{"id":37873,"date":"2017-04-18T14:51:53","date_gmt":"2017-04-18T12:51:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37873"},"modified":"2017-04-26T12:01:21","modified_gmt":"2017-04-26T10:01:21","slug":"ueber-den-verlust-des-kritischen-verstandes-bei-wissenschaftlern-anmerkungen-zu-den-fuer-den-22-april-geplanten-maerschen-fuer-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37873","title":{"rendered":"\u00dcber den Verlust des kritischen Verstandes bei Wissenschaftlern. Anmerkungen zu den f\u00fcr den 22. April geplanten M\u00e4rschen f\u00fcr Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Wir verdanken der Wissenschaft gro&szlig;e hilfreiche Erkenntnisse; wir verdanken einem politisch korrupten Teil der Wissenschaft, der auch unter der Flagge der Wissenschaftlichkeit segelt, gravierende politische und gesellschaftliche Fehlentscheidungen. Deshalb kann man dem pauschalen Sich-auf-die-Schulter-Klopfen, das in den Erkl&auml;rungen f&uuml;r den sogenannten &bdquo;Science March Germany&ldquo; zum Ausdruck kommt, nur schwer folgen. Wir weisen zun&auml;chst auf die programmatische Erkl&auml;rung dieses Wissenschaftsmarsches und auf die deutschen Unterst&uuml;tzer hin und stellen dann ein paar notwendige Fragen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1568\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37873-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37873-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170419_Anmerkungen_zu_den_geplanten_Maerschen_fuer_Wissenschaft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Hier ist der Link auf die <a href=\"http:\/\/marchforscience.de\/\">Frontseite von March for Science Germany<\/a>.<\/strong><\/p><p><strong>Und hier der Text des Aufrufs f&uuml;r den Marsch:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verl&auml;ssliche Kriterien gibt, die es erlauben,&nbsp;die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gr&uuml;ndliche Erforschung unserer Welt und die anschlie&szlig;ende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich &bdquo;alternativen Fakten&ldquo; als gleichwertig gegen&uuml;bergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler\/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.<\/p>\n<p>Am 22. April 2017 werden deshalb weltweit Menschen auf die Stra&szlig;e gehen, um daf&uuml;r zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind.<\/p>\n<p>Alle, denen die deutliche Unterscheidung von gesichertem Wissen und pers&ouml;nlicher Meinung nicht gleichg&uuml;ltig ist, sind eingeladen, sich an dieser weltweiten Demonstration f&uuml;r den Wert von Forschung und Wissenschaft zu beteiligen &ndash; nicht nur Wissenschaftler\/innen!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Unter der Rubrik <a href=\"http:\/\/marchforscience.de\/unterstuetzer\/\">&bdquo;Unterst&uuml;tzer&ldquo;<\/a> findet sich nahezu alles, was Rang und Namen hat.<\/strong><\/p><p>Dass so viele ohne Zusatzbemerkung und Zweifel bei so etwas unterschreiben, zeigt, wie unkritisch Teile der Wissenschaft in Deutschland sind.<\/p><p>Hier ist noch ein <strong><a href=\"https:\/\/www.startnext.com\/marchforscience\">Video zum Spenden sammeln, und zur Erl&auml;uterung des Anliegens<\/a><\/strong>.<\/p><p><strong>Kritische Anmerkungen zum Projekt March for Science (Marsch f&uuml;r die Wissenschaft) und ihrem Aufruf<\/strong><\/p><ol>\n<li>Wissenschaftler und &Ouml;ffentlichkeit lassen sich gegen einen unbedeutenden Gegner mobilisieren und aufhetzen. Im Aufruf hei&szlig;t es:<br>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Die gr&uuml;ndliche Erforschung unserer Welt und die anschlie&szlig;ende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich &bdquo;alternativen Fakten&ldquo; als gleichwertig gegen&uuml;bergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Es w&auml;re gut, es w&uuml;rde hier Ross und Reiter genannt. Wer ist denn gemeint mit den &bdquo;Vertretern alternativer Fakten&ldquo;? Die Initiatoren des Marsches &uuml;bertreiben das Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse ma&szlig;los. Siehe das erw&auml;hnte Beispiel Klimawandel. Wer bestreitet das, wie viele Leute bestreiten das, welche bedeutenden Leute bestreiten in Deutschland den Klimawandel?<\/p><\/li>\n<li>Die Initiatoren des Marsches f&uuml;r die Wissenschaft tun so, als g&auml;be es &bdquo;alternative Fakten&ldquo; und vorherrschende L&uuml;gen vor allem au&szlig;erhalb der normalen Medien und der normalen Wissenschaft.\n<p>Das stimmt nicht: Die L&uuml;ge zum Beispiel &uuml;ber die gravierenden Folgen des demographischen Wandels f&uuml;r die Altersvorsorge ist ma&szlig;geblich von sogenannten Wissenschaftlern, von Bev&ouml;lkerungswissenschaftlern, verbreitet worden. Und von den ihnen h&ouml;rigen Medien. Und diese L&uuml;gen hatten praktische, f&uuml;r Millionen Menschen gef&auml;hrliche Folgen. Die gesetzliche Altersvorsorge wurde systematisch geschw&auml;cht, um der privaten Vorsorge ein neues Gesch&auml;ftsfeld zu er&ouml;ffnen &ndash; mit bitteren Folgen f&uuml;r alle Menschen, die auf die gesetzliche Altersvorsorge angewiesen sind. Die Wissenschaft hat hier eindeutig im Interesse der Finanzwirtschaft, der Versicherungswirtschaft und der Banken gearbeitet.<\/p>\n<p>Es waren Institute gegr&uuml;ndet worden, die sich mit dem demographischen Wandel befassten und es wurden in Kombination mit den Medien viele Serien der Agitation veranstaltet &ndash; immer mit dem Segen der Wissenschaft. Wer so zerst&ouml;rerisch gewirkt hat, der sollte sein Haupt mit Scham verh&uuml;llen.<\/p><\/li>\n<li>Die Wissenschaft war auf diesem Feld und ist es auf vielen anderen Feldern auch direkt mit privaten gesch&auml;ftlichen Interessen von gro&szlig;en Unternehmen und ganzen Branchen verbunden. Es gab gemeinsame Institute von Professoren aus Universit&auml;ten mit der Wirtschaft, konkret zum Beispiel das MEA in Mannheim. Die Professoren B&ouml;rsch-Supan und Raffelh&uuml;schen, R&uuml;rup und Sinn waren direkt mit privaten Interessen verbunden.<\/li>\n<li>Die Wissenschaft &ndash; im konkreten Fall einige der zuvor genannten &ndash; lie&szlig; sich in Kommissionen einspannen, die die Aufl&ouml;sung der Sozialstaatlichkeit und die Einf&uuml;hrung der Agenda 2010 betrieben haben. Ich erinnere an die R&uuml;rup-Kommission.<\/li>\n<li>Auch andere Fehler und Schw&auml;chen der vorherrschenden Wissenschaft werden in diesem Aufruf nicht erw&auml;hnt bzw. implizit bestritten. Sie untertreiben die Fehler und die Schw&auml;chen der vorherrschenden Wissenschaft\n<p>Die sogenannte Drittmittelforschung ist das Einfallstor der inneren Korruption der Wissenschaft. Kein Wort davon in diesem Aufruf. Stattdessen tut man so, als sei die Demokratie gef&auml;hrdet, weil manche Menschen oder auch manche Medien wissenschaftliche Erkenntnisse bestreiten. Das ist in der Tat nicht gut und es dient der vern&uuml;nftigen Entscheidungsfindung nicht, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in der demokratischen Willensbildung keine Rolle mehr spielen. Aber das ist um vieles weniger sch&auml;dlich als der &uuml;bliche Missbrauch der Wissenschaft f&uuml;r private und gesch&auml;ftliche Interessen.<\/p><\/li>\n<li>In dem Aufruf wird so getan, als seien Erkenntnisse der Wissenschaft von Bedeutung f&uuml;r politische Entscheidungen. Die aktuelle deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik ist ein Musterbeispiel daf&uuml;r, dass Erkenntnisse der Wissenschaft keine Rolle spielen. Relevant ist die Dominanz bestimmter angeblicher Erkenntnisse. Also: zum Beispiel die Erkenntnis, dass niedrige L&ouml;hne und niedrige Lohnnebenkosten gut seien f&uuml;r die wirtschaftliche Entwicklung hat sich durchgesetzt und wurde durchgedr&uuml;ckt &ndash; in einer Symbiose der herrschenden neoliberalen Mehrheitsmeinung der &Ouml;konomen mit dem Ehrgeiz von Politikern, die mit der Rolle als Exportweltmeister f&uuml;r sich Reklame machen wollten und wollen. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Arbeitsmarkt anders funktioniert als der Kartoffelmarkt (Heiner Flassbeck) und damit kombiniert die wissenschaftliche Erkenntnis, dass man eine W&auml;hrungsunion nur halten kann, wenn die Entwicklung der Lohnst&uuml;ckkosten einigerma&szlig;en im gleichen Ma&szlig; abl&auml;uft, spielt f&uuml;r die demokratische Willensbildung und die praktische Politik keine Rolle. Da kann man doch als Veranstalter eines Marsches f&uuml;r die Wissenschaft im Jahre 2017 nicht des Wegs kommen und so tun, als g&auml;be es die Krisen in Griechenland, Frankreich, Italien und in vielen anderen L&auml;ndern Europas, die in die Hinterhand geraten sind, nicht.<\/li>\n<li>Die Mehrheitswissenschaft hat v&ouml;llig verschlafen, dass es f&uuml;r eine Demokratie und eine Gesellschaft h&ouml;chst problematisch ist, wenn man die Verteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen sich so auseinander entwickeln l&auml;sst, wie es in den letzten 30 Jahren geschehen ist. F&uuml;r eine solche Wissenschaft kann man doch nicht auf die Stra&szlig;e gehen!<\/li>\n<li>Es gibt Wissenschaftler, die erkannt haben, wie gef&auml;hrlich die Verringerung der Artenvielfalt werden wird. Es gibt Wissenschaftler, die erkannt haben, welche verheerenden Folgen der gro&szlig;fl&auml;chige Einsatz von Pestiziden haben wird. Aber es gab auch die anderen Wissenschaftler, die sich f&uuml;r die gro&szlig;en Chemiekonzerne und deren Interessen einspannen lie&szlig;en. Und diese haben bisher immer noch gesiegt und nicht die Wissenschaftler, die angeblich den demokratischen Prozess bestimmen und deshalb einen hilfreichen Beitrag f&uuml;r die Demokratie leisten.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Zum Schluss zitiere ich die Mail eines Lesers der NachDenkSeiten, der uns auf den March for Science aufmerksam gemacht hat. Ich verbinde das mit einem Dankesch&ouml;n und der &Auml;u&szlig;erung gro&szlig;en Respekts f&uuml;r die NachDenkSeiten Leserinnen und Leser und ihre Kreativit&auml;t und Aufmerksamkeit:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nLiebes NachDenkSeiten-Team,<\/p>\n<p>folgendes Beispiel zeigt aus meiner Sicht, wie der Diskurs &uuml;ber alternative Fakten und Populismus selbst kritische Wissenschaftler in die Irre f&uuml;hrt. <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.giordano-bruno-stiftung.de\/meldung\/marsch-fuer-die-wissenschaft\">March for Science<\/a><\/p>\n<p>Ich habe der Giordano-Bruno-Stiftung hierzu folgenden Leserbrief geschrieben:<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Schmidt-Salomon, <\/p>\n<p>als ich auf die geplante Veranstaltung des &bdquo;March for Science&ldquo; hingewiesen wurde, hielt ich dies zun&auml;chst f&uuml;r eine gute Idee. Auch ich bin der Meinung, dass die Wissenschaft gegen ihre Feinde verteidigt werden muss. Nachdem ich allerdings den Aufruf zu dieser Veranstaltung gelesen habe, ist mir eine Teilnahme leider unm&ouml;glich. <\/p>\n<p>Der Aufruf auf der Seite der Veranstalter sowie der GBS strotzt nur so von politischer Naivit&auml;t und verleiht der Veranstaltung einen inhaltlichen Spin, den ich nicht bereit bin mitzutragen. <\/p>\n<p>Auf der Seite der GBS und der Seite der Veranstalter ist zu lesen, die Demonstration richte sich gegen die Verwendung von &bdquo;alternativen Fakten und postfaktischen Argumenten&ldquo;. Diese seien zu finden von &bdquo;Moskau bis Washington&ldquo;. Namentlich adressiert werden &bdquo;Trump, Putin und Erdogan&ldquo;. Nun habe ich zwar keinerlei politische Gemeinsamkeit mit den genannten Herren, ich frage mich jedoch, weshalb sich eine speziell deutsche Demonstration gegen russische, amerikanische und t&uuml;rkische Politiker wendet und die Feinde des wissenschaftlich rationalen Diskurses in Deutschland ausspart. <\/p>\n<p>Das problematische am Diskurs &uuml;ber postfaktische Politik besteht f&uuml;r mich darin, dass von unseren Politkern mit dem Finger auf Extrembeispiele wie Donald Trump gezeigt wird, um sich selber reinzuwaschen. <\/p>\n<p>Wenn Sie ein Beispiel f&uuml;r postfaktische Argumente der deutschen Bundesregierung suchen, werden sie schnell f&uuml;ndig. So berichtete die Tagesschau am 12.04.2017 dar&uuml;ber, dass die Feststellung, Reiche h&auml;tten mehr Einfluss auf die Politik als Arme, auf politischen Druck der CDU aus dem Armutsbericht der Bundesregierung gestrichen wurde. So geht unsere Regierung mit wissenschaftlichen Tatsachen um! <\/p>\n<p>Oder betrachten Sie sich das Video der Anne Will-Sendung von Sonntag dem 09.04.2017. Hier verbreitete unsere Verteidigungsministerin in postfaktischer Manier die Behauptung, der Milit&auml;reinsatz der USA und seine Unterst&uuml;tzung durch Deutschland in Syrien seien v&ouml;lkerrechtlich gerechtfertigt. Dies ist eine offensichtliche L&uuml;ge! Resolution 2249 des UN-Sicherheitsrates legitimiert gerade keine Bombardierung Syriens. Um keinen Zweifel an ihrem Postfaktizismus aufkommen zu lassen, legte Frau von der Leyen nach und behauptete, sie wisse bereits, dass der letzte Giftgasangriff von der syrischen Regierung zu verantworten sei. <\/p>\n<p>Gegen jedwede Vernunft und wissenschaftliche Redlichkeit erz&auml;hlten uns &uuml;ber Jahre hinweg als &bdquo;Experten&ldquo; getarnte Lobbyisten der Arbeitgeberverb&auml;nde die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns f&uuml;hre zu Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. <\/p>\n<p>Die Union aus CDU und CSU ist seit ihrer Gr&uuml;ndung mit einem Menschenbild auf Tour, das aus wissenschaftlicher Sicht jedweder Beschreibung spottet. Hierunter haben bis heute insbesondere Homosexuelle zu leiden. <\/p>\n<p>Es ist generell ein Symptom der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsweise, dass Wissenschaft zu &ouml;konomischen Zwecken korrumpiert wird. So haben Wissenschaftler in Vergangenheit und Gegenwart unter dem Deckmantel der Wissenschaft die Bev&ouml;lkerung belogen und gesch&auml;digt! Bekannte Beispiele sind der Umgang mit den Risiken der Atomenergie, die Dramatisierung bestimmter Krankheiten durch die Pharmaindustrie zur F&ouml;rderung des Medikamentenabsatzes oder die Verharmlosung des Frackings durch interessierte Kreise. Dieser Missstand wird durch den Aufruf gar nicht benannt. Auch hierin liegt ein schweres Vers&auml;umnis, da diese berechtigte Kritik keineswegs Allgemeingut ist, welche beim Publikum nicht vorausgesetzt werden kann. <\/p>\n<p>Sie sehen die Liste ist lang und k&ouml;nnte beliebig fortgesetzt werden. Diejenigen, welche sich den alternativen Fakten der Bundesregierung entgegengestellt haben, mussten sich daf&uuml;r in der Vergangenheit als &bdquo;Populisten&ldquo; beschimpfen lassen. Die Forderung eines Mindestlohns sei &bdquo;populistisch&ldquo;. Wer gegen die Privatisierung der Altersvorsorge oder f&uuml;r eine Au&szlig;enpolitik ohne milit&auml;rische Mittel ist, sei &bdquo;populistisch und nicht regierungsf&auml;hig&ldquo;. <\/p>\n<p>Es ist mir daher unbegreiflich, wie man als Wissenschaftler einfach unkritisch den Diskurs &uuml;ber Populismus aufnehmen kann. Dieser Begriff tr&auml;gt in keiner Weise zur Erkl&auml;rung eines politischen Ph&auml;nomens bei. Er dient den M&auml;chtigen in Politik und Medien lediglich zur Ausgrenzung missliebiger Positionen (seien sie nun wissenschaftlich begr&uuml;ndet oder nicht).&nbsp; <\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich empfinde ich das Aufgreifen der Hysterie um &bdquo;alternative Fakten&ldquo; mehr als peinlich und naiv. Mit ein bisschen politischem Gesp&uuml;r h&auml;tte man darauf kommen k&ouml;nnen, dass die Debatte um &bdquo;Fake News&ldquo; lediglich ein Versuch der etablierten Medien ist, ihr Monopol auf die Verbreitung von Fake News gegen&uuml;ber dem Internet zu wahren. <\/p>\n<p>Vor kurzem gr&uuml;ndete die Tagesschau ihr Team der &bdquo;Faktenchecker&ldquo;, welches Fake News im Internet wiederlegen soll. Gibt es etwa in den klassischen Medien keine gef&auml;lschten Meldungen? Die Bild-Zeitung hat dieses Gesch&auml;ftsmodell, wenn schon nicht erfunden, dann zumindest perfektioniert. Aber deren Vertreter l&auml;dt man lieber zu &bdquo;Hart aber fair&ldquo; (Sendung vom 10.04.2017) ein, damit sie ihre Weisheiten dort verbreiten k&ouml;nnen. Auch die angeblichen &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; haben in der Vergangenheit immer L&uuml;gen mit furchtbaren Folgen verbreitet. Denken Sie nur an &bdquo;Saddams Waffen&ldquo; oder die &bdquo;Brutkastenaff&auml;re&ldquo;. <\/p>\n<p>Wenn der &bdquo;March for Science&ldquo; nicht daf&uuml;r genutzt wird, die Feinde der Wissenschaft und des rationalen Diskurses in Deutschland zu adressieren, wird er dazu f&uuml;hren, dass die Menschen glauben, in Deutschland sei im Gro&szlig;en und Ganzen alles in Ordnung. Er w&uuml;rde zu Unterst&uuml;tzung derer, die mit dem Finger auf Trump, Putin und Erdogan zeigen, um von ihrer eigenen Wissenschaftsfeindlichkeit abzulenken. <\/p>\n<p>Diese Politik bin ich nicht bereit mitzutragen. Daher werde ich der Veranstaltung fernbleiben. Ich bedaure dies, da die Verteidigung der Wissenschaft in Deutschland eine wichtige Aufgabe w&auml;re. <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nS.H., Jurist\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir verdanken der Wissenschaft gro&szlig;e hilfreiche Erkenntnisse; wir verdanken einem politisch korrupten Teil der Wissenschaft, der auch unter der Flagge der Wissenschaftlichkeit segelt, gravierende politische und gesellschaftliche Fehlentscheidungen. Deshalb kann man dem pauschalen Sich-auf-die-Schulter-Klopfen, das in den Erkl&auml;rungen f&uuml;r den sogenannten &bdquo;Science March Germany&ldquo; zum Ausdruck kommt, nur schwer folgen. 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