{"id":3774,"date":"2009-02-16T09:49:21","date_gmt":"2009-02-16T08:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3774"},"modified":"2014-01-29T12:36:07","modified_gmt":"2014-01-29T11:36:07","slug":"grob-einseitige-besetzung-pro-privatvorsorge-bei-phoenix-unter-den-linden-und-wie-das-kapitaldeckungsverfahren-in-den-niederlanden-strandet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3774","title":{"rendered":"Grob einseitige Besetzung pro Privatvorsorge bei Ph\u00f6nix \u201eUnter den Linden\u201c und wie das Kapitaldeckungsverfahren in den Niederlanden strandet"},"content":{"rendered":"<p>Heute Abend trifft bei Ph&ouml;nix Bert R&uuml;rup (demn&auml;chst Chef&ouml;konom von AWD) auf Johannes Vogel (Bundesvorsitzender Junge Liberale) zum Thema: <a href=\"http:\/\/www.phoenix.de\/content\/phoenix\/die_sendungen\/diskussionen\/unter_den_linden\/224877?datum=2009-02-16\">&ldquo;Im W&uuml;rgegriff der Finanzkrise &ndash; Ist die Rente nicht mehr sicher?&rdquo;<\/a>. Das w&auml;re nicht erw&auml;hnenswert, wenn daran nicht wieder einmal sichtbar w&uuml;rde, wie einseitig auch viele &ouml;ffentlich-rechtliche Sender ausgerichtet sind und sich schamlos zum Wurmfortsatz von Public Relations Aktionen machen lassen. Ein Vertreter der FDP, des politischen Arms der privaten Versicherungswirtschaft, und ein Vertreter des Finanzdienstleisters AWD, getarnt als Mitglied des Sachverst&auml;ndigenrates. Das passt so gar nicht zu dem, was immer neu &uuml;ber die Unsicherheit der Privatvorsorge berichtet wird. Jetzt gerade in der FAZ. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDie FAZ berichtet am 14.2.2009, die Finanzkrise gef&auml;hrde das Rentensystem der Niederlande. (Leider kein Link verf&uuml;gbar.) Die Altersruhegelder best&uuml;nden dort zu einem wesentlichen Teil aus den Zahlungen kapitalgedeckter betrieblicher Pensionsfonds. Das Verm&ouml;gen dieser Pensionsfonds reiche nicht mehr aus. W&ouml;rtlich: <\/p><blockquote><p>Diese aber sind im Zuge der Krise gewaltig unter Druck geraten. Die Quoten, mit denen die k&uuml;nftigen Pensionszahlungen bei vielen Fonds derzeit durch das Fondsverm&ouml;gen gedeckt sind, liegen in vielen F&auml;llen deutlich unter 100 %. Im Falle des Pensionsfonds f&uuml;r die Metall- und Technikbranche PMT sank die Deckungsrate innerhalb eines Jahres von 141 auf nur noch 87 %. (&hellip;)<\/p>\n<p>Laut Gesetz sind sie verpflichtet, innerhalb von drei Jahren die Deckungsrate von 105 % wieder zu erreichen. Doch aufgrund der niedrigen Deckungsraten m&uuml;ssen sie derzeit ihre Risiken und damit ihre Aktienpositionen reduzieren. Zudem sind sie aufgrund der Marktverh&auml;ltnisse tendenziell gezwungen, Aktien abzusto&szlig;en, wenn sie sich Liquidit&auml;t verschaffen wollen.<\/p>\n<p>Das verringert die Erholungschancen, und so sei es unter den gegebenen Umst&auml;nden kaum wahrscheinlich, dass die Fonds die vorgeschriebenen Deckungsraten innerhalb der gesetzlichen Frist wieder erreichen k&ouml;nnen (&hellip;)<\/p>\n<p>Entweder m&uuml;ssten die Renten gesenkt, das Rentenalter von derzeit 65 Jahren heraufgesetzt oder die Beitr&auml;ge der Arbeitgeber deutlich erh&ouml;ht werden.<\/p><\/blockquote><p>Der Leser der NachDenkSeiten, der uns auf den Artikel in der FAZ hinwies, machte zugleich auf einen fr&uuml;heren Beitrag der FAZ aufmerksam, der sehr sch&ouml;n zu der neuen Meldung &uuml;ber die Privatvorsorge in den Niederlanden passt. Es geht um einen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D\/Doc~E966F86CD739A4EC5854D8ADB315D72E3~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_finanzen\">Gastkommentar vom 1. Dezember 2003<\/a>.<\/p><p>Die Kommentatorin berichtet &uuml;ber &Auml;u&szlig;erungen des fr&uuml;heren chilenischen Arbeitsministers des Diktators Pinochet, Jos&eacute; Pinera. Dieser Agitator f&uuml;r die Privatvorsorge hat in vielen L&auml;ndern Europas und auch in den USA Privatvorsorgesysteme empfohlen, er lobt die Niederlande und l&auml;stert &uuml;ber die gesetzlichen Rentensysteme in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.<\/p><p>Hier Ausz&uuml;ge (im Einstieg geht es zun&auml;chst um den Euro):<\/p><p><strong>Gastkommentar in der FAZ vom 1.12.2003:<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Der Euro steigt &ndash; w&auml;hrend die Zeitbombe im Etat tickt<\/strong><\/p>\n<p>(&hellip;)<\/p>\n<p><em>Rentensystem als tickende Zeitbombe<\/em><\/p>\n<p>Wie reagierte der Euro? Nun, die europ&auml;ische Einheitsw&auml;hrung litt f&uuml;r 24 Stunden unter leichten Verdauungsst&ouml;rungen, bevor sie sich wieder im Gl&uuml;hen des verachtungsw&uuml;rdigen Status des Dollars sonnen konnte. In den Augen der Anleger ist nach wie vor Amerika das Land, das ein wirklich bedeutendes Fiskalproblem hat.<\/p>\n<p>Halt, nicht so voreilig. Denn &bdquo;das Rentensystem ist eine tickende Zeitbombe, die die europ&auml;ische Integration bedroht&ldquo;, meint Jose Pinera, Gr&uuml;nder und Vorsitzender des International Center for Pension Reform und au&szlig;erdem Architekt der Privatisierung des chilenischen Rentensystems.<\/p>\n<p>Die alternden Bev&ouml;lkerungen Europas, die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit, die immensen nicht gegenfinanzierten Rentenverpflichtungen sowie der freigiebige Wohlfahrtsstaat &ndash; ohne die zahlreichen Vereinigungen zu erw&auml;hnen, die zum Streik aufrufen, sobald auch nur die geringsten Minderungen der sozialen Zuwendungen auf den Tisch kommen &ndash; machen die drohende Finanzkrise schlimmer als die in Amerika. Davon sind jedenfalls die Volkswirte &uuml;berzeugt, die die Haushaltsl&uuml;cke eines Staates anhand seiner k&uuml;nftigen Zahlungsverpflichtungen errechnen.<\/p>\n<p><strong>Gute und schlechte L&auml;nder<\/strong><\/p>\n<p>Pinera, ein Volksverf&uuml;hrer in Sachen Rentenreformen, teilt Europa in zwei Kategorien, die ich jetzt einmal mit &bdquo;gute L&auml;nder&ldquo; und &bdquo;schlechte<br>\nL&auml;nder&ldquo; bezeichnen m&ouml;chte. Zu der Gruppe der Guten z&auml;hlen: L&auml;nder mit umfassenden <strong>privaten Rentensysteme wie Gro&szlig;britannien und die Niederlande<\/strong>, L&auml;nder, die vor kurzem die pers&ouml;nlichen Rentenkonten eingef&uuml;hrt haben (Schweden und Polen) sowie alle Staaten mit soliden &ouml;ffentlichen Finanzen wie Irland und Luxemburg. In die Kategorie der schlechten L&auml;nder fallen die Gro&szlig;en der W&auml;hrungsunion: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Diese L&auml;nder &bdquo;haben keine privaten Rentensysteme und sind hochverschuldet,&ldquo; meint Pinera. &bdquo;Ihre finanzwirtschaftlichen Probleme bedeuten f&uuml;r die Einheit der Euro-Zone eine enorme Belastung.&ldquo;<\/p>\n<p>Das derzeitige Umlageverfahren in Verbindung mit bescheidenen Steuererh&ouml;hungen und ein paar kleinen K&uuml;rzungen einiger Zuwendungen anzupieksen, wird wohl kaum funktionieren. Nur strukturelle Reformen k&ouml;nnen die in Europa schlummernde Rentenkrise noch abwenden. &bdquo;Wenn die Europ&auml;er keine Kinder bekommen wollen, m&uuml;ssen sie Geld in private Rentenkonten einzahlen&ldquo;, sagt Pinera. Die guten L&auml;nder, die der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion beigetreten sind, damit sie mehr wie die schlechten L&auml;nder werden k&ouml;nnen, als diese noch gut waren, erkennen langsam, da&szlig; diejenigen, die die Spielregeln gemacht haben, nun nicht nach ihnen spielen wollen.<\/p><\/blockquote><p>Soviel zur FAZ. <\/p><p><strong>Im Zusammenhang mit der Sendung bei Ph&ouml;nix noch einige Links mit Informationen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Dokumentation des SR-ARD-Filmes Rentenangst<\/strong><br>\na. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/results?gl=DE&amp;hl=de&amp;search_query=Rentenangst&amp;search_type=\">auf YouTube<\/a> und<br>\nb. <a href=\"upload\/pdf\/080309_ARD_Rentenangst.pdf\">als PDF [140 KB]<\/a><br>\nDas Manuskript ist sehr n&uuml;tzlich. Ausz&uuml;ge haben wir schon gebracht.<\/li>\n<li><strong>Rente<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,ze825xqbep9itozv~cm.asp\">Wer sch&uuml;rt den Streit zwischen alt und jung?<\/a><\/li>\n<li><strong>G&ouml;ttinger Gruppe<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,j6j1hfziyfsvvxv3~cm.asp\">Alptraum ohne Ende<\/a><br>\nDienstag, 8. Juli 2008 im Ersten<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,uqlo5ly5gvqclgay~cm.asp\">Zu Prof. R&uuml;rup<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,lzc4xzic7nbqzhd1~cm.asp\">Zum AWD<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Abend trifft bei Ph&ouml;nix Bert R&uuml;rup (demn&auml;chst Chef&ouml;konom von AWD) auf Johannes Vogel (Bundesvorsitzender Junge Liberale) zum Thema: <a href=\"http:\/\/www.phoenix.de\/content\/phoenix\/die_sendungen\/diskussionen\/unter_den_linden\/224877?datum=2009-02-16\">&ldquo;Im W&uuml;rgegriff der Finanzkrise &ndash; Ist die Rente nicht mehr sicher?&rdquo;<\/a>. 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