{"id":3730,"date":"2009-01-28T17:26:41","date_gmt":"2009-01-28T16:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3730"},"modified":"2014-01-23T09:28:00","modified_gmt":"2014-01-23T08:28:00","slug":"unser-land-wird-betruegerisch-gepluendert-und-wo-bleiben-deutschlands-juristen-teil-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3730","title":{"rendered":"Unser Land wird betr\u00fcgerisch gepl\u00fcndert.  Und wo bleiben Deutschlands Juristen? (Teil IV)"},"content":{"rendered":"<p>Hier in den NachDenkSeiten und in manchen anderen Medien k&ouml;nnen Sie in diesen Tagen immer wieder davon lesen, wie sich Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, wie Steuergelder veruntreut werden, wie dem Land zu Gunsten privater Interessen Schulden aufgeb&uuml;rdet werden, wie zu diesem Zweck Informationen unterdr&uuml;ckt werden und schlicht gelogen wird und wie Falsches vorgespiegelt wird. Wo bleiben die festen oder losen Zusammenschl&uuml;sse von Juristen, die in dieser Situation intervenieren? Es riecht nach Veruntreuung, nach Betrug, nach Hehlerei &ndash; und der organisierte Aufstand von kundigen und verantwortungsbewussten Juristen bleibt aus. Ich verstehe das nicht und nenne einfach mal einige der letzten F&auml;lle, die mir als Laien juristisch interessant zu sein scheinen und der fachkundigen Untersuchung und des geb&uuml;ndelten Widerstands bed&uuml;rften. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Da ich kein Jurist bin, formuliere ich im folgenden<br>\n<strong>Hypothesen eines Laien zur strafrechtlich relevanten Pl&uuml;nderung.<\/strong><\/p><p>Das sind Beispiele ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit und Hypothesen, die der Pr&uuml;fung bed&uuml;rfen:<\/p><ol>\n<li>Fall IKB<\/li>\n<li>Fall Bad Bank<\/li>\n<li>Fall Dresdner Bank, Allianz, Commerzbank<\/li>\n<li>Fall HRE<\/li>\n<li>Fall Postbank, Deutsche Post, Deutsche Bank<\/li>\n<li>Fall Ackermann und die 25 % Kapitalrendite<\/li>\n<li>Fall Zahlung von Boni, anderen Verg&uuml;tungen und Dividenden trotz realer aber noch nicht offen gelegter Wertverluste<\/li>\n<li>Fall Steuerhinterziehung durch Auslagerung in Steueroasen<\/li>\n<\/ol><p><strong>Zum 1. Fall: IKB<\/strong><br>\nIm Sommer 2007, sp&auml;testens im Sommer 2007 wurden die hohen Verluste der Industriekreditbank in D&uuml;sseldorf, die sie beziehungsweise ihre ausgelagerten Zweckgesellschaften durch Kauf von als Wertpapiere verpackten faulen US-Hypothekenkrediten &bdquo;erwirtschaftet&ldquo; hatten, sichtbar. Das Management der IKB &ndash; und eigentlich auch die Aufsichtsr&auml;te und Berater aus der deutschen Wirtschaft &ndash; musste wissen, um welche fragw&uuml;rdigen Papiere es sich dabei handelte. Dass sie es wussten, bezeugt auch die Auslagerung. <\/p><p>Die Verpackung fauler Kredite als Wertpapiere ist aus meiner Sicht Betrug. Macht sich, wer solche Papiere ankauft, der Hehlerei schuldig?<\/p><p>Die Bundesregierung hat daf&uuml;r gesorgt, dass der IKB mit rund 10.000.000.000 &euro; geholfen wird. Sie hat ihren durch die Hilfe auf &uuml;ber 90 % angestiegenen KfW-Anteil an der IKB dann f&uuml;r 150.000.000 &euro; an Lonestar verkauft. Ist das nicht Veruntreuung von Steuergeldern?<\/p><p>Wie ist der vorangegangene Vorgang juristisch zu betrachten: Der Bundesfinanzminister hatte daf&uuml;r gesorgt, dass die Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau den Anteil der Allianz AG an der IKB, &uuml;ber ein Drittel, &uuml;bernommen hat? Zu diesem Zeitpunkt m&uuml;sste Insidern schon bekannt gewesen sein, dass die IKB auf faulen Papieren sa&szlig;. <\/p><p>Wieder ein Fall der Veruntreuung &ouml;ffentlicher Gelder? Wenn die Verk&auml;ufer der Allianz AG um die vermutliche Wertlosigkeit oder den geminderten Wert ihres Aktienpakets wussten, was ist das dann? Strafrechtlich und zivilrechtlich irrelevant?<\/p><p><strong>Zum 2. Fall: Bad Bank<\/strong><br>\nIm Hinweis Nummer 2 vom 28.1. wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Verantwortlichen in der Bundesregierung und bei der deutschen Soffin ein falsches Spiel um dieses Projekt spielen und die &Ouml;ffentlichkeit wie auch selbstverst&auml;ndlich das Parlament, den Deutschen Bundestag, nicht richtig informieren. Wahrscheinlich hatten sie geplant, die &Uuml;ble Bank dadurch einzurichten, dass die Frist f&uuml;r die Abnahme gef&auml;hrdeter Papiere durch den Bankenrettungsfond Soffin unter der hand von 36 Monaten auf unendlich ausgedehnt worden ist. W&auml;re ein solches Handeln strafrechtlich, disziplinarrechtlich und zivilrechtlich ohne Belang?<\/p><p><strong>Zum 3. Fall: Dresdner Bank, Allianz, Commerzbank<\/strong><br>\nDie Commerzbank wollte der Allianz ihr Problemkind Dresdner Bank abnehmen. Im Prozess der &Uuml;bernahme wurde erkannt, dass das Geld nicht reicht. Aus &ouml;ffentlichen Geldern wurden zur gleichen Zeit insgesamt bisher 18,2 Milliarden &euro; an die Commerzbank weitergereicht. Siehe dazu auch <a href=\"?p=3698\">&ldquo;Die herrschende Politik und die Finanzwirtschaft stecken unter einer Decke &ndash; auch deshalb zahlen wir als Steuerzahler f&uuml;r die Zocker. (Teil II)&rdquo;<\/a> . Die erworbenen 25 % plus eine Aktie an der Commerzbank AG entsprechen auch nicht ann&auml;hernd den 18,2 Milliarden investierten &ouml;ffentlichen Geldes. Ist diese Veruntreuung &ouml;ffentlicher Gelder strafrechtlich irrelevant?<\/p><p>In diesem Fall ist weiter zu pr&uuml;fen, was die F&uuml;hrung der Allianz AG &uuml;ber den Wert beziehungsweise die Wertlosigkeit des Dresdner Bankpakets beim Verkauf an die Commerzbank wusste, und was der Vorstand der Commerzbank beim Kauf wusste.<\/p><p>Im konkreten Fall w&auml;re auch folgende Hypothese auf ihre Wahrscheinlichkeit und ihre juristische Relevanz zu pr&uuml;fen:<\/p><p>Vermutlich w&auml;re die Allianz AG selbst als wenig ertragsstark wenn nicht sogar von Verlusten geplagt dagestanden, wenn sie keine Chance gehabt h&auml;tte, ihre Bank, die Dresdner Bank abzusto&szlig;en. Eine solche Schieflage der Allianz AG h&auml;tte den politischen Nebeneffekt gehabt, dass die Sicherheit und die Renditekraft der Privatvorsorge nach dem Modell der Riester-Rente, der R&uuml;rup-Rente und der mit Entgeltumwandlung gef&ouml;rderten Betriebsrenten in Zweifel geraten w&auml;ren. Diese Zweifel h&auml;tten sowohl der Bundesregierung wie der Versicherungswirtschaft und den Banken ganz und gar nicht ins Konzept ihrer Werbung f&uuml;r die Privatvorsorge gepasst. Deshalb musste die Allianz AG von jedem gr&ouml;&szlig;eren Makel befreit bleiben. Vermutlich hat deshalb die Bundesregierung von vornherein ihr Wohlwollen zur &Uuml;bernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank signalisiert und war auf diese Weise auch gebunden, mit den erw&auml;hnten Milliarden nachzuhelfen, als diese &Uuml;bernahme an Geldmangel zu scheitern drohte.<\/p><p>Wie realistisch ist diese Hypothese? Wenn sie realistisch ist, wie ist dieser Vorgang dann juristisch zu betrachten?<\/p><p><strong>Zum 4. Fall; HRE<\/strong><br>\nEs sind bis heute 92.000.000.000 &euro; &ouml;ffentlicher Gelder geflossen beziehungsweise zur Verf&uuml;gung gestellt. Das ist angesichts der relativen Bedeutungslosigkeit der Bank eine ungeheure Summe. <\/p><p>Kann das mit rechten Dingen zugehen? Wussten die Verantwortlichen von riskanten Gesch&auml;ften in Irland? Wussten politische Stellen von der damit systematisch betriebenen Steuerumgehung?<\/p><p>Die hohe Subvention mit &ouml;ffentlichen Mitteln hat dazu gef&uuml;hrt, dass die Anteile der Eigent&uuml;mer offenbar immer noch etwas wert sind. <\/p><p>Wie ist diese auch in anderen F&auml;llen wiederkehrende Stabilisierung der Kurswerte privaten Eigentums durch &ouml;ffentliche Mittel juristisch zu beurteilen? Auch im Falle der &Uuml;bernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank wurde mit &ouml;ffentlichen Mitteln der Kurswert der Commerzbank, der Dresdner Bank und der Allianz &bdquo;subventioniert&ldquo;. Das Verm&ouml;gen privater Eigent&uuml;mer, der Aktienbesitzer der genannten drei Unternehmen, wurde mit &ouml;ffentlichen Mitteln hochgehalten. Ist das juristisch g&auml;nzlich irrelevant? Eigentlich l&auml;uft dieser Vorgang auf eine Veruntreuung &ouml;ffentlichen Geldes zu Gunsten privater Verm&ouml;genswerte hinaus. Im Falle der HRE wie im Falle der genannten anderen Banken und auch im folgenden Fall.<\/p><p><strong>Zum 5. Fall: Postbank, Deutsche Post, Deutsche Bank<\/strong><br>\nDie Deutsche Post AG hat ihren Anteil an der Postbank an die Deutsche Bank verkauft. <\/p><p>Warum eigentlich? Warum hat der Hauptaktion&auml;r der Deutschen Post AG, der Bund, diesen Verkauf zugelassen? Das ist nicht selbstverst&auml;ndlich, wenn die Kurse im Keller sind. Normalerweise verkauft man dann nicht.<\/p><p>Gleichzeitig hat die Postbank Rettungsgelder vom Soffin beantragt. Der Verdacht liegt nahe, dass hier eine mit &ouml;ffentlichen Geldern gesund gemachte Bank zur Stabilisierung an eine private Bank, die Deutsche Bank verkauft werden soll, damit dieser die Offenbarung ihrer Schwierigkeiten erspart bleibt. <\/p><p>Ist dieser Vorgang juristisch irrelevant?<\/p><p><strong>Zum 6. Fall: Ackermann und die 25 % Kapitalrendite<\/strong><br>\nAls Josef Ackermann mit einer 25 prozentigen Kapitalrendite &bdquo;protzte&ldquo;, musste er schon wissen, dass bei der Deutschen Bank wie auch bei anderen Finanzinstituten wertlose beziehungsweise weit &uuml;berbewertete Papiere gelagert waren. Seine &Auml;u&szlig;erung fiel n&auml;mlich zeitlich im Umfeld und nach der gemeinsamen Beratung der Vertreter des Bankgewerbes und der Versicherungen mit der Regierung Schr&ouml;der Anfang des Jahres 2003 &uuml;ber die Gr&uuml;ndung einer so genannten Bad  Bank.<\/p><p>Ackermann hat dieses in jeder Hinsicht unsinnige Renditeziel in Kenntnis der Tatsache ge&auml;u&szlig;ert, das bei korrekter Bewertung der Aktiva dieses Renditeziel gar nicht erreicht w&uuml;rde. Wenn dem so ist und daf&uuml;r spricht sehr viel, dann war dies doch, so ist zu fragen, eine Vort&auml;uschung falscher Tatsachen.<\/p><p><strong>Zum 7. Fall: Zahlung von Boni, anderen Verg&uuml;tungen und Dividenden trotz realer aber noch nicht offen gelegter Wertverluste<\/strong><br>\nDie Banken und anderen Finanzinstitute wussten in den vergangenen Jahren, also sp&auml;testens seit der erw&auml;hnten Sitzung zu Beginn des Jahres 2003, dass auf ihren Bilanzen &uuml;berbewertete Wertpapiere lasten, das also ihre jeweils ausgewiesenen Gewinne f&uuml;r die Jahre (mindestens) von 2003-2008 nicht der Realit&auml;t entsprachen. Infolgedessen hatten auch die ausgezahlten Dividenden und vor allem die Boni und Verg&uuml;tungen keinen realen Hintergrund. Am deutlichsten sieht man das daran, dass zum Beispiel Lehman Brothers noch Milliarden an Boni ausgezahlt hat, als dieses Unternehmen quasi schon pleite war.<\/p><p>Sind diese Vorg&auml;nge juristisch v&ouml;llig ohne Belang?<\/p><p><strong>Zum 8. Fall: Steuerhinterziehung beziehungsweise Steuerumgehung durch Auslagerung in Steueroasen<\/strong><br>\nEs ist davon auszugehen, dass deutsche Finanzbeh&ouml;rden und deutsche Finanzminister von der Steuerhinterziehung und von Steuerumgehungsf&auml;llen wussten, ohne dagegen vorzugehen, auch ohne dagegen vorzugehen, wenn sie aufgrund des &ouml;ffentlichen Eigentums die M&ouml;glichkeit zur Intervention gehabt h&auml;tten. Dass Landesbanken zum Beispiel solche Steuertricks nutzen und diese auch privaten Kunden m&ouml;glich machen, ohne dass andere &ouml;ffentliche Stellen intervenieren, ist eigentlich unvorstellbar.<\/p><p><strong>Wo bleibt angesichts dieser juristisch fragw&uuml;rdigen Vorg&auml;nge die Mehrheit der einflussreichen deutschen Juristen? Einige wenige leisten Aufkl&auml;rungsarbeit und dr&auml;ngen auch auf juristische Schritte. Aber es fehlt die Tat der Mehrheit. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier in den NachDenkSeiten und in manchen anderen Medien k&ouml;nnen Sie in diesen Tagen immer wieder davon lesen, wie sich Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, wie Steuergelder veruntreut werden, wie dem Land zu Gunsten privater Interessen Schulden aufgeb&uuml;rdet werden, wie zu diesem Zweck Informationen unterdr&uuml;ckt werden und schlicht gelogen wird und wie Falsches vorgespiegelt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3730\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,138],"tags":[227,224,223,225,222,228,226],"class_list":["post-3730","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","tag-ackermann-josef","tag-allianz","tag-bad-bank","tag-hre","tag-ikb","tag-manager-boni","tag-postbank"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3730"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20020,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3730\/revisions\/20020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}