{"id":3743,"date":"2009-02-04T10:38:21","date_gmt":"2009-02-04T09:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3743"},"modified":"2014-01-29T14:58:38","modified_gmt":"2014-01-29T13:58:38","slug":"ueber-das-zusammenspiel-von-medien-finanzwirtschaft-und-politik-auch-bei-hre-sichtbar-teil-v-zur-finanzkriseueber-das-zusammenspiel-von-medien-finanzwirtschaft-und-politik-auch-bei-hre-sichtba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3743","title":{"rendered":"\u00dcber das Zusammenspiel von Medien, Finanzwirtschaft und Politik &#8211; auch bei HRE sichtbar (Teil V zur Finanzkrise)"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. 10.2008 erschien eine Lobeshymne auf Finanzminister Steinbr&uuml;ck im Berliner Tagesspiegel und einen Tag sp&auml;ter, am 8. Oktober, eine ebensolche in der Zeit. (Siehe unten). Beide waren ausgesprochen euphorisch: &bdquo;Peer Steinbr&uuml;ck: Gegen alle Wetter&ldquo; und &bdquo;Macher am Rande des Abgrunds&ldquo;. Beide hatten mit dem Geschehen und der Leistung des Bundesfinanzministers herzlich wenig zu tun. Kurz zuvor am 6. Oktober musste der Bundesfinanzminister n&auml;mlich bekennen, dass er wissend oder unwissend, von den Verantwortlichen bei der HRE so an der Nase herum gef&uuml;hrt wurde, dass er innerhalb einer Woche &ndash; am 29. September und am 6. Oktober &ndash; hintereinander zwei Rettungspakete zu Gunsten der Hypo Real Estate packen musste. Diese Hilfe f&uuml;r eine einzige private Bank kostet uns inzwischen schon 92.000.000.000 &euro;. Deshalb stimmt allenfalls die Bemerkung vom &bdquo;Rande des Abgrunds&ldquo;. Ansonsten ist der Vorgang von Ungereimtheiten gekennzeichnet, die der Aufkl&auml;rung und nicht der Lobeshymnen bed&uuml;rften. Die Lobeshymnen sind nichts als die Folge von guter Public Relations der Finanzindustrie und des Peer Steinbr&uuml;ck. Diese Artikel sind wie viele andere gute Belege f&uuml;r das enge Zusammenspiel zwischen Medien und Finanzindustrie und Politik. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Hier zun&auml;chst die Links zu den beiden Artikeln &uuml;ber Steinbr&uuml;ck:<\/strong><\/p><p><strong>Peer Steinbr&uuml;ck: Gegen alle Wetter<\/strong><br>\nKurz, knapp, kontrolliert, so wirkt er. Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck, der Mann, der Deutschland durch die Krise f&uuml;hren soll. Ein Sozi, der etwas vom gro&szlig;en Geld versteht.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/Die-Dritte-Seite-Finanzkrise-Peer-Steinbrueck;art705,2630045\">Tagesspiegel vom 7.10.2008<\/a><\/p><p>In den NachDenkSeiten: <a href=\"?p=3496\">&ldquo;Wie Steinbr&uuml;ck hoch- und Lafontaine niedergeschrieben wird &ndash; zwei Musterbeispiele f&uuml;r gelungene PR.&rdquo;<\/a><\/p><p><strong>Peer Steinbr&uuml;ck<br>\nMacher am Rande des Abgrunds<\/strong><br>\nVon Christoph Seils<\/p><p><a href=\"http:\/\/images.zeit.de\/text\/online\/2008\/41\/peer-steinbrueck\">Der Finanzminister profiliert sich im Drama um die Rettung der Hypo Real Estate als erfolgreicher Krisenmanager<\/a><\/p><p>In den NachDenkSeiten: <a href=\"?p=3499\">&bdquo;Nachtrag PR f&uuml;r Steinbr&uuml;ck: diesmal in der Zeit &hellip;&ldquo;<\/a><\/p><p>Beide Artikel werden auch <a href=\"?page_id=3577\">im kritischen Jahrbuch 2008\/2009<\/a> auf Seite 115ff zitiert und analysiert.<\/p><p><strong>Der folgende Beitrag steht &uuml;brigens im Zusammenhang mit diesen bisherigen Artikeln zur Finanzkrise:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"?p=3689\">Den Kapitalmarkt effizienter organisieren &ndash; Konversion ist angesagt (Teil I)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"?p=3698\">Die herrschende Politik und die Finanzwirtschaft stecken unter einer Decke &ndash; auch deshalb zahlen wir als Steuerzahler f&uuml;r die Zocker. (Teil II)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"?p=3722\">Hunderte von Milliarden f&uuml;r die Spielschulden der Banken &ndash; eigentlich m&uuml;sste es einen Aufschrei geben. Warum geschieht das nicht? Eine Hypothese. (Finanzkrise Teil III)<\/a>\n<\/li>\n<li><a href=\"?p=3730\">Unser Land wird betr&uuml;gerisch gepl&uuml;ndert. Und wo bleiben Deutschlands Juristen? (Teil IV)<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Weiteres &uuml;ber die enge Verflechtung von Politik und Finanzindustrie<\/strong><\/p><p>In den NachDenkSeiten wurde schon h&auml;ufig &uuml;ber die enge Verflechtung von Politik und Finanzindustrie berichtet: &uuml;ber die engen pers&ouml;nlichen Verbindungen zwischen Kanzlerin Merkel und Investmentbankern zum Beispiel, &uuml;ber ihre Entscheidung, den Berater von Goldman Sachs, Otmar Issing, zum Vorsitzenden einer Kommission zu machen, die f&uuml;r Deutschland die Neuordnung der Finanzm&auml;rkte vorbereiten soll, &uuml;ber das Werben des Bundesfinanzministers und seines jetzigen Staatssekret&auml;rs Asmussen f&uuml;r die &Ouml;ffnung des &bdquo;Finanzplatzes Deutschland&ldquo; f&uuml;r neue Finanzprodukte und die Anlehnung an angels&auml;chsische Methoden, die Zulassung von Hedgefonds usw., &uuml;ber die schnelle Hilfe f&uuml;r die private Bank IKB, &uuml;ber die auffallend h&auml;ufige Beratungst&auml;tigkeit ehemaliger deutscher Politiker und Manager f&uuml;r ausl&auml;ndische Investmentbanken und Hedgefonds, usw. &ndash; Die Vorg&auml;nge um die Hypo Real Estate werfen ein neues zus&auml;tzliches Licht auf die enge Verflechtung:<\/p><p>Der Bundesfinanzminister hat eine gute Woche vor dem Erscheinen der beiden Lobeshymnen genau am 29.9.2008 in einer Nachtaktion zusammen mit einigen Finanzinstituten die ersten 35 Milliarden f&uuml;r die HRE zur Verf&uuml;gung gestellt. Seltsamerweise hielt diese Rettungsaktion nicht l&auml;nger als eine Woche, weil das Geld nicht reichte und offenbar die anderen Institute nicht mehr richtig wollten. Jedenfalls wurden dann am 6. Oktober noch einmal 50 Milliarden nachgelegt.<\/p><p>Der FDP-Abgeordnete Dr. Volker Wissing aus der S&uuml;dpfalz fragte sich, warum die erste Rettungsaktion nun gerade bis zum 29. September hinausgez&ouml;gert wurde. Steinbr&uuml;ck verwies auf den Wahltag in Bayern. Eine sonderbare Einlassung. Wegen der Wahl am 28. September muss man doch eine Rettungsaktion f&uuml;r eine Not leidende Bank nicht verschieben<br>\nMdB Wissing fragte sich und auch Peer Steinbr&uuml;ck, seit wann der Bundesfinanzminister von den Schwierigkeiten der HRE und vor allem den Schwierigkeiten der irischen Tochter Depfa wusste. &ndash; Steinbr&uuml;ck lie&szlig; wissen, dass die deutsche Finanzaufsicht keine M&ouml;glichkeit habe, eine Bank in Irland zu pr&uuml;fen. Diese (falsche) Einlassung passte allerdings nicht dazu, dass Pr&uuml;fer der Deutschen Bundesbank im Auftrag der Bafin, der Finanzaufsicht, schon vom 27.2. bis 12.3.2008 in Dublin pr&uuml;ften und dass das Bundesfinanzministerium schon im M&auml;rz 2008 von dieser Sonderpr&uuml;fung unterrichtet wurde. &ndash; Der Pr&uuml;fbericht wurde dem Bundesfinanzministerium von der Bafin am 7. August 2008 vorgelegt. Auch davon will der Bundesfinanzminister keine Kenntnis gehabt haben. <\/p><p>Dies alles ist bis dahin schon ziemlich unglaubw&uuml;rdig. Schlie&szlig;lich muss auch beim Bundesfinanzminister angekommen sein, dass die Finanzkrise Deutschland mindestens dann schon erreichte, als der Bund &uuml;ber die KfW den Gro&szlig;teil einer Unterst&uuml;tzungsaktion &uuml;ber 10 Milliarden f&uuml;r die IKB leisten musste. Das bahnte sich schon im Sommer 2007 an. Die Zahlung wurde im wesentlichen vom Bundesfinanzministerium betrieben. Au&szlig;erdem d&uuml;rfte Steinbr&uuml;ck von den hohen Verlusten bei den Landesbanken, bei anderen deutschen Privatbanken und bei der schweizerischen Gro&szlig;bank UBS gewusst haben. Und auch vom Zusammenbruch von Lehman Brothers. Seine Schutzbehauptung, die Finanzkrise habe ihn wie ein Springinsfeldteufel angesprungen, konnte er beim besten Willen selbst nicht glauben. <\/p><p>Es ist auch nicht glaubw&uuml;rdig, das das zust&auml;ndige Referat im Bundesfinanzministerium, bei dem der Bericht der Bankenaufsicht &uuml;ber die hohen Verluste bei der irischen Tochter der HRE und die Risiken f&uuml;r die HRE in M&uuml;nchen ankam, der Hausspitze in der hei&szlig;en Zeit des Sp&auml;tsommers und Septembers 2008 nichts gemeldet hatte. Die zust&auml;ndigen Beamten m&uuml;ssten mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert werden, wenn sie den Minister dar&uuml;ber nicht informiert haben.<\/p><p>Im gleichen Referat m&uuml;sste eigentlich auch angekommen sein, welches gro&szlig;e Rad die M&uuml;nchner HRE drehte, dass die Risiken n&auml;mlich ungef&auml;hr die Dimension der amerikanischen Investmentbanken erreicht haben. Wenn die Finanzkrise schon mindestens ein ganzes Jahr ins Haus steht, dann erkundigt man sich doch als zust&auml;ndige Ministerialbeamte nach &auml;hnlichen Risiken bei anderen Instituten. Dass dieses geschehen ist, dessen bin ich aus eigener Kenntnis solcher Ministerien ganz sicher.<\/p><p>Das Bundesfinanzministerium musste auch noch etwas ganz anderes wissen, und dies f&uuml;hrt uns auf den 29.9.2008 zur&uuml;ck: das Bundesfinanzministerium musste wissen, dass sein eigener Minister, der Vorg&auml;nger von Herrn Steinbr&uuml;ck und (soweit ich wei&szlig;) auch Steinbr&uuml;ck selbst bei der in den NachDenkSeiten schon des &ouml;fteren erw&auml;hnten Sitzung zwischen Kanzler Schr&ouml;der, Bundesfinanzminister Eichel, Bundeswirtschaftsminister Clement und den Spitzen der Banken und Versicherungen zu Jahresbeginn 2003 zugegen waren. Damals ging es um die Gr&uuml;ndung einer Bad Bank, einer &uuml;blen Bank. Die Banken und die Versicherer wollten ihre faulen Papiere auslagern. Die offizielle Gr&uuml;ndung einer solchen &uuml;blen Bank kam nicht zu Stande, weil das Gespr&auml;ch &ouml;ffentlich wurde. Offensichtlich hat man sich dann zu inoffiziellen Gr&uuml;ndungen deutscher, &uuml;bler Banken entschlossen. Eine davon d&uuml;rfte die HRE gewesen sein. Denn ihre Gr&uuml;ndung geht auf die Auslagerung schlechter Risiken durch eine Bank zur&uuml;ck, die besonders betroffen war von schlechten Risiken: die HypoVereinsbank in M&uuml;nchen. Sie lagerte die schlechten Risiken auf die HRE aus und war dann gesund genug, um f&uuml;r ihre Aktion&auml;re einigerma&szlig;en lukrativ an die italienische Bank UniCreditGroup verkauft zu werden. <\/p><p>Das geschah am 29.9.2003.<\/p><p><strong>F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter, am 28.9.2008, lief nach geltendem Recht, dem Umwandlungsgesetz, die Haftung der HypoVereinsbank f&uuml;r Anspr&uuml;che (Risiken) der HRE aus. Man musste also mit der staatlichen Hilfe f&uuml;r die HRE bis zum 29.9.2008 warten, um die HypoVereinsbank aus der Haftung entlassen zu k&ouml;nnen und uns Steuerzahler alleine bezahlen zu lassen. <\/strong><\/p><p>Wenn die zust&auml;ndigen Beamten des Bundesfinanzministeriums ihren Minister &uuml;ber diese Zusammenh&auml;nge nicht aufgekl&auml;rt haben, dann war das grob fahrl&auml;ssig. Ich unterstelle aber zu Gunsten dieser Mitarbeiter, dass sie ihren Minister dar&uuml;ber informiert haben. Daf&uuml;r spricht auch ein kleines Detail des Umgangs von Minister Steinbr&uuml;ck mit dem zitierten Abgeordneten Wissing. Als dieser am 28. Januar 2009 in einer Fragestunde wissen wollte, wann der Minister von diesen Anspr&uuml;chen und der Verj&auml;hrungsfrist erfahren habe und um welche Anspr&uuml;che in welcher H&ouml;he es sich handle, die mit Ablauf des 28. September 2008 verj&auml;hrt sind, verwies der Minister darauf, der Abgeordnete solle seine Fragen schriftlich stellen. Der Sachverhalt sei zu komplex. Sp&auml;ter erkl&auml;rte der BMF, <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEE51001F20090201\">Wissings Erw&auml;gungen seien abwegig<\/a>. Ich halte sie nicht f&uuml;r abwegig.<\/p><p>Das m&ouml;gen Details sein. Aber diese Details haben schwerwiegende Folgen. Schlie&szlig;lich handelt es sich bei den bisher 92 Milliarden f&uuml;r eine einzige private Bank und bei noch nicht absehbaren weiteren Risiken um einen &auml;u&szlig;erst gravierenden Vorgang, der uns alle belastet. 92 Milliarden, das ist schon ein knappes Drittel des gesamten Bundeshaushalts.<\/p><p><strong>Die Freundlichkeiten der Medien gegen&uuml;ber den handelnden Personen in Berlin und das Ausbleiben kritischer Fragen<\/strong><\/p><p>Das sind Ereignisse und Fakten, die zumindest kritische Fragen bei den Medien ausl&ouml;sen sollten. Deshalb kann man die beiden zitierten Lobeshymnen auf den Bundesfinanzminister nur als Ergebnisse der Public-Relations-Arbeit des Ministers und der Finanzindustrie verstehen. Es gibt auch einige kritische Medien, genauer gesagt einige kritische Journalisten bei einigen Medien. Aber nur wenige bohren wirklich in den Ungereimtheiten der Abl&auml;ufe zur Finanzkrise nach. Die meisten Medien haben die Winkelz&uuml;ge der Bundeskanzlerin, des Bundesfinanzministers und anderer handelnder Personen und auch die Winkelz&uuml;ge und Vernebelungen der Finanzwirtschaft selbst mitgemacht. Es gab keinen Sturm der Entr&uuml;stung, als die Bundesregierung, namentlich Angela Merkel und Peer Steinbr&uuml;ck versuchten, die Ursache der Krise nur in den USA zu suchen. Es wurde nicht entschieden genug darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung &uuml;ber Risiken in deutschen Reihen schon seit 2003 wusste. Und auf die konkreten Machenschaften im Zusammenhang mit der HRE wurde lange Zeit nicht eingegangen. Die Medien haben &uuml;brigens auch penetrant der Finanzindustrie nachgesprochen, als diese bis in diese Tage immer wieder behauptete, nur die staatlichen Banken h&auml;tten Probleme. Und die Medien widersprechen deshalb immer noch nicht den seltsamen Einlassungen, bei einer staatlichen &Uuml;bernahme einer maroden Bank m&uuml;sse aber dann ganz schnell f&uuml;r Privatisierung gesorgt werden &ndash; so zum Beispiel Professor Hans-Werner Sinn in der Tagesschau vom 2. Februar 2009, und so auch von seiten der Politik &ndash; sozusagen im vorauseilenden Gehorsam, auf die W&uuml;nsche der Finanzindustrie einzugehen. Der Steuerzahler soll die Risiken &uuml;bernehmen, dann aber aus der gesundeten Bank ganz schnell wieder verschwinden.<br>\nDie Medien, wie im konkreten Fall die Tagesschau in einem Interview zur &Uuml;bernahme der HRE durch den Staat, informieren auch nicht dar&uuml;ber, dass der erw&auml;hnte Hans-Werner Sinn im Aufsichtsrat der HypoVereinsbank sitzt, also genau wissen m&uuml;sste, dass die HRE mit dem schlechten Risiken der HypoVereinsbank belastet wurde, also die &uuml;ble Bank im Dienste jener Bank darstellt, in dessen Aufsichtsrat der Professor Sinn nun seit Jahren sitzt.<\/p><p>Die Medien sind bisher auch nicht der interessanten Frage nachgegangen, was eigentlich der Vorsitzende des Kuratoriums der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hans Tietmeyer, im Aufsichtsrat der HRE getan hat. Was hat ihn bewogen, Aufsichtsrat einer quasi Bad Bank zu werden? Fand er die Tatsache, dass diese Bank ihre in Deutschland alteingesessene Pfandbrief-Tochter zum Steuersparen nach Irland verlagert hat, normal?<\/p><p>Es g&auml;be unglaublich viel Interessantes zu recherchieren, wenn man nur wollte. <\/p><p><strong>Die enge Zusammenarbeit von Finanzindustrie und Medien<\/strong><\/p><p>Den Medien ist offenbar zum gr&ouml;&szlig;eren Teil der Schneid abgekauft worden. Sicher auf verschiedenem Weg: zum Beispiel &uuml;ber die hohen Werbeaufwendungen der Finanzindustrie und dann &uuml;ber direkte &bdquo;Bitten&ldquo; der Bundesregierung. &Uuml;ber Letzteres berichtete jetzt, fast drei Monate nach dem Ereignis, beil&auml;ufig eingestreut <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/06\/Ratlosigkeit\">die Zeit<\/a>. Just am Tag des Erscheinens der zu Anfang erw&auml;hnten Lobeshymne auf Peer Steinbr&uuml;ck (&bdquo;Macher am Rande des Abgrunds&ldquo;), am 8. Oktober 2008, an jenem Mittwochabend, hatten die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister die Chefs der wichtigsten Zeitungen ins Kanzleramt eingeladenb <em>&bdquo;um ihnen eine Botschaft zu &uuml;bermitteln. Die lautete: Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber w&uuml;rden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Warnung davor, keine schlechte Stimmung zu machen, verstehe ich. Das ist nicht zu kritisieren. Aber offenbar haben die Chefredakteure diese Bitte ziemlich falsch verstanden, n&auml;mlich als Aufforderung, sich mit Kritik an den Verantwortlichen bei der Bundesregierung zur&uuml;ckzuhalten. Das hat funktioniert. Und beide, Angela Merkel und Peer Steinbr&uuml;ck, profitieren davon.<\/p><p>Auf die enge Zusammenarbeit von Finanzindustrie und Medien, von Wallstreet und Madison Avenue wies der amerikanische Politologe McChesney in einem spannenden Buch mit dem Titel &bdquo;Rich Media, Poor Democracy&ldquo; schon vor Jahren hin. Es ist typisch, dass &uuml;ber ein solches Buch nicht viel berichtet wurde und jetzt schon gar nicht mehr berichtet wird, obwohl seine Beschreibung der engen Zusammenarbeit und der Entwicklung der Public Relations Industrie noch aktueller geworden ist und bei uns genauso gilt wie in den USA.<\/p><p>Sie k&ouml;nnen t&auml;glich, ja geradezu st&uuml;ndlich, Zeuge der engen Interessenverflechtung von Medien und Finanzindustrie sein: die Fernsehspots vor der Tagesschau und vor und nach &bdquo;Heute&ldquo; oder bei den privaten Sendern werden zum &uuml;berwiegenden Teil von der Pharmaindustrie und der Finanzindustrie getragen, genauso ein Gro&szlig;teil der Anzeigen; die Medien haben von B&ouml;rseng&auml;ngen bestens profitiert; sie f&uuml;llen Programme mit B&ouml;rsenberichten und profitieren von der Privatisierung der Altersvorsorge. Und sie honorieren die enge Verbindung mit ausgesprochen nachl&auml;ssiger Recherche zu Vorg&auml;ngen, die der Finanzindustrie nutzen. Weil ich diese Vorg&auml;nge seit langem beobachte, fallen mir au&szlig;er den zuvor genannten noch reihenweise andere Beispiele ein. Ich z&auml;hle einige auf und wiederhole teilweise, in der stillen Hoffnung, dass sich doch noch der\/die eine oder andere Journalist\/in finden m&ouml;ge: <\/p><ul>\n<li>Die Geschichte der Steuerbefreiung beim Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen ab dem 1.1.2002. Auf wessen Initiative haben Schr&ouml;der und Eichel dies durchgesetzt?<\/li>\n<li>&Uuml;berhaupt: die Geschichte der Aufl&ouml;sung der so genannten Deutschland AG und der Pl&uuml;nderung unglaublich vieler deutscher Unternehmen und vor allem zulasten der Arbeitnehmer. Eines der bekannteren ist zurzeit wieder in den Schlagzeilen: M&auml;rklin.\n<\/li>\n<li>Das Schweigen des Finanzausschusses zu den zuvor beschriebenen Vorg&auml;ngen. Warum meldet sich au&szlig;er den Abgeordneten der Linkspartei nur der FDP-Abgeordnete Volker Wissing? Wo und wie sind die anderen eingebunden?<\/li>\n<li>Eine &Uuml;bersicht &uuml;ber weitere Boni-Zahlungen, Verg&uuml;tungen und Dividenden von hilfsbed&uuml;rftigen und vom Staat unterst&uuml;tzten Banken.<\/li>\n<li>Ist die Dresdner Bank die Bad Bank der Allianz? Und welcher Deal hat mit diesen und der Commerzbank stattgefunden? Welche staatlichen Stellen waren dabei involviert?<\/li>\n<li>Die Interessenverbindung der Bundeskanzlerin mit Investmentbanken und anderen Vertretern der Finanzwirtschaft<\/li>\n<li>Dito Bundesfinanzminister, sein Staatssekret&auml;r Asmussen und die Finanzindustrie.<\/li>\n<li>Warum &auml;u&szlig;ert sich Bundespr&auml;sident K&ouml;hler nicht? Was wei&szlig; er?<\/li>\n<li>Warum ist das Geheimgutachten des Bundesrechnungshofes &uuml;ber den Verkauf der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken noch nicht auf dem Tisch? Was steht im einzelnen drin?\n<\/li>\n<li>Genaueres zum Komplex Postbank, Post und Deutsche Bank. F&uuml;r wen zahlt der Rettungsfond, wenn er f&uuml;r die Postbank zahlt?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. 10.2008 erschien eine Lobeshymne auf Finanzminister Steinbr&uuml;ck im Berliner Tagesspiegel und einen Tag sp&auml;ter, am 8. Oktober, eine ebensolche in der Zeit. (Siehe unten). Beide waren ausgesprochen euphorisch: &bdquo;Peer Steinbr&uuml;ck: Gegen alle Wetter&ldquo; und &bdquo;Macher am Rande des Abgrunds&ldquo;. Beide hatten mit dem Geschehen und der Leistung des Bundesfinanzministers herzlich wenig zu tun.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3743\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,11],"tags":[436,241,285,225,253,457],"class_list":["post-3743","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-strategien-der-meinungsmache","tag-asmussen-joerg","tag-bankenrettung","tag-hedgefonds","tag-hre","tag-steinbrueck-peer","tag-zeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3743"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20522,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3743\/revisions\/20522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}