{"id":385,"date":"2004-10-29T15:22:10","date_gmt":"2004-10-29T14:22:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=385"},"modified":"2016-03-24T11:18:31","modified_gmt":"2016-03-24T10:18:31","slug":"kein-zusammenhang-zwischen-lohnnebenkosten-fur-gesundheit-und-der-entwicklung-von-beschaftigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=385","title":{"rendered":"Kein Zusammenhang zwischen Lohnnebenkosten f\u00fcr Gesundheit und der Entwicklung von Besch\u00e4ftigung?"},"content":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Untersuchung des Berliner Instituts f&uuml;r Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) belegt, dass es &bdquo;keinen Zusammenhang zwischen der Belastung der Arbeitgeber durch Gesundheitsausgaben und der Entwicklung der Besch&auml;ftigung (gibt) &ndash; weder in Deutschland noch im internationalen Vergleich&ldquo;. Diese empirische Studie widerspricht einer der Grundannahmen im Katechismus der System&uuml;berwinder, n&auml;mlich dass die hohen Lohnnebenkosten das wichtigste Besch&auml;ftigungshemmnis seien und es deshalb &bdquo;alternativlos&ldquo; sei, etwa die Beitr&auml;ge f&uuml;r die Krankenversicherung durch Streichung von Leistungen oder durch Privatisierung der Kosten zu senken oder gar &ndash; wie CDU und auch CSU es vorhaben &ndash; die Gesundheitskosten gleich ganz von der parit&auml;tischen Finanzierung zu entkoppeln.<br>\n<!--more--><br>\nEs d&uuml;rfe nicht st&auml;ndig Politik auf der Basis von falschen Annahmen gemacht werden, sagte Professor Norbert Klusen, Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse: &bdquo;Immer wieder wird argumentiert, die Arbeitgeber seien durch Gesundheitsausgaben zu stark belastet und es m&uuml;ssten Leistungen aus der GKV gestrichen werden, damit mehr Besch&auml;ftigung entsteht. Im Interesse unserer 5,7 Millionen Versicherten wollten wir wissen, ob dies stimmt&ldquo;.<br>\nEin beim Berliner Institut f&uuml;r Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und dem Augsburger BASYS-Institut in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass kein Zusammenhang zwischen den Belastungen der Arbeitgeber durch Gesundheitsausgaben und der Besch&auml;ftigungsentwicklung besteht. (Vgl. www.tk-online.de unter der Rubrik Presse-Center)<br>\nEntgegen dem allgemeinen Lamento von Wirtschaft und Politik, dass angeblich die hohen Lohn-&bdquo;Zusatz&ldquo;-Kosten f&uuml;r Gesundheit die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit gef&auml;hrdeten, belegt die Untersuchung, dass beim Anteil der Arbeitgeber an den gesundheitsbedingten Kosten Deutschland unter den vergleichbaren L&auml;ndern &bdquo;im Mittelfeld&ldquo; liege.<\/p><p>In der Studie wird argumentiert: &bdquo;Etwa zehn Prozent der Arbeitskosten gehen auf Gesundheitsausgaben zur&uuml;ck. Gemessen an den Gesamtkosten der Unternehmen, also dem Produktionswert, liegt der Anteils sogar nur bei rund drei Prozent&ldquo;. Zwischen 1995 und 2000 h&auml;tten alle Kostengr&ouml;&szlig;en st&auml;rker zugenommen als die gesundheitsbedingten Belastungen der Arbeitgeber.<br>\nIn einer Betrachtung einzelner Branchen wird dargestellt, dass etwa die gesundheitsbedingten Belastungen in der Textilindustrie zwischen 1995 und 2000 um 16,2% gesunken, die Besch&auml;ftigung aber keineswegs angestiegen sei, sondern um 26,8% abgenommen habe. Im Fahrzeugbau wiederum seien entsprechende Belastungen um stolze 31% gewachsen und dennoch sei die Besch&auml;ftigung um 18,3% gestiegen. Auch andere Branchen lie&szlig;en keinen Zusammenhang zwischen gesundheitsbedingter Arbeitgeberbelastung und Besch&auml;ftigungsentwicklung erkennen.<\/p><p>Auch im Ausland lasse sich ein solcher Zusammenhang nicht feststellen. Im &uuml;brigen liege Deutschland bei den Gesundheitskosten der Arbeitgeber keineswegs &ndash; wie immer wieder behauptet wird &ndash; international an der Spitze, sondern allenfalls im Mittelfeld. Betrachte man den Anteil der Gesundheitskosten am Produktionswert, so liege Deutschland bei 3,2%, gleichauf &ndash; man h&ouml;re und staune &ndash; mit den USA; Frankreich oder die Niederlande h&auml;tten sogar h&ouml;here Anteile. <\/p><p>Bezogen auf das Untersuchungsjahr 2000 l&auml;ge die Entlastung der Arbeitgeber in der Endstufe der augenblicklich noch geltenden Gesundheits-&bdquo;Reform&ldquo; im Jahre 2007 bei 8 Milliarden Euro. <\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong><br>\nDieser Milliarden-Kapital-&bdquo;Gewinn&ldquo; lie&szlig;e sich nat&uuml;rlich trefflich in Billiglohnl&auml;ndern investieren und damit lie&szlig;en sich weitere Arbeitspl&auml;tze aus Deutschland abziehen. Mit der weiteren Verlagerung von Arbeitspl&auml;tzen k&ouml;nnte man dann noch lauter lamentieren, dass die Lohnnebenkosten f&uuml;r die Gesundheit immer noch zu hoch seien. So lie&szlig;e sich dann der Teufelskreis bis zur v&ouml;lligen Abschaffung der Arbeitgeberanteile an den Gesundheitskosten fortsetzen. Die Parole &bdquo;Nach der Reform ist vor der Reform&ldquo; best&auml;tigte sich immer wieder von selbst &ndash; egal ob jemals ein Zusammenhang zwischen der Belastung der Arbeitgeber durch Gesundheitskosten und der Besch&auml;ftigungsentwicklung belegt ist oder nicht. <\/p><p>Vielleicht folg ja diese Parole einer ganz anderen Logik. K&ouml;nnte nicht der Zusammenhang zwischen der Verlagerung von Arbeitspl&auml;tzen und der Senkung der Gesundheitskosten f&uuml;r die Arbeitgeber gerade darin bestehen, dass jedenfalls die im internationalen Wettbewerb stehende Wirtschaft mit den durch die Kostensenkung erzielten zus&auml;tzlichen Gewinnen das n&ouml;tige Kapital f&uuml;r Investitionen erwirtschaftet, f&uuml;r Investitionen aber leider nicht &ndash; wie unsere Reformprotagonisten erhoffen &ndash; bei uns, sondern in Niedriglohnl&auml;ndern? <\/p><p><strong>Aufl&ouml;sung:<\/strong><br>\nDiese These ist nat&uuml;rlich genau so wenig belegt wie die g&auml;ngige Behauptung, die Senkung der Gesundheitskosten f&uuml;r die Arbeitgeber schaffe mehr Besch&auml;ftigung. Man sollte auch nicht so weit gehen, dass das jetzt von der Techniker Krankenkasse vorgelegte Gutachten der Weisheit letzter Schluss w&auml;re. <\/p><p>Wie man zu der Studie auch stehen mag, ihre Aussagen sind jedenfalls empirisch besser begr&uuml;ndet als die gebetsm&uuml;hlenhafte Wiederholung der schlichten Behauptung, die Senkung der Lohnnebenkosten durch die Gesundheitsreform sei &bdquo;alternativlos&ldquo; und &bdquo;objektiv notwendig&ldquo;, um die Arbeitslosigkeit zu bek&auml;mpfen &ndash; wie wir das t&auml;glich aus Politik, Wirtschaft und Medien h&ouml;ren k&ouml;nnen.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Untersuchung des Berliner Instituts f&uuml;r Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) belegt, dass es &bdquo;keinen Zusammenhang zwischen der Belastung der Arbeitgeber durch Gesundheitsausgaben und der Entwicklung der Besch&auml;ftigung (gibt) &ndash; weder in Deutschland noch im internationalen Vergleich&ldquo;. Diese empirische Studie widerspricht einer der Grundannahmen im Katechismus der System&uuml;berwinder, n&auml;mlich dass die hohen Lohnnebenkosten das wichtigste<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=385\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,25,149,123],"tags":[704],"class_list":["post-385","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-lohnnebenkosten","category-gesundheitspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-gesundheitsreform"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=385"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/385\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32475,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/385\/revisions\/32475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}