{"id":37359,"date":"2017-03-10T15:01:06","date_gmt":"2017-03-10T14:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37359"},"modified":"2017-03-16T07:59:45","modified_gmt":"2017-03-16T06:59:45","slug":"der-dgb-widerspricht-unserer-kritischen-einschaetzung-des-dgb-rentenkampagnenbeschlusses-dies-und-eine-antwort-der-nachdenkseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37359","title":{"rendered":"Der DGB widerspricht unserer kritischen Einsch\u00e4tzung des DGB-Rentenkampagnenbeschlusses. Dies und eine Antwort der NachDenkSeiten."},"content":{"rendered":"<p>In den NachDenkSeiten konnten Sie von 2004 an eine berechtigte Kritik an den damaligen Rentenreformen mit Riester-Rente und Entgeltumwandlung lesen. In meinen B&uuml;chern sogar schon fr&uuml;her &ndash; ab 1997!. Wir haben leider Recht behalten &ndash; die Privatvorsorge in Form der Riester-Rente hat sich als Flop erwiesen, die Entgeltumwandlung ist teuer und hilft nur Wenigen. Die Bundesregierung hat daraus nichts gelernt. Wir hatten inst&auml;ndig gehofft, dass die Gewerkschaften Andrea Nahles auf die Spr&uuml;nge helfen. Deshalb waren wir entt&auml;uscht &uuml;ber den windelweichen Kampagnenbeschluss des DGB-Bundesvorstands. &ndash; Die beim DGB-Bundesvorstand zust&auml;ndige Annelie Buntenbach hat der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37323\">NDS-Kritik<\/a> widersprochen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6455\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37359-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37359-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170313_DGB_widerspricht_unserer_kritischen_Einschaetzung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Unseren Leserinnen und Lesern geben wir den<\/p><ol type=\"I\">\n<li>Widerspruch des DGB-Bundesvorstands zur Kenntnis. <\/li>\n<li>Wir erlauben uns dann, diesen Widerspruch kurz zu kommentieren und<\/li>\n<li>eine in diesem Zusammenhang wichtige Information zur wegweisenden Rentenpolitik in unserem Nachbarland &Ouml;sterreich anzuh&auml;ngen. Das ist der Text einer Plus Minus Sendung vom 8.3.2017.<\/li>\n<\/ol><ol type=\"I\">\n<li><strong>DGB-Bundesvorstandsmitglied Buntenbach widerspricht den NachDenkSeiten<\/strong>\n<p>Am 8. M&auml;rz hatten die NachDenkSeiten unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37323\">DGB-Rentenkampagnenbeschluss &ndash; Eine wirkliche Entt&auml;uschung. Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Nahles, die Arbeitgeberseite und die Versicherungswirtschaft<\/a>&ldquo; den Bundesvorstandsbeschluss des DGB &ndash; Titel: &bdquo;Zukunftsgerichtete Rentenpolitik&ldquo; &ndash; vom 28.2.2017 kommentiert. Wir haben ihn kritisch kommentiert.<\/p>\n<p>Der Pressesprecher des DGB, Jan Piegsa, hat gestern widersprochen und den Widerspruch des DGB-Bundesvorstandsmitglieds Annelie Buntenbach  zur Ver&ouml;ffentlichung auf den NachDenkSeiten geschickt. Der Pressesprecher mahnt von sich aus schon an, wir h&auml;tten zu Unrecht den Beschluss des DGB mit dem Konzept der Bundesarbeitsministerin gleichgesetzt.<\/p>\n<p>Hier ist der Widerspruch:<\/p>\n<p><strong>Warum der DGB-Beschluss zur Rentenpolitik zukunftsgerichtet und generationengerecht ist <\/strong><br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Von Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nEin echter Richtungswechsel in der Rentenpolitik &ndash; darauf zielt der Bundesvorstandsbeschluss des DGB von Ende Februar 2017. W&uuml;rde dieser Beschluss durchgesetzt, h&auml;tten wir zum ersten Mal seit 2001 die Automatik der Rentenk&uuml;rzungen ausgehebelt und das Rentenniveau w&uuml;rde wieder steigen. Gleichzeitig w&auml;re mit dem M&auml;rchen aufger&auml;umt, dass man den L&ouml;chern, die in der gesetzlichen Rente gerissen worden sind, privat hinterhersparen k&ouml;nnte. Die umlagefinanzierte Rentenversicherung, verbreitert zu einer Erwerbst&auml;tigenversicherung, ist das Beste, was wir f&uuml;r die Zukunft haben. Daf&uuml;r m&uuml;ssten aber auch die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung verbessert, und die Lasten gerecht verteilt werden &ndash; mindestens &uuml;ber die parit&auml;tische Beteiligung der Arbeitgeber. Auch wenn das nicht die L&ouml;sung aller Probleme sein mag, es w&auml;re allemal ein gro&szlig;er Schritt nach vorne. Deshalb setzen wir uns daf&uuml;r mit Nachdruck ein. Wir sind &uuml;berzeugt, dass es sich lohnt!<br>\n&nbsp;<br>\nOhne Kurswechsel w&uuml;rde das Rentenniveau unaufh&ouml;rlich weiter sinken. Das geltende Recht sieht ab 2030 keine &Uuml;berpr&uuml;fung vor, keine Untergrenze. Daher ist f&uuml;r den DGB und die Gewerkschaften der Kurswechsel in der Rentenpolitik entscheidend. Die Kampagne zielt auf die Bundestagwahl und die n&auml;chste Wahlperiode. Mit ausreichend Druck, da sind wir uns sicher, wird die kommende Koalition nicht weniger versprechen k&ouml;nnen als eine Stabilisierung des Rentenniveaus auf dem heutigen Stand von 48 Prozent und im weiteren Schritt dann eine Anhebung, etwa auf 50 Prozent. Daf&uuml;r stehen die Gewerkschaften.<br>\n&nbsp;<br>\nDie Unterschiede zum Konzept der Bundessozialministerin Nahles sind offensichtlich. Diese werden auch dadurch nicht geringer, wenn die Nachdenkseiten einen ganzen Abschnitt, der ausschlie&szlig;lich das Gesamtkonzept der Sozialministerin wiedergibt, betitelt mit &bdquo;die vom DGB beschriebene Zukunft kann in groben Z&uuml;gen so zusammengefasst werden&hellip;.&ldquo; Eine redliche Auseinandersetzung sieht anders aus; auch ein konstruktiver Beitrag zur Zukunft der Rentenversicherung ist das sicher nicht.<br>\n&nbsp;<br>\nNun gibt es viele Gr&uuml;nde und Argumente, ein Niveau von 48 oder 50 Prozent f&uuml;r unzureichend zu halten und 53 Prozent oder auch mehr zu fordern &ndash; Stichwort &Ouml;sterreich. Aber auch diesen Weg kann nur beschreiten, wer zuvor in der Rentenpolitik einen Kurswechsel durchsetzt: weg vom automatischen Sinkflug, hin zu einem definierten Leistungsniveau. Erst wenn im Mittelpunkt der Rentenpolitik wieder ein stabiles Rentenniveau steht, ein Leistungsversprechen, ergibt ein Streit &uuml;ber die richtige H&ouml;he Sinn. Sich heute wegen der Frage der H&ouml;he zu spalten, stoppt nicht den Sinkflug des Rentenniveaus: statt 48 Prozent plus X gibt es dann fast nix.<br>\n&nbsp;<br>\nDie von uns beauftragten Berechnungen der Prognos AG zeigen, dass ein solcher Kurswechsel darstellbar und finanzierbar ist. Die Entwicklung bis 2045 ist sehr ungewiss; Modellrechnungen wie die von Prognos fu&szlig;en auf umfangreichen Annahmen, deren Auswirkungen mit dem Vorausberechnungszeitraum exponentiell wachsen. Und die Zahlen m&uuml;ssen unangreifbar sein f&uuml;r jene, die das Rentenniveau weiter senken wollen. Es dient der politischen Auseinandersetzung, wenn nicht &uuml;ber die Modellrechnungen gestritten wird, sondern &uuml;ber die Verteilung des erarbeiteten Wohlstands, &uuml;ber die Frage, ob die Arbeitgeber sich parit&auml;tisch an der Finanzierung beteiligen sollen und dass ein Kurswechsel gerade nicht zu einer h&ouml;heren Gesamtbelastung der Besch&auml;ftigten f&uuml;hrt. Daher macht es Sinn, die Modellrechnungen von einem von Regierung, Arbeitgebern, Wirtschaftsverb&auml;nden und Wirtschaftsprofessoren akzeptierten Institut durchf&uuml;hren zu lassen. Dies befreit niemanden vom selbstst&auml;ndigen Denken und l&auml;sst Raum f&uuml;r alternative Berechnungen.<br>\n&nbsp;<br>\nUnsere Kampagne zeigt erste Wirkung. Immer mehr Parteien wollen den weiteren Sinkflug stoppen: SPD und Gr&uuml;ne wollen wenigstens stabilisieren, die Linke will 53 Prozent Rentenniveau. CDU und CSU diskutieren noch, ob und gegebenenfalls auf welcher H&ouml;he eine Stabilisierung erfolgen soll. Nicht zu &uuml;berzeugen ist wie immer die FDP.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nFakt ist, der DGB und seine Gewerkschaften l&auml;uten den Kurswechsel in der Rentenversicherung ein. Wir machen Vorschl&auml;ge, die nachvollziehbar und finanzierbar sind und die schnell Wirkung entfalten k&ouml;nnen. Das ist nicht das Ende der Rentendebatte, sondern der Beginn notwendiger Reformen.<\/p><\/li>\n<li>Kommentar der NachDenkSeiten (Albrecht M&uuml;ller) zum Widerspruch des DGB-Bundesvorstandsmitglieds Buntenbach\n<ol>\n<li>Ein &bdquo;Kurswechsel&ldquo; in der Rentenpolitik w&auml;re in der Tat wichtig und notwendig. Aber das w&uuml;rde verlangen, alle Mittel auf die St&auml;rkung der Gesetzlichen Rente zu verwenden und damit auch ein h&ouml;heres Rentenniveau als 50 % anzustreben. 50 % reichen bei den meisten Menschen nicht zu einem ausk&ouml;mmlichen Rentnerdasein.<\/li>\n<li>Der DGB l&auml;sst mit seinem Vorstandsbeschluss offen, die gescheiterte Riester-Rente fortzusetzen und daf&uuml;r &ouml;ffentliches Geld ausgeben zu lassen.<\/li>\n<li>Und vor allem unterst&uuml;tzt der DGB mit seiner Forderung nach &bdquo;einer tarifvertraglich vereinbarten und vom Arbeitgeber mitfinanzierten Betriebsrente&ldquo; das Kernelement der Rentenreform von Andrea Nahles &ndash; mit all den damit verbundenen Konsequenzen: ein gro&szlig;er Teil der Menschen wird nicht in den Genuss dieser betrieblichen Altersversorgung kommen, es flie&szlig;en &ouml;ffentliche Mittel in ein Versorgungswerk, das im Wesentlichen die Versicherungswirtschaft f&uuml;ttert. <\/li>\n<li>Dass auch starke Einzelgewerkschaften wie die IG-Metall und die IG BCE ein besonderes und aus Sonderinteressen gespeistes Motiv haben, die Arbeits-und Sozialministerin Andrea Nahles bei der Einf&uuml;hrung einer besonderen, staatlich gef&ouml;rderten betrieblichen Altersvorsorge zu unterst&uuml;tzen, verschweigt das Bundesvorstandsmitglied des DGB Buntenbach. Das ist verst&auml;ndlich. Es ist einzusehen, dass ein Mitglied des Bundesvorstands des DGB nicht offenlegen will, welche Spannungen es in der Rentenpolitik zwischen den Einzelgewerkschaften gibt.<br>\nAber dann sollte man mit Kritikern dieses Kampagnenbeschlusses &ndash; wie zum Beispiel dem Seniorenaufstand und den NachDenkSeiten &ndash; etwas weniger rechthaberisch umgehen, als die Kollegin Buntenbach das tut. Das w&auml;re auch im eigenen Interesse. Denn ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit dient sie damit nicht. Viele Kolleginnen und Kollegen kennen n&auml;mlich die Interessengegens&auml;tze. Von Verdi wissen sie zum Beispiel, dass man dort ganz andere Vorstellungen von der notwendigen Rentenreform hat. Aus dem Metallbereich wissen sie und wir, dass es dort Funktion&auml;re gibt, die an einer weiteren &ouml;ffentlichen F&uuml;tterung der &bdquo;Metallrente&ldquo; gro&szlig;es Interesse haben. Dieses Interesse mag man als legitim betrachten, aber selbst viele IG Metaller sehen das anders und w&auml;ren f&uuml;r eine solidarischere Rentenpolitik ihrer Gewerkschaft und des DGB zu haben.<\/li>\n<li>Wenn der DGB Bundesvorstand ein Rentenniveau von 48 % oder maximal 50 % fordert, dann wird er darunter landen, auch unter 48 %. Das sollten Gewerkschafter eigentlich aus Tarifverhandlungen kennen.<\/li>\n<li>Diese 50 % sind meilenweit von dem entfernt, was unsere Kolleginnen und Kollegen in &Ouml;sterreich erreicht haben. Die Volkswirtschaft &Ouml;sterreichs ist der unseren ausgesprochen &auml;hnlich. Auch die Sozialsysteme sind im Kern &auml;hnlich. Es gab keinen Grund daf&uuml;r, dass der DGB Bundesvorstand dieses &ouml;sterreichische Vorbild nicht zum Kern seiner Kampagne f&uuml;r eine Reform der Rentenversorgung macht. Das Modell der Altersversorgung in &Ouml;sterreich war gerade in den letzten Wochen zu einem beachtlich gro&szlig;en Thema in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit geworden. Da muss eine Gewerkschaft, da muss ein DGB Bundesvorstand diese Steilvorlage doch zum Schuss ins Tor nutzen. Andernfalls ist es absolut unglaubw&uuml;rdig, wenn der DGB Bundesvorstand seinen Beschluss mit dem Titel &bdquo;Zukunftsgerichtete Rentenpolitik&ldquo; versieht. Davon kann keine Rede sein.<\/li>\n<li>Richtig ist, dass in der Rentenpolitik der Sinkflug des Rentenniveaus gestoppt werden muss. Das ist richtig formuliert. Aber die Vorstellung, man k&ouml;nne ein h&ouml;heres und den Bed&uuml;rfnissen entsprechendes Rentenniveau erst fordern, wenn man die Stabilisierung auf 48 % erreicht hat, ist wirklich abstrus und wirklichkeitsfern.<\/li>\n<li>Die Rechtfertigung des R&uuml;ckgriffs auf die PrognosAG ist geradezu peinlich. Dazu &auml;u&szlig;ere ich mich nicht im Detail.<\/li>\n<li>Zum Schluss: Der Vorstandsbeschluss des DGB zur Rentenkampagne enth&auml;lt auch ein paar positive Seiten. Darauf hatten wir schon in unserem Artikel vom 8. M&auml;rz hingewiesen. Aber ich wiederhole diese positive Wertung einiger Teile des Beschlusses gerne.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Renten in &Ouml;sterreich &ndash; Vorbild f&uuml;r Deutschland?<\/strong><br>\nVorbemerkung: der Film von plusminus informiert mit ein paar knappen Strichen &uuml;ber das &ouml;sterreichische System und dessen Erfolge. Der Autor dieses Films ist kein Unbekannter, gerade nicht im Milieu jener, die sich um eine vern&uuml;nftige Altersvorsorge k&uuml;mmern. Ingo Blank war zusammen mit Dietrich Krauss Autor und Filmemacher des ber&uuml;hmten Films &bdquo;Rentenangst&ldquo;. Damals, vor fast zehn Jahren, haben die beiden Journalisten eindrucksvoll gezeigt, welche Interessen hinter der Privatisierung der Altersvorsorge stecken und wie sogenannte Wissenschaftler wie der ber&uuml;hmte Bernd Raffelh&uuml;schen zusammen mit seinen Kollegen an der zerst&ouml;rerischen Erosion der Gesetzlichen Rentenversicherung gearbeitet haben. Hier sind <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/080309_ARD_Rentenangst.pdf\">das Manuskript und Drehbuch dieses Films<\/a>.<br>\nUnd hier folgt <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/information\/wirtschaft-boerse\/plusminus\/videos\/Plusminus_08-03-2017_Rente-100.html\">der Film &uuml;ber &Ouml;sterreich<\/a> (Video verf&uuml;gbar bis 08.03.2018).\n<p><em>Info-Box:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>In &Ouml;sterreich liegt die Durchschnittsrente deutlich h&ouml;her als in Deutschland.<\/li>\n<li>&ldquo;Plusminus&rdquo; erkl&auml;rt Punkt f&uuml;r Punkt die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem &ouml;sterreichischen System.<\/li>\n<li>Die Politik nimmt Stellung zur Umsetzbarkeit dieser Ideen in Deutschland.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Susanne Rendl lebt in Wien. N&auml;chstes Jahr kann sie in Rente gehen. Mit 60. Die Ingenieurin und Kulturwissenschaftlerin hatte w&auml;hrend ihres Erwerbslebens oft nur befristete und m&auml;&szlig;ig bezahlte Jobs und aus famili&auml;ren Gr&uuml;nden lange Ausfallzeiten. Die Prognose &uuml;ber die aus ihrem Erwerbsleben resultierende Rentenh&ouml;he war dann aber eine angenehme &Uuml;berraschung: 1658 Euro! Davon k&ouml;nnen in Deutschland viele nur tr&auml;umen. Und das sogar 14 Mal im Jahr. Im deutschen Rentensystem w&auml;ren bei dem gleichen Verlauf h&ouml;chstens 1.100 Euro zusammengekommen.<\/p>\n<p><strong>Informationsbesuch: Erste Eindr&uuml;cke<\/strong><\/p>\n<p>Aber: Sind die hohen Renten in &Ouml;sterreich auf Dauer finanzierbar? Das fragen sich zunehmend Politiker aus Deutschland, so auch eine Delegation des Bundestages, die vor wenigen Tagen zum Informationsaustausch in Wien war. Dazu zwei Stimmen aus Deutschland.<\/p>\n<ul>\n<li>In Deutschland sei zu wenig auf die gesetzliche Rente und das Umlagesystem gesetzt worden, meint Matthias W. Birkwald (Die Linke).<\/li>\n<li>&Ouml;sterreich gebe f&uuml;r die Rente viel mehr Geld aus. Das sei historisch so. Eine Priorit&auml;tenfrage, f&uuml;r Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Unterschiede<\/strong><\/p>\n<p>Aber was genau ist in der Alpenrepublik anders?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170310_dgb_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><strong>H&ouml;here Anrechnung:<\/strong> Im Vergleich zu Deutschland gibt es in &Ouml;sterreich f&uuml;r jedes Versicherungsjahr eine h&ouml;here Rentengutschrift. Da gilt immer noch der Grundsatz: Die gesetzliche Rente muss im Alter den Lebensstandard sichern. Nach 45 Arbeitsjahren bekommt ein Rentner in &Ouml;sterreich um die 80 Prozent seines durchschnittlichen Bruttoeinkommens. In Deutschland sind es nur gut 44 Prozent, Tendenz: fallend. Der enorme Unterschied hat selbst Rentenexperten in &Ouml;sterreich &uuml;berrascht. Das Leistungsniveau in Deutschland reiche in vielen F&auml;llen nur noch f&uuml;r Renten unterhalb der Armutsgrenze. &ldquo;Mit dem haben wir absolut nicht gerechnet. Das ist aus &ouml;sterreichischer Perspektive schon sehr komisch, dass ein reiches Land wie Deutschland sich kein besseres Rentensystem leistet&rdquo;, so Dr. Josef W&ouml;ss von der Arbeiterkammer Wien.<\/p>\n<p><strong>Erwerbst&auml;tigenversicherung:<\/strong> Anders als in Deutschland zahlen in &Ouml;sterreich alle Erwerbst&auml;tigen in die Rentenkasse ein. Auch Selbstst&auml;ndige und Geringverdiener. Bis zur Einkommensgrenze von 4980 Euro m&uuml;ssen Beitr&auml;ge bezahlt werden. Die Versicherungspflicht beginnt ab einem Einkommen von rund 450 Euro. Die Grenze f&uuml;r beitragsfreie geringf&uuml;gige Besch&auml;ftigungen liegt bei 425,70 Euro. Wer mehr verdient, muss Beitr&auml;ge in die Rentenkasse zahlen.<\/p>\n<p><strong>Bruttoinlandsprodukt:<\/strong> Deutschland gibt nur knapp zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts f&uuml;r Renten aus. &Ouml;sterreich dagegen 14 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Betriebsrenten und Privatvorsorge:<\/strong> 90 Prozent der &Ouml;sterreicher verlassen sich auf die gesetzliche Rente. Nur zehn Prozent haben eine zus&auml;tzliche Betriebsrente. Eine teure staatlich gef&ouml;rderte Privatvorsorge auf Kosten der gesetzlichen Rente blieb den &Ouml;sterreichern erspart.<\/p>\n<p><strong>Beitragss&auml;tze:<\/strong> Daf&uuml;r ist der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente mit 22,8 Prozent h&ouml;her als in Deutschland. Die Arbeitnehmer zahlen aber nur 10,25, die Arbeitgeber dagegen 12,55. Die Wirtschaftskammer in Wien beklagt das nat&uuml;rlich. &ldquo;Wir haben einen europ&auml;ischen Spitzensatz erreicht. Wir w&uuml;rden gerne die Lohnnebenkosten senken, erh&ouml;hen geht ganz sicher nicht mehr&rdquo;, sagt Dr. Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer &Ouml;sterreich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170310_dgb_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><strong>Kostenvergleich:<\/strong> Alle Versuche, etwas zu &auml;ndern, waren bisher aber politisch nicht durchsetzbar. Anders als in Deutschland. &ldquo;Es ist ja keine Kostenersparnis, wenn ich vom gesetzlichen System zu einer privaten Vorsorgeform wechsle. Dadurch werden ja f&uuml;rs erste keine Kosten gespart. Bestenfalls verlagert. Vieles spricht daf&uuml;r, dass das sogar deutlich teurer wird&rdquo;, so Dr. Josef W&ouml;ss von der Arbeiterkammer Wien.<\/p>\n<p><strong>Mindestrente:<\/strong> Sybilla Wojslaw ist Krankenschwester in einer Wiener Privatklinik. Wie viele andere Erwerbst&auml;tige auch, wird sie bis zu ihrer Rente weder den Durchschnittsverdienst noch 45 Beitragsjahre erreichen. Insgesamt wird sie vielleicht auf 35 Jahre kommen. Es k&ouml;nnte ein bisschen knapp werden, f&uuml;rchtet sie. Allerdings wird ihre Rente immer noch weit &uuml;ber der Armutsgrenze liegen.<\/p>\n<p>Alle, die nur eine Rentenh&ouml;he unterhalb der Armutsgrenze erreichen, haben Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Finanziert aus Steuermitteln. Eine Art Mindestrente. Deutlich h&ouml;her und weniger b&uuml;rokratisch als die Grundsicherung in Deutschland.<\/p>\n<p>&ldquo;Wenn das Haushaltseinkommen bestimmte Grenzen nicht erreicht, das ist f&uuml;r eine alleinstehende Person 890 Euro im Monat beziehungsweise f&uuml;r einen Paar-Haushalt 1350 Euro, wenn diese Einkommensgrenze nicht erreicht wird, dann wird die Differenz zwischen der eigenen Pensionsh&ouml;he und dieser Ausgleichszulagengrenze zugezahlt&rdquo;, so Magistra Christine Mayrhuber vom &Ouml;sterreichischen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (WIFO). Gepr&uuml;ft wird daf&uuml;r nur das Einkommen. Nicht das Verm&ouml;gen. Senioren in &Ouml;sterreich k&ouml;nnen ihr Erspartes und ihr Auto behalten.<\/p>\n<p><strong>Binnennachfrage:<\/strong> Der Wiener Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister war lange Jahre Gastprofessor an internationalen Universit&auml;ten. Gerade ist er selbst in Pension gegangen. Sein Credo: &Uuml;berm&auml;&szlig;iges Sparen bei den Renten schadet am Ende der Wirtschaft.&nbsp; &ldquo;Ich glaube, Deutschland ist mit dem Sparen bei den Renten nicht am richtigen Weg, weil man ja damit systematisch die Konsumnachfrage d&auml;mpft und auch die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft erh&ouml;ht.&rdquo;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170310_dgb_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><strong>Rentenreformen:<\/strong> Allerdings f&auml;llt auch in &Ouml;sterreich das Geld nicht vom Himmel. In den n&auml;chsten Jahren wird die Versorgung der Beamten an die der Normalb&uuml;rger angeglichen und die Renten werden abgesenkt. Sie bleiben aber auch in Zukunft erheblich h&ouml;her als in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Was k&ouml;nnen wir lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Abgeordneten aus Berlin haben zwei Tage intensive Gespr&auml;che gef&uuml;hrt. Was nehmen sie mit? Was k&ouml;nnen wir lernen? Dr. Martin Rosemann (SPD) meint: &ldquo;&Ouml;sterreich hat Mindestsicherungselemente in der Rentenversicherung, sowas wollen wir, will Andrea Nahles mit der Solidarrente auch einf&uuml;hren, um Altersarmut zu verhindern und Lebensleistung besser anzuerkennen.&rdquo;<\/p>\n<p>Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (B&uuml;ndnis 90\/ Die Gr&uuml;nen) erkl&auml;rt: &ldquo;Der Punkt, wo wir am meisten lernen k&ouml;nnen, ist, wie alle Erwerbst&auml;tigen einbezogen worden sind, wie auch die Renten, Pensionen von Beamten, jetzt harmonisiert werden &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum.&rdquo;<\/p>\n<p>Matthias W. Birkwald (Die Linke) denkt: &ldquo;In Deutschland haben wir viel zu sehr auf kapitalgedeckte Altersvorsorge geschaut. Die ist, wie sich jetzt in der Niedrigzinsphase zeigt, gescheitert. &Ouml;sterreich hat das besser gemacht. Auf die Umlage gesetzt, und das sollten wir in Deutschland auch wieder tun.&rdquo;<\/p>\n<p><strong>Sorgenmacher<\/strong><\/p>\n<p>Und es gibt auch noch eine psychologische Komponente. Ein Klima der Zukunftsangst schadet dem Konsum und auch der Wirtschaft. Das lehre die Erfahrung, meint Stefan Schulmeister: <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170310_dgb_04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p>&ldquo;Wenn man sich in einem Land immer Sorgen macht um die Renten, dann wird allein durch das Sorgen machen das Wirtschaftswachstum ged&auml;mpft und die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme und auch der Rentensysteme verschlechtert. Und in &Ouml;sterreich sind wir, glaube ich, weniger gut im Sorgen machen als in Deutschland.&rdquo;<\/p>\n<p>Den Lebensstandard sichern in der gesetzlichen Rente? Das ist tats&auml;chlich machbar und gar nicht mal so schwer. Wenn &ndash; wie in &Ouml;sterreich &ndash; der politische Wille dazu vorhanden ist.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von Ingo Blank<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den NachDenkSeiten konnten Sie von 2004 an eine berechtigte Kritik an den damaligen Rentenreformen mit Riester-Rente und Entgeltumwandlung lesen. In meinen B&uuml;chern sogar schon fr&uuml;her &ndash; ab 1997!. Wir haben leider Recht behalten &ndash; die Privatvorsorge in Form der Riester-Rente hat sich als Flop erwiesen, die Entgeltumwandlung ist teuer und hilft nur Wenigen. Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37359\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,109,39,40],"tags":[635,771,802,290,1688,517,1990,904,504,742,830,273,1610,1912,1381,281],"class_list":["post-37359","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-gewerkschaften","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","tag-altersarmut","tag-oesterreich","tag-betriebliche-altersvorsorge","tag-binnennachfrage","tag-buntenbach-annelie","tag-dgb","tag-entgeltumwandlung","tag-grv","tag-ig-bce","tag-ig-metall","tag-nahles-andrea","tag-privatvorsorge","tag-prognos","tag-rentenniveau","tag-solidarrente","tag-verdi"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37359"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37359\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37383,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37359\/revisions\/37383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}