{"id":3804,"date":"2009-03-04T09:11:30","date_gmt":"2009-03-04T08:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3804"},"modified":"2014-01-29T11:50:14","modified_gmt":"2014-01-29T10:50:14","slug":"hochschulzulassung-oder-das-chaos-der-hochschul-autonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3804","title":{"rendered":"Hochschulzulassung oder das Chaos der Hochschul-Autonomie"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge der Einf&uuml;hrung &bdquo;<em>unternehmerischen<\/em>&ldquo; der Hochschulen ist bei der Zulassung zum Studium das Chaos ausgebrochen. Weil die ach so sehr auf ihre Autonomie versessenen Hochschulen &uuml;ber ihre Studierenden selbst ausw&auml;hlen wollen &ndash; und das zu Lasten der Studienanf&auml;nger. Obwohl und fast zwei Drittel der neuen BA\/MA-Studieng&auml;nge zulassungsbeschr&auml;nkt sind, blieb jeder f&uuml;nfte dieser Studienpl&auml;tze frei, weil sich die Hochschulrektoren einem angeblichen &bdquo;<em>Zulassungszentralismus<\/em>&ldquo; verweigern. Dabei st&uuml;nde bei der Zentralstelle f&uuml;r die Vergabe von Studienpl&auml;tzen (ZVS) ein funktionsf&auml;higes Portal auch f&uuml;r dezentrale Bewerbungs- und Zulassungsverfahren zur Verf&uuml;gung. Doch bei den sich als &bdquo;<em>Vorstandsvorsitzende<\/em>&ldquo; aufspielenden Hochschulrektoren hat die Wettbewerbsideologie die Funktion des Verstandes &uuml;bernommen. Durch unausgesch&ouml;pften Kapazit&auml;ten werden nicht nur Steuergelder vergeudet, sondern es werden tausende von studierwilligen jungen Menschen, die keinen Studienplatz bekommen, entt&auml;uscht und entmutigt. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Mit der Einf&uuml;hrung der Auswahl von Studienanf&auml;ngern durch die Hochschulen und vor allem nach der Abschaffung des zentralen Vergabeverfahrens auf Druck der Hochschulrektorenkonferenz sind in den letzten Jahren tausende von Studienpl&auml;tzen unbesetzt geblieben. Im &bdquo;<em>Wettbewerb um die besten K&ouml;pfe<\/em>&ldquo; dr&auml;ngten die Hochschulen darauf, ihre Studierenden selbst ausw&auml;hlen zu d&uuml;rfen. <\/p><p>Seit dem <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/de\/2570.php\">Wintersemester 2005\/2006<\/a> vergibt die ZVS nur noch 20 Prozent der Studienpl&auml;tze nach der Abiturnote (das ist die sog. &bdquo;Turboquote&ldquo; der besten der Besten). Weitere 20 Prozent werden nach Wartezeiten der Bewerber vergeben. Die restlichen 60 Prozent wollten die Hochschulen selbst ausw&auml;hlen. Das f&uuml;hrte zu einem kolossalen Bewerbungsdurcheinander. <\/p><p>Ein gr&ouml;&szlig;er werdender Teil der rund 300.000 Studienbewerber musste von da an das Studienangebot unter knapp 9.000 grundst&auml;ndigen Studieng&auml;ngen an 345 Hochschulen ausw&auml;hlen und sich direkt an den Hochschulen bewerben. Um die Chancen auf einen Studienplatz zu optimieren, war es f&uuml;r die Studienbewerber nur rational, sich an einer Vielzahl von Hochschulen zu bewerben. D.h. mehrere Hochschulen bekommen von ein und demselben Studienanf&auml;nger Bewerbungen. In vielen F&auml;llen erhielten die Bewerber gleich mehrere Zusagen und haben logischerweise nur ein Angebot annehmen k&ouml;nnen. Im Prinzip m&uuml;ssten die Hochschulen, deren Angebot nicht angenommen wurde, dann in einem Nachr&uuml;ckverfahren andere Bewerber aufnehmen. Doch da war mangels eines Datenabgleichs das Chaos programmiert. Viele Studienbewerber benachrichtigten die Hochschulen, deren Angebot sie ausgeschlagen haben, nicht. Auch unter den Hochschulen fand kein Datenaustausch statt. Jedenfalls fehlt ein geregeltes Verfahren.<\/p><p>Nach einer Umfrage des <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/tausende-studienplaetze-frei;2182730\">Handelsblatts<\/a> Blieben z.B. an der Goethe-Universit&auml;t Frankfurt im Wintersemester 807 Pl&auml;tze in zulassungsbeschr&auml;nkten F&auml;chern unbesetzt &ndash; das waren rund 19 Prozent ihrer Kapazit&auml;t. Sogar mehr als 30 Prozent blieben z.B. in den F&auml;chern Wirtschaftsp&auml;dagogik oder Biologie unbesetzt.<\/p><p>An der TU Dresden sind die Erstsemesterpl&auml;tze lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. <\/p><blockquote><p>An der Elite-Uni FU Berlin und an der Universit&auml;t Duisburg-Essen blieben im Winter f&uuml;nf Prozent der an beiden Universit&auml;ten zusammen insgesamt fast 8&nbsp;000 Erstsemester-Studienpl&auml;tze unausgelastet, weil zu viele Bewerber letztlich doch anderswo hin gingen und die Zulassungsbeschr&auml;nkungen offensichtlich zu hoch angesetzt waren<\/p><\/blockquote><p>berichtet das Handelsblatt.<\/p><p>&Auml;hnliches d&uuml;rfte auf zahllose andere Hochschulen zutreffen.<\/p><p>Als die Misere allm&auml;hlich offenbar wurde, schlossen sich einzelne Hochschulen sich zu einem Datenabgleich zusammen, doch das f&uuml;hrte allenfalls zu einem Flickenteppich der Zulassungsverfahren. Bis heute fehlt ein bundesweiter Datenabgleich. Und das Durcheinander wird auch auf absehbare Zeit so bleiben.<\/p><p>Zwar trafen sich gestern die Rektoren der Universit&auml;ten und Fachhochschulen und L&auml;ndervertreter bei Bundesbildungsministerin Schavan. Sie verk&uuml;ndete im Anschluss an das Treffen entscheidende <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/press\/2480.php\">Verbesserungen beim Zulassungsverfahren<\/a>. <\/p><p>Zun&auml;chst soll es bis zum Wintersemester 2009\/2010 ein &bdquo;<em><a href=\"http:\/\/www.hrk.de\/de\/presse\/95_4798.php\">&Uuml;bergangsverfahren<\/a><\/em>&ldquo; geben. Diese besteht darin, dass m&ouml;glichst (?) alle Hochschulen einen einheitlichen Bewerbungsschluss auf den 15. Juli festlegen und Mitte August die Zulassungsbescheide erteilen. Die danach noch freien Studienpl&auml;tze sollen in den ersten Septembertagen &uuml;ber das Internet in einer &bdquo;<em>B&ouml;rse<\/em>&ldquo; bekannt gegeben werden. Darauf k&ouml;nnen sich die Studierenden, die bis dato leer ausgegangen sind, erneut unmittelbar bei den Hochschulen mit frei gebliebenen Studienpl&auml;tzen bewerben. Ob die Hochschulen bei diesem &bdquo;<em>&Uuml;bergangsverfahren<\/em>&ldquo; mitmachen, steht in ihrem Belieben. Letztlich wird jedoch mit dieser &Uuml;bergangsl&ouml;sung dem Durcheinander nicht abgeholfen, denn auch in dieser zweiten Stufe <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/Studieren\/art-861-bewerbungsverfahren-2011.php\">d&uuml;rften sich viele Studienbewerber sinnvollerweise wiederum an mehreren Hochschulen bewerben<\/a>. Es drohen also weitere Bewerbungsrunden, die bis in das schon begonnene Semester hineinreichen oder es bleiben &ndash; wie bisher &ndash; Studienkapazit&auml;ten ungenutzt.<\/p><p>Ein endg&uuml;ltiges System soll zum Wintersemester 2010\/2011 starten. Das &bdquo;<em>kann erreicht werden, wenn sich m&ouml;glichst alle Hochschulen daran beteiligen<\/em>&ldquo;, schreibt die Bildungsministerin. Denn zu entscheiden hat sie nach der Dezentralisierung der Hochschulzust&auml;ndigkeit im Zuge der F&ouml;deralismusreform und nach der &bdquo;Befreiung&ldquo; der Hochschulen vom Staat nichts mehr. <\/p><p>Genauer m&uuml;sste man allerdings sagen: Schavan will gar nichts zu sagen haben. Sie k&ouml;nnte die Kompetenz zur Regelung einer einheitlichen Hochschulzulassung an sich ziehen, wenn Sie nur wollte. Aber auch sie opfert eine vern&uuml;nftige und sachliche L&ouml;sung f&uuml;r den Hochschulzugang dem neuen Fetisch der Hochschulfreiheit.<\/p><p>Dabei st&uuml;nde ein (jedenfalls weitgehend) funktionsf&auml;higes dezentralisiertes Vergabeverfahren durch die ZVS zur Verf&uuml;gung. Die RWTH Aachen hat das Angebot der Service-ZVS zum Wintersemester 2007\/08 f&uuml;r drei F&auml;cher getestet. Au&szlig;er ihr taten das drei weitere Unis sowie acht Fachhochschulen in Nordrhein Westfalen. Ergebnis: Der ZVS wurde gute Arbeit bescheinigt. Das kapazit&auml;tsorientierte Verfahren der ZVS wird jedoch durch die Hochschulrektoren schon seit l&auml;ngerer Zeit und zuletzt im Dezember 2008 durch st&auml;ndig neue Anforderungen torpediert und als zu zentralistisch verdammt. <\/p><p>Die HRK hat sich nun f&uuml;r ihr &bdquo;<em>dialogorientiertes<\/em>&ldquo; hochschuleigenes Auswahlverfahren von der Fraunhofer Gesellschaft ein &bdquo;<em>Lastenheft<\/em>&ldquo; f&uuml;r ein &bdquo;<em>Serviceverfahren<\/em>&ldquo; erstellen lassen.<\/p><p>Die Bewerbung soll danach online direkt bei den Hochschulen erfolgen. Die Hochschulen melden die Bewerber an eine zentrale Stelle. Nimmt ein Bewerber innerhalb des Hauptverfahrens einen angebotenen Studienplatz an, werden seine Bewerbungen auf andere Studieng&auml;nge\/Hochschulen automatisch entfernt, dadurch bekommen evt. andere Bewerber Zugriff auf angebotene Studienpl&auml;tze. Aber auch dieses Verfahren d&uuml;rfte weitere Bewerbungsrunden n&ouml;tig machen.<\/p><p>Die erforderliche Software zur Realisierung dieses von den Rektoren erw&uuml;nschten &bdquo;<em>dialogorientierten Serviceverfahren<\/em>&ldquo; muss jedoch erst noch entwickelt und der Auftrag muss europaweit ausgeschrieben werden. Das kostet viel Zeit und auch zus&auml;tzlich (vermutlich viel) Geld. Ob dieses Verfahren dann in der kurzen Zeit bis zum Wintersemester 2010\/2011 funktioniert, muss man nach aller Erfahrung ernsthaft in Frage stellen.<\/p><p>Doch selbst, wenn das Serviceverfahren funktionierte und wenn damit mehr Pl&auml;tze und das auch schneller vergeben werden k&ouml;nnten, so steht es in der ersten Runde seiner Erprobung vor einer bisher nicht gekannten Herausforderung: Durch den &Uuml;bergang auf das Abitur nach 8 Jahren (G 8) werden sich im Wintersemester 2010\/2011 zwei Abiturientenjahrg&auml;nge an den Hochschulen bewerben. Bei viel zu geringen Mitteln f&uuml;r die Erweiterung der Hochschulkapazit&auml;ten im Rahmen des sog. Hochschulpakts und bei den zunehmenden &ouml;rtlichen Hochschulzulassungsbeschr&auml;nkungen l&auml;sst sich jetzt schon sicher voraussagen, dass auf jeden Fall die Zahl der abgelehnten Bewerbern drastisch steigen wird. Wenn dann noch das nicht erprobte Verfahren technische Probleme macht, dann ist das Chaos perfekt.<\/p><p>Die Vergabe der Studienpl&auml;tze durch die ZVS hat seit Anfang der 80er Jahren weitgehend reibungslos funktioniert. Die Hochschulkapazit&auml;ten konnten optimal genutzt werden und das Verfahren war f&uuml;r die Studierenden transparent und verl&auml;sslich. Es gab im Gegensatz zu den Auswahlverfahren der Hochschulen kaum jemals einen Rechtsstreit, den die ZVS verloren h&auml;tte. <\/p><p>Die Vergabe nach den Abiturnoten war zwar immer umstritten, doch bis jetzt hat sich noch kein anderes Kriterium als prognosesicherer erwiesen. Eine Zeit lang wurde mit viel Geld f&uuml;r die besonders nachgefragten Medizinstudienpl&auml;tze ein sog &bdquo;<em>Medizinertest<\/em>&ldquo; durchgef&uuml;hrt. Als sich herausstellte, dass die Prognose aufgrund dieses Testes &uuml;ber den erfolgreichen Abschluss eines Medizinstudiums nicht treffsicherer war als die Abiturnote, wurde der Medizinertest wieder abgeschafft.<\/p><p>Die ZVS wurde viel geschm&auml;ht, weil sie angesichts des zunehmenden numerus clausus nat&uuml;rlich nicht jeden Studienwunsch erf&uuml;llen und schon gar nicht immer den gew&uuml;nschten Studienort anbieten konnte. Dabei wurde die ZVS in Wahrheit nur zum S&uuml;ndenbock f&uuml;r den mangelnden Ausbau der Hochschulen durch die L&auml;nder und den Bund gemacht. <\/p><p>Mit der ideologischen Wende vom <a href=\"?p=267\">kooperativen F&ouml;deralismus zum Wettbewerbsf&ouml;deralismus<\/a> wurden wichtige Kompetenzen f&uuml;r die Hochschulgesetzgebung vom Bund auf die L&auml;nder verlagert. Der Kleinstaaterei in der Hochschulpolitik war die &bdquo;<em>Zentral<\/em>&ldquo;-Stelle f&uuml;r die Studienplatzvergabe ein Dorn im Auge. Hinzu kam noch, dass die nunmehr f&uuml;r die Hochschulen weitgehend allein zust&auml;ndigen L&auml;nder die in der letzten Dekade vorherrschende Wettbewerbsideologie auch noch auf die Hochschulen ausdehnten. Die Hochschulen wurden aus der staatlichen Verantwortung &bdquo;<em>entlassen<\/em>&ldquo; und zu &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschulen umgewandelt, die <a href=\"?p=2405\">vom Wettbewerb um Studiengeb&uuml;hren und um Drittmittel gesteuert werden sollen<\/a>. Die Hochschulrektoren spielen sich seither auf wie Duodezf&uuml;rsten und verteidigen, wie das Chaos bei der Hochschulzulassung beweist, mit aller Macht ihre winzigen &bdquo;<em>F&uuml;rstent&uuml;mer<\/em>&ldquo; gegen alle Vernunft und gegen staatliche Regelungen wie etwa f&uuml;r ein einheitliches Hochschulzulassungsverfahren. <\/p><p>Einer weit verbreitete Stimmung unter den unter der <a href=\"?p=3514\">&Uuml;berlast<\/a> tats&auml;chlich leidenden Hochschullehrern &uuml;ber die angeblich &bdquo;mangelnde Studierf&auml;higkeit&ldquo; vieler Abiturienten folgend, dr&auml;ngten die Hochschulen darauf nicht nur &uuml;ber die <a href=\"?p=2731\">Zahl der Studienpl&auml;tze an ihren Hochschulen selbst entscheiden zu k&ouml;nnen<\/a>, sondern auch &bdquo;die besten K&ouml;pfe&ldquo; unter den Studierwilligen <a href=\"?p=2731\">selbst ausw&auml;hlen zu k&ouml;nnen<\/a>. <\/p><p>Letzteres haben sie inzwischen bis zu 60 Prozent durchgesetzt. Das Prinzip der Verteilung von Studienpl&auml;tzen wurde <a href=\"\/?p=3017\">vom Prinzip der Selektion der Studierenden<\/a> abgel&ouml;st. <\/p><p>Einmal davon abgesehen, dass viele Hochschulen gar nicht den Aufwand f&uuml;r vern&uuml;nftige Auswahlverfahren betreiben k&ouml;nnen und wollen, sind viele der eingef&uuml;hrten Verfahren teuer und teilweise v&ouml;llig willk&uuml;rlich. Ziemlich viele Auswahlverfahren d&uuml;rften bis heute nicht gerichtsfest sein. Aber mit dieser &ndash; im Wortsinne &ndash; Flickschusterei bei der Hochschulauswahl entstand das oben beschriebene Chaos bei der Hochschulzulassung zwischen den Hochschulen. <\/p><p>Angesichts der &Uuml;berf&uuml;llung der Hochschulen durch die &Uuml;bernachfrage nach Studienpl&auml;tzen ist es nur nat&uuml;rlich, dass die Hochschullehrer kein &uuml;bertriebenes Interesse daran haben, dass ihre (noch staatlich regulierten) Kapazit&auml;ten voll ausgelastet werden. <\/p><p>Die jungen Studienbewerber, die vor der T&uuml;r bleiben m&uuml;ssen, haben aber leider keine Lobby. Die Frage ist nur, ob diese Blockadehaltung der Hochschulen von den Steuerzahlern und vor allem von den Studierwilligen und ihren Eltern auf Dauer hingenommen wird. Es ist ein Trauerspiel mitzuerleben, wie viele junge Menschen, die eine hohe Motivation f&uuml;r ein Studium haben, in lange Warteschleifen gedr&auml;ngt werden und gleichzeitig die vorhandenen Kapazit&auml;ten nicht ausgesch&ouml;pft werden. Und es ist ein Drama f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Entwicklung unserer Gesellschaft und des wirtschaftlichen Erfolges unseres Landes, dass viele Studierwillige keinen Studienplatz bekommen, weil Ihnen eine v&ouml;llig falsch verstandene Wettbewerbsideologie den Weg dahin verbaut.<\/p><p><strong>Auch an der TU Dresden sind die Erstsemesterpl&auml;tze lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. Fast 500 Pl&auml;tze blieben ungenutzt.<\/strong><\/p><p>news.de: <a href=\"http:\/\/www.news.de\/gesellschaft\/1216783464288\/jeder-fuenfte-studienplatz-unbesetzt.html\">&ldquo;Jeder f&uuml;nfte Studienplatz unbesetzt&rdquo;<\/a><br>\nnews.de: <a href=\"http:\/\/www.news.de\/gesellschaft\/1216783581970\/kompromiss-im-zulassungstreit.html\">&ldquo;Kompromiss im Zulassungsstreit&rdquo;<\/a><br>\nNibelungen-Kurrier: <a href=\"http:\/\/www.nibelungen-kurier.de\/?t=news&amp;s=Aus%20aller%20Welt&amp;ID=17634\">&ldquo;Studienplatzvergabe wird ab Wintersemester 2009\/2010 einheitlich&rdquo;<\/a><br>\nNDR Online: <a href=\"http:\/\/www1.ndr.de\/nachrichten\/studenten104.html\">&ldquo;Der Wirrwarr um Studienpl&auml;tze&rdquo;<\/a><\/p><p>ede Hochschule f&uuml;hrt f&uuml;r jede Bewerbung ein vollst&auml;ndiges Zulassungsverfahren durch, sodann f&uuml;r jede nicht angenommene Zulassung ein bis vier Nachr&uuml;ck- und schlie&szlig;lich noch ein Losverfahren. Zu den absurden Konsequenzen des monatelangen Hindernislaufes geh&ouml;rt, dass manche Studenten erst so sp&auml;t im laufenden Semester nachr&uuml;cken k&ouml;nnen, dass sie es abschreiben m&uuml;ssen. Und am Ende bleiben bis zu 20 Prozent der Pl&auml;tze unbesetzt, also blockiert.<\/p><p>Das Ganze schreit nach einer Institution, die dieses Verfahren zentral steuert. Die g&auml;be es auch, in Gestalt der ZVS. Die lange verschriene ehemalige Beh&ouml;rde in Dortmund f&uuml;r die Vergabe von allen Studieng&auml;ngen mit bundesweiter Zulassungsbeschr&auml;nkung ist seit dem vergangenen Jahr umgewandelt in eine Servicestelle, die Hochschulen f&uuml;r ihre Studienplatzvergabe gegen Entgelt nutzen k&ouml;nnen. Verpflichtend ist der Weg &uuml;ber die ZVS nur noch in Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie.<\/p><p>Die RWTH hat das Angebot der Service-ZVS zum Wintersemester 2007\/08 f&uuml;r drei F&auml;cher getestet. Au&szlig;er ihr taten das drei weitere Unis sowie acht Fachhochschulen in Nordrhein Westfalen. Ergebnis: Der ZVS wurde gute Arbeit bescheinigt. Doch da nur die paar Hochschulen mitmachten, waren der Aufwand f&uuml;r diese und das Chaos f&uuml;r alle Beteiligten letztlich nicht geringer. &laquo;<em>Das war ein Schlag ins Kontor<\/em>&raquo;, sagt der Leiter des Studierendensekretariats der RWTH Aachen, Kurt Kinny. <\/p><p>Das offenkundige Problem ist die Freiwiligkeit, an zentralen Vergabeverfahren teilzunehmen. Die ist politisch gewollt. W&auml;hrend die SPD ein Bundesgesetz zur Hochschulzulassung fordert, wollen die L&auml;nderbildungspolitiker das mehrheitlich nicht. NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) setzt ausdr&uuml;cklich darauf, dass sich &laquo;gute Sachen von alleine durchsetzen&raquo;. Das Ministerium lockt sogar mit einer &Uuml;bernahme der ZVS-Kosten.<\/p><p>Dazu m&uuml;ssten aber eben alle Hochschulen &ndash; und das bundesweit &ndash; mitspielen. Nach aller langj&auml;hrigen Erfahrung Kinnys ist solche Selbstverpflichtung unter ja auch noch zunehmend konkurrierenden Hochschulen eine Illusion: &laquo;<em>Ich halte nichts von Freiwilligkeit. Das muss eine Verpflichtung sein, sonst klappt das nicht<\/em>.&raquo;<\/p><p>&laquo;<em>Wir haben keine Zeit mehr f&uuml;r Fehler, Experimente und Kompromisse<\/em>&raquo;, mahnt der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, auch mit Blick auf die 300 000 zus&auml;tzlichen Studienanf&auml;nger j&auml;hrlich, die von 2011 bis 2015 zu verteilen sind. Der Aachener Zulassungs-Experte Kurt Kinny wird es vermutlich als Fehler einstufen, wenn in Berlin heute Freiwilligkeit beschlossen wird.<\/p><p><strong>&ldquo;Kleinstaaterei&ldquo; statt Chancengleichheit<\/strong><\/p><p>Erkan Ertan, ebenfalls Mitglied des Bundesvorstands der Juso-Hochschulgruppen, sieht in dem augenblicklichen Chaos der Studienplatzvergabe das Ende des verfassungsrechtlichen Anspruches auf einen Studienplatz: &bdquo;<em>Von freier Studienplatzwahl kann keine Rede sein, mit Chancengleichheit hat das nichts zu tun<\/em>&ldquo;. Das Hauptproblem bestehe darin, dass mittlerweile 60 Prozent der Studienpl&auml;tze autonom durch die Hochschulen selber vergeben werden. Die Studieninteressierten m&uuml;ssen sich deshalb mehrfach bewerben. Hinzu kommen die unterschiedlichen Bewerbungsfristen der Hochschulen. Die Leittragenden dieser &bdquo;<em>Kleinstaaterei<\/em>&ldquo; seien die Studieninteressierten. Das Ziel der Juso-Hochschulgruppe ist eine transparente und zentrale Vergabe von Studienpl&auml;tzen. Die praktikabelste L&ouml;sung daf&uuml;r bleibe die ZVS, die zu &bdquo;<em>einer Serviceeinrichtung f&uuml;r Studieninteressierte<\/em>&ldquo; umgebaut werden solle. <\/p><p>Bildungsministerin Schavan plant eine andere L&ouml;sung: Zum Wintersemester 2010\/2011 soll ein Computersystem, das Software-Fachleute des Fraunhofer-Instituts entwickeln, per Datenabgleich Doppel-Einschreibungen unterbinden. Zurzeit werden nach Sch&auml;tzungen der Hochschulrektorenkonferenz 20 Prozent der Studienpl&auml;tze der begehrten NC-F&auml;cher nicht besetzt, weil Studieninteressierte sich mehrfach bewerben und einschreiben. Die Juso-Hochschulgruppen sehen noch ein weiteres ungel&ouml;stes Problem: Zu wenig Studienpl&auml;tze. &bdquo;<em>Mit dieser Anzahl von Studienpl&auml;tze kann das Problem nicht gel&ouml;st werden<\/em>&ldquo;, so Ertan. Die Bem&uuml;hungen der Bundesbildungsministerin seien eindeutig gescheitert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge der Einf&uuml;hrung &bdquo;<em>unternehmerischen<\/em>&ldquo; der Hochschulen ist bei der Zulassung zum Studium das Chaos ausgebrochen. Weil die ach so sehr auf ihre Autonomie versessenen Hochschulen &uuml;ber ihre Studierenden selbst ausw&auml;hlen wollen &ndash; und das zu Lasten der Studienanf&auml;nger. Obwohl und fast zwei Drittel der neuen BA\/MA-Studieng&auml;nge zulassungsbeschr&auml;nkt sind, blieb jeder f&uuml;nfte dieser Studienpl&auml;tze frei,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3804\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[235,236,321,621,234,565],"class_list":["post-3804","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-drittmittel","tag-hrk","tag-schavan-annette","tag-studienanfaenger","tag-studiengebuehren","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3804"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3804\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20483,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3804\/revisions\/20483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}