{"id":3795,"date":"2009-02-25T18:18:52","date_gmt":"2009-02-25T17:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3795"},"modified":"2014-01-29T12:15:43","modified_gmt":"2014-01-29T11:15:43","slug":"was-tun-um-den-immensen-schaden-fuer-uns-alle-zu-verringern-schadensersatz-fuer-untreue-und-betrug-finanzkrise-teil-ix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3795","title":{"rendered":"Was tun, um den immensen Schaden f\u00fcr uns alle zu verringern? Schadensersatz f\u00fcr Untreue und Betrug? (Finanzkrise Teil IX)"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt endlich die Debatte um die strafrechtliche Seite der Finanzkrise in Gang. So gestern Abend bei <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/11\/0,1872,7527435,00.html\">Frontal 21<\/a> und vorher schon durch den <a href=\"http:\/\/www.zew.uni-bonn.de\/index.htm?\/lutter.htm\">Juristen Marcus Lutter<\/a> und andere. Wir haben lange darauf gewartet, nachdem in den NachDenkSeiten vom 17. August 2007 schon zu lesen stand: <a href=\"?p=2564\">&bdquo;Die Blase &ndash; das Werk von Kriminellen, kriminellen Vereinigungen und Hehlern&ldquo;<\/a>. Es ist wichtig, die Debatte &uuml;ber die strafrechtliche Seite endlich voranzubringen, weil damit zum einen auch die Frage des Schadenersatzes auf den Tisch kommt und zum andern &ndash; viel wichtiger &ndash; mit der notwendigen Kriminalisierung der T&auml;ter die Hoffnung besteht, dass diese nicht weiter auf Kosten der Allgemeinheit mithilfe von Boni, Geh&auml;ltern und Dividenden pl&uuml;ndern k&ouml;nnen, wie dies bis jetzt nahtlos geschieht. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorweg zum Motiv dieser Pr&uuml;fung :<\/strong><\/p><p>Die letzten Meldungen &uuml;ber versteckte Risiken im Finanzsystem, die bekannt gewordenen Nachforderungen der HRE und die von Hamburg und Schleswig-Holstein &uuml;bernommenen Lasten der HSH Nordbank lassen bef&uuml;rchten, dass das ganze Unternehmen gerade f&uuml;r jene, die urs&auml;chlich nichts mit der Finanzkrise und den Sch&auml;den zu tun haben, also f&uuml;r uns Steuerzahler, extrem teuer und belastend werden k&ouml;nnte. Wir zahlen heute als Steuerzahler mit Hunderten von Milliarden die Wettschulden von Personen, die in diesem Casinobetrieb irrsinnige Betr&auml;ge verdient haben. Zur Erinnerung: rund 10 Milliarden f&uuml;r die Schulden der IKB, 18,2 Milliarden Euro Milliarden f&uuml;r die Commerzbank zur &Uuml;bernahme der Dresdner Bank ,102 Milliarden  f&uuml;r die HRE, ca. 60 Milliarden f&uuml;r unsichere Forderungen der WestLB usw.<\/p><p>Bisher sind die meisten Verantwortlichen noch im Gesch&auml;ft, jedenfalls laufen sie frei herum und sie f&uuml;hlen sich sogar berechtigt, ihre Forderungen nach Boni und besonderen Verg&uuml;tungen zu erheben und durchzusetzen, die involvierten Unternehmen zahlen Dividenden oder beabsichtigen dies. Jedenfalls f&uuml;hlen sie sich noch wie das Fettauge auf der Wurstsuppe. Sie beraten die Politik, sie formulieren die Rettungsschirme und sie statt der zust&auml;ndigen Ministerialbeamten schreiben die relevanten Gesetze. (Siehe dazu einen neuen Beitrag von Werner R&uuml;gemer <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/02-25\/036.php\">&bdquo;Bankrott w&auml;re besser&ldquo; &bdquo;Kanzlei Freshfields schrieb die Gesetzesvorlage zur Hypo Real Estate.&ldquo;<\/a>) Sie erpressen die &Ouml;ffentlichkeit mit der Drohung des Zusammenbruchs des Finanzsystems und mit der Behauptung, alle Banken seien systemrelevant oder systemisch, wie es so sch&ouml;n hei&szlig;t. Die politisch Verantwortlichen spielen das Spiel mit.<\/p><p>Die M&auml;chtigen der Finanzwelt haben jahrelang Finanzmittel aus dem System herausgezogen. Gepl&uuml;ndert. Siehe unseren Eintrag vom 28. Januar 2009 <a href=\"?p=3730\">&bdquo;Unser Land wird betr&uuml;gerisch gepl&uuml;ndert. Und wo bleiben Deutschlands Juristen?&ldquo; (Teil IV)<\/a><br>\n<a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,604619,00.html\">&bdquo;Der gr&ouml;&szlig;te Bankraub aller Zeiten&ldquo;<\/a> nennt es Ren&eacute; Zeyer in Managermagazin vom 9. Februar 2009. Er beschreibt, wie die gro&szlig;en Betr&auml;ge aus dem Finanzsystem herausgezogen wurden. Er nennt es Diebstahl. Das trifft sich mit vielem, was Sie in den NachDenkSeiten und in &bdquo;Machtwahn&ldquo; bisher schon lesen konnten. (Die Realzinsvorstellungen von Zeyer und einiges andere teile ich allerdings nicht)<\/p><p><strong>Die politisch Verantwortlichen tun nichts Entscheidendes zur Abwehr der Sch&auml;den von den Unbeteiligten &ndash; den Steuerzahlern.<\/strong><\/p><p>Darauf deutet auch das neueste Ereignis, das Ergebnis des Gipfeltreffens der G-20-L&auml;nder in Berlin vom vergangenen Sonntag hin. Ein Bericht siehe hier:<br>\n<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/finanzen-hintergrund-ergebnisse-des-berliner-g20-treffens_aid_373814.html\">Hintergrund: Ergebnisse des Berliner G20-Treffens<\/a> &ndash; Ein bisschen mehr Kontrolle und mehr Transparenz, ansonsten soll es so weiterlaufen mit der Spekulation, mit den Hedgefonds, mit den Derivaten, mit den Investmentbanken?<br>\nWo bleiben &Uuml;berlegungen, die bisherigen Gewinner an der Schadensbegrenzung zu beteiligen? Und wo bleibt der Wille, Rechtsverletzungen nachzugehen?<br>\nDass nichts Entscheidendes zur Beschr&auml;nkung des Casinobetriebes geschehen soll, erschlie&szlig;t sich auch aus dem, was &uuml;ber die Vorschl&auml;ge der Issing-Kommission zu h&ouml;ren ist. Ein NachDenkSeiten-Leser macht auf die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 22.2.2009 aufmerksam. Siehe Anlage A . Issing, der ehemalige Chef&ouml;konom der Europ&auml;ischen Zentralbank und Berater von Goldman Sachs, den die Bundeskanzlerin sinnigerweise zum Vorsitzenden ihres Beratergremiums gemacht hat, empfiehlt im Kern auch nur mehr Transparenz und ein paar mehr Regeln. <\/p><p>Wie in der NachDenkSeiten schon des &Ouml;fteren zu lesen war, sind unsere politisch f&uuml;hrenden Personen offensichtlich mit der Finanzindustrie verflochten.<br>\nAus ihren Kreisen wird deshalb der notwendige Ansto&szlig; zu einer Bew&auml;ltigung der Krise bei Schonung der Unbeteiligten (aber nunmehr Zahlenden) nicht kommen. Deshalb brauchen wir eine radikal andere Debatte um L&ouml;sungen, die den Schaden begrenzen und vor allem jene zum Schadenersatz zwingen, die die Krise im wesentlichen angerichtet haben.<\/p><p>Offensichtlich bem&uuml;hen sich die Verantwortlichen nicht darum, den Schaden f&uuml;r die Unbeteiligten so gering wie m&ouml;glich zu halten und harte Konsequenzen f&uuml;r die Zukunft zu ziehen. Die politisch Verantwortlichen gew&auml;hren gro&szlig;z&uuml;gig Hilfe, am schlimmsten bei der IKB und der HRE Bank, sie vers&auml;umen Fristen, wir werden subtil belogen (<a href=\"?p=3781\">siehe hier<\/a>) Es ist nicht erkennbar, dass die politisch Verantwortlichen den Versuch machen, die Verursacher der Sch&auml;den daf&uuml;r strafrechtlich und finanziell verantwortlich zu machen. <\/p><p>Es geht eben darum, wie man den materiellen Schaden bei jener Mehrheit von Menschen begrenzen kann, die nichts mit den Ursachen zu tun haben, bei jenen, die wenig Verm&ouml;gen oder keines besitzen oder gar Schulden haben und dennoch jetzt als Steuerzahler f&uuml;r die Absicherung der Verm&ouml;genden einspringen sollen. Bisher ist alles darauf angelegt, dass die Last auf den Steuerzahlern abgeladen wird. Deshalb wird &uuml;ber die M&ouml;glichkeiten, die Sch&auml;den gering zu halten oder gar Schadenersatz zu erreichen, nicht &ouml;ffentlich nachgedacht. Ich will das versuchen und sechs M&ouml;glichkeiten kurz skizzieren:<\/p><ol>\n<li>Die Strafverfolgung und Forderung nach Schadenersatz,<\/li>\n<li>Die Idee, die Spekulanten und sonstigen T&auml;ter f&uuml;r unm&uuml;ndig und damit die sch&auml;dlichen Gesch&auml;fte f&uuml;r nichtig zu erkl&auml;ren,<\/li>\n<li>Die Vorstellung, Banken doch in die Insolvenz gehen zu lassen,<\/li>\n<li>Die Verstaatlichung,<\/li>\n<li>Die Vorstellung, einen Teil der Bankschulden auf Kosten der privaten Gl&auml;ubiger zu streichen,<\/li>\n<li>Die st&auml;rkere Besteuerung der h&ouml;heren Einkommen und Verm&ouml;gen.<\/li>\n<\/ol><p>(Das Thema 1 wird im folgenden abgehandelt; die anderen Themen in einem sp&auml;teren Beitrag)<\/p><p><strong>1. Die strafrechtliche Relevanz<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/Jean-Ziegler-Finanzkrise;art772,2736639\">&ldquo;Die Krise t&ouml;tet Menschen&rdquo;<\/a>, meint UN-Berater Jean Ziegler in einem Tagesspiegel-Interview &uuml;ber den Hunger im S&uuml;den, Wirtschaftsverbrecher und die Schweizer Banken.<br>\n&bdquo;M&uuml;sste man sie strafrechtlich verfolgen?&ldquo;, wird Ziegler gefragt und antwortet:<br>\n&ldquo;Der internationale Gerichtshof f&uuml;r Wirtschaftskriminalit&auml;t wird kommen. Dar&uuml;ber wird bei den UN schon diskutiert. Wirtschaftsdelikte m&uuml;ssen wie Kriegsverbrechen verfolgt werden. Die Banker haben mehr Menschen auf dem Gewissen als mancher afrikanische Warlord.&ldquo;  <\/p><p>Vermutlich hat Jean Ziegler Recht und er hat auch recht damit, die kriminelle Seite zur Sprache zu bringen. Die Debatte auch radikaler M&ouml;glichkeiten wie etwa einer konsequenten Strafverfolgung ist dringend geboten. Sowohl die T&auml;ter in der Finanzwelt als auch die mit ihnen verbundenen politischen Entscheider haben noch keinerlei Unrechtsbewusstsein. Sie f&uuml;hren nach wie vor das gro&szlig;e Wort. Mit unverfrorener Selbstverst&auml;ndlichkeit bestehen zum Beispiel die Investmentbanker auf ihren erfolgsabh&auml;ngigen Verg&uuml;tungen, obwohl ihre Institute schon bankrott w&auml;ren und gar keine Erfolge eingetreten w&auml;ren, wenn es den Rettungsschirm der Staaten nicht g&auml;be. Die Bankvorst&auml;nde betrachten es als eine Gnade ihrerseits, dass sie mit Geh&auml;ltern von 500.000 &euro; zufrieden sind. &ndash; Was wir uns hier bieten lassen m&uuml;ssen, ist unglaublich. Bei Kriminellen im &uuml;blicherweise als kriminell geltenden Milieu w&auml;ren Staatsanw&auml;lte schon lange t&auml;tig geworden und der Bundesinnenminister h&auml;tte laut danach gerufen.<\/p><p>Wie ich pers&ouml;nlich die strafrechtliche Seite dieser Vorg&auml;nge sehe, habe ich schon in dem Tagebucheintrag <a href=\"?p=2564\">&bdquo;Die Blase &ndash; das Werk von Kriminellen, kriminellen Vereinigungen und Hehlern&ldquo;<\/a> vom 17. August 2007 dargestellt. Ich wiederhole den entscheidenden Teil des Textes, weil er heute so aktuell und richtig ist wie damals:<br>\n&bdquo;In den letzten Tagen habe ich manche klugen Analysen und Kommentare zur Blase auf den Finanzm&auml;rkten und insbesondere zum Ausgangspunkt, den faulen Krediten auf dem Hypothekenmarkt der USA gelesen. Da ist im Hinblick auf die im Spiel befindlichen Finanzprodukte, das subprime-Gesch&auml;ft zum Beispiel, von &bdquo;Innovation&ldquo; die Rede, von &bdquo;moderner Finanzwelt&ldquo;, von &bdquo;Finanzgenies und Computercracks in den Bankenzentren der Welt&ldquo; (so zum Beispiel <a href=\"http:\/\/images.zeit.de\/text\/2007\/34\/Kreditkrise\">Die Zeit<\/a>) , auch von &bdquo;raffinierten neuartigen Wertpapieren&ldquo; wird gesprochen &ndash; das ist dann aber schon der kritischste Unterton. Meines Erachtens sind solche Beschreibungen eine v&ouml;llige Verharmlosung des Geschehens. Wenn einige Abzocker sich zusammentun und &uuml;berlegen, wie man aus schlechten Hypotheken eines &uuml;berhitzten Immobilienmarktes gut verk&auml;ufliche Wertpapiere machen kann und wie man den Handel dann so organisieren muss, dass am Ende kein Anleger mehr durchblicken kann, was er sich einhandelt, dann ist das eine bewusste und organisierte T&auml;uschung der Anleger, also eigentlich nichts anderes als krimineller Betrug. <\/p><p>Und diejenigen, die diese Papiere dann gegen eine absolut un&uuml;bliche Verzinsung &uuml;bernehmen und als Bankfachleute wissen m&uuml;ssen, dass sie bei einer Art Kettenbriefspiel mitmachen, m&uuml;sste man im normalen Sprachgebrauch als &bdquo;Hehler&ldquo; bezeichnen. Sie wissen n&auml;mlich ziemlich genau, dass die hohen Renditen nicht aus realer Wertsch&ouml;pfung, sondern nur aus Verm&ouml;gensbetrug folgen k&ouml;nnen (siehe auch Ziffer 14, 2. Spiegelstrich von NachDenkSeiten: <a href=\"?p=2517\">&bdquo;Dringend gesucht &ndash; ein noch selbst denkendes B&uuml;rgertum.&ldquo;<\/a>). Sie wissen, dass sie auf Risiko setzen, bei dem T&auml;uschung im Spiel ist. Sie wissen, dass die Papiere, die sie ankaufen, nicht wert sind, was sie versprechen.<br>\nUnd wie soll man jene nennen, die ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht werden? Im konkreten Fall des Strauchelns der IKB auch jene vornehme Versammlung von Personen, die zu den Aufsichtsr&auml;ten dieses Unternehmens geh&ouml;ren? Oder die gro&szlig;en Wirtschaftspr&uuml;fungsgesellschaften, die die Unbedenklichkeit testieren? Oder die staatlichen Aufsichtsbeh&ouml;rden, die so sp&auml;t eingeschritten sind? Oder jene in der Politik, die die staatlichen Aufsichtsbeh&ouml;rden so schlecht ausstatten, dass sie ihrer Aufsichtspflicht bei solch raffiniert angelegten Finanzman&ouml;vern gar nicht gerecht werden k&ouml;nnen?<\/p><p>Den Aufsichtsbeh&ouml;rden m&uuml;sste klar sein, dass Kapitalrenditen von 20% und mehr mit sauberen Gesch&auml;ften in der Regel nicht verdient werden k&ouml;nnen, dass sich also jene Finanzinstitute, die sich solcher und sogar h&ouml;herer Renditen r&uuml;hmen, mit irgendwelchen &bdquo;raffinierten Finanzprodukten&ldquo; gearbeitet haben m&uuml;ssen.<\/p><p>Wir nennen in der g&auml;ngigen Debatte die von vielen Fachleuten durchschauten Machenschaften nicht &bdquo;kriminell&ldquo;, weil wohlangesehene B&uuml;rger, ja sozusagen die Creme unserer wirtschaftlichen F&uuml;hrungsschicht etwa bei den &bdquo;Heuschrecken&ldquo; als Berater t&auml;tig sind. Die verharmlosende, oftmals sogar bewundernde Sprache ist sonderbar, denn die Folgen f&uuml;r Unbeteiligte, f&uuml;r Menschen, die in Folge der Krise ihre Ersparnisse oder gar ihren Arbeitsplatz verlieren, sind schlimm.<br>\nWenn Mitglieder aus dieser sog. F&uuml;hrungsschicht Schlimmes tun oder dazu Beihilfe leisten, dann sch&uuml;tzt sie eine verharmlosende Sprache davor, dass ihre Handlungen als das zu bezeichnet wird, was sie vielfach sind, n&auml;mlich kriminelle T&auml;uschungsman&ouml;ver.&ldquo;<\/p><p><strong>Wolfgang Lieb hat mir freundlicherweise die entsprechenden Passagen des deutschen Strafrechts rausgesucht: <\/strong><\/p><blockquote><p><strong>&sect; 263 Betrug<\/strong><\/p>\n<p>(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Verm&ouml;gensvorteil zu verschaffen, das Verm&ouml;gen eines anderen dadurch besch&auml;digt, da&szlig; er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdr&uuml;ckung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterh&auml;lt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu f&uuml;nf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. <\/p>\n<p>(2) Der Versuch ist strafbar. <\/p>\n<p>(3) In besonders schweren F&auml;llen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der T&auml;ter <\/p>\n<ol>\n<li>gewerbsm&auml;&szlig;ig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Urkundenf&auml;lschung oder Betrug verbunden hat,<\/li>\n<li>einen Verm&ouml;gensverlust gro&szlig;en Ausma&szlig;es herbeif&uuml;hrt oder in der Absicht handelt, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine gro&szlig;e Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Verm&ouml;genswerten zu bringen,<\/li>\n<li>eine andere Person in wirtschaftliche Not bringt,<\/li>\n<li>seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtstr&auml;ger mi&szlig;braucht oder<\/li>\n<li>einen Versicherungsfall vort&auml;uscht, nachdem er oder ein anderer zu diesem Zweck eine Sache von bedeutendem Wert in Brand gesetzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerst&ouml;rt oder ein Schiff zum Sinken oder Stranden gebracht hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Betrug ist ein Offizialdelikt, da k&ouml;nnte man Anzeige erstatten oder der Staatsanwalt m&uuml;sste sogar von sich aus ermitteln. Der Tatbestand des Paragrafen ist dem Wortlaut nach erf&uuml;llt. Aber es fehlte wohl das Unrechtsbewusstsein. (Siehe den Freispruch von Ackermann: &bdquo;unvermeidbarer Verbotsirrtum&ldquo;).<\/p><\/blockquote><p>Die Sache mit dem Unrechtsbewusstsein m&uuml;sste noch einmal genauer untersucht werden. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass dieses Unrechtsbewusstsein vorhanden gewesen sein m&uuml;sste:<\/p><ul>\n<li>So haben sich die Spitzen der Bundesregierung, damals Schr&ouml;der, Eichel und Clement mit den Spitzen der Banken und Versicherungen zu Anfang des Jahres 2003 getroffen. Die Finanzindustrie regte damals schon die Gr&uuml;ndung einer Bad Bank an. Dazu kam es nicht wegen der <a href=\"?p=3599\">Ver&ouml;ffentlichung im Handelsblatt vom 24.2.2003<\/a>. Es kam aber in der Folge zu tats&auml;chlichen Ausgr&uuml;ndungen in Zweckgesellschaften und Untergesellschaften. Die HRE war ein solches Produkt. Die Gesellschaften der IKB dienten einem &auml;hnlichen Zweck. Sowohl die Politik als auch die Finanzindustrie-Repr&auml;sentanten waren also nicht gutgl&auml;ubig bei ihrem weiteren Verhalten.<\/li>\n<li>Aus Gespr&auml;chen mit einem Fachmann bei einer Landesbank und aus Kreisen der Aufsichtsr&auml;te von Landesbanken wei&szlig; ich, dass die Jagd nach gr&ouml;&szlig;eren Renditen nicht in jedem Fall von den f&uuml;r Fonds und die sonstige Anlage des Geldes zust&auml;ndigen Mitarbeitern der Banken begonnen wurde. Sie standen unter Druck ihrer Bankvorst&auml;nde und diese standen in einigen F&auml;llen unter dem Druck der Politik, die h&ouml;here Renditen ihrer Landesbanken sehen wollte. Die St&auml;rke des Drucks war sehr verschieden. Bei der Helaba, der Landesbank Hessen-Th&uuml;ringen war dieser Druck &uuml;berdurchschnittlich niedrig, weil der Bankvorstand vergleichsweise vorsichtig war. In Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg, in Sachsen, Bayern und Baden-W&uuml;rttemberg scheint das anders gewesen zu sein.<\/li>\n<li>Man kann davon ausgehen, dass es zwischen den Bankvorst&auml;nden und zwischen der Politik und den Bankvorst&auml;nden und unter den Politikern einen Austausch dar&uuml;ber gegeben hat, wie viel ihre Landesbanken verdienen und welche Strategien sie daf&uuml;r fahren. &ndash; Weder die Bankvorst&auml;nde noch die Politik k&ouml;nnen gutgl&auml;ubig gewesen sein.<\/li>\n<\/ul><p>Die strafrechtliche Seite ist nach meinem Verst&auml;ndnis also ziemlich klar. Die Hauptspekulanten und auch die, die heute noch ihre Boni und Verg&uuml;tungen beziehen, wussten sehr genau, dass die von ihnen erzielten Renditen nicht mit rechtm&auml;&szlig;igen Gesch&auml;ften zustande kommen k&ouml;nnen.<\/p><p>In den deutschen Medien wird &uuml;ber diese strafrechtliche Seite nicht berichtet und es wird nahezu nichts dazu analysiert. Das ist schon ein erstaunlicher Vorgang. Auch auf meinen Beitrag, der immerhin schon anderthalb Jahre zur&uuml;ckliegt, gab es keine bemerkenswerte Resonanz. Von den Medien wird der Betrug, das fortw&auml;hrende Kettenbriefspiel und die Hehlerei gedeckt. Man kann dar&uuml;ber spekulieren, warum das geschieht. Die Spitzen der Medien sind selbst &ndash; wie auch die Politik &ndash; mit der Finanzwirtschaft eng verwoben. Au&szlig;erdem leben sie finanziell ganz wesentlich von den Anzeigen und Fernsehspots, die von der Finanzwirtschaft kommen und vor allem kamen.<\/p><p><strong>Wir sind also darauf angewiesen, dass Sie als B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in ihren Gespr&auml;chen wie auch im Internet die strafrechtliche Seite der Vorg&auml;nge weiter verfolgen.<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re auch wichtig, dass Sie von Ihren Abgeordneten <strong>die Einsetzung von Untersuchungsaussch&uuml;ssen verlangen<\/strong>.<\/p><p>Es gebe eine Reihe von r&auml;tselhaften Vorg&auml;ngen, die untersucht werden m&uuml;ssten<\/p><ol type=\"a\">\n<li>Der Vorgang IKB. Dazu sollte es schon einen Untersuchungsausschuss geben. Seine Einsetzung scheiterte an der Weigerung der FDP. Beachtlich aber typisch f&uuml;r diese Partei.<\/li>\n<li>Die Unterst&uuml;tzung der HRE durch den Bund\/Rettungsschirm\/Soffin und insbesondere die seltsame Fristvers&auml;umung durch den Bundesfinanzminister, mit der der Alteigent&uuml;mer HypoVereinsbank von der Mithaftung befreit wurde.<\/li>\n<li>Die Beteiligung von Anwaltskanzleien au&szlig;erhalb der Ministerien an der Formulierung der einschl&auml;gigen Gesetze. Warum geschieht das?<\/li>\n<li>Hat sich die Bundesregierung danach erkundigt, wer die Gl&auml;ubiger der quasi insolventen Banken sind? Wessen Verm&ouml;gen wird mit Steuergeld gerettet?<\/li>\n<li>Die Leistungsbilanz und die Vers&auml;umnisse der Bankenaufsicht<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage A<\/strong><\/p><p><strong>Hinweis des NachDenkSeiten-Lesers  E.H. auf einen Artikel in der FAS vom 22.2.2009:<\/strong><\/p><blockquote><p>Auf Seite 34 der FAS (Wirtschaft) f&auml;llt folgende &Uuml;berschrift ins Auge: &bdquo;Eine neue Weltfinanzordnung&ldquo;. Ottmar Issing ist nicht nur abgebildet, sondern wird auch lobend erw&auml;hnt: <strong>&bdquo;Issing dagegen ist eine Idealbesetzung&ldquo;<\/strong> f&uuml;r die Stelle des &bdquo;ersten Gipfelberaters der Bundesregierung&ldquo;. &ndash; Der bei Goldman Sachs als Berater Besch&auml;ftigte Ottmar Issing ist f&uuml;r die FAS somit die Idealbesetzung. &bdquo;Schon vor zwei Wochen hat die Issing-Kommission ihr Empfehlungsdokument der Bundeskanzlerin Angela Merkel &uuml;berreicht.<br>\nMerkel zeigte sich <strong>besonders begeistert<\/strong> von dem Vorschlag eines weltumspannenden &sbquo;Risikoatlanten&rsquo;. Dahinter verbirgt sich die Idee, &hellip; k&uuml;nftig genau aufzumalen, wo welche Schulden und Wertpapiere stecken.&ldquo;<br>\nMan muss ja nicht gleich, so wie es mir gerade geht, sich gro&szlig;e Sorgen machen, bevor man nicht das gesamte Empfehlungsdokument gelesen hat, aber verd&auml;chtig ist schon einiges:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Diese Kindersprache mit den Worten &bdquo;aufmalen&ldquo; und &bdquo;stecken&ldquo;, dann dieser Kinderausspruch &bdquo;Atlanten&ldquo; anstelle eines &bdquo;Risikoatlas&ldquo;, ganz so, als ob es mehrere Erden g&auml;be, husch, husch hingeschrieben, ohne das Risiko zu erkennen und zu benennen.<\/li>\n<li>Daf&uuml;r ist die Handschrift von Goldman Sachs klar zu erkennen, indem die Verbriefungspraktiken und die reinen Finanzderivate (Kontrakte ohne Bezug auf feste Gr&ouml;&szlig;en, also ohne Bezug auf die Realwirtschaft) weiterhin gelten d&uuml;rfen.<\/li>\n<li>Was &auml;ndert sich an der heutigen (und noch zu erwartenden) Situation, wenn eine staatliche Aufsichtsbeh&ouml;rde genau Bescheid wei&szlig;, &bdquo;wo welche Schulden und Wertpapiere stecken&ldquo;? Damit h&auml;tten wir doch die gleiche Situation wie heute ohne staatliche &Uuml;bersicht.<\/li>\n<li>Wenn man bestimmte &bdquo;Finanzvertr&auml;ge&ldquo; nicht verbietet, haben wir in einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder die gleiche Situation, eigentlich logisch. &bdquo;Eine neue Weltfinanzordnung&ldquo;, bei der gar nichts geordnet, sondern das Bestehende nur verwaltet wird, ist doch keine neue Ordnung. &hellip;<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wes Brot ich ess&rsquo;, dess&rsquo; Lied ich sing. Soviel zu Ottmar Issing.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt endlich die Debatte um die strafrechtliche Seite der Finanzkrise in Gang. So gestern Abend bei <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/11\/0,1872,7527435,00.html\">Frontal 21<\/a> und vorher schon durch den <a href=\"http:\/\/www.zew.uni-bonn.de\/index.htm?\/lutter.htm\">Juristen Marcus Lutter<\/a> und andere. Wir haben lange darauf gewartet, nachdem in den NachDenkSeiten vom 17. August 2007 schon zu lesen stand: <a href=\"?p=2564\">&bdquo;Die Blase &ndash; das Werk von<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3795\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,127],"tags":[241,263,593,225,222,498,242],"class_list":["post-3795","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-bankenrettung","tag-commerzbank","tag-g7820","tag-hre","tag-ikb","tag-issing-otmar","tag-landesbanken"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3795"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3795\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20488,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3795\/revisions\/20488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}