{"id":37979,"date":"2017-04-24T08:33:17","date_gmt":"2017-04-24T06:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37979"},"modified":"2019-01-31T10:16:01","modified_gmt":"2019-01-31T09:16:01","slug":"uns-geht-es-allen-gut-das-ist-ein-weit-verbreitetes-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37979","title":{"rendered":"Uns geht es allen gut. Das ist ein weit verbreitetes M\u00e4rchen."},"content":{"rendered":"<p>Im SWR lief kurz vor Ostern eine eindrucksvolle Reportage &uuml;ber Leiharbeit und prek&auml;re Selbst&auml;ndigkeit. Am Beispiel von Besch&auml;ftigten bei Daimler und Randstad zeigte der Filmemacher Hermann G. Abmayr, wie die Lage vieler Menschen wirklich aussieht. &ndash; Kennen Sie auch Menschen, die nicht m&uuml;de werden zu behaupten, dass es uns allen gut gehe? Dann sollten Sie den Film &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/betrifft-\/Harte-Arbeit-schlechter-Lohn-Wie-Mens\/SWR-Fernsehen\/Video?bcastId=1100786&amp;documentId=42206366\">Harte Arbeit schlechter Lohn &ndash; wie Menschen abgeh&auml;ngt werden<\/a>&ldquo; anschauen. <strong>Anette Sorg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_786\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-37979-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=37979-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170424_Uns_allen_geht_es_gut_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die bedr&uuml;ckende Lage wird am Beispiel einer<\/p><ul>\n<li>alleinerziehenden Hotelfachfrau, die als  Leiharbeiterin  beim Versandhandel  arbeitet,<\/li>\n<li>einer selbst&auml;ndigen Honorarlehrkraft  und eines<\/li>\n<li>Leiharbeiters mit befristetem Vertrag bei Daimler gezeigt.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Arbeitnehmer zweiter oder sogar dritter Klasse<\/strong><\/p><p>Der Industriesoziologe Prof. Klaus D&ouml;rre diagnostiziert hier eindeutige Klassenunterschiede. Millionen von Menschen seien auch in Deutschland auf der Suche nach sicherer Arbeit und fairem Lohn. &bdquo;Heuern und Feuern&ldquo; sei das Prinzip, das in der Leiharbeit vorherrsche.<\/p><p>Die Unterschiede bei der Entlohnung sind gravierend. Erh&auml;lt ein Tarifbesch&auml;ftigter 5000 Euro brutto bei Daimler am Band, so bleiben dem Leiharbeiter 1\/3 weniger, der Werkvertragsarbeitnehmer muss sich f&uuml;r dieselbe T&auml;tigkeit mit rund 1700 Euro zufriedengeben. Aufstocken &uuml;ber Hartz IV ist im letzteren Falle nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Das hei&szlig;t im Klartext: die Steuerzahler finanzieren die Werkvertragsarbeitnehmer bei Daimler mit.<\/p><p>Dieses Nebeneinander der verschiedenen Arbeitsverh&auml;ltnisse ist sozialversicherungsrechtlich eine heikle Sache. Dies f&uuml;hrt zu grotesken Regularien: Werkvertragsarbeitnehmer und Tarifbesch&auml;ftigte d&uuml;rfen keinerlei Kommunikation &uuml;ber ihre Arbeit pflegen. Anweisungen d&uuml;rfen allenfalls per Mail erfolgen.<\/p><p><strong>Die prek&auml;re Lage der Betroffenen interessiert ma&szlig;gebliche Medien nicht<\/strong><\/p><p>Es ist verdienstvoll, dass der SWR die Lage dieser Menschen dokumentiert hat. Aber das Echo in anderen Medien war ausgesprochen d&uuml;rftig. Die Printmedien haben von diesem ungem&uuml;tlichen Thema kaum Notiz genommen, lediglich die <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.daimler-in-der-kritik-missstaende-in-der-leiharbeit-beleuchtet.1dd91b97-620b-47a6-938b-4e94c9fc5979.html\">Stuttgarter Zeitung<\/a> und die <a href=\"http:\/\/www.pz-news.de\/wirtschaft_artikel,-Zwist-um-Leiharbeit-bei-Daimler-im-Untertuerkheimer-Werk-_arid,1159929.html\">Pforzheimer Zeitung<\/a> haben es gewagt, dar&uuml;ber zu schreiben.<\/p><p><strong>Folgeberichte des SWR zum Thema<\/strong><\/p><p>Der SWR hat sinnvollerweise nochmals nachgehakt und Reaktionen, z.B. von Daimler sowie Gewerkschaften, dokumentiert:<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.swr.de\/marktcheck\/reaktionen-auf-swr-dokumentation-ist-leiharbeit-zum-niedriglohn-gerecht\/-\/id=100834\/did=19374412\/nid=100834\/1y59qzi\/index.html\">Ist Leiharbeit zum Niedriglohn gerecht?<\/a><br>\n&bdquo;Daimler selbst sagt, der Film habe keine Verst&ouml;&szlig;e aufgezeigt. Der Film zeige vielmehr, dass Daimler Werkvertr&auml;ge und Zeitarbeit abwickelt, so wie es im deutschen Arbeitsrecht erlaubt und vorgesehen ist. Das beweise, dass die sozialen Grunds&auml;tze f&uuml;r Werkvertragsfirmen, die Daimler 2013 eingef&uuml;hrt habe, greifen w&uuml;rden. Damit sieht sich Daimler selbst als beispielgebend f&uuml;r die deutsche Wirtschaft und auch den &Ouml;ffentlichen Dienst.&ldquo;<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/bw\/leiharbeiter-nach-swr-doku-entlassen\/-\/id=1622\/did=19376350\/nid=1622\/scy6sn\/index.html\">Interviewter Leiharbeiter darf nicht zur Schicht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/bw\/leiharbeiter-darf-wieder-ins-daimler-werk\/-\/id=1622\/did=19392188\/nid=1622\/otch3x\/index.html\">Leiharbeiter darf wieder ins Werk<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Zur Aktualit&auml;t der Dokumentation: Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetz &ndash; eine dreiste Mogelpackung<\/strong><\/p><p>Besondere Aktualit&auml;t hat die vom SWR ausgestrahlte Dokumentation durch die zum 1.4. erfolgte Novellierung des Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetzes erhalten. Professor Dr. Stefan Sell schildert <a href=\"http:\/\/aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2017\/04\/reform-der-leiharbeit.html\">auf seinem Blog die Fallstricke des neuen Gesetzes<\/a>.<\/p><p>Unter anderem kritisiert er:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip; Aber wie so oft im Leben muss man in das Kleingedruckte schauen, das ist bei Versicherungsvertr&auml;gen genauso wie bei Gesetzen. Denn bekanntlich kann man mit Ausnahmeregelungen die eigentliche und nach au&szlig;en weiterhin behauptete Zielsetzung verw&auml;ssern, zuweilen sogar in ihr Gegenteil transformieren. Und das novellierte Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetz ist fast schon ein Lehrbuchbeispiel f&uuml;r einen Gesetzgebungsprozess, an dessen Anfang m&ouml;glicherweise wirklich einmal der Impuls stand, die Situation f&uuml;r Leiharbeiter zu verbessern, an dessen Ende aber nach zahlreichen Interventionen und Kompromissen ein Regelwerk herausgekommen ist, das nicht wirklich etwas ver&auml;ndern wird. Au&szlig;er, dass man den nicht eingeweihten Beobachtern die Nachricht verkaufen kann, man h&auml;tte was getan&hellip; Man kann an dieser Stelle nur spekulieren &ndash; aber offensichtlich ist das gewerkschaftliche Lager nicht eindeutig positioniert, was die Sonderrolle der Leiharbeit angeht. Man kann und muss wohl durchaus davon ausgehen, dass Betriebsr&auml;te der gro&szlig;en Unternehmen ein gewisses Interesse daran haben, dass die M&ouml;glichkeiten einer flexiblen Belegschaftsschicht nicht zugesch&uuml;ttet werden &uuml;ber harte gesetzgeberische Aktivit&auml;ten, profitieren doch auch die Stammbesch&auml;ftigten von den Flexibilisierungsmodellen der Arbeitgeber, die &uuml;ber Randbelegschaften organisiert werden. Insofern kann man zusammenfassend durchaus die Reform des A&Uuml;G so hart bilanzieren, wie das Markus Kr&uuml;semann in seinem Artikel <a href=\"https:\/\/www.miese-jobs.de\/chroniken\/01-04-17\/\">Die zahnlose Leiharbeitsnovelle tritt heute in Kraft<\/a> gemacht hat:<\/p>\n<p>&raquo;Wie sich zeigt, werden regulierende Einschnitte &uuml;berwiegend nur vorgegaukelt. In den wichtigsten Eckpunkten ist die Novelle nichts anderes als eine dreiste Mogelpackung. F&uuml;r LeiharbeitnehmerInnen ergeben sich aus der A&Uuml;G-Reform keine Verbesserungen. Die Zahl der in solchen prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen Besch&auml;ftigten wird durch die neuen Regelungen wohl kaum reduziert werden. Auch eine bessere Bezahlung ist in weite Ferne ger&uuml;ckt. Zudem laden die Klauseln zu weiterem Missbrauch geradezu ein.&laquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die IG Metall tritt gleich den Beweis an, dass es die von Stefan Sell beschriebenen Sonderinteressen von Gewerkschaften an einer funktionierenden Leiharbeit gibt. Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/leiharbeit-in-deutschland-bis-zu-48-monate-in-der-metallindustrie-moeglich-a-1143881.html\">diesen Artikel<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im SWR lief kurz vor Ostern eine eindrucksvolle Reportage &uuml;ber Leiharbeit und prek&auml;re Selbst&auml;ndigkeit. Am Beispiel von Besch&auml;ftigten bei Daimler und Randstad zeigte der Filmemacher Hermann G. Abmayr, wie die Lage vieler Menschen wirklich aussieht. &ndash; Kennen Sie auch Menschen, die nicht m&uuml;de werden zu behaupten, dass es uns allen gut gehe? Dann sollten Sie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37979\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,107,109,41],"tags":[1138,1502,739,742,1919,1156,288,1771,2081,465],"class_list":["post-37979","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-audio-podcast","category-gewerkschaften","category-medienanalyse","tag-aufstocker","tag-daimlermercedes","tag-doerre-klaus","tag-ig-metall","tag-lueckenpresse","tag-leiharbeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-selbststaendige","tag-sell-stefan","tag-swr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37979"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48926,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37979\/revisions\/48926"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}