{"id":3745,"date":"2009-02-04T16:37:36","date_gmt":"2009-02-04T15:37:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3745"},"modified":"2014-04-29T09:17:26","modified_gmt":"2014-04-29T07:17:26","slug":"die-politisch-verantwortlichen-haben-systematisch-an-der-verschleierung-der-finanzkrise-in-deutschland-mitgearbeitet-teil-vi-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3745","title":{"rendered":"Die politisch Verantwortlichen haben systematisch an der Verschleierung der Finanzkrise in Deutschland mitgearbeitet (Teil VI Finanzkrise)"},"content":{"rendered":"<p>Und sie haben die Finanzindustrie, also die Lobby, ihre Politik bestimmen lassen. Unmittelbar im Anschluss an die Ver&ouml;ffentlichung des Beitrags <a href=\"?p=3743\">&bdquo;&Uuml;ber das Zusammenspiel von Medien, Finanzwirtschaft und Politik &hellip;&ldquo;<\/a> erreichten uns zwei Mails mit interessanten weiteren Informationen. Es geht einmal um Informationen &uuml;ber die Auslagerung schlechter Risiken in Zweckgesellschaften und andere Bad Banks. Diese stammen von Dr. Hauke F&uuml;rstenwerth, dem Autor des Buches &bdquo;Geld arbeitet nicht&ldquo;. Seine Mail einschlie&szlig;lich sehr n&uuml;tzlicher Folien zum Thema finden Sie im folgenden unter: A. Dr. Hauke F&uuml;rstenwerth. &ndash; Ein anderer Leser macht uns auf die &bdquo;Zuarbeit&ldquo; der Finanzwirtschaft bei der Formulierung von Gesetzen etc. aufmerksam. &bdquo;Personalaustauschprogramm Seitenwechsel&rdquo; nennt sich das. Siehe: Ein Leser. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nAuf die Leihbeamten wie auch auf die hilfreiche F&ouml;rderung der Zweckgesellschaften und Verbriefungen haben wir zwar schon mehrmals hingewiesen, aber die beiden Mails enthalten kompakte zus&auml;tzliche Informationen. Daf&uuml;r herzlichen Dank.<\/p><p><strong>Ich verbinde diesen Dank, bevor ich zur Sache komme, mit einer Anmerkung und mit einer Bitte an unsere Leser\/innen:<\/strong><br>\nDie folgenden Informationen kommen, wie erw&auml;hnt, von Lesern\/innen der NachDenkSeiten. Sie waren 2 Stunden nach Einstellung meines Textes schon bei uns eingegangen. Das spricht f&uuml;r das gro&szlig;e Engagement und die Umsicht unserer Leser\/innen. Und es besagt, dass sich die NachDenkSeiten dankenswerterweise auf die Zuarbeit und qualifizierten Hinweise vieler Menschen verlassen k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Umso wichtiger ist eine dynamische weitere Verbreitung des Mediums.<\/strong><br>\nWenn Sie also die nun folgenden Informationen oder andere Informationen in den NachDenkSeiten interessant finden, dann lassen Sie doch bitte Menschen in Ihrem Umfeld daran teilhaben. Nutzen Sie Ihren E-Mail-Verteiler, um ihre Freunde und Bekannten auf interessante Artikel aufmerksam zu machen. Bauen Sie sich einen NachDenkSeiten-e-mail-Verteiler auf, wenn Sie noch nicht dar&uuml;ber verf&uuml;gen. Sie k&ouml;nnen damit auch interessante Debatten innerhalb Ihres Freundes- und Bekanntenkreis ausl&ouml;sen. Das hilft beim Aufbau der so wichtigen Gegen&ouml;ffentlichkeit.<br>\nF&uuml;r Menschen in Ihrem Umfeld, die &uuml;ber keinen E-Mail-Anschluss verf&uuml;gen, k&ouml;nnten Sie gelegentlich Artikel ausdrucken und\/oder auf die beiden NachDenkSeiten Jahrb&uuml;cher hinweisen; hier die n&ouml;tigen Informationen zum <a href=\"?page_id=2867\">Jahrbuch 2007<\/a> und zum <a href=\"?page_id=3577\">Jahrbuch 2008\/2009<\/a>.<\/p><p><strong>Und nun zur Sache:<\/strong><\/p><p><strong>A. Dr. Hauke F&uuml;rstenwerth:<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<br>\nIn Ihrem heutigen Beitrag &ldquo;&Uuml;ber das Zusammenspiel von Medien, Finanzwirtschaft und Politik&rdquo; schreiben Sie:<\/p><blockquote><p>(&hellip;) zu Jahresbeginn 2003 zugegen waren. Damals ging es um die Gr&uuml;ndung einer Bad Bank, einer &uuml;blen Bank. Die Banken und die Versicherer wollten ihre faulen Papiere auslagern. Die offizielle Gr&uuml;ndung einer solchen &uuml;blen Bank kam nicht zu Stande, weil das Gespr&auml;ch &ouml;ffentlich wurde. Offensichtlich hat man sich dann zu inoffiziellen Gr&uuml;ndungen deutscher, &uuml;bler Banken entschlossen. Eine davon d&uuml;rfte die HRE gewesen sein.<\/p><\/blockquote><p>Die in 2003 als Folge der Gespr&auml;che zwischen Banken und Regierung beschlossenen Gesetze belegen, dass es keiner &ldquo;inoffiziellen&rdquo; Gr&uuml;ndungen von Bad Banks mehr bedurfte. Diese wurden offiziell genehmigt, nur hat man diese dann nicht mehr &ldquo;Bad Banks&rdquo; genannt, sondern &ldquo;Zweckgesellschaften&rdquo; oder auch &ldquo;Special Purpose Vehicle&rdquo;, &ldquo;Conduits&rdquo;, &ldquo;Special Investment Vehicle&rdquo; und &auml;hnliches mehr. Die M&ouml;glichkeit, risikobehafteten Finanzm&uuml;ll aus den Bilanzen auszugliedern, wurde in das im Sommer 2003 verabschiedete aber r&uuml;ckwirkend zum Januar 2003 wirksam werdende Gesetz zur &ldquo;F&ouml;rderung von Kleinunternehmern&rdquo; (!!) eingebaut. Mit dem gleichzeitig verabschiedeten Gesetz zur Verbesserung der Unternehmensfinanzierung wurden diese Zweckgesellschaften auch noch von der Gewerbesteuer befreit. HRE, IKB, Landesbanken, Commerzbank und andere mehr haben von diesen vom Gesetzgeber einger&auml;umten M&ouml;glichkeiten der Auslagerung von Finanzm&uuml;ll aus den Bilanzen ausgiebig Gebrauch gemacht und in ihren Gesch&auml;ftsberichten hierauf verwiesen. Politik und &Ouml;ffentlichkeit sind also davon in Kenntnis gesetzt worden &ndash; nur hat es offenbar keiner wahrnehmen wollen. Auch der Bund bedient sich dieser Methode, hier heissen die Zweckgesellschaften dann &ldquo;Sonderverm&ouml;gen&rdquo;, Schuldenpositionen, welche nicht im Haushalt aufgef&uuml;hrt werden.<\/p><p>Ich f&uuml;ge <a href=\"upload\/pdf\/090204_Hauke_Folien_Bad_Bank.pdf\">einige Folien aus einem Vortrag zu &ldquo;Geld arbeitet nicht&rdquo; [PDF &ndash; 1.2 MB]<\/a> bei, auf denen dieser Sachverhalt beschrieben wird.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nDr. Hauke F&uuml;rstenwerth<\/p><p><strong>Ein Leser zu den Leihbeamten etc.:<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>nicht in jedem Fall kann man der Bundesregierung vorwerfen, da&szlig; sie die Unwahrheit sagen w&uuml;rde: denn sie hat schon vor mehr als zwei Jahren offen zugegeben, da&szlig; sie sich die wichtigsten ihrer Finanzgesetze von Vertretern der Banken und der B&ouml;rse schreiben l&auml;&szlig;t. Aufgrund eines Programms mit dem lustigen Namen &bdquo;Personalaustauschprogramm Seitenwechsel&rdquo; bekamen sogenannte Leihbeamte oder externe Mitarbeiter aus der Privatwirtschaft ihre Schreibtische direkt in den Ministerien aufgestellt. Als einige FDP-Abgeordnete in einer Kleinen Anfrage nachhakten, antwortete die Bundesregierung am 13. November 2006 wortw&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p>Eine auf die Mitwirkung an Gesetz- und Verordnungsw&uuml;rfen ausgerichtete T&auml;tigkeit besteht derzeit in vier F&auml;llen (&hellip;) Im Bundesarbeitsministerium der Finanzen bearbeiten je ein Mitarbeiter vom Bundesverband &Ouml;ffentlicher Banken, von der Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau und von der Deutschen B&ouml;rse AG Fragen zur Anwendung und Auslegung sowie Fortentwicklung des Kreditwesengesetzes, des Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetzes bzw. die gesetzliche Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie.<\/p><\/blockquote><p>Nachzulesen ist das unter <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/033\/1603395.pdf\">&ldquo;Deutscher Bundestag &ndash; Antwort der Bundesregierung&rdquo; [PDF &ndash; 80 KB]<\/a>.<\/p><p>Am 4. Dezember 2006 <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/037\/1603727.pdf\">best&auml;tigte die Bundesregierung auf die Kleine Anfrage einiger Gr&uuml;nen-Abgeordneter [PDF &ndash; 110 KB]<\/a>:<\/p><blockquote><p>Die derzeit im Bundesministerium der Finanzen t&auml;tigen externen Mitarbeiter sind in der Abteilung &sbquo;Nationale und Internationale Finanzmarkt- und W&auml;hrungspolitik&rsquo; t&auml;tig. Sie bearbeiten dabei Fragen zur Anwendung und Auslegung sowie Fortentwicklung des Kreditwesengesetzes, des Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetzes und zur gesetzlichen Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie.<\/p><\/blockquote><p>Zu diesen Antworten war die Bundesregierung durch eine &bdquo;Monitor&rdquo;-Sendung gen&ouml;tigt worden, die am 19. Oktober 2006 ausgestrahlt wurde. Das Autorenteam erhielt daf&uuml;r zwar den Grimme-Preis, danach aber hat man von den Leihbeamten fast gar nichts mehr geh&ouml;rt. Nachdem der Bundesrechnungshof den Filz &uuml;berpr&uuml;ft hatte, fa&szlig;te das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/regeln-fuer-leihbeamte-gefordert;1412664\">&bdquo;Handelsblatt&rdquo; vom 4. April 2008<\/a> das Ergebnis so zusammen:<\/p><blockquote><p>In Einzelf&auml;llen h&auml;tten vor&uuml;bergehend aus der Privatwirtschaft entsandte &ldquo;Leihbeamte&rdquo; sogar &ldquo;F&uuml;hrungsfunktionen&rdquo; in Ministerien ausge&uuml;bt, schreiben die Rechnungspr&uuml;fer. Dabei seien &ldquo;Einflussm&ouml;glichkeiten von erheblicher Tragweite&rdquo; festgestellt worden.<\/p><\/blockquote><p>Aber sogar das hatte die Bundesregierung schon selbst zugegeben. Auf der <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Magazine\/emags\/economy\/2006\/038\/t-2-seitenwechsel-schreibtisch-tauschen.html\">Homepage der Bundesregierung<\/a> steht n&auml;mlich &uuml;ber die Ergebnisse des &bdquo;Personalaustauschprogramms Seitenwechsel&rdquo;:<\/p><blockquote><p>Die Teilnehmer der &ouml;ffentlichen Verwaltung erwarteten besonders stark, neue fachliche F&auml;higkeiten erwerben zu k&ouml;nnen. Diese hohen Erwartungen wurden nur teilweise erf&uuml;llt. Dagegen waren die Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer sehr viel niedriger und konnten daher &uuml;bertroffen werden.<\/p><\/blockquote><p>Die Bankenvertreter hatten wohl nicht erwartet, da&szlig; ihre Gesetzesentw&uuml;rfe 1:1 in Gesetze umgegossen w&uuml;rden; aber ihre Erwartungen konnten &uuml;bertroffen werden. Aus der Aufstellung der Bundesregierung, welche Vertreter in welchen Ministerien sitzen, geht hervor, da&szlig; in nahezu jedem Ministerium der Vertreter einer Bank, meistens der Deutschen Bank, oder der B&ouml;rse sitzt. Zusammengefa&szlig;t ist diese Liste auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Externe_Mitarbeiter_in_deutschen_Bundesministerien\">Wikipedia<\/a>.<\/p><p>Vielleicht sind diese Links ja von Interesse f&uuml;r Ihre Leser? Oder doch wenigstens f&uuml;r diejenigen unter Ihren Lesern, die sich noch &uuml;ber irgendetwas wundern?<\/p><p>Mit herzlichem Dank f&uuml;r Ihre Arbeit und den besten W&uuml;nschen<br>\nEin Leser<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und sie haben die Finanzindustrie, also die Lobby, ihre Politik bestimmen lassen. Unmittelbar im Anschluss an die Ver&ouml;ffentlichung des Beitrags <a href=\"?p=3743\">&bdquo;&Uuml;ber das Zusammenspiel von Medien, Finanzwirtschaft und Politik &hellip;&ldquo;<\/a> erreichten uns zwei Mails mit interessanten weiteren Informationen. Es geht einmal um Informationen &uuml;ber die Auslagerung schlechter Risiken in Zweckgesellschaften und andere Bad Banks. 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