{"id":38254,"date":"2017-05-12T09:28:22","date_gmt":"2017-05-12T07:28:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38254"},"modified":"2017-05-12T14:37:57","modified_gmt":"2017-05-12T12:37:57","slug":"das-ende-des-deutschen-solarzeitalters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38254","title":{"rendered":"Das Ende des deutschen Solarzeitalters?"},"content":{"rendered":"<p>Reinhard Lange, ein Kritiker der Energiewende, hat darauf aufmerksam gemacht, dass in den Medien, auch in den Nachdenkseiten, &uuml;ber die Insolvenz von Solarworld nicht geb&uuml;hrend bzw. gar nicht berichtet worden ist. Der Anregung, selbst etwas dazu zu schreiben, ist Reinhard Lange gefolgt. Danke vielmals. Falls faktengest&uuml;tzte Entgegnungen von Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten kommen, werden einschl&auml;gige Texte als Leser-Mails eingestellt. Hier ist der Beitrag von Reinhard Lange. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2121\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38254-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38254-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170512_Das_Ende_des_deutschen_Solarzeitalters_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Das Ende des deutschen Solarzeitalters?<\/strong><\/p><p>Frank Asbeck, der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, dem letzten Gro&szlig;unternehmen der deutschen Solarbranche, hat am 11. Mai 2017 pers&ouml;nlich den Insolvenzantrag f&uuml;r das 1998 von ihm gegr&uuml;ndete Unternehmen beim Amtsgericht Bonn eingereicht. Markiert dieser Tag nun eine Zeitenwende oder nur eine Fu&szlig;note der Industriegeschichte?<br>\nF&uuml;r eine vorl&auml;ufige Einordnung dieses Ereignisses ist ein Blick zur&uuml;ck hilfreich. Die Politik in Deutschland beabsichtigte in den 90er Jahren eine Energiewende, die Abkehr von fossilen Brennstoffen und Kernkraft und deren Ersatz durch &bdquo;saubere&ldquo; Energie aus Wasser, Wind, Sonne und Bioenergie. Die Idee bestand darin, diesen &bdquo;erneuerbaren&ldquo; Energien mittels eines Gesetzes, eigentlich eines Gesetzes f&uuml;r eine Stromwende, privilegierte Netzeinspeisung sowie feste, hohe Verg&uuml;tungss&auml;tze zu garantieren. Die Hoffnung bestand darin, dass mittels dieser Anschubfinanzierung diese Erzeugungsarten wettbewerbsf&auml;hig werden sollten. Und nicht nur das. Sie sollten gleichzeitig Motor von Innovationen und Basis k&uuml;nftiger Exporterfolge werden. Die Verabschiedung des ersten Erneuerbare-Energien-Gesetzes Im Jahre 2000 sollte genau das bewirken und der <a href=\"http:\/\/www.solarserver.de\/solarmagazin\/newsarchiv01-02-2000.html\">&bdquo;Startschuss&ldquo; f&uuml;r das &bdquo;Solarzeitalter&ldquo;<\/a> in Deutschland sein. <\/p><p>Tats&auml;chlich stieg die installierte Kapazit&auml;t der Solaranlagen in Deutschland von nahe Null bei Verabschiedung des ersten EEG auf <a href=\"https:\/\/www.energy-charts.de\/power_inst_de.htm\">40,86 GW im Jahre 2016<\/a>. Das entspricht etwa der H&auml;lfte der deutschen Spitzenlast. Trotzdem lieferte in 2016 die Photovoltaik <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/250915\/umfrage\/anteil-der-photovoltaik-an-der-stromerzeugung-in-deutschland\/\">keine 6 % der deutschen Bruttostromerzeugung<\/a>, die Erzeuger kassierten aber <a href=\"https:\/\/www.bdew.de\/internet.nsf\/res\/FDFDE1F303A781EBC1257F61005AA43C\/$file\/160218_Foliensatz%20Energie-Info_Erneuerbare%20Energien%20und%20das%20EEG_2016_final.pdf\">40,8 % der gesamten EEG-Umlage<\/a>. Windkraft dagegen war mit fast 12 % an der deutschen Stromerzeugung beteiligt, erhielt aber nur 31,5 % der EEG-Umlage. &Uuml;ber F&ouml;rderung konnte sich die Solarbranche also nicht beklagen. Die gesamten EEG-Auszahlungen erreichten im vergangenen Jahr insgesamt &uuml;ber 25 Mrd. Euro, davon flossen gut 10 Mrd. Euro in die Solarbranche. Hohe F&ouml;rderung kontrastiert offensichtlich mit geringer Erzeugung.<\/p><p>Der Grund f&uuml;r das schlechte Abschneiden der Solaranlagen bei der Stromerzeugung ist schlicht die geographische Lage Deutschlands. Solaranlagen bringen es hierzulande auf <a href=\"https:\/\/www.foederal-erneuerbar.de\/landesinfo\/bundesland\/SH\/kategorie\/solar\/auswahl\/813-durchschnittliche_ja\/\">keine 1.000 Volllaststunden im Jahr<\/a>. Ein Jahr hat aber 8.760 Stunden.  Windkraftanlagen an Land schaffen dagegen <a href=\"http:\/\/windmonitor.iwes.fraunhofer.de\/windmonitor_de\/3_Onshore\/5_betriebsergebnisse\/1_volllaststunden\/\">immerhin rund 1.500 Volllaststunden<\/a>. Da es immer wieder auch l&auml;ngere Zeiten gibt, in denen weder aus Wind noch aus Sonne nennenswerte Strommengen generiert werden k&ouml;nnen (von Anfang Dezember 2016 bis Ende Januar 2017 betraf das in Deutschland insgesamt &uuml;ber 20 Tage), besteht die Notwendigkeit von Backupkraftwerken, die wetter- und tageszeitunabh&auml;ngig Strom produzieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Der Staat ist damit in einer Zwickm&uuml;hle, wenn er sowohl den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien f&ouml;rdern, aber gleichzeitig die Kosten stabilhalten will, wie Volker Kauder das gerade auf dem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Fxnkb4kS3fM\">9. energiepolitischen Dialog der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion<\/a> ank&uuml;ndigte. Die F&ouml;rderung pro Einheit erzeugter Energie muss zwangsl&auml;ufig sinken. Das genau passierte in den letzten Jahren f&uuml;r neu hinzu gebaute Anlagen und setzte deren Betreiber und damit auch die Hersteller der Anlagen unter Druck. Dabei zeigte sich, dass deutsche Massenhersteller dem Wettbewerbsdruck asiatischer Produzenten nicht gewachsen waren. Zwar konnten auf Initiative von Solarworld Schutzz&ouml;lle seitens der EU durchgesetzt werden. Aber diese Wehr versagte, als Mitte letzten Jahres die chinesische Regierung den Solarausbau abrupt bremste und damit auch andere asiatische Hersteller unter Preisdruck gerieten. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article158064534\/Chinas-billige-Solarzellen-fluten-den-Weltmarkt.html\">Global sanken Nachfrage und Preise<\/a>. Hersteller wie Solarworld, welche im Grunde ein durchschnittliches Produkt zu &uuml;berdurchschnittlichen Preisen anboten, verschwanden endg&uuml;ltig vom Markt. Diese Entwicklung war seit Jahren absehbar. 2010 lag die Besch&auml;ftigtenzahl der Solarbranche <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/163993\/umfrage\/beschaeftigte-in-der-deutschen-photovoltaikbranche\/\">noch bei 133.000<\/a>, im Jahre 2015 waren es dann <a href=\"https:\/\/www.solarwirtschaft.de\/presse\/marktdaten.html\">nur noch 31.600<\/a>. Nach der Insolvenz von Solarworld werden es noch einmal rund 3.000 weniger sein.<\/p><p>Die derzeit noch &uuml;berlebenden deutschen Unternehmen der Branche sind eher kleine Mittelst&auml;ndler, die Marktnischen ausnutzen und zum Beispiel preiswerte hochwertige Speicher mit Solaranlagen kombinieren und Komplettl&ouml;sungen f&uuml;r Einfamilienh&auml;user anbieten. Das kann sich bei den hohen deutschen Strompreisen durchaus rechnen. Oder sie orientieren sich auf Projekte im Ausland, insbesondere in Gegenden mit intensiverer Sonneneinstrahlung, wo die Anlagen naturgem&auml;&szlig; effizienter arbeiten. Da der Gesamtpreis der Anlagen ein wesentliches Kriterium ist, kommen die daf&uuml;r ben&ouml;tigten Solarpaneele aber eher nicht aus Deutschland.<\/p><p>Was jedoch f&uuml;r den einzelnen Haushalt hierzulande wirtschaftlich vern&uuml;nftig sein kann (kleine, bezahlbare Speicher), hilft im volkswirtschaftlichen Rahmen aber kaum, wie dieses <a href=\"http:\/\/www.photovoltaik-infos.com\/meine-bilanz\/winterbilanz\">Protokoll der Solarstromerzeugung auf einem Hausdach<\/a> beweist. Sieben Tage lang wurde praktisch gar kein Strom erzeugt. Trotzdem d&uuml;rfte der Betreiber in dieser Zeit in seiner Wohnung die Heizung betrieben haben und diverse andere elektrische Ger&auml;te. K&uuml;nftig wird er, wenn es nach den Pl&auml;nen der Bundesregierung geht, auch noch sein Elektromobil aufladen wollen. In solchen Situationen hilft kein Haushaltsstromspeicher. Man braucht Energie aus dem Netz. Und da es keine bezahlbaren Speicher im volkswirtschaftlichen Rahmen gibt, ben&ouml;tigt man weiterhin konventionelle Kraftwerke f&uuml;r die Stromerzeugung. Dieses Problem lie&szlig;e sich auch mit noch mehr F&ouml;rderung der Solarbranche nicht l&ouml;sen. <\/p><p>So bitter die Erkenntnis auch sein mag, die deutsche Solarindustrie hat ihren Zenit lange &uuml;berschritten. Innovative Unternehmen werden weiterhin Nischen besetzen. Bei sehr hohen Haushaltsstrompreisen k&ouml;nnen sich deren Produkte rechnen. Einen Ersatz f&uuml;r konventionelle Kraftwerke kann die Branche aber auf absehbare Zeit nicht bieten. <\/p><p>Und es gibt noch einen unerw&uuml;nschten Nebeneffekt der Energiewende: den Anstieg der Strompreise k&ouml;nnen sozial schwache Familien kaum kompensieren. Das ist kein allein deutsches Ph&auml;nomen, wo von Energiearmut gesprochen wird. Im englischen Sprachraum hat sich das gefl&uuml;gelte Wort von &bdquo;Heating or eating&ldquo; eingeb&uuml;rgert. Berichte &uuml;ber verzweifelte Menschen, die sich zwischen Essen und Energiekosten entscheiden m&uuml;ssen, findet man inzwischen reichlich in englischsprachigen Medien. Im kanadischen Ontario, wo man im Gegensatz zu Deutschland die Kohlekraftwerke bereits durch Gaskraftwerke ersetzt hat und die Strompreise sich seit 2006 verdoppelt haben, was die Bev&ouml;lkerung in erhebliche Unruhe versetzte, <a href=\"http:\/\/business.financialpost.com\/fp-comment\/boondoggle-how-ontarios-pursuit-of-renewable-energy-broke-the-provinces-electricity-system\">brachte die Financial Post die Ursachen in einem einzigen Satz auf den Punkt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Expensive wind and solar sypply needs to be backed up by expensive new gas plants that in turn operate at a fraction of optimal capacity.&rdquo; (Teure Wind- und Solarversorgung muss durch teure neue Gaskraftwerke abgesichert werden, die wiederum mit einem Bruchteil der optimalen Kapazit&auml;t arbeiten.)\n<\/p><\/blockquote><p>Die Finacial Post fasst dann das Ergebnis der Energiewende in Ontario als &bdquo;monumentales Versagen&ldquo; zusammen. Der deutsche <a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/gutachten\/jg201617\/ges_jg16_17.pdf\">Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung<\/a> nannte die sehr &auml;hnliche deutsche Energiewende &bdquo;spektakul&auml;r ineffizient&ldquo;. Es scheint an der Zeit, die Energiewende insgesamt zu bilanzieren und neu zu denken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reinhard Lange, ein Kritiker der Energiewende, hat darauf aufmerksam gemacht, dass in den Medien, auch in den Nachdenkseiten, &uuml;ber die Insolvenz von Solarworld nicht geb&uuml;hrend bzw. gar nicht berichtet worden ist. Der Anregung, selbst etwas dazu zu schreiben, ist Reinhard Lange gefolgt. Danke vielmals. Falls faktengest&uuml;tzte Entgegnungen von Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten kommen, werden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38254\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,131,164],"tags":[379,492,1324,1710,544,1200,1390],"class_list":["post-38254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-energiewende","tag-china","tag-eeg","tag-foerdermittel","tag-fossile-energie","tag-insolvenz","tag-kanada","tag-strompreise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38254"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38270,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38254\/revisions\/38270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}