{"id":38309,"date":"2017-05-17T12:01:26","date_gmt":"2017-05-17T10:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38309"},"modified":"2018-12-30T18:42:20","modified_gmt":"2018-12-30T17:42:20","slug":"chile-neues-linksbuendnis-frente-amplio-startet-praesidentschafts-kampagne-mit-kampfansage-an-neoliberale-zustaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38309","title":{"rendered":"Chile \u2013 Neues Linksb\u00fcndnis Frente Amplio startet Pr\u00e4sidentschafts-Kampagne mit Kampfansage an neoliberale Zust\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>Im ersten Jahrzehnt der blutigen Herrschaft Augusto Pinochets f&uuml;hrten ein paar hunderte, mutige Chilenen im Untergrund den aussichtslosen Widerstand gegen die Diktatur, doch es waren ann&auml;hernd 200.000 ihrer Landsleute, die ihre Heimat kampflos in Richtung Exil verlie&szlig;en. Das war die &ldquo;Generation 70&rdquo;. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEin Jahrzehnt sp&auml;ter lieferten sich tausende Chilenen, vor allem aus den Armenvierteln rund um Santiago, mit Steinen, Kn&uuml;ppeln und Molotow-Cocktails k&uuml;hne Stra&szlig;enschlachten mit Pinochets Statthaltern. Das war die &ldquo;Generaci&oacute;n 80&rdquo;. Ihr wird nachgesagt, sie habe mit Bravour das Ende des Folter- und Gangster-Regimes beschleunigt. <\/p><p>Als politischer Widerstand und Wirtschaftsmisere die Diktatur zu Boden zwangen, handelten Ende der 1980er Jahre ihre Vertreter eine Vereinbarung &ndash; Kritiker sprechen gar von einem &ldquo;Pakt&rdquo; &ndash; mit den Exil-R&uuml;ckkehrern und Angepassten aus: Die &Uuml;bergangs-Demokraten sollten keine gerichtliche Revanche nehmen an den Menschenrechtsverbrechern in Uniform und auch das ultraliberale, obsz&ouml;ne Wirtschaftssystem unber&uuml;hrt lassen. Mit diesen Auflagen trat im Jahr 1990 nun wieder die &ldquo;Generation 70&rdquo; die politische Macht an, an der die &ldquo;Generaci&oacute;n 80&rdquo; nur als Randerscheinung beteiligt wurde.<\/p><p>Nun fordert eine dritte, von Endzwanzigern bis Enddrei&szlig;igern gef&uuml;hrte, &ldquo;Generation 90&rdquo; die politische Macht der l&auml;ngst etablierten &ldquo;Generation 70&rdquo; und die geballte Wirtschaftsmacht der &ldquo;Eigent&uuml;mer Chiles&rdquo; heraus.<\/p><p>Das s&uuml;damerikanische Land z&auml;hlt nach Angaben der Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Weltbank (2016) unmittelbar nach dem afrikanischen Kontinent zu den L&auml;ndern mit der ungleichsten Einkommensverteilung der Welt. Die einheimische Plutokratie &ndash; wovon mindestens f&uuml;nf Familienclans in den Forbes-Jahresberichten unter den 100 reichsten Milliard&auml;ren rangieren &ndash; und der Zirkel der aufsteigenden Million&auml;re machen h&ouml;chstens 10 Prozent der 17 Millionen Einwohner aus, verdienen jedoch im Durchschnitt 27-mal mehr als die &Auml;rmsten und vereinen mehr als 30 Prozent der G&uuml;tersumme auf sich. Je n&auml;her die Spitze der Einkommenspyramide, um so eklatanter die soziale Ungleichheit: Der 1-Prozent-Klub der Superreichen r&auml;umt je Person das 43-fache des Durchschnittsverdiensts der &ldquo;restlichen&rdquo; 99 Prozent der Bev&ouml;lkerung vom Einkommenstisch ab.<\/p><p>Das klingt zynisch und gegen diesen Zustand erhebt sich nun der Widerstand des Frente Amplio (&ldquo;Breites B&uuml;ndnis&rdquo;), eine im Januar 2017 aus einem halben Dutzend linker, gr&uuml;ner und humanistischer Splitterparteien geschmiedete Koalition, die mit der Journalistin Beatriz S&aacute;nchez als Kandidatin zu den f&uuml;r kommenden Oktober geplanten Pr&auml;sidentschaftswahlen antreten und der etablierten Mitte-Links-Koalition Michelle Bachelets, inklusive der Kommunistischen Partei (PCCh), den Rang ablaufen will.<\/p><p><strong>&ldquo;Neoliberale Gehirnw&auml;sche&rdquo;<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170516-patricio-basso.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>&bdquo;F&uuml;r viele Pinochet-Gegner wurde die Aufgabe, die Diktatur zu st&uuml;rzen, mit der Wahl Patricio Aylwins [Anm.: im Jahr 1990] erf&uuml;llt, ohne sich dabei bewusst zu sein, dass sie anfingen, das neoliberale Modell zu akzeptieren. Und was noch schlimmer ist: Es zu perfektionieren und zu vertiefen&rdquo;, kritisierte Patricio Basso &ndash; Bildungsexperte und ehemaliger Vizepr&auml;sident der staatlichen Universit&auml;t Chile &ndash; bereits vor mehr als zwei Jahren in einem mahnenden Artikel &uuml;ber die Regierungskoalition &ldquo;Neue Mehrheit&rdquo; der Pr&auml;sidentin Michelle Bachelet (&ldquo;Nueva Mayor&iacute;a: falta derrotar al neoliberalismo&rdquo; &ndash; <em>El Mostrador<\/em>, 04.02.2015).<\/p><p>Seiner Meinung nach zeichnete sich das Pinochet-Regime nicht als klassische Milit&auml;rdiktatur, sondern als &ldquo;totalit&auml;re Diktatur&rdquo; aus. Weil sie vom eingef&uuml;hrten Geist des Neoliberalismus angetrieben war, der aus der verengten Perspektive der sogenannten &ldquo;Marktgesetze&rdquo; sich anma&szlig;te, s&auml;mtliche &ouml;ffentlichen und privaten Aktivit&auml;ten und das menschliche Verhalten schlechthin zu bestimmen. <\/p><p>&bdquo;In irgendeiner Weise&rdquo;, beklagte Basso, &bdquo;hat sich der neoliberale Lebensstil bis ins Knochenmark nicht weniger Chilenen hineingefressen, darunter viele, die uns seit 1990 regierten, und einige, die in den Parteivorst&auml;nden der &ldquo;Neuen Mehrheit&rdquo; sitzen&hellip; Man hat den Eindruck, dass das kollektive Bewusstsein, das den Sturz Pinochets m&ouml;glich machte, eingeschlafen ist, und dass ein b&ouml;ser Geist sich all jener unter uns bem&auml;chtigt hat, die gegen die Diktatur gek&auml;mpft haben; insbesondere gegen ihr totalit&auml;res, neoliberales Gesellschaftsmodell&rdquo;.<\/p><p><strong>Die halben Reformen der &ldquo;liberalen Progressiven&rdquo;<\/strong><\/p><p>Scharfe Kritik &uuml;bte Basso an der von vielen post-Pinochet-Demokraten vorbehaltlos &uuml;bernommenen, sogenannten &ldquo;Theorie der durchsickernden Einkommensverteilung&rdquo;. Diese besagte, dass, wenn der unaufhaltsame Trieb der Reichtumsbildung der gefr&auml;&szlig;igen Wirtschaftsunternehmen einmal befriedigt ist, sich automatisch auch eine Anhebung des Lebensstandards der mittellosen Bev&ouml;lkerung einstellen w&uuml;rde. Was aber niemals eintraf. Ganz im Gegenteil, statt der ohnehin verwerflichen Wohlstandskr&uuml;mel sei die Einkommensschere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergedriftet.<\/p><p>Mit der Wiederwahl zur Pr&auml;sidentin, der vormals in der ehemaligen DDR exilierten &Auml;rztin und Sozialistin, Michelle Bachelet, schien 2014 die Hoffnung neu geboren zu sein. Die Kandidatin &ndash; die in der Regierung Ricardo Lagos in den Jahren 2000 bis 2006 als Gesundheits-und Verteidigungsministerin diente, und von 2006 bis 2010 zum ersten Mal als Staatspr&auml;sidentin amtierte &ndash; hatte einschneidende Ver&auml;nderungen des neoliberalen Wirtschafts-, Bildungs- und sozialen Versicherunssystems versprochen und auch eine sichere Mehrheit daf&uuml;r im neuen Parlament gebildet. Doch gegen Ende ihrer jetzigen, zweiten Amtsperiode h&auml;ngen die meisten der von ihr begonnenen Reformen &ndash; insbesondere des Bildungs- und Rentensystems &ndash; unvollendet in den Seilen. Die Folge: Die einst gefeierte Pr&auml;sidentin hat ihr Prestige verbraucht und wird kaum noch von 25 Prozent ihrer urspr&uuml;nglichen W&auml;hler unterst&uuml;tzt.<br>\nDie Hauptgr&uuml;nde daf&uuml;r, so die Kritiker aus dem linken Lager, seien die von der Pinochet-Diktatur begonnenen und unter Pr&auml;sident Ricardo Lagos (2000-2006) fortgesetzten Privatisierungen des &ouml;ffentlichen Sektors. Der &ldquo;Pakt&rdquo; mit der abgewirtschafteten neoliberalen Milit&auml;rherrschaft, so erinnern sich nicht wenige, wurde von den Sozialisten in jenen Tagen des Jahres 2000 besiegelt, als Lagos&acute; Au&szlig;enminister Jos&eacute; Miguel Insulza in London gegen die Inhaftierung des kranken Augusto Pinochet und dessen Auslieferung an Spanien intervenierte; somit des Generals ungehinderte R&uuml;ckkehr nach Chile sicherte und dessen politische &ldquo;Unantastbarkeit&rdquo; attestierte.<\/p><p>Des Weiteren wird den Sozialisten und ihren Verb&uuml;ndeten eine gewisse Portion &ldquo;Feigheit&rdquo; gegen&uuml;ber den Turbo-Kapitalisten im Land vorgeworfen, die mit dem Segen der Diktatur gediehen, denen sie nicht die Stirn gezeigt und durch fr&uuml;hzeitige Umsatzsteuererh&ouml;hung f&uuml;r die Finanzierung sozialer Programme zur Kasse gebeten haben. Und nicht zu vergessen, eine gewisse &ldquo;Promiskuit&auml;t&rdquo; zwischen &ouml;ffentlichen Personen, hohen Staatsbeamten und Privatwirtschaft, die in vielf&auml;ltiger Korruption und Zersetzung s&auml;mtlicher Parteien gipfelte und die politischen Institutionen Chiles in den Augen der entt&auml;uschten W&auml;hler diskreditierte.<\/p><p><strong>Frente Amplio: &ldquo;Gegen die politische Erpressung mit dem &acute;kleineren &Uuml;bel&acute;&rdquo;<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170516-Frente-Amplio-Fuehrer-und-amtierende-Abgeordnete-Gabriel-Goric-und-Giorgio-Jackson.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Die Missst&auml;nde geben dem neuen Linksb&uuml;ndnis Aufwind. Ihre Wortf&uuml;hrer sind die Abgeordneten Giorgio Jackson von der Partei &ldquo;Demokratische Revolution&rdquo; und Gabriel Boric, Gr&uuml;nder der &ldquo;Autonomistischen Bewegung&rdquo;.<\/p><p>Zusammen mit den Parlamentskolleginnen der KP Chiles, Camila Vallejo und Karol Cariola, entstammen Jackson und Boric der Studentenbewegung, die seit 2010 der von konservativen und Mitte-Links-Regierungen versprochenen, jedoch dahinvegetierenden Reform zur Abschaffung der teuer bezahlten Universit&auml;tslaufbahnen &ndash; einschlie&szlig;lich der staatlichen Hochschulen, die 70 Prozent der Studienabg&auml;nger zu Bankschuldnern verdammte &ndash; den Kampf ansagte. Als die Massendemonstrationen nicht den erw&uuml;nschten Erfolg zeigten, entschlossen sich die vier zum &ldquo;Marsch durch die Institutionen&rdquo;. Seit 2014 sitzen sie als Abgeordnete im Parlament.<\/p><p>&bdquo;Wir wollen diese jahrzehntelange Erpressung mit dem sogenannten &acute;kleineren &Uuml;bel&acute; beenden&rdquo;, konterte Boric j&uuml;ngst Anbiederungsversuche des sozialdemokratischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten der &ldquo;Neuen Mehrheit&rdquo;, Alejandro Guiller. &bdquo;Frente Amplio ist offen f&uuml;r alle Personen, die weder in Korruptionsskandale verwickelt, noch an traditionelle Projekte gebunden sind&rdquo;, erg&auml;nzte Jackson noch k&auml;mpferischer. Damit nahm Jackson den Mund zu voll. Dcleaks konnte nachweisen, dass ausgerechnet seine Gruppierung zwischen 2012 und 2015 von George Soros&acute; Stiftung Open Society 74.700&nbsp;Dollar erhalten hat.<\/p><p>Zwar radikaldemokratisch und basisorientiert, wird Frente Amplio gleichzeitig von einer Schar international ausgebildeter Akademiker umrankt, die dem B&uuml;ndnis zur Identit&auml;tsfindung und politischer Profilierung beistehen.<\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170516-Soziologe-Buchautor-und-Hochschulprofessor-Alberto-Mayol.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wegen seinen Schriften und seinen Medienauftritten landesweit bekannt, meldete sich wiederholt der 40-j&auml;hrige Soziologe und Hochschulprofessor Alberto Mayol als Partei-Ideologe zu Wort. Im Gespr&auml;ch mit <em>El Mostrador<\/em> (&ldquo;Alberto Mayol, precandidato del Frente Amplio: &acute;Cuba es una dictadura&acute; &rdquo; &ndash; 03.03.2017) erkl&auml;rte er, &bdquo;wir sind der Meinung, es ist jetzt nicht die Zeit f&uuml;r Absolutismen, doch diese Beziehung, in der der Staat Minderwertigkeitskomplexe gegen&uuml;ber der Privatwirtschaft zeigt, ist nicht akzeptabel&rdquo;.<\/p><p>Das im Aufbau befindliche Programm des Frente Amplio fordere &bdquo;mehr Staat, aber mit Innovation&rdquo;. Es gehe um die Erzeugung von Alternativen, die nichts mit der Vergangenheit zu tun h&auml;tten. Zwar respektiere man eine gewisse Tradition und erkenne sich auch in vielerlei Zielen wieder, doch d&uuml;rfe niemand ernsthaft annehmen, &bdquo;dass man in einer post-industriellen Gesellschaft mit dem Proletariat so weiterreden k&ouml;nne wie in den 1930er Jahren. Wir wollen uns als die Neuerung anbieten, aber ohne Maschinenst&uuml;rmerei&rdquo;, so Mayol.<\/p><p>Als Alternative zum bestehenden und von mehr als 80 Prozent der Chilenen scharf abgelehnten Rentensystem (siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37922\">Chile &ndash; Millionen protestieren gegen Pinochets Rentensystem<\/a>) schl&auml;gt Mayol die sofortige Abschaffung der privaten Rentenfonds vor. Sie sollen durch die Selbstverwaltung der sozialen Gesellschafter, also der Beitragszahlenden, ersetzt werden. Ziel ist die R&uuml;ckkehr zum bew&auml;hrten staatlichen System der solidarischen Altersversorgung. Doch die von ihm j&auml;hrlich eingenommenen 200 Milliarden Dollar sollen, wie in Spanien, der Bankenspekulation entzogen und als Anlage in ein neues System zur Kreditfinanzierung von Kleinunternehmen und individuellem Startkapital investiert werden.<\/p><p>Zu den vorrangigen Regierungszielen geh&ouml;rt weiterhin die Entprivatisierung des Bildungs- und Gesundheitssystems. &bdquo;Bei der Bildungsreform muss zuerst &uuml;ber Bildung und nicht &uuml;ber Geld gesprochen werden!&rdquo;, fordert Mayol und verteilt einen Seitenhieb an Michelle Bachelet, deren Finanz- und nicht der Bildungsminister bisher die Verhandlungen &uuml;ber das Thema gef&uuml;hrt hatte.<\/p><p><strong>Portugal ist Modell, &ldquo;Kuba eine Diktatur&rdquo;<\/strong><\/p><p>Der Name &ldquo;Frente Amplio&rdquo; wurde dem vor 40 Jahren gegr&uuml;ndeten, erfolgreichen, uruguayischen Mitte-Links-B&uuml;ndnis entlehnt, dem der scheidende Pr&auml;sident Jos&eacute; Pepe Mujica und sein Nachfolger Tabar&eacute; V&aacute;zquez angeh&ouml;ren. <\/p><p>Doch die Augen der Chilenen sind auf Portugal gerichtet, wo 2016 &ndash; ein europ&auml;isches Unikum &ndash; ein genuines Linksb&uuml;ndnis, bestehend aus Sozialisten, Kommunisten und dem Linken Block (Bloco de Esquerda), eine Regierung bildete. Die Leistungen der Portugiesen imponieren: In weniger als einem Jahr setzte die Regierung Antonio Costa die R&uuml;ckkehr zur 35-Stunden-Woche f&uuml;r &ouml;ffentliche Angestellte, die Erh&ouml;hung des Mindestlohnes, die Verabschiedung einer Verm&ouml;genssteuer auf Luxusanwesen ab 500.000 Euro, sowie das Ende staatlicher Subventionen f&uuml;r Privatschulen und der Privatisierung &ouml;ffentlicher Verkehrsmittel durch.<\/p><p>Das chilenische Frente Amplio hat es eilig und wird vom wenig bescheidenen Anspruch getrieben, seine gegenw&auml;rtige Minderheitsfraktion von 3 auf 20 bis 30 Abgeordnete, also auf 25 Prozent der Parlamentssitze zu erh&ouml;hen.<\/p><p>Doch anders als der linke Block in Portugal droht das B&uuml;ndnis bereits ein halbes Jahr vor der Wahl im Sektierertum und plumpen Antikommunismus zu ersticken. Ob in Kuba demokratische Spielregeln nach westlichem Muster gelten, ist selbstverst&auml;ndlich eine Frage, &uuml;ber die auch im weltweiten progressiven Lager kein Konsens herrscht. Doch mit dem aus jedem Kontext gel&ouml;sten Vorwurf Alberto Mayols und der Pr&auml;sidentschaftskandidatin Beatriz S&aacute;nchez, Kuba sei eine Diktatur, hat Frente Amplio bereits im Vorfeld der Wahlkampagne seine potentiellen Verb&uuml;ndeten und Kuba-Freunde der Kommunistischen Partei vergrault. Es kommt aber noch hirnrissiger: Die angepeilte Fraktion von 20 bis 30 Abgeordneten will die Gruppe ausgerechnet mit W&auml;hlerstimmen von &ldquo;frustrierten&rdquo; Kommunisten und Sozialisten erreichen und hat deshalb einen &ldquo;Generalangriff&rdquo; auf deren traditionelle Wahlbezirke im Gro&szlig;raum Santiago angek&uuml;ndigt. <\/p><p>Im Gegensatz zur Entspannungs-Strategie des portugiesischen linken Blocks guckte sich Frente Amplio das aggressive &ldquo;Vorbild&rdquo; der spanischen Podemos ab, die in der j&uuml;ngsten Wahlkampagne die konservative Partido Popular zwar zur &ldquo;Gegnerin&rdquo;, jedoch die sozialistische PSOE zur &ldquo;Feindin&rdquo; erkl&auml;rte.<\/p><p>Frente Amplio setzt auf Konfrontation und k&ouml;nnte mit seinem sinnwidrigen Versuch, &ldquo;die alte Linke zu besiegen&rdquo;, Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era, dem korrupten Multimilliard&auml;r und machtvollen Kandidaten der alten und neuen Rechten, aufs L&auml;cherlichste in die H&auml;nde spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Jahrzehnt der blutigen Herrschaft Augusto Pinochets f&uuml;hrten ein paar hunderte, mutige Chilenen im Untergrund den aussichtslosen Widerstand gegen die Diktatur, doch es waren ann&auml;hernd 200.000 ihrer Landsleute, die ihre Heimat kampflos in Richtung Exil verlie&szlig;en. Das war die &ldquo;Generation 70&rdquo;. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,145,132,190],"tags":[2098,372,669,1368,246,1963,273,687,291],"class_list":["post-38309","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wahlen","tag-bachelet-michelle","tag-bildungsreform","tag-chile","tag-kuba","tag-linke-mehrheit","tag-pinochet-augusto","tag-privatvorsorge","tag-ungleichheit","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38309"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48140,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38309\/revisions\/48140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}