{"id":3852,"date":"2009-03-26T09:28:20","date_gmt":"2009-03-26T08:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3852"},"modified":"2014-01-29T11:09:51","modified_gmt":"2014-01-29T10:09:51","slug":"das-weltwasserforum-keine-einigung-auf-ein-menschenrecht-auf-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3852","title":{"rendered":"Das Weltwasserforum \u2013  keine Einigung auf ein Menschenrecht auf Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Nur etwa drei Prozent der globalen Wassermenge bestehen aus S&uuml;&szlig;wasser. Drei Viertel davon sind in Gletschern und im Polareis gespeichert. Obwohl zwei Drittel der Erdoberfl&auml;che von Wasser bedeckt sind, ist es ein knappes Gut und der Zugang zur knappen Ressource ist begrenzt. Etwa 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung und 2,5 Milliarden Menschen haben lt. aktueller Pressemeldung des Bundesministeriums f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung keine angemessene Sanit&auml;rversorgung.<br>\nDas ist katastrophal, denn fehlender Zugang zu sauberem Wasser und mangelnde Sanit&auml;rversorgung sind die h&auml;ufigsten Ursachen f&uuml;r Krankheiten.<br>\nGerade weil die Versorgung mit Wasser ein Grundbed&uuml;rfnis aller Menschen und eine treibende Kraft der modernen wirtschaftlichen Entwicklung ist, lockt das Gesch&auml;ft mit dem Wasser. Je knapper die wichtigste Ressource der Menschheit durch zunehmende Verschmutzung und Verschwendung wird, umso gr&ouml;&szlig;er versprechen die Gewinne derjenigen zu werden, die in Zukunft &uuml;ber das &bdquo;blaue Gold&ldquo; verf&uuml;gen.<br>\nDas f&uuml;nfte Weltwasserforum in Istanbul, das am 16. begonnen hat und am 22. M&auml;rz, dem internationalen Weltwassertag, endete, war das bislang gr&ouml;&szlig;te weltweite Treffen f&uuml;r Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Am Ende des Forums verfassten die Ministerinnen und Minister eine Abschlusserkl&auml;rung, die den hochgesteckten Erwartungen nicht gerecht wird. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDas Weltwasserforum wird von dem privat organisiertem Weltwasserrat getragen, der eine Denkfabrik und zugleich eine Lobbyistenorganisation ist. Zu dessen 300 Mitgliedern geh&ouml;ren &uuml;berwiegend Branchenverb&auml;nde, global agierende Wasserkonzerne, UN-Organisationen, Ministerien, Politiker, Wissenschaftler und Finanzorganisationen. Das Weltwasserforum, das von 25.000 Teilnehmern besucht wurde, fand unter dem Motto &bdquo;Wasserdifferenzen &uuml;berwinden&ldquo; statt. Die Veranstaltung wurde von Gegendemonstrationen begleitet. Die Istanbuler Polizei war mit &uuml;ber 2000 Mann pr&auml;sent, setzte Gummigeschosse, Kn&uuml;ppel und Tr&auml;nengas gegen die 300 friedlichen Demonstranten ein und nahm 17 Demonstranten (vorwiegend Frauen) fest. Umweltsch&uuml;tzer werfen der T&uuml;rkei vor, mit Staudammprojekten zehntausende Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, Kultursch&auml;tze zu zerst&ouml;ren und &ouml;kologische Sch&auml;den anzurichten (siehe auch: <a href=\"?p=3119\">&ldquo;Der Bau des Ilisu-Staudamms in der T&uuml;rkei&ndash; die Bundesregierung f&ouml;rdert ein Staudamm-Projekt unter Auflagen, die offensichtlich von der t&uuml;rkischen Regierung ignoriert werden&rdquo;<\/a>). Zwei Mitarbeiterinnen der NGO &bdquo;International Rivers&ldquo; mit Sitz in Berkely, USA, hielten zu Beginn des Weltwasserforums ein Banner mit der Aufschrift: &ldquo;No Destructive Dams!&rdquo; in die H&ouml;he. Sie wurden umgehend abgef&uuml;hrt und kurz darauf abgeschoben. <\/p><p>Das parallel zum Weltwasserforum tagende alternative &ldquo;Peoples Water Forum&rdquo;, verurteilte die Unterdr&uuml;ckung der Stimmen der Zivilgesellschaft. F&uuml;r die Nichtregierungsorganisation Attac zeigt die willk&uuml;rliche Gewalt der Polizei in aller Deutlichkeit die Brutalit&auml;t der Spaltung zwischen denen, die Zugang zu sozialer und politischer Macht haben und denen, die nicht dar&uuml;ber verf&uuml;gen. Begleitet wurde der Kongress obendrein von einem Skandal: die UNESCO hat auf Druck des Gastgebers T&uuml;rkei eine Pr&auml;sentation &uuml;ber die Auswirkungen von Staud&auml;mmen auf kulturelle G&uuml;ter, abgesagt.  <\/p><p><strong>Widerstand gegen destruktive Staudamm- und Wasserprivatisierungspolitik<\/strong><\/p><p>Anfang M&auml;rz reisten rund einhundert Personen vom Tigristal in die t&uuml;rkische Hauptstadt Ankara, um  bei den Botschaften Deutschlands, &Ouml;sterreichs und der Schweiz gegen die Beteiligung der drei L&auml;nder am Ilisu-Projekt zu protestieren und &uuml;berreichten dabei Schreiben von 1500 Einwohnern der Region an die Schweizer Bundesr&auml;tin Leuthard sowie den Bundeskanzlern Merkel und Gusenbauer, in denen sie Asylantr&auml;ge ank&uuml;ndigten, sobald ihre Heimat &uuml;berflutet werde, mit den Worten: &bdquo;Wir w&uuml;rden durch den Ilisu-Stausee alles verlieren. Wer unsere Lebensgrundlagen und unsere historischen Wurzeln zerst&ouml;rt und daran noch verdient, soll uns aufnehmen und f&uuml;r unsere Zukunft sorgen&ldquo;. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.evb.ch\/p25013764.html\">www.evb.ch<\/a>). Die friedliche Demonstration, auf der zu Beginn des Weltwasserforums eine Beendigung der Wasserprivatisierung und der Staudammpolitik gefordert wurde, beantwortete die t&uuml;rkische Polizeimit Gewalt und Repression. <\/p><p>Riesige Staudammprojekte werden von Gro&szlig;banken und Konzernen r&uuml;cksichtslos durchgezogen, ohne auf die kulturellen, sozialen und &ouml;kologischen Folgen zu achten. In der T&uuml;rkei sollen Seen, Fl&uuml;sse, Quellen und andere Gew&auml;sser privatisiert werden. Das Gesch&auml;ft mit dem Wasser lockt Trinkwasser- und Bew&auml;sserungsfirmen an, aber auch Energie-, Bergbau-, Chemie-,  Bauunternehmen und Nahrungsmittelkonzerne. Wasser wird zur privaten Profitquelle f&uuml;r Aktion&auml;re. Leidtragende sind die Menschen der Regionen, welche steigende Wasserpreise nicht mehr aufbringen k&ouml;nnen (siehe auch <a href=\"?p=3493\">&ldquo;Der Staudammwahn der T&uuml;rkei&rdquo;<\/a>). Mit der Privatisierung des Wassers wird die Kontrolle &uuml;ber das Wasser in die H&auml;nde internationaler Investoren gelegt. Gegen diese Privatisierungspolitik hat sich ein breites B&uuml;ndnis formiert, das auf dem alternativen Weltwasserforum in Istanbul mit Vortr&auml;gen, Demonstrationen und alternativen Wasserversorgungsmodellen dem Ausverkauf des Wassers ein Ende bereiten will. Zu diesem B&uuml;ndnis geh&ouml;ren unter anderem die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation Attac, die Rosa Luxemburg Stiftung und die Gewerkschaft ver.di. Der Gewerkschaft ver.di zufolge verbindet die T&uuml;rkei mit der Ausrichtung des Forums augenscheinlich das Interesse, ihre Oberfl&auml;chengew&auml;sser meistbietend an gro&szlig;e Konzerne zur Industrieansiedlung zu verscherbeln. Im Klartext hei&szlig;e das, die Nutzungsrechte der Gew&auml;sser f&uuml;r 49 Jahre zu verkaufen. Gegen diese Absicht habe sich europaweit eine Protestbewegung gebildet, die in der T&uuml;rkei ihren Ursprung hatte. Ver.di hat mit attac und anderen Gruppen Unterschriften gesammelt, die am 13.03.2009 dem t&uuml;rkischen Botschafter in Berlin &uuml;bergeben wurden. Au&szlig;erdem wurde im Vorfeld der Konferenz ein Brief an die Bundeskanzlerin und die Fraktionen geschickt. Ver.di schlie&szlig;t sich der Forderung einer Gruppe s&uuml;damerikanischer Staaten an, die auch von Spanien unterst&uuml;tzt wird, solche Konferenzen unter das Mandat der Vereinten Nationen zu stellen. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise, sei es, so ver.di, Zeit, den weltweiten Privatisierungswahn f&uuml;r den Wassersektor zu stoppen. Es gebe andere L&ouml;sungen, wie &ouml;ffentlich-&ouml;ffentliche Zusammenarbeit. Diese wurde insbesondere von der I&Ouml;D (internationaler Verband der &ouml;ffentlichen Dienstleistungsgewerkschaften) l&auml;nder&uuml;bergreifend angesto&szlig;en. Es gebe positive Beispiele, z.B. zwischen Brasilien und S&uuml;dafrika. Ver.di betont, dass es wichtig sei, hierf&uuml;r Finanzierungsregularien zu entwickeln (Quelle: <a href=\"http:\/\/presse.verdi.de\/aktuelle-themen\/weltwasserforum\">presse.verdi.de<\/a>).<\/p><p><strong>Ziel des 5. Weltwasserforums<\/strong><br>\nwar es, konkrete L&ouml;sungen f&uuml;r die wachsenden Wasserprobleme in der Welt zu finden und deren Bedeutung der Welt&ouml;ffentlichkeit zu vermitteln sowie Entscheidungstr&auml;ger von der Dringlichkeit politischen Handelns zu &uuml;berzeugen. Dazu geh&ouml;ren folgende Themenschwerpunkte:<\/p><ul>\n<li>Globale Ver&auml;nderungen und Risikomanagement;<\/li>\n<li>Verbesserung von Entwicklungsbedingungen und F&ouml;rderung der Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele;<\/li>\n<li>Bewirtschaftung und Schutz von Wasserressourcen und der Versorgungssysteme unter Ber&uuml;cksichtigung der Bed&uuml;rfnisse von Mensch und Umwelt;<\/li>\n<li>Steuerung, Verwaltung und Bewirtschaftung;<\/li>\n<li>Nachhaltige Finanzierung des Wassersektors sowie<\/li>\n<li>Bildung, Fachwissen sowie Aufbau und Entwicklung von fachlichen Kompetenzen.<\/li>\n<\/ul><p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/themen\/politik\/wasserpolitik\/weltwasserforum-2009\/\">www.wwf.de<\/a>)<\/p><p><strong>Ergebnisse des Weltwasserforums<\/strong><br>\nDer Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge war der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Umweltorganisation Global Nature, Udo Gattenl&ouml;hner,  erstaunt, als einer der Teilnehmer seine L&ouml;sung der Krise vorstellte. Dieser habe in einer Diskussionsrunde vorgeschlagen, im brasilianischen Pantanal die Anbaufl&auml;chen f&uuml;r Zuckerrohr deutlich ausweiten, um damit so genannten Biosprit als Treibstoff f&uuml;r Autos herzustellen. Allerdings geh&ouml;rt das unter Naturschutz stehende Feuchtbiotop &ndash; etwa so gro&szlig; wie die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung &ndash; zum UNESCO-Welterbe.<br>\nMartin Geiger, Wasserexperte bei der Umweltstiftung WWF Deutschland, sagte am Sonntag: &bdquo;Was wir angesichts einer drohenden, globalen Wasserkrise brauchen sind konkrete Gegenma&szlig;nahmen und ambitionierte Ziele  und keine wachsweichen Versprechungen.&ldquo; <\/p><p>Das 5. Weltwasserforum endete mit einer Erkl&auml;rung, die ein Appell f&uuml;r eine bessere Trinkwasserversorgung enthielt. Die Delegierten riefen dazu auf, mehr Menschen den Zugang zu sauberem Wasser und Sanit&auml;ranlagen zu erm&ouml;glichen. Frankreich, Spanien einige L&auml;nder Afrikas und Lateinamerika setzten sich daf&uuml;r ein, Wasser nicht nur als &ldquo;menschliches Grundbed&uuml;rfnis&rdquo;, sondern als Menschenrecht zu bezeichnen. Da Brasilien, &Auml;gypten und die USA dagegen waren, enth&auml;lt das Abschlusspapier keine Formulierung, die sauberes Trinkwasser als Menschenrecht definiert. Auf Initiative des Gegenforums &bdquo;People&rsquo;s Water Forum&ldquo;, wurde eine Gegenerkl&auml;rung unterzeichnet, die ein unverselles Grundrecht auf Wasser definiert und der sich 20 Staaten angeschlossen haben, darunter Spanien, S&uuml;dafrika, Bangladesch und die Schweiz.<br>\nDie Teilnehmer des Weltwasserforums wollen sich k&uuml;nftig um ein besseres Wassermanagement bem&uuml;hen. Bei Betrachtung der Zusammensetzung der Akteure des Wasserforums, scheint dies jedoch auf eine profitorientierte Privatisierung des Wassers hinauszulaufen.<\/p><p>Das Weltwasserforum in Istanbul stellt eine Plattform zum Austausch f&uuml;r die im internationalen Wassersektor t&auml;tigen Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dar, die ihre Interessen auf dem Gebiet der Wasserversorgung austauschen. Zu den internationalen Gruppen, Initiativen, Organisationen und Regierungsstellen, die auf dem Weltwasserforum vertreten waren, z&auml;hlt auch die 1974 gegr&uuml;ndete Deutsche Gesellschaft f&uuml;r Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH. Die GTZ ist ein  Zusammenschluss der ehemaligen Bundesstelle f&uuml;r Entwicklungshilfe (BfE) und der Deutschen F&ouml;rdergesellschaft f&uuml;r Entwicklungsl&auml;nder (GAWI). Einziger Gesellschafter des Unternehmens ist die Bundesrepublik Deutschland. Hauptauftraggeber der GTZ ist das Bundesministerium f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ein Generalvertrag zwischen Bundesregierung und GTZ, verpflichtet die GTZ, die Auftr&auml;ge des BMZ im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit (TZ) auszuf&uuml;hren. Mit Zustimmung der Bundesregierung oder im Auftrag Dritter, wie der Weltbank, der EU, das Amt des Hohen Fl&uuml;chtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) oder der Entwicklungsl&auml;nder, wird die GTZ t&auml;tig. Das Bundesministerium f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist der Ansicht, dass weltweit Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit die Wasser- und Sanit&auml;rversorgung von &uuml;ber 80 Millionen Menschen verbessern. Als drittgr&ouml;&szlig;ter bilateraler Geber investiere Deutschland j&auml;hrlich durchschnittlich 350 Millionen Euro im Wassersektor. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterst&uuml;tze somit das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele, die unter anderem eine Halbierung der Zahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser und Sanit&auml;rversorgung bis zum Jahr 2015 vorsehen.(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bmz.de\/de\/presse\/aktuelleMeldungen\/2009\/maerz\/20090317_weltwasserforum\/index.html\">www.bmz.de<\/a>).<\/p><p><strong>Privatisierung des Wassers ist ineffizient<\/strong><\/p><p>Obwohl das Bundesministerium f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die eigenen Wasserprojekte Evaluierungen unterzogen hat, die erhebliche Defizite hinsichtlich des Ziels der Armutsbek&auml;mpfung zu Tage f&ouml;rderten, ist eine Abkehr von Privatisierungsbestrebungen nicht zu erkennen. Daseinsvorsorgerische Unternehmen sollen aus der staatlichen Verantwortung genommen und durch privatwirtschaftliche Managementmethoden auf weitere Privatisierungen hin angelegt werden. Kurzfristige Dienstleistungsvertr&auml;ge dienen dem Einstieg in weitreichendere  Public-Private-Partnersphips. Obwohl sich inzwischen einzelne Konzerne aus der Wasserversorgung in Entwicklungsl&auml;ndern zur&uuml;ckziehen, nimmt die Wasserprivatisierung weltweit zu. Der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung (BLUE 21) zufolge reagierte die multilaterale Entwicklungshilfe auf diesen Teilr&uuml;ckzug mit einer Anpassung ihrer Kreditkonditionalit&auml;ten, einer versch&auml;rften Selektivit&auml;t bei der F&ouml;rderung und einer engeren Abstimmung unter den Gebern.  Eine bestimmende Rolle nehme bei der &bdquo;neuen Konditionalit&auml;t der Privatisierung&ldquo; die Weltbank ein. Neben der Weltbank &uuml;bernehme die OECD eine wichtige Rolle bei der Geberharmonisierung, die aus Perspektive der Empf&auml;ngerl&auml;nder zur Herausbildung eines &uuml;beraus m&auml;chtigen &bdquo;Hilfskartells&ldquo; f&uuml;hre. Dabei laufe die OECD-Strategie auf eine systematische Entstaatlichung des Wassersektors hinaus. BLUE 21 fand heraus, dass die vielen neu gegr&uuml;ndeten Multi-Geber-Initiativen ausschlie&szlig;lich der Finanzierung von Privatsektorbeteilungen und diesbez&uuml;glichen Beratungsleistungen diene. Die Organisation &uuml;berpr&uuml;fte die Privatisierungsstrategie der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und kam zu dem Ergebnis, dass diese ein Ausdruck der zunehmenden Fusion von Entwicklungshilfe und Wirtschaftsf&ouml;rderung ist. Hier kommen sich das Werben des Entwicklungsministeriums um Partnerschaften mit der Privatwirtschaft und den deutschen Industrieinteressen am globalen Wassermarkt entgegen. Danach habe sich der Staat aus der Versorgungst&auml;tigkeit zur&uuml;ckzuziehen und auf Rahmenplanung und Regulierung zu beschr&auml;nken. Auch die vom BMZ in Auftrag gegebenen Gutachten attestieren den PPPs mangelhafte Armutsorientierung. Immer wieder f&uuml;hren die deutschen Wasserprojekte zu Geb&uuml;hrensteigerungen, die gerade f&uuml;r &auml;rmere Haushalte, die vermeintliche Zielgruppe der Entwicklungshilfe, unerschwinglich waren. <\/p><p>Aufgrund des R&uuml;ckzugs privater Investoren entwickelte die Weltbank eine neue Strategie, die nicht, wie man vermuten k&ouml;nnte, auf verst&auml;rke Unterst&uuml;tzer &ouml;ffentlicher Versorger abzielt, sondern eine Reihe von Ma&szlig;nahmen beinhaltet, die der Privatwirtschaft den Weg ebnen sollen. Beispielsweise sollen Regierungen noch mehr Anreize f&uuml;r private Investoren schaffen, wie die &Uuml;bernahme von Kreditgarantieren und Wechselkursrisiken, die Finanzierung der Beraterkosten bei internationalen Ausschreibungen und Privatisierungen, die Herstellung eines investitonsf&ouml;rderlichen rechtlichen Umfelds, unabh&auml;ngige Regulierungsbeh&ouml;rden sowie ergebnisbezogene staatliche Subventionierung der Kundschaft privater Wasserversorger. (Quelle: Thomas Fritz, Schleichende Privatisierung, FDCL-BLUE 21, <a href=\"http:\/\/fdcl-berlin.de\/fileadmin\/fdcl\/Publikationen\/Schleichende-Privatisierung.pdf\">[Download pdf 554KB]<\/a>)<br>\nDie Publikation der entwicklungspolitischen Organisationen befasst sich mit den wichtigsten Privatisierungstrends auf multilateraler Ebene und schildert die ern&uuml;chternden Erfahrungen mit  deutschen Public-Private-Partnerships im Wassersektor. Am Beispiel Boliviens liefert sie Einblicke in die undemokratische Privatisierungspraxis der beiden deutschen Entwicklungsagenturen GTZ und KfW. Das Papier des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile-Lateinamerika (FDCL) und BLUE 21 kommt zu dem Schluss, dass sich entgegen aller offiziellen Mythen die Wasserprivatisierung als &uuml;beraus ineffizient erweist. W&auml;hrend die erhofften Neuinvestitionen &auml;u&szlig;erst gering ausfallen, werden &ouml;ffentliche Kassen und Geb&uuml;hrenzahler zunehmend geschr&ouml;pft. <\/p><p>Der t&uuml;rkische Staatspr&auml;sident Abdullah G&uuml;l sagte bei seiner Er&ouml;ffnungsrede: &bdquo;Wir m&uuml;ssen verstehen, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist&rdquo;. Solange Wasserprivatisierungen, Public-Private-Partnerships, gro&szlig;e Staudammprojekte und Privatisierungen von Fl&uuml;ssen vorangetrieben werden, haben Politiker &uuml;berhaupt nichts verstanden und ergehen sich in Sonntagsreden. Es liegt immer noch nahezu ausschlie&szlig;lich an den zivilgesellschaftlichen Organisationen die Doppelz&uuml;ngigkeit der Politiker und die Interessen der Wirtschaft am Menschenrecht Wasser zu entlarven. Wenn sich Widerstand auf breiter Ebene, l&auml;nder&uuml;bergreifend bilden kann, hat die Menschheit eine reelle Chance, dass in der Schlusserkl&auml;rung eines k&uuml;nftigen Weltwasserforums die Anerkennung des freien Zugangs zum Wasser als universelles Grundrecht aller Menschen international verankert wird. Viel Zeit bleibt jedoch nicht, denn in drei Jahren findet das n&auml;chste Weltwasserforum in Durban, S&uuml;dafrika statt. Und bis dahin wird sich die die Probleme bei der Wasserversorgung weltweit noch massiv versch&auml;rfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur etwa drei Prozent der globalen Wassermenge bestehen aus S&uuml;&szlig;wasser. Drei Viertel davon sind in Gletschern und im Polareis gespeichert. Obwohl zwei Drittel der Erdoberfl&auml;che von Wasser bedeckt sind, ist es ein knappes Gut und der Zugang zur knappen Ressource ist begrenzt. Etwa 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung und 2,5 Milliarden Menschen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3852\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,143,150],"tags":[238,305,335],"class_list":["post-3852","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","category-verbraucherschutz","tag-attac","tag-menschenrechte","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3852"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3852\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20454,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3852\/revisions\/20454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}