{"id":38024,"date":"2017-04-26T09:06:35","date_gmt":"2017-04-26T07:06:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38024"},"modified":"2017-04-26T10:16:47","modified_gmt":"2017-04-26T08:16:47","slug":"venezuela-und-die-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38024","title":{"rendered":"Venezuela und die Medien"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170426_v1_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Seit dem Ausbruch der j&uuml;ngsten, militanten und gewaltsamen Massenaufm&auml;rsche der rechten, venezolanischen Opposition, Anfang April, sorgt das Land mit den gr&ouml;&szlig;ten Erd&ouml;lvorkommen der Welt seit den Unruhen von 2014 wieder f&uuml;r Schlagzeilen in den internationalen Medien. Doch was kommt von Venezuela &uuml;ber den medialen Mainstream her&uuml;ber? Gewiss keine &ldquo;good news&rdquo;. Von <strong>Federico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><div style=\"clear: both\"><\/div><p><!--more--><br>\nZusammengefasst, skizzieren Schlagzeilen, Meldungen &ndash; und selbstverst&auml;ndlich die in der Anzahl &uuml;berwiegenden Meinungstexte &ndash; das Bild von einer langanhaltenden Wirtschafts- und Versorgungskrise, die Millionen Menschen dazu zwingt, sich wegen einem Pfund Mehl mit Anstehen die N&auml;chte um die Ohren zu schlagen. Daran schuld sei ein skrupelloser, gewaltt&auml;tiger und inkompetenter &ldquo;Diktator&rdquo; namens Nicol&aacute;s Maduro. <\/p><p>&Uuml;berhaupt, so wird aus Venezuela gemeldet, sei Caracas &ldquo;der gef&auml;hrlichste Ort der Welt&rdquo; (Die Welt, 26.01.2016). Seitdem die Chavistas an der Macht sind, herrsche &ldquo;Mord und Totschlag&rdquo;, predigen deutsche Tageszeitungen bereits seit Jahren zum Schrecken ihrer Leser (&ldquo;Mord und Totschlag &uuml;berziehen Venezuelas Hauptstadt Caracas&rdquo; &ndash; Berliner Zeitung, 23.09.2010). Damit auch der &ldquo;richtige Zusammenhang&rdquo; stimmt, hauen selbst fromme Postillen noch kr&auml;ftig eins drauf, damit der Hut auf den falschen Kopf passt: &ldquo;Sozialistische Misswirtschaft in Venezuela, Mord und Totschlag in der Warteschlange&rdquo; (Christliches Forum, 28.07.2016). <\/p><p>Klarer Fall: &ldquo;Die &acute;Sozis&acute; sind an allem schuld!&rdquo;.<\/p><p><strong>Wer mit zweierlei Ma&szlig; misst&hellip;<\/strong><\/p><p>Zum Thema &ldquo;Gewalt&rdquo; wird der &uuml;berlistete Leser vergebens nach Vergleichen zwischen Caracas und anderen Weltst&auml;dten suchen. <\/p><p>Es geht ja nicht darum, die 20 Todesopfer der April-Proteste in Venezuela kleinzureden, sondern zutiefst zu bedauern und aufs Sch&auml;rfste zu verurteilen. Doch wann haben die deutschen Medien, die zwei Jahre lang die gesteuerten, heuchlerischen &ldquo;Antikorruptions-Proteste&rdquo; in Brasilien gefeiert haben, sich mit Recherchen und Berichten &uuml;ber die Polizeigewalt gegen Anh&auml;nger der weggeputschten Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff verdient gemacht?<\/p><p>Vor einem Dreivierteljahr berichteten die Nachdenkseiten nebenbei &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34879\">S&atilde;o Paulos gewaltt&auml;tigste Polizei der Welt<\/a>. Nach neuen Erkenntnissen internationaler Experten t&ouml;tet dieser Polizeikorps an jedem Wochentag soviel Menschen, wie die britische Polizei in einem ganzen Vierteljahrhundert erschossen hat (&ldquo;Pol&iacute;cia brasileira mata em 6 dias o mesmo que a brit&acirc;nica em 25 anos&rdquo; &ndash; Folha de S. Paulo, 28.10.2016). In Brasilien werden t&auml;glich mindestens 9 Menschen von der Polizei totgeschlagen oder erschossen. Das sind 3.285 Todesopfer der Polizei im Jahr &ndash; ein unglaubliches Massaker an der Zivilbev&ouml;lkerung, insbesondere an jungen Afrobrasilianern aus den Armenvierteln, die des Drogenhandels verd&auml;chtigt werden. Dass in Taquaru&ccedil;u do Norte, Bundesstaat Mato Grosso, in der vergangenen Woche zeitgleich mit den Unruhen in Venezuela mindestens 10 Landlose von Auftragskillern der Holzmafia in einem Massaker hingerichtet wurden, erf&auml;hrt der erfahrene Leser h&ouml;chstens in den anderen Medien, wie den Nachdenkseiten und der Plattform Amerika 21, seltener aus etwas ausgewogeneren Reportagen des langj&auml;hrigen Spiegel-Korrespondenten in Rio de Janeiro, Jens Gl&uuml;sing.<\/p><p>Ja, und dann gibt es in Venezuela noch die braven &ldquo;friedlichen Demonstranten&rdquo; und &ldquo;willk&uuml;rlich verhaftete&rdquo; politische Gefangene. <\/p><p>Es ist f&uuml;r die Katz&acute;. Selbst die einst f&uuml;r seri&ouml;sen Journalismus bekannten &Ouml;ffentlich-rechtlichen Anstalten haben die von ihren Rundfunkr&auml;ten gepredigte Ausgewogenheit l&auml;ngst gekippt. Dazu zwei aktuelle Beispiele.<\/p><p><strong>Maskierte Schl&auml;gertrupps: die &ldquo;friedlichen Demonstranten&rdquo; der ARD<\/strong><\/p><p>Als &ldquo;besonders dreistes Paradebeispiel f&uuml;r Manipulation und Meinungsmache&rdquo;, beklagte sich NachDenkSeiten-Leser und Politiker vom B&uuml;ndnis90\/Die Gr&uuml;nen Hessen, Timo M&uuml;ller, in einem Brief an den Herausgeber der NDS, wie &ldquo;in einem vermeintlich neutralen und seri&ouml;sen Format&hellip; dem H&ouml;rer eine Meinung als vermeintliches Wissen oder gar &acute;Fakten&acute;&rdquo; von der zeithistorischen Serie <em>WDR 2 Stichtag<\/em> &ldquo;untergejubelt werden&rdquo;. <\/p><p>M&uuml;ller kritisierte, dass im mit O-Ton-Fetzen und fragw&uuml;rdigen Musikeffekten dramatisierten Radiobeitrag <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr2\/wdr2-stichtag\/audio-putsch-in-venezuela-am--100.html\">Putsch in Venezuela (am 12.04.2002) &ndash; WDR 2 Stichtag<\/a>, der sich am 12.04.2017 mit dem Putsch gegen Hugo Ch&aacute;vez im Jahr 2002 besch&auml;ftigte, es nur so an Schlagw&ouml;rtern und Plattit&uuml;den wimmelte, wie etwa &ldquo;die &acute;populistische&acute; Regierung Ch&aacute;vez habe sich die reichen &Ouml;lvorkommen selbst einverleibt&rdquo;, oder &ldquo;Ch&aacute;vez-Nachfolger Nicol&aacute;s Maduro sei ein &acute;Verfassungsbrecher&acute;&rdquo;. Das abschlie&szlig;ende Verdikt war wieder ein klarer Fall: Venezuela sei &ldquo;eigentlich eine Diktatur&rdquo;.<\/p><p>Zum anderen lohnt es sich, eine am 20.05.2016 von der Tagesschau ausgestrahlte Reportage &uuml;ber Venezuela nochmal anzusehen, wovon ein eloquenter Auszug vom Youtuber &ldquo;Gehteuch Nichtsan&rdquo; ins Netz hochgeladen wurde. <\/p><p>Auf ihrer Online-Ausgabe stellte <em>die Tagesschau<\/em> den Beitrag des aus Mexiko nach Caracas eingeflogenen Korrespondenten Peter Sonnenberg mit folgenden Worten vor: &ldquo;In Venezuela w&auml;chst der Widerstand gegen Pr&auml;sident Maduro, immer wieder flammt Gewalt auf. Auf einer Demonstration in Caracas geriet ein ARD-Team zwischen die Fronten, die Kamerafrau wurde von einer Tr&auml;nengasgranate getroffen&rdquo;. Indes, was der Zuschauer zu sehen bekommt, hat weder mit dem Vorspann noch mit der angeblich verletzten Kamerafrau zu tun. <\/p><p>W&auml;hrend Sonnenberg im O-Ton mit aufgeregter Stimme sagt, &ldquo;die Polizei kesselt Studenten ein und gleich darauf fliegen Tr&auml;nengasgranaten auf uns Journalisten und auf absolut friedliche Demonstranten&rdquo;, zeigt die Kamera, wie maskierte und extrem gewaltt&auml;tige Demonstranten (?) mit Kn&uuml;ppeln gegen zwei Polizisten vorgehen, auf eine nicht bewaffnete Polizistin einschlagen und mit Fu&szlig;tritten traktieren, die nur um ein Haar von einem Unbeteiligten vor Schlimmerem bewahrt wird (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PAs-owYp4ug\">Ausschnitte aus dem ARD-MoMa vom 20.05.2016<\/a>). <\/p><p>Nun kann man auch sagen, Chapeau vor der Leistung der Tagesschau! Was sie damit geboten hat, bezeichnet der psychoanalytische Jargon eine &ldquo;Freud&rsquo;sche Fehlleistung&rdquo;. Mit der Kameraeinstellung best&auml;tigte sie den weisen Volksmund: &bdquo;Ein Bild&nbsp;sagt mehr als&nbsp;tausend Worte&ldquo;.<\/p><p><strong><em>El Pa&iacute;s<\/em> und die D&auml;monisierung des Chavismo<\/strong><\/p><p>In einer quellenreichen, zweiteiligen Serie &ndash; <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/amerika\/36239-macht-und-medien-in-lateinamerika\/\">Macht und Medien in Lateinamerika &ndash; Teil 1: Meinungsmonopole &hellip;<\/a> und <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/amerika\/36332-macht-und-medien-in-lateinamerika\/\">Macht und Medien in Lateinamerika &ndash; Teil 2: Der Medienkrieg &hellip;<\/a> &ndash; hatte ich bereits 2016 auf RT Deutsch ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die seit Hugo Ch&aacute;vez&acute; erster Wahl zum Pr&auml;sidenten Venezuelas anhaltende Verteufelungskampagne einheimischer und internationaler Medien gegen seinen nationalistischen Kurs und sein bescheidenes soziales Reformprogramm berichtet. Diesem war es immerhin laut offiziellem Bericht der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen f&uuml;r Lateinamerika (CEPAL, 2011) zwischen 2002 und 2010 gelungen, die generelle Armut von 48,6 Prozent auf 27,8 Prozent und die extreme Armut von 22,2 Prozent auf 10,7 erfolgreich mit Deviseneinnahmen aus dem Erd&ouml;lexportgesch&auml;ft erfolgreich zu senken.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170426_v2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170426_v2-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nDoch war Ch&aacute;vez&acute; erste Amtsperiode noch lange nicht beendet, da begr&uuml;&szlig;te die spanische <em>El Pa&iacute;s<\/em>&nbsp;mit einem an Frechheit kaum zu &uuml;berbietenden Leitartikel (&bdquo;Golpe a un caudillo \/ Staatsstreich gegen einen Volkstribun&ldquo;, 13.04.2002) den Putsch gegen das Staatsoberhaupt und dessen zweit&auml;gige Entf&uuml;hrung mit den Worten: &bdquo;Nur ein Staatsstreich erm&ouml;glichte es, Hugo Ch&aacute;vez von der Macht in Venezuela zu entfernen. Die Lage war derart aussichtslos, dass dieser verirrte Caudillo einen Schubs ben&ouml;tigte.&ldquo;<\/p><p>Wenige Monate sp&auml;ter schrieb der Franzose Maurice Lemoine in seinem Essay &ldquo;Dans les laboratoires du mensonge au Venezuela&rdquo; (&ldquo;Die Labore der L&uuml;ge in Venezuela, Le Monde Diplomatique, August 2002): &bdquo;Aufs &uuml;belste beschimpft, mit Fujimori, Idi Amin Dada, Mussolini und Hitler verglichen, als Faschist, Diktator und Tyrann diffamiert, erleidet der &acute;bolivarianische&acute; Staatspr&auml;sident Attacken, die in jedem beliebigen Land Grund f&uuml;r eine legitime Klage wegen Beleidigung des Staatsoberhaupts sind.&ldquo;<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich offenbarte wiederum ein Satz des Putschistenf&uuml;hrers, Vizeadmiral Victor Ram&iacute;rez P&eacute;rez, schon 2002 die schamlose Promiskuit&auml;t zwischen medialer und politisch-milit&auml;rischer Macht in Venezuela, als er vor laufenden Fernsehkameras des Privatsenders <em>Venevis&oacute;n<\/em> der Moderatorin Ib&eacute;yise Pacheco dankte: &bdquo;Wir hatten eine Waffe von kapitaler Bedeutung: die Medien. Wof&uuml;r ich Ihnen bei dieser Gelegenheit gratulieren m&ouml;chte!&ldquo;. <em>Venevis&oacute;n<\/em>, sollte man wissen, geh&ouml;rt Gustavo Cisneros, dem vielleicht reichsten Mann, doch bisher vom Chavismo unber&uuml;hrten Medienmogul Venezuelas.<\/p><p><strong>El Pa&iacute;s und die medialen Synergien<\/strong><\/p><p>Doch wie gelangen nun diese Berichte in den internationalen Mainstream?<\/p><p>&bdquo;Meine beliebtesten Informationsquellen in Brasilien sind Merval Pereira und Miriam Leit&atilde;o von&nbsp;O Globo, und alles aus&nbsp;<em>Folha de S.Paulo<\/em>&ldquo;, erkl&auml;rte einst ungeniert Juan Arias, Korrespondent von&nbsp;<em>El Pa&iacute;s<\/em>&nbsp;in Rio de Janeiro (&bdquo;Entrevista con Juan Arias&ldquo;, El Pais, 29.09.2014).<\/p><p>Mit vergleichbarer Frivolit&auml;t erkl&auml;rte die Brasilianerin Maria Judith Brito &ndash; CEO von Folha de S. Paulo und Vorsitzende des brasilianischen Zeitungsverlegerverbandes (ANJ) &ndash; in einem Interview (O Globo, 18.03.2010), &bdquo;es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Medien in der Tat die Rolle der [politischen] Opposition in diesem Land &uuml;bernommen haben, da die Opposition zutiefst geschw&auml;cht ist&hellip;&rdquo;.<\/p><p>Dazu muss der Leser wissen: Die Flammen f&uuml;r das &ldquo;Impeachment&ldquo; Dilma Rousseffs sch&uuml;rten&nbsp;Arias&acute; Hauptquellen <em>Globo<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Folha de S. Paulo<\/em>&nbsp;zwei Jahre lang mit der Anfeuerung rechtsextremer und faschistischer Organisationen, die eine &bdquo;Milit&auml;r-Intervention&ldquo;, also die R&uuml;ckkehr der 1985 beendeten Milit&auml;rdiktatur, forderten.<\/p><p>In einem anderen Essay mit dem Titel &ldquo;Golpes Sem Fronteiras?&rdquo; (&bdquo;Staatsstreiche ohne Grenzen?&ldquo; Le Monde Diplomatique Brasil, 01.02.2002) wies Lemoine daher vor f&uuml;nfzehn Jahren auf seltsame &bdquo;Synergien&ldquo; hin, die erkl&auml;ren k&ouml;nnen, weshalb &ldquo;die von einheimischen Medien verbreitete Version der Fakten oft mit identischem Wortlaut in zahlreichen internationalen Medien wie&nbsp;<em>New York Times<\/em>, <em>Washington Post<\/em>, <em>CNN<\/em>, <em>El Tiempo<\/em>, <em>R&aacute;dio<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>TV Caracol<\/em>,&nbsp;<em>RCN<\/em>&nbsp;usw. auftauchen; insbesondere in der spanischen&nbsp;<em>El Pa&iacute;s<\/em>&ldquo;.<\/p><p>Der konservative Restaurationsdruck in Lateinamerika ist m&ouml;glicherweise ohne die spanische Gruppe&nbsp;Prisa&nbsp;und ihrer Tageszeitung&nbsp;<em>El Pa&iacute;s<\/em>&nbsp;nicht zu erkl&auml;ren. Im Jahr 1984 wurde von El Pa&iacute;s&nbsp;der gegenw&auml;rtig mit 15.000 Euro dotierte Journalistenpreis &ldquo;Ortega y Gasset&rdquo; ins Leben gerufen, der an Publizisten verliehen wird, die sich laut Statut in der &ldquo;Verteidigung der Freiheit, der Unabh&auml;ngigkeit und der Sorgfalt als wesentliche Tugenden des Journalismus&ldquo; weltweit hervortun. <\/p><p>Im Mai 2015 wurde der Preis an den Venezolaner Teodoro Petkoff vergeben, von dem der spanische Sozialistenf&uuml;hrer Felipe Gonz&aacute;lez behauptet, &bdquo;wenn Petkoff schreibt, zittert ganz Venezuela&rdquo;. Da Petkoff wegen einer Diffamierungsklage nicht ausreisen durfte, nahm Felipe Gonz&aacute;lez f&uuml;r ihn den Preis entgegen.<\/p><p>Dazu sollte man wieder wissen, dass die auf Anregung von Gonz&aacute;lez&acute; spanischer PSOE 1976 gegr&uuml;ndete Tageszeitung &uuml;ber Jahrzehnte hinweg mit vielf&auml;ltigen finanziellen Mitteln vom spanischen Staat gef&ouml;rdert wurde, bis sie der  Multimedia-Konzern&nbsp;Prisa&nbsp;kaufte, der seinerseits nach millionenschweren Verlusten im Jahr 2011 mehrheitlich in den Besitz der  Banken HSBC, Santander und CAIXA, ferner dem  spanischen Fernmelde-Konzern Telef&oacute;nica &uuml;berging, und neuerdings neben der Gr&uuml;nderfamilie Polanco, den US-amerikanischen Geierfonds Amber Capital &ndash; im Besitz des Franzosen armenischer Abstammung, Joseph Mar&iacute;a Oughourlian &ndash; als einen der Hauptanteilseigner hat.&nbsp; <\/p><p>Die politische Linie von <em>El Pa&iacute;s<\/em> ist kein Zufall. Im B&uuml;ndnis mit f&uuml;hrenden spanischen Konzernen vertritt Prisa knallharte Wirtschaftsinteressen, vor allem in Lateinamerika. In Bolivien betreibt Prisa einen TV-Sender und drei Tageszeitungen; in Kolumbien den meist geh&ouml;rten Radiosender Caracol; in Argentinien den popul&auml;ren Radiosender AM590; in Mexiko Radiopolis, und auf kontinentaler Bandbreite die Radiokette Grupo Latino.<\/p><p>Nationale Ausgaben von <em>El Pa&iacute;s<\/em> werden zudem in Brasilien und Mexiko gedruckt und zusammen mit den erzkonservativen Mediengruppen <em>Clar&iacute;n<\/em> und <em>La Naci&oacute;n<\/em>, die Mauricio Macri an die Macht halfen, ist Prisa Anteilseignerin der Firma Papel Prensa, die 90 Prozent des argentinischen Marktes f&uuml;r Druckpapier beherrscht. <\/p><p>Ihren politischen und &ouml;konomischen Einfluss machte die Gruppe Prisa daher auch salopp in Argentinien deutlich. Als Pr&auml;sidentin Cristina Kirchner im Jahr 2012 den Vertrag der staatlichen Erd&ouml;lfirma YPF mit dem spanischen Erd&ouml;lkonzern Repsol aufk&uuml;ndigte und dessen Anteil nationalisierte, zog sie sich eine w&uuml;tende Attacke von <em>El Pa&iacute;s<\/em> auf den Hals. Mit dem Leitartikel &ldquo;Cristina, petr&oacute;leo y psicoan&aacute;lisis&ldquo; (21.04.2012) erkl&auml;rte der in Miami residierende, ehemalige venezolanische Politiker und Kolumnist, Mois&eacute;s Nahim, die Pr&auml;sidentin f&uuml;r irre und forderte sie dazu auf, sich in &ldquo;psychiatrische Behandlung&ldquo; zu begeben.<\/p><p><strong>Wer sind die f&uuml;hrenden politischen Gefangenen in Venezuela?<\/strong><\/p><p><em>El Pa&iacute;s<\/em> ist ebenso f&uuml;hrend an der internationalen Kampagne f&uuml;r die Freilassung der in den Medien herumgeisternden &ldquo;politischen Gefangenen in Venezuela&rdquo; beteiligt, die jedoch exklusiv die ultrarechten, zu &ldquo;M&auml;rtyrern&rdquo; stilisierten Politiker Antonio Ledezma und Lepoldo L&oacute;pez meint. <\/p><p>In deutschen Medien bleibt es ein ebenso fruchtloser Versuch, eine ausgewogene Antwort auf die Frage nach dem Grund ihrer Verhaftungen zu finden. Dass Ledezma aus angeblich gesundheitlichen Gr&uuml;nden seit Monaten von der Justiz zu milderndem Hausarrest verurteilt wurde, dar&uuml;ber herrscht generelles Schweigen. <\/p><p>Der ehemalige Gouverneur des Bundesdistrikts Caracas, dessen Amtsvollmachten noch unter Hugo Ch&aacute;vez beschnitten wurden, war am 19.02.2015 verhaftet und von der Staatsanwaltschaft der &ldquo;Verschw&ouml;rung und Mitwirkung in einer kriminellen Vereinigung&rdquo; w&auml;hrend der Unruhen von 2014 beschuldigt worden. Ihm wurden Kontakte zu rechtsradikalen Paramilit&auml;rs vorgeworfen, die im Auftrag des ehemaligen kolumbianischen Pr&auml;sidenten und erwiesenen Erzfeindes des Chavismo, &Aacute;lvaro Uribe, &ldquo;Destabilisierungs-Pl&auml;ne&rdquo; gegen die Regierung Maduro ausgebr&uuml;tet h&auml;tten. Ledezmas Schuld wurde nicht einwandfrei erwiesen, allerdings ermittelt seit August 2014 ein Untersuchungsausschuss des kolumbianischen Parlaments gegen Uribe wegen Involvierung in den Drogenhandel und der Finanzierung paramilit&auml;rischer Killerkommandos.<\/p><p>Der weiter in Haft befindliche, ehemalige B&uuml;rgermeister von Chacao, Leopoldo L&oacute;pez verk&ouml;rpert jedoch den extremistischen Fl&uuml;gel der venezolanischen Opposition, um deren F&uuml;hrung er bis 2015 mit Henrique Capriles wetteiferte, und dessen eher gem&auml;&szlig;igte Anh&auml;nger L&oacute;pez mit gewaltt&auml;tigen Aufm&auml;rschen f&uuml;r den offenen Bruch mit der demokratischen Grundordnung und Umsturzdrohungen gegen Maduro auf seine Seite zu ziehen versuchte. <\/p><p>Jedoch verschwieg die von den ehemaligen spanischen Pr&auml;sidenten Jos&eacute; Aznar und Felipe Gonz&aacute;lez im Verbund mit <em>El Pa&iacute;s<\/em> und allen nur denkbaren konservativen F&uuml;hrungspolitikern Lateinamerikas inszenierte, internationale Kampagne bisher, dass sich L&oacute;pez allerdings erwiesener, schwerwiegender Taten schuldig gemacht hat. Sein offener Aufruf vom 12.02.2015 zum Sturz Maduros f&uuml;hrte in Caracas zu Stra&szlig;enschlachten und kostete drei Menschenleben und Dutzende von Verletzten.<\/p><p>Nach Meinung des konservativen Analysten Luis Vicente Le&oacute;n vom Meinungsforschungsinstitut Datan&aacute;lisis war der Extremismus L&oacute;pez&acute; verzweifelter Versuch, verlorenes Terrain gegen&uuml;ber Capriles zur&uuml;ckzugewinnen. Mit seinem letzten spektakul&auml;ren Akt, sich in Begleitung tausender von Anh&auml;ngern freiwillig der Polizei zu stellen, spekulierte der Aufr&uuml;hrer mit seinem M&auml;rtyrertum, machte jedoch die Rechnung ohne den Wirt: L&auml;ngst wurde Capriles als eindeutiger Oppositionsf&uuml;hrer gefeiert und die Staatsanwaltschaft belastete ihn mit Anschuldigungen von der Anstiftung zum Mord bis zum Terrorismus, nebenbei auch &ldquo;des Aufruhrs, der Brandstiftung, Besch&auml;digung &ouml;ffentlichen Eigentums und der Bildung einer kriminellen Vereinigung&rdquo;. Seitdem sitzt L&oacute;pez hinter Gittern, w&auml;hrend seine Ehefrau Lilian Tintori im Verbund mit konservativen Medien und Politikern einen weltweiten Kreuzzug &uuml;ber seine &ldquo;Unschuld&rdquo; und f&uuml;r seine Freilassung inszeniert.<\/p><p>Allerdings, neben den zahlreichen politischen Vers&auml;umnissen, die Pr&auml;sident Nicol&aacute;s Maduro von ehemaligen Verb&uuml;ndeten und Kritikern aus den eigenen Reihen angelastet werden, ist eine Unterlassung nicht zu &uuml;berh&ouml;ren: Anstelle verbalradikaler Attacken gegen die einheimische Opposition und vermeintliche ausl&auml;ndische Interventionen h&auml;tte Maduro bereits unmittelbar nach seiner 2013 knapp ausgegangenen Wahl geduldig auf Verhandlungen mit Henrique Capriles bestehen, sich f&uuml;r die politische Isolierung des militanten L&oacute;pez-Fl&uuml;gels innerhalb der Opposition und f&uuml;r ein gemeinsames, nationales Entwicklungsprogramm bem&uuml;hen sollen. <\/p><p>L&oacute;pez&acute; Putschisten suchen nun wieder bei Capriles&acute; gestern noch gem&auml;&szlig;igterem Block Unterschlupf, setzen aber gleichzeitig auf Eskalierung. Darauf mit der Androhung zu antworten, die bewaffneten Milizen des Chavismo auf 500.000 Mann auszubauen, ist nicht gerade die geeignete Entspannungspolitik f&uuml;r die Republik Venezuela, die alles andere als einen B&uuml;rgerkrieg verdient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170426_v1_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Seit dem Ausbruch der j&uuml;ngsten, militanten und gewaltsamen Massenaufm&auml;rsche der rechten, venezolanischen Opposition, Anfang April, sorgt das Land mit den gr&ouml;&szlig;ten Erd&ouml;lvorkommen der Welt seit den Unruhen von 2014 wieder f&uuml;r Schlagzeilen in den internationalen Medien. Doch was kommt von Venezuela &uuml;ber den medialen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38024\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,20,182,183],"tags":[1546,881,282,1795,1544,2007,2071,421,663,1943,451,1333,1552],"class_list":["post-38024","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-medienkritik","tag-ard","tag-armut","tag-buergerproteste","tag-chavez-hugo","tag-kampagnenjournalismus","tag-kirchner-cristina","tag-maduro-nicolas","tag-polizei","tag-putsch","tag-rousseff-dilma","tag-tagesschau","tag-venezuela","tag-wdr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38024"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38024\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38027,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38024\/revisions\/38027"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}