{"id":38356,"date":"2017-05-19T10:02:18","date_gmt":"2017-05-19T08:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38356"},"modified":"2022-10-21T11:00:40","modified_gmt":"2022-10-21T09:00:40","slug":"die-renaissance-der-klassengesellschaft-ein-interview-mit-dem-soziologen-prof-dr-klaus-doerre-ueber-lebens-und-arbeitsbedingungen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38356","title":{"rendered":"Die Renaissance der Klassengesellschaft. Ein Interview mit dem Soziologen Prof. Dr. Klaus D\u00f6rre \u00fcber Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland."},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170519-doerre.jpg\" alt=\"Klaus D&ouml;rre\" title=\"Klaus D&ouml;rre\"><\/div><p>&bdquo;Deutschland geht es gut&ldquo; betont Angela Merkel bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Eine Botschaft, die durchaus auf fruchtbaren Boden f&auml;llt. Das kann man in Alltagsgespr&auml;chen immer wieder feststellen. Da hei&szlig;t es dann: &bdquo;Uns geht&rsquo;s doch gut&ldquo;. Deshalb wollten wir dieses Thema einmal gr&uuml;ndlicher aufarbeiten. <strong>Udo Brandes<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten mit dem Arbeitssoziologen Prof. Dr. <strong>Klaus D&ouml;rre<\/strong> (Universit&auml;t Jena) ein Interview gef&uuml;hrt. Es ist interessant und lesenswert &ndash; mit vielen Informationen &uuml;ber die soziale Lage im Land und insbesondere &uuml;ber die Konkurrenz der Lohnabh&auml;ngigen in den Betrieben. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9220\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38356-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38356-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170519_Die_Renaissance_der_Klassengesellschaft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Prof. D&ouml;rre forscht unter anderem &uuml;ber Kapitalismustheorie\/Finanzmarktkapitalismus, flexible und prek&auml;re Besch&auml;ftigung, Partizipation in Unternehmen und Arbeitsbeziehungen. Im Interview beschreibt er die Arbeitsbedingungen in Deutschland, die zur Bildung einer neuen Klassenstruktur und dem Ph&auml;nomen der exklusiven Solidarit&auml;t gef&uuml;hrt haben. <\/p><p>Das Interview ist lang geworden. Lassen Sie sich bitte von der L&auml;nge nicht abschrecken:<\/p><p><strong>&bdquo;Mit diesem Status ist man so etwas wie ein Halbb&uuml;rger&ldquo;<\/strong><br>\n<strong>Exklusive Solidarit&auml;t in der neuen Klassengesellschaft<\/strong><\/p><p><strong>Ein Interview mit dem Soziologen Prof. Dr. Klaus D&ouml;rre &uuml;ber Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland<\/strong><\/p><p><strong>Von Udo Brandes<\/strong><\/p><p><strong>Herr Prof. D&ouml;rre,&nbsp;&bdquo;Deutschland geht es gut&ldquo;&nbsp;ist die Botschaft unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie sehen Sie das? Geht es Deutschland gut?<\/strong><\/p><p>Dies kann man bis zu einem gewissen Grade nicht abstreiten. Im Vergleich zu vielen europ&auml;ischen Nachbarn sinkt die Arbeitslosigkeit und die Erwerbst&auml;tigkeit ist bei uns auf einem Rekordniveau. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Zur ganzen Wahrheit geh&ouml;rt, dass das deutsche &bdquo;Jobwunder&ldquo; auf der Ausbreitung von schlecht entlohnter,  wenig angesehener, unw&uuml;rdiger und deshalb prek&auml;rer Arbeit beruht. Wenn man sich das Volumen an bezahlten Arbeitsstunden anschaut, wie es sich zwischen 1991 und 2013 entwickelt hat, dann wird man sehen, dass es best&auml;ndig gesunken ist, insgesamt um etwa 12%. Seit 2013 steigt das Arbeitsvolumen zwar wieder etwas an, es ist aber immer noch nicht auf dem Stand von 1991. Wir haben also zwar deutlich mehr Erwerbst&auml;tige, aber das Volumen an bezahlter Arbeit insgesamt ist geringer geworden. Das w&auml;re ja gar nicht mal schlecht, wenn wir alle Arbeit h&auml;tten und weniger arbeiten m&uuml;ssten. Aber es kommt eben noch hinzu, dass das Arbeitsvolumen extrem ungleich verteilt ist. <\/p><p><strong>Das bedeutet konkret?<\/strong><\/p><p>Im hochqualifizierten Bereich gibt es viele, die weit &uuml;ber 40, 50 Stunden, zum Teil sogar &uuml;ber 60, 70 Stunden pro Woche arbeiten. Aber im unteren Teil der Pyramide gibt es viele Menschen, die gern mehr arbeiten m&ouml;chten, aber nur f&uuml;r 12 Stunden die Woche Arbeit haben. Dazu geh&ouml;ren viele Minijobber. Wir haben ca. 5 Mio. Menschen, bei denen ist der Minijob die Haupteinnahmequelle. In der Zeit zwischen 2000 und 2013 beruhte der Zuwachs an Besch&auml;ftigung ausschlie&szlig;lich auf atypischer Besch&auml;ftigung (Minijobs, Leiharbeit, befristete T&auml;tigkeiten und Teilzeitt&auml;tigkeit) sowie auf Soloselbst&auml;ndigkeit. Dies wird in der Statistik zum Teil dadurch vertuscht, dass Teilzeitbesch&auml;ftigungen &uuml;ber 20 Wochenstunden als Vollzeitbesch&auml;ftigung bewertet werden. Wenn man aber unter Vollzeitbesch&auml;ftigung mindestens 35 bis 38 Stunden versteht, dann ist es eindeutig: Wir haben zwischen 2000 und 2013 zwar eine Abnahme der Arbeitslosigkeit um 1 Mio., aber gleichzeitig ist die Vollzeitbesch&auml;ftigung um 1,5 Mio. Stellen zur&uuml;ckgegangen. Und wir haben ein starkes Anwachsen von Teilzeit, geringf&uuml;giger Teilzeit, Befristung, Leiharbeit und Soloselbst&auml;ndigkeit. <\/p><p><strong>Wie gro&szlig; ist der Anteil prek&auml;rer Arbeitsverh&auml;ltnisse insgesamt in Deutschland?<\/strong><\/p><p>Das Problem ist, dass die Statistiken Prekarit&auml;t nicht erheben. Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass mindestens ein Viertel aller Arbeitsverh&auml;ltnisse prek&auml;r sind. Ich vermute aber, dass der Prozentsatz noch h&ouml;her liegt, weil auch Niedriglohnbezieher in Vollzeit prek&auml;r arbeiten.<\/p><p>Atypische Besch&auml;ftigung muss im &Uuml;brigen nicht zwangsl&auml;ufig prek&auml;r sein. Wenn Sie sich entscheiden, um Beruf, Kind und Familie vereinbaren zu k&ouml;nnen, in Teilzeit zu arbeiten, ist dies nicht unbedingt prek&auml;r. Allerdings: Wenn sich die Familienstrukturen ver&auml;ndern, beispielsweise ein Ehepaar sich scheiden l&auml;sst, haben Sie als Teilzeitbesch&auml;ftigter schnell ein Problem, weil ihr Einkommen nicht mehr ausreicht. Dies gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r die Rente, die dann viel zu niedrig ausfallen wird. Genauere Zahlen gibt es zur Besch&auml;ftigtenzahl im Niedriglohnsektor. In Deutschland arbeiten kontinuierlich 22% -24% aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten im Niedriglohnsektor.<\/p><p><strong>Das ist dann Besch&auml;ftigung zum Mindestlohn?<\/strong><\/p><p>Es ist Besch&auml;ftigung zu zwei Dritteln des sogenannten Medianlohnes, also noch unterhalb des Mindestlohnes. Au&szlig;erdem kann der Mindestlohn &uuml;ber Soloselbst&auml;ndigkeit ausgehebelt werden. Hinzu kommen viele Ausnahmeregelungen. Das hei&szlig;t, im Niedriglohnbereich wird in vielen F&auml;llen unterhalb des Mindestlohnes von 8,84 Euro gearbeitet. Aber mindestens genauso wichtig ist: Jeder zehnte Vollzeitbesch&auml;ftigte arbeitet im Niedriglohnsektor. Wenn Sie sich nur die atypischen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse anschauen, haben Sie kein vollst&auml;ndiges Bild von Prekarit&auml;t. Denn Sie sind nat&uuml;rlich auch mit einem Lohn von 8,84 Euro in regul&auml;rer Vollzeitbesch&auml;ftigung nicht in einer komfortablen Lebenssituation. In diesem Bereich kommt es oft vor, dass es einen Vollzeitverdiener in der Familie gibt, in der Regel der Mann, und die Ehefrau noch einen prek&auml;ren Job hat. Die Familie lebt dann nicht in prek&auml;ren Verh&auml;ltnissen, ist aber mit allen laufenden Kosten am &auml;u&szlig;ersten Limit finanziert &ndash; und kann schnell Probleme bekommen, wenn der prek&auml;re Job der Ehefrau wegbricht. <\/p><p><strong>In meiner Kindheit in den 60er und 70er Jahren konnten Arbeiter als einziger Verdiener die Familie ern&auml;hren und nicht selten sogar ein, wenn auch bescheidenes, Eigenheim finanzieren.<\/strong><\/p><p>Das kriegen Sie heute so nicht mehr hin! Dieses Modell war ja auch nicht unproblematisch, Stichwort Abh&auml;ngigkeit der Frauen. Aber es macht deutlich, was eine sichere Besch&auml;ftigung ohne gro&szlig;es Risiko von Arbeitslosigkeit bedeutet und erm&ouml;glicht hat. <\/p><p>Die Ausbreitung unsicherer, prek&auml;rer Arbeitsverh&auml;ltnisse heute ist dabei aber nur eine Schattenseite vom sogenannten &bdquo;Modell Deutschland&ldquo;. Die andere Schattenseite ist der Druck auf die L&ouml;hne und die zunehmende Einkommensungleichheit. Hinzu kommt die zunehmende Verm&ouml;gensungleichheit. Diese war in Deutschland schon immer sehr ausgepr&auml;gt, hat aber in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Das oberste Tausendstel der deutschen Bev&ouml;lkerung besitzt 17 Prozent des gesamten Verm&ouml;gens. 10 Prozent der deutschen Bev&ouml;lkerung besitzen 64 Prozent des gesamten Verm&ouml;gens in Deutschland. Und das ist noch konservativ gesch&auml;tzt! Zugleich haben wir einen immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Bev&ouml;lkerungsanteil, der kaum &uuml;ber nennenswertes Verm&ouml;gen verf&uuml;gt. Und es gibt eine Spaltung innerhalb der Besch&auml;ftigten. Die unteren 40 Prozent der Lohnbezieher haben seit 1995 real an Einkommen verloren. Damit sind Sie nicht unbedingt prek&auml;r, aber der Abstand zu anderen Einkommensgruppen hat sich vergr&ouml;&szlig;ert. Und die Gegens&auml;tze bestehen nicht nur zwischen prek&auml;rer Besch&auml;ftigung und Normalarbeitsverh&auml;ltnis, sondern auch zwischen Exportsektor und den reproduktiven Dienstleistungen, wie Pflege, Erziehung, Bildung usw. Man kann sagen, dass die Besch&auml;ftigten in diesen Bereichen, h&auml;ufig Frauen, deutlich unterbezahlt sind. <\/p><p>Was bedeutet dies im Alltag? Ich will dies mal an einem typischen Fallbeispiel verdeutlichen, das wir bei unseren empirischen Forschungen immer wieder erlebt haben: Ein Ehepaar mit zwei Kindern. Der Mann arbeitet in einem ausgegr&uuml;ndeten Betrieb in der ostdeutschen Metallindustrie und bekommt etwa 1600 bis 1700 Euro brutto. Die Frau verdient in Vollzeitbesch&auml;ftigung in etwa das Gleiche. Nach Abzug aller fixen Kosten f&uuml;r Miete, Kita, Telefon etc. bleiben da etwa 1000 Euro &uuml;brig. Aber dann haben Sie noch keine Lebensmittel und keine Kleidung gekauft. Das ist ein Einkommen, mit dem Sie weder in Urlaub fahren noch am Wochenende mal essen gehen k&ouml;nnen. Auch unvorhersehbare gr&ouml;&szlig;ere Ausgaben, z. B. wenn der Herd in der K&uuml;che kaputt geht oder das f&uuml;r die Fahrt zur Arbeit notwendige Auto repariert werden muss, werden bei diesem Einkommen schnell zum Problem. Und medial bekommen Sie vorgespiegelt: Wir leben in einer Gesellschaft, in der st&auml;ndig alles besser wird. Die Wirtschaft w&auml;chst und brummt, und den Deutschen geht es so gut wie noch nie zuvor. Und da fragen sich solche Leute nat&uuml;rlich: Sind wir eigentlich Deutsche? Geh&ouml;ren wir eigentlich dazu? Wenn das Durchschnittseinkommen bei 3300 Euro liegt, wieso habe ich nur 1700 Euro, obwohl ich in Vollzeit arbeite? Und das erzeugt das Gef&uuml;hl, in einem Eisenbahnwaggon zu sitzen, der vom Zug Richtung Wohlstand und Prosperit&auml;t abgekoppelt ist. Sie m&uuml;ssen im Waggon auf dem Abstellgleis sitzen bleiben und kommen nicht von der Stelle. Die davon Betroffenen, das haben unsere Interviewreihen ergeben, bezeichnen sich nicht als arm oder prek&auml;r. Die ordnen sich selbst alle in der Mitte der Gesellschaft ein und sagen, im Vergleich zu anderen L&auml;ndern geht es uns noch gut. Und dann kommt das Aber: Sie f&uuml;hlen sich unverschuldet abgeh&auml;ngt. Und das erzeugt Verdruss und das Empfinden von Ungerechtigkeit. Im Ergebnis f&uuml;hrt dies dazu, dass ein Teil der Arbeiter und selbst manche Gewerkschafter rechte Parteien wie die AFD politisch unterst&uuml;tzten. <\/p><p><strong>Dann geht es also gro&szlig;en Teilen der Bev&ouml;lkerung in Deutschland ganz und gar nicht gut?<\/strong><\/p><p>Richtig! Die Grunderfahrung vieler Menschen ist <em>erstens<\/em>: Unsichere, prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse haben massiv zugenommen. <em>Zweitens<\/em>: Die Ungleichheit bei Einkommen und Verm&ouml;gen hat extrem zugenommen. Und <em>drittens<\/em>: Wir haben nach wie vor Millionen von Menschen, die keine Chance haben, &uuml;berhaupt jemals in regul&auml;re Arbeit reinzukommen. Wir haben eine Million Menschen, die seit der Einf&uuml;hrung von Hartz-IV nie aus dem Leistungsbezug rausgekommen sind. Wir haben insgesamt 3,7 Mio. Menschen, die schon &uuml;ber mehrere Jahre im Leistungsbezug sind. Nur die H&auml;lfte davon ist wirklich arbeitslos. Die anderen hangeln sich von einer Ma&szlig;nahme zu einem Gelegenheitsjob zur n&auml;chsten Aushilfst&auml;tigkeit usw. Die sind &uuml;berwiegend hochmobil und haben etliche Positionswechsel hinter sich. Und das alles nur, um am Ende wieder in Hartz-IV zu landen. Oder aber sie arbeiten prek&auml;r und m&uuml;ssen mit Hartz-IV aufstocken, weil das Geld nicht reicht. <\/p><p><strong>Was bedeutet dies gesellschaftlich?<\/strong><\/p><p>Menschen, die in so einer Lebenslage sind, bilden eine neue Unterklasse, die scheinbar &ouml;konomisch nicht mehr gebraucht wird. Diese Menschen werden auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung stigmatisiert als faul und leistungsunwillig, als Menschen, die nicht arbeiten wollen. Wenn Sie lange im Hartz-IV-Bezug sind, haben Sie kaum eine Chance, da wieder rauszukommen, weil die einstellenden Arbeitgeber diese Klientel nicht haben wollen. Und das hei&szlig;t letztlich: Sie m&uuml;ssen unterhalb der Schwelle gesellschaftlicher Respektabilit&auml;t leben. Und damit wirken Sie abschreckend f&uuml;r den Rest der Gesellschaft. Denn nichts f&uuml;rchtet ein Angestellter oder Arbeiter mehr, als arbeitslos zu werden und auf diesen stigmatisierten gesellschaftlichen Status zur&uuml;ckzufallen. Denn mit diesem Status ist man so etwas wie ein Halbb&uuml;rger. <\/p><p><strong>Ist diese Stigmatisierung von Hartz-IV-Beziehern, und zwar auch von Menschen, die selber wirtschaftlich abh&auml;ngig besch&auml;ftigt sind und arbeitslos werden k&ouml;nnen, das Ph&auml;nomen der &bdquo;exklusiven Solidarit&auml;t&ldquo;, wovon Sie in einigen Ihrer Vortr&auml;ge und Aufs&auml;tze sprechen?<\/strong><\/p><p>Ja, das hat etwas damit zu tun. Diese Frage ber&uuml;hrt eine klassenpolitische Dimension. Man darf nicht von der Vorstellung ausgehen, dass Menschen mit einer &auml;hnlichen Klassenlage und &auml;hnlichen Interessen automatisch solidarisch handeln. Der Normalzustand ist, dass zwischen und innerhalb von Klassen Spaltung, Fraktionierung und Konkurrenz stattfindet. Wir haben in unserer Forschung bei Stammbesch&auml;ftigten in der Automobil- und Elektroindustrie festgestellt, dass diese zwar solidarisch sind, aber prim&auml;r mit ihresgleichen, also anderen Stammbesch&auml;ftigten. Dies geht im Extremfall soweit, dass entlassene Stammbesch&auml;ftigte, die als Leiharbeiter wieder eingestellt wurden, nicht mehr Teil dieser Solidarit&auml;t waren. Diese galt exklusiv nur den anderen Stammbesch&auml;ftigten. Da hat sich deutlich etwas ge&auml;ndert, auch weil Betriebsr&auml;te und Gewerkschafter auf inklusive Solidarit&auml;t dr&auml;ngen. Dennoch: Bei Befragungen im Werk eines gro&szlig;en Endherstellers stimmten die Mehrzahl der Produktionsarbeiter in einem Automobilwerk Aussagen wie <em>&bdquo;Eine Gesellschaft, die versucht, jeden mitzunehmen, ist auf Dauer nicht &uuml;berlebensf&auml;hig&ldquo;<\/em> zu. Daraufhin sagten uns die Betriebsr&auml;te, die Kollegen h&auml;tten die Frage nicht verstanden. Dann haben wir Vertrauensleute befragt. Gleich einer der Ersten sagte uns:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe nichts gegen Hartz-4-Leute. Aber eins muss man doch mal sagen: Die H&auml;lfte davon will doch nicht arbeiten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ist dieses Verhalten eine Folge des Dauerbeschusses mit neoliberaler Propaganda, also zum Beispiel so einer Formel wie &bdquo;Fordern und F&ouml;rdern&ldquo;, die ja unterschwellig vermittelt, dass Arbeitslose gefordert werden m&uuml;ssen, weil sie eigentlich nicht arbeiten wollen? Der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister Clement verglich Arbeitslose in einer regierungsamtlichen Brosch&uuml;re ja sogar mit Parasiten.<\/strong><\/p><p>Das ist sicher auch ein Ausfluss dieser individualisierenden, neoliberalen  Schuldzuschreibungen. Man k&ouml;nnte es vielleicht so formulieren: Die Politik der Agenda 2010 war schon Klassenpolitik, Klassenpolitik von oben. Die Eliten verb&uuml;nden sich mit den vermeintlichen Leistungstr&auml;gern der Gesellschaft. Dazu geh&ouml;ren nach diesem Verst&auml;ndnis auch die hart arbeitenden Lohnabh&auml;ngigen in der Industrie. In der Struktur und Begr&uuml;ndung der Hartz-IV-Gesetze steckt tats&auml;chlich latent der Vorwurf, dass sich Arbeitslose nicht gen&uuml;gend anstrengen. Ziel dieser Gesetze war es dementsprechend, den Unterklassen, die es sich angeblich in der sozialen H&auml;ngematte bequem machten, Beine zu machen. Das war die Grundphilosophie von Hartz-IV. Und die ist von Talkshows und Medien allgemein transportiert worden. Und Leute wie Clement haben da richtig gez&uuml;ndelt. <\/p><p><strong>Ist die Formulierung von Martin Schulz, der in seiner Antrittsrede sagte, er wolle sich f&uuml;r die &bdquo;hart arbeitenden Menschen, die sich an die Regeln halten&ldquo; einsetzen, vielleicht als eine Distanzierung von Arbeitslosen zu verstehen und das Signalisieren exklusiver Solidarit&auml;t an bestimmte Klassen, die sich mit dieser Formel identifizieren?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde sagen, Martin Schulz&rsquo; Formel ist offen in verschiedene Richtungen. Urspr&uuml;nglich geht diese Formel &uuml;brigens auf Bill Clinton zur&uuml;ck. Sie sollte eine Antwort auf die Klassenpolitik der Neokonservativen in den USA sein. Diese hatten sich den Klassenbegriff zu eigen gemacht, weil die liberale Linke in den USA diese Kategorie aufgegeben hatte. Die Neokonservativen bezogen den Klassenbegriff dann auf wei&szlig;e Arbeiter und deren konservative Werte, die vermeintlich von der liberalen Intelligenz in den Schmutz gezogen wurden. Um diese neokonservative Vereinnahmung der Arbeiterklassen zu kontern, hat Bill Clinton diese Politik &bdquo;f&uuml;r hart arbeitende Menschen&ldquo; entworfen (gemeint ist die sogenannte Aktivierungspolitik, das &bdquo;Beine machen&ldquo;; U. B.). Diese stand dann Pate f&uuml;r den sogenannten dritten Weg von Tony Blair und f&uuml;r die Agenda 2010 von Gerhard Schr&ouml;der. Und sie hat dazu gef&uuml;hrt, dass sich die sozialdemokratischen Parteien entproletarisiert haben. Damit meine ich, dass sich ihre Kontakte zu den Arbeitermilieus sehr stark gelockert haben oder g&auml;nzlich verloren gegangen sind. Dies verlief z. T. &auml;hnlich bei den kommunistischen Parteien Europas. Das hat zum Teil auch mit dem Strukturwandel der Wirtschaft zu tun. Im Ergebnis f&uuml;hrte dies dann zu einem politischen Vakuum in Arbeitermilieus. <\/p><p><strong>Wie die Wahlergebnisse der letzten Jahre zeigen, schaden die sozialdemokratischen Parteien mit ihrer neoliberalen Politik nicht nur ihren W&auml;hlern, sondern auch sich selbst. Wie ist es zu erkl&auml;ren, dass sie trotzdem stur daran festhalten?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist richtig, aber so ist es zun&auml;chst einmal unter Schr&ouml;der und auch bei anderen sozialdemokratischen Parteien entschieden worden. Die Politik des Dritten Weges hie&szlig;: Wir k&ouml;nnen uns der Globalisierung nicht widersetzen. Was wir tun k&ouml;nnen ist, den sozialen Kapitalismus in Europa an die Globalisierung anzupassen. Mehr ist nicht m&ouml;glich. Das war die Botschaft. Und die beinhaltete auch, dass man Gewerkschaften als bevorzugte strategische Partner au&szlig;en vor lie&szlig;. Dass man vom sozialen Kapitalismus abr&uuml;ckte und eine F&uuml;lle von marktwirtschaftlich orientierten Reformen durchsetzte. Dass Privatisierungen und Deregulierungen der Finanzm&auml;rkte umgesetzt wurden. Dies alles w&auml;re nicht m&ouml;glich gewesen, wenn man an den starken Verkoppelungen mit Gewerkschaften und Arbeitermilieus festgehalten h&auml;tte. Im Zuge dieser Politik hat sich auch die soziale Zusammensetzung der sozialdemokratischen Parteien ver&auml;ndert. Sie finden ja auch in der SPD fast keine Arbeiter mehr. Es hat auch dazu gef&uuml;hrt, dass eine Sprache daf&uuml;r fehlt, um die gesellschaftlichen Probleme von einfachen Arbeitern und Angestellten aus der Perspektive von unten politisch wirksam zu formulieren. Dazu haben leider auch die Soziologen beigetragen. Seit Mitte der achtziger Jahre, als Ulrich Becks Buch &bdquo;Die Risikogesellschaft&ldquo; erschien und damit auch die Individualisierungsthese in aller Munde war, hat der Mainstream der Soziologen nicht mehr von Klassen gesprochen. <\/p><p><strong>Sind die sozialdemokratischen Parteien quasi nur ideologischen Irrt&uuml;mern aufgesessen, oder war dies ein bewusster Bruch mit ihrer sozialdemokratischen Identit&auml;t und Weltanschauung? Also sozusagen ein &Uuml;berlaufen zur Kapitalseite?<\/strong><\/p><p>Also ich denke, dass dieser Kurswechsel seinerzeit durchaus gut gemeint gewesen sein kann. Die Sozialdemokraten hatten eine Serie von Wahlniederlagen hinter sich. Ausgel&ouml;st durch die franz&ouml;sische Linkskoalition, die noch einmal den Ansatz neokeynesianischer Politik verfolgt hatte (der Staat investiert und kurbelt die Nachfrage an; U.B. ) und damit gescheitert war, &uuml;berlegte man in den sozialdemokratischen Parteien, wie man aus diesem Dilemma herauskommt. Aber die Konsequenzen, die man daraus zog, waren letztlich falsch. <\/p><p><strong>Eine dieser wirtschaftspolitischen Konsequenzen war, dass die Einf&uuml;hrung von Leiharbeit f&uuml;r Unternehmen erleichtert wurde. Schr&ouml;ders rot-gr&uuml;ne Regierung begr&uuml;ndete dies damit, so mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Hatte Leiharbeit in der Vergangenheit diesen Effekt?<\/strong><\/p><p>Nein. Wer behauptet, das &bdquo;deutsche Jobwunder&ldquo; habe mit den Hartz-Reformen zu tun, sagt ganz klar die Unwahrheit. Das Versprechen war ja, durch &bdquo;F&ouml;rdern und Fordern&ldquo; die Menschen ganz unten aus ihrer Misere zu befreien. Und das ist offensichtlich, wie ich ja mit den von mir genannten Zahlen deutlich gemacht habe, vollkommen misslungen. Die soziale Ungleichheit und Unsicherheit hat sich verfestigt. Was aber erreicht wurde, ist, dass die soziale Lage unterhalb der Schwelle gesellschaftlicher Respektabilit&auml;t, wie ich sie beschrieben habe, abschreckt. Und das f&uuml;hrt dazu, dass die Konzessionsbereitschaft derjenigen, die noch in Besch&auml;ftigung sind, aber rausfallen k&ouml;nnten, zugenommen hat. Die sind jetzt eher bereit, einen miesen Job anzunehmen. Leiharbeit spielt bei prek&auml;rer Arbeit quantitativ betrachtet zwar keine so gro&szlig;e Rolle, wird aber von wichtigen exportorientierten Unternehmen strategisch genutzt. Im Automobilcluster um Leipzig (BMW und Porsche) existieren z. B. mehrere Klassen von Besch&auml;ftigten. Da gibt es Leiharbeiter, die genau das Gleiche machen, wie die Stammbesch&auml;ftigten, aber zu deutlich schlechteren Konditionen. Dann gibt es Leiharbeiter in ausgegr&uuml;ndeten Unternehmen. Vor Einf&uuml;hrung des Mindestlohnes hatte das dazu gef&uuml;hrt, dass Arbeiter im Extremfall zu 5,80 Euro die Stunde arbeiten mussten, w&auml;hrend die Stammbelegschaft ein Vielfaches erhielt. Das w&auml;re ohne Hartz-Reformen nicht m&ouml;glich gewesen.<\/p><p><strong>Leiharbeit bedeutet einen st&auml;ndigen Wechsel in der Belegschaft und erschwert die interne Kommunikation, da z. B. selbst&auml;ndige Werkvertragsarbeiter keine Anweisungen erhalten d&uuml;rfen. Da frage ich mich: Sind Stammbelegschaften nicht wesentlich produktiver?<\/strong><\/p><p>Das k&ouml;nnen die Unternehmen gar nicht genau erfassen, da die Leiharbeiter gar nicht als Personalkosten sondern als Sachkosten verbucht werden. Das h&auml;ngt damit zusammen, dass die Manager f&uuml;r ihre Produktionsvorgaben sogenannte Kopfzahlen haben, mit dem sie die Produktionsziele erreichen m&uuml;ssen. Reicht dies nicht, m&uuml;ssen sie auf Leiharbeit zur&uuml;ckgreifen oder ausgr&uuml;nden. Die Kosten daf&uuml;r werden dann als Sachkosten verbucht. Es spricht allerdings einiges daf&uuml;r, dass Stammbelegschaften mit den dazugeh&ouml;rigen Sicherheiten effizienter arbeiten. Man darf allerdings auch nicht den Konkurrenzmechanismus zwischen Leiharbeitern und Stammbelegschaft untersch&auml;tzen. Die prek&auml;r Besch&auml;ftigten wollen nat&uuml;rlich zeigen, dass sie besonders willig und leistungsbereit sind. In einem Betrieb der Elektroindustrie, den wir untersucht haben, haben wir festgestellt, dass dieser Konkurrenzmechanismus dazu gef&uuml;hrt hat, dass der normalerweise erreichte Akkord von 130% durch die Konkurrenz der Leiharbeiter auf 170% hochgetrieben wurde. Man darf auch nicht &uuml;bersehen: Eine Stammbelegschaft von 30.000 Mitarbeitern kann sich von 500 Leiharbeitern unter Druck gesetzt f&uuml;hlen. Das hei&szlig;t, durch Leiharbeit wird ein enormer disziplinierender Druck auf die Stammbelegschaften ausge&uuml;bt, da die Festangestellten Angst haben, dass genau dies, die Leiharbeit, in der n&auml;chsten Krise ihre eigene Zukunft sein k&ouml;nnte. Obwohl dies bei einer so gro&szlig;en Belegschaft nat&uuml;rlich unrealistisch ist, sind die &Auml;ngste da.<\/p><p><strong>Da ist so ein Ph&auml;nomen wie exklusive Solidarit&auml;t nat&uuml;rlich kein Wunder.<\/strong><\/p><p>Ganz genau. Aber diese hat mehrere Ursachen. Die Konkurrenzerfahrung ist eine Ursache. Aber auch 30 Jahre Standortpolitik hinterlassen Spuren. Da wird den Belegschaften immer wieder neu gesagt <em>&bdquo;Ihr m&uuml;sst euch einbringen, damit ihr das n&auml;chste neue Produkt bekommt und der Standort erhalten bleibt&ldquo;<\/em>. Das hat nat&uuml;rlich auch Auswirkungen. Dar&uuml;ber hinaus gibt es eine sozialpsychologische Ursache f&uuml;r exklusive Solidarit&auml;t. Wenn man erlebt, dass Langzeitarbeitslose, die dauerhaft aus dem System ausgeschlossen sind, sich langfristig mit unw&uuml;rdigen Lebensverh&auml;ltnissen arrangieren m&uuml;ssen, empfindet man dies als gro&szlig;e Bedrohung f&uuml;r die Solidarit&auml;t unter Lohnabh&auml;ngigen. Und ist dann empf&auml;nglich f&uuml;r exklusive Solidarit&auml;t. Das ist eine spontane Tendenz, die muss sich allerdings nicht zwangsl&auml;ufig durchsetzen. Entscheidend ist, wie Betriebsr&auml;te und Gewerkschaften sich dazu verhalten. Wenn Gewerkschaften eine Politik inklusiver Solidarit&auml;t entwickeln, die prek&auml;r Besch&auml;ftige einbezieht und klarstellt, dass Solidarit&auml;t ganz unten bei den Schw&auml;chsten anfangen muss, und sie das argumentativ gut unterf&uuml;ttern, dann kann das auch bei den Stammbesch&auml;ftigten Geh&ouml;r finden. Teilweise haben Gewerkschaften dies auch erkannt. Daf&uuml;r gibt es Beispiele. <\/p><p><strong>Die Regierungskoalition aus SPD und CDU hat das Leiharbeitsgesetz nach eigenen Angaben 2017 zugunsten der Leiharbeiter verbessert. Ist das neue Gesetz wirklich eine Verbesserung f&uuml;r die Leiharbeiter?<\/strong><\/p><p>Nein. Das was die Gewerkschaften erhofft haben, Leiharbeit unattraktiver zu machen, wird mit dem Gesetz nicht realisiert. Die neuen Befristungsregelungen z. B. k&ouml;nnen leicht unterlaufen werden, indem die Leiharbeiter &ouml;fter ausgewechselt werden. Statt solcher Regelungen m&uuml;sste Leiharbeit teurer gemacht werden. Das w&auml;re auch logisch. Denn Leiharbeiter m&uuml;ssen sich im Schnitt nach drei Monaten wieder auf eine neue Arbeitsstelle, neue Kollegen, neue Arbeitssituationen usw. einstellen und dazulernen. Das wird nach dem jetzigen System &uuml;berhaupt nicht belohnt. Im Grunde m&uuml;ssten Leiharbeiter eine Pr&auml;mie f&uuml;r ihre Flexibilit&auml;t bekommen. So ist das in Frankreich geregelt. Das w&uuml;rde Leiharbeit teurer machen und die Attraktivit&auml;t von Leiharbeit f&uuml;r Unternehmen reduzieren. Aber das neue Gesetz schafft keine gro&szlig;en Motive f&uuml;r Unternehmen, Leiharbeiter in die Stammbelegschaft zu &uuml;bernehmen. <\/p><p><strong>Warum unterst&uuml;tzen Gewerkschaften indirekt Leiharbeit? Die IG Metall hat in einem Tarifvertrag ausgehandelt, dass die neue Regelung, die Leiharbeit auf 18 Monate begrenzt, auf 4 Jahre pro Person ausgedehnt werden kann.<\/strong><\/p><p>Die Gewerkschafter haben versucht, aus der Not, n&auml;mlich dass die geltenden Regelungen ohnehin unterlaufen werden k&ouml;nnen und wenig bringen, eine Tugend zu machen. N&auml;mlich, dass sie Leiharbeitern das Leben erleichtern, indem sie ihnen eine gewisse Kontinuit&auml;t ihrer Arbeit in einem Betrieb erm&ouml;glichen. Dabei spielt nat&uuml;rlich auch die Hoffnung eine Rolle, bessere Bedingungen auf Betriebsebene aushandeln zu k&ouml;nnen. Ich f&uuml;rchte aber, dass das nicht funktionieren wird. Denn Betriebsr&auml;te sind erpressbar, sobald eine Krisensituation eintritt und das Thema Standortkonkurrenz ins Spiel kommt. Dann wird es sehr schwierig f&uuml;r Betriebsr&auml;te, eine Verhandlungsposition durchzuhalten. Wenn, dann k&ouml;nnen dies vor allem Betriebsr&auml;te in der Exportindustrie. Aber f&uuml;r Betriebe im Osten Deutschlands halte ich dies f&uuml;r unwahrscheinlich. Deshalb bef&uuml;rchte ich, dass diese Politik der IG Metall ein Rohrkrepierer wird. Au&szlig;erdem ist diese Politik auch nach au&szlig;en kaum vermittelbar. <\/p><p><strong>F&uuml;r den Abbau von Arbeitslosigkeit werden oft mehr Investitionen in Bildung gefordert. Ist eine zu geringe Qualifikation wirklich das Problem, das Arbeitslosigkeit und Prekarit&auml;t verursacht?<\/strong><\/p><p>Es ist zumindest nicht das einzige Problem. Man kann damit nicht alle Probleme l&ouml;sen. Ich glaube, f&uuml;r die Ausgegrenzten, die kaum Chancen haben, in den regul&auml;ren Arbeitsmarkt reinzukommen, braucht man so etwas wie einen sozialen Arbeitsmarkt, der ihnen ein w&uuml;rdiges Leben erm&ouml;glicht, und das hei&szlig;t: einer sinnvollen T&auml;tigkeit nachzugehen. Das wollen die meisten Betroffenen. Und das w&auml;re auch gut f&uuml;r die Gesellschaft, denn in den Gemeinden, in den Vereinen, liegt ja vieles brach, was man f&ouml;rdern k&ouml;nnte. Und zwar ohne Repressionen. Denn die Repressionen sind es ja, die stigmatisierend wirken. Sie werden in diesem System ja extrem &uuml;berwacht, das geht tief ins Privatleben. Ansonsten ist Bildung grunds&auml;tzlich nat&uuml;rlich gut. Das Arbeitslosengeld Q, das Martin Schulz vorgeschlagen hat, w&auml;re ein Ansatz. Aber nur ein kleiner. <\/p><p><strong>Wie sieht es mit der Digitalisierung aus? Wird die Arbeitspl&auml;tze kosten?<\/strong><\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich wird die Digitalisierung Jobs kosten. Und zwar nicht nur bei Routinet&auml;tigkeiten, sondern wahrscheinlich auch bei T&auml;tigkeiten im mittleren und anspruchsvollen Qualifikationsbereich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es zu einer noch st&auml;rkeren Polarisierung der Arbeits- und Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse kommen wird, also unterschiedlichen Klassen von Belegschaften wie bei der Leiharbeit. Wenn man trotzdem die Lohnabh&auml;ngigen motivieren will, sich auf die Digitalisierung einzulassen, braucht man robuste soziale Sicherungssysteme, die einen sozialen Absturz und Stigmatisierung verhindern. Dazu w&uuml;rde geh&ouml;ren, erheblich in Bildung und Weiterbildung zu investieren, aber auch in sinnvolle Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeiten. Da steht die Gesellschaft vor Grundfragen. Zum Beispiel: Wollen wir eine Roboterpflege von &auml;lteren, pflegebed&uuml;rftigen Menschen? Oder wollen wir das nicht? Wollen wir Menschen im Arbeitsprozess halten? Wenn ja, dann kostet das was, zumindest wenn es w&uuml;rdige Bedingungen sein sollen. Denken Sie mal an den Streik der ErzieherInnen zur&uuml;ck. Vordergr&uuml;ndig ging es dabei um h&ouml;here L&ouml;hne. Aber wenn Sie genau hingeschaut haben, konnten Sie erkennen, dass es um eine Aufwertung und h&ouml;here gesellschaftliche Anerkennung der sozialen Berufe ging. Dahinter steckte aber auch die Unzufriedenheit dar&uuml;ber, dass diese Arbeit immer mehr mit b&uuml;rokratischen T&auml;tigkeiten &uuml;berfrachtet wird, die nichts mehr mit der eigentlichen fachlichen Aufgabe zu tun haben. Also z. B. &Uuml;bernahmen von Dokumentationspflichten und Leistungsverdichtung, die daraus resultiert. Wenn Sie das zu Ende denken und eine Aufwertung dieser sozialen Bereiche anstreben, stellt sich die Frage: Wer bezahlt es? Die Kommunen, die L&auml;nder? Dann sind wir schnell bei der Steuergerechtigkeit und Umverteilung von oben nach unten und von den sehr produktiven Sektoren wie der Exportwirtschaft in die reproduktiven Arbeitsbereiche, also Erziehung, Gesundheit, Pflege usw. Das erfordert eine ganz andere Art von Gesellschaft ein, eine erheblich solidarischere Gesellschaft. <\/p><p><strong>Schlagen wir doch jetzt mal einen Bogen. Sie hatten schon von &bdquo;Klassenpolitik&ldquo; gesprochen. Die Klassentheorie erlebt eine Renaissance. Es gibt offensichtlich das Bed&uuml;rfnis nach mehr sozialer Sicherheit, aber politisch dr&uuml;ckt sich dies nicht durch einen Linksruck aus. Es gelingt der Linkspartei nicht, die SPD zu beerben. K&ouml;nnte man mit der Klassentheorie erkl&auml;ren, was anders gemacht werden m&uuml;sste, damit auch linke Politik eine Renaissance erlebt?<\/strong><\/p><p>Die Linkspartei h&auml;tte die Chance gehabt, Klassenpolitik von unten zu machen. Als die Linkspartei bei etwa 12% lag, gab es viele Gewerkschafter und Betriebsr&auml;te, die bereit waren, die Linkspartei zu unterst&uuml;tzen. Dieses Potential wurde leider zu einem gewissen Grad wieder verspielt. Ich kann nicht sagen, ob dies endg&uuml;ltig so sein wird, aber zeitweilig hat die Linkspartei dieses Potential auf jeden Fall verspielt. Dies h&auml;ngt damit zusammen, dass die Linkspartei eine linkspluralistische Partei ist, in der eine entschiedene Klassenpolitik, in der sich Stammbesch&auml;ftigte wiedererkennen k&ouml;nnen, teilweise nicht sehr hoch im Kurs steht. <\/p><p><strong>Bedeutet dies, dass es zu wenig Arbeiter in der Linkspartei gibt?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist richtig. Allerdings haben das Problem alle Parteien. Es ist aber auch ein Problem der Ansprache. Wenn man sich die Rhetorik der Linkspartei anschaut, dann kommen typische Klassenprobleme dort selten in einer Sprache vor, in der sich die Leute wiedererkennen. Ich habe insbesondere bei der Linkspartei hier im Osten nicht den Eindruck, dass sie ein besonderes Sensorium f&uuml;r gewerkschaftliche Forderungen hat oder dazu in der Lage ist, unterschiedliche Fraktionen von Lohnabh&auml;ngigen klassenpolitisch wirkungsvoll anzusprechen. Das h&auml;ngt auch damit zusammen, dass manche in der Linkspartei sagen &bdquo;<em>Wir wollen keine reine Gewerkschaftspartei sein<\/em>&ldquo;, was durchaus nachvollziehbar ist, denn im Osten sind die Gewerkschaften eher schwach.<\/p><p><strong>Ich habe erlebt, dass z. B. Paketboten, Wachdienstleute etc. die Linkspartei wahrnehmen, als k&uuml;mmere die sich nur um &ndash; Zitat &ndash; &bdquo;Feministinnen, Fl&uuml;chtlinge und Hartz-IV-Leute&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Diese Sichtweise w&uuml;rden Repr&auml;sentanten der Linkspartei weit von sich weisen, und sie ist in dieser Allgemeinheit auch nicht berechtigt. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen wir uns davor h&uuml;ten, Prekarit&auml;t und patriarchalische Herrschaft gegen Klassenpolitik auszuspielen. Solidarische Klassenpolitik schlie&szlig;t diese Konfliktachsen ein und beachtet deren Eigenst&auml;ndigkeit. Aber die Tatsache, dass die geschilderte Wahrnehmung entstehen kann, sagt nat&uuml;rlich was. Mein Eindruck ist, dass die Linkspartei die Gruppen, die zwar nicht prek&auml;r leben, aber bei Einkommen und Lebensbedingungen benachteiligt sind und ohne gro&szlig;e Aussichten auf gesellschaftlichen Aufstieg, &uuml;berhaupt nicht erreicht. Junge Leute sagen, wenn du Realschulabschluss hast und Arbeiter bist, kann danach nicht mehr viel kommen, au&szlig;er vielleicht noch, Gewerkschaftsfunktion&auml;r zu werden. Dort herrscht die Weltsicht, das Empfinden vor, es gibt ein klar getrenntes Oben und Unten, und wer unten ist, kommt auch nicht raus aus seinen unbefriedigenden Lebensbedingungen. Diese Gruppen m&uuml;ssten so angesprochen werden, dass sie f&uuml;r sich eine realistische Aussicht auf eine bessere Gesellschaft erkennen k&ouml;nnen. Und das leistet die Linkspartei gegenw&auml;rtig zu wenig. <\/p><p><strong>Wie sieht es bei den Sozialdemokraten aus?<\/strong><\/p><p>Dort haben wir erfreulicherweise auch eine Gegenbewegung zum sogenannten &bdquo;Dritten Weg&ldquo; a&rsquo; la Schr&ouml;der und Blair. Ich meine die Bewegung von Bernie Sanders in den USA und Jeremy Corbyn in Gro&szlig;britannien, aber auch die Sozialistische Partei Portugals mit ihrer von zwei anderen Linksparteien geduldeten Minderheitenregierung. Die programmatisch interessanteste und innovativste Entwicklung finden wir derzeit aber in der sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Die haben im Dezember 2016 ein Papier zur Wirtschaftsdemokratie verabschiedet, das ganz junge Leute geschrieben haben, n&auml;mlich Cedric Wermuth und Pascal Zwicky. Sinngem&auml;&szlig; steht dort drin, wir brauchen eine Alternative zum Kapitalismus, a) weil wir es k&ouml;nnen, b) weil der Prozess ohnehin schon im Gange ist und c) weil wir eine Perspektive bieten m&uuml;ssen. Der Kern des Programms ist die Umverteilung von wirtschaftlicher Entscheidungsmacht. Es geht in diesem Papier also nicht nur um materielle Umverteilung und Arbeitszeiten, sondern um eine Umverteilung von Entscheidungsmacht in den gro&szlig;en Unternehmen und der Gesellschaft. Das ist ein Versuch, das anzusprechen, was uns viele in unseren Forschungsinterviews auch sagen. Auch Gewerkschafter und Arbeiter, die zur AFD und PEGIDA tendieren, sagen uns, da sind Fehler im System. Nur rechnen sie die Ursachen falsch zu. In ihrem Relevanzsystem steht nicht mehr der Klassengegensatz ganz oben, sondern der Gegensatz von innen und au&szlig;en, von Inl&auml;ndern und Ausl&auml;ndern usw. Eine popul&auml;re Klassenpolitik, also eine, die wirklich in das Alltagsbewusstsein Eingang findet, m&uuml;sste diese Hierarchie der Gegens&auml;tze ver&auml;ndern und deutlich machen, dass der entscheidende Gegensatz der zwischen Reich und Arm, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten ist. Wenn man dies nicht tut, dann wirken Klassenverh&auml;ltnisse nicht in Richtung Solidarit&auml;t, sondern f&uuml;hren zu sozialer Abgrenzung, Ausgrenzung, Konkurrenz und Abwertung ganzer Gruppen. Und genau das erleben wir derzeit. Dem m&uuml;sste man ein anderes Erkl&auml;rungsmuster, das des Klassengegensatzes, entgegensetzen. So dass deutlich wird: Es sind nicht die Fl&uuml;chtlinge, sondern andere Interessen, die eure Probleme verursachen. Das passiert in der deutschen Sozialdemokratie nicht nur zu wenig, sondern fast gar nicht. Auch nicht bei Martin Schulz. Er startete mit dem Gerechtigkeitsversprechen. Aber anstatt offensiv anzusprechen, wo konkret die Gerechtigkeitsprobleme bestehen, weicht er wieder zur&uuml;ck und bleibt inhaltlich vage. Und so, wie er vorher hochgeschrieben wurde, wird er nun wieder demontiert (Hinweis f&uuml;r die Leser: Das Interview fand bereits vor der Wahl in NRW statt! Prof. D&ouml;rres Einsch&auml;tzung wurde mit dem Wahlergebnis und den Medienreaktionen exakt best&auml;tigt; U.B.). <\/p><p><strong>Welche Rolle spielen die Medien? Die Politologin Chantal Mouffe meint, wenn die sozialdemokratischen Parteien wieder eine echte politische Alternative zum neoliberalen Kapitalismus b&ouml;ten, dann w&uuml;rden auch die Medien offener f&uuml;r Alternativen sein. <\/strong><\/p><p>Ja, das stimmt. Aber man muss dazu sagen: Es gibt bei den Medien noch ein weiteres Problem. In den meinungsf&uuml;hrenden Medien gibt es einen &Uuml;berhang von JournalistInnen, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sind und im Rahmen der neuen sozialen Bewegungen in den 70er Jahren und durch die Gr&uuml;nen sozialisiert worden sind. Von ihrem Habitus her haben diese Leute kein Gesp&uuml;r daf&uuml;r, was die sogenannten &bdquo;kleinen Leute&ldquo; umtreibt. Daf&uuml;r finden die auch nicht die richtige Sprache. Das ist denen einfach nicht gegeben. Deshalb ist es auch schwierig, mit klassenpolitischen Ans&auml;tzen in den Medien zu punkten. Das &auml;ndert aber nichts daran, dass es notwendig ist, eine popul&auml;re Klassenpolitik zu betreiben. Von rechtspopulistischen Parteien wird uns ja vorexerziert, dass man mit einer popul&auml;ren Ansprache etwas erreichen kann. Aber dazu fehlt den Sozialdemokraten offenbar der Mut. Und die Linkspartei wird, mit Ausnahme von Sahra Wagenknecht, die etwa zur Fluchtmigration h&ouml;chst problematisch argumentiert, von den Medien geschnitten. Deshalb ist es wirklich schwierig, mit einem popul&auml;ren klassenpolitischen Ansatz in die Medien vorzudringen. Aber wenn eine gro&szlig;e Partei wie die SPD das nicht angeht, dann wird sich an den Verh&auml;ltnissen wahrscheinlich absehbar wenig &auml;ndern. <\/p><p><strong>Die SPD m&uuml;sste vielleicht eine Gegenbewegung von unten organisieren, wie es zur Zeit von Willy Brandt so gut funktioniert hat.<\/strong><\/p><p>Exakt, wenngleich die 68er-Bewegung nicht von Brandt initiiert wurde und wir uns nicht zu sehr nach alten Zeiten zur&uuml;cksehnen sollten. Die kommen nicht wieder! Dennoch: Willy Brandt war eine Leitfigur, die mit Leidenschaft Politik betrieben hat und f&uuml;r eine demokratische Polarisierung in der Gesellschaft gesorgt hat. Das ist ja das Richtige am Populismus: Mit Leidenschaft Politik zu betreiben. Das br&auml;uchten wir heute wieder von links. So ist es ja auch Willy Brandt gelungen, politische Konzepte durchzusetzen, etwa die Ostvertr&auml;ge, die machtpolitisch eigentlich als aussichtslos galten, weil es zu viel Widerstand in der Gesellschaft dagegen gab, insbesondere auch in den Medien. Diesen Mut, den Willy Brandt hatte, sehe ich gegenw&auml;rtig nicht in der SPD, auch nicht bei Martin Schulz. Ich habe den Eindruck, dass die Partei innen von latenten Konkurrenzk&auml;mpfen der f&uuml;hrenden Pers&ouml;nlichkeiten geschw&auml;cht ist. Da fehlt eine Grundsolidarit&auml;t im Inneren, die vermittelt, dass die SPD-Politiker sich in erster Linie ihrer Sache verpflichtet f&uuml;hlen, n&auml;mlich die Gesellschaft zu ver&auml;ndern, und nicht prim&auml;r ihrer pers&ouml;nlichen Karriere verpflichtet sind. Diesen Eindruck der Authentizit&auml;t hat man bei der SPD nicht. Martin Schulz hatte bei vielen Leuten offensichtlich diesen Vertrauenskredit. Aber im Moment sieht es so aus, als ob er dieses Kapital wieder verspielt h&auml;tte.<\/p><p><strong>Herr Prof. D&ouml;rre, ganz herzlichen Dank f&uuml;r diese interessanten Informationen und Einsch&auml;tzungen!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170519-doerre.jpg\" alt=\"Klaus D&ouml;rre\" title=\"Klaus D&ouml;rre\"\/><\/div>\n<p>&bdquo;Deutschland geht es gut&ldquo; betont Angela Merkel bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Eine Botschaft, die durchaus auf fruchtbaren Boden f&auml;llt. Das kann man in Alltagsgespr&auml;chen immer wieder feststellen. Da hei&szlig;t es dann: &bdquo;Uns geht&rsquo;s doch gut&ldquo;. Deshalb wollten wir dieses Thema einmal<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38356\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,147,141,107,109,140,209,132],"tags":[1550,1740,1162,661,1093,739,284,2094,1759,745,742,817,866,1156,319,315,317,588,1221,288,312,309,411,1193,1771,443,827,687,1773],"class_list":["post-38356","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-audio-podcast","category-gewerkschaften","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-interviews","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-agenda-2010","tag-arbeitsbedingungen","tag-blair-tony","tag-clement-wolfgang","tag-clinton-bill","tag-doerre-klaus","tag-deregulierung","tag-digitalisierung","tag-entsolidarisierung","tag-erwerbstaetige","tag-ig-metall","tag-jobwunder","tag-konkurrenzdenken","tag-leiharbeit","tag-lohnentwicklung","tag-merkel-angela","tag-mindestlohn","tag-personalabbau","tag-perspektivlosigkeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-repressionen","tag-schroeder-gerhard","tag-schulz-martin","tag-selbststaendige","tag-standortwettbewerb","tag-stigmatisierung","tag-ungleichheit","tag-zweiter-arbeitsmarkt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38356"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38356\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89522,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38356\/revisions\/89522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}