{"id":37474,"date":"2017-03-20T09:11:35","date_gmt":"2017-03-20T08:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37474"},"modified":"2026-01-27T11:03:26","modified_gmt":"2026-01-27T10:03:26","slug":"diese-morde-waren-ein-regime-change-von-innen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37474","title":{"rendered":"\u201eDiese Morde waren ein regime change von innen\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die Morde an John F. Kennedy, seinem Bruder Robert F. Kennedy und der an Martin Luther King waren nicht die Taten von Einzelg&auml;ngern. Dieser &Uuml;berzeugung ist der Journalist und Buchautor Mathias Br&ouml;ckers. Hinter den Attentaten stehe ein <em>regime change<\/em> aus dem Innern des Staates heraus, wie Br&ouml;ckers im Interview mit den NachDenkSeiten sagt. Br&ouml;ckers, dessen <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/jfk-staatsstreich-im-amerika\/\">Buch zum Kennedy-Mord<\/a> gerade in einer aktualisierten Fassung erschienen ist, setzt sich seit Jahren mit dem Verbrechen an dem 35. Pr&auml;sidenten der Vereinigten Staaten auseinander. F&uuml;r ihn steht fest: Ohne das enge und auf Beeinflussung ausgelegte Zusammenspiel zwischen den Geheimdiensten und polizeilichen Ermittlungsbeh&ouml;rden h&auml;tten diese Attentate weder so ausgef&uuml;hrt noch dann sp&auml;ter so vertuscht werden k&ouml;nnen. <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten mit <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong> ein Gespr&auml;ch &uuml;ber ein Verbrechen, das lange zur&uuml;ckliegt, die Rolle des CIA-Mannes George Joannides und den 26. Oktober 2017 gef&uuml;hrt &ndash; ein Tag, der f&uuml;r die Forscher zum Mord an JFK von Interesse werden k&ouml;nnte.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9819\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37474-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37474-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170320_JFK_regime_change_von_innen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Br&ouml;ckers, Sie haben ein Buch &uuml;ber die Ermordung von John F. Kennedy ver&ouml;ffentlicht, das gerade mit einem aktualisierten Nachwort erschienen ist.<\/strong><br>\n<strong>Warum besch&auml;ftigen Sie sich noch mit dem Anschlag auf JFK? Schlie&szlig;lich ist das alles schon lange her und auch aufgekl&auml;rt &ndash; wenn man den Beh&ouml;rden Glauben schenkt.<\/strong><\/p><p>Aufgekl&auml;rt ist es eben nicht, schon die zweite offizielle Untersuchung durch das &bdquo;House Select Commitee of Assasinations&ldquo; (HSCA) in den 1970er Jahren stellte fest, dass der &bdquo;Warren Report&ldquo; von 1964, der in 26 B&auml;nden die Einzelt&auml;terschaft von Lee Harvey Oswald beweisen wollte, nicht der Wahrheit entsprechen kann. Seitdem haben zahlreiche Forscher viele weitere Indizien zusammengetragen, dass Oswald genau das war, was er nach seiner Festnahme bekannte: &bdquo;Ich bin der S&uuml;ndenbock hier.&ldquo;<\/p><p><strong>Wie lautet denn Ihre Kernthese in Sachen JFK? <\/strong><\/p><p>Die steht im Titel des Buchs &bdquo;Staatsstreich in Amerika&ldquo; und besagt, dass weder der Mord an JFK, noch der an seinem Bruder Robert F. Kennedy noch der an Martin Luther King die Taten &bdquo;verr&uuml;ckter&ldquo; Einzelg&auml;nger waren. Die wichtigsten F&uuml;hrer einer demokratischen, b&uuml;rgerrechtlichen Politik wurden innerhalb weniger Jahre eliminiert, kein Hintergrund dieser Morde wurde wirklich aufgekl&auml;rt, pr&auml;parierte S&uuml;ndenb&ouml;cke wurden abgeurteilt oder wie im Fall Oswald von Auftragskillern eliminiert. Diese Morde waren ein <em>regime change<\/em> von innen, sie konnten nicht so ausgef&uuml;hrt und so vertuscht werden wie es geschah ohne die engste Kooperation mit Geheimdiensten und Polizei.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie f&uuml;r uns skizzieren, woran Sie festmachen, dass Kennedy nicht das Opfer eines Alleint&auml;ters war?<\/strong><\/p><p>Eigentlich muss man ja nur die ber&uuml;hmten Sekunden des Zapruder-Films anschauen, wie Kennedys Kopf von dem Geschoss getroffen wird &ndash; nicht von hinten, von wo Oswald angeblich gefeuert haben soll, sondern seitlich von vorne. Liest man dazu die Aussage des schr&auml;g hinter JFKs Limousine fahrenden Motorradpolizisten, dass sein Helmvisier von Blut und Gehirnmasse bespritzt wurde, kann der t&ouml;dliche Schuss nicht von hinten gekommen sein. Deshalb wurde der Warren-Kommission auch nicht der farbige Film gezeigt, sondern nur eine schlechte und bearbeitete Schwarz-Wei&szlig;-Kopie gezeigt. Mit dem Original und dieser Aussage w&auml;re v&ouml;llig klar geworden, dass Oswald, der angeblich aus dem 5. Stock des Buchlagers schoss, nicht der Todessch&uuml;tze sein konnte.<\/p><p><strong>Weitere Hinweise?<\/strong><\/p><p>Ich denke, dass auf jeder der &uuml;ber 300 Seiten und dokumentierten Quellen des Buchs deutlich wird, wie falsch und unm&ouml;glich die Einzelt&auml;terthese ist. Oswald war seit seiner Jugend unter den Fittichen der Geheimdienste. Wenn er wirklich mit seinem Schie&szlig;pr&uuml;gel die ber&uuml;hmte &bdquo;magische Kugel&ldquo; abgab, die JFK t&ouml;tete und dem vor ihm sitzenden Gouverneur sechs Wunden beibrachte, m&uuml;sste er aber &uuml;ber magische F&auml;higkeiten verf&uuml;gt haben. Tats&auml;chlich war er nur ein kleiner &bdquo;IM&ldquo;, der in New Orleans den Kommunisten spielte und linke Studenten ans FBI verpfiff.<\/p><p><strong>Welchen Ablauf halten Sie denn f&uuml;r wahrscheinlich und: Wer waren aus Ihrer Sicht die Drahtzieher?<\/strong><\/p><p>JFK war als klassischer kalter Krieger ins Amt gekommen, vollzog dann aber schon w&auml;hrend der Kuba-Krise einen aus Sicht des Milit&auml;rs und der CIA dramatischen Wandel seiner Politik. CIA-Chef Dulles und die Gener&auml;le wollten ihn mit der Schweinebucht-Operation zu einem Milit&auml;reinsatz gegen Castro zwingen, mit seiner Weigerung machte er sie zu seinen Feinden. Er wollte den Kalten Krieg beenden und den Krieg in Vietnam und hatte angek&uuml;ndigt, nach seiner Wiederwahl nach Moskau zu reisen und einen Friedensvertrag zu schlie&szlig;en. Innenpolitisch setzte er sich massiv f&uuml;r die B&uuml;rgerrechte ein und schickte die Nationalgarde, um den ersten schwarzen Studenten in Mississippi zu immatrikulieren, was der dortige Gouverneur verweigerte; zudem wollte er die &Ouml;l-Barone der S&uuml;dstaaten zu h&ouml;heren Steuern verpflichten. Neben dem milit&auml;risch-industriellen Komplex hatte er damit auch die Reaktion&auml;re des S&uuml;dens als Gro&szlig;feind und aus diesen Kreisen kommen die Drahtzieher des Mords. Die Sch&uuml;tzen waren sehr wahrscheinlich angeheuerte Killer der korsischen Mafia, bezahlt wurde die Operation von texanischen &Ouml;l-Baronen und organisiert von Agenten der CIA, die auch den S&uuml;ndenbock Oswald pr&auml;pariert hatten und die propagandistische &bdquo;Nachbereitung&ldquo; steuerten. Im ersten Fahndungsaufruf der Dallas Police, 20 Minuten nach den Sch&uuml;ssen, werden Gr&ouml;&szlig;e und Gewicht des gesuchten T&auml;ters genannt, die nicht von dem einzigen Augenzeugen stammen konnten, der einen Mann an einem halb ge&ouml;ffneten Fenster im 5. Stock gesehen haben wollte. Sie kamen direkt aus der CIA-Akte zu Oswald.<\/p><p><strong>F&uuml;r die Forscher zum Tod von JFK k&ouml;nnte in diesem Jahr der 26. Oktober interessant werden. Was ist an diesem Tag?<\/strong><\/p><p>Im Oktober 1992 &ndash; nach dem Aufruhr, den Oliver Stones (immer noch sehenswerter) Film &bdquo;JFK&ldquo; &uuml;berall im Land erzeugt hatte &ndash;  erlie&szlig; der US-Kongress den  &bdquo;JFK Records Act&ldquo;, ein Gesetz zur Ver&ouml;ffentlichung s&auml;mtlicher Dokumente und Akten im Zusammenhang mit dem Attentat und setzte dem  &bdquo;National Archive&ldquo; eine Frist von 25 Jahren, dieser Verpflichtung nachzukommen. Diese Frist l&auml;uft am 26. Oktober 2017 ab, dann werden 3.571 bisher unbekannte Dokumente und 34.000 weitere ver&ouml;ffentlicht, die bisher nur mit Schw&auml;rzungen zug&auml;nglich waren &ndash; es sind die letzten aller noch im Archiv befindlichen Unterlagen zur Ermordung Kennedys. <\/p><p><strong>Was erhoffen Sie sich denn aus diesen Unterlagen zu erfahren?<\/strong><\/p><p>Auch wenn das unabh&auml;ngige &bdquo;Assassination Records Review Board&ldquo; (ARRB) in den 1990er Jahren unter den damals vorgelegten Papieren nichts Relevantes entdeckte, erwarten zahlreiche Historiker die Ver&ouml;ffentlichung mit gr&ouml;&szlig;tem Interesse. Nicht weil sie auf irgendeinem vergessenen Notizzettel eine &bdquo;smoking gun&ldquo;, den unwiderlegbaren Beweis, &nbsp;zu finden hoffen, sondern weil sich unter diesen vielen tausend Seiten wom&ouml;glich einige entscheidende Puzzlesteine befinden, die L&uuml;cken eines schon bestehenden, recht deutlichen Bildes f&uuml;llen k&ouml;nnen &ndash; n&auml;mlich dass Oswald kein Einzelt&auml;ter war.&nbsp; Da die  Metadaten &ndash; Titel, Themen und Autoren &ndash; der freizugebenden Akten schon bekannt sind,  wei&szlig; man  bereits ungef&auml;hr, was da kommt ; so unter anderem eine Reihe sogenannter OPS-Files (Operational Files) zu vielen Akteuren, von denen im Buch die Rede ist, wie William Harvey, David Philips, George Joannides und E.Howard Hunt, der 2004 auf dem Sterbebett noch ein (falsches?) Bekenntnis abgelegt und Namen genannt hatte.<\/p><p><strong>Es k&ouml;nnte aber doch auch sein, dass die Unterlagen nicht ver&ouml;ffentlicht werden, oder?<\/strong><\/p><p>Das kann sein, wenn die CIA weiter auf &bdquo;Gef&auml;hrdung der nationalen Sicherheit&ldquo; pl&auml;diert, wie sie das seit Jahren bei zahlreichen dieser Akten tut. Selbst die Steuerbescheide von Lee Harvey Oswald durfte man bis dato aus diesem Grund nicht einsehen, was den Verdacht erregt, dass hier seine Eink&uuml;nfte als Agent vermerkt sind. So wie hier kann die Ver&ouml;ffentlichung an vielen Punkten Klarheit verschaffen.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch taucht der Name George Joannides auf. Wer ist er? Und: Warum widmen Sie ihm Ihre Aufmerksamkeit? <\/strong><\/p><p>George Joannides war Leiter des CIA-B&uuml;ros f&uuml;r Psychologische Kriegsf&uuml;hrung in Miami und  finanzierte und steuerte die studentische Anti-Castro-Gruppe &bdquo;Cuban Student Directorate&ldquo; (<em>Directorio Revolucionario Estudantil<\/em> &ndash; DRE), die schon wenige Stunden nach den Sch&uuml;ssen aktiv wurde und die erste JFK Verschw&ouml;rungstheorie in die Welt setzte, die nicht nur in Amerika, sondern rund um den Globus sofort ein gro&szlig;es Echo fand: die Behauptung, dass es sich bei Lee Harvey Oswald um einen Kommunisten und Sympathisanten Fidel Castros handeln w&uuml;rde.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie seine Rolle noch etwas weiter beleuchten? <\/strong><\/p><p>Die Rolle, die das Lancieren dieser Geschichte spielte, ist kaum zu untersch&auml;tzen: noch wurde ja der Verd&auml;chtige von der Polizei verh&ouml;rt, noch hatte die Dallas Police keine weiteren Details &uuml;ber Oswald ver&ouml;ffentlicht, da kommt schon eine detaillierte Verschw&ouml;rungstheorie, die den unfassbaren Mord an dem &uuml;beraus beliebten Pr&auml;sidenten fassbar macht und &bdquo;erkl&auml;rt&ldquo; &ndash; ohne irgendeinen nachvollziehbaren Beweis, aber in sich stimmig und passend in das Weltbild und die Logik des Kalten Kriegs. Von der &bdquo;New York Times&ldquo; abw&auml;rts landeten die &bdquo;Fake News&ldquo;  des angeblichen Castro-Anh&auml;ngers Oswald weltweit auf den Titelseiten.<br>\nDie &bdquo;Operational Files&ldquo; &uuml;ber Joannides T&auml;tigkeiten in Miami sind mittlerweile alle ver&ouml;ffentlicht, nach wie vor unter Verschluss aber sind etwa 300 Seiten &uuml;ber die Zeit vor und nach dem Mord,  als die von Joannides bezahlten Boys der DRE die erste gro&szlig;e Schicht der Vertuschung der Hintergr&uuml;nde und des verd&auml;chtigten T&auml;ters auftrugen. Die zweite Schicht folgte dann kurz darauf: die Zur&uuml;ckweisung einer kubanisch-sowjetischen Gro&szlig;verschw&ouml;rung unter Verweis auf die Weltkriegsgefahr und die Inszenierung Oswalds als einsamen Irren und einzigen Sch&uuml;tzen durch die Warren Kommission.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie denn die Rolle der Medien im Zusammenhang mit dem Attentat?<\/strong><\/p><p>Der Mainstream kaufte die von den Beh&ouml;rden lancierten Stories unhinterfragt ab, in den ersten Tagen gab es aber in der Lokalpresse und von einigen unabh&auml;ngigen Reportern durchaus auch schon kritische Berichterstattung. Ganz vorne mit dabei &uuml;brigens ein deutscher Autor, Joachim Joesten, der f&uuml;r Ossietzkys &bdquo;Weltb&uuml;hne&ldquo; gearbeitet hatte und 1933  nach Skandinavien und in die USA gefl&uuml;chtet war, wo er f&uuml;r einige gro&szlig;e Magazine und Verlage arbeitete. Doch die wollten seine Reportagen zu diesem Thema ebenso wenig drucken wie sein Buch &bdquo;Oswald &ndash; Assassin or Fall Guy?&ldquo; in dem Joesten  sehr klar und gut belegt den   &bdquo;S&uuml;ndenbock&ldquo; Oswald  dokumentiert. Auch regelm&auml;&szlig;ige Abnehmer seiner Reportagen in Deutschland wie die  &bdquo;Zeit&ldquo; und  der &bdquo;Stern&ldquo; wollten davon nichts h&ouml;ren,  sein kritischer Bericht &uuml;ber die offizielle Einzelt&auml;terthese erschien dann in der Schweizer &bdquo;Weltwoche&ldquo;.<br>\nNachdem Staatsanwalt Garrison dann 1966 in New Orleans ein Strafverfahren er&ouml;ffnete, das einige CIA-Leute aus Oswalds Umfeld unter die Lupe nahm und die von Anfang an in der Bev&ouml;lkerung verbreitete Skepsis an der offiziellen Version weiter verst&auml;rkte, verschickte die CIA im April 1967 ihr mittlerweile ber&uuml;hmtes Memo &bdquo;Countering the Critiscism of the Warren Report&ldquo; an alle ihre Stationen.  Dort wird der Begriff &raquo;conspiracy theories&laquo; als Waffe gegen jede Art von Kritik an dem Ergebnis der Warren-Kommission empfohlen. Diese Direktive mit einschl&auml;gigen Handlungsanweisungen und Argumentationshilfen legte den Grundstein f&uuml;r die Umdeutung des urspr&uuml;nglich neutralen Begriffs &raquo;Verschw&ouml;rungstheorie&laquo; zu einer negativ konnotierten Vokabel, die seitdem als Disziplinierungs- und Kontrollinstrument im &ouml;ffentlichen Diskurs fungiert, als Waffe der psychologischen Kriegsf&uuml;hrung.<\/p><p><strong>Der Begriff &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; ist also ein Kampfbegriff.<\/strong><\/p><p>Ja, die Tabuisierung als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo;  erm&ouml;glicht es, jeden Historiker und Forscher, der sich mit JFK besch&auml;ftigt, bei Bedarf zu kontaminieren &ndash; entweder als Spinner, der auch an UFOs oder den lebenden Elvis glaubt, oder als perfiden Gesch&auml;ftemacher, der die Massen mit kruden, irrationalen  Theorien zur Kasse bittet. Dass die offiziell beglaubigte &bdquo;magische Kugel&ldquo; die irrationalste Theorie &uuml;berhaupt ist, tut nichts zur Sache &ndash; &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; sind immer nur die anderen.<\/p><p><strong>Realistisch betrachtet: Wenn die Ermittlungen der Beh&ouml;rden zu einem falschen Ergebnis gekommen sind, sehen Sie tats&auml;chlich die M&ouml;glichkeit, dass der Fall jemals aufgekl&auml;rt werden kann?<\/strong><\/p><p>Es ist nicht vorstellbar, dass die im Oktober &ouml;ffentlich werdenden Dokumente beweisen k&ouml;nnten, dass John F. Kennedy im November 1963 tats&auml;chlich  von einem einsamen Irren erschossen worden ist. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die schon  jetzt gut belegten Argumente und Indizien, dass  Feinde innerhalb seiner eigenen Geheimdienste und Beh&ouml;rden diesen Hinterhalt legten, aus der Rolle eines begr&uuml;ndeten Verdachts einen  neuen Status &ndash; durch Akten belegte Fakten &ndash; erhalten.  Und nicht nur einen klareren Blick auf diesen &bdquo;K&ouml;nigsmord&ldquo;  erm&ouml;glichen, sondern ganz aktuell auch auf jene mysteri&ouml;se Institution, die mit der Regierung von Donald Trump wieder Schlagzeilen macht und &bdquo;deep state&ldquo; genannt wird. Der ehemalige CIA-Direktor Hayden hat gerade in einem Interview vorgeschlagen, man solle &ndash; zur Vermeidung von Verwechslung mit Zust&auml;nden &bdquo;wie in der T&uuml;rkei oder &Auml;gypten&ldquo; &ndash; in den USA doch eher von &bdquo;permanenter Regierung&ldquo; sprechen. Dass JFK dieser &bdquo;Regierung&ldquo; ins Gehege kam und aus dem Ruder lief, ist unbestreitbar, und nur sie &ndash; aber kein &bdquo;Kommunist&ldquo;, &bdquo;Kubaner&ldquo; und kein &bdquo;Mafiosi&ldquo; &ndash; hatte die Mittel und M&ouml;glichkeiten, eine solche Tat auszuf&uuml;hren und ihre Aufkl&auml;rung seit nunmehr 53 Jahren zu verhindern. Und ich bef&uuml;rchte, das wird sie auch weiter tun. Die j&uuml;ngste Wikileaks-Publikation zum digitalen Waffenarsenal der CIA war mit dem Password  &ldquo;SplinterItIntoAThousandPiecesAndScatterItIntoTheWinds&rdquo; gesch&uuml;tzt, dem Satz, den JFK zu seinem Bruder sagte, nachdem er gelernt hatte, wie  die CIA ihn in Kriege zwingen wollte, die er nicht f&uuml;hren wollte. Laut Wikileaks ist erst 1 % des geheimen CIA-Materials ver&ouml;ffentlicht &ndash; dass also noch weitere Verbrechen aus den Tiefen des Staats bekannt werden, scheint m&ouml;glich. Dann k&ouml;nnte sich zu Kennedys 100. Geburtstag im Mai 2017 vielleicht anbahnen, was ihm nicht gelang: dass dieser unselige Laden in 1000 St&uuml;cke zerschlagen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Die Morde an John F. Kennedy, seinem Bruder Robert F. Kennedy und der an Martin Luther King waren nicht die Taten von Einzelg&auml;ngern. Dieser &Uuml;berzeugung ist der Journalist und Buchautor Mathias Br&ouml;ckers. Hinter den Attentaten stehe ein <em>regime change<\/em> aus dem Innern des Staates<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37474\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,126,209,123,11],"tags":[1276,1112,1987,1997,901,1268,1647,1368,1571,2058,421,1418,1314,682,357,665],"class_list":["post-37474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-strategien-der-meinungsmache","tag-attentat","tag-buergerrechte","tag-broeckers-mathias","tag-dulles-allen","tag-geheimdienste","tag-kalter-krieg","tag-kennedy-john-f","tag-kuba","tag-mafia","tag-militaerisch-industrieller-komplex","tag-polizei","tag-regime-change","tag-tiefer-staat","tag-verschwoerungstheorie","tag-vietnam","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37474"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89530,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37474\/revisions\/89530"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}