{"id":37834,"date":"2017-04-17T08:00:57","date_gmt":"2017-04-17T06:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37834"},"modified":"2018-12-30T18:44:52","modified_gmt":"2018-12-30T17:44:52","slug":"generalstreik-gegen-neoliberalen-bankrott-der-regierung-macri-legt-argentinien-lahm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37834","title":{"rendered":"Generalstreik gegen neoliberalen Bankrott der Regierung Macri legt Argentinien lahm"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170417_ff_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Argentinien wirkte von der Hauptstadt bis ins tiefe Hinterland wie leergefegt: kein Bus- und U-Bahnbetrieb, kein Schulunterricht, der internationale Flugverkehr f&uuml;r mindestens 24 Stunden zum Stillstand gebracht. Selbst die wichtigsten Zufahrtswege zur Hauptstadt wurden von Streikposten blockiert, gegen die Pr&auml;sident Mauricio Macri allerdings die Polizei einsetzte. <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong> berichtet f&uuml;r die NachDenkSeiten vom Generalstreik in Argentinien.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Macri vom eigenen Bumerang getroffen<\/strong><\/p><p>Anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt sieht sich der ultraliberale argentinische Pr&auml;sident einem Generalstreik gegen&uuml;ber, der keine bescheidenen Teilforderungen reklamiert, sondern den bisherigen Kurs in der Wirtschafts- und Sozialpolitik frontal und im ganzen Umfang ablehnt.<\/p><p>Indes wird Macris Reaktion auf den Generalstreik von einer ironischen Pointe umrankt.<br>\n&ldquo;Ich hoffe, die Pr&auml;sidentin h&ouml;rt diesem Aufruf an die Besonnenheit aufmerksam zu. Wir brauchen Regierungen, die den Menschen zuh&ouml;ren, die b&uuml;rgernah sind und f&uuml;r die B&uuml;rger arbeiten&rdquo;, hatte Macri salbungsvoll w&auml;hrend eines Generalstreiks im Jahr 2012 an die Adresse der damals amtierenden Pr&auml;sidentin Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner erkl&auml;rt.<br>\nF&uuml;nf Jahre nach Ausspruch jenes staatsm&auml;nnisch t&ouml;nenden Satzes wird Macri nun von dessen Aktualit&auml;t wie von einem Bumerang eingeholt. <\/p><p>Statt auf die seit Monaten von Massenprotesten mit hunderttausenden B&uuml;rgern vorgetragenen Beschwerden einzulenken, entschied sich der Pr&auml;sident f&uuml;r Konfrontation mit den Gewerkschaften, die die Hauptverantwortung f&uuml;r den Generalstreik tragen.<\/p><p>&ldquo;In den Gewerkschaften, Betrieben, in der Politik und der Justiz herrschen Mafia-Methoden. Zum Gl&uuml;ck sind es Minderheiten, doch sie m&uuml;ssen bek&auml;mpft werden&rdquo;, posaunte der Ende 2015 zum Staatspr&auml;sidenten gew&auml;hlte Unternehmer und von den Panama-Papers schwerer Devisenvergehen verd&auml;chtigte Multimillion&auml;r und befahl den Einsatz von &ldquo;Sicherheitsschwadronen&rdquo; zum Schutz etwaiger streikunwilliger Arbeiter und Angestellter, die er in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag &ldquo;#YoNoParo&rdquo; (&ldquo;Ich streike nicht&rdquo;) zum offenen Streikbruch aufrufen lie&szlig;.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170417_ff_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Die h&auml;mische Tagung des Weltwirtschaftsforums von Davos<\/strong><\/p><p>Dass die argentinischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen ausgerechnet den 6. April als Datum f&uuml;r den Generalstreik w&auml;hlten, mag kein Zufall sein. Wie ein Schlag ins Gesicht muss die von Macri mit viel medialem Brimborium angek&uuml;ndigte, erstmalige internationale Tagung des Weltwirtschaftsforums von Davos in Buenos Aires auf sie gewirkt haben. Ein Grund, weshalb auch eine Protest-Demonstration der Streikenden vor dem Hilton Hotel angek&uuml;ndigt war, doch von der Polizei vom Tagungsort ferngehalten wurde.<\/p><p>An Zynismus kaum zu &uuml;berbieten, klang die von der in Honduras herausgegebenen Zeitschrift <em>Estrategia &amp; Negocios<\/em> vorgetragene Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Tagung: &ldquo;Das lateinamerikanische Referat des Weltwirtschaftsforums tagt zum ersten Mal in Argentinien zur Anerkennung des wirtschaftlichen Kurswechsels&rdquo; (&ldquo;Argentina recibe al Foro Econ&oacute;mico Mundial en medio de una huelga contra Macri&rdquo; &ndash; E&amp;N, 06.04.2017).<\/p><p>F&uuml;r diese Wertsch&auml;tzung lie&szlig; das Forum Asheesh Advani (CEO von JA Worldwide), Marcos Bulgheroni (CEO von Pan American Energy), Hans Paul B&uuml;rkner (CEO der Boston Consulting Group), Patricia Espinosa Cantellano (Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der Klimakonvention der Vereinten Nationen) und den Bankier, Immobilien-Zaren und Agrarspekulanten Eduardo Elsztain &ndash; der sich vor Jahren wegen eines schweren Banken-Korruptionsskandals von Argentinien in die USA absetzte &ndash;  einfliegen.<\/p><p>In Buenos Aires haben die Davos-Gesandten nochmal das gelangweiltes G&auml;hnen erzeugende Mantra von der &ldquo;Stabilit&auml;t&rdquo; und der &ldquo;Investitionssicherheit&rdquo; heruntergeleiert, die Macri dem weltweit marodierenden und spekulierenden Kapital verspricht. Als er Ende 2015 das Regierungsamt antrat, nahm er den Mund voller Tagtr&auml;ume, wie die von ihm beschworene &ldquo;Investitionsschwemme&rdquo;, von der auch anderthalb Jahre sp&auml;ter keine Spur ist. Macri ist also dringend auf die Werbehilfe von Davos angewiesen.<\/p><p>Immerhin muss man dem Weltwirtschaftsforum einen ausgepr&auml;gten Sinn f&uuml;r schwarzen Humor bescheinigen. <em>&ldquo;Doch nach wie vor sind die soziale Integration und der Abbau der Armut ein wichtiger Tagesordnungspunkt in der Agenda&rdquo;<\/em>, hie&szlig; es in der Presseerkl&auml;rung des globalen Vereins &ndash; ein Satz, der wohl bis auf weiteres als zynischster Witz des Jahres 2017 gro&szlig;e Verbreitung finden wird.<\/p><p><strong>Der neoliberale Bankrott<\/strong><\/p><p>&ldquo;Es herrscht enormes Unbehagen wegen der aussichtslosen Wirtschaftspolitik&rdquo;, begr&uuml;ndete Juan Carlos Schmid &ndash; Generalsekret&auml;r der einflussreichen, peronistischen Gewerkschaftszentrale CGT &ndash; den Generalstreik gegen&uuml;ber argentinischen Medien. Das neoliberale &ldquo;Modell&rdquo; Macris habe die Landesgrenzen f&uuml;r die skrupellose &Uuml;berschwemmung mit Importg&uuml;tern ge&ouml;ffnet und die Arbeitsmarkt-&rdquo;Flexibilisierung&rdquo; mit massenhaftem Outsourcing eingef&uuml;hrt. Laut Schmid seien in den ersten 15 Monaten der Macri-Regierung &ldquo;mehr alte Arbeitspl&auml;tze zerst&ouml;rt als neue geschaffen worden, und auszubaden hatten es die Lohnabh&auml;ngigen und sozial Schwachen&rdquo;.<\/p><p>In brutalen Zahlen ausgedr&uuml;ckt, liest sich die vorsichtig formulierte Umschreibung der Verh&auml;ltnisse durch den Gewerkschaftsf&uuml;hrer allerdings als Katastrophen-Landschaft.<\/p><p>Seit Macris Macht&uuml;bernahme befindet sich die drittgr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft Lateinamerikas in einer Rezession. Das Wachstum erlitt einen Einbruch von 2,3 Prozent und die Armut nahm von 33 Prozent der Argentinier Besitz. Die privaten Investitionen sanken um 5,5 Prozent, w&auml;hrend die Industrieproduktion seit 13 Monaten den freien Fall erlebt. Industrie und Baugewerbe, die Antriebskr&auml;fte der argentinischen Wirtschaft und gr&ouml;&szlig;ten Arbeitsplatz-Anbieter, schrumpfen seit Jahresbeginn monatlich zwischen 3,4 und 6,0 Prozent. <\/p><p>Seit Macris Amts&uuml;bernahme wurden 250.000 formalbesch&auml;ftigte Arbeiter und Angestellte entlassen. Da jedoch in Argentinien nur 40 Prozent der Lohnabh&auml;ngigen formal besch&auml;ftigt sind &ndash; also einen gesetzlich geregelten Arbeitsvertrag besitzen &ndash; wird diese Zahl auf gewerkschaftlicher Seite um ein Vielfaches h&ouml;her eingesch&auml;tzt.<\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen unterschiedlicher Finanzexperten erreichte die Inflation 2016 die schwindelerregende H&ouml;he von 40 Prozent. Damit verpuffte die Kaufkraft der Verbraucher und der Binnenmarkt brach unter h&auml;rtesten Einschnitten zusammen.<\/p><p>Nach wie vor aktuell bleiben die Untersuchungen der Katholischen Universit&auml;t Argentiniens (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36064\">Argentinien: Mauricio Macri oder &bdquo;die Armuts-Fabrik&ldquo;<\/a>) zur landesweiten Verarmung unter dem Regime Mauricio Macris: Ein Drittel aller Staatsb&uuml;rger lebt unter der Armutsgrenze &ndash; Verelendungstendenz steigend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170417_ff_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Argentinien wirkte von der Hauptstadt bis ins tiefe Hinterland wie leergefegt: kein Bus- und U-Bahnbetrieb, kein Schulunterricht, der internationale Flugverkehr f&uuml;r mindestens 24 Stunden zum Stillstand gebracht. 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