{"id":3758,"date":"2009-02-10T17:00:35","date_gmt":"2009-02-10T16:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3758"},"modified":"2014-01-29T14:52:09","modified_gmt":"2014-01-29T13:52:09","slug":"schuldenbremse-oepp-beschleunigung-rot-rot-gruen-behinderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3758","title":{"rendered":"Schuldenbremse = \u00d6PP-Beschleunigung + Rot-Rot-Gr\u00fcn-Behinderung"},"content":{"rendered":"<p>Bitte wenden Sie sich an Mitglieder, Sympathisanten und Abgeordnete von SPD und Gr&uuml;nen. Das ist dringlich. Denn wenn die so genannte Schuldenbremse kommt, dann wird der politische Spielraum f&uuml;r jede soziale und &ouml;kologische Politik massiv eingeengt. Dass sich Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne in Berlin f&uuml;r die so genannte Schuldenbremse und obendrein die Verankerung im Grundgesetz einsetzen, ist mit Vernunft nicht mehr zu begreifen. &ndash; Im Sommer soll alles entschieden sein. Deshalb werden Sie bitte jetzt aktiv und fordern Sie ihre Abgeordneten auf, Ihre Zustimmung zu diesem Akt der politischen Kastration zu verweigern. Schicken Sie bitte diesen Beitrag &uuml;ber Ihren Mailverteiler auch weiter. <\/p><p>Im folgenden finden Sie einen aufkl&auml;renden und aufr&uuml;ttelnden Text des NachDenkSeiten-Lesers Dr. Rainer Kowallik und dann eine zus&auml;tzliche Anmerkung. Albrecht M&uuml;ller.<\/p><p><!--more--><\/p><p><strong>Rainer Kowallik:<br>\nSchuldenbremse = &Ouml;PP-Beschleunigung + Rot-Rot-Gr&uuml;n-Behinderung<\/strong><\/p><p>Seitdem die so genannte &ldquo;Schuldenbremse&rdquo; von den regierenden Parteien im Eilverfahren vorangetrieben wird, wird diese Idee von linker Seite als spinnert, absurd und unrealistisch bel&auml;chelt. Leider haben bisher die wenigsten Autoren, die sich zu diesem Thema ge&auml;u&szlig;ert haben, in voller Tragweite erkannt, welch perfide Genialit&auml;t hinter diesem Schachzug steckt. Die vermeintliche Schuldenbremse verbindet n&auml;mlich auf wunderbare Weise das Angenehme mit dem N&uuml;tzlichen.<\/p><p>Angenehm ist es f&uuml;r die herrschenden neoliberalen Kr&auml;fte, einen neuen Sachzwang schaffen zu k&ouml;nnen, der eine Ausweitung von &Ouml;PP\/PPP und andere Privatisierungen auf breitester Front erzwingt. Dies geschieht, obwohl selbst die Rechnungsh&ouml;fe erkannt haben, dass jede noch so hohe Verschuldung allemal g&uuml;nstiger w&auml;re, als Privatisierungen oder PPP. Zumal viele Gemeinden jetzt wegen der eingegangenen Verpflichtungen aus Cross-Border-Leasing-Gesch&auml;ften in Bedr&auml;ngnis kommen. Das &bdquo;Wunderbare&ldquo; an PPP ist ja gerade, dass man die exorbitanten Kosten eben nicht als neue Schulden ausweisen muss. Die Besitzer der gro&szlig;en Geldverm&ouml;gen, die sich jetzt g&uuml;nstig mit rentierlichem Sachkapital eindecken k&ouml;nnen, werden es danken.<\/p><p>N&uuml;tzlich ist dann der Umstand, dass sich die herrschenden reaktion&auml;ren Kr&auml;fte an die Schuldenbremsen gar nicht halten m&uuml;ssen, w&auml;hrend man bei einem Regierungswechsel jederzeit die Keule des verfassungsgem&auml;&szlig;en Haushaltes herausholen kann. Sollte es tats&auml;chlich irgendwann und irgendwo Rot-Rot-Gr&uuml;ne Koalitionen geben, dann werden diese keinen Cent mehr f&uuml;r Soziale Gerechtigkeit ausgeben d&uuml;rfen, als die reaktion&auml;re Koalition vorher. Anschaulich vorgef&uuml;hrt wurde diese Taktik in Berlin. Dort  hatte die CDU-Regierung jahrelang keinen verfassungsgem&auml;&szlig;en Haushalt aufgestellt. Die Opposition hatte dazu geschwiegen, weil sie wusste, dass eine Klage sofortige K&uuml;rzungen bei Schulen, Krankenh&auml;usern und Kinderg&auml;rten zur Folge gehabt h&auml;tte. Kaum war aber Rot-Rot gew&auml;hlt, klagten CDU und FDP einen verfassungsgem&auml;&szlig;en Haushalt ein. (Siehe z.B.: <a href=\"http:\/\/www.die-linke-berlin.de\/index.php?id=653\">&ldquo;Unser Sanierungsplan ist eine gute Grundlage f&uuml;r die Klage in Karlsruhe&rdquo;<\/a> auf die-linke-berlin.de) Es w&auml;re einmal eine Untersuchung wert, wie oft in der Vergangenheit die Neuverschuldung tats&auml;chlich unter den anvisierten 0.5% BIP gelegen hat, unter welchen Regierungen und in welchen L&auml;ndern. Und dann m&uuml;sste man noch kl&auml;ren, wie das der Wirtschaft bekommen ist&hellip;<\/p><p>Das Allerschlimmste aber ist: Diese in die Verfassung gegossene haushalterische Benachteiligung jeder auch nur ansatzweise linken Politik ist nie wieder herauszubekommen, es sei denn durch eine &auml;hnlich gro&szlig;e Koalition wie heute. Wenn wir also die Wirtschaftskrise irgendwann gl&uuml;cklich hinter uns gebracht haben werden, dann bliebe &ndash; selbst nach einer m&ouml;glicherweise vollst&auml;ndigen Entschuldung (per W&auml;hrungsschnitt oder Inflation) &ndash; immer noch dieses Gesetz zur Behinderung jeglicher antizyklischer Wirtschaftspolitik.<\/p><p>Eigentlich m&uuml;sste es Massendemonstrationen gegen diesen Wahnsinn geben. Alle politischen Kr&auml;fte, die durch die &ldquo;Schuldenbremse&rdquo; einer Totalamputation ihrer wirtschaftspolitischen Handlungsf&auml;higkeit entgegensehen, m&uuml;ssten die Menschen mobilisieren, f&uuml;r die Erhaltung von politischen Alternativen auf die Strasse zu gehen und den herrschenden neoliberalen Durchregierern entgegenzuhalten:  &ldquo;Her mit den Schulden! Weg mit der Sparsamkeit!&rdquo;<\/p><p><strong>Erg&auml;nzung Albrecht M&uuml;ller: <\/strong><br>\nDie Aufforderung am Ende des Textes ist aus meiner Sicht zu defensiv. Die Vertreter der Schuldengrenze werden mit diesem Instrument tats&auml;chlich n&auml;mlich nicht weniger Schulden machen. Sie werden immer wieder prozyklisch die Konjunktur abw&uuml;rgen, weniger Steuern einnehmen und mehr Schulden machen. Au&szlig;erdem: Man kann volkswirtschaftlich betrachtet auch sparsam sein, wenn man Geld f&uuml;r sinnvolle Sachen ausgibt. Ich w&uuml;rde mir also das Etikett des Schuldenmachers gar nicht anheften, sondern dieses dort anheften, wo es hingeh&ouml;rt. Heute zum Beispiel ans Jackett und an den Smoking der herrschenden Kreise. Diese n&auml;mlich treiben den Staat mit ihren gro&szlig;z&uuml;gigen Banken-Rettungsschirmen ma&szlig;los in den Schuldenstaat.<\/p><p><strong>&bdquo;Nur Reiche k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten&ldquo;<\/strong><br>\nBitte verwenden Sie diesen Text zu Ihrem Vorsto&szlig; bei Ihnen bekannten Sozialdemokraten und Gr&uuml;nen, bei SPD- und Gr&uuml;nen-Abgeordneten, auch bei Landtagsabgeordneten und Mandatstr&auml;gern in den Kommunen. Diese werden besonders unter der Politik der fortw&auml;hrenden Verarmung des Staates leiden.<\/p><p>Machen Sie bitte die Sozialdemokraten auch noch auf Folgendes aufmerksam: Die SPD hatte einmal in klarer Erkenntnis der Belange ihrer W&auml;hlerinnen und W&auml;hler den Slogan verbreitet, <em>&bdquo;Nur Reiche k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten&ldquo;<\/em>. Das ist heute so wahr wie 1971, als wir in der Abteilung &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der SPD diesen Slogan formulierten. Die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler hatten sehr wohl verstanden, dass diese politische Linie in ihrem Interesse und im Interesse unseres Landes liegt. In der folgenden Wahl erreichte die SPD 45,8 % &ndash; auch wegen der offensiven Vertretung des Gemeinwohls.<\/p><p>An der Notwendigkeit, mit staatlichen Mitteln f&uuml;r Besch&auml;ftigung zu sorgen, an der Notwendigkeit, mit &ouml;ffentlichen Leistungen den Schw&auml;cheren in unserer Gesellschaft wenigstens ein Minimum an Lebenschancen zu bieten, hat sich nichts ge&auml;ndert. Im Gegenteil, je mehr unsere Gesellschaft auseinander triftet und je mehr die Armut w&auml;chst, umso wichtiger ist es, Spielraum f&uuml;r &ouml;ffentliche Leistungen zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bitte wenden Sie sich an Mitglieder, Sympathisanten und Abgeordnete von SPD und Gr&uuml;nen. Das ist dringlich. Denn wenn die so genannte Schuldenbremse kommt, dann wird der politische Spielraum f&uuml;r jede soziale und &ouml;kologische Politik massiv eingeengt. Dass sich Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne in Berlin f&uuml;r die so genannte Schuldenbremse und obendrein die Verankerung im Grundgesetz einsetzen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3758\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,135,30],"tags":[557,418,413,392],"class_list":["post-3758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-finanzpolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-cross-border-leasing","tag-grundgesetz","tag-schlanker-staat","tag-schuldenbremse"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3758"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20512,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions\/20512"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}