{"id":378,"date":"2004-10-14T13:38:41","date_gmt":"2004-10-14T12:38:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=378"},"modified":"2016-03-24T11:42:13","modified_gmt":"2016-03-24T10:42:13","slug":"die-neueste-input-output-rechnung-zur-importabhangigkeit-der-deutschen-exporte-widerlegt-unsere-basar-okonomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=378","title":{"rendered":"Die neueste Input-Output-Rechnung zur Importabh\u00e4ngigkeit der deutschen Exporte widerlegt unsere \u201eBasar-\u00d6konomen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zwar hat sich der Importanteil an den deutschen Exporten von 1995 auf 2002 deutlich von 29,7 auf 38,8% erh&ouml;ht, trotzdem hat die in den Exporten enthaltene inl&auml;ndische Bruttowertsch&ouml;pfung in diesem Zeitraum &uuml;berdurchschnittlich stark zum nominalen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beigetragen. Ihr Anteil stieg von 16,2 auf 20,8% Der gestiegene Importanteil wurde durch die stark gestiegene Exportnachfrage &uuml;berkompensiert.<br>\nDie Daten des Statistischen Bundesamtes widerlegen die Behauptung Deutschland entwickle sich zu einer &bdquo;Basar-&Ouml;konomie&ldquo;; will sagen, die Exporterfolge beruhten auf importierten G&uuml;tern und Vorleistungen. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn oder Friedrich Merz (CDU) wollen mit dieser Behauptung die Stellung Deutschlands als Exportweltmeister klein reden und seine mangelnde Wettbewerbsf&auml;higkeit belegen.<br>\n<!--more--><br>\n2002 wurden aus Deutschland G&uuml;ter im Wert von 732,53 Milliarden Euro exportiert. 1995 waren es noch 421,89 Milliarden Euro. Das bedeutet eine Steigerung von 74% in sieben Jahren. Die Exporte aus (rein) inl&auml;ndischer Produktion haben sich im gleichen Zeitraum von 379,29 Milliarden Euro auf 621,13 Milliarden Euro also um immerhin 64% erh&ouml;ht.<br>\nUnbestreitbar hat sich zwar der Anteil der exportinduzierten Importe deutlich von 29,7% der Exporte auf 38,8% erh&ouml;ht, trotzdem hat die in den Exporten enthaltene inl&auml;ndische Bruttowertsch&ouml;pfung im Untersuchungszeitraum &uuml;berdurchschnittlich stark zum nominalen Wachstums des Bruttoinlandproduktes beigetragen, n&auml;mlich mit einer Steigerung von 291,23 auf 439,79 Milliarden Euro, d.h. um immerhin noch 51%.<br>\nDie gesamte exportinduzierte Bruttowertsch&ouml;pfung der Exporte hat sich von 16,2 auf 20,8% des BIP erh&ouml;ht.<\/p><p>Soweit die n&uuml;chternen und durchaus erfreulichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in seiner &bdquo;Input-Output-Rechnung zur Importabh&auml;ngigkeit der deutschen Exporte&ldquo; aktualisiert im September 2004 und im Internet f&uuml;r jedermann <a href=\"http:\/\/%20www.destatis.de\/allg\/d\/veroe\/proser4fvgr_d.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/ www.destatis.de\/allg\/d\/veroe\/proser4fvgr_d.htm\">abrufbar<\/a>.<\/p><p>Haben Sie in den Wirtschaftsteilen unserer Medien etwas dar&uuml;ber gelesen? Hat der Bundeswirtschaftsminister daraus eine Erfolgsmeldung gemacht?<br>\nNein, positive Wirtschaftsdaten passen nicht in die Strategie des Schlechtredens um daraus die Notwendigkeit von grundlegenden &bdquo;Reformen&ldquo; zu begr&uuml;nden.<\/p><p>Dagegen hat die sog. &bdquo;Deutsche Rede&ldquo; (man beachte die Selbstbeweihr&auml;ucherung) des ifo-Chefs Hans-Werner Sinn vom 15. November 2003 mit dem &ndash; f&uuml;r Deutschlands Stimmungslage typischen &ndash; Titel &bdquo;Der kranke Mann Europas&ldquo; geradezu Wellen geschlagen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU\/CSU-Fraktion Friedrich Merz hat in der Haushaltsdebatte des Bundestags noch im September die Export&uuml;bersch&uuml;sse als Ausfluss der &bdquo;Basar-&Ouml;konomie&ldquo; klein geredet. (Sein R&uuml;ckzug als CDU-Pr&auml;side und aus dem Fraktionsvorsitz hat seine Gr&uuml;nde wohl kaum darin, dass er jetzt bei einer falschen Aussage ertappt wird.) Angesichts dieser Faktenlage lohnt es sich einfach einmal, beispielhaft mit einem Originaltext zu belegen, wie unsere &bdquo;Basar-&Ouml;konomen&ldquo;, in diesem Falle Hans-Werner Sinn, unsere wirtschaftliche Situation dramatisieren und mit einem Katastrophengem&auml;lde z.B. Niedrigstl&ouml;hne und die Senkung der Sozialhilfe einfordern: <\/p><p><strong>Zitate aus der &bdquo;Deutschen Rede&ldquo;:<\/strong><\/p><blockquote><p>Die akute Gef&auml;hrdung der Volkswirtschaft unseres Landes wird manchmal mit dem Hinweis auf die in diesem Jahr recht hohen deutschen Exportwerte in der internationalen Zahlungsbilanzstatistik heruntergespielt. Aber die Statistiken t&auml;uschen, denn sie nehmen keine R&uuml;cksicht darauf, welcher Anteil der Exporterl&ouml;se auf eine Wertsch&ouml;pfung in Deutschland zur&uuml;ck zu f&uuml;hren ist. Der von Deutschland exportierte Audi, dessen Motor aus Ungarn kommt, wird zu 100% dem deutschen Export zugerechnet.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Was schlicht falsch ist, weil die Importe in der Handelsbilanz nat&uuml;rlich gegengerechnet werden. <\/p><blockquote><p>In Deutschland wird noch die Endmontage der Industrieprodukte durchgef&uuml;hrt, aber der Anteil der Wertsch&ouml;pfung, der in unserem Land anf&auml;llt, also der Anteil der L&ouml;hne und Kapitaleinkommen am Wert der Fertigwaren, der auf Deutschland entf&auml;llt, wird immer kleiner. Deutschland entwickelt sich allm&auml;hlich in die Richtung einer Basar-&Ouml;konomie, die die Weltm&auml;rkte mit Waren bedient, die wir in unserem osteurop&auml;ischen Hinterland produzieren lassen&hellip; Durch das Outsourcing bleiben die deutschen Firmen wettbewerbsf&auml;hig. Sie k&ouml;nnen ihre Weltmarktposition einigerma&szlig;en verteidigen. Was dabei jedoch nicht wettbewerbsf&auml;hig bleibt, sind die deutschen Arbeitspl&auml;tze (&hellip;)<\/p>\n<p>4,5 Millionen Deutsche sind nicht mehr wettbewerbsf&auml;hig&hellip;.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Aus dieser angeblichen &bdquo;deutschen Misere&ldquo; werden dann die &uuml;blichen Rezepturen verordnet: &bdquo;Den Sozialstaat nachjustieren&ldquo;, &bdquo;billiger werden&ldquo; indem &bdquo;Steuern und Sozialabgaben fallen&ldquo;, &bdquo;Kostensenkungen beim Staat&ldquo; oder auch die Sozialhilfe senken, weil sie &bdquo;eine Lohnuntergrenze in die Tarifstruktur&ldquo; einziehe und deshalb keine Niedrigstl&ouml;hne unter dem Sozialhilfesatz zulasse. <\/p><p>Wenn die Diagnose des &bdquo;kranken Mannes in Europa&ldquo; schon falsch ist, wie k&ouml;nnten dann die Heilmittel richtig sein? Aber in Deutschland meint man, mit dieser &bdquo;Voodoo-&Ouml;konomie&ldquo; heilen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar hat sich der Importanteil an den deutschen Exporten von 1995 auf 2002 deutlich von 29,7 auf 38,8% erh&ouml;ht, trotzdem hat die in den Exporten enthaltene inl&auml;ndische Bruttowertsch&ouml;pfung in diesem Zeitraum &uuml;berdurchschnittlich stark zum nominalen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beigetragen. 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