{"id":37786,"date":"2017-04-11T08:57:44","date_gmt":"2017-04-11T06:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37786"},"modified":"2018-12-27T10:47:07","modified_gmt":"2018-12-27T09:47:07","slug":"kassel-2006-der-mord-an-halit-yozgat-und-der-zufallsgenerator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37786","title":{"rendered":"Kassel 2006 \u2013 Der Mord an Halit Yozgat und der Zufallsgenerator"},"content":{"rendered":"<p>Im f&uuml;nften Teil unserer Serie zum NSU-VS-Komplex geht <strong>Wolf Wetzel<\/strong> dem Mordanschlag auf Halit Yozgat in Kassel 2006 nach, der dem NSU zugeordnet wird. Zur Tatzeit war auch der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme zugegen, der sich danach nicht mehr erinnern wollte. Warum sch&uuml;tzen all seine Vorgesetzten diesen Erinnerungsverlust?<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8342\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37786-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37786-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170411_NSU_Kassel_2006_Teil_5_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die vorangegangenen Beitr&auml;ge finden Sie hier:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36493\">Der 11. Tatort im NSU-VS-Komplex: Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/BfV in K&ouml;ln<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36047\">Der Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35857\">Das unwahrscheinliche Ende des NSU &ndash; Eisenach 2011<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36957\">Der NSU-VS-Komplex aus Sicht polizeilicher Ermittlungsmethoden<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Am Donnerstag, den 6. April j&auml;hrte sich der 11. Todestag von Halit Yozgat. Er wurde 2006 in seinem Internet-Caf&eacute; in der Holl&auml;ndischen Stra&szlig;e in Kassel erschossen. Jahrelang wurde dieser Mord der &bdquo;organisierten Kriminalit&auml;t&ldquo; (OK) zugeordnet. Nachdem sich die neonazistische Terrorgruppe NSU 2011 selbst bekannt gemacht hatte, machten die Ermittler den NSU daf&uuml;r verantwortlich. Neben einem Video, das Beate Zsch&auml;pe nach dem Tod der beiden NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe B&ouml;hnhardt verschickt hatte, der den Mord in Kassel in einen rassistischen Zusammenhang stellte, wird die gefundene Waffe im Bauschutt des Hauses, in dem auch die NSU-Mitglieder lebten, als hinreichend belastend angesehen.<\/p><p>Nach der atemberaubend schnellen Festlegung folgten zahlreiche Ereignisse und Umst&auml;nde, die die offizielle Version in Frage stellen. Dazu z&auml;hlt auch und insbesondere die Anwesenheit des hessischen Verfassungsschutzmitarbeiters Andreas Temme, der sich zur Tatzeit im Internetcafe aufgehalten hatte. Es dauerte Wochen, bis die Ermittler den einzigen Internetbesucher ausfindig machen konnten, der sich nicht bei der Polizei als Zeuge meldete.<\/p><p>Als sein dort benutzter Tarnname und seine T&auml;tigkeit als Verfassungsschutzmitarbeiter aufflog und die Ermittler Andreas Temme f&uuml;r einen m&ouml;glichen Tatbeteiligten hielten, folgte Aufkl&auml;rungssabotage, die bis heute andauert. Eine Aufkl&auml;rungssabotage, die sich durch alle darin involvierten Beh&ouml;rden zieht. Dazu geh&ouml;rte Andreas Temme selbst, aber auch sein damaliger oberster Dienstherr, der hessische Innenminister Bouffier, der den Kenntnisstand der Ermittler gegen&uuml;ber dem Parlament verschwiegen hatte und es unterband, dass die von Andreas Temme gef&uuml;hrten V-Leute befragt werden konnten. Dass Volker Bouffier zur Begr&uuml;ndung das gef&auml;hrdete &bdquo;Staatswohl&ldquo; und den Schutz von V-Leuten anf&uuml;hrte, hat in diesem Fall eine besondere Note: Zu den V-Leuten geh&ouml;rte u.a. der Neonazi Benjamin G&auml;rtner, mit dem der V-Mann-&bdquo;F&uuml;hrer&ldquo; am Tag des Mordes an Halit Yozgat mehr als elf Minuten lang telefoniert hatte.<\/p><p>Was eigentlich genug Stoff f&uuml;r eine Staatsaffaire w&auml;re und ein Grund mehr, die Ermittlungen neu aufzunehmen, hat recht fr&uuml;h sehr viele Schutzpatrone auf den Plan gerufen. Anstatt diese Sabotage anzugreifen, st&uuml;rzten sie sich mit viel Verve auf jene, die diese Ermittlungssabotage nicht hinnehmen wollten. Dazu geh&ouml;rt u.a. die Familie Yozgat und der Unterst&uuml;tzerkreis &bdquo;<em>Initiative 6. April<\/em>&ldquo;, der auf eindrucksvolle Weise bis heute aktiv ist.<\/p><p>Bereits im M&auml;rz 2015 hatte das Magazin &bdquo;DER SPIEGEL&ldquo; (3\/2015) einen Virus entdeckt, dem es den Namen &hellip; <em>Verschw&ouml;rungstheorie<\/em> gab. Eine journalistische Tretmine, die warnen sollte, jetzt weiterzugehen.<\/p><p>In dem Beitrag widmete sich das Magazin dem Mord in Kassel 2006 und l&auml;sst die Merkw&uuml;rdigkeiten rund um den Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme Revue passieren. Ein Geheimdienstmann, der in seiner Jugend &bdquo;Klein-Adolf&ldquo; gerufen wurde und im Beruf Neonazis als V-Leute betreute. Dieser verl&auml;sst kurz nach dem Mord seinen Internetplatz, sieht den blut&uuml;berstr&ouml;mten Internetcaf&eacute;-Besitzer nicht hinter seinem Tisch liegen, legt ein Geldst&uuml;ck auf den blutverspritzten Tisch, ohne sich das Geringste dabei zu denken &hellip; und verliert mit Verlassen des Tatorts jede Erinnerung daran, dass er dort war. Nachdem die Polizei seine wahre Identit&auml;t ermittelt hatte, wurden seine Telefonanschl&uuml;sse &uuml;ber Wochen abgeh&ouml;rt. Zeitgleich observierte man ihn, wie er sich zum Beispiel mit Vorgesetzten auf einer Rastst&auml;tte traf. In einem dieser abgeh&ouml;rten Telefonate &auml;u&szlig;erte sich Gerald-Hasso Hess, der Geheimschutzbeauftragte des hessischen LfV wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich sage ja jedem: Wenn er wei&szlig;, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dass &bdquo;Klein-Adolf&ldquo; keine Jugends&uuml;nde war, konnte man auch den Telefonprotokollen entnehmen: Er machte aus seiner rassistischen Gesinnung keinen Hehl. Ohne diesen Berg von Indizien, die Falschaussagen, L&uuml;gen und Anleitungen zu Falschaussagen, abzutragen, l&auml;sst sich eines ganz sicher sagen: W&auml;re der Tatverd&auml;chtige ein Islamist oder ein Kommunist, h&auml;tte all dies f&uuml;r f&uuml;nf Anklagen gereicht. Die v&ouml;llig au&szlig;er Kraft gesetzten Ermittlungsmethoden anzuprangern, einen anderen Geschehensablauf f&uuml;r plausibel zu halten, kanzelte das Magazin als ein &bdquo;Fest&ldquo; f&uuml;r jeden ab, &bdquo;<em>der aufregende Verschw&ouml;rungstheorien liebt<\/em>&ldquo;. Und das Magazin drehte weiter m&auml;chtig am Rad, wenn Prozessbeobachter der Serie von Falschaussagen, Beseitigungen von Akten, Manipulation von Tatorten eine Absicht unterstellen und das Magazin f&uuml;r Bewusstseinspflege daraus &bdquo;<em>Komplottgespinste<\/em>&ldquo; macht. <\/p><p>Auch die S&uuml;ddeutsche Zeitung\/SZ legte sich m&auml;chtig ins Zeug, um sich sch&uuml;tzend vor Andreas Temme und seine verbeamteten Besch&uuml;tzer zu stellen, die in einem der abgeh&ouml;rten Telefonate Andreas Temme mahnten und erinnerten, dass er in der &bdquo;Kassler Problematik&ldquo; auch ein bischen drinstecke. Ein langes Interview lie&szlig; Andreas Temme und seine Frau zu Wort kommen. Obwohl die SZ es bereits damals besser wusste, Temme mit eklatanten Widerspr&uuml;chen h&auml;tte konfrontieren k&ouml;nnen, konzentrierte sich die SZ ganz auf eine Homestory: &raquo;<em>Chaostheorie &ndash; Gibt es in Deutschland einen &rsaquo;Tiefen Staat&lsaquo;<\/em> (SZ vom 5.7.2012) und als Fernsehversion: &rsaquo;<em>Pleiten, Pech und Pannen<\/em>&lsaquo; (Panorama-Beitrag vom 5.7.2012).<\/p><p>Mit welcher Motivation dies gemacht wurde, dar&uuml;ber gab SZ-Redakteur Hans Leyendecker bereits im April 2013 auf geradezu panische Weise Auskunft:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Das is <strong>ausermittelt<\/strong>. Das ist nun wirklich <strong>damals ausermittelt<\/strong>, das ist jetzt <strong>noch mal ausermittelt<\/strong>. Der sa&szlig; da, das is auch ne Figur wie eigentlich aus &lsquo;nem Roman, hat fr&uuml;her <strong>Mein Kampf<\/strong> intensiv gelesen. <strong>Es passte scheinbar alles<\/strong>. Aber <strong>es ist ausermittelt<\/strong>, er hat mit dieser Tat, wenn Sie gucken, die M&ouml;rder kamen aus Dortmund, es w&auml;re m&ouml;glich gewesen, dass sie in M&uuml;nster gemordet h&auml;tten, dass sie woanders, er hat mit dieser Tat nicht zu tun gehabt. (&hellip;) Was <strong>ausermittelt<\/strong> ist und das <strong>ist<\/strong> ausermittelt. Und dann kann ich nicht mit &lsquo;ner <strong>Verschw&ouml;rungstheorie<\/strong> noch mal um die Ecke kommen.&laquo; (ARD-Sendung Bericht aus Berlin vom 14.4.2013)\n<\/p><\/blockquote><p>Vier Jahre sp&auml;ter &auml;u&szlig;erte sich abermals die S&uuml;ddeutsche Zeitung, um ein weiteres Mal ihren Flankenschutz f&uuml;r untragbare Ermittlungsmethoden und &ndash;ergebnisse unter Beweis zu stellen.<br>\nDie &bdquo;Initiative 6. April&ldquo; hatte auf eigene Kosten die Forschergruppe <em>Forensic Architecture<\/em> (FA) vom Londoner Goldsmiths Collage damit beauftragt, den Tatort nachzubauen, um anhand der von Temme gemachten &Auml;u&szlig;erungen zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob seine Einlassungen stimmen. Dieses Engagement w&uuml;rdigte die SZ wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Raffiniert winden sie dem Staat sein Aufkl&auml;rungsmonopol aus den H&auml;nden und tragen das Verfahren aus der Justiz in die &Ouml;ffentlichkeit.&ldquo; (Die Pulverwolke, SZ vom 6. April 2017)\n<\/p><\/blockquote><p>Deutlicher kann man die Verh&auml;ltnisse nicht auf den Kopf stellen. Eigentlich ein Satz f&uuml;r die Satiresendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo;. Das Ergebnis dieser Forschergruppe ist eindeutig: &bdquo;Der ehemalige hessische Verfassungssch&uuml;tzer Andreas Temme muss die Sch&uuml;sse auf Halit Yozgat in dessen Internetcaf&eacute; am 6. April 2006 geh&ouml;rt und beim Verlassen des Ladenlokals den Sterbenden hinter der Theke gesehen haben. Das ist das Ergebnis aufwendiger Untersuchungen eines kriminaltechnischen Instituts mit Sitz in London.&ldquo; (jW vom 3.4.2017)<br>\nDie SZ nimmt das Ergebnis zur Kenntnis, legt es zur Seite, um das bereits im Jahr 2015 Konstatierte zu wiederholen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Vielleicht ist die wahrscheinlichste aller M&ouml;glichkeiten eben doch, dass ein untreuer Ehemann und pflichtvergessener Beamter zur falschen Zeit am falschen Ort war &hellip;&ldquo; (s.o.)\n<\/p><\/blockquote><p>Ist es also jetzt denkbar, also nicht ganz auszuschlie&szlig;en, dass der Angriff auf Polen 1939 unter einem &auml;hnlich ungl&uuml;cklichen Stern stand?<\/p><p><strong>Ermittlungsmethoden statt Zufallsgenerator<\/strong><\/p><p>Wer sich mit polizeilichen Ermittlungst&auml;tigungen und -methoden besch&auml;ftigt, wird schnell erfahren, dass dort &rsaquo;der Zufall&lsaquo; &ndash; also die Lehre vom Unwahrscheinlichen &ndash; als Erkenntnismethode nicht vorkommt. Zu Recht. Denn polizeiliche Ermittlungsmethoden gehen vom Gegenteil aus: von der Wahrscheinlichkeit eines Geschehensablaufes. Denn weder die Polizei noch ein Staatsanwalt noch ein Richter kennen die Wahrheit. Sie k&ouml;nnten im besten Fall nur ein Geschehen rekonstruieren &ndash; mithilfe von Indizien, Zeugen und Spuren. Ausgangspunkt ist folglich nicht ein Geschehen, ein bestimmtes, sondern verschiedene Geschehensabl&auml;ufe, die sich aus den &rsaquo;Beweismitteln&lsaquo; ergeben. Das bekommt &ndash; in der Theorie &ndash; den Namen: Ermittlungen in <em>alle<\/em> Richtungen.<\/p><p>Am Ende dieses Ermittlungsprozesses bleibt ein Geschehensablauf, der aufgrund der vorhandenen Beweismittel in sich konsistent ist, am plausibelsten rekonstruiert werden kann.<\/p><p>Nimmt man alle uns vorliegenden Beweismittel im Fall Kassel zur Grundlage und handelt nach diesen polizeilichen Pr&auml;missen, dann kommt man zu einem recht eindeutigen Ergebnis:<br>\nF&uuml;r den Geschehensablauf, den Polizei und Gericht f&uuml;r die Ereignisse in Kassel f&uuml;r plausibel halten, spricht so gut wie nichts: Es gibt keine einzige Zeugenaussage, die die NSU-Mitglieder Mundlos und B&ouml;hnhardt als unmittelbare Tatbeteiligte nahelegen.<\/p><p>Einzig und allein die Tatwaffe (eine &#268;esk&aacute; 83), die im Brandschutt des Hauses gefunden wurde, in dem auch die NSU-Mitglieder wohnten, l&auml;sst eine T&auml;terschaft des NSU infrage kommen. Mehr nicht.<\/p><p>Das ist ein schwacher, um nicht zu sagen hauchd&uuml;nner Beweis. Denn damit ist weder gekl&auml;rt noch bewiesen, dass die beiden NSU-Mitglieder auch die T&auml;ter waren &ndash; selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Waffe tats&auml;chlich im Besitz der uns bekannten NSU-Mitglieder befand.<\/p><p>Gegen den Geheimdienstmitarbeiter Andreas Temme sprechen <em><strong>zahlreiche<\/strong><\/em> Indizien und Sachbeweise: <\/p><ul>\n<li>Ein neonazistischer Hintergrund <\/li>\n<li>Ein Duz-Verh&auml;ltnis zu dem V-Mann und Neonazi Benjamin G&auml;rtner, der zum NSU-Netzwerk z&auml;hlt<\/li>\n<li>Die Anwesenheit zur Tat- und Mordzeit<\/li>\n<li>Das Mitf&uuml;hren einer Plastikt&uuml;te, in der sich laut Zeugenberichten die Tatwaffe befunden haben k&ouml;nnte. Von dieser berichtete auch seine Ehefrau, in einem abgeh&ouml;rten Telefonat:<br>\n<blockquote><p>\n\t&raquo;Willst du nicht mal auf mich h&ouml;ren? Ich sage noch, ne, nimm keine Plastikt&uuml;te mit!&laquo; (tagesspiegel.de vom 8.6.2015)\n\t<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>Das Auffinden von Handschuhen, an denen sich Schmauchspuren befinden, die nicht zu der Munition passen, die Andreas Temme im Sch&uuml;tzenverein verwendet<\/li>\n<li>Die Verweigerung einer Zeugenschaft<\/li>\n<li>Zahlreiche Falschaussagen in Verbindung mit Absprachen von Falschaussagen<\/li>\n<li>Die Verhinderung der Aufkl&auml;rung angeblicher &rsaquo;privater&lsaquo; Umst&auml;nde durch seine Vorgesetzten <\/li>\n<\/ul><p>Vergleicht man &ndash; ohne Ansehen der Person &ndash; die Indizien und Sachbeweise, die f&uuml;r eine T&auml;terschaft der zwei stets genannten NSU-Mitglieder und\/oder f&uuml;r die (Mit-)T&auml;terschaft von Andreas Temme sprechen, dann braucht man f&uuml;r dieses Ergebnis keine kriminalistische Ausbildung.<\/p><p>Geht man &ndash; gem&auml;&szlig; der vorliegenden Beweismittel &ndash; von einer 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer T&auml;terschaft der uns bekannten NSU-Mitglieder aus, so belasten die restlichen 80 Prozent den hessischen Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme wegen m&ouml;glicher Mitt&auml;terschaft bzw. Beihilfe zu Mord.<\/p><p>F&auml;nden die polizeilichen Ermittlungsgrunds&auml;tze tats&auml;chlich Anwendung, w&uuml;rde das Ermittlungsergebnis im Mordfall Kassel geradezu zwingend zu einer Anklage gegen Andreas Temme f&uuml;hren. Dass dies bis heute nicht passiert ist, hat auch nichts mit Zufall zu tun.<\/p><p>Man kann diese Art juristische und journalistische &bdquo;Aufkl&auml;rung&ldquo; auch so zusammenfassen: Wenn man das Wahrscheinliche ausgeschlossen hat, die Ermittlungsmethoden der Plausibilit&auml;t au&szlig;er Kraft gesetzt hat, muss das, was &uuml;brig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.<\/p><p><em>Wolf Wetzel &ndash; Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund &ndash; wo h&ouml;rt der Staat auf? 3. Auflage, Unrast Verlag 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im f&uuml;nften Teil unserer Serie zum NSU-VS-Komplex geht <strong>Wolf Wetzel<\/strong> dem Mordanschlag auf Halit Yozgat in Kassel 2006 nach, der dem NSU zugeordnet wird. Zur Tatzeit war auch der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme zugegen, der sich danach nicht mehr erinnern wollte. 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