{"id":37809,"date":"2017-04-12T08:56:39","date_gmt":"2017-04-12T06:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37809"},"modified":"2026-01-27T11:03:20","modified_gmt":"2026-01-27T10:03:20","slug":"journalisten-sollten-ihr-publikum-nicht-mehr-fuer-dumm-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37809","title":{"rendered":"\u201eJournalisten sollten ihr Publikum nicht mehr f\u00fcr dumm halten\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170412_prokhorova.jpg\" alt=\"Veronika Prokhorova\" title=\"Veronika Prokhorova\"><\/div><p>Einseitige Berichterstattung in den gro&szlig;en Medien f&uuml;hrt dazu, dass diejenigen, die den Mainstreamjournalismus generell kritisch betrachten, &bdquo;ihre Reihen schlie&szlig;en.&ldquo; Diese Beobachtung hat die freie Russland-Korrespondentin <strong>Veronika Prokhorova<\/strong> gemacht. Prokhorova, die zurzeit den Master-Studiengang Journalistik an der TU Dortmund absolviert, kritisiert im Interview mit <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Journalismus aufseiten der Qualit&auml;tsmedien, der bei zentralen politischen Themen Objektivit&auml;t vermissen l&auml;sst. &bdquo;Wir hatten nie so viel Angst&ldquo;, &bdquo;die Welt muss sich f&uuml;rchten&ldquo;, &bdquo;Horrorszenario&ldquo;, &bdquo;Das Ende&ldquo; &ndash; &bdquo;so sahen&ldquo;, sagt Prokhorova, &bdquo;die Schlagzeilen der &lsquo;seri&ouml;sen&lsquo; Medien aus.&ldquo;<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_199\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37809-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37809-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170412_Journalisten_sollten_Publikum_nicht_fuer_dumm_halten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Diese Berichterstattung f&uuml;hre dazu, dass Mediennutzer zu Trump-Verstehern, Putin-Verstehern und Erdogan-Verstehern w&uuml;rden. &bdquo;So eine einseitige Berichterstattung l&ouml;st, das ist doch klar, Gegenreaktionen bei den Mediennutzern aus&ldquo;, sagt die Journalistin. Die 23-J&auml;hrige Prokhorova, die sich in dem gerade von Michael Steinbrecher und G&uuml;nter Rager herausgegebenen Buch &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/meinung-macht-manipulation\/\">Meinung Macht Manipulation: Journalismus auf dem Pr&uuml;fstand<\/a>&rdquo; mit Qualit&auml;tsmedien auseinandersetzt, die in ihrer Berichterstattung zunehmend auf Skandalisierung und Boulevardisierung setzen, geht auch im NachDenkSeiten-Interview auf diese Entwicklung ein. Journalisten sollten aufh&ouml;ren, zu skandalisieren und sich auf eine jener Aufgaben konzentrieren, die ihnen eigentlich zukommt: &bdquo;sachlich erkl&auml;ren.&ldquo;<\/p><p><strong>Frau Prokhorova, auf der einen Seite stehen die Boulevardmedien, die mit lautem Geschrei und Sensationslust &bdquo;berichten&ldquo;, auf der anderen Seite die Qualit&auml;tsmedien, die um Objektivit&auml;t bem&uuml;ht sind und sich sachlich-n&uuml;chtern der unterschiedlichen Themen annehmen, um eine saubere journalistische Arbeit abzuliefern. Ist dem so?<\/strong><\/p><p>Nein, so denke ich nicht. Es geht darum, dass diese Grenze zwischen den Boulevardmedien und den Qualit&auml;tsmedien verschwinden, das hei&szlig;t, die Themen des Boulevardjournalismus den Weg in die Qualit&auml;tsmedien finden. Die Journalisten k&auml;mpfen um die Aufmerksamkeit und nutzen scheinbar aussagekr&auml;ftige, &bdquo;likeable&ldquo; Inhalte.<\/p><p><strong>Was sind &bdquo;likeable&ldquo; Inhalte?<\/strong><\/p><p>Nehmen Sie doch nur einmal das Internet-Video, wie Angela Merkel ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fRFzPvpJ6Kk\">weinendes Fl&uuml;chtlingsm&auml;dchen<\/a> aus dem Libanon tr&ouml;stet. Das ist ein &bdquo;likeable&ldquo; Inhalt, das hei&szlig;t, man wei&szlig; im Voraus, dass so ein Video die Emotionen derjenigen, die sich das Video anschauen, ber&uuml;hrt, man es irgendwie &bdquo;mag&ldquo;, also eben &bdquo;likeable&ldquo; findet. Und weil die seri&ouml;sen Medien das wissen, nehmen sie es als Thema f&uuml;r sich auf. Ich sage an dieser Stelle erstmal nicht, ob diese Boulevardisierung schlecht oder gut ist. Aber ich stelle fest: Es gibt sie einfach.<\/p><p>Ich sage also: Auf der einen Seite stehen professionelle Medien, auf der anderen populistische. Und wenn man die Berichterstattung betrachtet, kann man nicht immer eindeutig sagen, was nun das seri&ouml;se und was das populistische Medium ist.<\/p><p><strong>In Ihrem Buchbeitrag schreiben Sie: &bdquo;Qualit&auml;tsmedien berichten immer wieder frech, aufr&uuml;hrerisch, zynisch und hysterisch &ndash; statt ruhig, sachlich und politisch korrekt.&ldquo; Welche Beispiele fallen Ihnen dazu ein?<\/strong><\/p><p>Da w&auml;re die Berichterstattung &uuml;ber die russische Desinformationskampagne gegen Merkel vor der Wahl 2017. Dar&uuml;ber haben die sogenannten Qualit&auml;tsmedien berichtet, wie Welt Online, Zeit Online, ZDF und so weiter, obwohl der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/geheimdienste-bnd-keine-beweise-fuer-desinformations-kampagne-putins-1.3365839\">Bundesnachrichtendienst<\/a> und das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz keine eindeutigen Beweise f&uuml;r eine russische Desinformationskampagne gefunden haben.<\/p><p><strong>Ein weiteres Beispiel?<\/strong><\/p><p>Nehmen wir den ZDF-Film &bdquo;Putins Kalter Krieg&ldquo; von Egmont R. Koch, wo es &uuml;ber tschetschenische Fl&uuml;chtlinge, die nach Deutschland kommen, geht, und Sicherheitsbeh&ouml;rden bef&uuml;rchten, dass auch Islamisten unter ihnen sind. Der Film stellt sich durch allerlei Altbekanntes vor: Hans-Georg Maa&szlig;en warnt vor der Desinformationskampagne des Kremls, dazu noch ein NATO-Experte &ndash; vor der russischen Propaganda, es gibt auch eine Reihe tschetschenischer Fl&uuml;chtlinge, die als Agenten von Ramsan Kadyrow dargestellt werden &ndash; aber warum teilen sie selbst mit, dass sie mit Kadyrow befreundet sind und warnen vor seinem Zugriff in Deutschland? Diese Information erz&auml;hlt &bdquo;Igor&ldquo;, ehemaliger FSB-Oberst. Dem Zuschauer werden wichtige Informationen vorenthalten mit der Begr&uuml;ndung, die Identit&auml;t von &bdquo;Igor&ldquo; zu sch&uuml;tzen. Allerdings war es leicht f&uuml;r andere, den Namen des <a href=\"https:\/\/medium.com\/@tzurrealism\/samarskiy-75a58e47f6b2\">FSB-Mannes<\/a> herauszufinden. Warum der Autor des Films nicht nur den Drehort Ukraine, sondern auch die wenig geheime Identit&auml;t verschweigt, ist ein R&auml;tsel. Es gibt so viel <a href=\"http:\/\/uebermedien.de\/12843\/noch-ein-igor-als-zeuge-das-zdf-verkaempft-sich-gegen-putin\/\">falsche Behauptungen<\/a> in diesem Film, so vieles trifft nicht zu.<\/p><p><strong>Und, was schlie&szlig;en Sie daraus?<\/strong><\/p><p>Meiner Meinung nach sieht es hier wieder so aus, als wollte das ZDF seine Zuschauer f&uuml;r dumm verkaufen. Das Trend-Thema &bdquo;russische Propaganda&ldquo; passt eben gerade, weil es in aller Munde ist.<\/p><p><strong>Sie sprechen viel &uuml;ber Russland.<\/strong><\/p><p>Sicher, aber das liegt doch auf der Hand. Ich bin schlie&szlig;lich Russland-Korrespondentin.<\/p><p>Dann nehmen wir ein anderes Beispiel. Ich habe mir auch Gedanken &uuml;ber die Berichterstattung der Pegida-Anh&auml;nger gemacht. <\/p><p><strong>Was ist damit?<\/strong><\/p><p>Fast nie werden in der Berichterstattung die wirklich ernsthaften Fragen gestellt, zum Beispiel: Inwieweit sind die (&uuml;bertriebenen) Sorgen der Pegida-Anh&auml;nger sachlich berechtigt &ndash; auf der Grundlage von fundierten Daten? Oder aber: Welchen Einfluss hat die jahrelange Berichterstattung &uuml;ber Gewalt in islamischen bzw. muslimischen Staaten auf die Ansichten der Pegida-Anh&auml;nger? Hat eine Berichterstattung, die sich nur auf das Negative in diesen L&auml;ndern konzentriert, dazu beigetragen, dass Menschen &Auml;ngste vor dem Islam oder Muslimen haben?  <\/p><p><strong>Und, was meinen Sie?<\/strong><\/p><p>Ich meine, dass die Medien teilweise schuldig sind, dass solche Bewegungen wie &bdquo;Pegida&ldquo; entstehen. Die Medien berichteten in den vergangenen Jahren &uuml;ber die brutale Gewalt des selbsternannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak oder &uuml;ber antisemitische Ausf&auml;lle w&auml;hrend des israelisch-pal&auml;stinensischen Krieges und Ausschreitungen zwischen Kurden, Salafisten und Hooligans auf deutschen Stra&szlig;en.<\/p><p>Was wird den Mediennutzern vermittelt? Richtig! Gewalt, Unruhe, Aggression. <\/p><p>F&auml;llt Ihnen nicht auf, dass &uuml;ber regul&auml;re politische, &ouml;konomische und kulturelle Vorg&auml;nge in der islamischen Welt weniger berichtet wird als &uuml;ber Kriege, Gewalt und sonstige Konflikte? Eine solche Berichterstattung verzerrt die Wahrnehmung des Islams. Eine solche Berichterstattung bringt &bdquo;Pegida&ldquo;-Anh&auml;nger in die Welt.<\/p><p>Und dann, wenn eine Gruppe wie Pegida &ndash; aber es k&ouml;nnte auch irgendeine andere Gruppe sein, die eine von den gro&szlig;en Medien abweichende Meinung vertritt &ndash; erst einmal in der Welt ist, begehen die Medien einen schweren Fehler. &Auml;ngste und Kritikpunkte, ob diese nun real sind oder nicht, werden von ihnen ganz schnell abgetan und dann ist man rasch zur Hand, die unliebsamen Meinungen als der Demokratie widersprechend abzuqualifizieren.<\/p><p>Ehrlich gesagt, mir als Journalistin gef&auml;llt auch vieles nicht, was ich aus so manchen Lagern h&ouml;re. Aber was ist das f&uuml;r eine Meinungsfreiheit, wenn die Meinung nur dann begr&uuml;&szlig;t wird, wenn sie meiner Meinung entspricht? Was w&auml;re ich f&uuml;r eine Journalistin, wenn ich eine Meinung, nur weil ich gegen sie bin, mit einer unausgewogenen Berichterstattung bek&auml;mpfen w&uuml;rde? <\/p><p><strong>Wie sieht es denn mit der Berichterstattung zu Donald Trump aus? <\/strong><\/p><p>Die Medien berichteten sehr eindeutig in eine Richtung &uuml;ber Trump. So wurde der zuk&uuml;nftige Pr&auml;sident Trump auf nahezu allen Kan&auml;len <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/donald-trump-sieg-des-zerstoerers-kommentar-a-1120418.html\">verh&ouml;hnt und gef&uuml;rchtet<\/a>. &bdquo;Wir hatten nie so viel Angst&ldquo;, &bdquo;die Welt muss sich f&uuml;rchten&ldquo;, &bdquo;Horrorszenario&ldquo;, &bdquo;Das Ende&ldquo; &ndash; so sahen die Schlagzeilen der &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; Medien aus. Dank solcher einseitigen Berichterstattungen entstehen Trump-Versteher (und Putin-Versteher, und Erdogan-Versteher). So eine einseitige Berichterstattung l&ouml;st, das ist doch klar, Gegenreaktionen bei den Mediennutzern aus. Menschen, die gegen den Mainstream sind, schlie&szlig;en dann ihre Reihen. Und in so einer Situation wird es dann sehr schwer, &uuml;berhaupt noch eine sachliche Debatte zu f&uuml;hren.  <\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich diese Berichterstattung? Anders gesagt: Wie kommt es dazu, dass top-ausgebildete Journalisten bei Qualit&auml;tsmedien, die das journalistische Handwerk doch beherrschen, so eine Berichterstattung abliefern?<\/strong><\/p><p>Leider h&auml;ngt nicht alles nur von top-ausgebildeten Journalisten ab. Gerade heute, in der Zeit &auml;u&szlig;erst knapper finanzieller Ressourcen werden Massenmedien eher als Wirtschafts- denn als Kulturg&uuml;ter betrachtet. Digitalisierung und Beschleunigung der Nachrichtenproduktion sowie der unvermindert hohe Wettbewerbsdruck, der auf Journalisten lastet, werfen zun&auml;chst die Frage auf, wie sich deren Arbeit ver&auml;ndert. Au&szlig;erdem orientieren sich Journalisten intensiv aneinander: sie beobachten ihre Kollegen, sie sind Gegner im beruflichen Wettbewerb, liefern die Ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r Leistungsvergleich. Sogar die &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; Medien versuchen, dass ihre Stimme auch jene erreicht, die sie nicht lesen. So entwickeln sie sich zu Skandalisierern, indem sie einige Merkmale &ndash; ich habe es ja schon angesprochen &ndash; aus den Boulevardmedien &uuml;bernehmen.<\/p><p><strong>Sie erw&auml;hnen in Ihrem Buchbeitrag auch den &bdquo;Skandal&ldquo; als eine der treibenden Kr&auml;fte der journalistischen Arbeit. Journalismus will Skandale aufdecken und dazu bedienen sich so manche Journalisten dann auch der Zuspitzung, der &Uuml;berspitzung bei der Berichterstattung &ndash; schlie&szlig;lich geht es ja um eine &bdquo;gute Sache&ldquo;, um das Freilegen von Missst&auml;nden. Sind die Motive tats&auml;chlich so edel, wenn Journalisten in ihrer Berichterstattung &uuml;berspitzen?<\/strong><\/p><p>Das glauben viele Journalisten, aber es ist trotzdem falsch. Wenn es einen Missstand g&auml;be, dann m&uuml;ssten Journalisten diesen Missstand nicht auf eine hetzerische Weise an die Mediennutzer herantragen.<\/p><p><strong>Sondern?<\/strong><\/p><p>Sie m&uuml;ssten und sollten einfach nur sachlich erkl&auml;ren. Die meisten Journalisten glauben, dass man mit Skandalisieren Missst&auml;nde in der Gesellschaft verringern k&ouml;nnte, aber das ist Wahnsinn.<\/p><p><strong>Warum?<\/strong><\/p><p>Eine skandalisierte Berichterstattung l&ouml;st fast immer Folgen aus, die negativ sind. Sie verringert keinen Missstand. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Zu den Folgen geh&ouml;ren nicht nur unbeabsichtigte Auswirkungen der Skandalberichte auf die Skandalisierten und ihre soziale Umgebung, sondern gelegentlich auch die massive Irref&uuml;hrung des Publikums.<\/p><p><strong>Was bedeutet das alles f&uuml;r den Journalismus als Ganzes? Also gerade zu einer Zeit, in der viele Medien auch aufgrund einer sich generell ver&auml;nderten Medienlandschaft unter einem enormen Druck sind?<\/strong><\/p><p>Was bedeutet das? Sagen wir es so: Ich bin eher positiv eingestellt als negativ &ndash; mindestens, weil Sie als Journalist sich f&uuml;r dieses Thema interessieren und mir diese Fragen stellen. <\/p><p>Schauen Sie doch einfach nur mal hin, fast jedes Medium hat diverse medienkritische St&uuml;cke im Programm. Diese L&uuml;genpresse-Vorw&uuml;rfe waren ein guter Anlass f&uuml;r Journalisten, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren &ndash; nicht nur im Rahmen von Konferenzen der Branche, sondern gerade auch in der Kommunikation mit ihren Rezipienten. Statt Beschleunigung werden Journalisten Entschleunigung w&auml;hlen. <\/p><p><strong>Was meinen Sie mit Entschleunigung?<\/strong><\/p><p>Damit meine ich, dass Journalisten schon anfangen zu verstehen, wie wichtig es ist, sich f&uuml;r ihre Recherchen und Berichterstattung auch eine gewisse Zeit zu nehmen, um ein seri&ouml;ses St&uuml;ck Arbeit abzuliefern. <\/p><p>Sicher, ich wei&szlig;, das ist in gewisser Weise auch eine Wunschvorstellung von mir und ich wei&szlig;, dass es leicht ist, sich einen entschleunigten Journalismus vorzustellen, der Weg aber zu solch einem Journalismus in der Praxis dann doch nicht einfach ist. <\/p><p>Aber Journalisten sollten ihr Publikum nicht mehr f&uuml;r dumm halten. Viele Menschen legen mehr Wert auf Hintergrundberichterstattung. Schnelligkeit und Sensation verabsolutieren sie nicht als Qualit&auml;tskriterium. <\/p><p>Die &uuml;berwiegende Anzahl der Leser solcher Zeitungen wie FAZ, Handelsblatt, SZ oder Zeit wollen seri&ouml;se Informationen. Sie wollen kein Spektakel. Sie legen Wert auf die Verifizierung der Information, auf eine fundierte Recherche und k&ouml;nnen auch mit komplexen Erkl&auml;rungen umgehen. Hier liegt, das sollten Medien, die ja immer auch &ouml;konomisch denken (m&uuml;ssen), ein Markt, auf dem sich Geld machen l&auml;sst. Dieses Publikum ist zwar anspruchsvoll, aber es ist auch treu. <\/p><p><strong>Sehen wir mal von der Boulevardisierung und Skandalisierung in der Berichterstattung ab. Was f&auml;llt Ihnen als junge Journalistin, wenn Sie auf Ihre Branche mit einem kritischen Auge schauen, noch an Problemen und Verwerfungen im Qualit&auml;tsjournalismus auf?<\/strong><\/p><p>Wie gesagt: Aufmerksamkeit um jeden Preis, Massenmedien, auch &ldquo;seri&ouml;se&rdquo; Medien gehen oft eine symbiotische Beziehung mit dem Populismus ein, mit dem Kalk&uuml;l von Schlagzeilen.<\/p><p><strong>Weiteres?<\/strong><\/p><p>Au&szlig;erdem &uuml;bersch&auml;tzen Journalisten die Bedeutung von Informationen im Netz, insbesondere im Social Media, &uuml;ber extreme Ereignisse und Meinungen. Sie berichten dar&uuml;ber in den Qualit&auml;tsmedien, vermitteln einen irref&uuml;hrenden Eindruck von ihrer Relevanz und verschaffen ihnen dadurch ein gesellschaftliches Gewicht. Um zu unterscheiden, was relevant und wichtig f&uuml;r das Publikum ist, nutzen Journalisten als G&uuml;tekriterium nur Anzahl der Posts, Shares und Likes. Das kostet nichts, sie sind leicht verf&uuml;gbar. Aber Posts, Shares und Likes sind nur scheinbar aussagekr&auml;ftig. <\/p><p>Deshalb berichteten Medien in gro&szlig;en Beitr&auml;gen, dass <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2015-08\/til-schweiger-fluechtlingsheim-sigmar-gabriel-twitter-kritik\">Til Schweiger<\/a> im Internet beleidigt wurde, weil er auf seiner Facebook-Seite die Unterst&uuml;tzung von Fl&uuml;chtlingen angek&uuml;ndigt hat. Deshalb berichteten Medien gro&szlig;z&uuml;gig dar&uuml;ber, dass Facebook-Gr&uuml;nder Marc Zuckerberg mithilfe seines Netzwerks im US-Wahlkampf L&uuml;gen verbreitete und indirekt wohl Trump half, weil er Trumps Posts und Account nicht gesperrt hatte. Es klingt absurd? Aber das ist zu einem Thema der Qualit&auml;tsmedien geworden.<\/p><p><strong>Gerade hat die ARD einen &bdquo;Faktenfinder&ldquo; online gestellt, also ein Projekt, hinter dem eine ganze Redaktion steht und sich den &bdquo;Fake News&ldquo; widmet. Was hat es mit dieser gesamten Diskussion um &bdquo;Fake News&ldquo; aus Ihrer Sicht auf sich? K&ouml;nnen Sie diesen Wirbel verstehen, der derzeit in den Medien um Falschmeldungen aus dem Internet zu beobachten ist?<\/strong><\/p><p>Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, journalistische Arbeit soll transparent sein. Hier muss man aber vorsichtig sein, da ich &uuml;berzeugt bin, dass kein Medium alles pr&uuml;fen und objektiv sein kann. Ich denke, dass es besser ist, wenn solche &bdquo;Fake-News&ldquo;-Redaktionen aus Journalisten verschiedener Medien bestehen w&uuml;rden. Das ist das Problem der Unabh&auml;ngigkeit.<\/p><p>Noch &bdquo;besser&ldquo;, um es mal ironisch zu formulieren, finde ich die Situation mit Facebook, das gegen Fake News auch vorgehen will. Daf&uuml;r kooperiert das Unternehmen mit dem Recherchezentrum&nbsp;Correctiv, das von der SPD-nahen Brost-Stiftung finanziert wird. Wie wird die Unabh&auml;ngigkeit gew&auml;hrleistet? Wieso darf Correctiv als Medium &uuml;ber den Wahrheitsgehalt anderer Medien richten?<\/p><p><strong>Wo m&uuml;sste angesetzt werden? Wie l&auml;sst sich zu einer Berichterstattung kommen, die einen Journalismus erkennen l&auml;sst, wie er eigentlich sein sollte?<\/strong><\/p><p>Wenn ein Journalist f&uuml;r die Menschen schreibt, wenn er sich Populismus widersetzt und sich bei seiner Berichterstattung nicht an Aufmerksamkeit und Clickbaits orientiert, dann liefert er einen Journalismus ab, der so ist, wie er sein soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170412_prokhorova.jpg\" alt=\"Veronika Prokhorova\" title=\"Veronika Prokhorova\"\/><\/div>\n<p>Einseitige Berichterstattung in den gro&szlig;en Medien f&uuml;hrt dazu, dass diejenigen, die den Mainstreamjournalismus generell kritisch betrachten, &bdquo;ihre Reihen schlie&szlig;en.&ldquo; Diese Beobachtung hat die freie Russland-Korrespondentin <strong>Veronika Prokhorova<\/strong> gemacht. Prokhorova, die zurzeit den Master-Studiengang Journalistik an der TU Dortmund absolviert, kritisiert im Interview<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37809\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,41,183],"tags":[1546,1279,718,2036,1508,2005,2080,1865,1433,1191,259,1113,1800,244,1540],"class_list":["post-37809","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-ard","tag-boulevardjournalismus","tag-bundestagswahl","tag-correctiv","tag-facebook","tag-fake-news","tag-faktenfinder","tag-meinungsfreiheit","tag-pegida","tag-populismus","tag-russland","tag-soziale-medien","tag-trump-donald","tag-vierte-gewalt","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37809"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37809\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89526,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37809\/revisions\/89526"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}