{"id":3840,"date":"2009-03-23T08:16:02","date_gmt":"2009-03-23T07:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3840"},"modified":"2014-01-29T11:17:14","modified_gmt":"2014-01-29T10:17:14","slug":"merkel-bei-anne-will-ich-glaube-wir-haben-bis-jetzt-das-richtige-getan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3840","title":{"rendered":"Merkel bei Anne Will: \u201eIch glaube, wir haben bis jetzt das Richtige getan.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Man habe in den ersten drei Jahren der Gro&szlig;en Koalition bis die Krise kam &bdquo;erfolgreich&ldquo; gearbeitet. Nicht in Deutschland seien die Fehler gemacht worden. Nicht die Politik trage eine Mitverantwortung f&uuml;r die Krise, sondern nur die Banken seien &bdquo;au&szlig;er Rand und Band geraten&ldquo;. Es sei &bdquo;eben nicht&ldquo; eine Krise der sozialen Marktwirtschaft, es habe einfach nur &bdquo;Exzesse der M&auml;rkte&ldquo; gegeben.<br>\nWie soll jemand in einer Krise das Richtige tun k&ouml;nnen, der offensichtlich meint, dass er mit den Ursachen der Krise rein gar nichts zu tun hat. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMerkel tut gerade so, als w&auml;re etwa die F&ouml;rderung des Kreditverkaufs nicht mit ihrer Billigung 2005 in den Koalitionsvertrag hineingeraten. <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,oaneh5iv9je4oqm9~cm.asp\">War der unkontrollierte Kreditverkauf nicht eine der Hauptursachen der Finanzkrise?<\/a><br>\nIm <a href=\"http:\/\/www.cducsu.de\/upload\/koavertrag0509.pdf\">Koalitionsvertrag [PDF &ndash; 2 MB]<\/a> von CDU, CSU und SPD ist ein Kapitel auf den Seiten 86 und 87 der &bdquo;Finanzmarktpolitik&ldquo; gewidmet. Dort wird der Deregulierung das Wort geredet. &Uuml;berfl&uuml;ssige Regulierungen sollen abgebaut werden. Es werden der Ausbau des Verbriefungsmarktes, von PPP, von Reits und die Fortentwicklung des Unternehmensbeteiligungsgesetzes gefordert. Produktinnovationen und neue Vertriebswege m&uuml;ssten nachdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzt werden, hei&szlig;t es dort.<\/p><p>Hat nicht Finanzminister Steinbr&uuml;ck die Finanzmarktpolitik zum Eckpfeiler des Koalitionsvertrages erkl&auml;rt und z.B. <a href=\"?p=2655\">bestehende Grenzen beim Erwerb von Asset Backed Securities (ABS) abgebaut<\/a>? Jahrelang wurde die Finanzbrache massiv unterst&uuml;tzt und gef&ouml;rdert. Haben nicht Vertreter der Bundesregierung, z.B. <a href=\"upload\/pdf\/081010_Asmussen.pdf\">Finanzstaatssekret&auml;r Asmussen [PDF &ndash; 226 KB]<\/a>,  die Vorteile des Risikogesch&auml;ftes gepriesen? Hat man nicht 2008 den Finanzinvestoren weitere Steuergeschenke gemacht, damit der Finanzsektor endlich so stark wie in Gro&szlig;britannien werde? Wer hat eigentlich die <a href=\"?p=2028\">sog. REIT (Real Estate Investment Trusts) von der K&ouml;rperschaftssteuer befreit<\/a>? Sollten etwa nicht Beratungsleistungen der <a href=\"?p=2472\">Private-Equity-Branche von der Umsatzsteuer befreit werden<\/a>? Hat die Bundesregierung etwas dagegen gesagt, geschweige denn etwas dagegen unternommen, als der Deutsche Bank-Chef Ackermann 25 Prozent als Renditeziel ausgab? Wurden nicht die Hedge-Fonds gef&ouml;rdert und wie etwa bei der Telekom geradezu als Triebfedern f&uuml;r die Modernisierung gelobt?<br>\nWir haben auf den NachDenkSeiten in zahllosen Beitr&auml;gen belegt, wie weit die Politik von der Finanzindustrie getrieben und mit ihr verbandelt war und bis heute ist und wir haben das sch&auml;dliche Wirken von Finanzinvestoren dargestellt. <\/p><p>Die Kanzlerin tut aber so, als habe sie mit der Finanzkrise rein gar nichts zu tun, im Gegenteil sie erkl&auml;rt die Politik der Gro&szlig;en Koalition bis zum Ausbruch der Krise, als &bdquo;erfolgreich&ldquo;. Und weil sie fr&uuml;her als andere Regeln f&uuml;r die Finanzm&auml;rkte gefordert habe, gehe sie &ldquo;ein bisschen selbstbewusst&rdquo; in die Gespr&auml;che mit den USA und den anderen G20-L&auml;ndern. Doch welche Regeln hat sie eigentlich gefordert und welche Regeln hat sie in Deutschland umgesetzt?<\/p><p>Wir erwarten von unseren Talkmasterinnen schon lange nicht mehr, dass sie einmal in ihre Archive greifen w&uuml;rden, um Politiker mit ihren fr&uuml;heren Erkl&auml;rungen und Entscheidungen zu konfrontieren. Es gab auch keine einzige Frage danach, welche Gesetze und Ma&szlig;nahmen auf dem Feld der Finanzpolitik Merkel zur&uuml;ckzunehmen oder zu &auml;ndern gedenke. So konnte sich die Kanzlerin mit banalen Spr&uuml;chen, wie etwa wir m&uuml;ssen &bdquo;die Banken wieder zum Arbeiten bringen&ldquo; oder wir m&uuml;ssen &bdquo;die Unternehmen wieder auf die Beine bringen&ldquo; &uuml;ber die Krise und ihre Politik vor und in der Krise hinwegreden. In keiner Sachfrage musste sie konkret werden: Die Regierung tue alles, damit der Abschwung schnell zu Ende gehe und sie sei zuversichtlich, dass Deutschland die Krise meistern werde. Die Menschen m&uuml;ssten einfach nur darauf vertrauen, dass die Bundesregierung in einer extrem schwierigen Situation die richtigen Entscheidungen f&uuml;r Deutschland treffe. Mit solchen abgedroschenen Formeln kann man sich in deutschen Leitmedien aus der eigenen Krise reden. <\/p><p>Als Anne Will Merkel ein einziges Mal, mit einem Zitat aus dem Jahre 2003 konfrontierte, entschl&uuml;pfte die Kanzlerin mit dem Hinweis, dass seither sehr &bdquo;viel passiert&ldquo; sei.<\/p><p>Die Enteignung der HRE als &bdquo;ultima ratio&ldquo; ist f&uuml;r Merkel &bdquo;nur eine M&ouml;glichkeit, damit die soziale Marktwirtschaft weiter bestehen kann&ldquo;. Mit anderen Worten, damit es anschlie&szlig;end so weiter gehen kann, wie bisher. &bdquo;Der Staat rettet also das alte, gescheiterte Finanzsystem&ldquo; schreibt <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/885\/462503\/text\/\">Heribert Prantl in der SZ<\/a> so richtig. <\/p><p>Auch bei Opel ist f&uuml;r Merkel nicht etwa die Bundesregierung gefordert. Nein, die USA m&uuml;ssten entscheiden und die Trennung von General Motors organisieren. Danach sagte sie allerdings das Gegenteil, n&auml;mlich Opel m&uuml;sse zum Teil weiter vom Mutterkonzern gef&uuml;hrt werden und selbst einen Investor finden. Erst dann k&ouml;nne der deutsche Staat B&uuml;rgschaften &uuml;bernehmen. Eine Staatsbeteiligung kommt f&uuml;r Merkel ohnehin nicht in Frage: &ldquo;Diese Absicht haben wir nicht.&rdquo; Es w&auml;re f&uuml;r die Mitarbeiter &bdquo;keine gute Nachricht&ldquo;, wenn sich niemand sonst als der Staat an Opel beteiligen w&uuml;rde.<br>\nWieder sind es die andern, denen die Verantwortung in die Schuhe geschoben wird, gerade so, als ob man in Ruhe abwarten k&ouml;nnen, welche Entscheidungen jenseits des Atlantiks getroffen werden oder welcher Investor sich nun finden mag.<\/p><p>Die Boni f&uuml;r Manager hielt Merkel f&uuml;r &bdquo;unpassend&ldquo;, insbesondere bei den Unternehmen, die staatliche Hilfe erhielten. Zur Klage des fr&uuml;heren Vorstandschefs der Hypo Real Estate, Georg Funke, der nach seinem R&uuml;ckzug die Bank auf Gehaltszahlungen in H&ouml;he von rund 3,5 Millionen Euro verklagt hat, oder zur Tatsache, dass Zumwinkel 20 Millionen Altersversorgung erh&auml;lt, meinte sie: &bdquo;Ehrlich gesagt, kann ich es nicht verstehen.&ldquo;<br>\n&bdquo;Das Irre an Boni ist, dass wir fr&uuml;her dachten, die gibt es nur f&uuml;r Erfolg. Und jetzt stellen wir fest, dass es sie f&uuml;r Misserfolg gibt.&ldquo; Das sei &bdquo;emp&ouml;rend&ldquo; und das richte &bdquo;gro&szlig;en Schaden bei den Menschen an&ldquo; beklagte sie. Dass dagegen eine Verk&auml;uferin wegen angeblicher Unterschlagung von ein Euro drei&szlig;ig entlassen werden darf, konnte Merkel nur &bdquo;mit M&uuml;he&ldquo; verstehen. Auf die Frage, was die Kanzlerin dagegen zu tun gedenkt, wartete man von Anne Will allerdings vergebens. <\/p><p>Eine &bdquo;soziale Krise&ldquo; bef&uuml;rchtet die Kanzlerin nicht, schlie&szlig;lich gebe es bei uns Betriebsr&auml;te, Mitbestimmung, den Mittelstand sowie die sozialen Sicherungssysteme. Schaut man auf die Wirklichkeit des zunehmenden Auseinanderdriftens von Arm und Reich, von L&ouml;hnen und Managergeh&auml;ltern, schaut man auf die Millionen die auf Hartz-IV angewiesen sind, schaut man auf den gr&ouml;&szlig;er werdenden Niedriglohnsektor und die prek&auml;re Besch&auml;ftigung mit Zeitarbeit und Mini-Jobs, so fragt man sich, in welchem Land unsere Kanzlerin eigentlich lebt. Eine &bdquo;soziale Krise&ldquo; ist l&auml;ngst eingetreten und zwar schon vor der Finanzkrise. M&uuml;ssen die Deutschen wie die Franzosen wirklich erst auf die Stra&szlig;e gehen, damit Angela Merkel etwas von der um sich greifenden sozialen Krise bemerkt? <\/p><p>Kritik, sei es von B&uuml;rgern, sei es aus der Koalition, sei es aus den eigenen Reihen, lie&szlig; Merkel locker an sich abtropfen. Sie konnte die Rolle spielen: Lass die Hunde bellen, ich bin der Hofherr. &ldquo;Ich hab&rsquo; sie einfach gern, die CDU, das ist meine Heimat&rdquo; oder &ldquo;Wir alle geh&ouml;ren zusammen&rdquo;  waren die schon ans L&auml;cherliche grenzenden Antworten der Parteivorsitzenden auf die Attacken aus der eigenen Partei.<br>\nIhren Standort beschrieb Merkel so: &bdquo;Ich bin mal liberal, mal christlich sozial, mal konservativ&ldquo;. Eine sch&ouml;nere Beschreibung ihrer Beliebigkeit konnte die Kanzlerin nicht geben.<\/p><p>Anne will spielte in der Sendung die Rolle einer kritischen, manchmal sogar provokanten Nachfragerin, sie arbeitete dabei aber nur munter Ihren Fragezettel ab. Die wirklichen Fragen, nach der Verantwortung der Kanzlerin f&uuml;r die Krise und nach deren vorausgegangenen politischen Entscheidungen hat sie nicht gestellt. Und hinterfragt hat sie die nichtssagenden und ausweichenden Antworten der Kanzlerin auch nicht. <\/p><p>Merkel konnte so das tun, was Politiker immer tun, wenn sie nicht mit ihrem Handeln konfrontiert werden: sie konnte um Vertrauen bei den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern f&uuml;r die Zukunft werben, dass die Regierung schon das Richtige tun werde. So verschaffte Anne Will Angela Merkel einen pr&auml;chtigen Wahlkampfauftritt. Auf die Frage, ob sie die richtige Regierungschefin sei, um diese Krise zu meistern, antwortete Merkel: &ldquo;Ja, ich glaube schon.&rdquo;<br>\nDiesen Glauben k&ouml;nnen ihr offenbar nur noch die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler nehmen. Wenn man allerdings den Applaus im Publikum gesehen hat, dann kann einem im Wortsinne schwarz vor Augen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man habe in den ersten drei Jahren der Gro&szlig;en Koalition bis die Krise kam &bdquo;erfolgreich&ldquo; gearbeitet. Nicht in Deutschland seien die Fehler gemacht worden. Nicht die Politik trage eine Mitverantwortung f&uuml;r die Krise, sondern nur die Banken seien &bdquo;au&szlig;er Rand und Band geraten&ldquo;. Es sei &bdquo;eben nicht&ldquo; eine Krise der sozialen Marktwirtschaft, es habe einfach<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3840\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[50,123,41,132],"tags":[284,315,554,244,1536],"class_list":["post-3840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzkrise","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-deregulierung","tag-merkel-angela","tag-opel","tag-vierte-gewalt","tag-will-anne"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3840"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20463,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3840\/revisions\/20463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}