{"id":37391,"date":"2017-03-14T09:05:39","date_gmt":"2017-03-14T08:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37391"},"modified":"2024-09-24T08:24:31","modified_gmt":"2024-09-24T06:24:31","slug":"agustin-edwards-auf-dem-sterbebett-das-strafregister-des-zeitungsverlegers-der-im-auftrag-des-cia-salvador-allende-stuerzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37391","title":{"rendered":"Agustin Edwards auf dem Sterbebett \u2013 Das Strafregister des Zeitungsverlegers, der im Auftrag des CIA Salvador Allende st\u00fcrzte"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170314_ae1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Agustin Edwards liegt seit Tagen im Koma und fiebert nun seinem Tod entgegen. <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Blick auf das Leben des chilenischen Medienzaren geworfen, der als finsterer Figur im Hintergrund die Geschichte Chiles massiv beeinflusst hat und zusammen mit der CIA S&uuml;damerika umgestalten wollte.<\/p><div style=\"clear:both\"><\/div><p><!--more--><br>\nIn den ersten M&auml;rztagen &uuml;berflutete eine Hiobsbotschaft die chilenischen Medien: &ldquo;A los 89 a&ntilde;os falleci&oacute; Agustin Edwards, duen&otilde; de El Mercurio&rdquo; (&ldquo;Im Alter von 89 Jahren verstarb Agust&iacute;n Edwards, Eigent&uuml;mer des El Mercurio&rdquo;) schrieb am 3. des Monats die einflussreiche und der Sozialistischen Partei Chiles nahestehende Wochenzeitung Cambio 21. <\/p><p>Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und rangierte in wenigen Minuten als trending topic Nr. 1 in den sozialen Netzwerken. Doch kaum war eine Stunde vergangen, da erwies sich der Titel als Falschmeldung des Radiosenders ADN in Santiago de Chile, der sich &ouml;ffentlich daf&uuml;r entschuldigen musste. Vielmehr &uuml;berlebte Edwards in k&uuml;nstlichem Koma, korrigierte eine Erkl&auml;rung der Familie. Allerdings, selbst vom Dementi keine Zeile in den einflussreichen Druckmedien des Familienunternehmens, <em>El Mercurio<\/em>, <em>Las Ultimas Noticias<\/em> und <em>La Segunda<\/em>.<\/p><p>Scharfsinnige Psychoanalytiker belustigen sich nun damit, die &uuml;berst&uuml;rzte Todesmeldung als Ausdruck kollektiven Wunschdenkens &ndash; zumindest der Mehrheit der Chilenen &ndash; zu interpretieren, doch ebenso das dunstgraue Schweigen der Familie Edwards als verzweifelten Versuch zu diagnostizieren, das unentrinnbare Ableben eines der  Agust&iacute;n Edwards und sein Familien-Clan f&uuml;hlten sich noch nie gern an ihr gesch&auml;digtes Verh&auml;ltnis zur Wahrheit erinnert, wor&uuml;ber ihr Stammbaum in Chile B&auml;nde spricht.<\/p><p><strong>Freibeuter, Banker und Medienzaren<\/strong><\/p><p>&ldquo;Das Erbe der verschiedenen Augustiner ist &uuml;berschattet vom Machthunger zu jedem Preis und verweist immer auf <em>El Mercurio<\/em> als seine Legitimationsquelle; eine Mediengruppe, die in der Lage ist, groteske L&uuml;gen in absolute Wahrheiten zu verwandeln. Das wird auch das Erbe Agust&iacute;n Edwards del R&iacute;o sein, der Sohn des bis zum heutigen Tag makabersten aller Edwards&rdquo;, schrieb die chilenische Journalistin Daniela Contador &uuml;ber den aussichtslosen Kampf Edwards Eastmans mit dem Tod (&ldquo;Agust&iacute;n Edwards: La dinast&iacute;a que no muere&rdquo;, <em>La 4ta Muralla<\/em>, 03.03.2017).<\/p><p>Die von Anekdoten und R&auml;ubergeschichten umrankte Genealogie begann im Jahr 1804, als der britische Piratenschoner &ldquo;Blackhouse&rdquo;, der an den Napoleonischen Kriegen beteiligt gewesen war, im nordchilenischen La Serena einlief und die Mannschaft auf Beutezug an Land ging.<\/p><p>Die Legende erz&auml;hlt, dass ein gewisser George Edwards Brown aus Finsbury bei London, der sich als Bord-Barbier und &ldquo;Notfallchirurg&rdquo; durchschlug, die Haust&uuml;r der spanischen Gro&szlig;grund- und Minenbesitzer-Familie Ossand&oacute;n mit einem Fu&szlig;tritt niedermachte, doch mit schussbereiter Waffe in der Hand seinen Mund nicht mehr zubekam, als ihn die Haustochter Isabel Ossand&oacute;n Iribarren hinter den Tr&uuml;mmern anstarrte. Verzaubert von ihrer Sch&ouml;nheit, soll Seer&auml;uber Edwards Brown die Waffen gestreckt und um Hausasyl gebeten haben, als er von seinen krakeelenden Kameraden in der Stadt gesucht wurde. Drei Tage lang in einem leeren Oliven&ouml;l-Fass geduckt, meldete sich der britische B&uuml;rgerschreck bald den spanischen Beh&ouml;rden und heiratete wenige Monate sp&auml;ter Isabel Ossand&oacute;n.<\/p><p>Durch die Ossand&oacute;ns kam Edwards auf das Kupfer in der Atacama-W&uuml;ste und bildete sein erstes Verm&ouml;gen mit Wucherzinsen als Kreditgeber an geldlose Minenbesitzer. Der nur scheinbar reum&uuml;tige Brite diente sich bald dazu an, eine Schar seiner Landsleute in &Uuml;bersee nach Chile zu locken und vom rentablen Kupfer- und Salpeter-Tagebau zu &uuml;berzeugen. Zu den weitgereisten und durchlauchten G&auml;sten der sp&auml;teren Edwards-Villa in La Serena soll auch Charles Darwin gez&auml;hlt haben. Die Machtgier der Briten gipfelte schlie&szlig;lich im sog. Salpeterkrieg von 1879, als die postkoloniale Oligarchie Chiles einen &Uuml;berfall auf Peru und Bolivien ver&uuml;bte, den die Engl&auml;nder mit Waffen und Geld finanzierten und in dem Bolivien 400 km seiner K&uuml;ste einb&uuml;&szlig;te.<\/p><p>Der Sohn des Piraten, Jos&eacute; Agust&iacute;n Edwards Ossand&oacute;n, vermehrte bald den Reichtum und wird mit dem Titel &ldquo;Agust&iacute;n I&rdquo; als eigentlicher Gr&uuml;nder der Dynastie bezeichnet. &ldquo;Agust&iacute;n I&rdquo; kaufte seinerzeit die gesamte chilenische Kupferproduktion auf, hortete sie in chilenischen H&auml;fen und verdiente Unsummen mit der Preis-Spekulation. Mit der Gr&uuml;ndung der ersten Versicherungsgesellschaft des Landes &ndash; der Compa&ntilde;&iacute;a Chilena de Seguros &ndash; und der Banco Edwards erreichte der Clan in vier Nachfolge-Generationen den Aufstieg in den Bankerstand, aber auch in die Politik und damit in Chiles herrschende Oligarchie.<\/p><p>&ldquo;Politik mit anderen Mitteln&rdquo;<\/p><p>Nach vielf&auml;ltigen R&uuml;ckschl&auml;gen als Abgeordnete und Senatoren der fr&uuml;hen chilenischen Republik entschied sich der Clan zur Politik mit anderen Mitteln. Und das geschah 1875, mit dem Kauf der seit 1827 bestehenden, doch pl&ouml;tzlich verschuldeten Regionalzeitung <em>El Mercurio de Valpara&iacute;so<\/em>. <\/p><p>Erst f&uuml;nfundzwanzig Jahre sp&auml;ter beschloss der Clan die Ausweitung des Mediengesch&auml;fts mit der Gr&uuml;ndung der &uuml;berregionalen Tageszeitung <em>El Mercurio<\/em> in der Hauptstadt Santiago, die in den 1960er Jahren als Erbschaft in den Besitz des heute 89j&auml;hrigen Agust&iacute;n Edwards Eastman &uuml;berging.<\/p><p>Zur Gruppe <em>El Mercurio S.A.P.<\/em> geh&ouml;ren die namensstiftende, &uuml;berregionale Tageszeitung, das Massenblatt <em>Las Ultimas Noticias<\/em> und die Boulevard-Ausgabe <em>La Segunda<\/em>. Doch die Konturen des sprichw&ouml;rtlichen Imperiums werden erst deutlich mit der Auflistung von mindestens 25 Regionalzeitungen und etlichen Unterhaltungs-Radiosendern, die der Verlag im chilenischen Hinterland herausgibt und betreibt und damit etwa 60 Prozent des chilenischen Medienmarktes auf sich vereinigt.<\/p><p>Zusammen mit dem Konkurrenzunternehmen Copesa, Herausgeber der Tageszeitung <em>La Tercera<\/em>, bildet <em>El Mercurio S.A.P.<\/em> das seit Jahren von Journalisten und Politikern &ndash; einschlie&szlig;lich Staatspr&auml;sidentin Michelle Bachelets &ndash; beklagte Medien-&rdquo;Duopol&rdquo;, das von einer Gesetzgebung zur Demokratisierung des Medienmarktes und der Wiederherstellung des Meinungs-Pluralismus aufgel&ouml;st werden sollte; doch bisher ohne Erfolg. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170314_ae3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Amerikanische Freunde und neoliberaler think tank <\/p><p>Dass Edwards Eastman nie viel von Demokratie hielt, bezeugen seine vielf&auml;ltigen Verwicklungen mit der Pinochet-Diktatur.                                                                                         <\/p><p>Nach Studien an der Woodrow-Wilson-Akademie und der Universit&auml;t Princeton in den USA kn&uuml;pfte er bereits in den 1950er Jahren enge Kontakte zum US-amerikanischen Establishment und entwickelte eine enge Freundschaft zu David Rockefeller, der als fast 100-j&auml;hriger Greis im Rollstuhl oft gesehener Gast auf dem Gutshof des Chilenen an den Ufern des Ranco-Sees ist.<\/p><p>Als Allein-Herausgeber des El Mercurio waren ihm allerdings in den 1960er Jahren die Reformen des damaligen, christdemokratischen Pr&auml;sidenten Eduardo Frei Montalva, insbesondere dessen vorsichtige Landreform, schon ein Dorn im Auge. Mit einer Gruppe chilenischer Absolventen der Chicagoer Wirtschaftsschule unter Milton Friedman &ndash; die Frei Montalva mit der Forderung nach dem &ldquo;Minimalstaat&rdquo; bek&auml;mpften &ndash; gr&uuml;ndete Edwards Eastman mit Admiral Jos&eacute; Toribio Merino den Geheimbund &ldquo;Nautische Bruderschaft des S&uuml;dpazifiks&rdquo;. <\/p><p>Mit der Ausarbeitung des sog. &ldquo;Ladrillo&rdquo; &ndash; ein radikal-neoliberaler Wirtschaftsplan &ndash; war der zivil-milit&auml;rische Geheimbund als think tank&nbsp;des konservativen Pr&auml;sidentschaftskandidaten Jorge Alessandri t&auml;tig, der in der Wahl von 1970 nur knapp gegen Salvador Allende unterlag, Nach Auskunft des Hinchey-Reports vom State-Department (<a href=\"https:\/\/www.hsdl.org\/?abstract&amp;did=438476\">CIA Reports: Hinchey Report: CIA Activities in Chile<\/a>) wurde diese Kampagne mit hunderttausenden US-Dollar insgeheim finanziert.<\/p><p>Nicht zuf&auml;llig, wenige Jahre sp&auml;ter, kommandierte Admiral Merino in den fr&uuml;hen Morgenstunden des 11. September 1973, in Valpara&iacute;so, den Auftakt der Marine zum Putsch gegen Salvador Allende, dem sich Augusto Pinochet erst wenige Tage zuvor anschloss.<\/p><p>&ldquo;Track 1&rdquo;: <em>El Mercurio<\/em> im Auftrag des CIA<\/p><p>Edwards belog Richter Carroza. <\/p><p>Mit der Vorlage des <a href=\"https:\/\/fas.org\/\">COVERT ACTION IN CHILE 1963-1973 STAFF REPORTS<\/a> von US-Senator Frank Church war bereits seit 1974 einwandfrei erwiesen, dass der chilenische Verleger mit dem CIA ein Millionen Dollar schweres Tauschgesch&auml;ft zur Finanzierung einer Hetzkampagne, mit dem erkl&auml;rten Ziel der Destabilisierung und dem Sturz der Regierung Allende, eingegangen war. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170314_ae2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170314_ae2_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Peter Kornbluh &ndash; Direktor des National Security Archives Chile Documentation Project &ndash; ver&ouml;ffentlichte zehn Jahre sp&auml;ter das Buch <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Pinochet-File-Declassified-Atrocity-Accountability\/dp\/1595589120\">The Pinochet File: A Declassified Dossier on Atrocity and Accountability<\/a> mit dem Abdruck von Anfang des Millenniums freigegebener Dokumente. In seinem <a href=\"http:\/\/connection.ebscohost.com\/c\/articles\/10715614\/el-mercurio-file\">THE EL MERCURIO FILE &ndash; EBSCOhost Connection<\/a> erf&auml;hrt der staunende Leser von jener Geheimoperation, f&uuml;r die der CIA von 1970 bis 1973 in genauen Zahlen 1,965 Millionen US-Dollar [ca. 9.5 Millionen Dollar nach heutigem Wert] zur Finanzierung von <em>El Mercurio<\/em> als Kriegspostille gegen Salvador Allende zahlte &ndash; Vorg&auml;nge, die im &Uuml;brigen von CIA-Chef Richard Helms&acute; Ged&auml;chtnisprotokollen und Geheimtelegrammen vorher schwarz auf wei&szlig; belegt waren.<\/p><p>&ldquo;Track 1&rdquo; war das Codewort des State Department und des CIA f&uuml;r die erste Etappe des versuchten Staatsstreichs in Chile. Sie sollte zun&auml;chst die Wahl Allendes verhindern. Als der Versuch scheiterte, wurde am 22. Oktober 1970 im Auftrag des CIA der Heeres-Kommandant und Loyalist, General Ren&eacute; Schneider, bei einem Attentat rechtsradikaler Offiziere und Terroristen der Faschisten-Organisation &ldquo;Patria y Libertad&rdquo; (&ldquo;Vaterland und Freiheit&rdquo;) mit dem Ziel erschossen, die gesamten Streitkr&auml;fte zu einem Putsch herauszufordern.<\/p><p>Die Streitkr&auml;fte reagierten nicht und Schneiders Nachfolger als Heeres-Kommandant wurde der ebenso verfassungstreue General Carlos Prats, der Allendes sozialistischen Regierungskurs bis zum letzten Tag sicherte, doch nach dem Putsch ins argentinische Exil fl&uuml;chten musste. Am 30. September 1974 erlitt Prats in Begleitung seiner Ehefrau das gleiche Schicksal wie sein Freund, General Schneider: sein Auto wurde von Pinochets Schergen in Buenos Aires in die Luft gesprengt.<\/p><p>In ihrem 2008 in Chile erschienenen Buch, &ldquo;Salvador Allende: C&oacute;mo la Casa Blanca provoc&oacute; su muerte&rdquo; (&ldquo;Salvador Allende: Wie das Wei&szlig;e Haus seinen Tod bewirkte&rdquo;, Ed. Catalonia) erkl&auml;rte die preisgekr&ouml;nte und mittlerweile verstorbene Journalistin Patricia Verdugo, &uuml;ber viele Jahre hinweg davon &uuml;berzeugt gewesen zu sein, dass die USA kein zweites Kuba in Lateinamerika dulden wollten. Verschiedene Leute, die Henry Kissingers N&auml;he pflegten, h&auml;tten jedoch diese Annahme korrigiert. In Wahrheit solle Kissinger Salvador Allende f&uuml;r gef&auml;hrlicher als Fidel Castro gehalten haben und sei von der Wahnvorstellung besessen gewesen, Allendes demokratischer Sozialismus h&auml;tte weit &uuml;ber die Grenzen Lateinamerikas auch in Italien und Spanien ein Echo gefunden. Das hielten Pr&auml;sident Nixon und sein Au&szlig;enminister f&uuml;r unakzeptabel und befohlen deshalb den Einsatz von Spitzenagenten des CIA in Chile; &ldquo;die Kriminellsten unter ihnen&rdquo;, schrieb Verdugo.<\/p><p><strong>&ldquo;Unternehmen Colombo&rdquo;<\/strong><\/p><p>Drei Jahre nach seiner ersten Aussage vor Richter Carroza erreichte Agust&iacute;n Edwards Eastman 2016 eine neue Klage. Diesmal im Namen der zwei gr&ouml;&szlig;ten Familienverb&auml;nde ermordeter und verschwundener politischer Gefangener &ndash; AFDD und AFEP &ndash; sowie der Journalistengewerkschaft &ldquo;Colegio de Periodistas de Chile&rdquo;. Die Gemeinschaftsklage beschuldigte den Verleger der Komplizenschaft mit Pinochets Geheimdiensten DINA und CNI bei der Ermordung hunderter, ehemaliger politischer H&auml;ftlinge.<\/p><p>Als besonders makabrer Fall dieser Zusammenarbeit wurde das sog. &ldquo;Unternehmen [Operaci&oacute;n] Colombo&rdquo; aus dem Jahr 1975 bekannt.<\/p><p>Zu dem Zweck, vom Verschwinden von mindestens 119 politischen Gefangenen abzulenken, die in ber&uuml;chtigten Folterzentren, darunter Colonia Dignidad, bis zur Unkenntlichkeit verst&uuml;mmelt, ermordet und teilweise mit Hubschraubern auf hoher See &ldquo;entsorgt&rdquo; worden waren, inszenierte Pinochets Terror-Garde DINA eine filmreife Medien-Maskerade. <\/p><p>Mit der Finanzierung von zwei in Argentinien und Brasilien, ein einziges Mal im Winter 1975 erschienenen Trug-Zeitungen &ndash; <em>Lea<\/em> in Buenos Aires, und <em>Novo O&rsquo;D&iacute;a<\/em> in Curitiba &ndash; s&auml;ten Pinochets Agenten die Falschmeldung aus, wonach im argentinischen Hinterland &ldquo;fl&uuml;chtige, linksgerichtete, chilenische Terroristen unter sich eine Generalabrechnung mit Dutzenden von Toten beglichen&rdquo; h&auml;tten. An verschiedenen Orten Argentiniens schm&uuml;ckten die H&auml;scher k&uuml;nstlich arrangierte &ldquo;Beweisf&auml;lle&rdquo; mit aus Chile herangeschleppten Todesopfern aus, in deren zerlumpte Kleidung sie Ausweispapiere steckten. <\/p><p>Durch eine vorab mit der Mediengruppe <em>El Mercurio<\/em> abgekartete Absprache bestand der zweite Akt darin, die Falschmeldung und ihre Quelle als Aufmacher der Tageszeitung <em>La Segunda<\/em> aufzubauschen.<br>\nAgust&iacute;n Edwards Eastman inszenierte den Auftrag mit ausgesuchter Erfindungsgabe. &ldquo;Hingeschlachtet wie die Ratten&rdquo; (siehe Schlagzeile &ldquo;Exterminados como ratones&rdquo;), betitelte <em>La Segunda<\/em> am 25. Juli 1975 den gespenstischen Betrug.<\/p><p>Im Jahr 2015 verurteilte die chilenische Justiz 76 in den Fall involvierte, ehemalige DINA-Agenten, w&auml;hrend Agust&iacute;n Edwards Eastman mit seiner Privatjacht um die Welt segelte. Als er wiederkehrte und vor Gericht musste, kr&auml;nkelte er pl&ouml;tzlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170314_ae1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Agustin Edwards liegt seit Tagen im Koma und fiebert nun seinem Tod entgegen. <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Blick auf das Leben des chilenischen Medienzaren geworfen, der als finsterer Figur im Hintergrund die Geschichte Chiles massiv beeinflusst hat und zusammen mit der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37391\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,182],"tags":[1344,669,1966,927,901,1345,1337,1963,663,382,1556],"class_list":["post-37391","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","tag-allende-salvador","tag-chile","tag-colonia-dignidad","tag-folter","tag-geheimdienste","tag-kissinger-henry","tag-oligarchen","tag-pinochet-augusto","tag-putsch","tag-think-tanks","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37391"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121784,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37391\/revisions\/121784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}