{"id":3773,"date":"2009-02-16T09:48:55","date_gmt":"2009-02-16T08:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3773"},"modified":"2014-01-29T12:41:38","modified_gmt":"2014-01-29T11:41:38","slug":"von-der-leyen-wenn-die-wirtschaft-wankt-hat-die-familie-konjunktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3773","title":{"rendered":"Von der Leyen: \u201eWenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur\u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2009\/02\/15\/bundesfamilienministerin-ursula-von-der-leyen\/interview-ueber-familie-aelterwerden-schoenheitsoperationen.html\">Bild am Sonntag<\/a>:  Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko. F&uuml;hrt die Wirtschaftskrise zu mehr Schwangerschaftsabbr&uuml;chen?<br>\nURSULA VON DER LEYEN: Nein, die Zahl sinkt. Wenn die Zeiten rauer werden, sagen dreiviertel der Menschen: Mein wichtigster Halt ist meine Familie. Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur. Das zeigt sich auch daran, dass die Scheidungen weniger werden und die Zahl der Singlehaushalte konstant bleibt. Au&szlig;erdem &auml;ndert sich die Vaterrolle. Die M&auml;nner wollen heute mehr Zeit mit der Familie verbringen.&ldquo;<br>\nSchlussfolgerung also: Die wankende Wirtschaft st&auml;rkt den Familiensinn und sie f&ouml;rdert nebenbei auch noch die Zahl der Geburten. Somit hat selbst die gr&ouml;&szlig;te Wirtschaftskrise doch noch ihre guten Seiten. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nVon Januar bis September 2008 kamen 3.400 Kinder mehr zur Welt als im Vorjahreszeitraum, berichtet Ministerin von der Leyen in ihrem Familienreport 2009. <\/p><p>Ach h&auml;tte sie sich doch einfach dar&uuml;ber gefreut und den Eltern einen guten Wunsch mit auf den Weg gegeben. Aber nein, Frau von der Leyen posiert in der BamS mit einem Freudensprung und schreibt die Geburtenzunahme nat&uuml;rlich ihrer Familienpolitik zu: &bdquo;Mit meiner Politik versuche ich, H&uuml;rden abzubauen.&ldquo;<\/p><p>Und weil ja die Politik der Bundesregierung immer als eine Erfolgsgeschichte dargestellt werden muss, bringt sie sogar noch die politisch verursachte Wirtschaftskrise in einen Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Kindern. Sie st&uuml;tzt sich dabei auf die konservativste aller Thesen, n&auml;mlich dass Not Familien zusammenschwei&szlig;t: &bdquo;Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur.&ldquo;<\/p><p>Wenn die &bdquo;wankende&ldquo; Wirtschaft, wie es in der BamS hei&szlig;t, erkl&auml;ren soll, dass die Zahl der Geburten wieder steigt, muss man sich allerdings fragen, ob Ministerin von der Leyen ihre Leserinnen und Leser f&uuml;r dumm verkaufen will oder ob sie &ndash; vor lauter Selbstbeweihr&auml;ucherung &ndash; gar unter einer Wahrnehmungsst&ouml;rung leidet. <\/p><p>Wenn n&auml;mlich von Januar bis September 2008 mehr Kinder zur Welt kamen als im Vorjahr, dann sind diese Kinder (sofern es sich nicht um Fr&uuml;hgeburten handelt) in aller Regel 9 Monate vorher, also im Jahr 2007 gezeugt worden. Damals lobte aber die Regierung noch mit h&ouml;chsten T&ouml;nen den Aufschwung als Erfolg ihrer &bdquo;Reformpolitik&ldquo;; von einer Krise wollte jedenfalls in der Bundesregierung niemand etwas ahnen. Wenn &uuml;berhaupt, hat also die Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Entwicklung Eltern Mut gemacht, Kinder in die Welt zu setzen.<\/p><p>Von der Leyen sagt weiter: &bdquo;Junge Menschen haben das Gef&uuml;hl, die Gesellschaft l&auml;sst sie als Eltern nicht allein&ldquo;. <\/p><p>Die Ministerin hat dabei sicher nicht an die fast eine Million junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren gedacht, die laut einer DGB-Studie (<a href=\"?p=3768\">Hinweise v. 13.02.09 Ziffer 8<\/a>) auf Hartz IV angewiesen sind und f&uuml;r die ein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/jobkarriere\/350\/458005\/text\/?NEWSLETTER=taeglich\">Leben in Armut vorprogrammiert<\/a> ist. Sollten diese jungen Menschen sich etwa nicht von der Gesellschaft allein gelassen f&uuml;hlen?<\/p><p>Trotz einer leichten Besserung liegt die registrierte Arbeitslosenquote der 20- bis 24-j&auml;hrigen m&auml;nnlichen Jugendlichen im Dezember 2008 mit 13 % noch immer <a href=\"http:\/\/www.dnet.at\/elis\/Arbeitsmarkt\/jugendl_aktuelles_Monat.pdf\">deutlich &uuml;ber dem Durchschnitt [PDF &ndash; 18 KB]<\/a>. Von der Leyen leugnet die Tatsache, dass sich eine hohe Jugendarbeitslosigkeit negativ auf die Geburtenrate eines Landes auswirkt. Jene L&auml;nder mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit (Arbeitslose unter 25 Jahren) in der EU wiesen fast durchgehend <a href=\"http:\/\/www.kfunigraz.ac.at\/sozwww\/Dateien\/Online\/sozwww_Haller_ResslerWuG2005_4.pdf\">die h&ouml;chste Fertilit&auml;t [PDF &ndash; 6.53 MB]<\/a> auf.<\/p><p>Wie man angesichts der Schwierigkeiten junger Menschen, einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen (Generation Praktikum, befristete Arbeitsvertr&auml;ge, Leiharbeit), behaupten kann, dass junge Menschen das Gef&uuml;hl h&auml;tten, die Gesellschaft lie&szlig;e sie als Eltern nicht allein, bleibt ihr Geheimnis.<\/p><p>Von der Leyen weicht deshalb aus und spricht lieber dar&uuml;ber, dass &bdquo;besonders bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren &hellip; die Zahl der Kinder zugenommen&ldquo; hat und gerade in solchen Partnerschaften, &bdquo;in denen genau &uuml;berlegt wird, ob sie ein Leben mit Beruf und Familie meistern k&ouml;nnen.&ldquo; Es sind also gerade die Partnerschaften mit relativ guter beruflicher Absicherung.<\/p><p>Wie schon bei der Einf&uuml;hrung des Elterngelds bleibt es bei von der Leyen dabei: Es ist eine Familienpolitik einer Bessergestellten vor allem f&uuml;r die Bessergestellten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2009\/02\/15\/bundesfamilienministerin-ursula-von-der-leyen\/interview-ueber-familie-aelterwerden-schoenheitsoperationen.html\">Bild am Sonntag<\/a>: Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko. 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