuml;ssen wir entschlossen diese kollektivistische Ausbrut bek&auml;mpfen. Mit guten Ideen k&ouml;nnen wir sie besiegen&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Luis Fernando Sarango Macas, ein ecuadorianischer Sprachwissenschaftler, f&uuml;hrt diese S&auml;tze als Beispiele f&uuml;r eine &ldquo;ideologische R&uuml;ckbildung&rdquo; V. Llosas an (&ldquo;&iquest;Quien es este personaje llamado Mario Vargas Llosa?&rdquo; Bolet&iacute;n ICCI-ARY, Dezember 2003).<\/p><p>Pionier der rechtsradikalen, neoliberalen Offensive in Lateinamerika <\/p><p>Der verstorbene peruanische Professor und Lehrer-Gewerkschafter Jos&eacute; Ramos Bosmediano kritisierte vor etlichen Jahren V. Llosas Populismus-Begriff; eines der Flaggschiffe der neoliberalen Rhetorik. Er schrieb: &bdquo;Geht es nach den seltsamen Kenntnissen der Politischen &Ouml;konomie des Herrn Mario Vargas Llosa, so ist es schlichtweg &acute;Populismus&acute;, wenn der Staat wichtige Bereiche eines oder mehrerer Wirtschaftsunternehmen unter seine Verwaltung stellt. Und was noch schlimmer sei: dieses nationale Eigentum f&uuml;hre unaufhaltsam &acute;in den Abgrund&acute;&hellip;&rdquo; (&ldquo;Mario Vargas Llosa y su guerra neoliberal, Punto de vista y propuesta, 01.05.2012).<\/p><p>Mit genau dieser Rhetorik holte V. Llosa zu w&uuml;tenden Attacken gegen die argentinische Pr&auml;sidentin Cristina Kirchner aus, als diese im Jahr 2012 die R&uuml;ckf&uuml;hrung des von Carlos Menem in den 1990er Jahren privatisierten und an den spanischen Multi REPSOL verscherbelten, staatlichen Erd&ouml;lkonzern YPF beschloss. Und dies aus guten Gr&uuml;nden: entgegen vertraglicher Verpflichtungen hatte REPSOL in den vergangenen zehn Jahren kaum investiert und die F&ouml;rderung auf den Tiefpunkt sinken lassen.<\/p><p>&bdquo;Wann hat Argentinien es verschissen?&rdquo;, fragte V. Llosa mit noch unverbl&uuml;mterer F&auml;kalsprache ins Publikum, w&auml;hrend eines Auftritts auf der Buchmesse von Buenos Aires im April 2011. Ehe sich ein wohlerzogener Argentinier traute, bediente er sich einer Ellipse und beantwortete selbst die Frage: &ldquo;Argentinien fiel in den Abgrund, als es sich f&uuml;r die Massendemokratie, das Wahlrecht und den Wohlfahrtsstaat entschied&rdquo; (&ldquo;El escribidor y el otro&rdquo;, Mario Wainfeld &ndash; Pagina 12, 22.04.2011).<\/p><p>Von Zur&uuml;ckhaltung und Respekt keine Spur bei dem eingereisten Literaten und Freizeit-Agitator.<\/p><p>Der verstorbene uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano empfahl einst, &ldquo;diesem Herrn sollte man nicht den Gefallen tun, ihn mit faulen Eiern zu bewerfen&rdquo;.<\/p><p>Indessen, ein zentraler Satz seiner Essay-Sammlung &ndash; <em>&ldquo;der zeitgen&ouml;ssische Intellektuelle wird aus Opportunismus, Feigheit oder Blindheit h&auml;ufig zum Verb&uuml;ndeten der Barbarei&rdquo;<\/em> &ndash; ist Vargas Llosas&acute; politischer Wende zum ironischen Verh&auml;ngnis geworden, n&auml;mlich sein B&uuml;ndnis mit der Barbarei.<\/p><p>Sein Auftritt auf der Buchmesse war nur ein Nebenschauplatz. Seine Landung in Buenos Aires war einem internationalen Treffen der Mont P&egrave;lerin Society geschuldet, die 1947 vom Papst der neoliberalen Doktrin, Friedrich von Hayek, gegr&uuml;ndet wurde und als Schaltstelle s&auml;mtlicher neoliberaler <em>think tanks<\/em> arbeitet, wie V. Llosas &ldquo;Internationale Stiftung f&uuml;r die Freiheit&rdquo;<\/p><p>Seit Jahrzehnten bildet sich der Nobelpreistr&auml;ger mit Hayeks und Milton Friedmans Schriften seine ideologische Meinung heran, die gegen den Wohlfahrtsstaat, die demokratischen Rechte und f&uuml;r das Imperativ der absoluten Herrschaft des Marktes ihren weltweiten, ideologischen Feldzug f&uuml;hren. <\/p><p>Dass Hayek und Friedman als Berater der blutigen Diktatur Augusto Pinochets t&auml;tig waren, massive Folter und Mord als &ldquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; duldeten, davon will er nichts gewusst haben. <\/p><p>Ebenso wenig will der Schreiberling nicht dar&uuml;ber im Bilde gewesen sein, dass die neoliberale Ausbrut in Brasilien mit L&uuml;gen, Drohungen und Verschw&ouml;rungen den Sturz von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff vorbereitet und gefeiert hat. Als unverfrorene Frechheit hatte er anl&auml;sslich Rousseffs Wahlsieg im November 2014 orakelt, &bdquo;Dilma soll nicht diese <em>Wahlf&auml;lschung<\/em> unterst&uuml;tzen&ldquo;. Nach einhelliger Bewertung von unabh&auml;ngigen Wahlbeobachtern hat es sich um einen sauberen Wahlvorgang gehandelt.<\/p><p>Seit dem Staatsstreich vom August 2016 gegen Rousseff lieb&auml;ugelt der Literat und Freizeit-Verschw&ouml;rungstheoretiker nun mit den Erzfeinden der Pr&auml;sidentin. Sein neuester Held ist ausgerechnet der weltweit umstrittene, vom medialen Mainstream umjubelte und von den USA ausgebildete Richter S&eacute;rgio Moro (&bdquo;Las delaciones premiadas&ldquo;, Mario Vargas Llosa &ndash; &bdquo;El Pa&iacute;s&ldquo;, 19.02.2017).<\/p><p>Im &Uuml;brigen legte sich V. Llosa mit s&auml;mtlichen Regierungen und Staatschefs an &ndash; von Kuba &uuml;ber Bolivien, Ecuador, Argentinien, Brasilien und Venezuela &ndash; die der neoliberalen Heilslehre zuwiderhandelten.<\/p><p>Boliviens indianischen Staatschef Evo Morales bezeichnete er im Juli 2016 als &bdquo;extrem autorit&auml;r und demagogisch&ldquo;. Morales &uuml;berlegte nicht zweimal und twitterte in den &Auml;ther: &bdquo;Vargas Llosa glaubt, die Macht soll allein von Bankern und transnationalen Konzernen ausge&uuml;bt werden!&ldquo;. Und gab noch einen drauf: &bdquo;Neokolonialer Rassist&ldquo;.<\/p><p>Kuba hatte er l&auml;ngst als &bdquo;blutige Diktatur&ldquo; beschimpft, als er sich im April 2014 in Venezuela mit der rechtsradikalen Opposition traf und bald darauf einen &bdquo;Aufruf an Lateinamerika&ldquo; verfasste, zur Unterst&uuml;tzung dieser Opposition und ihrer wegen gewaltsamen Umsturzversuchen inhaftierten F&uuml;hrer. <\/p><p>Den zwar nicht immer geschickt handelnden, jedoch demokratisch gew&auml;hlten Ch&aacute;vez-Nachfolger Nicol&aacute;s Maduro schimpfte er einen &bdquo;Diktator&ldquo;. Und sogenannte &bdquo;Diktatoren&ldquo; sollten nach des Schriftstellers unverbl&uuml;mter Meinung umgebracht werden.<\/p><p>In einem Interview f&uuml;r den privaten TV-Sender Univis&oacute;n vom September 2014, aus Anlass der Vorstellung von V. Llosas Roman &bdquo;Das Fest des Ziegenbocks&ldquo; &ndash; &uuml;ber den bei einem Attentat erschossenen, dominikanischen Diktator Rafael Trujillo &ndash; fragte der Journalist Jorge Ramos, ob es legitim sei, einen Diktator zu ermorden. Ohne mit der Wimper zu zucken, antwortete der Nobelpreistr&auml;ger: &bdquo;Ich glaube, ja! Der Tyrannenmord ist absolut legitim&ldquo;. &bdquo;Auch die Gebr&uuml;der Castro?&ldquo;, fragt Ramos genauer. <\/p><p>Die frappante Antwort V. Llosas lautet: &bdquo;Ich glaube, in Kuba gibt es f&uuml;r einen anderen Ausweg keinen Freiraum mehr&rdquo;. (<a href=\"http:\/\/www.univision.com\/noticias\/vargas-llosa-se-vale-matar-al-dictador\">Vargas Llosa: se vale matar al dictador &ndash; Univision<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170406_Vargas_Llosa_leyendo_PAIS.jpg\" alt=\"Der Nobel-Preistr&auml;ger als neoliberaler Propagandist - Der Fall Vargas Llosa\" title=\"Der Nobel-Preistr&auml;ger als neoliberaler Propagandist - Der Fall Vargas Llosa\"\/><\/div>\n<p>Warum f&uuml;hrt ein preisgekr&ouml;nter, weltrenommierter Romanautor ein stundenlanges Fernsehinterview in Spanien und duzt sich mit einem korrupten Unternehmer, der als gew&auml;hlter Pr&auml;sident seit eineinhalb Jahren Argentinien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37277\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[917,20,205],"tags":[965,1613,1033,2007,1368,2026,1507,2047,1191,1943,2215,924],"class_list":["post-37277","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur-und-kulturpolitik","category-landerberichte","category-neoliberalismus-und-monetarismus","tag-argentinien","tag-brasilien","tag-friedman-milton","tag-kirchner-cristina","tag-kuba","tag-mont-pelerin-society","tag-morales-evo","tag-peru","tag-populismus","tag-rousseff-dilma","tag-vargas-llosa-mario","tag-von-hayek-friedrich-august"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37277"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37277\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48148,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37277\/revisions\/48148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}