{"id":38162,"date":"2017-05-06T11:00:28","date_gmt":"2017-05-06T09:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38162"},"modified":"2018-12-30T18:43:04","modified_gmt":"2018-12-30T17:43:04","slug":"showdown-in-curitiba-haarstraeubendster-politischer-prozess-brasiliens-aller-zeiten-gegen-altpraesident-lula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38162","title":{"rendered":"Showdown in Curitiba: haarstr\u00e4ubendster politischer Prozess Brasiliens aller Zeiten gegen Altpr\u00e4sident Lula"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Am 3. Mai sollte es im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba, dem Sitz der Kommandozentrale f&uuml;r die Korruptionsermittlungen im halbstaatlichen &Ouml;lkonzern Petrobras, zur seit langem erwarteten Urteilsverk&uuml;ndung des Ermittlungsrichters Sergio Moro gegen Altpr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva kommen.Nachdem die Polizei jedoch einen Ansturm von mindestens 50.000 Demonstranten aus ganz Brasilien, die Belagerung des Gerichts und die Verhinderung einer eventuellen Verhaftung Lulas bef&uuml;rchtete, vertagte der Richter in erster Instanz die Sitzung auf den noch zu best&auml;tigenden 10. Mai. Getreu seinen im In- und Ausland kritisierten Auftritten, bei denen er regelm&auml;&szlig;ig die Rolle des Ankl&auml;gers und Vorverurteilers mit der des Richters vertauscht, scheute sich Moro nicht, in die Rolle des Polizei-Einsatzleiters zu schl&uuml;pfen und im Vorfeld den Demonstranten mit Verhaftungen zu drohen. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Die Vorw&uuml;rfe gegen Lula<\/strong><\/p><p>Man muss nicht dem ungenierten brasilianischen Brauch zustimmen, von gigantischen Privatunternehmen legale (!) Spenden f&uuml;r politische Institute und Stiftungen anzunehmen, gar zu beantragen, wie es verschiedene Pr&auml;sidenten, inklusive Luis In&aacute;cio Lula da Silva, nach Beendigung ihrer Amtszeit tun. Noch weniger muss man der B&uuml;ndnispolitik des Ex-Pr&auml;sidenten mit durch und durch korrupten und machthungrigen Politikern zustimmen, die die Grundlage seiner <em>Governance<\/em> darstellte, ohne die er niemals regiert h&auml;tte, die ihn jedoch bald verrieten und umsattelten. Doch ist man dazu angehalten, in dem Anklagesturm gegen den brasilianischen Politiker einen pseudo-juristischen Spuk zu erkennen, der offenbar nur ein Ziel verfolgt: Die Kriminalisierung und Aberkennung der politischen Rechte des popul&auml;rsten Politikers Lateinamerikas der vergangenen 20 Jahre.<\/p><p>Insgesamt wurden seit Ende 2015 f&uuml;nf unterschiedliche, doch konfuse Verfahren gegen den zweifachen, ehemaligen brasilianischen Pr&auml;sidenten eingeleitet; drei davon im Rahmen der Korruptionsermittlungen im Fall Petrobras. <\/p><p>Seitdem reden deutsche Leitmedien von &ldquo;Korruptionsverwicklungen Lulas&rdquo;, haben sich jedoch niemals die M&uuml;he gemacht, die Beschuldigungen zu recherchieren und korrekt darzustellen; was die NachDenkSeiten nun hiermit tun.<\/p><p>Zun&auml;chst wurde Lula im Juli 2016 der &ldquo;Justizbehinderung&rdquo; angeklagt. Laut Aussage des ehemaligen, inhaftierten Senators der PT, Delc&iacute;dio do Amaral, soll der Ex-Regierungschef den ebenso inhaftierten, ehemaligen Direktor f&uuml;r Internationale Angelegenheiten von Petrobras, Nestor Cerver&oacute;, dazu gen&ouml;tigt haben, kein Verratsabkommen (im Englischen <em>plea&nbsp;bargaining<\/em> genannt) mit Sergio Moro zur Strafma&szlig;reduzierung zu unterzeichnen, das Lula angeblich belastet h&auml;tte, wof&uuml;r Cerver&oacute; umgerechnet 72.000 Euro erhalten habe. Der Haken bei der Anklage: Cerver&oacute; hat jede N&ouml;tigung Lulas abgestritten, doch umgekehrt hatte Amaral selbstverst&auml;ndlich ein Tauschgesch&auml;ft mit Moro ausgehandelt &ndash; n&auml;mlich eine Belastung Lulas &ndash; und ist seit einem knappen Jahr trotz schwerbelastender Bestechungsklage wieder auf freiem Fu&szlig;.<\/p><p>Ende September 2016 wurde Lula der Besitz eines Luxusappartements im Badeort Guaruj&aacute; und eines Landhauses in Atibaia, im Bundesstaat S&atilde;o Paulo, angelastet. Beides, so die erste Anklageschrift der Staatsanw&auml;lte von &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;, seien Geschenke passiver Korruption zur heimlichen Auftragsbeg&uuml;nstigung des brasilianischen Baukonzerns OAS, dessen Direktoren seit 2016 hinter Gittern sitzen. Lulas Verteidiger lie&szlig;en 72 Zeugen auftreten, keiner best&auml;tigte den Besitz der Immobilien. Anfang vergangenen Aprils widersprach das weltweit renommierte Wirtschaftspr&uuml;fungsb&uuml;ro Ernst &amp; Young den an den Haaren herbeigezogenen, angeblichen Beweisen der Bundesstaatsanwaltschaft und attestierte der Firma OAS die Besitzurkunde beider Immobilien. Nachdem die regionalen Staatsanw&auml;lte S&atilde;o Paulos der Bundes-Staatsanwaltschaft grobe Manipulationsversuche vorgeworfen hatten, wurde das Verfahren Mitte April 2017 eingestellt, doch von Richter Moro wieder aufgerollt.<\/p><p>Im einem am 19. Dezember 2016 eingeleiteten, dritten Verfahren der Bundesstaatsanwaltschaft wird Lula nun passive Korruption gegen&uuml;ber der Firma Odebrecht, dem gr&ouml;&szlig;ten brasilianischen Bauunternehmen, unterstellt. Im Austausch f&uuml;r eine angeblich abgekartete Unterzeichnung von acht Vertr&auml;gen mit Petrobras soll der ehemalige Pr&auml;sident den Gegenwert von ca. 22 Millionen Euro als Bestechungssumme in bar erhalten haben. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b5.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Zu den wunderlichen Unstimmigkeiten der Anklage geh&ouml;rt, erstens, dass Lulas Name in der am 28. M&auml;rz 2016 vom inhaftierten Odebrecht-CEO, Marcelo Odebrecht, heimlich an die Presse geleakten Liste nicht auftaucht. Statt seiner gab Odebrecht die Namen 300 geschmierter Politiker &ndash; darunter der illegitime Pr&auml;sident Michel Temer und 4\/5 seiner Regierungsallianz &ndash; bekannt, weshalb Richter Sergio Moro die Ver&ouml;ffentlichung unter Verbot stellte. Die Liste tauchte erst ein Jahr sp&auml;ter, im April 2017, auf, als Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot endlich Strafverfahren gegen ca. 107 der Aufgelisteten beim Obersten Gerichtshof beantragte, von denen OG-Richter Edson Fachin Klage gegen 8 amtierende Minister, 3 Landesgouverneure, 24 Senatoren und 39 Abgeordnete erhob.<\/p><p>Mehr als hellh&ouml;rig stimmt jedoch der Umstand, dass der Korruptionsvorwurf gegen Lula von Marcelo Odebrecht erhoben, doch wieder als &bdquo;Missverst&auml;ndnis&rdquo; dementiert wurde, und zwar nachdem der seit Ende 2015 Inhaftierte mit Moro ein Strafma&szlig;-Abkommen unterzeichnet hatte und die Tagezeitung <em>Folha de S. Paulo<\/em> ihm die &ldquo;Bekehrung&rdquo; hinter Gittern attestierte (<a href=\"http:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2016\/06\/1783086-em-um-ano-na-prisao-herdeiro-da-odebrecht-passou-por-conversao.shtml\">Em um ano na pris&atilde;o, herdeiro da Odebrecht passou por &lsquo;convers&atilde;o&acute;<\/a>). Die Anschuldigung gilt als M&uuml;ll und entbehrt daher jeder Glaubw&uuml;rdigkeit.<\/p><p>Des Weiteren wird dem Ex-Pr&auml;sidenten w&auml;hrend seiner Amtszeit eine &bdquo;raffinierte, illegale Struktur zum Kauf parlamentarischer Unterst&uuml;tzung mit Verteilung &ouml;ffentlicher &Auml;mter der Bundesverwaltung&rdquo; angelastet. Einen Teil der von Privatfirmen geleisteten Schmiergelder, so Policia Federal und Bundesstaatsanw&auml;lte, habe Lula f&uuml;r den Kauf des Sitzes und den Betrieb seines &ldquo;Instituto Lula&rdquo; und eines Penthouses zum Gesamtwert von umgerechnet 4 Millionen Euro erhalten.<\/p><p>Schlie&szlig;lich werden dem Ex-Staatsoberhaupt noch in zwei Ermittlungsverfahren mit den Codenamen &ldquo;Zelotes&rdquo; und &ldquo;Janus&rdquo; &bdquo;Einflussnahme, Geldw&auml;sche und Bildung einer kriminellen Vereinigung&rdquo; im Wert von etwa 10 Millionen Euro vorgeworfen. Und wieder konnte keiner der vorgeladenen 72 Zeugen auch nur ann&auml;hernd einen einzigen der Anklagepunkte best&auml;tigen.<\/p><p>Sichtlich irritiert berief daher Deltan Dallagnol &ndash; Einsatzgruppenleiter der Bundesstaatsanwaltschaft im &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; &ndash; Mitte September 2016 eine bombastisch angek&uuml;ndigte Pressekonferenz in Curitiba ein. Mit einem willk&uuml;rlichen, doch amateurhaften, von einem Taschencomputer an die Wand projizierten Powerpoint-Diagramm beschuldigte er lauthals Lula als &bdquo;General einer kriminellen Vereinigung&rdquo;. Der mit TV Globo verabredete Coup wurde landesweit als &ldquo;Sonderbericht&rdquo; mit dem Ziel ausgestrahlt, Stimmung unter dem Fernsehvolk f&uuml;r die endg&uuml;ltige Kriminalisierung und Vorverurteilung des Politikers zu erzeugen. <\/p><p>Doch als nun die Fragen der Reporter nach den Beweisen erklangen, redete sich Dallagnol mit dem Satz heraus, &bdquo;alle Fakten und Beweise erh&auml;rten unsere <em>&Uuml;berzeugung<\/em>&rdquo;, Sein Kollege Henrique Pozzobon gab jedoch zu, &bdquo;schwarz-auf-wei&szlig; k&ouml;nnen wir <em>nichts beweisen<\/em>&rdquo;. <\/p><p>Die Reaktion in den sozialen Netzwerken war wochenlanger Spott: &ldquo;Elvis Presley ist nicht tot. Er lebt weiter, irgendwo in Lateinamerika. Beweise haben wir zwar nicht, doch wir haben &Uuml;berzeugungen&rdquo;, schrieb jemand auf Twitter mit dem Hashtag #MPF&eacute;Piada (&ldquo;Die Staatsanwaltschaft ist ein Witz&rdquo;).<\/p><p>Doch das wollte der fromme Baptist Dallagnol &ndash; der auch f&uuml;r seine Kirchenpredigten &ldquo;gegen die Korruption&rdquo; und seine Gebete in Knielage l&auml;cherlich gemacht wird &ndash; so nicht stehen lassen und schob hitzk&ouml;pfig hinterher: &bdquo;die Tatsache, dass Lula auf dem Papier nicht der Eigent&uuml;mer des Luxusappartments ist, verschleiert doch nur, dass er die Schmiergelder erhalten habe&rdquo;. <\/p><p>Mit dieser hirnrissigen &ldquo;Logik&rdquo; versucht Dallagnol seit zwei Jahren, die international anerkannte Jurisprudenz auf den Kopf zu stellen und ein Ausnahmerecht zu beanspruchen.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>&bdquo;Mehrere Dutzend Faschisten&rdquo;<\/strong><\/p><p>In einem Text vom 17. September 2016 schrieb der angesehene Jurist Wilson Ramos Filho, Partner in einem der gr&ouml;&szlig;ten Anwaltsb&uuml;ros f&uuml;r Arbeitsrecht im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba, auf seiner Facebook-Seite: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als Reaktion auf einen jener Willk&uuml;rakte des einschl&auml;gigen Bundesrichters, der selbstverst&auml;ndlich aus dem Weg ger&auml;umt sein wird, wenn er nicht mehr n&ouml;tig ist, schrieb ich vor anderthalb Jahren, dass all die, die eine &ouml;ffentliche Ausschreibung [Anm.: f&uuml;r das Amt eines Richters oder Staatsanwalts] bestanden haben, sich davor h&uuml;ten sollten, sich als selbstherrliche, bessere Menschen aufzuf&uuml;hren&hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Mein Kommentar l&ouml;ste einen Skandal in zwei oder drei Berufsverb&auml;nden &ouml;ffentlicher Angestellter aus, die zu den passioniertesten Fans des Richters in schwarzem Hemd geh&ouml;ren. Ein paar Gangster unter den Mitgliedern schworen mir Rache und ewigen Hass.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Im Grunde genommen hatte ich nichts Falsches gesagt, sondern nur mein Unverst&auml;ndnis &uuml;ber die Selbstherrlichkeit einiger unter ihnen zum Ausdruck gebracht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Seitdem haben vielf&auml;ltige Episoden deutlich gemacht, dass es hunderte von Beamten gibt, die mit dem autorit&auml;ren Geist flirten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;In einigen Institutionen d&uuml;rfte man wohl mehrere Dutzend Faschisten z&auml;hlen, die tats&auml;chlich glauben, dass das Bestehen einer &ouml;ffentlichen Ausschreibung eine besondere Leistung ist, die sie zum Begehen hirnrissigen Bl&ouml;dsinns im Namen ihrer &Uuml;berzeugungen bef&auml;higt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Das j&uuml;ngste Spektakel [Anm.: gemeint ist Dallagnols Powerpoint-Pressekonferenz) belegt vielf&auml;ltige Vermutungen, dass nicht nur Theatralisierung und Exzesse oder die Eitelkeit und Selbstherrlichkeit die geistesgest&ouml;rten Medienspektakel [Anm.: der Staatsanw&auml;lte] und ihre anschlie&szlig;enden Diskussionsgruppen zum Aufruhr und zur gegenseitigen Beweihr&auml;ucherung in sozialen Netzwerken erkl&auml;ren, sondern dass ihre sogenannte &acute;Ethik der &Uuml;berzeugungen&acute; Hand in Hand geht mit dem Fanatismus gef&auml;hrlicher Geheimb&uuml;nde&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Haarstr&auml;ubende Umtriebe von Polizei und Justiz<\/strong><\/p><p>Polizisten, Staatsanw&auml;lten und dem zust&auml;ndigen Ermittlungsrichter im sogenannten &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; werden vielf&auml;ltige, unsaubere Ermittlungsmethoden, rechtswidrige Handlungen und politische Befangenheit nachgewiesen. Ihre Entlassung, nicht nur aus der &ldquo;Causa Lula&rdquo;, sondern aus zahlreichen anderen Verfahren, wird gefordert.<\/p><p>Als Beispiel f&uuml;r die freche, doch straflose politische Agitation, die Beamte der Bundespolizei (Pol&iacute;cia Federal) seit 2014 gegen die PT, ihren Ehrenvorsitzenden und die abgesetzte Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff betreiben, sei der j&uuml;ngste &ldquo;Tipp&rdquo; von Kommissar Igor Rom&aacute;rio de Paula genannt, der am 27. Januar 2017 im Nachrichtenportal UOL provozierte, &bdquo;das Timing f&uuml;r die Verhaftung des Ex-Pr&auml;sidenten Lula kann in 30 oder 60 Tagen reif sein&rdquo; (<a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/politica\/ultimas-noticias\/2017\/01\/27\/timing-para-prender-lula-pode-surgir-em-30-ou-60-dias-diz-delegado-chefe-da-lava-jato.htm\">&ldquo;Timing para prender Lula pode surgir em 30 ou 60 dias&rdquo;<\/a>).<\/p><p>Notabene: De Paula nannte nicht etwa das Timing f&uuml;r die <em>Vernehmung<\/em> des ehemaligen Staatsoberhaupts, sondern f&uuml;r dessen <em>Verhaftung<\/em>, und statuierte damit dessen Schuld. <\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der Polizist ist Einsatzleiter im &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; und einer der Facebook-Agitatoren gegen Dilma Rousseff w&auml;hrend der Pr&auml;sidentschaftswahlen von 2014. Danilo Mascarenhas Balas, ein Kollege De Paulas, ma&szlig;te sich ebenfalls auf Facebook an, das Konterfei der zur Wiederwahl kandidierenden Pr&auml;sidentin als Zielschiebe eines Schie&szlig;standes mit den Worten zu kommentieren, &bdquo;so macht die &Uuml;bung Spa&szlig;!&rdquo; (siehe Foto). Der Aufruf zum Magnizid wurde mit einer l&auml;cherlichen Dienstsuspendierung von drei Arbeitstagen &ldquo;bestraft&rdquo;. Die politischen &Uuml;bergriffe und systematischen Verletzungen von Dienstvorschriften und der Verfassung ersparten selbst konservativen Medien, wie <em>O Estado de S&atilde;o Paulo<\/em>, nicht die Feststellung, den haneb&uuml;chenen Umtrieben m&uuml;sse das Handwerk gelegt werden (<a href=\"http:\/\/politica.estadao.com.br\/noticias\/geral,delegados-da-lava-jato-exaltam-aecio-e-atacam-pt-na-rede,1591953\">Delegados da Lava Jato exaltam A&eacute;cio e atacam PT na rede<\/a>). Doch &ldquo;Schwamm dr&uuml;ber!&rdquo;, es blieb dabei.<\/p><p><strong><em>Lawfare<\/em> als scheinjuristische Vernichtungswaffe<\/strong><\/p><p>Bei in- und ausl&auml;ndischen Juristen sto&szlig;en die gegen den Ehrenvorsitzenden der Arbeiterpartei (PT) und ehemaligen Pr&auml;sidenten seit anderthalb Jahren laufenden Anklagen auf Kopfsch&uuml;tteln und scharfe Ablehnung.<\/p><p>&ldquo;Unternehmen Waschanlage verletzt die Gesetze mit unzul&auml;ssigen Schuldzuweisungen gegen den ehemaligen Pr&auml;sidenten&rdquo;, <a href=\"http:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2016\/11\/1829175-professor-de-harvard-ve-presuncao-de-culpa-contra-lula-na-lava-jato.shtml\">protestierte der Anthropologe John Comaroff<\/a>, Professor an der Universit&auml;t Harvard, in der <em>Folha de S. Paulo<\/em> vom 11.04.2016.<\/p><p>Als Experte f&uuml;r &bdquo;Lawfare&ldquo; &ndash; Missbrauch und Instrumentalisierung des Rechts gegen politische Feinde &ndash; pl&auml;diert Comaroff f&uuml;r die Abl&ouml;sung von Richter Sergio Moro als dringende Ma&szlig;nahme zur &Uuml;berwindung des unguten Gef&uuml;hls in der &Ouml;ffentlichkeit gegen die erwiesene Parteilichkeit und Voreingenommenheit des Juristen.<\/p><p>&ldquo;Wenn der Richter bewusst private Telefongespr&auml;che leakt (Anm.: gemeint ist das im M&auml;rz 2016 von Moro angeordnete und TV Globo zugespielte Privatgespr&auml;ch zwischen Lula und der damals amtierenden Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff), die eventuell 20 Personen involvieren k&ouml;nnen, handelt es sich einwandfrei um Lawfare wenn Lula dabei ist. Weil es von vornherein klar ist, dass die Medien nicht die 20 anderen, sondern Lula ins Visier nehmen werden&ldquo;, warnt Comaroff. <\/p><p>&Auml;hnlich &auml;u&szlig;ert sich der in London ans&auml;ssige, australische Jurist und internationale Experte in Menschenrechtsfragen, Geoffrey Robertson, in einem Beitrag in der j&uuml;ngsten Ausgabe der in Washington erscheinenden Zeitschrift <em>Foreign Affairs<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/articles\/brazil\/2017-04-19\/case-lula\">The Case for Lula, 19.04.2017<\/a>).<\/p><p>Mit Richter Moro werde Lula kein faires Verfahren haben, warnt Robertson und nennt die Gr&uuml;nde seiner Bef&uuml;rchtungen: &bdquo;Bisher hat die Staatsanwaltschaft keine Beweise f&uuml;r seine angeblichen Verbrechen vorgelegt, sondern aggressive Taktiken wie Telefonleaks mit dem Ziel angewendet, ihn und seine Familie &ouml;ffentlich zu dem&uuml;tigen&ldquo;.<\/p><p>Nach Meinung des australischen Juristen &bdquo;hat die Causa Lula in diesem und in anderen Aspekten alarmierende Fragen &uuml;ber das brasilianische Justizsystem aufgeworfen; insbesondere &uuml;ber die Gefahr, dass Richter als Ankl&auml;ger auftreten, Rechtsbruch begehen und jeder faire Prozess ausgeschlossen zu sein scheint. <\/p><p><strong>Moro-TV Globo: der juristisch-mediale Anschlag auf den Rechtsstaat<\/strong><\/p><p>Der mit Vorliebe in schwarze Hemden gekleidete Bundesrichter S&eacute;rgio Moro, deshalb in Brasilien auch als &ldquo;Mussolini der Tropen&rdquo; verschrien, berief sich bereits 2004 <a href=\"https:\/\/ferreiramacedo.jusbrasil.com.br\/artigos\/187457337\/consideracoes-sobre-a-operacao-mani-pulite-maos-limpas\">in einer Schrift<\/a> auf die italienische Justizinitiative &ldquo;Saubere H&auml;nde&rdquo; als Vorbild zur Bek&auml;mpfung der Korruption, die in der Kriminalisierung s&auml;mtlicher politischer Parteien und des Sozialistenf&uuml;hrers Bettino Craxi gipfelte.<\/p><p>In seiner Schrift verteidigt Moro den Aufbau eines neuen Machtzentrums. Der nach dieser Logik zu bek&auml;mpfende Hauptfeind sei das traditionelle politische System mit seinen politischen Parteien, einem korrupten Unternehmertum und einem labilen Justizapparat, der permanentem Druck ausgesetzt ist. <\/p><p>Das neue Machtzentrum solle daher aus der &ldquo;Partnerschaft&rdquo; zwischen Richtern, Staatsanw&auml;lten und Polizeioffizieren &ndash; also aus ihm selbst und seinem &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; &ndash; und einer omin&ouml;sen, &ldquo;aufgekl&auml;rten &ouml;ffentlichen Meinung&ldquo; erwachsen, was nichts anderes bedeutet, als ein Pakt zwischen Justiz und Monopolmedien. &bdquo;In diesem Spiel, so wie im Schach, geht es darum, den gegnerischen K&ouml;nig zu st&uuml;rzen&ldquo;, vergleicht der brasilianische Journalist und Moro-Kritiker, Luis Nassif. <\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b4.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Es ist offensichtlich, dass in der Logik von &acute;Unternehmen Waschanlage&acute; kein Anderer der &acute;brasilianische Craxi&acute; ist als Ex-Pr&auml;sident Lula. Die systematischen, filterlosen Leaks angeblicher, doch streng geheimer Ermittlungswahrheiten, sind daher ein zentraler Hebel der Strategie &hellip; Um den Beistand der Mediengruppen zu gew&auml;hrleisten, wurde ein stillschweigender Pakt &uuml;ber die &acute;Panzerung&acute; [Anm.: Protektion] verb&uuml;ndeter Politiker geschlossen, was zum Beispiel die Freisprechung des [Anm.: vielfach wegen Millionen Dollar schwerer Korruption angezeigten Senators] A&eacute;cio Neves (siehe Foto Moros mit Neves auf einem Gesellschaftsanlass von Ende 2016) durch Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot erkl&auml;rt &hellip;&rdquo;, gibt Nassif zu bedenken.<\/p><p>Das zwischen Moro und TV Globo abgekartete Spiel l&auml;uft seit Mitte 2014 treu nach Drehbuch, angefangen mit der vielfachen Auszeichnung des eitlen Richters durch den Sender, ohne R&uuml;cksicht auf das Ansehen und die Unabh&auml;ngigkeit des Amtes.<\/p><p>Der Richter und die private Mediengruppe, im Besitz des reichsten Familienclans Brasiliens, sind nachweislich f&uuml;r die faschistischen Aufm&auml;rsche, den Sturz von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff und die Vergiftung des politischen Klimas in Brasilien hauptverantwortlich.<\/p><p>Doch damit war es nicht getan: Auf jeden neuen F&uuml;hrungstrend Lulas in der W&auml;hlerbefragung der Meinungsforschungsinstitute zu den geplanten Pr&auml;sidentschaftswahlen von 2018 folgte wenige Tage darauf ein neuer Prozess gegen den Altpr&auml;sidenten.<\/p><p>Der <em>Fall Lula<\/em> ist der aufsehenerregendste politische Prozess und haarstr&auml;ubendste Justizskandal Brasiliens aller Zeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170506_b1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Am 3. Mai sollte es im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba, dem Sitz der Kommandozentrale f&uuml;r die Korruptionsermittlungen im halbstaatlichen &Ouml;lkonzern Petrobras, zur seit langem erwarteten Urteilsverk&uuml;ndung des Ermittlungsrichters Sergio Moro gegen Altpr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva kommen.Nachdem die Polizei jedoch einen Ansturm von mindestens 50.000<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38162\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,123,20,127],"tags":[282,1613,930,2056,2497,2028,1943,801],"class_list":["post-38162","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-buergerproteste","tag-brasilien","tag-justiz","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-moro-sergio","tag-petrobras","tag-rousseff-dilma","tag-schmiergeld"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38162"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48141,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38162\/revisions\/48141"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}