{"id":3756,"date":"2009-02-10T09:34:59","date_gmt":"2009-02-10T08:34:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3756"},"modified":"2014-01-29T14:52:45","modified_gmt":"2014-01-29T13:52:45","slug":"rezension-weltdemokratie-als-aktuelle-gestaltungsaufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3756","title":{"rendered":"Rezension: Weltdemokratie als aktuelle Gestaltungsaufgabe"},"content":{"rendered":"<p>Von Globalisierung ist die Rede, wenn es um die weltweiten selbstzerst&ouml;rerischen Entwicklungen geht, wenn die gro&szlig;en Zukunftsaufgaben &ndash; die B&auml;ndigung des Finanzmarktkapitalismus, die &Uuml;berwindung von Massenarmut in den Entwicklungsl&auml;ndern und von sozialen Spaltungen in der Wohlstandszone, die Ersetzung fossiler und nuklearer Ressourcen durch erneuerbare Energiequellen &ndash; angemahnt werden. Politisch-institutionelle Antworten (polity) auf die Weltprobleme bleiben in der Regel jedoch unscharf.  Eine Rezension des Buches von Christoph Z&ouml;pel &bdquo;Politik mit 9 Milliarden Menschen in einer Weltgesellschaft&ldquo; von Klaus-J&uuml;rgen Scherer<\/p><p><!--more--><\/p><p>So verharrt der nationalstaatliche Mainstream in der langen, den globalen Problemen nicht mehr angemessenen, Tradition politischen Denkens und Handelns in territorial abgegrenzten Gesellschaften. Zum anderen richten sich Hoffnungen im globalisierungskritischen Diskurs, so man sich nicht in Weltuntergangsszenarien ergeht, auf eine wie auch immer geartete neue Zivilgesellschaft. Internationale NGOs, Internet- Netzwerke, Weltsozialforum, Greenpeace und Attac werden als Zeichen eines globalen Aufbruchs von unten gedeutet. So auch manch gut gemeinter Global Governance- Ansatz. Dem steht eine politikwissenschaftliche Bewegungsforschung gegen&uuml;ber, die lehrt, dass kritische &Ouml;ffentlichkeit, Protest-Netzwerke, Basisinitiativen, B&uuml;rgerengagement und soziale Bewegungen kein Ersatz f&uuml;r institutionalisierte Politik sind, sondern diese bestenfalls erg&auml;nzen und in einer konstruktiven Dialektik mit dem politisch-rechtlichen Institutionengef&uuml;ge stehen.<\/p><p>Diesem doppelten Defizit setzt Christoph Z&ouml;pel seinen faktenreichen Band mit dem etwas sperrigen Titel Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft entgegen. Er zeigt den angesichts der Globalisierung notwendigen und m&ouml;glichen Weg hin zum globalen Regieren. Nicht nur ausgehend von Erfahrungen aus internationaler Politik im Ausw&auml;rtigen Amt und in der Sozialistischen Internationale, sondern auch sozialtheoretisch, wirtschaftswissenschaftlich und juristisch wohlbegr&uuml;ndet.<\/p><p>Beschrieben wird, wie das bisherige System internationaler Politik, die Staatenwelt mit dem Gewaltmonopol nach innen und einem Recht zur Kriegf&uuml;hrung nach au&szlig;en, durch ein politisches System der Weltgesellschaft mit globaler Regionalisierung und Gewaltenteilung ersetzt werden kann.<\/p><p>Wahrlich eine weit reichende Perspektive, der die entstandene, u.a. von Niklas Luhmann und Manuel Castells so beschriebene, Weltgesellschaft zu Grunde liegt. Auch im Hamburger SPD-Grundsatzprogramm (2007) wird eine solche konkrete Utopie von &raquo;Weltinnenpolitik&laquo; angedeutet, die Z&ouml;pel nun systematisch begr&uuml;ndet und reformpolitisch ausdekliniert.<br>\nBis 2050 sollte es m&ouml;glich sein, ein auf handlungsf&auml;higen regionalen Gro&szlig;r&auml;umen basierendes weltpolitisches System aufzubauen, das neben Exekutive und Gerichten auch eine parlamentarische Dimension enth&auml;lt.<\/p><p>Dass mittlerweile die Angelegenheiten aller Menschen irgendwie zusammenh&auml;ngen, so die Ausgangsthese Luhmanns: &raquo;dass Evolution Weltgesellschaft konstituiert hat&laquo;, d&uuml;rfte heute kaum noch Widerspruch hervorrufen. Die geschichtlichen Gr&uuml;nde liegen seit Hiroshima bzw. der ersten sowjetischen Atombombe in der F&auml;higkeit der Menschheit sich zu vernichten, im Anstieg der Weltbev&ouml;lkerung seit 1945 von 2,5 auf 6,6 Mrd. und bis 2050 auf &uuml;ber 9 Mrd., sowie vor allem in der weltweiten Vernetzung durch die Informationstechnologien. Zudem kennen wir bereits erfolgreiche Beispiele globaler Politik: Etwa in der Gesundheitspolitik die Ausrottung von Infektionen mit dem Hauptergebnis der Verl&auml;ngerung der durchschnittlichen Lebenserwartung weltweit von 46 auf 67 Jahre seit 1950, oder die Umweltpolitik mit dem FCKW-Verbot und der Implementierung des Konzepts der Nachhaltigkeit.<\/p><p>Eckpunkte eines weltpolitischen Reformkonzeptes<\/p><p>Die wesentliche Frage ist eben nicht, ob es die Weltgesellschaft gibt, sondern ob sie politikf&auml;hig ist. Die Beantwortung dieser Frage h&auml;ngt wie die nach der territorialgesellschaftlichen Politikf&auml;higkeit von Begriffs- und Geschichtsperzeptionen ab. Z&ouml;pel sucht deshalb nach universalen Begriffen und universaler Geschichte. Allen Menschen gemeinsam sind Sprachf&auml;higkeit, Technikf&auml;higkeit, Kulturf&auml;higkeit und Rechtsf&auml;higkeit. Kulturelle Identit&auml;ten sind multipel, universale Identit&auml;t liegt in den Menschenrechten eines jeden einzelnen Menschen. Demgegen&uuml;ber werden Begriffe verworfen, die einem demokratischen politischen System der Weltgesellschaft entgegenstehen, wie &raquo;Nation&laquo; oder &raquo;der &uuml;berlegene Westen&laquo;.<\/p><p>Wie kann nun ein demokratisches politisches System der Weltgesellschaft gestaltet sein? <\/p><p>Es beruht auf universalen Menschenrechten, also den Zielen menschlicher Sicherheit und auf globalpolitischen Leistungen, also den Zielen gesellschaftlicher Nachhaltigkeit. Sein Strukturprinzip ist die Gewaltenteilung, prim&auml;r f&ouml;deral, aber auch nach Montesquieu. F&ouml;derale Gewaltenteilung l&auml;sst ein globales Mehr-Ebenen-System mit starken Weltregionen entstehen. Heute bestehen in der Struktur der UN Ungleichheiten zugunsten m&auml;chtiger Staaten, bei Missachtung gleicher politischer Rechte eines jeden Einzelnen. Formal gibt es 192 gleiche Staaten, aber auch die Entscheidungsprivilegien der St&auml;ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates. Stattdessen seien auf die Einwohner bezogen ausgewogene Regionen erforderlich.<\/p><p>Zum Ma&szlig;stab werden bestehende Regionen, etwa China mit 1,3 Mrd. oder Indien mit 1,1 Mrd. Einwohnern. Perspektive sind neun oder zehn derartiger Regionen, mit im Durchschnitt 660 Mio. Einwohnern: eben China, Indien, dann die USA mit Zentralamerika, S&uuml;damerika, Subsahara-Afrika, der Mittlere Osten, Russland mit den GUS-Staaten, Europa und ein oder zwei asiatische Regionen. Sie sollten den UN-Sicherheitsrat bilden.<\/p><p>Diese Weltregionen teilen Staatlichkeit mit den ihnen zugeh&ouml;rigen kleineren Staaten, der dritten Ebene. Funktionsf&auml;hige Staatlichkeit setzt Einwohnergr&ouml;&szlig;e voraus, plausibel sei 1% der Weltbev&ouml;lkerung. So gibt es die gro&szlig;en 18 Staaten mit 69 % der Weltbev&ouml;lkerung, versteht man die EU als einen staatlichen Akteur sogar 75 %. Kleinere Staaten dienen h&auml;ufig den Privilegien ihrer Eliten oder werden zum Spielball gr&ouml;&szlig;erer Staaten.<\/p><p>Auf der globalen Ebene ist die Montesquieusche Gewaltenteilung bereits ausgepr&auml;gt. Es gibt eine ausdifferenzierte Exekutive, als Gemeinschaftsinstitution der UN-Sekretariate und der Staaten im Sicherheitsrat, als Internationale Gerichtsbarkeit. Es fehlt aber ein globales Parlament, was notwendig sei trotz des westlichen Erschreckens, dass bei menschenrechtsorientierter Repr&auml;sentativit&auml;t von 660 Sitzen 130 auf Chinesen, 110 auf Inder, 49 auf Europ&auml;er, 30 auf US-Amerikaner entfallen w&uuml;rden. Hauptdefizit der globalen Ebene sind zudem die Finanzen, deshalb sollten 5% der Soldaten und 5% der Milit&auml;rhaushalte aller Staaten den UN f&uuml;r ihre globalen Aufgaben zur Verf&uuml;gung gestellt werden.<\/p><p>&Uuml;ber die Begr&uuml;ndung und die Institutionen der Weltpolitik hinaus werden f&uuml;nf zentrale Programme globaler Entwicklungspolitik vorgeschlagen: Die Globalisierung der Raumgebundenheit mache ein Welt-Raumordungsprogramm notwendig. Die Individualisierung und gleichzeitige Universalisierung kultureller Identit&auml;t f&uuml;hre zu einer globalen Politik der informationellen Selbstbestimmung, zu einem weltweiten Netzintegrationsprogramm.<\/p><p>Die Abl&ouml;sung kultureller Integration durch soziale Integration auf der Grundlage von Bildung m&uuml;sse zu einem Weltbildungsprogramm f&uuml;hren. Die Entwicklung von der territorial gebundenen politischen und b&uuml;rgerlichen Gesellschaft zur globalen Zivilgesellschaft verlange eine Politik des globalen Gewaltmonopols, ein Programm innerer Weltsicherheit. Die Entwicklung von der Agrar- &uuml;ber die Industrie- zur Wissensgesellschaft f&uuml;hre zu einem integrierten Weltforschungs- und -rohstoffprogramm. Diese f&uuml;nf Programme, wie die Weltentwicklungspolitik insgesamt, bed&uuml;rften dabei eines Weltfinanzausgleichs, der &uuml;ber die zwischenstaatliche Entwicklungsfinanzierung weit hinausgehen m&uuml;sse.<\/p><p>Ein solches weltpolitisches Reformkonzept, ein Wurf, der Orientierung geben will, den Weg in die Zukunft weist, hat nur dann eine Chance, wenn unser Denken durch die globalen Zusammenh&auml;nge gepr&auml;gt wird und wir handlungsorientiert, also politisch und programmatisch, kommunizieren. Immerhin, in dramatischen globalen Krisen wurde schnell gelernt: Wir besitzen jetzt ein internationales Tsunami-Fr&uuml;hwarnsystem und beim Weltfinanzcrash setzen pl&ouml;tzlich alle auf abgestimmte staatliche Regulierung, als ob es nie eine neoliberale Ideologie gegeben h&auml;tte. <\/p><p>Bei Z&ouml;pel hei&szlig;t der Gegner &raquo;Dogmatismus, B&uuml;rokratismus und sozialer Autismus&laquo;, demgegen&uuml;ber lassen &raquo;politische Wertorientierung und kritische Denkorientierung demokratisches Handeln entstehen&laquo;. Wie immer unsere Zukunftschancen stehen m&ouml;gen &ndash; ohne Letzteres wird die Gestaltung der Globalisierung nicht gehen.<\/p><p><em>Der Rezensent Klaus-J&uuml;rgen Scherer, ist Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Kulturforums der Sozialdemokratie und Redakteur der Zeitschrift &bdquo;Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte&ldquo;.<\/em><\/p><p><em>Die Redaktion der Neuen Gesellschaft hat uns dieses Manuskript zur Verf&uuml;gung gestellt.<\/em><\/p><p><strong>Christoph Z&ouml;pel: Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft.<br>\nEine Orientierung in Worten und Zahlen.<br>\nVorw&auml;rtsbuch, Berlin 2008, 635 S., &euro; 29,95.<\/strong><\/p><p>Einige Anmerkungen zu Christoph Z&ouml;pels Buch von Wolfgang Lieb:<\/p><p>Christoph Z&ouml;pel entwickelt in seinem &uuml;ber 600 Seiten starken Werk &bdquo;Politik mit 9 Millionen Menschen in einer Weltgesellschaft&ldquo; eine Utopie einer Menschheitsentwicklungsgeschichte in weltb&uuml;rgerlicher Absicht. Er erkl&auml;rt dabei die Utopie zur Wirklichkeit, zur Verwirklichung fehle lediglich das Wissen bei den Menschen und vor allem bei den politischen Akteuren.<\/p><p>Weltgesellschaft und globale Politik seien bereits Realit&auml;t, es bed&uuml;rft nur noch in globalpolitischer Perspektive Kommunizierende und Handelnde, die mehr &uuml;ber weltgesellschaftliche Zusammenh&auml;nge w&uuml;ssten.<\/p><p>Die M&ouml;glichkeiten vom &bdquo;guten Leben&ldquo;, von &bdquo;Freiheit in Sicherheit&ldquo;, von &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo;, ja auch von Demokratie und einem f&ouml;deralen Weltsystem seien angelegt und &ndash; vor allem &ndash; seien sie alternativlos.<\/p><p>Als theoretische Grundlage f&uuml;r die Beschreibung und f&uuml;r die M&ouml;glichkeit der Weltgesellschaft bedient sich Z&ouml;pel der von Niklas Luhmann in die Soziologie eingef&uuml;hrten &bdquo;Systemtheorie&ldquo;. Diese Theorie hat den Vorteil, dass sie Widerspr&uuml;chliches oder gesellschaftliche Interessengegegens&auml;tze durch immer h&ouml;here Abstrahierung der Begriffe aufl&ouml;st  bzw. &ndash;  in der Sprache dieser Theorie &ndash; &bdquo;funktional differenziert&ldquo;, so dass sich Unterschiede oder gar Konflikte verfl&uuml;chtigen bzw. universalisieren.<\/p><p>Auf dieser begrifflichen Abstraktionsebene mag man zu &bdquo;anschlussf&auml;higer Kommunikation&ldquo; gelangen, die Aussagekraft bleibt jedoch in einer kaum noch greifbaren Vagheit, ja noch mehr sie landet oft im Trivialen. Um es an einem Beispiel zu erl&auml;utern: Auf Seite 230 hei&szlig;t es etwa:<\/p><p><em>&bdquo;Wenn man unter Gesellschaft das Zusammenleben der Menschen versteht, kann man mit Recht von der Existenz einer Weltgesellschaft sprechen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Mittels &bdquo;funktionaler Differenzierung&ldquo; gelangt man &uuml;ber Regionalgesellschaften, &uuml;ber territoriale Grenzen, &uuml;ber kulturelle und ethnische Unterschiede, &uuml;ber die Nationalstaaten problemlos hinweg. Damit das ganze Konstrukt sich nicht in einem nicht mehr greifbaren &bdquo;universalen Universalismus&ldquo; (S. 247) verfl&uuml;chtigt, zieht Z&ouml;pel f&uuml;nf aus seiner Sicht &bdquo;universalhistorische gesellschaftliche Entwicklungen&ldquo; heran, n&auml;mlich:<\/p><ul>\n<li>Den sektoralen Wandel von der Agrar- &uuml;ber die Industrie- zur Wissensgesellschaft.<\/li>\n<li>Die Globalisierung der Raumgebundenheit.<\/li>\n<li>Die Individualisierung und gleichzeitig die Universalisierung kultureller Identit&auml;t.<\/li>\n<li>Die Abl&ouml;sung kultureller Integration durch soziale Integration auf der Grundlage von Bildung.<\/li>\n<li>Die Emanzipation aus der territorial gebunden politischen und b&uuml;rgerlichen Gesellschaft in die globale (Zivil-)Gesellschaft. (S. 245)<\/li>\n<\/ul><p>Einmal davon abgesehen, dass man solche &bdquo;universalhistorische Entwicklungen&ldquo; heftig bestreiten kann &ndash; nehmen wir nur einmal den Begriff der &bdquo;Wissensgesellschaft&ldquo; -, versucht Z&ouml;pel diese Entwicklungsstr&auml;nge bis ins Detail auf verschiedensten Feldern nachzuzeichnen, ohne allerdings von der Beschreibungsebene auf real bestehende Konstellationen und Machtinteressen Bezug zu nehmen.<\/p><p>Auf der Beschreibungsebene ist das Buch einerseits teilweise blitzgescheit und durchaus kritisch, andererseits reiht es &ndash; durchaus in aufkl&auml;rerischer Absicht &ndash; unendliche viele Tatsachen, enzyklop&auml;disches Wissen und politologische oder soziologische Definitionen aneinander, bei denen man leicht die &Uuml;bersicht verliert. <\/p><p>Das Buch gibt beispielsweise kaum Antworten darauf, wie die zunehmende Armut, wie Hunger und Not schon bei derzeit erst &uuml;ber 6 Milliarden Menschen auf dem Globus bis 2050 bei dann 9 Milliarden bek&auml;mpft werden k&ouml;nnten. Auch Verteilungskonflikte um Ressourcen, etwa um Energie, verfl&uuml;chtigen sich in der universalen Idee der Weltgesellschaft. Die Systemtheorie erlaubt es Interessen und materielle Macht zur Interessendurchsetzung einfach wegzudefinieren.<\/p><p>Als versierter Au&szlig;enpolitiker, Vorsitzender des Komitees f&uuml;r Wirtschaft, Soziale Koh&auml;sion und Umwelt der Sozialistischen Internationale (SI)  und Experte f&uuml;r internationale Vertragspolitik baut Z&ouml;pel auf das sich entwickelnde System internationaler Vertr&auml;ge und Abkommen. Seine Hoffnungen setzt er auf die Vereinten Nationen, die er zu einem demokratisch legitimierten Weltapparat fortentwickelt sehen m&ouml;chte. Wo bleibt aber die Kritik daran, wie z.B. im von Kofi Annan angesto&szlig;enen &bdquo;Global Compact&ldquo; der UN sich die Interessen der multinationalen Konzerne niedergeschlagen oder &ndash; genauer gesagt &ndash; durchgesetzt haben, so dass diese Selbstverpflichtung der Unternehmen zur stumpfen Waffe geriet.<\/p><p>Gegen knallharte reale, meist &ouml;konomische Interessen (die sogar mit kriegerischen Mitteln durchgesetzt werden) stellt Z&ouml;pel die (im Kantschen Sinne) idealistische Hoffnung, dass sich Wissen und Vernunft in der Welt durchsetzen werden: &bdquo;<em>Hitler wurde von Kant &uuml;berlebt, seine sehr praktische konkrete Utopie &acute;Zum ewigen Frieden` (1795) ist durch Hitlers Verbrechen nicht widerlegt. Gerade der Holocaust ist eine Verpflichtung, f&uuml;r die Idee grenzenloser Humanit&auml;t unerm&uuml;dlich zu streiten. Grenzenlose Humanit&auml;t, das w&auml;re im 21. Jahrhundert die Eine Weltdemokratie &ndash; Leitgedanke des utopischen Epilogs am Ende dieses Buches.&ldquo;<\/em><\/p><p>Wo die Kr&auml;fte oder wo die Dynamik allerdings herkommen sollten, die die Herrschaftsinteressen und die Verteilungsk&auml;mpfe &uuml;berwinden k&ouml;nnten, bleibt offen.  Gegen solche Einw&auml;nde immunisiert sich der Autor, indem er denjenigen, die solche technokratischen oder positivistischen Einw&auml;nde erheben, vorh&auml;lt, dass sie damit solche Interessengegens&auml;tze nur &bdquo;rechtfertigten&ldquo; (S. 610).<\/p><p>Ich finde, mit dieser dialektischen Widerlegung werden die vorhandenen Probleme allenfalls intellektuell aber nicht praktisch &uuml;berwunden. Aber letzteres w&auml;re vielleicht ein weiteres Buch wert.<\/p><p>Das Buch &bdquo;Politik mit 9 Milliarden Menschen in einer Weltgesellschaft&ldquo; ist, eine geradezu enzyklop&auml;dische Schrift und gerade deshalb eine Herausforderung f&uuml;r seine Leser. Es ist h&auml;ufig nicht einfach in dem angeh&auml;uften Wissen die Gedankenstr&auml;nge zu verfolgen. Statt der Aneinanderreihung von politologischen Definitionen h&auml;tten Straffungen und vor allem eine klare Gliederung als Leseanleitung und vor allem rekapitulierende Zusammenfassungen der Kapitel das Verst&auml;ndnis erleichtert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Globalisierung ist die Rede, wenn es um die weltweiten selbstzerst&ouml;rerischen Entwicklungen geht, wenn die gro&szlig;en Zukunftsaufgaben &ndash; die B&auml;ndigung des Finanzmarktkapitalismus, die &Uuml;berwindung von Massenarmut in den Entwicklungsl&auml;ndern und von sozialen Spaltungen in der Wohlstandszone, die Ersetzung fossiler und nuklearer Ressourcen durch erneuerbare Energiequellen &ndash; angemahnt werden. 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