{"id":3777,"date":"2009-02-17T09:31:28","date_gmt":"2009-02-17T08:31:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3777"},"modified":"2015-12-16T14:56:32","modified_gmt":"2015-12-16T13:56:32","slug":"geburten-tom-buhro-tagesthemen-spiegelonline-bild-und-eine-reihe-anderer-medien-erweisen-sich-wieder-als-teil-der-pr-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3777","title":{"rendered":"Geburten: Tom Buhrow-Tagesthemen, SpiegelOnline, BILD und eine Reihe anderer Medien  erweisen sich wieder als Teil der PR-Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Wolfgang Lieb hat schon auf die tollen Erkenntnisse der Familienministerin von der Leyen hingewiesen: <a href=\"?p=3773\">&bdquo;Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur&hellip;&ldquo;<\/a> Beachtlich viele Medien sind unkritisch wie immer in demographischen Fragen auf die PR-Geschichte der Ministerin eingestiegen. Tagesthemen, SpiegelOnline und BILD\/BamS wie so oft vereint. Siehe Anhang A. &ndash; Sie k&ouml;nnen an diesem Fall Ihre eigenen Medien, Ihre Lokalzeitung und Rundfunk testen. Meine Regionalzeitung, Die Rheinpfalz, brachte die Meldung im Sinne der Ministerin auf der ersten Seite, SWR3 machte sich lustig &uuml;ber die Tagesthemen (Bravo!). Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Nicht nur die Thesen von der Leyens &uuml;ber den Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung und Familie\/Geburtenrate sind absurd und m&uuml;ssen einen wegen der miserablen Qualit&auml;t unserer Ministerin beunruhigen, auch die demographische Seite ist eine einzige Groteske. In Anhang B weisen wir auf einen Beitrag zu den &bdquo;statistischen Tricks der Ursula von der Leyen&ldquo; hin. Das ist sehr lesenswert.<\/p><p>Die Entwicklung der absoluten Ziffern, die in Folge der Luftspr&uuml;nge von Frau von der Leyen in vielen Medien gefeiert wurde sagt wenig. Es sagt ein bisschen mehr, wenn man sie bezieht auch die Zahl der geb&auml;rf&auml;higen Frauen. Das ist dann die Geburtenziffer. <\/p><p>Die Entwicklung der Geburtenziffer zeigt, wie leichtfertig es ist, einen Zuwachs von 5000 Geburten als gravierende Ver&auml;nderung zu interpretieren.<\/p><p>Im folgenden ist zun&auml;chst eine Tabelle des Statistischen Bundesamtes mit Angaben zur durchschnittlichen Kinderzahl je Frau (Geburtenziffer) in den letzten 18 Jahren (einschlie&szlig;lich des Links zu dieser Tabelle) wiedergegeben. In den drei Spalten wird unterschieden zwischen den Geburtenziffern in Gesamtdeutschland, im fr&uuml;heren Bundesgebiet und in den neuen Bundesl&auml;ndern: <\/p><p><strong>Durchschnittliche Kinderzahl je Frau<br>\nZusammengefasste Geburtenziffer&sup1;<\/strong><\/p><table style=\"text-align: right;\">\n<tr>\n<th>Jahr<\/th>\n<th>Deutschland<\/th>\n<th>Fr&uuml;heres Bundesgebiet&sup2;<\/th>\n<th>Neue L&auml;nder&sup3;<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1990\n<\/td><td>1,454<\/td>\n<td>1,450<\/td>\n<td>1,518<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1991<\/td>\n<td>1,332<\/td>\n<td>1,422<\/td>\n<td>0,977<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1992<\/td>\n<td>1,292<\/td>\n<td>1,402<\/td>\n<td>0,830<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1993<\/td>\n<td>1,278<\/td>\n<td>1,393<\/td>\n<td>0,775<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1994<\/td>\n<td>1,243<\/td>\n<td>1,347<\/td>\n<td>0,772<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1995<\/td>\n<td>1,249<\/td>\n<td>1,339<\/td>\n<td>0,838<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1996<\/td>\n<td>1,316<\/td>\n<td>1,396<\/td>\n<td>0,948<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1997<\/td>\n<td>1,369<\/td>\n<td>1,441<\/td>\n<td>1,039<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1998<\/td>\n<td>1,355<\/td>\n<td>1,413<\/td>\n<td>1,087<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1999<\/td>\n<td>1,361<\/td>\n<td>1,406<\/td>\n<td>1,148<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2000<\/td>\n<td>1,378<\/td>\n<td>1,413<\/td>\n<td>1,214<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2001<\/td>\n<td>1,349<\/td>\n<td>1,382<\/td>\n<td>1,231<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2002<\/td>\n<td>1,341<\/td>\n<td>1,371<\/td>\n<td>1,238<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2003<\/td>\n<td>1,340<\/td>\n<td>1,364<\/td>\n<td>1,264<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2004<\/td>\n<td>1,355<\/td>\n<td>1,372<\/td>\n<td>1,307<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2005<\/td>\n<td>1,340<\/td>\n<td>1,355<\/td>\n<td>1,295<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2006<\/td>\n<td>1,331<\/td>\n<td>1,341<\/td>\n<td>1,303<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2007<\/td>\n<td>1,370<\/td>\n<td>1,375<\/td>\n<td>1,366<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>&sup1; Berechnet nach der Geburtsjahrmethode.<br>\n&sup2;  Seit 2001 ohne Berlin-West.<br>\n&sup3; Seit 2001 ohne Berlin-Ost.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Content\/Statistiken\/Bevoelkerung\/GeburtenSterbefaelle\/Tabellen\/Content50\/GeburtenZiffer,templateId=renderPrint.psml\">destatis.de<\/a><\/p><p>Die Ver&auml;nderung um 5000 Geburten, die Frau von der Leyen und mit ihr Bild, Spiegel und die Tagesthemen feiern, schl&auml;gt sich in den Geburtenziffern allenfalls in der zweiten Stelle hinter dem Komma nieder. Dabei ist zu beachten, dass wir im Jahr 2000 eine h&ouml;here Geburtenrate hatten als 2007 und im Jahr 1990 auch eine h&ouml;here. Dazwischen gab es niedrigere, insbesondere 1992-1995. Die gesamtdeutsche Geburtenziffer wurde damals von einer Reduzierung in den neuen Bundesl&auml;ndern gedr&uuml;ckt.<\/p><p>Wenn man noch weiter zur&uuml;ckgeht, n&auml;mlich in die Achtzigerjahre (siehe meine Folie), dann kann man noch ganz andere Schwankungen beobachten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20090217_table.jpg\" alt=\"Tabelle\"><\/p><p>Mitte der Achtzigerjahre lag die Geburtenziffer in den alten Bundesl&auml;ndern schon einmal unter 1,3 Geburten pro Frau, bei 1,28 Geburten. Wenn ich so leichtfertig und politisch tendenzi&ouml;s interpretieren wollte, wie dies die heutige Ministerin tut, dann w&uuml;rde ich anmerken, dass das Absacken der Geburtenziffern nach 1982 offenbar auf den Schock zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, den die Wende von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl ausl&ouml;ste. Eine ernsthaftere Interpretation k&ouml;nnte auf die schlechte Konjunktur, die geschwundenen Berufschancen junger Leute und die Missachtung der &ouml;kologischen Frage nach der Wende verweisen.<\/p><p>Viel wichtiger und richtiger ist jedoch, sich zu merken, dass man solche kleinen Ver&auml;nderungen innerhalb kurzer Zeitr&auml;ume von einem, von zwei oder auch f&uuml;nf Jahren nicht interpretieren sollte. Das sollte die Ministerin wissen und das sollten schon in jedem Fall die Medien wissen. Sie alle halten uns zum Narren.<br>\nDass so viele Medien bei diesem Spiel mitmachen, ist schlicht unverst&auml;ndlich.<\/p><p><strong>Anhang A:<\/strong><\/p><p><strong>Tom Buhrow: Kinder im Kommen &ndash; In Deutschland steigt die Geburtenzahl<\/strong><br>\nGeburtenrate steigt und mehr V&auml;ter nutzen Elternzeit<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt1156.html\">Tagesthemen 15.2.2009<\/a><\/p><p><strong>15. Februar 2009, 08:00&nbsp;Uhr<\/strong><br>\n<strong>FAMILIENKONJUNKTUR<\/strong><br>\nZahl der Geburten in Deutschland steigt an<br>\nDer Geburtentrend geht nach oben: In Deutschland kommen wieder mehr Kinder zur Welt, 2007 waren es rund 12.000 mehr als im Jahr davor. Gerade Paare ab 30 sind h&auml;ufiger zur Familiengr&uuml;ndung bereit.<\/p><p>Berlin &ndash; &ldquo;Besonders bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren hat die Zahl der Kinder zugenommen&rdquo;, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) der &ldquo;Bild am Sonntag&rdquo;. 2007 seien 12.000 Kinder mehr als 2006 geboren worden. Im vergangenen Jahr habe der Trend angehalten. Von Januar bis September 2008 stieg die Zahl der Geburten nach einem Bericht der Zeitung um 3400 auf 517.549. Das Statistische Bundesamt sch&auml;tzt die Gesamtzahl der Geburten 2008 auf bis zu 690.000, im Jahr zuvor waren es 684 862.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-607676,00.html\">spiegel.de<\/a><\/p><p><strong>Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen &bdquo;Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur . . .&ldquo;<\/strong><br>\n<em>Von ANGELIKA HELLEMANN und CHRISTOPH VON UNGERN-STERNBERG<\/em><br>\nBundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (50) erkl&auml;rt in BamS, warum in Deutschland die Zahl der Geburten wieder steigt und die der Abtreibungen sinkt. Sie spricht &uuml;ber ihre Gro&szlig;familie, das &Auml;lterwerden und verr&auml;t, ob eine Sch&ouml;nheitsoperation f&uuml;r sie jemals infrage kommt<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2009\/02\/15\/bundesfamilienministerin-ursula-von-der-leyen\/interview-ueber-familie-aelterwerden-schoenheitsoperationen.html\">bild.de<\/a><\/p><p><strong>Anhang B: <\/strong><\/p><p><strong>&ldquo;Babyboom&rdquo; &amp; &ldquo;Neue V&auml;ter&rdquo;: Die statistischen Tricks der Ursula von der Leyen<\/strong><br>\nEs gibt wieder mehr Geburten in Deutschland, frohlockt die geburtenstarke Familienministerin. Und die Medien frohlocken mit. Denn selten gibt es so viel Gutes zu berichten. Kritische Nachfragen st&ouml;ren nur.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/carta.info\/5162\/babyboom-neue-vaeter-die-statistischen-tricks-der-ursula-von-der-leyen\/\">carta.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Lieb hat schon auf die tollen Erkenntnisse der Familienministerin von der Leyen hingewiesen: <a href=\"?p=3773\">&bdquo;Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur&hellip;&ldquo;<\/a> Beachtlich viele Medien sind unkritisch wie immer in demographischen Fragen auf die PR-Geschichte der Ministerin eingestiegen. Tagesthemen, SpiegelOnline und BILD\/BamS wie so oft vereint. Siehe Anhang A. &ndash; Sie k&ouml;nnen an diesem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3777\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,167,123],"tags":[459,343,420,405,570,626],"class_list":["post-3777","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-familienpolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-bild","tag-luegen-mit-zahlen","tag-spiegel","tag-statistisches-bundesamt","tag-tagesthemen","tag-von-der-leyen-ursula"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3777"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20499,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3777\/revisions\/20499"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}