{"id":3835,"date":"2009-03-20T09:12:51","date_gmt":"2009-03-20T08:12:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3835"},"modified":"2014-01-29T11:21:00","modified_gmt":"2014-01-29T10:21:00","slug":"wegtauchen-und-wegschieben-als-politische-strategie-des-weiter-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3835","title":{"rendered":"Wegtauchen und wegschieben als politische Strategie des Weiter-so"},"content":{"rendered":"<p>Der gestrige Tag zeigte schlaglichtartig die Strategie der Kanzlerin beim Umgang mit der Krise. Merkel tut in ihrer <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2009\/03\/2009-03-19-regierungserklaerung-merkel-europa,layoutVariant=Druckansicht.html\">Regierungserkl&auml;rung<\/a> immer noch so, als sei die Krise von au&szlig;en &uuml;ber Deutschland gekommen, als habe diese nichts mit der vorausgegangenen deutschen Politik zu tun und vor allem, als habe man alles richtig gemacht. Merkel redet von &bdquo;gemeinsamem Handeln&ldquo; und schiebt die Bek&auml;mpfung der Krise auf die internationale Ebene und blockt dann dort durchgreifende Ma&szlig;nahmen ab. Merkel lehnt weitere Konjunkturinitiativen auf europ&auml;ischer Eben ab; statt internationalen Druck auf Steueroasen zu machen, bek&auml;mpft ihre Partei im Innern sogar die schwarze Liste der gewiss wirtschaftsfreundlichen OECD. Passend dazu fordern am Tag der Regierungserkl&auml;rung die Fraktionen von CDU und SPD ein <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/aktuell\/hib\/2009\/2009_083\/04.html\">Gesetz zur Vereinfachung der Umsetzung von &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaften (&Ouml;PP)<\/a>. Gleichzeitig treibt die Union mit der Blockade der Neuregelung f&uuml;r die Jobcenters ein &uuml;bles Spiel auf dem R&uuml;cken der Arbeitslosen. Wie in einem Brennglas wird darin deutlich, die Bundesregierung taucht in der Krise weg, schiebt L&ouml;sungsstrategien auf die lange Bank internationaler Gremien und wartet auf bessere Zeiten, um weiter zu machen wie bisher. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>In Frankreich treibt es Millionen auf die Stra&szlig;e und in Deutschland darf die Bundeskanzlerin in einer sich immer mehr zuspitzenden Krise eine der nichtssagendsten Regierungserkl&auml;rungen abgeben. Und niemand regt sich auf. Nichts von der Kanzlerin zur steigenden Arbeitslosigkeit und zum dramatischen Anstieg der Kurzarbeit, nichts zur Bek&auml;mpfung von Steueroasen oder zu obsz&ouml;nen Abfindungszahlungen und Boni von Managern. T&auml;glich werden unkontrolliert Milliardenhilfen an bankrotte Bankinstitute vergeben und die Kanzlerin plappert die &uuml;blichen Floskeln von Kontrolle und Transparenz nach. Da sackt die Wirtschaft in eine Depression ab und die Kanzlerin hat nichts Wichtigeres zu sagen, als die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; zu loben. Am gleichen Tag als das Statistische Bundesamt f&uuml;r das Jahr 2008 wieder einmal einen <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2009\/03\/PD09__103__812,templateId=renderPrint.psml\">Reallohnverlust vermeldet<\/a> wiederholt die Kanzlerin ihren uns&auml;glichen Satz, dass man verhindern m&uuml;sse, dass &bdquo;wir dauerhaft &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse leben&ldquo;.<\/p><p>Nach wie vor tut die Kanzlerin so als sei Deutschland von der Krise nur &bdquo;betroffen&ldquo;, als h&auml;tten die Bundesregierungen nichts zu der Finanzkrise beigetragen. Sie meint mit dem 500-Milliardenpaket zur Bankenrettung und mit den beiden zusammengeschusterten Konjunkturp&auml;ckchen k&auml;me &bdquo;Deutschland gest&auml;rkt aus der Krise&ldquo; heraus. Im Rat in Br&uuml;ssel gehe es nur noch darum &ldquo;wie wir nationale Ma&szlig;nahmen noch besser abstimmen und b&uuml;ndeln k&ouml;nnen&rdquo;.<\/p><p>Statt eigene Vorschl&auml;ge zur Krisenbew&auml;ltigung zu machen, verweist Merkel auf die internationale Ebene und schwadroniert von einer &bdquo;noch nicht existierenden Finanzmarktverfassung&ldquo; oder &ndash; noch abgehobener &ndash; von einer &bdquo;Charta des nachhaltigen Wirtschaftens&ldquo;. Sobald die Kanzlerin jedoch Berlin verlassen hat und von Gipfel zu Gipfel reist, blockiert gerade sie &bdquo;gemeinsames Handeln&ldquo; oder sie erzwingt faule Kompromisse. So sperrt sie sich gegen weitere Konjunkturma&szlig;nahmen auf europ&auml;ischer und schon gar auf transatlantischer Ebene. Da werden in den USA eine Billion Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt und der Rat in Br&uuml;ssel beschlie&szlig;t gerade mal 5 Milliarden (das ist gerade ein Prozent des europ&auml;ischen Konjunkturpakets) f&uuml;r Energie- und Kommunikationsnetze. Da r&uuml;pelt der Finanzminister in der ihm eigenen Arroganz gegen kleine Nachbarl&auml;nder und in Br&uuml;ssel wird vielleicht gerade noch Liechtenstein auf die &bdquo;schwarze Liste&ldquo; der Finanzoasen gesetzt. Statt die Liste der 46 L&auml;nder mit &bdquo;ungen&uuml;genden Fortschritten&ldquo; bei der Einhaltung von Steuerstandards abzuarbeiten, die der OECD-Chef Angel Gurr&iacute;a am 5. M&auml;rz in einem Brief an den britischen Finanzminister Alistair Darling aufgelistet hat, l&auml;sst es die Kanzlerin zu, dass ihre Partei ein Bundesgesetz gegen die Steuerflucht auf Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebt.<\/p><p>Statt einen &bdquo;Rettungsschirm&ldquo; f&uuml;r Arbeit aufzuspannen, verweigert die Union die vom Verfassungsgericht auferlegte Neuregelung der Jobcenter und l&auml;sst deren Mitarbeiter und die von ihnen betreuten Arbeitslosen im Regen stehen. Das Schicksal der Opel-Arbeiter &uuml;bertr&auml;gt die Kanzlerin, dem Unternehmensberater Roland Berger, auf dessen &bdquo;Rat&ldquo; die Treuhand nach der deutschen Einheit im Osten hunderte von Unternehmen &bdquo;platt gemacht&ldquo; hat.<\/p><p>Mitten in der Depression hat die Kanzlerin kein dringenderes Ziel, als dass der Europ&auml;ische Rat &bdquo;ein Bekenntnis zum Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt&ldquo; ablegt. Das entspricht der deutschen Begr&uuml;ndung f&uuml;r die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; in der Verfassung. Da legte man in einer Nacht-und-Nebel-Aktion f&uuml;r die Banken schnell mal 500 Milliarden auf den Tisch oder wirft ohne n&auml;here Begr&uuml;ndung und Pr&uuml;fung der Hypo Real Estate oder der Commerzbank Milliarde um Milliarde nach, um sp&auml;ter mit dem Grundgesetz im R&uuml;cken das Geld bei Sozialleistungen, Bildung oder Infrastrukturinvestitionen wieder hereinzuholen.<\/p><p>In diese Linie passt, dass die Fraktionen von Union und SPD heute gemeinsam beantragt haben, die &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaften (PPP) auszuweiten und den Finanzinvestoren in Zukunft die T&uuml;r noch weiter aufzumachen.<\/p><p>Dieses Wegtauchen in der gr&ouml;&szlig;ten Krise und das Schieben von Krisenvermeidungsstrategien auf die lange Bank der internationalen Konferenzen, wo den sch&ouml;nen Reden an den deutschen Michel keine Taten mehr folgen, l&auml;sst nur einen Reim zu: Unter viel gedroschenem Stroh, verbirgt sich ein schlichtes Weiter-so.<\/p><p>Wann kommt die franz&ouml;sische Marianne endlich &uuml;ber den Rhein und zieht dem deutschen Michel die Zipfelm&uuml;tze von den Augen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gestrige Tag zeigte schlaglichtartig die Strategie der Kanzlerin beim Umgang mit der Krise. Merkel tut in ihrer <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2009\/03\/2009-03-19-regierungserklaerung-merkel-europa,layoutVariant=Druckansicht.html\">Regierungserkl&auml;rung<\/a> immer noch so, als sei die Krise von au&szlig;en &uuml;ber Deutschland gekommen, als habe diese nichts mit der vorausgegangenen deutschen Politik zu tun und vor allem, als habe man alles richtig gemacht. 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