{"id":3761,"date":"2009-02-11T12:29:41","date_gmt":"2009-02-11T11:29:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3761"},"modified":"2014-01-29T14:49:40","modified_gmt":"2014-01-29T13:49:40","slug":"james-galbraiths-vorschlag-banken-in-insolvenz-gehen-lassen-und-das-management-austauschen-fuer-uns-sehr-relevant-teil-vii-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3761","title":{"rendered":"James Galbraiths Vorschlag: Banken in Insolvenz gehen lassen und das Management austauschen \u2013 f\u00fcr uns sehr relevant (Teil VII Finanzkrise)"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind auf der E-Mail-Liste des kritischen amerikanischen &Ouml;konomieprofessors James Galbraith. Gestern erreichte mich eine Mail mit dem Hinweis auf eine Fernsehaufzeichnung von Democracy Now mit ihm. Auch wenn viele unserer Leser das Englische nicht verstehen, geben wir den Text der E-Mail und den Link auf die Fernsehaufzeichnung wieder. Es ist einfach interessant, zu sehen und zu h&ouml;ren, wie entschieden jemand wie Jamie Galbraith ist. Wir notieren in Stichworten die wichtigsten Inhalte auf Deutsch; daf&uuml;r herzlichen Dank an Roger Strassburg. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDie entscheidenden Passagen im Kurzbericht von Roger Strassburg sind gefettet. <strong>Daraus k&ouml;nnten wir, wenn wir wollen, auch f&uuml;r uns etwas lernen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Galbraith meint, anstatt Milliarden in notleidende Banken zu pumpen, um sie zu st&uuml;tzen, sollte der Staat sie f&uuml;r insolvent erkl&auml;ren. &ndash; AM: Das w&auml;re bei uns im Falle der HRE und der Commerzbank und wohl auch der Dresdner Bank n&ouml;tig. Es w&auml;re auch im Falle der IKB wichtig gewesen<\/li>\n<li>Das Management ersetzen, die Bank umorganisieren, Einlagen sichern, damit die Sparer ihre Ersparnisse nicht aus lauter Panik abheben. Dann solle die Bank unter neuer F&uuml;hrung wiederer&ouml;ffnet werden, damit sie wieder als normale Bank solide arbeiten kann.<\/li>\n<li>Diese Schritte m&uuml;ssen so bald wie m&ouml;glich eingeleitet werden, denn Verz&ouml;gerung bedeutet, dass es noch l&auml;nger dauert, bis der Kreditmarkt wieder funktionsf&auml;hig ist.<\/li>\n<li>Es sei wichtig, die F&uuml;hrung der insolventen Banken auszutauschen, denn auf die alte F&uuml;hrung k&ouml;nne man sich nicht verlassen, alles fair und ehrlich zu offenbaren, was tats&auml;chlich in den B&uuml;chern steckt. &ndash; Erg&auml;nzung AM: Die alten F&uuml;hrungen haben auch ein Interesse daran, die Boni und Verg&uuml;tungen wie verabredet auszuzahlen. Auch um mit diesem Skandal fertig zu werden, ist ein personeller Neuanfang notwendig.<\/li>\n<\/ul><p>Das Interview mit Professor Galbraith wurde auf dem Hintergrund eines Artikels in der New York Times gef&uuml;hrt, in dem von den Vorschl&auml;gen und Absichten des neuen Finanzministers der USA, Geithner, berichtet wird. Galbraith sieht das kritisch. Im Anhang zu unserem Beitrag finden Sie sowohl den Link auf den (&uuml;berarbeiteten) Artikel in der New York Times als auch weitere n&uuml;tzliche Anmerkungen von Roger Strassburg.<\/p><p><strong>Und hier nun zun&auml;chst die Mail von Professor James Galbraith:<\/strong><\/p><p>Amy Goodman gave me fifteen minutes or so this morning, TV and radio.<br>\nThe key segments on the banks &mdash; the imperative need for audits and due diligence &mdash; are at 8 and 11 minutes into the interview.&nbsp; I gave it everything I have.&nbsp; At 11 minutes in we discussed today&rsquo;s important article in the New York Times.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.democracynow.org\/2009\/2\/10\/economist_james_galbraith_bailed_out_banks\">Democracy Now<\/a><\/p><p>Jamie Galbraith&rsquo; Empfehlungen zum Umgang mit Banken beginnen ungef&auml;hr bei Minute 23.<\/p><p><strong>Und hier die Einleitung zum Inhalt auf Englisch:<\/strong><\/p><p><strong>Economist James Galbraith: Bailed-Out Banks Should Be Declared Insolvent<\/strong><br>\nWith estimates of the cost of addressing the financial crisis exceeding $9.7 trillion, we speak with economist and University of Texas professor James Galbraith, author of The Predator State: How Conservatives Abandoned the Free Market and Why Liberals Should Too. Galbraith says rather than pouring billions into propping up troubled giant banks, the government should declare them insolvent.<\/p><p><strong>Dazu Stichworte von Roger Strassburg auf Deutsch:<\/strong><\/p><p><strong>&Ouml;konom James Galbraith: Gerettete Banken sollen f&uuml;r insolvent erkl&auml;rt werden<\/strong><br>\nMit gesch&auml;tzten Kosten von &uuml;ber 9,7 Billionen US-Dollar als Antwort auf die Finanzkrise. Sprechen wir mit dem &Ouml;konomen und Professor von der Universit&auml;t von Texas, James Galbraith, Autor von The Predator State: How Conservatives Abandoned the Free Market and Why Liberals Should Too. <strong>Galbraith meint, anstatt Milliarden in notleidende Banken zu pumpen, um sie zu st&uuml;tzen, sollte der Staat sie f&uuml;r insolvent erkl&auml;ren.<\/strong><\/p><p>Galbraith sagt, &bdquo;Es handelt sich um Wertpapiere, die auf Subprime-Hypotheken basieren, die in einer Atmosph&auml;re aus laxer Regulierung, Komplizenschaft und Betrug &ndash; im Grunde w&auml;hrend der Bush-Regierung -, die das System von Eigenheimfinanzierung &uuml;bernommen hat und es mit Verm&ouml;gen infiziert, indem niemand Vertrauen hat und die niemand bewerten kann.&ldquo;<\/p><p>Als allererstes m&uuml;ssen diese Wertpapiere, die aus den B&uuml;chern der Banken verschwinden sollen, gepr&uuml;ft und bewertet werden. <strong>Bisher habe das Minimum an Pr&uuml;fung gezeigt, dass bei einem gro&szlig;en Anteil dieser Papiere T&auml;uschung und Betrug in den Dateien zu finden ist.<\/strong> Kein Au&szlig;enseiter, der diese Papiere angemessen &uuml;berpr&uuml;ft, w&uuml;rde sie ihren Kunden empfehlen. Das ist das Problem.<\/p><p>Daher k&ouml;nne man schlie&szlig;en, <strong>dass diese Banken nicht mehr gerettet werden k&ouml;nnen, denn sie seien insolvent<\/strong>. Der richtige Weg sei, sie der Einlagesicherung (FDIC) zu &uuml;berlassen, die ein formales Verfahren f&uuml;r insolvente Banken schon hat.<\/p><p>Diese Schritte, die von allen Regierungen, einschlie&szlig;lich der Bush-Regierung, in F&auml;llen von insolventen Banken eingeleitet wurden, m&uuml;sse auch jetzt so schnell wie m&ouml;glich eingeleitet werden. Das hei&szlig;t: <strong>das Management ersetzen, die Bank umorganisieren, Einlagen sichern, damit die Sparer ihre Ersparnisse nicht aus lauter Panik abheben. Dann solle die Bank unter neuer F&uuml;hrung wiederer&ouml;ffnet werden, damit sie wieder als normale Bank solide arbeiten kann.<\/strong> Diese Schritte m&uuml;ssen <strong>so bald wie m&ouml;glich eingeleitet werden<\/strong>, denn Verz&ouml;gerung bedeutet, dass es noch l&auml;nger dauert, bis der Kreditmarkt wieder funktionsf&auml;hig ist. Und ein funktionierender Kreditmarkt ist absolut notwendig f&uuml;r den Erfolg der gr&ouml;&szlig;eren Aufgabe des Konjunkturpakets, n&auml;mlich, die Volkswirtschaft wiederzubeleben.<\/p><p><strong>Es sei wichtig, die F&uuml;hrung der insolventen Banken auszutauschen, denn auf die alte F&uuml;hrung k&ouml;nne man sich nicht verlassen, alles fair und ehrlich zu offenbaren, was tats&auml;chlich in den B&uuml;chern steckt.<\/strong> Es m&uuml;sse eine neue F&uuml;hrung geben, die von der FDIC eingesetzt wird, die als allererste Aufgabe durch die B&uuml;cher geht und die guten von den schlechten Papieren trennt. Dann k&ouml;nne man entscheiden, was gemacht werden muss, ob eine Fusion, eine Umstrukturierung der Finanzen oder sonstwas der richtige Weg ist.<\/p><p><strong>Aber mit dem alten Management ist nichts zu machen, denn dieses w&uuml;rde so weiter machen wie bisher. Solange es keine transparente Offenlegung der B&uuml;cher gibt, seien die Chancen schlecht, dass das Management sein Verhalten &auml;ndert. Es gibt auch allerlei Misstrauen bzgl. der Banken selbst und der Regulierung. Das Problem wolle das Finanzministerium nicht wahrhaben. Bis das passiert, werde das Finanzministerium seinen Beitrag zur Erholung der Wirtschaft nicht leisten<\/strong>, und das Konjunkturproblem werde nicht richtig greifen, und das Problem der ansteigenden Arbeitslosigkeit nicht l&ouml;sen.<\/p><p>Das Wort &bdquo;Verstaatlichung&ldquo; werde politisch missbraucht. Auch w&auml;hrend der Reagan-Regierung hatte der FDIC w&auml;hrend der Krise in Lateinamerika 1982 einen Plan zur Verstaatlichung in der Schublade. Dieser musste nie ausgef&uuml;hrt werden, aber der Plan war da.<\/p><p>Jetzt gebe es eine gro&szlig;e Kategorie von Papieren, die aller Wahrscheinlichkeit nach wertlos sind. Sie seien nicht durchschaubar, und diejenigen die es sind, seien offenbar nichts wert.<\/p><p><strong>Anhang \/ Zus&auml;tzliche Informationen zur Debatte in den USA von Roger Strassburg:<\/strong><\/p><p>Hier der Link zum NYT-Artikel, der im Gespr&auml;ch mit Galbraith zitiert wurde:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2009\/02\/11\/business\/economy\/11bailout.html?_r=1&amp;hp\">NYT<\/a><\/p><p>Allerdings wurde dieser Artikel nach der Rede von Geithner aktualisiert, ist also nicht mehr der gleiche Artikel, den die Interviewerin Goodman und Galbraith zum Zeitpunkt des Interviews kannten.<\/p><p>Hier noch einige Bemerkungen zum Geithner-Plan:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/opinionator.blogs.nytimes.com\/2009\/02\/10\/geithners-way\/?ref=opinion\">opinionator.blogs.nytimes.com<\/a><\/p><p>Krugman war vor der Ank&uuml;ndigung sehr kritisch:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/krugman.blogs.nytimes.com\/2009\/01\/29\/bad\/\">krugman.blogs.nytimes.com<\/a><\/p><p>Nachdem der Geithner-Plan ver&ouml;ffentlicht wurde, wei&szlig; Krugman nicht so richtig, wie er ihn einsch&auml;tzen soll:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/krugman.blogs.nytimes.com\/2009\/02\/10\/the-rorschach-plan-wonkish-or-at-least-hard-to-read\/\">krugman.blogs.nytimes.com<\/a><\/p><p>Dass er den Plan &ldquo;Rorschach Plan&rdquo; genannt hat, bedeutet, dass man das sehen kann, was man will. Der Plan ist also noch sehr unklar.<\/p><p><strong>Erg&auml;nzung AM:<\/strong><\/p><p>Hier ist auch noch der neueste Bericht von Spiegel Online, verfasst von Marc Pitzke (und nicht von Garbo Steingart). Kritisch anzumerken ist hier schon die erst allgemein &uuml;bliche Erwartung, dass Rettungspakete dazu f&uuml;hren m&uuml;ssen, die Aktienkurse zu stabilisieren und nach oben zu treiben. Welch ein Wahnsinn. Die Position von James Galbraith widerspricht dieser Erwartung diametral:<\/p><p><strong>US-RETTUNGSPAKET: Drei Billionen Dollar &ndash; doch die B&ouml;rse will mehr<\/strong><br>\nMit massiven Geldspritzen will die US-Regierung das Land aus der Wirtschaftskrise retten. Doch weder der Banken-Rettungsplan von Finanzminister Geithner noch das Mega-Konjunkturpaket im Kongress k&ouml;nnen die Wall Street beruhigen &ndash; im Gegenteil.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,606821,00.html\">SpiegelOnline<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind auf der E-Mail-Liste des kritischen amerikanischen &Ouml;konomieprofessors James Galbraith. Gestern erreichte mich eine Mail mit dem Hinweis auf eine Fernsehaufzeichnung von Democracy Now mit ihm. Auch wenn viele unserer Leser das Englische nicht verstehen, geben wir den Text der E-Mail und den Link auf die Fernsehaufzeichnung wieder. Es ist einfach interessant, zu sehen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3761\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,136,50],"tags":[241,475],"class_list":["post-3761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","tag-bankenrettung","tag-galbraith-james"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3761"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3761\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20510,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3761\/revisions\/20510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}