{"id":3748,"date":"2009-02-05T17:32:00","date_gmt":"2009-02-05T16:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3748"},"modified":"2014-01-29T14:56:14","modified_gmt":"2014-01-29T13:56:14","slug":"steingartspiegel-polemik-gegen-obamas-konjunkturprogramm-im-besonderen-und-gegen-konjunkturprogramme-im-allgemeinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3748","title":{"rendered":"Steingart\/Spiegel-Polemik gegen Obamas Konjunkturprogramm im besonderen und gegen Konjunkturprogramme im allgemeinen"},"content":{"rendered":"<p>Das Bemerkenswerteste an dem am 5.2. erschienenen SpiegelOnline-Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,druck-605537,00.html\">&bdquo;Was Obama von Deutschland lernen kann&ldquo;<\/a> des Washingtoner Korrespondenten Gabor Steingart ist die Tatsache, dass der Spiegel &uuml;berhaupt noch Artikel dieses Autors bringt. Denn diese fr&uuml;here Nachwuchshoffnung des Spiegel hat sich in mehreren Beitr&auml;gen so fundamental vertan, dass man schon aus Zeitgr&uuml;nden auf die Lekt&uuml;re seiner Artikel verzichten k&ouml;nnte. Im konkreten Fall polemisiert Steingart gegen den New Deal und die Staatsschulden des fr&uuml;heren US-Pr&auml;sidenten Roosevelt und empfiehlt Ludwig Erhard. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDa Steingart wieder einmal bar jedes Selbstzweifels formuliert, ist es angebracht, an fr&uuml;here Flops zu erinnern:<\/p><p>Gabor Steingart hat zum Beispiel in seinem Buch &bdquo;Der Abstieg eines Superstars&ldquo; und in vielen anderen Beitr&auml;gen den Niedergang der Wettbewerbsf&auml;higkeit Deutschlands beschworen und de facto eine Lohnanpassung an die Niedriglohnl&auml;nder empfohlen. Das hat sich rundum als falsch erwiesen, wie die Leistungsbilanzen Deutschlands und unserer Partnerl&auml;nder zeigen. Steingart hat mit seiner Agitation und dem meinungsf&uuml;hrenden Medium Spiegel im Hintergrund vermutlich kr&auml;ftig dazu beigetragen, das durch Lohnzur&uuml;ckhaltung und mangelnde staatliche Nachfrage herbeigef&uuml;hrte Leistungsbilanz-Ungleichgewicht entstehen zu lassen. Wir haben unsere europ&auml;ischen Partner mit vergleichsweise sinkenden Lohnst&uuml;ckkosten kaputt konkurriert.<\/p><p>Steingart hat dann im September 2006 mit einem neuen Werk &uuml;ber den Wirtschaftsweltkrieg und einer Serie von Spiegelartikeln eine &bdquo;NATO der Wirtschaft&ldquo; gefordert. Er berichtete, &bdquo;in Angela Merkels Kanzleramt wird &uuml;ber Geschichtsm&auml;chtiges nachgedacht: eine europ&auml;isch-amerikanische Freihandelszone.&ldquo; Das war offensichtlich seine Idee, von der seitdem niemand mehr geredet hat. Mit Recht. Man muss sich heute einmal vorstellen, wir s&auml;&szlig;en in dieser Finanzkrise in einer noch engeren Abh&auml;ngigkeit von der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der USA. Wie wahnsinnig das ist, konnte man auch schon 2006 wissen. Schon damals waren die Schulden und die Leistungsbilanzdefizite der USA erschreckend. <\/p><p>In den NachDenkSeiten sind wir am 25. September 2006  ausf&uuml;hrlich auf die damaligen Produkte von Steingart eingegangen: <a href=\"?p=1769\">&bdquo;Steingart &ndash; Mittelma&szlig; in der Sache aber Meister in der Kunst der Verf&uuml;hrung&ldquo;<\/a>. Das ist immer noch lesenswert.<\/p><p>Sein neuer Text zeigt, dass dieser Autor einfach nicht verstanden hat, dass die Neuverschuldung, die man hinnehmen muss, um Konjunkturprogramme zu finanzieren, am Ende nicht zwangsl&auml;ufig zu h&ouml;heren Schulden f&uuml;hren, sondern zu niedrigeren f&uuml;hren k&ouml;nnen. Er hat bis heute nicht akzeptiert, dass im Falle des Nichtstuns die Schulden noch viel h&ouml;her w&uuml;rden und au&szlig;erdem wichtige staatliche Leistungen unterbleiben. Im konkreten Fall des kritisierten Pr&auml;sidenten Roosevelt waren das viele n&uuml;tzliche &ouml;ffentliche Investitionen.<\/p><p>Steingart tut dann so, als w&auml;re der damalige amerikanische Pr&auml;sident nur durch den zweiten Weltkrieg von den Schulden befreit worden. Wie das funktioniert haben soll, habe ich bei der Lekt&uuml;re des SpiegelOnline-Beitrags nicht verstanden. Wahrscheinlich versteht es der Autor auch nicht.<br>\nDen Amerikanern wird vom SpiegelOnline-Autor dann Ludwig Erhard empfohlen. Richtig an den Anmerkungen von Steingart ist, dass ein Land ohne die Arbeit seiner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger auf keinen gr&uuml;nen Zweig kommt. Ohne Flei&szlig; kein Preis, o.k.. Das gilt auch f&uuml;r die heutigen Amerikaner und das galt auch schon f&uuml;r die Amerikaner, mit denen uns Steingart im Jahr 2006 in eine Freihandelszone und damit einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zwingen wollte.<\/p><p>Beim R&uuml;ckgriff auf Erhard l&auml;sst der Autor &uuml;brigens das schm&auml;hliche &ouml;konomische Ende des damaligen Bundeskanzlers Erhard weg. Dieser hatte uns n&auml;mlich in eine Rezession gef&uuml;hrt, die nur mit Konjunkturprogrammen des Bundeswirtschaftsministers Schiller und der damaligen Gro&szlig;en Koalition &uuml;berwunden werden konnte. Nicht nur mit Flei&szlig;, auch mit einer guten makro&ouml;konomischen Politik.<\/p><p>Es f&auml;llt noch etwas auf bei der Polemik des Autors gegen Roosevelt und indirekt gegen Obama. Steingart polemisiert gegen die gigantischen Konjunkturprogramme und behauptet, der Kater sei damit programmiert und er werde gigantisch ausfallen. Wo bleibt die Polemik gegen die Rettungsschirme zu Gunsten der Banken, die eine gr&ouml;&szlig;ere Dimension und die gr&ouml;&szlig;ere Folgen f&uuml;r die Staatsschulden haben d&uuml;rften als die Konjunkturprogramme, in den USA wie bei uns?<\/p><p>Die Rettungsschirme f&uuml;r die Banken erw&auml;hnt Steingart vermutlich nicht, weil er seine Freunde bei den Banken sch&auml;tzen will. Im zuvor erw&auml;hnten Buch &uuml;ber den Abstieg eines Superstars wird vom Autor ausdr&uuml;cklich ein Dank an die Zuarbeit der Wirtschaftsforscher der Deutschen Bank ausgesprochen. Diese (wie auch andere deutsche Banken) war bei Erscheinen des damaligen Steingart-Buches &uuml;brigens schon mittendrin im Sumpf der Auslagerung von faulen Forderungen auf Zweckgesellschaften und andere Institute mit dem Charakter von &uuml;blen Banken, so genannten Bad Banks. Siehe dazu: <a href=\"?p=3745\">&ldquo;Die politisch Verantwortlichen haben systematisch an der Verschleierung der Finanzkrise in Deutschland mitgearbeitet (Teil VI Finanzkrise)&rdquo;<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bemerkenswerteste an dem am 5.2. erschienenen SpiegelOnline-Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,druck-605537,00.html\">&bdquo;Was Obama von Deutschland lernen kann&ldquo;<\/a> des Washingtoner Korrespondenten Gabor Steingart ist die Tatsache, dass der Spiegel &uuml;berhaupt noch Artikel dieses Autors bringt. Denn diese fr&uuml;here Nachwuchshoffnung des Spiegel hat sich in mehreren Beitr&auml;gen so fundamental vertan, dass man schon aus Zeitgr&uuml;nden auf die Lekt&uuml;re seiner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3748\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[183,30],"tags":[241,646,299,420,325,419],"class_list":["post-3748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienkritik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-bankenrettung","tag-erhard-ludwig","tag-konjunkturprogramme","tag-spiegel","tag-staatsschulden","tag-steingart-gabor"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3748"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20518,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3748\/revisions\/20518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}