{"id":37410,"date":"2017-03-15T13:25:56","date_gmt":"2017-03-15T12:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37410"},"modified":"2017-03-20T14:35:07","modified_gmt":"2017-03-20T13:35:07","slug":"italien-fuehrt-eine-pauschalsteuer-fuer-superreiche-ein-eine-neue-runde-im-rattenrennen-um-die-niedrigsten-steuersaetze-ist-eroeffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37410","title":{"rendered":"Italien f\u00fchrt eine Pauschalsteuer f\u00fcr Superreiche ein \u2013 eine neue Runde im Rattenrennen um die niedrigsten Steuers\u00e4tze ist er\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170315_i1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die BMW-Aktien von Susanne Klatten werfen in guten Jahren schon mal Dividenden in H&ouml;he von 815 Millionen Euro ab. Darauf m&uuml;sste sie in Deutschland eigentlich 387 Millionen Steuern zahlen. Dank der von Rot-Gr&uuml;n eingef&uuml;hrten Erhebungsreform, nach der Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen gegen&uuml;ber Eink&uuml;nften aus echter Arbeit bevorzugt behandelt werden, spart Frau Klatten und kommt so auf eine Steuerlast von maximal 204 Millionen Euro. W&uuml;rde sie jedoch ihren Wohnsitz ins sch&ouml;ne Italien verlegen, m&uuml;sste sie nur noch eine Pauschalsumme von 100.000 Euro zahlen. Und Italien ist nicht alleine. Auch Portugal, Zypern, Gro&szlig;britannien und zahlreiche andere europ&auml;ische Staaten buhlen um die Gunst der Superreichen. Ein Rattenrennen, bei dem am Ende alle verlieren. Dabei g&auml;be es eine &uuml;berzeugende Antwort auf dieses Steuerdumping, die ausgerechnet aus den USA kommt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWenn Medien von einer &bdquo;Flat Tax&ldquo; schreiben, mit der Italien Superreiche <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/wirtschaft\/eco1848\/5180485\/Italien-will-mit-Flat-Tax-reiche-Steuerzahler-locken\">anlocken will<\/a>, so ist dies streng genommen falsch. Unter einer Flat Tax versteht man vielmehr einen pauschalen Steuersatz, der auf das gesamte zu versteuernde Einkommen anzuwenden ist. Bulgarien und Tschechien haben beispielsweise derartige Dumping-Flat-Tax-Tarife, die sich je nach Einkommensquelle zwischen 3% und 15% bewegen. Selbst bei einer Flat Tax von 10% w&uuml;rde Frau Klatten aber immerhin noch 81,5 Millionen Euro Steuern zahlen. Das ist nat&uuml;rlich viel zu wenig, aber immer noch um L&auml;ngen mehr als die 100.000 Euro der Italiener. Das italienische Angebot vermeidet daher im offiziellen Sprachgebrauch auch den Begriff &bdquo;Ersatzsteuer&ldquo;. Die hat es aber dann auch in sich.<\/p><p><strong>Ich mache Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen k&ouml;nnen<\/strong><\/p><p>Wer von dem <a href=\"http:\/\/www1.agenziaentrate.gov.it\/english\/invest_italy\/new_residents_regime.htm\">Angebot<\/a> Gebrauch machen will, das Italiens Finanzbeh&ouml;rden letzte Woche vorstellten, muss schon zu einem ausgesuchten Kreis geh&ouml;ren. Er darf in neun der letzten zehn Jahre keinen Hauptwohnsitz in Italien gemeldet haben, muss seine Eink&uuml;nfte au&szlig;erhalb Italiens beziehen, nun aber seinen Hauptwohnsitz nach Italien verlegen und sollte  nun &ndash; je nach Doppelbesteuerungsabkommen seines Heimatlandes &ndash; auch den Gro&szlig;teil des Jahres in seiner neuen Heimat Italien verbringen. Wenn diese Bedingungen erf&uuml;llt sind, dann darf der neue &bdquo;Steuer-Italiener&ldquo; von der M&ouml;glichkeit Gebrauch machen, mit einer pauschalen Steuerersatzleistung in H&ouml;he von 100.000 Euro pro Jahr f&uuml;r 15 Jahre folgende Zahlungen an den Fiskus zu vermeiden:<\/p><ol>\n<li>Einkommensteuer auf s&auml;mtliche Eink&uuml;nfte, die im Ausland erzielt werden<\/li>\n<li>Verm&ouml;genssteuern auf Kapitalverm&ouml;gen (0,2%)<\/li>\n<li>Verm&ouml;genssteuern auf Immobilienverm&ouml;gen (0,76%) <\/li>\n<li>Erbschaftssteuern auf Verm&ouml;genswerte im Ausland<\/li>\n<li>Schenkungssteuern auf Verm&ouml;genswerte im Ausland<\/li>\n<\/ol><p>Dar&uuml;ber hinaus befreit der italienische Fiskus Personen, die dieses Angebot annehmen, auch noch davon, Auslandseink&uuml;nfte und Auslandsverm&ouml;gen &uuml;berhaupt im Rahmen einer Steuererkl&auml;rung anzugeben. Diese echte Pauschale ist f&uuml;r Superreiche nat&uuml;rlich ein Hauptgewinn und f&uuml;r die Finanzbeh&ouml;rden anderer L&auml;nder ein kompletter Albtraum, da sie sich mangels Kontrollm&ouml;glichkeiten wohl oder &uuml;bel auf die Angaben verlassen m&uuml;ssen, die die neuen &bdquo;Steuer-Italiener&ldquo; gegen&uuml;ber den italienischen Finanzbeh&ouml;rden machen, die ihrerseits auch noch ausdr&uuml;cklich auf eine &Uuml;berpr&uuml;fung verzichten.<\/p><p>Und last but not least ist das Angebot auch sehr familienfreundlich. Jeder Verwandte, der mit nach Italien kommen will, kostet weitere 25.000 Euro pro Jahr und ist daf&uuml;r aber voll und ganz mitversteuert. Wenn ein deutscher Milliard&auml;r seinem Sohnemann das gesamte Familienverm&ouml;gen komplett steuerfrei &uuml;berschreiben will, m&uuml;ssen beide also nur f&uuml;r ein Jahr nach Italien ziehen und bekommen f&uuml;r bescheidene 125.000 Euro den kompletten Steuererlass &hellip; der dann freilich auch noch die Steuern auf die sonstigen Eink&uuml;nfte der Beiden w&auml;hrend des entsprechenden Jahres beinhaltet.  Wenn das kein Deal ist?<\/p><p><strong>Italien ist keine Ausnahme<\/strong><\/p><p>Solche Deals haben jedoch in Europa schon beinahe Tradition und damit sind nicht nur die ber&uuml;hmt ber&uuml;chtigten Steueroasen in Zwergenstaaten gemeint, die man nur aus den UEFA-Qualifikationsspielen kennt. In der Schweiz verhandeln einige Kantone beispielsweise die Steuers&auml;tze und Steuerpauschalen mit einreisewilligen Superreichen wie auf dem Viehmarkt. Erst 2014 lehnten die Schweizer in einem Volksentscheid einen Gesetzesentwurf eines B&uuml;ndnisses aus Sozialdemokraten, Linken und Gewerkschaften ab, der die Pauschalsteuer und damit die &bdquo;Steuerprivilegien f&uuml;r Million&auml;re&ldquo; <a href=\"http:\/\/pauschalsteuer-abschaffen.ch\/aktuell\/\">abschaffen sollte<\/a>.<\/p><p>Ein weiteres Beispiel ist der EU-Staat Malta, der ein spezielles Steuerprogramm f&uuml;r HNWIs hat &ndash; also f&uuml;r &bdquo;High Net Worth Individuals&ldquo;, damit sind in der Branche Personen gemeint, die ein frei verf&uuml;gbares Nettoverm&ouml;gen von mehr als einer Million Dollar besitzen. Diese Personen k&ouml;nnen in Malta dann von einer 15%-Flat-Tax profitieren und EU-B&uuml;rger haben als besonderes Schmankerl sogar die Chance, nach dem Inl&auml;nder-Prinzip besteuert zu werden und dann f&uuml;r Eink&uuml;nfte, die au&szlig;erhalb der maltesischen Grenzen erzielt werden, gar keine Steuern mehr zu zahlen. <\/p><p>Wo Malta ist, darf nat&uuml;rlich auch Zypern nicht fehlen. Und Zypern bietet auch Personen eine neue Steuerheimat, die nicht zu den Superreichen z&auml;hlen. Wer sich seine regelm&auml;&szlig;igen Renten oder Pensionen nach Zypern &uuml;berweisen l&auml;sst, zahlt darauf in der Regel nur 5% Steuern; Einmalzahlungen und Pauschalen sind sogar steuerfrei. Ein Herz f&uuml;r Rentner und Pension&auml;re mit Pauschalabschl&auml;gen hat &uuml;brigens auch Frankreich. Dort fallen pauschal 7,5% Einkommensteuer auf Einmalzahlungen und Abschl&auml;ge an; egal wie hoch diese Zahlungen und Pauschalen sind. Zu einem echten Eldorado f&uuml;r Rentner und Pension&auml;re hat sich indes der EU-Staat Portugal <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/finance\/personalfinance\/special-reports\/11519095\/The-ultimate-pension-freedom-Retire-in-Portugal-and-reduce-your-tax.html\">gemausert<\/a>. Alterseink&uuml;nfte m&uuml;ssen dort generell &ndash; f&uuml;r die Dauer von 10 Jahren &ndash; nicht versteuert werden. <\/p><p><strong>Gewinnen k&ouml;nnen dabei nur wenige, verlieren werden indes fast alle<\/strong><\/p><p>Rein egoistisch gedacht, haben die Italiener ja nicht einmal Unrecht. Man spekuliert auf rund 1.000 Personen, die sich durch die Steuerprivilegien ins Land locken lassen und dort dann nicht nur 100 Millionen Euro &bdquo;Steuern&ldquo; zahlen, sondern nat&uuml;rlich auch ziemlich viel Geld im Land ausgeben. Problematisch ist jedoch, dass diese Ausgaben ja automatisch woanders wegfallen. W&uuml;rde Frau Klatten nach Italien ziehen, w&uuml;rden dem deutschen Fiskus mehrere Millionen entgehen. <\/p><p>Auf der anderen Seite sind die T&auml;ter oft auch gleichzeitig Opfer, wenn derartige Modelle Schule machen und ein Rattenrennen einsetzt. Wenn der Schweizer Superreiche seinen Wohnsitz vom Tessin ein paar Kilometer gen S&uuml;den ins Piemont verlegt und sein italienischer Artgenosse vom Piemont ein paar Kilometer nach Norden ins Tessin zieht, haben beide Staaten unter dem Strich nichts gewonnen, sondern wichtige Steuereinnahmen verloren. Dies d&uuml;rfte wohl auf fast alle entwickelten Fl&auml;chenstaaten zutreffen, die sich auf derlei Spielereien einlassen. Dass dies nicht f&uuml;r Zwergenstaaten gilt, versteht sich von selbst. Aber diesem parasit&auml;ren Treiben eine Ende zu bereiten, w&auml;re kein gro&szlig;es Kunstst&uuml;ck und dass dies noch nicht passiert ist, ist wohl einzig und alleine dem Einfluss der Superreichen auf die Politik zu verdanken.<\/p><p><strong>Es geht auch anders &ndash; von den USA lernen, hei&szlig;t Steuern einnehmen lernen<\/strong><\/p><p>Es macht ohnehin wenig Sinn, hier auf der Ordnungsebene voranzuschreiten und diesem oder jenem Staat bestimmte Steuermodelle zu untersagen. Wer dieses Rattenrennen beenden will, muss nur das US-Modell der Besteuerung des weltweiten Einkommens seiner Staatsangeh&ouml;rigen umsetzen. <\/p><p>So attraktiv das italienische Angebot auch sein mag &ndash; f&uuml;r US-B&uuml;rger ist es alles andere als attraktiv. Und das hat nat&uuml;rlich seinen Grund. Der US-Steuerbeh&ouml;rde ist es ziemlich egal, ob ein US-B&uuml;rger bereits von einem anderen Staat besteuert wurde. US-B&uuml;rger sind mit ihren weltweiten Eink&uuml;nften in den USA steuerpflichtig. Das betrifft den in Deutschland lebenden Softwareingenieur mit amerikanischem Pass genauso wie den US-Milliard&auml;r, der sich auf einer Karibikinsel niedergelassen hat. Beide m&uuml;ssen ihre Eink&uuml;nfte sowohl dem lokalen Finanzamt als auch den US-Steuerbeh&ouml;rden melden. Normal- und Geringverdiener k&ouml;nnen jedoch aufatmen, da es einerseits sehr hohe Freibetr&auml;ge (bei Singles bis zu 91.400 US$ pro Jahr) gibt und andererseits im Ausland gezahlte Einkommensteuern voll abzugsf&auml;hig sind. Der US-Milliard&auml;r h&auml;tte also &ndash; zumindest steuerlich &ndash; nur sehr wenig davon, nun nach Italien zu ziehen. Er k&ouml;nnte die Pauschale von 100.000 Euro zwar als Verlustvortrag anmelden, m&uuml;sste aber f&uuml;r den gesamten Rest seiner Eink&uuml;nfte in den USA den vollen Steuersatz bezahlen.<\/p><p><em>Lesen Sie dazu bitte auch den Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14569\">Was unsere Steuergesetzgebung von den USA lernen k&ouml;nnte<\/a>&ldquo;, der sich ausf&uuml;hrlich mit dem Konzept der Besteuerung des weltweiten Einkommens besch&auml;ftigt.<\/em><\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich w&auml;re ein solches Modell auch in der EU m&ouml;glich. Man muss nur wollen. Und genau daran hapert es.<\/p><p>Eine offene Frage ist jedoch, wie lange das &bdquo;italienische Angebot&ldquo; &uuml;berhaupt bestehen bleibt. Kritiker, wie der Mail&auml;nder Jura-Professor Carlo Garbarino <a href=\"https:\/\/www.bna.com\/italy-sets-flat-n57982085091\/\">weisen<\/a> &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; darauf hin, dass die italienische Verfassung vorsieht, dass die Steuergesetzgebung &bdquo;gerecht&ldquo; sein soll. Ein Steuergesetz, bei dem eine Frau Klatten nur einen Steuersatz von 0,12 Promille h&auml;tte, ist aber alles andere als gerecht und das werden wohl auch die Richter am Corte costituzionale so sehen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0075836efdb84d36925c738ffbfb8999\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170315_i1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Die BMW-Aktien von Susanne Klatten werfen in guten Jahren schon mal Dividenden in H&ouml;he von 815 Millionen Euro ab. Darauf m&uuml;sste sie in Deutschland eigentlich 387 Millionen Steuern zahlen. 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