{"id":3791,"date":"2009-02-24T09:46:38","date_gmt":"2009-02-24T08:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3791"},"modified":"2014-01-29T12:19:37","modified_gmt":"2014-01-29T11:19:37","slug":"ueber-die-nachhaltigkeit-der-meinungsmache-und-die-borniertheit-der-macher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3791","title":{"rendered":"\u00dcber die Nachhaltigkeit der Meinungsmache und die Borniertheit der Macher"},"content":{"rendered":"<p>Eine kleine Nachlese zum Karneval: Gestern hatte ich das Vergn&uuml;gen, beim Warten auf die Tagesthemen in den K&ouml;lner Karneval und dann in den Tagesthemen selbst in den Mainzer Karneval reinzuschmecken. Und dann noch den B&ouml;rsenbericht von Anja Kohl mitzubekommen. In beiden Prunksitzungen spielte Andrea Ypsilanti immer noch eine herausragende Rolle. Obwohl sie kein Amt mehr hat, obwohl sie sich zur&uuml;ckgezogen hat, muss sie als Fu&szlig;abstreifer f&uuml;r diese Sorte von B&uuml;ttenrednern und Umzugsgestaltern herhalten. Die manipulierte Botschaft, dass es sich hier um eine Versagerin und Unperson handelt, sitzt offenbar ganz tief. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nMich interessiert in diesem Zusammenhang nicht die Person, obwohl ich Andrea Ypsilanti endlich Ruhe g&ouml;nne. Interessant ist die Tatsache, dass es heute in dieser so genannten Demokratie m&ouml;glich ist, total zu manipulieren, aus einem X ein U zu machen, aus Marmelade Mist. Die Voraussetzung daf&uuml;r, ist, dass ein hohes Ma&szlig; an Gleichschaltung und Wiederholung erreicht wird. Interessant ist, dass es in wichtigen Funktionen &ndash; B&uuml;ttenredner haben eine wichtige Funktion &ndash; Menschen gibt, die so borniert sind und dass es ein ausreichend gro&szlig;es Publikum gibt, das einen solchen Stuss mit Applaus quittiert.<br>\nYpsilanti wird das aushalten. Aber ob wir eine &auml;hnliche Gleichschaltung bei anderen relevanten Themen aushalten, ist eine andere Frage. Die &auml;hnlich weit und gleichgerichtet verbreitete Botschaft, Konjunkturprogramme seien Strohfeuer und br&auml;chten nur Schulden, hat immerhin schon den Schaden angerichtet, dass die politisch Verantwortlichen unf&auml;hig waren, rechtzeitig und mit der notwendigen Quantit&auml;t und Entschiedenheit der erkennbaren Rezession entgegenzuwirken.<br>\nAuch die stereotypen Aggressionen gegen Hartz-IV-Empf&auml;nger sind gef&auml;hrlich.<\/p><p>Der B&ouml;rsenbericht von Anja Kohl in den Tagesthemen ist &uuml;brigens deshalb in diesem Zusammenhang zu erw&auml;hnen, weil sie dort auch eine der &uuml;blichen Stereotypen nachgebetet hat. Der DAX unterschritt die 4000-Marke. Das wurde von ihr wie auch von anderen schon Stunden vorher als die Unterschreitung einer psychologisch wichtigen Marke bezeichnet. Diese Stereotype wird einfach gedankenlos wiederholt, ohne zu fragen, ob eine ohnehin fragw&uuml;rdige Einlassung in Zeiten der Krise der Kapitalm&auml;rkte noch irgend einen Sinn macht.<\/p><p>PS: Mit dieser kritischen Anmerkung zu einigen B&uuml;ttenreden m&ouml;chte ich keinesfalls pauschal etwas gegen karnevalistische Br&auml;uche und schon gar nichts gegen zu Grunde liegende Einstellungen mancher Karnevalisten gesagt haben. Im Gegenteil.<br>\n<strong>Wenn wir den zwischenmenschlichen Umgang der in den K&ouml;lner Kneipen Karneval feiernden Menschen auf den Umgang untereinander in ganz Deutschland &uuml;bertragen k&ouml;nnten, dann s&auml;he unsere Welt anders und sehr viel besser aus.<\/strong><br>\nDort sp&uuml;rt man etwas von dem, was Horst Eberhard Richter auf dem Neujahrsempfang des DGB gesagt hat. Ich zitiere die Schlusspassage:<\/p><blockquote><p>Zur&uuml;ck zur aktuellen Krise und zu ihren Wurzeln und Folgen. In den aktuellen Talkshows sind sich Minister, Bankpr&auml;sidenten und Wirtschaftler darin einig, dass zwei Untugenden eine entscheidende Bedeutung zukomme: Gier und Egoismus. Aber sind dies nicht zwar unsympathische, dennoch l&auml;ngst stillschweigend akzeptierte psychische Triebkr&auml;fte in der kapitalistischen Praxis? Zuf&auml;llig bin ich dieser Tage auf eine psychologische Skizze von John Steinbeck aus den siebziger Jahren gesto&szlig;en, in der er kurz und b&uuml;ndig erkl&auml;rte: &ldquo;Menschliche Eigenschaften wie G&uuml;te, Gro&szlig;z&uuml;gigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Verst&auml;ndnis und Gef&uuml;hl sind in unserer Gesellschaft Symptome des Versagens. Dagegen sind Gerissenheit, Habgier, Gewinnsucht, Gemeinheit und Egoismus Merkmale des Erfolges.<\/p><\/blockquote><p>Das k&ouml;nnen wir heute nicht mehr als Ironie lesen, sondern nur noch im Zorn &uuml;ber den pr&auml;zise diagnostizierten Ungeist, an dem wir ansetzen m&uuml;ssen, wenn wir noch einmal heil davonkommen wollen. Die Freiheit, hinter der sich Gier und Egoismus im Neoliberalismus verstecken, ist nicht die von der Franz&ouml;sischen Revolution gemeinte Freiheit, die von Gleichheit und Br&uuml;derlichkeit (besser Geschwisterlichkeit) aufgefangen wird.&ldquo;<\/p><p>In vielen K&ouml;lner Kneipen sind zumindest w&auml;hrend der Saison &bdquo;Menschliche Eigenschaften wie G&uuml;te, Gro&szlig;z&uuml;gigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Verst&auml;ndnis und Gef&uuml;hl&ldquo; <strong>nicht<\/strong> Symptome des Versagens. Schade, dass sich das bis zu manchen B&uuml;ttenrednern noch nicht rum gesprochen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Nachlese zum Karneval: Gestern hatte ich das Vergn&uuml;gen, beim Warten auf die Tagesthemen in den K&ouml;lner Karneval und dann in den Tagesthemen selbst in den Mainzer Karneval reinzuschmecken. Und dann noch den B&ouml;rsenbericht von Anja Kohl mitzubekommen. In beiden Prunksitzungen spielte Andrea Ypsilanti immer noch eine herausragende Rolle. 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