{"id":3814,"date":"2009-03-09T09:15:05","date_gmt":"2009-03-09T08:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3814"},"modified":"2014-01-29T11:46:25","modified_gmt":"2014-01-29T10:46:25","slug":"koalitionsplanungen-zeichnen-sich-ab-spitzenkandidaten-der-gruenen-favorisieren-eine-koalition-mit-der-fdp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3814","title":{"rendered":"Koalitionsplanungen zeichnen sich ab &#8211; Spitzenkandidaten der Gr\u00fcnen favorisieren eine Koalition mit der FDP."},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Freitag ereignete sich einiges, was von Bedeutung f&uuml;r die kommende Wahlauseinandersetzung und dann f&uuml;r die Koalitionsbildung sein wird. Da unter unseren Leserinnen und Lesern vermutlich viele mit Kontakten zu Sympathisanten und Mitgliedern von Gr&uuml;nen und SPD sind, regen wir an, mit diesen zu sprechen. Denn was sich hier abzeichnet, ist erstaunlich und l&auml;sst wieder einmal bef&uuml;rchten, dass es mit der bisherigen, neoliberal eingef&auml;rbten Politik weitergeht. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDer Reihe nach einige Informationen, Fragen und Kommentare:<\/p><p>Am vergangenen Freitag, am 6. M&auml;rz, erschien in der S&uuml;ddeutschen Zeitung ein Interview mit J&uuml;rgen Trittin, einem der Spitzenkandidaten der Gr&uuml;nen. Das Interview wurde mit der Bemerkung eingeleitet, die beiden Spitzenkandidaten Renate K&uuml;hnast und J&uuml;rgen Trittin trommelten f&uuml;r eine Ampel aus SPD, FDP und Gr&uuml;nen. J&uuml;rgen Trittin h&auml;lt das f&uuml;r die einzig m&ouml;gliche Option, um die gro&szlig;e Koalition zu beenden. In einem Interview mit ZDF\/ARD am gleichen Morgen meinte er zur Beteiligung einer Koalition mit der Linken, die Option Rot-Rot-Gr&uuml;n liege nicht auf dem Tisch. Damit ist klar, dass auch die Spitzenkandidaten der Gr&uuml;nen f&uuml;r die Ausgrenzung von zurzeit mindestens 10 % der W&auml;hler eintreten und das Projekt einer leicht linken Mehrheit aufgegeben haben. Damit zeichnet sich ab, das sich inhaltlich keine entscheidende &Auml;nderung der Politik ergeben wird.<\/p><p>Bemerkenswert sind die &Auml;u&szlig;erungen und Erwartungen von Trittin gegen&uuml;ber der FDP. In der Morgensendung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehens des 6.3.2009 um ca. 8 Uhr meinte er, die FDP w&uuml;rde eine Verstaatlichung von Banken mitmachen. Das ist eine erstaunliche Erwartung, die eindeutig kontrastiert zum Auftritt der beiden FDP-Repr&auml;sentanten Solms und Br&uuml;derle am gleichen Vormittag im Deutschen Bundestag. Dort stand die erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes zur weiteren Stabilisierung des Finanzmarktes (Finanzmarktstabilisierungserg&auml;nzungsgesetz &ndash; FMStErgG) Drucksache 16\/12100 an. Hier der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/121\/1612100.pdf\">Beratungs-Gegenstand [PDF &ndash; 155 KB]<\/a> und das <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/bic\/plenarprotokolle\/plenarprotokolle\/16209.html\">Bundestagsprotokoll<\/a>.<br>\nEs geht bei diesem Gesetz um die M&ouml;glichkeit der Enteignung, konkret vor allem um die Hypo Real Estate und darum, wie man zum Beispiel den mit rund 25 % beteiligten Amerikaner Flower zur &Uuml;bergabe seines Aktienpaketes bringen k&ouml;nnte. <\/p><p>Nach den Reden von Hermann Otto Solms und Rainer Br&uuml;derle (beide FDP) meinte Alexander Bonde, B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen: &ldquo;Nach den heutigen Reden habe ich den Eindruck, dass FDP die Abk&uuml;rzung f&uuml;r Flowers Deutsche Pudel ist.&rdquo;<\/p><p>Der Gr&uuml;nen-Abgeordnete beschreibt damit treffend, was von der FDP zu halten ist. Sie findet es richtig, dass wir Steuerzahler zum Beispiel im konkreten Fall um rund hundert Milliarden enteignet werden, das aber der Gro&szlig;aktion&auml;r Flower, dessen Aktien trotz Steuerzahlerst&uuml;tzung gerade noch 25% von rund 180 Millionen wert sind, nicht enteignet werden darf und uns weiter erpressen darf.<\/p><p>Wie die Gr&uuml;nen mit dieser Partei eine neue Politik einleiten wollen und von der Linie wegkommen wollen, die heute von der Gro&szlig;en Koalition getragen wird, erschlie&szlig;t sich mir nicht.<\/p><p><strong>Die Gr&uuml;nen merken offenbar zudem nicht oder es ist ihnen gleichg&uuml;ltig, dass sie mit ihren Avancen an die FDP deren W&auml;hlerpotenzial f&ouml;rdern.<\/strong><br>\nWer auch beim politischen Gegner begehrt ist, steigt im Ansehen. Das erkl&auml;rt ein bisschen das f&uuml;r jeden vernunftbegabten Menschen nicht mehr zu verstehende hohe W&auml;hlerpotenzial der FDP.<\/p><p>Auch J&uuml;rgen Trittin hat in der Debatte im Deutschen Bundestag &uuml;brigens die stigmatisierenden Stichworte gegen die Linkspartei bedient: Sie bedienen &bdquo;schlechten Populismus&ldquo;. Trittin wandte sich damit gegen Lafontaines Anmerkungen zu den finanziellen Leistungen der Finanzindustrie f&uuml;r CDU, CSU, SPD, FDP und Gr&uuml;ne. &Uuml;ber politische Korruption darf man offenbar auch nach Meinung des Spitzenkandidaten der Gr&uuml;nen nicht mehr sprechen. <\/p><p>Die Mithilfe bei der Stigmatisierung ist besonders beachtlich angesichts der eigenen Geschichte der Gr&uuml;nen. Sie haben unter einer &auml;hnlichen Stigmatisierung in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelitten. Und auch damals wurde die Option f&uuml;r eine Koalition links der rechtskonservativen Mehrheit aus Union und FDP ausgeschlossen. Wenn man diese Methoden bei der eigenen Partei erlebt hat, sollte man eigentlich andere Konsequenzen daraus ziehen.<\/p><p>Wir haben es also insgesamt mit der Konstellation zu tun, dass die Linkspartei aus der politischen Koalitionsm&ouml;glichkeit ausgeschlossen wird &ndash; bei CDU, CSU, SPD und FDP sowieso &ndash; jetzt auch bei den Gr&uuml;nen. <\/p><p><strong>F&uuml;r Koalitionen kommt es offenbar nach Meinung der Spitzengr&uuml;nen nicht auf m&ouml;glichst gro&szlig;e Schnittmengen sondern auf Erg&auml;nzungen an<\/strong><\/p><p>Eine Einlassung von J&uuml;rgen Trittin in der erw&auml;hnten Fernsehsendung am Morgen des 6. M&auml;rz fiel mir auf, weil sie besonders eigenartig ist und sie uns bei der Vorbereitung der schwarz-gr&uuml;nen Koalition in Hamburg auch schon begegnet ist: Die Koalitionsm&ouml;glichkeit mit der FDP trotz gravierender inhaltlicher Unterschiede l&auml;sst man auch dadurch als schl&uuml;ssig erscheinen, dass man behauptet, es sei bei Koalitionen nicht n&ouml;tig, dass es m&ouml;glichst viele Schnittmengen programmatischer Art gibt. Jetzt wird von gr&uuml;ner Seite aus (wie im Falle von Schwarz-Gr&uuml;n auch von Seiten von Vertretern der Union und der Wissenschaft) behauptet, potentielle Koalitionsparteien w&uuml;rden sich gut &bdquo;erg&auml;nzen&ldquo; m&uuml;ssen. <\/p><p>Das ist ein wirklich abwegiges Argument. Wie will man sich mit von gro&szlig;en Interessen bestimmten und zugleich von Ideologien gekennzeichneten Vorstellungen eines FDP Politikers Solms und Br&uuml;derle erg&auml;nzen? Wie will man die notwendige Kurskorrektur zur Agendapolitik, wie will man die notwendige Neuordnung des Bankenwesens hinbekommen, wenn die Vorstellungen der Partner sich grundlegend unterscheiden? Wie will man sich von den Grundforderungen der neoliberalen Bewegung (Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung) verabschieden, wenn der kommende Partner genau dies nicht will, sozusagen &bdquo;erg&auml;nzend&ldquo;? Solche Unterschiede sind doch keine produktiven Erg&auml;nzungen. Diesen Eindruck vermitteln aber Personen wie Trittin.<\/p><p>Die Debatte vom vergangenen Freitag war im &uuml;brigen auch in vielerlei anderer Hinsicht interessant. Wenn Sie die Zeit aufbringen k&ouml;nnen, dann sollten sie den Text &uuml;berfliegen und in Teilen lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Freitag ereignete sich einiges, was von Bedeutung f&uuml;r die kommende Wahlauseinandersetzung und dann f&uuml;r die Koalitionsbildung sein wird. Da unter unseren Leserinnen und Lesern vermutlich viele mit Kontakten zu Sympathisanten und Mitgliedern von Gr&uuml;nen und SPD sind, regen wir an, mit diesen zu sprechen. Denn was sich hier abzeichnet, ist erstaunlich und l&auml;sst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3814\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[193,194,190],"tags":[246,624],"class_list":["post-3814","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fdp","category-gruene","category-wahlen","tag-linke-mehrheit","tag-trittin-juergen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3814"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20478,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3814\/revisions\/20478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}